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„Wir helfen, wo wir helfen können“, ...

  • Vorspann: ... zufrieden mit Leidenschaft und Herzblut durchs Leben.
    Das Ehepaar erlebt 1989 hautnah den Mauerfall, wandert nach Westdeutschland aus und verbringt ihr Leben in Bremen. Sie entschließen sich aus dem sich rasant drehenden Hamsterrad auszusteigen und überlegen ihr Leben anders zu gestalten. Eher zufällig kommen sie erstmals nach Südtirol und leben seit Anfang 2021 in Vetzan. Sie danken allen herzlichst, die sie hier so freundlich und offen aufgenommen haben.
  • Dachzeile: Portrait
  • Redakteur: Christine Weithaler
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Kerstin und Peter wachsen beide in schwierigen Familienverhältnissen auf. Sie müssen früh auf eigenen Beinen stehen und gehen, oft allein gelassen, ihren Weg. Sie wachsen in derselben Stadt auf, begegnen sie sich erst mit 18. Kerstin arbeitet nach ihrer Ausbildung zur Operationsschwester im Op eines Krankenhauses. Peter studiert Energietechnik an der Uni in Dresden. Nach ihrer Hochzeit zieht Kerstin zu ihm. Gemeinsam erleben sie diese Zeit als wahre Befreiung. Sie begeistern sich für musikalische und kulturelle Veranstaltungen und teilen dieses Interesse bis heute. Im Herbst 1989, vor dem Mauerfall, sind sie in Dresden mitten in den protestierenden Menschenmengen. Aus Angst, diese offene Tür und deren Möglichkeiten schließt sich bald wieder, verlassen sie die damalige DDR. Zufälle und Freunde bringen zunächst Kerstin allein nach Bremen. Sie erhält sofort eine Stelle als Op-Schwester in einem katholischen Krankenhaus. Peter kommt kurze Zeit später nach. Der Familienwunsch blieb ihnen leider verwehrt. Dafür steckten beide ihre Leidenschaft und ihr Herzblut in ihre Arbeit. Kerstin hatte bis vor fünf Jahren die Leitung eines Zentral-OPs im Krankenhaus inne. Eine fordernde Position mit Anwesenheits-Bereitschaften und Tagen, an denen 24 h operiert wurde. Ihre freie Zeit schenkte sie gerne ehrenamtlich Senioren im nahegelegenen Heim. Peter erhielt 1990 eine Arbeitsstelle als Projektingenieur in einem Familienbetrieb mit 130 Mitarbeitern. Der noch Unerfahrene wollte mit seiner Freude an Technik und Menschen, seinem Interesse an Unternehmensfragen, etwas gestalten. Durch seinen Ehrgeiz und viel persönlichen Einsatz kam er schnell weiter. Er übernahm 1995 das Technische Büro und war bald Geschäftsführender Gesellschafter, gemeinsam mit einem kaufmännischen Partner aus der Gründerfamilie. Gemeinsam bildeten sie die 3. Unternehmergeneration. Trotz wenig freier Zeit engagierte auch Peter sich ehrenamtlich in verschiedensten Stellen, wie beim Verein Deutscher Ingenieure und im „Rotary“, einem Wohltätigkeitsverein. Peter legte viel Leidenschaft und unzählige Arbeitsstunden in seinen Beruf. 2015 war er eines Tages „eher tot als lebendig“ wie Kerstin sagt. Nach einer Auszeit, geht er in den Beruf zurück, findet im Unternehmen einen Nachfolger und verlässt Ende 2020 beruhigt die Firma. Das Ehepaar möchte den neuen Lebensabschnitt mehr in der Natur und vielen Sonnenstunden verbringen. Sie sind neugierig auf ein Leben abseits ihrer bisherigen Berufe, auf eine neue Lebensumgebung und neue Erfahrungen. Eher zufällig kommen sie erstmals nach Südtirol. Geschäftlich hatte Peter bereits 2012 mit dem damaligen Chef der Firma OHB in Bremen zu tun, der gleichzeitig Besitzer von Schloss Annenberg oberhalb Vetzan war. Zufall oder Schicksal?
In Vetzan wurde das Kondominium Winklerhof gebaut. Auswärtige kauften sich eine Zweitwohnung und nutzten sie als Feriendomizil. Für das Ehepaar Wenzel war klar, wenn, dann ziehen sie fix hierher. Sie möchten mit den Menschen im Dorf leben und sich integrieren. Nur ein kleiner treuer Freundeskreis und die beiden Patenkinder verbinden sie noch mit Bremen. Sie bewältigten viele Herausforderungen in ihrem Leben mit dem gegenseitigen Rückhalt, egal wie, wir bekommen das gemeinsam hin. So auch den Umzug Anfang 2021. Im April 2022 erfüllte sich das Ehepaar einen Traum und startete eine dreimonatige Radtour von Vetzan bis nach Sizilien. Sie sind gern mit dem Rad oder zu Fuß am Berg unterwegs. Sie lieben die Geselligkeit und die Gespräche mit den Menschen im Dorf, interessieren sich für das Geschehen und die Vereine, für Traditionen und Geschichte. Viel Zeit verbringen sie mit ehrenamtlichen Tätigkeiten. Es beeindruckt beide, dass das Ehrenamt und die Vereinsarbeit hier so wunderbar gelebt werden. Uneigennützig dazu beizutragen und ein Teil davon zu sein, ist ihnen wichtig. Sie sagen, sie hatten viel Glück im Leben und möchten deshalb der Gemeinschaft etwas zurück geben. Das sind verschiedenste Nachbarschaftshilfen, Engagement in den Vereinen, Freundschaftshilfe bei der Ernte und verschiedene Arbeiten im Garten. Dadurch sind inzwischen wertvolle Freundschaften entstanden.
Ihr Leben war früher notwendigerweise sehr strukturiert, mit vielen Arbeitsstunden verplant. Ihre heutige Spontanität lernten sie in Südtirol kennen und sind froh darüber, diese Spontanität leben zu können. Die Wahlvinschger leben gern mit den Menschen im Dorf und in der Gemeinde. Sie wollen gerne bleiben. Für Kerstin und Peter ist Heimat dort wo das Herz ist, und dieses ist jetzt in Vetzan.

“Doubm in Toul” - Erinnerungen an Langtaufers von Martin Thöni

  • Dachzeile: Kultur
  • Redakteur: Peter Tscholl
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  • Weitere Fotos - 1: Winter in Perwarg. Blick aus dem Stubenfenster iibr s’Miihlhiasa gortn unt t’Olt Wolch auf den Rieglwald und den „Hausberg“ des Jaggl. Aufnahme: 28. 2. 1975.
  • Weitere Fotos - 2: Kapron (ca. 1.700 m): doch „Ort der Felder“,  nicht „Ort der Ziegen“? Aufnahme: 5. 10. 1975.
  • Weitere Fotos - 3: Blick auf Kapron, Hauptort von Ausserlangtaufers. Standpunkt: Mutzgrat (2.438 m). Alle Äcker sind nun Wiesenflächen gewichen. Aufnahme: 22. 8. 2017.
  • Weitere Fotos - 4: Wilhelmina Thöni-Plangger (Naza-Mina) pan mischtfiarn mit dr penn. Das Ein-Kuh-Gespann ist eine auffallende Seltenheit – und Minas eigene Erfindung! Aufnahme: Alois Thöni, 1950-er Jahre.
  • Weitere Fotos - 5: Tratsch in Kapron: Dominika Meßner und Förster Anton Patscheider (ti Pauli-Dominika unt dr Lutza-Touni) pan hoangrtn. Aufnahme: Juli 1976.

Martin Thöni ist 1947 in Perwarg, Langtaufers, geboren. Thöni ist Geologe, er forschte und lehrte von 1976 bis 2012 an der Universität Wien (in Wien). Seit 2012 ist Thöni in Pension. Martin Thöni lebt heute noch in Wien, denkt aber gerne zurück an „die alte Zeit, doubm in Toul“, in den 1950-er und 1960-er Jahren. “Eigentlich kenne ich das Toul nur aus meiner Jugend, als Goaßr und Untrhirt“, sagt er. Dann ist er nämlich von Langtaufers weggegangen, zuerst in die Latein-Mittelschule nach Mals, dann nach Brixen. In Meran hat Thöni 1968 die Matura gemacht. Er studierte in Innsbruck und Wien und promovierte am 1. Juli 1976 an der Universität Wien im Fach Geologie. Mit Langtaufers hatte M. Thöni seit seiner Jugendzeit nicht mehr allzuviel zu tun, war aber beruflich oft dort, etwa bei Exkursionen. Aber noch heute, nach mehr als 60 Jahren, tauchen oft Toulr Erfahrungen aus tiefster Kindheitserinnerung auf.

Kindheit in Perwarg

„Kindr, aufschtean! Haint mögg‘s enk t‘wicklggamaschn aa nou anlöign – as hot kniatiaf gschniibm unt dr voutr hot koa zait in weig z‘schöpfn!“ So ähnlich hat Martin Thöni einen wintermorgendlichen Weckruf seiner Mutter aus den 1950-er Jahren in Erinnerung. „Winter konnten zu meiner Kinderzeit in Toul doubm ziemlich hart sein. Unser knapp 2 km langer Schulweg von Perwarg nach Pedroß, den ich meist gemeinsam mit meiner um ein Jahr älteren Schwester Elsa ging, führte zuerst bergab ins Haupttal, zun groaßboch, dann jäh bergauf, durrn trai nach Kapron; aber auch dort wurde die Hauptstrasse in den 1950-er Jahren bei plötzlichem Schneefall nicht rechtzeitig und regelmäßig geräumt. Man musste eben selber ‚schneepflügen‘ so gut es ging, und diesen Schulweg mussten wir Kinder in der Regel zweimal täglich hin und zurück gehen. Ein ziemliches Unterfangen in den Wintermonaten der damaligen Zeit war auch, wenn man, zeitig am Morgen auf eisigen Wegen und vielleicht mit Gepäck, zu Fuß das erste Postauto im mehr als 5 km entfernten Graun erreichen wollte. Das ging in Toul noch so bis in die frühen 1960-er Jahre. Es war wirklich eine andere Zeit.
In meiner persönlichen Erinnerung änderte sich dies alles dann radikal in kürzester Zeit. Am auffallendsten merkte man diese Änderungen wohl pan fuarwerchn („Fuhrwerken“). Die möin (Möhn, Rinder-Doppelgespann), das von alters her unverzichtbare ‚Arbeitsduett‘, wurde bei Arbeiten wie pan bauan, mischt-, holz- und haifiarn (beim Pflügen, für Mist-, Holz- und Heu-Transport) zunehmend durch kleine Zugmaschinen (oa-axr) und (ab 1959) auch schon durch Traktoren verdrängt, und auf den staubigen Schotterstrassen und Feldwegen machten sich nicht nur vereinzelt loschtauto (Lastwagen), sondern mehr und mehr auch luxasauto (Personenautos) breit.

Der Getreideanbau, insbesondere für den sehr speziellen, höhentauglichen Roggen, der bis dahin in vielen Haushalten zum familieneigenen baurabrout noch wesentlich beigetragen hatte, wurde zugunsten von Futterklee u.a. aufgegeben. Z‘unsichr aff deir heach und aa z‘viil orbat – ma konn‘z jo haint wolflar kaafn, hiess es bei manchen ‚fortsschrittlich Gesinnten‘. Vorerst aber lebten noch etliche der alten Gewohnheiten, Arbeitsweisen oder auch von den spärlichen Freizeitbeschäftigungen eine Zeitlang weiter.

Wie sehr betagte Menschen in dieser alten kargen Lebensweise, genügsam und zufrieden verwurzelt sein konnten, zeigte mir oft genug mein eigener Vater. Daraus habe ich viel gelernt – aber erst spät im Leben. Bei den Nachbarn in Toul hiess er einfach dr Naz, und dr Naz war ein nach innen und aussen fein geordneter, sehr vielseitig aktiver, aber auch äusserst massvoller und sparsamer Mann. Einige seiner oft wie zufällige Selbstgespräche klingenden Äußerungen tauchen gelegentlich noch heute, nach mehr als 60 Jahren, in mir wie Mahnmale aus tiefster Erinnerung auf. Schon über 70, hatte sich dr Naz, zum Beispiel, eine alte Holzbank, die seiner Meinung nach im Haus ausgedient hatte, neben die Haustür hinstellen lassen; hier machte er nach dem Mittagessen gelegentlich a raschtrli und genoß die milde Sonne. Als er eines Sonntags wieder einmal auf dieser Bank sinnierte, seine Gedanken aber durch das Motorengeheul des – zwar nur dünn fliessenden – Autoverkehrs auf der gegenüberliegenden Talseite (untr Kasr) offenbar dennoch gestört schienen, schüttelte er energisch den Kopf und meinte, wie zu sich selber: „I woass lai ett, wou t‘lait in sunnta ollm iibroll hiinfourn miassn – gschtott dassatnzi drhoam bliibatn und roschtn taatn!“ Und nach längerer Unterbrechung kam eine noch beachtlichere Äußerung, die offensichtlich seinen Gedankengang zu Ende bringen sollte – und die mich persönlich bis heute staunen läßt! „Wous braucht dr mentsch?! Frischa luft, a frischas wossr – unt a-n-orbat! Sischt brauchtr jo ett viil!?!“

Das Weltbild „vo amearscht“ beginnt zu bröckeln

„Schon in den 1950-er Jahren hatte ich die Installation ‚von elektrischa‘ (der Elektrizität) in unserem Haus miterlebt. Um 1959 hielt gar ein Radio Einzug, und ab jetzt war, vor allem für meine Mutter, eine Sendung bei Radio Beromünster mehrfach am Tag gewissermaßen Pflicht: ‚wettr lousn‘. Denn das Wetter bestimme nach ihrer Auffassung den Jahreslauf, und ‚dr Schweizr hot s‘bescht wettr‘ meinte sie. Ab Mitte der 1960-er Jahre spürte man die Veränderungen in Toul dann immer deutlicher. Hoch spannende, spätherbstliche Tätigkeiten etwa waren für uns Kinder neben gelegentlichem Kräuter-, Pilze- und Beerensammeln, das um-kranamitt- oder um-massigga-gean (Wacholder schneiden oder Isländisch Moos sammeln). Das Streu-Sammeln im Wald (schtröib krotzn) als Einstreu für die Rinder im Stall, Baum-Bart bzw. Bartflechten, auf die die Ziegen ganz versessen waren, hoch aus den Fichtenstämmen im Winterwald holen und Rehe füttern, waren für mich nach der Schule aufregende Beschäftigungen in der schneereichen Zeit. Doch die meisten dieser alten Tätigkeiten wurden zunehmend als überflüssig erachtet und in kürzester Zeit aufgegeben. Sogar bei Freizeitbeschäftigungen war das zu bemerken: Mriarschn, das bei älteren Menschen wohl beliebteste Kartenspiel, verschwand; es wurde vom schweizerischen Jassn (auch Djassn) bald vollständig verdrängt. Alle die vermeintlich schalen, oft auch anstrengenden alltäglichen Arbeiten, wie holz- und wossrtrougn (vom Brunnen holen), die Stallarbeit insgesamt und natürlich die Tätigkeiten auf Acker und Wiese in der Schönen Jahreszeit, hatten etwas Spannendes an sich – dennoch, die wirklich interessante und lehrreiche Zeit für mich kam erst Ende der 1950-er Jahre: Mit den Ziegen und dann auf der Alm!“

... aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

“In a Metzgerei muaß man zum Glück nia Hunger leiden.“

  • Vorspann: Josef Christanell alias Kreiz Sepp, wurde in der Zwischenkriegszeit am 12. Juni 1937 in Naturns geboren. Im Zentrum des damals ländlichen Ortes ist er aufgewachsen, als Sohn des Gastwirtes und Metzgers Franz Christanell, mit regelmäßigen Aufenthalten auf dem Tisenhof in Schnals, wo seine Mutter herkam.
  • Dachzeile: Portrait
  • Redakteur: Astrid Fleischmann

Sepp war der Drittgeborene von insgesamt 12 Geschwistern, acht Buben und vier Mädchen. Sein älterer Bruder Franz und er machten oft gemeinsam Sommerfrische im Schnalstal auf dem Tisenhof, auch in den Kriegsjahren, als die deutschen Soldaten auf dem Hof der Großeltern einen Stützpunkt hatten. „I hon nia Ongscht kop. I hon mi olm sicher gfühlt.“ Sepp erlebte auch, wie das Gasthaus seiner Eltern im Zentrum von Naturns zu einem Standort des Militärs umfunktioniert wurde. „Zersch sein die Deitschn kemmen, dernoch die Italiener und ols isch italienisch gwordn.“
Mit 11 Jahren besuchte Sepp die Mittelschule in Meran. „In Naturns hots nochn Kriag lei ,sì‘ und ,no‘ gebn.“ In Meran hat Sepp dann Italienisch gelernt. Was er und sein Bruder Franz dort noch gelernt haben, war das Fußball spielen. Dieser Sport wurde ihre Leidenschaft und die beiden waren es, die den Fußball nach Naturns gebracht haben. Sepp erzählt, dass nach dem Krieg in Naturns keine 2000 Einwohner lebten und die Spieler der ersten Mannschaft zusammengewürfelt waren aus Naturns, Partschins, Meran, Kastelbell. Der Grundstein für den Naturnser Fußballverein war damit gelegt. Gründungsjahr war 1952. „Ohne die Auswärtigen hattn mir kuane Monnschoft zomderstellt“, erzählt Sepp. Trainiert wurde im Hof auf der Wiese beim Kreuzwirt, ohne Trainer. Die erste Saison mussten die Naturnser in Meran spielen, weil der Fußballplatz in Naturns, den die Deutschen Soldaten errichtet hatten, als Holzlagerplatz diente. „Mir sein mitn Zug noch Meran gfohrn, hobn inser Huamspiel gmocht und sein wieder zruggfohrn.“ Als Franz Christanell, Sepps Vater, Bürgermeister wurde, bot er den jungen Fußballspielern die Möglichkeit, den Fußballplatz herzurichten. Heute noch trifft man den Kreiz Sepp am Sonntag beim Heimspiel in Naturns.
Gerne erinnert sich Sepp an die Zeit zurück, wo er mit 18 Jahren im elterlichen Gasthaus Kreuzwirt mit Kravatte die Gäste bedient hat. „Eigentlich wollt i liaber Kellner werdn. Ober der Tata hot entschieden, dass i die Metzgerei und der Franz es Gosthaus übernemmen soll.“
Wer den Kreiz Sepp kennt, weiß, dass er der Seniorchef der Metzgerei Christanell ist. Mit 16 Jahren hat er im elterlichen Betrieb angefangen. In München hat er seine Gesellenprüfung gemacht und im Jahr 1965 seinen Meisterbrief in Landshut. Danach wollte er so schnell wie möglich wieder in sein Dorf zurück. „Mi hot’s olm huamgezogn.“
Gründer der Metzgerei Christanell war Sepps Opa, Matthias Christanell. Dieser kaufte 1903 das alte Kreuzwirtshaus samt Stadel, Stall und Güter. 1927 übernahm dessen Sohn Franz, Sepps Vater, den Betrieb. Die Nachkriegsjahre waren schwierig. Als dann der Stausee in Schnals gebaut wurde und in Vernagt, Katharinaberg und Naturns Küchen für die Arbeiter errichtet wurden, lieferte die Metzgerei Christanell das Fleisch für die 2000 hungrigen Männer. „Do sein inmitten von Naturns in uaner Woche schun amol 15 Rinder gschlochtet und verorbeitet wordn,“ erinnert sich Sepp.
1965 übernahm er den Metzgereibetrieb in dritter Generation. 1966 heiratete er Paula Pederiva, ursprüngliche Kastelrutherin. Sie war im Gemischtwarengeschäft in Naturns als Verkäuferin tätig. Beim Tanz in der Alten Post haben Sepp und sie sich besser kennengelernt. Sepp erzählt, dass Paula und er von Null anfangen mussten. Stall und Stadel wurden abgerissen, das neue Gebäude errichtet, der Wurstbetrieb erweitert. Dabei wurde das junge Ehepaar von Sepps Eltern tatkräftig unterstützt. „Die Paula wor a Leben long Lodnerin. Mir hobn ins guat ergänzt. Sie wor die Chefin im Gschäft und i der Chef in der Produktion. Ihr gilt mein groaßer Donk für oll ihre Fürsorge für insre Kinder und ihren Einsotz im Betrieb.“
Sepp hat mit Paula, die 2022 verstorben ist, sieben Kinder, vier Buben und drei Mädchen und insgesamt 16 Enkelkinder. 2017 hat der älteste Sohn Stephan die Metzgerei übernommen. Seine Frau Christine und seine Geschwister Werner und Helga arbeiten im Familienbetrieb. Und auch der Kreiz Sepp hilft mit seinen 88 Jahren immer noch mit. Er sagt: „Orbeit holtet jung.“
Zu guter Letzt spricht Sepp über die Musik. Er war 65 Jahre lang bei der Musikkapelle Naturns tätig. Zuerst hat er Klarinette gespielt, später eine zeitlang Saxophon. „Mein Tata wor musikalisch. Des hon i vun ihm.“ Sepp erinnert sich, wie er in der Stube beim damaligen Feuerwehrkommandanten Luis Gapp Klarinette gelernt hat. „Domols hot’s no kuane Musikschual gebn.“
Es war ein Leben voller Arbeit, Familie, Fußball und Musik. „Mein Leben isch guat verlafn. I bin zufrieden.“ sagt Sepp am Ende des Gesprächs.

„…eine Last, die ich mit mir herumtrage“

  • Vorspann: Das Leben von Gernot Paulmichl ist geprägt von den Übergriffen im Pfarrhaus, denen er als Achtjähriger hilflos ausgesetzt war. Jahrzehntelang schaffte er es nicht, darüber sprechen. Das machte ihn krank. Nun hat er sich im Rahmen einer Therapie entschieden, an die Öffentlichkeit zu gehen, um sich zu heilen. Und er hat seine Geschichte dem Vinschgerwind anvertraut.
  • Dachzeile: Portrait
  • Redakteur: Magdalena Dietl Sapelza
  • Redakteur Bild:

Gernots Gedanken hängen oft an jenem Tag, an dem er von der Pfarrhäuserin aufgefordert wurde, zum Beichten ins Pfarrhaus zu kommen. Aus der Beichte wurde ein sexueller Übergriff des Pfarrers mit der Begründung, Gernot habe eine schwarze Seele, sei von bösen Geistern besessen und müsse mit dem geistlichen Penis, den der Pfarrer „Reinigungsstab“ und „Zepter Gottes“ nannte, gereinigt werden. „Dem sexuellen Akt folgten ein Exorzismus und die Beschwörung niemandem etwas zu erzählen“, erinnert sich Gernot. „Ich fühlte mich schuldig, war ohnmächtig und blieb stumm, auch weil ich wusste, dass mein Vater keinen Widerspruch duldete, schon gar nicht, wenn es um einen Priester ging. Und meine Mutter war eine Schweigemutter“. Als er zaghaft versuchte, sich einer Tante anzuvertrauen, stoppte sie ihn mit einer Watsche. „Alle meine Tanten waren bigott und dem Pfarrer hörig“, sagt Gernot. Er blieb in der misslichen Situation gefangen und wurde immer wieder „zur Beichte“ geholt, an die 50ig Mal schätzt er. Und er war nicht der Einzige, der den Übergriffen des pädophilen Pfarrers ausgesetzt war. Hinter vorgehaltener Hand wurde gemunkelt, und in der Gemeindestube starteten Versuche, den Geistlichen loszuwerden. Erst nach langwierigen Interventionen bei der geistlichen Obrigkeit gelang es schließlich. Der Pfarrer wurde jedoch nicht zur Rechenschaft gezogen. Das Geschehene verschwand unter dem Mantel des Schweigens. Den Pfarrer traf Gernot Jahre später im Pustertal, wo er sich als Schüler der Handelsoberschule in Mals in den Sommerferien sein erstes Geld verdiente. „Der Pfarrer hat mich daraufhin gestalkt, aus Sorge, ich könnte vom Missbrauch erzählen“, vermutet Gernot. Nach der Matura trat er den Militärdienst bei den Fallschirmspringern in Pisa an. Als treffsicherer Schütze wurde er Mannschaftsführer einer zwölfköpfigen Gruppe. Eines Tages kam der Militärpfarrer in sein Zimmer und zeigte ihm einen Brief seines einstigen Peinigers, in dem dieser schrieb, Gernot sei eine ungute Seele und nicht autoritätswürdig. Der Brief musste wohl noch andere Botschaften enthalten haben. Denn der Militärgeistliche forderte ihn daraufhin auf, ihm gegen Bezahlung von 40.000 Lire einmal wöchentlich für sexuelle Dienste zur Verfügung zu stehen. Gernot lehnte entsetzt ab. Die Rache des Priesters folgte sofort. Er ließ Gernot samt seiner Gruppe auf die Freiwilligenliste für den Einsatz in Lybien setzen, wohl auch um zu verhindern, dass sein Ansinnen publik werden könnte. So vermutet Gernot. In Nordafrika galt es dann das von Rebellen besetzte Öllager von Gadaffi bei Tripolis zu befreien. An den Fallschirmen hängend und mit Valium gegen die Angst im Blut wurden die Fallschirmspringer von unten beschossen. Sie versuchten sich zu verteidigten. Zwei aus Gernots Gruppe verloren ihr Leben. „Dieser Verlust und die anschließenden Vorwürfe der Angehörigen, aber auch die Sorge, dass ich selbst jemanden erschossen haben könnte, ist auch eine Last, die ich mit mir herumtrage“, erklärt Gernot. Bitter war auch die Erkenntnis, dass er auch diesen Kummer einem Geistlichen zu verdanken hatte. Wieder daheim bemühte sich Gernot ein normales Leben zu führen. Er betrieb ein Souvenirgeschäft, bildete sich als Sportmasseur aus, heiratete und wurde Vater von drei Kindern. Um die Kirche machte er meist einen großen Bogen. Über die traumatischen Ereignisse schwieg er. „Eines Tages brach alles wie eine Lawine über mich herein“, erklärt er. Wut und Hass zerfraßen ihn. Er versank in Depressionen, hatte Selbstmordgedanken. Um zu vergessen, flüchtete er sich in den Alkohol. Er schaffte den Alltag nicht mehr. 2002 kam er zur Therapie nach Bad Bachgart. Den Missbrauch verschwieg er auch dort aus Rücksicht auf seinen Vater und seine Tanten. Seine Frau und die Kinder wussten ebenfalls nicht, was ihn belastete. Nach der Rückkehr übernahm er daheim den Haushalt, war liebevoller Vater und Ehemann und beschäftigte sich eingehend mit Philosophie. Er bemühte sich immer wieder die Erinnerungsbilder, die sogenannten Flashbacks, zu verdrängen. Doch es gelang nicht. Es folgten weitere Aufenthalte im Therapiezentrum in Rodeneck. Nach dem jüngsten Aufenthalt kam eine Wende. Sein Psychotherapeut Eduard Senoner konnte ihn ermutigen, sich zu öffnen. Gernots Frau und die Kinder wissen nun auch Bescheid, und das tut ihm gut. Von den Gesprächen mit den hohen Würdenträgern im Land ist Gernot enttäuscht „Die Kurie hat immer gewusst, dass der Pfarrer ein pädophiler Täter ist. Sie hat sich aber mit ihm solidarisiert und von mir Verzeihung verlangt“, bedauert er. Mit dem Schritt an die Öffentlichkeit will er das Leid der Betroffenen aufzeigen und der Kirche ihre schwarze Seele bewusst machen. Die Vertreter der kirchlichen Institutionen fordert er auf, die Scheinheiligkeiten abzulegen und endlich ehrliche Verantwortung zu übernehmen.

„365 Tog orbatn hot koane gwellt“

  • Vorspann: Heinrich Riedl und sein verstorbener Bruder Meinrad zählen zu den Ledigen am Lichtenberger Berg. Die Journalistin Astrid Kofler hat sich 2018 dem Thema gewidmet und zusammen mit dem Filmemacher Günther Neumaier die berührende Reportage „Eine Welt wie früher. Die Ledigen am Lichtenberger Berg“ gestaltet.
  • Dachzeile: Portrait
  • Redakteur: Magdalena Dietl Sapelza
  • Redakteur Bild:

Am 4. November 2024 sollten Heinrich Riedl und sein neun Jahre älterer Bruder Meinrad vom Außerpatzinhof am Lichtenberger Berg gemeinsam in die Seniorenstruktur St. Antonius in Prad ziehen. Doch Meinrad starb zwei Tage vor dem geplanten Umzug. Heinrich musste sich allein in der neuen Wohnung zurechtfinden. „Miar zwoa Leidige sain afn Houf bliebm bis miars nimmer drpockt hobm“, erklärt Heinrich. Er war der Viertgeborene von fünf Kindern. Mit über 30 Schülerinnen und Schülern aller acht Schulstufen saß er in einem Klassenraum der Bergschule. Die Lehrerin achtete auf äußerste Disziplin und war bei Fehltritten mit Strafen nicht zimperlich. „Si hot inz oft pa di Ohren zouchn“, sagt er. Einmal im Monat musste er morgens nüchtern zur Schulmesse gehen, zuerst beichten und dann die Kommunion empfangen. „Inzr Bout hobmer norr pan Mesmer in dr Kuch essn kennt“, erinnert er sich. Die Sonntagsmesse im Dorf erreichten die „Berger“ nach einem einstündigen Fußmarsch. Um sich den langen Heimweg zu ersparen, nutzte sie oft die Materialseilbahn, obwohl das eigentlich verboten war.
Heinrich half daheim überall mit, im Stall, beim Hüten, bei der Heuarbeit, bei der Getreideernte und im Winter beim Dreschen. Das Korn mahlte ein Nachbar in seiner Mühle. Alle zwei Wochen wurde Brot gebacken. Die Familie war Selbstversorger. Butter und Käse kamen von der Alm. „Lai dr Speck isch inz oft ausgongen“, schmunzelt er. Wie viele andere Kinder sammelte Heinrich im Herbst Lärchenzapfen, die dann zur Prader „Tschutschenmühle“ gebracht wurden. „Selm isch schun a pissl Konkurrenz unter inz Kindr gwesn, wail ma a guate Togschicht verdienat hot“, erzählt er.
Heinrich war 15 Jahre alt, als sein Vater an einem Lungenleiden starb. Daraufhin erübrigte sich für ihn eine Berufslehre. „Di Muatr hot gsog, iatz muasch drhoam bleibm“, erklärt er. Das galt auch für den ältesten Bruder Meinrad. 1971 wurde Heinrich zum Militärdienst einberufen. Mit drei Burschen aus Lichtenberg absolvierte er die Ausbildung in Cuneo. „Miar hobm olm Kortn gspielt unt weni Walsch glearnt“, lacht er. In der Brixner Kaserne fühlte er sich später als Küchengehilfe pudelwohl. Das Essen schmeckte, und er lernte kochen.
Nach 15 Monaten kehrte er wieder in den Hofalltag zurück. Abwechslung von der Arbeit boten das Neujahrsingen, die Bittgänge nach Agums und Tschengls und auch gelegentliche Treffen in den Hofstuben, wo musiziert und getanzt wurde. „I hon nia tonzt, wail i musikalisch a Null bin“, verrät er. Es gelang ihm auch nie, mit einer jungen Frau eine Beziehung aufzubauen und eine Heirat anzubahnen. Auch sein Bruder Meinrad schaffte es nicht, eine Jungbäuerin auf den Hof zu locken. „365 Tog orbatn hot holt koane gwellt“, sagt er.
Letztendlich kümmerten sich Heinrich, Meinrad und die Mutter um den Hof. Durch Milchlieferungen und den Verkauf von Jungvieh, das sie im Herbst auf den Märkten feilboten, erwirtschafteten sie sich ihr kleines Einkommen. In den 1970er Jahren konnten sie sich einen Einachser kaufen, der das Kuhgespann ersetzte, und später auch einen Transporter. Nur Meinrad hatte den Führerschein. Nach dem Tod der Mutter 1993 übernahm Heinrich das Kochen.
Unterstützung bei der Ernte erhielten die beiden ledigen Brüder regelmäßig von ihren Geschwistern und von Erntehelfern aus Deutschland. Es kamen jahrzehntelang dieselben Helfer, denen die Brüder sehr dankbar waren. Trotz aller Hilfe wurde die Arbeit für die beiden Brüder immer beschwerlicher. „Es isch gach oanfoch nimmr gongen“, betont Heinrich. Schließlich entschieden sie, Abschied zu nehmen und in eine Seniorenwohnung nach Prad zu ziehen, die Heinrich letztendlich allein beziehen musste. Wegen Bauarbeiten in Prad übersiedelte er kürzlich in der Struktur für betreutes Wohnen der Stadt Glurns.
Heimweh nach Außerpatzin hat Heinrich nicht. Der Hof ist mittlerweile so gut wie verkauft, und zwar an ein junges Paar aus dem Passeiertal. „Miar hobm dosige Lait gwellt“, betont er. Er fühlt sich in seiner kleinen Wohnung wohl und scherzt: „Fiaher isches mit di Madlen nia gongen, obr iatz kemman si do der Reih noch unt vergwöhnen miar.“

„Der Preis ist Wertschätzung“

  • Vorspann: Zwei Vinschger Unternehmen wurden mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet: MORIGGL RISAN® und Schönthaler Bausteinwerk. Der Vinschgerwind hat mit Geschäftsführer der MORIGGL RISAN® Thomas Moriggl ein Gespräch über die Auszeichnung selbst, über das Urteil der Fachjury und über das zertifizierte und ausgezeichnete RISAN®-System geführt.
  • Dachzeile: SPEZIAL-BAUEN - Interview mit Thomas Moriggl
  • Redakteur: Angelika Ploner (Interview)
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Vinschgerwind: Gratulation. Sie sind einer der Gewinner des Deutschen Nachhaltigkeitspreises. Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie persönlich?
Thomas Moriggl: Vielen Dank. Wir hatten nicht mit diesem Preis gerechnet. Bei über 2.000 Bewerbern, darunter auch zahlreiche internationale Großkonzerne mit tollen Ideen und Produkten, hatten wir uns als kleines Vinschger Familienunternehmen keine großen Chancen ausgerechnet. Umso überwältigender war dann die Nachricht über die Auszeichnung. Ich bin sehr dankbar und stolz für diesen Preis. Er ist der Lohn für viele Jahre fleißiger und hartnäckiger Arbeit, in welcher wir unser RISAN®-Verfahren laufend weiterentwickelt und verbessert haben. Der Preis ist die Wertschätzung dafür, daß wir auf dem richtigen Weg sind und wir unsere Energie und Geld in die richtige Zukunft investieren.

Vinschgerwind:...und für das Team der MORIGGL RISAN® GmbH?
Thomas Moriggl: Die Auszeichnung und Anerkennung gebühren in erster Linie unserem Team, welches jeden Tag Außergewöhnliches leistet. Unsere Teams sind das ganze Jahr hindurch im In- und Ausland unterwegs, und können somit von Montag bis Donnerstag nicht zu Hause bei ihren Familien sein. Umso größer ist dann die Genugtuung für unsere Mitarbeiter, wenn sie die Freude der Menschen erleben, nachdem diese wieder sauberes Wasser und vollen Wasserdruck im Haus haben. Diese sinnstiftende Arbeit motiviert jeden Tag aufs Neue und so haben wir uns alle zusammen sehr über den Preis gefreut und bei unserer Weihnachtsfeier auch ordentlich darauf angestoßen.

Vinschgerwind: Wie muss man sich das vorstellen: Wie ist das Prozedere damit man überhaupt nominiert wird?
Thomas Moriggl: Wir hatten uns online für den Preis beworben, und mussten dafür eine Reihe von Dokumenten, Nachweisen und Berechnungen vorlegen. Eine Fachjury bewertete die Unterlagen und das Produkt in mehreren Runden. Nach der ersten Runde wurde uns mitgeteilt, daß wir es unter die „Nominierten“ geschafft hatten. Das war für uns bereits ein toller Erfolg. Wenige Wochen später informierte uns die Jury, daß wir es in den kleinen Kreis der letzten 10 „Finalisten“ in unserer Kategorie geschafft hatten. Und Anfang November bekam ich dann die persönliche Nachricht, daß wir tatsächlich den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2026 in der Kategorie Produkte gewonnen hatten! Ich durfte jedoch vor der offiziellen Preisverleihung in Düsseldorf niemandem davon erzählen. Auch unsere Mitarbeiter wussten bis dahin nichts über den großen Erfolg. Nur meinem Sohn und meiner Partnerin erzählte ich vorab davon.

Vinschgerwind: Wie verlief die Preisverleihung in Düsseldorf?
Thomas Moriggl: Die Veranstaltung in Düsseldorf dauerte insgesamt zwei Tage lang. Interessante Vorträge und Workshops mit hochkarätigen Persönlichkeiten und Ehrengästen rund um das Thema Nachhaltigkeit zogen tausende von Gästen an. Als „Sieger“ durften wir allen Vorträgen und Workshops kostenlos beiwohnen. Die Siegerehrung fand im großen Saal vor zahlreichem Publikum statt. Mehrere hundert Medienvertreter und Kameras waren vor Ort. Jeder Sieger wurde einzeln auf die Bühne gebeten, um den Preis entgegenzunehmen. Dabei wurden auch jedem Gewinner auf der Bühne einige Fragen zum Produkt gestellt. Dass neben uns mit der Firma Schönthaler aus Eyrs noch ein zweites Vinschger Unternehmen prämiert wurde, hat mich sehr gefreut. Herzlichen Glückwunsch an Werner Schönthaler und seine innovativen Produkte! Wir Vinschger Sieger haben beim großen Galadinner am Abend dann gebührend gefeiert und spannende Kontakte geknüpft. Alles in allem war es ein sehr aufregendes und schönes Erlebnis.

Vinschgerwind: Was hat die Fachjury begeistert? Wie würdigte sie das RISAN®-System?
Thomas Moriggl: Bewertet wurden nicht nur technologische Innovationen, sondern vor allem die nachweisliche Wirkung des Produkts: Wie stark trägt es dazu bei, Ressourcen zu schonen, Emissionen zu senken, Kreisläufe zu schließen, soziale Verantwortung zu fördern oder nachhaltige Konsum- und Produktionsweisen zu etablieren? Ergänzend berücksichtigte die Jury Aspekte wie Innovationskraft, Skalierbarkeit, Vorbildfunktion und langfristige Wirkung über den gesamten Lebenszyklus des Produkts hinweg. So identifizierte die Jury in einem mehrstufigen Verfahren jene Lösungen, die über ihre eigentliche Funktion hinaus Strahlkraft für Wirtschaft und Gesellschaft entfalten und neue Standards für nachhaltige Produkte setzen.
Mit dem RISAN®-Verfahren wurde eine Lösung ausgezeichnet, die den Erhalt und die Sanierung der gebauten Umwelt ressourcenschonend und kosteneffizient ermöglicht. Die Jury würdigte insbesondere die Verbindung aus Ressourcenschonung, Zeit- und Kosteneffizienz und dem Erhalt wertvoller Bausubstanz. RISAN® überzeugte, indem innovative Sanierungstechnologien im Gebäudebestand einen bedeutenden Beitrag zu Ressourcenschonung, Klimaschutz und Kreislauffähigkeit leisten und gleichzeitig die Lebensdauer bestehender Infrastrukturen verlängern.
Mit der Auszeichnung hebt die Jury ein Produkt hervor, das beispielhaft zeigt, wie minimalinvasive Verfahren die Sanierung von Gebäuden ökologisch, sozialverträglich und wirtschaftlich voranbringen und so einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Transformation des Bauwesens leisten.

Vinschgerwind: Das RISAN®-System kurz erklärt...
Thomas Moriggl: Wir sanieren veraltete Trinkwasserleitungen innerhalb von Gebäuden. Im ersten Schritt werden Rost- und Kalkablagerungen mittels Sandstrahlung von innen aus den Leitungen entfernt. Anschließend wird das komplette Leitungsnetz nahtlos mit flüssigem Kunststoff von innen neu beschichtet. Das Ergebnis sind neuwertige Trinkwasserleitungen für viele weitere Jahre. Braun verfärbtes Wasser, geringer Wasserdruck und Rohrbrüche gehören somit der Vergangenheit an.

Vinschgerwind: Die Vor- und Nachteile einer Rohrsanierung mit dem RISAN®-System?
Thomas Moriggl: Sehr oft sind nachhaltige Lösungen teurer und aufwändiger als die konventionellen, und bedürfen deshalb viel Überzeugung bei den Kunden. Das RISAN®-System hingegen ist auf der einen Seite wesentlich nachhaltiger als der klassische Totalaustausch der Leistungen, indem 85 % CO2, 87 % Wasser und 99 % Abfälle eingespart werden. Gleichzeitig ist die Rohrsanierung von innen aber auch wesentlich günstiger als der Komplettaustausch und geht viel schneller von statten. Darüber hinaus bleibt die Liegenschaft auch während der Sanierung bewohnbar. Das heißt es entsteht kein Miet- oder Ertragsausfall. Der Kunde spart mit dem RISAN®-Verfahren also nicht nur jede Menge Zeit und Geld, sondern tut auch der Umwelt etwas Gutes, indem wertvolle Bausubstanz erhalten bleibt, und aufwändige Bauarbeiten vermieden werden. In Italien kann die Rohrinnensanierung zudem zu 50 % von der Steuer abgesetzt werden. Die Rohrsanierung von innen eignet sich für jede Art von Liegenschaft; vom Kondominium, Hotelbetrieb, Schulen, Seniorenheimen, usw. bis hin zu Ein- und Mehrfamilienhäusern.

Vinschgerwind: Kann jede Leitung mit dem zertifizierten RISAN®-System saniert werden?
Thomas Moriggl: Mit unserem RISAN®-Verfahren können wir metallische Leitungen sanieren. Hauptsächlich sind das verzinkte Stahlrohre oder Kupferleitungen, welche in den letzten Jahrzehnten im Trinkwasser hauptsächlich verbaut wurden.

Vinschgerwind: Ein Blick in die Zukunft: Sie sind Vorzeigebeispiel, haben Pionierarbeit geleistet, sind nun mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet worden. Was sind die nächsten Ziele?
Thomas Moriggl: Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis gibt unserem Nischenprodukt „Rohrsanierung von innen“ mehr Sichtbarkeit im In- und Ausland. Die Nachfrage nach unserer Rohrinnensanierung steigt von Jahr zu Jahr und wir sind ständig auf der Suche nach motivierten Menschen, die mit uns arbeiten und etwas bewegen wollen. Ca. 75 % der Bestandsgebäude in Europa wurden vor 1990 errichtet und müssen jetzt saniert werden. Es gibt also jede Menge zu tun.

„Die Landschaft im Vinschgau hat mich geprägt“

  • Vorspann: Über die Landesgrenzen hinaus hat der Vinschgerwind dieses Mal für die Interview-Reihe „Vinschger Architekten im Gespräch“ geblickt. Architekt Alexander Tartarotti, gebürtig aus Latsch, lebt und arbeitet in Bern, führt aber auch Bauten im Vinschgau in seinem Portfeuille. Architektur ist für ihn ein bisschen wie Lego spielen, sagt er unter anderem. Und: Der Vinschgau habe seinen Blick auf Räume und Formen beeinflusst.
  • Dachzeile: Spezial-Bauen: Architektur-Interview mit Architekt Alexander Tartarotti
  • Redakteur: Angelika Ploner
  • Redakteur Bild:

Vinschgerwind: Herr Tartarotti, beginnen wir mit einer persönlichen Frage: Wie sieht Ihr Zuhause aus? Wie wohnen Sie?
Alexander Tartarotti: Ich lebe mit meiner Frau und unseren zwei Kindern in einem denkmalgeschützten Reihenhaus in Bern. Das Haus ist 120 Jahre alt und wurde ursprünglich für städtische Beamte gebaut.

Vinschgerwind: Ihre Wurzeln liegen im Vinschgau, genauer in Latsch. Sie wohnen und arbeiten aber bereits viele Jahre in Bern. Was haben Sie für Ihre Arbeit als Architekt vom Vinschgau mitgenommen?
Alexander Tartarotti: Die Landschaft im Vinschgau hat mich ganz sicher geprägt. Ich glaube, mein Verständnis für das Schöne in der Natur konnte ich mitnehmen. Es beeinflusst bis heute meinen Blick auf Räume und Formen.
In meiner direkten Nachbarschaft in Latsch lebten viele Handwerker. Ich durfte bei ihnen ein- und ausgehen und oft mithelfen. Zusammen mit dem Baumarkt meines Vaters hatte ich als Kind viele Möglichkeiten, meine Ideen mit unterschiedlichen Materialien umzusetzen. Diese Erfahrungen haben mir sicherlich geholfen, ein gutes Gespür für Materialien und deren Verarbeitung zu entwickeln.

s38 Lahnhof 2007 2024Vinschgerwind: Vuotovolume: Warum diese Namensgebung für Ihr Büro in Bern?
Alexander Tartarotti: Wir sind drei Partner und haben uns während des Architekturstudiums an der Universität im Tessin kennengelernt. Der Name vuotovolume ergibt sich aus unserem gemeinsamen Interesse an Räumen, die zwischen Volumen entstehen - an Zwischenräumen, Umräumen, Leerräumen.
Uns fasziniert nicht nur das Gebaute an sich, sondern auch das, was dazwischen liegt. Dieser „leere“ Raum ist für uns ebenso bedeutungsvoll wie das Volumen selbst. Es ist ein ständiges Spiel zwischen dem Vollen und dem Leeren, zwischen Körper und Zwischenraum - genau diese Spannung versuchen wir in unserer Arbeit bewusst zu thematisieren.

Vinschgerwind: Eines Ihrer ersten Projekte war 2007 der Neubau des Einfamilienhauses und landwirtschaftlichen Betriebes „Lahnhof“ in Vetzan. Was gefällt Ihnen auch nach 18 Jahren noch gut an diesem Projekt?
Alexander Tartarotti: Ich finde, das Gebäude ist sehr schön gealtert - es steht heute weiterhin sehr stimmig in der Landschaft. Besonders zufrieden bin ich aber mit der Art und Weise, wie wir damals die Beschattung gelöst haben.
Heute sieht man viele spannende und formal überzeugende Architekturprojekte, doch tagsüber sind sie oft hinter geschlossenen Rafflamellen verborgen, weil die Sonneneinstrahlung es sonst unmöglich machen würde, die Räume zu nutzen. Beim Lahnhof hingegen bleiben die Fenster das ganze Jahr über offen - und damit auch der Bezug zur Umgebung und die Aussicht erhalten.
Diese einfache, aber wirkungsvolle Lösung freut mich bis heute, weil sie zeigt, wie durchdachte Architektur den Alltag tatsächlich verbessern kann.

Vinschgerwind: Das jüngste Projekt ist das Zweifamilienhaus „Gartenheim“ in Latsch, das erst vor wenigen Monaten fertig gestellt wurde. Es ist ein reines Vollholzhaus, das in Zusammenarbeit mit dem renommierten Unternehmen holzius realisiert wurde. Ein Bau, der ins Auge fällt. Was hat Sie bewogen ein Vollholzhaus mit Schindeln zu planen? Was waren Ihre Ideen dahinter und wie lautet Ihr architektonisches Konzept?
Alexander Tartarotti: Ziel war es, den althergebrachten Holzbau gleichzeitig als zukunftsweisendes Konzept ins Dorf zurückzubringen, indem die traditionelle Bauweise sowohl in ihrer Formensprache als auch in ihrer konstruktiven Verwendung in die Gegenwart und Zukunft überführt wird.
Im Erdgeschoss sollten Einblicke von außen durch Einschnitte erschwert und die Ausblicke gezielt vorbei an den umliegenden Häusern zum Sonnenberg und Nördersberg gelenkt werden.
Unter dem markanten Schindeldach liegt das Obergeschoss, die zweite Wohnung. Nach außen verschlossen, öffnen sich die Räume nach innen über ein geschütztes Patio. Der Sonnen- und der Nördersberg bleiben als gezielte Ausblicke erhalten. Ein komplettes Loslösen vom Ort, sich in die Mitte des Dorfes zu setzen und das Gefühl zu haben, es gäbe um einen herum nur die Berge.
Ziel war es, zwei getrennte Wohneinheiten unter einem Dach zu vereinen, wobei die individuelle Privatsphäre bestmöglich gewahrt bleibt.

s38 Gartenheim 2024 01Vinschgerwind: Erkennt man einen Bau, der von Ihnen geplant wurde? Ist an Ihren Gebäuden eine persönliche architektonische Handschrift ablesbar?
Alexander Tartarotti: Ich glaube nicht, dass ich eine formell erkennbare architektonische Handschrift habe.
Meine Handschrift liegt mehr in der Detailverliebtheit und der Einbindung des Ortes und der Umgebung. Jeder Ort, jede Aufgabe und jede Bauherrschaft bringt ganz eigene Bedingungen und Themen mit sich, daraus entsteht immer wieder etwas Neues, Einzigartiges.

Vinschgerwind: Ganz allgemein gefragt: Architektur ist für Sie?
Alexander Tartarotti: Architektur ist für mich ein bisschen wie Lego spielen. Man beginnt mit einer Idee oder einer Aufgabe - und dann beginnt das Ausprobieren: variieren, verwerfen, neu denken, immer wieder neu zusammensetzen. Es braucht Ausdauer, Geduld und das Dranbleiben, bis sich eine Lösung zeigt, die sich richtig anfühlt.
Und wenn diese Lösung dann nicht nur für mich, sondern auch für die AuftraggeberIn und das Umfeld stimmig ist - dann ist das ein sehr erfüllender Moment.

Vinschgerwind: Was sind Ihrer Erfahrung nach die häufigsten Fehler, die beim Bauen gemacht werden?
Alexander Tartarotti: Einer der häufigsten Fehler ist aus meiner Sicht, dass zu früh zu viel festgelegt wird, oft ohne das Potenzial des Ortes, die tatsächlichen Bedürfnisse oder die langfristigen Auswirkungen wirklich zu hinterfragen. Man will schnell zu einer Lösung kommen, statt sich genügend Zeit für das Verstehen der Aufgabe zu nehmen.
Und schließlich wird der Dialog häufig unterschätzt: zwischen Bauherrschaft, PlanerInnen, Behörden, HandwerkerInnen. Gute Architektur entsteht im Austausch. Wenn dieser Prozess ernst genommen wird, können viele Fehler vermieden werden.

Vinschgerwind: Auf welches Ihrer Projekte sind Sie besonders stolz?
Alexander Tartarotti: Ich glaube, bei fast allen Projekten gibt es Aspekte, auf die ich mehr oder weniger stolz bin. Jedes hat seine eigene Geschichte, seine Herausforderungen und auch seine besonderen Momente. Aber die Möglichkeit, ein Holzhaus in meinem Heimatdorf zu realisieren, war für mich schon etwas Besonderes. Es war nicht nur architektonisch spannend, sondern auch kulturell und emotional bedeutungsvoll.

Vinschgerwind: Wenn Sie in den Vinschgau blicken: Welcher Bau beeindruckt Sie besonders?
Alexander Tartarotti: Jedes Mal, wenn ich über die Grenze in den Vinschgau fahre und an der Kirche St. Johann in Taufers vorbeikomme, denke ich mir: Wie schön sie doch ist. Die Proportionen sind für mich nahezu perfekt. Auch der kleine Platz davor, trotz der nahen Straße, hat eine besondere Wirkung. Für mich ist das ein stimmiger Ort. Und in dem Moment weiß ich immer: Jetzt bin ich wieder in meiner Heimat.

s38 Habstetten 2024Vinschgerwind: Die obligate Frage am Ende jeden Architektur-Interviews vom Vinschgerwind: Was wäre ein Traum für Sie? Was würden Sie gerne einmal planen und bauen?
Alexander Tartarotti: Ein Museum - das wäre ein Traumprojekt für mich. Es war schon während meines Architekturstudiums ein Schwerpunkt und begleitet mich seither als Thema.
Einen Raum für Kunst zu entwerfen, ein Gebäude, das nicht nur den Ausstellungsinhalten gerecht wird, sondern auch den Umraum prägt und mit ihm in Dialog tritt - das wäre eine besondere Herausforderung. Und eine, die mich sehr reizen würde.

„FLIRI BADER und +/- die Maske“ - Im Bunker 5 bei Mals

  • Vorspann: Im Rahmen der heurigen Ausstellungstrilogie „+/- FOLK“ findet neben den Austellungen in der St. Veit Kirche und im Bunker 23 in Tartsch auch die Ausstellung „Fliri Bader +/- Maske“ im Bunker 5 bei Mals statt. Michael Fliri und Antoinette Bader befassen sich mit dem Thema Maske, einem Vinschger Urthema. Die Ausstellung ist noch bis 26.10.2025 zugänglich, Sonntags 13:00-18:00.
  • Dachzeile: Kultur
  • Redakteur: Peter Tscholl
  • Redakteur Bild:
  • Weitere Fotos - 1: Fotoarbeiten von Michael Fliri (Foto Archiv Fliri)
  • Weitere Fotos - 2: Fotoarbeiten von Michael Fliri (Foto Archiv Fliri)
  • Weitere Fotos - 3: Fotoarbeiten von Michael Fliri (Foto Archiv Fliri)
  • Weitere Fotos - 4: Textilarbeit von  Daniel Costa  (Foto Gianni Bodini)
  • Weitere Fotos - 5: Eine Arbeit von  Antoinette Bader  (Foto Archiv Fliri)
  • Weitere Fotos - 6: Holzgeschnitzte Maske von Beat Tscholl   (Foto Gianni Bodini)

„+/- Folk“ und Aussteller:innen

„+/- Folk“ ist das Leitmotiv der Ausstellungstrilogie, das die 3 Ausstellungsorte St. Veit Kirche, Bunker 23 und Bunker 5 verbindet. Im Zentrum der Ausstellungstrilogie steht das Thema Folklore in zeitgenössischer Kunst, im Design und der Architektur. „Im Fokus sind hauptsächlich lokale Künstler und Designer, aber auch international Schaffende, die ein überraschend ähnliches Interesse an folkloristischer Kunst haben, die einen kreativen Zugang zum Alltäglichen besitzen, einen Bezug zur umgebenden Landschaft, zu einem Werkzeug, einem Stuhl oder Schrank oder zum Schnee auf dem Dach haben“, sagt Daniel Costa, der Kurator der Ausstellungstrilogie.

Folgende Künstler:innen und kreative Menschen nehmen an den 3 Ausstellungen teil:
In der St. Veit Kirche: Jörg Hofer (IT), Kurt Hofer (IT), Gerald Pirner (DE)
Im Bunker 23: Reinhard Breitenberger (IT), Thomas Bricoult (FR), Peter Burchia (IT), Juliette Chrètien (CH), Christian Chang (FR), Daniel Costa (IT), Karin Dalla Torre (IT), Susanna Fanzun (CH), Karolina Gacke (PL), Martino Gamper (IT), Philip Sivestro Geier (IT), Valerio Glisenti (CH), Christina Gurschler (IT), Andrew Hilling (UK), Kurt Hofer (IT), Graham Hollick (UK), Agnes Holzapfel (DE), Irma Hölzl (IT), Kira Kessler (DE), Hubert Kostner (IT), Patrick Lechner (IT), Heinrich Moriggl (IT), Elisabth Oberrauch (IT), Gabriel Plangger (IT), Juliane Plangger (IT), Othmar Prenner (IT), Peter Rechenmacher (IT), Thomas Reichegger (IT), Andreas Rier (IT), Hans-Jörg Ruch (CH), Georg Schwellensattl (IT), Elfi Sommavilla (IT), Martin Thöni (IT), Gabi Veit (IT), Paul Vidal (IT), Elias Wallnöfer (IT), Freeling Waters (NL), Alexander Wierer (IT), Roman Wiesler (IT).
Im Bunker 5: Antoinette Bader (CH), Daniel Costa (IT), Michael Fliri (IT) Graham Hollick (UK), Hubert Kostner (IT), Gerald Pirner (DE), Beat Tscholl (IT), Grundschule Mals (IT), Molser Krampus (IT), Schludernser Schemen (IT), Klosn Stilfs (IT).

„Fliri Bader +/- Maske“

Ursprünglich war geplant, dass Michael Fliri aus Taufers i. M. und seine Partnerin Antoinette Bader alleine mit ihren Arbeiten den Bunker 5 zum Thema Maske bespielen, so wie Jörg Hofer und Kurt Hofer die St. Veit Kirche am Tartscher Bichl. Doch dann kam eine neue Idee, ein neuer Wunsch auf und es wurden noch andere Arbeiten zum Thema Maske hinzugezogen, um den Spannungsbogen zu erweitern und die zeitgenössischen Arbeiten von Fliri und Bader mit historischen, lokalen und internationalen Objekten zu verbinden. Somit trifft man neben Kunst und Design, auch Volkskunst und Kunsthandwerk. Volkskunst ist verwurzelt im Alltag, sie ist aber auch inspiriert und beeinflusst von den Arbeiten anderer Kulturkreise. Motive, Geschichten und Techniken reisen, verändern sich und färben einander ab und genau deshalb erzählt Volkskunst soviel über uns Menschen und unsere Entwicklungen, unsere Wünsche und Sorgen.
Neben traditionellen Masken, wie eine Stilfser Maske, der Urtyp oder der Prototyp der Vinschger Masken, sind zwei Schludernser Blechmasken, Sacklarven aus Mals und eine zeitgemäße, populäre, holzgeschnitzte Maske von Beat Tscholl aus Lichtenberg, mehrere tibetanische Masken aus dem „Messner Mountain Museum“, sowie Arbeiten des Kurators Daniel Costa und von Schülern der Grundschule Mals ausgestellt. Hervorzuheben ist der britische Künstler Graham Hollick, ein echter „Volkskunst-Künstler“, der sich auch viel mit Masken in seinen Arbeiten beschäftigt und für die Ausstellung Collagen aus Masken aus verschiedensten Kulturkreisen gefertigt hat und diese dann in Stoff übertragen hat. Erwähnenswert ist auch der blinde Fotograf und Kunstkritiker Gerald Pirner (Berlin), der für die Maskenausstellung einen Text geschrieben hat, welcher den Besuchern mitgegeben werden kann.

In den ersten zwei Räumen des Bunkers in Mals sind vier Arbeiten von Antoinette Bader zu sehen. Sie präsentiert Tier-Masken, die in schwarzem und gelben Filz gearbeitet sind. “Mich faszinieren die außergewöhnlichen Materialeigenschaften von Filz. Ich experimentiere mit Verformung, Eigenspannung und Schnitttechniken. Die flache Meterware wird hier in ein räumliches Volumen verwandelt”, so Bader.
Bader startete ihre berufliche Laufbahn als Schneiderin, darauf folgte die Ausbildung zur Fachlehrerin für Textile und Technische Gestaltung, vervollständigt wurde ihre Ausbildung mit einem Design-Studium an der Züricher Hochschule der Künste (ZhdK). Sie kommt also vom Design, und ist ganz nahe am Materiellen, am Sinnlichen, am Taktilen.
Dem steht die Konzeptkunst von Michael Fliri gegenüber, in der die Idee selbst eine zentrale Rolle im künstlerischen Schaffen einnimmt. Neben einer Skulptur, die den Zwischenraum zwischen Maskenträger und Maske thematisiert – jenen kleinen Luftraum auf der Rückseite der Maske, der hier in Material erstarrt – begegnet man mehrere Fotoarbeiten. Einige sind klassisch gerahmt, eine andere großformatig auf Papier gedruckt, wieder andere auf Stoff übertragen und gepolstert auf einer Platte aufgezogen. Die Fotografien entstehen in einer besonderen, vom Künstler entwickelten Technik: Sie werden rein analog als Licht- und Schattenspiele mit transparenten Vorlagen erzeugt. Unweigerlich drängt sich dabei das Höhlengleichnis Platons auf, das wiederum einen gedanklichen Bogen zur Architektur, zum Bunker schlägt.
“Die Maske ist für mich ein großes und sehr dankbares Thema”, sagt Michael Fliri. “Die Maske besitzt etwas Magisches, das Verwandlung ermöglicht. Sie überwindet den Alltag, macht die Realität poetischer. Der Maskenträger verwandelt sich und auch die Welt, auf die er blickt, erscheint verwandelt”. Dies erleben wir heute genauso wie Generationen vor uns. Das Individuelle in uns ist in diesem Sinne gleichzeitig das Universelle. Auch die zeitgenössischen Werke des Künstlers Michael Fliri haben ihren Ursprung somit in der Tradition. Die Sehnsucht in eine andere Rolle zu schlüpfen steckt tief in uns Menschen drinnen.

Auf die Frage, was von dieser Ausstellung bzw. der Ausstellungstrilogie “+/- Folk” bleibt, antwortet Michael Fliri: “Diese Ausstellung vereint auf besondere Weise Tradition, Kunsthandwerk, Design und Kunst und bringt diese unterschiedlichen Disziplinen in einen lebendigen, spannungsreichen Dialog. So entsteht ein vielseitiger Zugang, der auf ganz unterschiedlichen Wegen erschlossen werden kann. Die Ausstellung sucht die Begegnung mit dem Betrachter und wer sich darauf einläßt, wird im Austausch bereichernde Anregungen und neue Perspektiven entdecken”.



„I bin a Kämpfer“

  • Vorspann: Konrad Hofer in Prad ist als leidenschaftlicher Sportler und erfolgreicher Unternehmer weitum bekannt. Von Schicksalsschlägen ließ er sich nie entmutigen. Er bemühte sich immer nach vorne zu schauen und kämpfte sich aus einigen Tiefs. Zweimal besiegte er sogar den Tumor an der Bauchspeicheldrüse, etwas, was bisher kaum jemandem gelungen ist.
  • Dachzeile: Portrait
  • Redakteur: Magdalena Dietl Sapelza
  • Redakteur Bild:

Die bittersten Momente durchlebte Konrad am 2. März 2000, als er auf der Geraden von Spondinig nach Prad vor zwei Autowracks und vor seinem schwer verletzten Sohn Simon stand. Verzweifelt redete er ihm Mut zu und bat ihn durchzuhalten. Doch es war umsonst. „Deis isch s‘ Schlimmste in mein Lebem gwesn“, betont Konrad. Simon sollte die Mechaniker-Werkstatt übernehmen. 14 Tage später konnte Konrad dessen Meisterbrief in Bozen abholen.
Konrad kam 1947 in Zams zur Welt, wo seine Familie seit der Option lebte. Später kehrte sie nach Prad zurück. Der Vater eröffnete eine kleine Autowerkstatt im Ortskern. Später übersiedelte die Familie in den Neubau mit Werkstatt und Tankstelle am Ortseingang. Konrad bekam fünf Geschwister. Die Ausbildung der Kinder war den Eltern wichtig. Konrad besuchte die Mittel- und die Handelsschule in Meran, ehe er die Mechanikerlehre begann, die er mit der Meisterprüfung abschloss. Konrads große Leidenschaft war der Sport. Bereits als Bub überzeugte er als Skifahrer, als Langläufer und Fußballspieler. Während der Schulzeit in Meran entwickelte er sich zu einem erfolgreichen Leichtathleten. Für den SC Meran holte er Siege bei den Italienmeisterschaften im 1.500 und 800 Meterlauf. „Meine Zeitn hobm nou johrelong gholtn“, betont er. Seine Militärzeit verbrachte er in der Sportgruppe, wo er seine Sportleidenschaften ausleben konnte und mit Spitzenergebnissen glänzte. „I war gearn beim Militär bliebm“, sagt er. „Obr dr Voter hot eppas drgegn kopp.“ Denn Konrad war prädestiniert den Betrieb zu übernehmen. Und er fügte sich. Neben seinen sportlichen Aktivitäten spielte er in der Musikkapelle und war Mitglied der Volkstanzgruppe. „In oan Johr sein nor fünf Tänzerinnen schwonger gwortn“, scherzt er. „Und oane isch di Inge gwesn, dia i 1971 gheiratet hon.“ Die Familie wurde von Jahr zu Jahr größer, und schließlich war er Vater von vier Kindern, denen er seine Sportleidenschaften vermittelte und sie in den unterschiedlichsten Sportarten förderte. Konrad wurde auch unternehmerisch aktiv. 1977 gründete er die Firma HOWA OHG, heute Hofer Tiefbau. 1985 übernahm er die Werkstatt seines Vaters samt Tankstelle und Autohandel. Er hatte alle Hände voll zu tun. Doch er nahm sich immer auch die Zeit zum Skifahren, zum Tennis- und Fußballspielen. Er trainierte auch Jugend-Fußballmannschaften. Im Alter von 48 Jahren lernte er nach einer Wette mit seinen Söhnen sogar das Snowboardfahren. „I hon fescht trainiert unt hon si nor a oghängt“, lacht er. Regelmäßig verfolgte er die Fußballspiele im Tal als kritischer Zuschauer. Fest eingeplant waren immer auch regelmäßige Familienurlaube. „Gearn bin i mit olle noch Süditalien gfohrn“, verrät er. Konrad liebte auch das Kartenspiel, die Tauchgänge auf den Malediven und die Bergtouren in Nepal mit Christian Kuntner. Konrad genoss das Leben und fühlte sich auf der Sonnenseite. Doch Schatten zogen auf. Zuerst scheiterte seine Ehe, dann verunglückte sein Sohn Simon und schließlich wurde ihm 2002 ein Tumor an der Bauchspeicheldrüse diagnostiziert. Dieser konnte in Innsbruck erfolgreich entfernt werden. Halt gaben ihm seine Kinder und seine zweite Frau Andrea. Er ließ sich nicht unterkriegen und aktivierte all seine positiven Energien. „I bin a Kämpfer“, betont er. Doch 2004 kehrte der Tumor zurück. Auf dem Weg zur Uniklinik sagte er zu Andrea: „I glab, i kimm nimmer zruck“. Denn er wusste, was auf ihn zukam. Er stand vor der Whipple Operation, bei der Teile der inneren Organe entfernt werden mussten. Andrea wich nicht von seiner Seite und holte ihn aus so manchem Tief heraus. „S` Glück isch a gwesn, dass i konditionell guat drauf gwesn bin“, betont er. Konrad besiegte den Tumor erneut. „I kenn niamat, der deis überlebt hot“, sagt er. Mittlerweile muss er sich mit Diabetes und Parkinson auseinandersetzen, wobei er bei der Selbsthilfegruppe im Vinschgau dabei ist. „Selm hot mi di Vorsitzende Frau Evelin Peer betreut unt isch miar helfend zur Seite gstondn“. 2022 musste er sich auch noch mit der Nervenkrankheit Guillan Barré Syndrom auseinandersetzen, was ihn sehr viel Kraft kostete. Doch Konrad gibt nicht auf. Liebevoll umsorgt wird er von seiner Frau Andrea, der Tochter Jessica, den Söhnen Max und Michael. Es erfüllt ihn mit Freude, dass die Kinder seine Betriebe erfolgreich weiterführen. Heute genießt er die regelmäßigen Plauderstunden in Seniorenkreisen, und er wünscht sich noch viele Jahre an der Seite seiner Andrea. „Sie isch mein Engl“, sagt er. „Sie hot miar über di schwarn Zeitn gholfen unt hilft miar a iatz Tog für Tog beim Weiterkämpfn.“

„I bin dr Schilift fir sui“

  • Vorspann: Elias beginnt den Arbeitstag am Stilfserjoch derzeit um 7.00 Uhr. Im Juli und August hat sein Tag bereits vor 5.00 Uhr begonnen. Nach einem Schluck Kaffee begibt er sich zur Pistenraupe, öffnet hinten die Luke des Transportkorbes und wartet auf die Skiathleten, die nach und nach aus der „Baita Ortler“ kommen, um zum Training aufzubrechen.
  • Dachzeile: Portrait
  • Redakteur: Magdalena Dietl Sapelza
  • Redakteur Bild:

Sobald sich alle Skifahrer im Transportkorb der Pistenraupe befinden, verriegelt Elias die Luke, startet den Motor und fährt zur Skipiste auf dem Gletscher. Das Training muss zeitig in der Früh stattfinden, solange die Temperaturen noch am Gefrierpunkt sind und die Piste noch hart ist. Während sich die Rennläufer die Skier anschnallen und sich mit den Trainern besprechen, fährt Elias nach unten in den Zielbereich. Von dort bringt er sie wieder nach oben. Und das vier Stunden lang. „I bin dr Schilift fir sui“, lacht er. Denn den einstigen Lift gibt es nicht mehr. In den vergangenen Monaten hat Elias viele namhafte Skigrößen aus dem Skizirkus chauffiert. Die Skiasse aus aller Welt schätzen das Höhentraining auf dem Gletscher und auch den Service und die Gastlichkeit in der Baita Ortler“. Das Hotel beherbergt ausschließlich Rennteams und Nationalmannschaften und ist fast immer ausgelastet.
Am 28. Mai 2024 setzte sich Elias zum ersten Mal in die Pistenraupe auf 3.000 m und begann damit einen großen Schneehaufen zu verschieben. Alles war neu für ihn. Er musste lernen mit dem Schild vorne an der Pistenraupe zu arbeiten und die Länge und Breite des Gefährts richtig einzuschätzen. In den ersten zwei Wochen war er einige Male nahe dran, das Handtuch zu werfen. Er rang mit sich selbst, wollte sich aber nicht so schnell eine Blöße geben. „Deis muaß geahn, wenns ondre derrichtn, dericht is a“, sagte er sich. Und er schaffte es.
Elias stammt aus Graun, wo er mit zwei Brüdern auf dem „Prekamenhof“ aufwuchs. Nach der Pflichtschule überlegte er, Lehrer zu werden. Nach einem Jahr in der SOWI gab er auf und verwarf diesen Berufswunsch. „I hon gsechn, dass di Leahrer nichts Guats hobm“, schmunzelt er. Er wechselte an die Fachoberschule für Landwirtschaft in Auer, um später in den Bereichen Land- oder Forstwirtschaft einen Beruf ausüben zu können. Doch schließlich lernte er Maurer bei einer Firma in Prad. In den arbeitsfreien Wintermonaten 2020/21 holte ihn sein Bruder Julian, der als Mechaniker in Lenzerheide arbeitete, ins dortige Skigebiet. Mit vier anderen Burschen wurde Elias der Pistenbeschneiung zugeteilt. Der Anfang war schwierig. „Koaner fa inz hot a Ahnung kopp“, verrät er. Einmal war die Pumpstation überlastet, ein anderes Mal war das Wasser in den Schläuchen gefroren. Doch schließlich hatten sie alles im Griff. Im Frühjahr kehrte Elias in die Maurerfirma zurück. Ein weiterer Winter auf der Lenzerheide folgte und der Sommer als Maurer. Für die Wintersaison 2023/24 bewarb sich Elias gemeinsam mit seinem Bruder und einem Kollegen für den Beschneiungsdienst in St. Anton am Arlberg. Sie erhielten den Zuschlag. Mittlerweile war Elias mit den Schneekanonen, mit dem Wasser- und dem Strommanagement bestens vertraut. Von einem Besuch in der „Baita Ortler“ brachte Bruder Julian die Information mit, dass der Hotelier und Pistenbetreiber Karlheinz Tschenett einen Fahrer für seine Pistenraupen sucht. Elias meldete sich. Tschenett verpflichtete ihn für den Sommer 2024. Daraufhin gab Elias den Maurerberuf auf. Den Winter verbrachte er erneute in St. Anton und den Sommer in der „Baita Ortler“. „Di Herausforderung afn Schnea gfollt miar“, betont er. Neben dem Transport der Skiathleten kümmert er sich um die Stabilisierung des Zufahrtsweges zur Piste auf 3.500 m, um die Pistenpräparierung, um neue Schneedepots und einiges mehr. Unterstützt wird Elias von Pietro Rainolter aus Bormio, mit dem er sich gut versteht, genauso wie mit seinem Chef Karlheinz. „Dr Chef isch super“, schwärmt er. „Er gibt inz freie Hond.“ Die nächsten Gäste, die heuer noch bis zur Schließung des Hotels anfangs November zum Training erwartet werden, sind Abfahrtsasse aus Österreich und der Schweiz, sowie Skicrossfahrer aus ganz Europa. Nachdenklich stimmen Elias die Wetterkapriolen. „Dr Klimawondl isch wegn di extremen Wechsel guat spürbar“, sagt er. Im Juni habe er 20 Grad plus gemessen und im Juli 10 Grad minus. Kürzlich ist über ein Meter Neuschnee gefallen. Das freut Elias und er kann Schneedepots für den nächsten Sommer anlegen. Denn er möchte 2026 wieder für Tschenett arbeiten. In der kommenden Wintersaison wird er sich als Beschneier und „Kotzenfohrer“ um die Pisten bei Nauders kümmern.

„I hon in main Lebm olle megliche Orbatn gmocht“

  • Vorspann: Mario Lettieri kam als Neunjähriger von Montoro Superiore in Avellino in Kampanien zu seinem Onkel nach Mailand. Von dort führte ihn sein Weg in die Schweiz und die Liebe nach Trafoi in den Vinschgau. Seit kurzem lebt er im Seniorenwohnheim in Mals.
  • Dachzeile: Portrait
  • Redakteur: Magdalena Dietl Sapelza
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Mario stammt aus Montoro Superiore, wo er seine ersten Lebensjahre auf dem elterlichen Hof mit acht Geschwistern verbrachte. Mit sechs Stück Vieh kam die Familie mehr schlecht als recht über die Runden. Eine Narbe am rechten Arm erinnert ihn an seine frühe Kindheit. „I bin mit 18 Monat ins hoaße Nudlwosser gfolln“, erzählt er. Die Mutter hatte ihn für einen kurzen Moment aus den Augen gelassen. Es dauerte lange, bis die Wunden verheilten. Die Folge war, dass Mario erst mit sieben Jahren eingeschult werden konnte. Nach dem dritten Schuljahr in Avellino holte ihn ein Onkel nach Mailand, der dort als Schneider arbeitete. Das Heimweh plagte Mario, doch es gab kein Entrinnen. „Es isch selm holt so gewesn“, meint er. Nachdem er die Volksschule abgeschlossen hatte, vermittelte ihm ein Verwandter eine Stelle als Gastarbeiter im „Grand Hotel Kurhaus“ in Lenk im Simmental, einem Hotel mit Termalbädern. Mario war Bursche für alles. Regelmäßig war er mit der Reinigung der Kurabteilung beschäftigt. „Mit dr Spochtl hon in Fango as di Rillen ausikrotzt“, lacht er. Das „Schwizerdütsch“ beherrschte schon bald recht gut. Die Direktorin schätzte Marios Fleiß und vermittelte ihm eine Jahresstelle im „Hotel Stolzenfels“ in Davos. Als Chef Portier holte er die Gäste mit einer Holz-Rikscha vom Bahnhof ab. Und er kümmerte sich um alle Arbeiten, die im Hotel, im Außenbereich und im Garten anfielen. Den Großteil seines Lohnes schickte er seinen Eltern nach Avellino. Das was er für sich behielt reichte gerade einmal aus den Führerschein zu machen und einen alten grünen VW Käfer Baujahr 1940 zu kaufen. Im Hotel arbeiteten viele Vinschgerinnen, darunter auch Judith Thöni aus Trafoi als Zimmermädchen. Mario verliebte sich und heiratete sie 1963. Sie war um einiges älter als er. Das Paar lebte anfangs in Davos. Nach der Geburt des Sohnes kehrte sie mit dem Kleinen nach Trafoi zurück. Mit ihrer Mutter und ihrer Schwester begann sie dort mit dem Bau eines Hauses. Mario beteiligte sich an der Finanzierung. Später arbeitete Judith erneut mit ihrem Mann im Hotel. Denn es galt den Kredit für den Bau zurückzuzahlen. Ihren Sohn wusste sie in der Obhut ihrer Mutter in Trafoi gut versorgt. 1968 verließen Judith und Mario die Schweiz und kehrten nach Trafoi zurück. „I hon selm lai Schwizerdütsch kennt“, erinnert er sich. Seither schwingt in seiner Sprache neben dem Italienischen auch das „Schwizerdütsch“ und der Vinschger Dialekt mit.
Für Marios begann der lange Lebensabschnitt als Maurer und „tuttofare“ bei verschiedenen Baufirmen im Vinschgau. „I hon in main Lebm olle megliche Orbatn gmocht unt a olz kennt“, betont er. Besonders gefragt war er beim Ausschalen hoher Mauern, weil er schwindelfrei war. Im Winter, wenn die Arbeiten an den Baustellen ruhten, bediente er den Lift in Trafoi.
1984 wurde er zu seiner großen Freude als „operaio qualificato“ in den Straßendienst des Landes aufgenommen. Er hatte inzwischen den Führerschein D, der es ihm ermöglichte, größere Fahrzeuge zu steuern.
Bei einem Steinschlag in der Kurve Nummer 10 der Stilfserjoch Straße zog er sich schwere Verletzungen am Arm zu. Die Heilung war langwierig. „Selm hot a mei Arthrose oungfongen“, sagt er. In Trafoi war Mario stets bestens integriert. Er war Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr und der Bergrettung. Er liebte die Kameradschaft und pflegte die Geselligkeit. „Miar kennen an Haufn Leit“, betont er. „Unt als Walscher do in Vinschgau isches miar olm guat gongen.“ Mit seiner Frau Judith führte Mario eine glückliche Ehe. „Sou a guate Frau muaß ma ersch finden“, schwärmt er. Nach ihrem Tod 2011 vermisste er sie sehr. Bis 2015 lebte er allein in seinem Haus in Trafoi. Die Arthrose verbunden mit Arthritis machten ihm immer mehr zu schaffen. „Deis isch olz fa di schwarn Orbatn kemman.“ meint er. Nach einem Schlaganfall und einer Lungenoperation konnte er nicht mehr alleine bleiben. Er bezog eine Wohnung in der Seniorenstruktur St. Antonius in Prad. Diese musste er wegen Umbauarbeiten kürzlich verlassen. Die Übersiedlung nach Mals war für ihn eine große Umstellung und nur schwer zu verkraften. Dank der liebevollen Zuwendung des Mitarbeiterteams ist seine Akklimatisierung mittlerweile gelungen.
In seinem Heimatort Montoro war Mario nur ganz selten zu Besuch. Mit seiner Verwandtschaft dort ist er hie und da telefonisch in Kontakt.

„Ich kann eigentlich fliegen“

  • Dachzeile: Kultur

Fotos und Text: Hannah Spath & Maren Schuler

Lässig liegen ihre Hände in ihrem Schoß, das Zwitschern einzelner Vögel erfüllt die Luft und die warmen Sonnenstrahlen, die sich um Annas Gesicht schmiegen, verleihen ihren hellbraun gesprenkelten Augen einen fröhlichen Glanz. Sie strahlt Selbstsicherheit und Offenheit aus, als sie mit geraden Schultern vor uns im Stabner „Postladele“ sitzt, ein Turbantuch in hellen, freundlichen Farben gekonnt um den Kopf gewickelt. Zur Begrüßung streckt sie mir höflich die zarte Hand entgegen, ihr Händedruck ist sehr sanft. Ihre Hand fühlt sich leicht wie eine Feder an. Durch das freundliche Lächeln wirkt Anna gelassen und aufmerksam, gelegentlich klettert ihr Kind auf ihrem Schoß herum, welches sie durch liebevolle und geduldige Ermahnungen ruhig hält.
Die gebürtige Toblacherin Anna Faccin, 34, ist ein Schmetterlingskind. Sie lebt wie ca. 30 weitere Südtiroler:innen seit ihrer Geburt mit Epidermolysis Bullosa (EB). Eine sehr seltene, unheilbare Hauterkrankung, bei der aufgrund eines fehlenden Proteins in der Haut die Hautschichten nicht ausreichend miteinander verbunden sind. Dadurch ist die Haut sehr brüchig und schmerzanfällig und neigt zu Blasenbildung. Man nennt die Betroffenen Schmetterlingskinder, da ihre Haut so verletzlich ist wie die dünnen Flügel eines Schmetterlings. Kognitiv verursacht EB keinerlei Einschränkungen.
„Jo guat, wia geatn des mit der Erkronkung?“, leitet Anna unser Gespräch ein. Sie erzählt uns von ihrem Alltag mit EB. Als sie 1990 zur Welt kam, wusste niemand von ihrer Erkrankung und es war ein Schock für alle, da es damals kein Internet gab und man fast nichts über EB in Erfahrung brachte. Ihre Kindheit beschreibt die Toblacherin dennoch als liebevoll und glücklich. Auch wenn die Schulzeit nicht immer einfach war, stand Annas Mutter immer hinter ihr und ermutigte sie dazu, ihren Mitmenschen mit Offenheit und Geduld zu begegnen. Man kann ihr ansehen, dass es für sie von Bedeutung ist, ihre Geschichte mit uns zu teilen.
Sobald Anna von ihren eigenen Kindern erzählt, breitet sich ein warmes Lächeln über ihr Gesicht aus. Das Eis im Glas, das vor uns auf dem Tisch steht, ist inzwischen geschmolzen. Der leichte Duft nach Pistazie liegt in der Luft und die neugierigen Augen ihres Kindes richten sich auf die Süßigkeit. Leise klirrt der Metalllöffel an die Wände des Glases, als Anna ihr flüssiges Eis umrührt, um es nun zu schlürfen. Ihr Sohn beteiligt sich wissbegierig am Gespräch, der Kleine kann bereits ganz von selbst erklären, welche Erkrankung seine Mutter hat und was sie braucht. In den Augen seiner Mutter leuchtet Stolz und sie kann sich ein kurzes Schmunzeln kaum verkneifen.
Patienten mit EB müssen ihre Wunden tagtäglich selbst verbinden, dazu braucht es einen Spezialverband. Gemeinsam mit ihrer Familie lebt Anna in Staben. Dort ist ihr Alltag ähnlich wie jener von anderen Familien, es wird gespielt, geputzt, gekocht usw. Nur das tägliche Verbinden sei ein weiterer Punkt auf ihrer Tagesordnung, ansonsten seien sie eine Familie wie jede andere.
Doch ein Merkmal trägt sie an sich, das auf den ersten Blick vielleicht für Verwunderung sorgt. Sofort fallen die vielen Tattoos mit unterschiedlichsten Motiven, die Annas Oberarme schmücken, ins Auge. Auch wir waren anfangs erstaunt darüber. Wie ist das möglich? Tattoos trotz einer Hauterkrankung? Annas Haut sei sowieso „anders“ und deswegen habe sie sich dazu entschieden, Tattoos stechen zu lassen, wohl wissend, dass sie aufgrund der ständigen Wunden mit der Zeit verblassen und sich verändern würden.
Ein Tattoo mit besonders großer Bedeutung für sie ist der Stuhl mit Flügeln auf ihrem linken Oberarm. Die spanische Künstlerin Nina Roma, ebenfalls ein Schmetterlingskind, hat das Motiv entworfen. Es steht für die vielen Stühle in unserem Leben, die uns in bestimmten Situationen begleiten und uns „fliegen lassen“. Sei es der Stuhl am Küchentisch, der Stuhl im Krankenhaus, der Stuhl in der Uni, worauf man lernt, oder eben der Rollstuhl, der an persönliche Traumorte hinführt. Bei einem genaueren Blick kann man erkennen, wie sich bereits rötliche Wunden um den Stuhl gebildet haben. Zufrieden blickt Anna auf das kleine Kunstwerk auf ihrer Haut und zeigt es voller Stolz in die Kamera.
Der unbeschwerte Geruch nach Sommer und Eis hat sich auf der kleinen, mit Stein gepflasterten Terrasse breitgemacht, warme Sonnenstrahlen kitzeln auf unseren Nasen. Durch die einladende Atmosphäre und das angeregte Plaudern einiger Frauen am Nebentisch ist die Stimmung fröhlich und entspannt. Anna erzählt uns einiges über DEBRA. Der Verein DEBRA ist ein ehrenamtlicher Verein, der von Spendengeldern lebt und sich dafür einsetzt, eine bessere Lebensqualität für Menschen mit EB und deren Angehörige zu erreichen. Mit Frau Faccin als Präsidentin unterstützt DEBRA Familien, die beispielsweise einen Rollstuhl anschaffen müssen, einen speziellen Laptop, der das Tippen erleichtert, eine Perücke, damit man die Chance bekommt, sich in seiner Haut wohler zu fühlen, besonders weiche Kleidung und vieles mehr. In Südtirol besteht der Verein nun seit 20 Jahren und ist einer von vielen DEBRA Organisationen, die es weltweit gibt. Durch DEBRA Familientreffen wird der Austausch gefördert, man wird inspiriert von den Erlebnissen und Träumen anderer. Dadurch findet man oft neue Kraft, den Alltag mit EB zu meistern, das Allerbeste daraus zu machen und über seine Grenzen hinaus zu wachsen.
Als die Ärzte damals bei Annas Geburt nicht sicher waren, wie lange und ob sie überhaupt überleben kann, rieten sie ihren Eltern: „Leb‘ es jeden Tog, sou wia er kimp!“ Trotz all den Herausforderungen in Annas Leben hat sie nie aufgegeben und steht heute hier, um allen zu zeigen, wie sie sich ihr Leben erkämpft hat und damit anderen Schmetterlingskindern Hoffnung schenkt.

„Ich versuche immer das Besondere herauszuheben“

  • Vorspann: Es ist lieb gewordene und gern gepflegte Tradition beim Vinschgerwind im Sonderthema „Bauen“ mit Vinschger Architekten ein Gespräch zu führen. Diese Interview-Reihe wird in dieser Wind-Ausgabe mit dem Architekten Lukas Wielander aus Schlanders fortgeführt. Wir haben mit ihm unter anderem über Farben und Formen, über die Wichtigkeit von Details und den Erhalt von alter Bausubstanz gesprochen.
  • Dachzeile: SPEZIAL-BAUEN - Architektur-Interview mit Architekt Lukas Wielander
  • Redakteur: Angelika Ploner, Nadine Hofer (Interview), Transkription: Nadine Hofer
  • Redakteur Bild:
  • Weitere Fotos - 1: Die sanierte Kita in Kortsch, Teil des Projektes „Kortsch auf der Lahn“
  • Weitere Fotos - 2: Prieth-Fiegele-Haus in Glurns

Vinschgerwind: Wir beginnen unsere Architekturinterviews traditionell mit einer persönlichen Frage: Wie wohnen Sie selbst?
Lukas Wielander: Ich wohne zusammen mit meiner Frau und unseren zwei Kindern in einem Wohnhaus aus den 80er-Jahren, in welchem sich mittlerweile auch mein Büro befindet.

Vinschgerwind: Welche Voraussetzungen braucht man als Architekt?
Lukas Wielander: Die räumliche Wahrnehmung und das räumliche Denken spielen eine zentrale Rolle. Ein gutes Allgemeinwissen ist ebenso wichtig. Im Beruf sind logischerweise auch eine bestimmte Neugier, viel Geduld und Ausdauer erforderlich, denn viele Projekte gehen auch über einen längeren Zeitraum.

Vinschgerwind: Was ist für Sie als Architekt wichtiger: Ästhetik oder Funktion?
Lukas Wielander: Ein Gebäude muss in erster Linie funktionieren. Die Ästhetik entwickelt sich daraus, parallel oder aus dem Kontext – nicht umgekehrt. Form, Farbe oder Material dürfen nie Selbstzweck sein, sondern müssen aus der Bauaufgabe heraus entstehen. Genauso wichtig ist mir der inhaltliche Aspekt: Architektur kann sozialen Mehrwert schaffen und Gemeinschaften stärken. Das zeigt sich etwa im Seniorenhaus Schlanders als Pilotprojekt für betreutes Wohnen, in der Kitestation am Reschensee als sozialem Treffpunkt oder im Fiegele-Prieth-Haus in Glurns, wo ein denkmalgeschütztes Laubenhaus in partizipativer Beteiligung der Bauherren zu einem gemeinschaftlichen Wohnprojekt umgebaut wurde.

Vinschgerwind: Haben Sie eine architektonische Handschrift oder ändert sich diese mit der Bauaufgabe?
Lukas Wielander: Ich versuche, die Architektur immer ganz spezifisch aus dem jeweiligen Kontext heraus und jedes Mal individuell oder neu zu entwickeln. So kommt man zu einer jeweils anderen Handschrift oder formalen Aussage.

Vinschgerwind: Sie wählen also das Konzept und die Materialität anhand der Bauaufgabe für ein Gebäude aus?
Lukas Wielander: Zum Beispiel wurde beim Wohnbauprojekt in Glurns versucht, einerseits einen behutsamen Umgang mit dem denkmalgeschützten Bestand zu praktizieren und dennoch durch wenige effiziente Eingriffe ein komplexes Raumprogramm mit fünf Wohnungen und einer Weinkellerei zu realisieren. Durch das Errichten eines zentralen Innenhofes an der Nordseite zwischen Wohnhaus und ehemaligen Stadel konnten die Wohnungen zeitgemäss belichtet und belüftet werden. Als sozialer Mehrwert steht den Bewohnern ein gemeinsamer und vielseitig nutzbarer Außenraum zur Verfügung. Die neuen Fassaden des Innenho-fes wurden in Anlehnung an den ehemaligen Stadel in Lärchenschalung realisiert, der Fußboden wurde mit aus dem Obstbau entliehenen Betonpfählen ausgeführt, um eine stimmige Materialität und Langlebigkeit zu erzielen.

Vinschgerwind: Farben spielen in Ihren architektonischen Konzepten eine große Rolle. Warum?
Lukas Wielander: Farben tragen dazu bei, ein architektonisches Konzept, sowohl in seiner Ausstrahlung als auch in seiner Materialität, zu verstärken. Dadurch kann man verdeutlichen, was man sagen und haben will. Das kann man damit vergleichen, dass man zu verschiedenen Anlässen auch verschiedene Outfits trägt: Für ein Begräbnis ziehe ich mich anders an als für einen Abend in der Disco oder fürs Sporteln. So ist es ein bisschen auch mit den Gebäuden. Man nimmt etwas her, was zum Kontext passt. Bei der Feuerwehrhalle Vetzan wurde das Material- und Farbkonzept mit dem Künstler Manfred Alois Mayr entwickelt. Feuerwehrrot und Zitronengelb wurden wie eine Schminke punktuell verwendet um verschieden Bauteile zu akzentuieren um zu verdeutlichen, dass es sich um die Feuerwehr handelt. Auch die silber lasierten Streifen auf den gebrannten Ziegeln wurden so wie die Farben von der Einsatzuniform der Feuerwehr abgeleitet.

Vinschgerwind: Sie sind ein Teamplayer und tun sich bei Projekten oft mit anderen Architekten zusammen. Was ist der Vorteil? Was der Nachteil?
Lukas Wielander: Der große Vorteil liegt im kreativen Austausch: Man lernt voneinander und gewinnt stets neue, inspirierende Blickwinkel. Bereits kurz nach dem Studium konnte ich mit Jürgen Winkler und Franco Enrico den neuen Verbandsitz für Kaufleute und Dienstleister am Bozner Boden realisieren – ein Projekt, das 2002 beim Architekturpreis Südtirol unter den vier ausgewählten war. Es folgten prägende Zusammenarbeiten, etwa mit Walter Angonese beim Umbau der Volksschule Neumarkt und im Atelier von Manfred Alois Mayr in Bozen, wo ich vor allem im Umgang mit Materialien und Farben viel lernen konnte. In dieser Zeit entstanden auch erste eigene Bauten, darunter das Wohnhaus Wielander-Meister in Schlanders (Preis für energieeffiziente Altbausanierung 2006), weitere Wohn- und Sozialbauten sowie die Kitestation am Reschensee mit Fabian Oberhofer. Nach dem mit Arnold Gapp gewonnenen Wettbewerb für die Raika Prad 2009 eröffnete ich mein Büro in Schlanders. Eine langjährige Zusammenarbeit verband mich anschließend mit Martin Trebo; gemeinsam realisierten wir u. a. das Fiegele-Prieth-Haus in Glurns, die FF Vetzan und das Projekt „Kortsch auf der Lahn“ mit einer Kita als erstem Baustein. Letztere Arbeiten entstanden aus gemeinsam gewonnenen Wettbewerben. Diese teamorientierten und netzwerkartigen Zusammenarbeiten waren für meinen beruflichen Werdegang sehr prägend und haben die Qualität der Projekte stets gesteigert. Einen wirklichen Nachteil sehe ich nicht: Flexibilität und Offenheit sind in der Architektur ohnehin unerlässlich, da man ständig mit unterschiedlichen Menschen und Bereichen zu tun hat.

Vinschgerwind: Welche Rolle spielt für Sie das Erhalten von alter Bausubstanz?
Lukas Wielander: Ich glaube, das ist extrem wichtig, denn die überlieferten Bauten erzählen uns eine Geschichte: Wie man früher gebaut hat, was früher die Werte waren, wie man gewirtschaftet und gewohnt hat. Das zu erhalten ist natürlich wichtig, um zu verstehen, von wo wir herkommen. Das heißt nicht, dass beim Umbau das Gebäude 1:1 erhalten bleiben muss, denn die neuen Interventionen dürfen ruhig als zeitgemäß erkennbar sein. Ich würde von einem Weiterbauen am Bestand sprechen.

Vinschgerwind: Auf welches Ihrer Projekte sind Sie besonders stolz?
Lukas Wielander: Wahrscheinlich auf die Kitestation am Reschensee. Ich bin ein begeisterter Kiter. Ich habe erst im fortgeschrittenen Alter – mit 40 – damit begonnen, aber für mich war dieser Ort schon immer faszinierend. Ich bin früher auf dem Reschensee gesegelt und windgesurft, so gesehen war es also ein Zurück zur Jugend. Ich bin dann auch Mitglied im Kiteclub und dessen Vorstand geworden. Der Kiteclub hat immer mehr Zuspruch erhalten. An bestimmten Wochenenden waren bis 150 Leute am Kitespot am Reschensee, jedoch gab es kein Klo, keine Umkleiden oder Duschen und keine Bar. Das wurde natürlich zu einem Problem. Ich habe dann einfach dem Club und der Gemeinde einen Entwurf vorgelegt, aber Wind in die Sache kam erst nach und nach als auch Fabian Oberhofer, Kiterfreund und damaliger Architekturstudent, miteingestiegen ist und mitgeholfen hat das Projekt voranzutreiben. Wir haben großteils alles allein organisiert, z.B. auch die Finanzierung. Das Projekt wurde mit viel Eigenleistung realisiert. Wir haben etwa das Gebäude selbst gestrichen. Stolz sind wir deshalb auf dieses Projekt, weil es gelungen ist, ein Sportgebäude zu einem öffentlichen Treffpunkt am Reschensee zu machen. Natürlich freut es mich und meine Projektpartner besonders, wenn unsere Projekte auch eine bestimmte Würdigung und Anerkennung in Fachkreisen erfahren.
So wurde z.B. die Neue Feuerwehrhalle in Vetzan kürzlich für den Architekturpreis Südtirol 2026 nominiert in der Kategorie öffentliche Bauten.
Das Projekt Kitestation wurde mehrfach in wichtigen Architekturveröffentlichungen, Ausstellungen, Vorträgen und filmischen Dokumentationen vorgestellt und dokumentiert: u.a. 2023 in der Edition Detail „Alpine Architektur in Südtirol“, bei den Ausstellungen „Neue Architek-tur in Südtirol 2018-2024“ im Kunsthaus Meran, und „Alps.architecture.South Tyrol“ im Palazzo Cavanis im Rahmen der Architekturbiennale in Venedig.

„In Pankratius hon i als Felix kennenglearnt“

  • Vorspann: Pankratius Eller, genannt Felix, ist seit Jahren Regisseur der Bühne „s`Lorggagassl“ in Stilfs. Den Namen Felix verdankt er einem einstigen Arbeitskollegen, der sich Pankratius nicht merken konnte. Die Regie zum Mäuseprozess „Linamaus“ von Toni Bernhart zum diesjährigen 25. Jubiläum musste er krankheitsbedingt seiner Frau Petra anvertrauen.
  • Dachzeile: Portrait
  • Redakteur: Magdalena Dietl Sapelza
  • Redakteur Bild:

Im vergangenen Sommer erfüllte sich Felix einen Wunsch: Er nahm eine Auszeit als Baggerfahrer bei der Firma Marx und hütete die 140 Schafe von Stilfs. Monatelang zog er täglich seine Runden in den Bergen, begleitet von seinem Hund Kaja. „Deis isch dr scheanschte Summer gwesn“, betont er. „Unt es tat miar ruien, wenn i deis nit toun hat“, betont er. Nach der Rückkehr überlegte er bereits, das Hirtendasein zu wiederholen. Doch er musste dieses Ansinnen auf Eis legen. Im November erhielt er die niederschmetternde Diagnose Kopftumor. Ihm und seiner Familie zog es sprichwörtlich den Boden unter den Füßen weg. Von einem Tag auf den anderen war nichts mehr, wie es war. Felix stand vor einer Operation und machte sich große Sorgen, dass etwas schief gehen könnte und er danach niemand mehr wiedererkennen könnte. Doch die Sorgen waren unbegründet, der Eingriff war erfolgreich. Der Tumor konnte zur Gänze entfernt werden. Allerdings, um eine Chemotherapie kam er nicht herum. Durch die Krankheit kamen auch die bereits begonnenen Vorbereitungen zur Jubiläumsproduktion „Linamaus“ ins Stocken. Doch das 25. Jubiläum vom „s‘ Lorggagassl“ sollte trotz allem gefeiert werden. Deshalb übertrug Felix die Regie an seine Frau Petra. Als Theaterspielerin brachte sie die nötige Erfahrung mit, und er konnte ihr daheim Tipps geben.
Pankratius wuchs in Pazin in Langtaufers auf. Bereits als Bub half er auf den Almen im Tal mit. Einen Sommer lang hütete er Kühe auf Prämajur. „Fir 40.000 Lire unt a Poor Housn“, erinnert er sich. Als 14-Jähriger nahm er eine Saisonsstelle in einem Hotel in Schenna an. Ein italienischer Arbeitskollege nannte ihn Felix, weil er sich den Namen Pankratius nicht merken konnte. Nachdem er daheim von seinem Spitznamen erzählt hatte, bürgerte sich der Name Felix auch dort ein. Nach der Zeit in Schenna fand er Arbeit zuerst in einem Sägewerk in Graun, dann beim Straßenbau in Langtaufers und beim Maseben Lift. Im Sommer 1983 begann er als Liftwart auf dem Stilfserjoch. Damals herrschte dort reger Sommerskilauf. Die Hotels waren mit Gästen voll belegt, und abends wurde Apres Ski gefeiert. Bei einem Tiroler Abend in der „Baita Ortler“ lernte er Petra Platzer aus Stilfs kennen. Die beiden verliebten sich. „In Pankratius hon i als Felix kennenglearnt“, lacht Petra. „I hon‘s zearsch gor it glabm gwellt, dass es ondersch isch.“ 1986 heiratete das Paar, und Sohn Andreas wurde geboren. Nach Jahren in einer Mietwohnung bezog die Familie ihr Eigenheim im Ortsteil Patzleida in Stilfs. Mittlerweile war Felix als Baggerfahrer bei einer Baufirma im Engadin beschäftigt und pendelte täglich über die Grenze. Petra kümmerte sich um den Haushalt und Kind. Später, nachdem sie den Kleinen in der Obhut seiner Großmutter gut aufgehoben wusste, nahm sie wieder Aufgaben im Gastgewerbe an. Sie kehrte auch wieder in die „Baita Ortler“ zur Familie Tschenett zurück, mit der sie sich bis heute eng verbunden fühlt. Eine Zeitlang arbeitet Petra auch in der Firma HOPPE. Nach der Geburt des Sohnes Jan 1997, nahm sie sich Zeit für ihren Nachzügler. 2005 verließ Felix die Schweiz und wurde Baggerfahrer bei der Firma Marx.
Felix und Petra lieben die Geselligkeit und die Stilfser Bräuche. Bei Fasnachtseinaktern entdeckten sie ihre Freude am Theaterspielen. 2001 gründeten sie mit anderen Interessierten die Theatergruppe „s`Lorggagassl“. Für das erste und zweite Lustspiel verpflichteten sie einen Regisseur von auswärts. Nachdem Felix mehrere Regiekurse besucht hatte, debütierte er 2004 mit dem Stück „Der Susi ihr Gspusi“. Dass er auch den Ortspfarrer Florian Öttl als Spieler einsetzte, erwies sich als Publikumsmagnet. Als der Pfarrer 2024 vor der Premiere krankheitsbedingt ausfiel, sprang Felix kurzfristig ein und rettete die Vorstellung. Laufend holt Felix Jugendliche ins Rampenlicht. Auch das erwies sich als sehr erfolgreich und sicherte den Fortbestand der Stilfser Bühne. „Wer amol mitn Theatrfiabr infiziert isch, spielt olm gearn“, meint er. Die diesjährige Jubiläumsaufführung begleitete Felix in Absprache mit Petra von zu Hause aus. Bei den Aufführungen möchte er jedoch dabei sein. Einige werden ihn auf Anhieb nicht erkennen. Denn er hat seinen geliebten Vollbart der Chemotherapie opfern müssen. Nun hofft er darauf, dass er die Krankheit schon bald hinter sich lassen kann. Und er möchte irgendwann wieder Schafe hüten, und das mit Vollbart.

„Miar hobm olm guat mitnond gschoffn“

  • Vorspann: Loisa Tröger und Hans Steiner in Agums bei Prad am Stilfserjoch sind seit 65 Jahren verheiratet. Gemeinsam sind sie durch Dick und Dünn gegangen. Hans war Kleinbauer, Bergarbeiter, Totengräber und Handlanger. Loisa kümmerte sich um die vier Kinder und hielt ihm daheim den Rücken frei.
  • Dachzeile: Portrait
  • Redakteur: Magdalena Dietl Sapelza
  • Redakteur Bild:

Loisa kam als uneheliches Kind bei den Klosterfrauen in Schlanders zur Welt. Ihre Mutter, eine mittellose Dienstmagd, durfte nur zwei Monate dort bleiben. Anschließend musste sie die Kleine in fremde Hände geben, um als „Diarn“ bei Bauern weiter ihren Lebensunterhalt verdienen zu können. „Di Muatr hot koa Hoamat kopp, unt Votr hots für miar koan gebm“, sagt Loisa. Ihr sieben Jahre älterer Bruder hatte mehr Glück. Er war auf dem Hof seines Vaters untergekommen. Ihr erstes Zuhause fand Loisa bei einer Ziehmutter in einer Schludernser Großfamilie. Ihre leibliche Mutter kam nur selten zu Besuch. Zwischen den beiden ließ sich keine Beziehung aufbauen. Nach dem Tod der Ziehmutter 1950 kümmerte sich eine Tante in Prad um Loisa. Eine andere Tante holte sie kurz darauf für ein Schuljahr nach Allitz, damit sie deren Tochter auf dem Schulweg begleiten konnte. Dann kehrte Loisa wieder zur Tante nach Prad zurück und hütete deren Kinder. Schließlich fand Loisa eine Bleibe auf dem Hof ihrer Firmpatin in Agums. Sie war dort Mädchen für alles. Obwohl sie einst herumgereicht worden war, hadert Loisa nicht mit ihrem Schicksal. „I bin nia ausgschoadat gwortn“, erklärt sie. Sie vermisst jedoch, dass sie als Kind nie in den Arm genommen worden war. „I moan, deswegn hon i deis selbr a nia kennt“, verrät sie.
Hans wuchs als jüngster von fünf Kindern auf dem kleinen Bauernhof in Agums auf, in dem er heute noch lebt. Sein Vater war Totengräber im nahen Friedhof. Als kleiner Bub schaute Hans ihm beim Graböffnen oft über die Schultern. So ganz wohl war ihm jedoch nie dabei. Immer wenn der Vater auf das Brett eines Holzsarges stieß, ergriff Hans die Flucht. Bittere Erinnerungen hat Hans an die Jahre 1943/44. Im November 1943 kam die Nachricht vom Tod seines ältesten Bruders an der Front. Drei Monate später starb seine Schwester an Thyphus. In den 1950er Jahren ging Hans auf Arbeitssuche und fand sie im Magnesit-Bergwerk „Zumpanell“ bei Stilfs. Ein offener Lastwagen brachte ihn und seine Kumpel am Montag zum Bergwerk. „Miar hobm in gonzn Tog Stoan klobm“, erklärt er. Am Samstag kehrten die Männer meist zu Fuß ins Tal zurück. Drei Jahre blieb Hans dort. Dann übernahm er den elterlichen Hof. Seine Mutter war inzwischen gestorben und die Geschwister waren ausgezogen. Beim täglichen „Milchschütten“ in der Sennerei traf er die 12 Jahre jüngere Loisa. Die beiden verliebten sich und heirateten im Dezember 1960 in Maria Trens. Loisa zog zu ihm in sein Elternhaus. Mit ihrem Schwiegervater verstand sie sich auf Anhieb. „I hon mit ihm olm guat redn kennt“, betont sie. Die Familie lebte von der kleinen Bauerschaft. Hans übernahm auch den Totengräber-Dienst von seinem Vater. Schwerstarbeit war das Graböffnen bei gefrorenem Boden. Oft war er bis zu zwei Tage mit Pickel und Schaufel am Werk. Der Lohn war bescheiden. „1970 hon i pro Grob 4.000 Lire kriag“, erinnert er sich. Der Platzmangel auf dem Friedhof sorgte für manch schaurigen Anblick. Deshalb regte Hans bei jeder Gelegenheit die Errichtung eines neuen Friedhofs an, der später auch gebaut wurde. Daheim waren inzwischen vier Kinder zu versorgen. Deshalb gab Hans den Totengräberdienst nach 12 Jahren auf und arbeitete als Handlanger bei einer Lichtenberger Baufirma, bis zu seinem Ruhestand.
Loisa kümmerte sich um die Kinder, um den Haushalt, um Stall- und Feldarbeit. Hans half mit, wo er konnte. „Miar hobm olm guat mitnond gschoffn“, betont sie. Ende der 1970er Jahre wurde ihr Schwiegervater pflegebedürftig. Loisa betreute ihn rund um die Uhr. Sie nahm auch ihre alte Mutter auf, obwohl es vorher kaum einen Kontakt gegeben hatte. Beide umsorgte sie bis zu deren Tod. Als schwersten Schicksalsschlag beschreiben Hans und Loisa den Verlust ihres ältesten Sohnes, der vor drei Jahren nach kurzer Krankheit gestorben ist. „Es gib für Eltern nichts Schlimmers, als a Kind zu verliern“, betont Loisa. Dem Hans setzen die Beschwerden seines hohen Alters immer mehr zu. Loisa ist seine liebvolle Stütze. „Miar tian olm nou viel mitnond diskutiern, sou wia friaher“, erklärt sie. „Lai iatz lott holt olz noch.“ Beim Lesen und beim Stricken lenkt sie sich ab. Sie kreiert kunstvolle Deckchen. Das ist ihre Freude. Mit viel Gottvertrauen nehmen die Eheleute jeder Tag hin wie er ist und sind dankbar, dass sie sich noch haben.

„Miar sain in Ladum di beschtn Tänzer gwesn“

  • Vorspann: In seinem Personalausweis steht Enrico Ermanno Weissenhorn. Dieser Name wurde 1952 so ins Glurnser Geburtenregister eingetragen. Daheim war er für alle der Hermann. Ein Wild-West-Spiel sorgte später für seinen Spitznamen Andy, unter dem er als DJ im Tanzlokal Ladum in Prad bekannt wurde.
  • Dachzeile: Portrait
  • Redakteur: Magdalena Dietl Sapelza
  • Redakteur Bild:

Der Standesbeamte in Glurns muss 1952 wohl noch immer vom faschistischen Geist beseelt gewesen sein, als er den Namen Enrico Ermanno eingetragen hat. Daheim war Enrico der Hermann. Er wuchs als siebtes Kind der Familie Weissenhorn mit zehn Geschwistern in Glurns auf. Der Vater arbeitete als Handlanger beim Bau des Staudammes in Martell, den er mit dem Fahrrad erreichte. Die Mutter kümmerte sich um Kind und Kegel und um die kleine Bauerschaft in Glurns sowie um jene einer Tante in der „Lochmühle“ bei Tartsch. Hermann ließ sich nie unterkriegen und setzte sich schon im Kindergarten durch. „I hon miar nix gfolln glott“ betont er. Bei Wild-West-Spielen als Volksschüler schlüpfte er in die Rolle des Banditen Andy. „Unt nor hon i den Nomen pickn kopp“, erklärt er. Das Fußballspielen liebte er ganz besonders. Er war kämpferischer Stürmer und Stütze seiner Mannschaft. Doch schon bald musste er die Fußballschuhe an den Nagel hängen und am Glurnser Köpfl Galtvieh hüten. Alles Aufbäumen und Weinen waren umsonst. „A horter Bua plärrt nit, hot dr Votr gsog“, erinnert er sich. Während seine Kollegen dem Ball nachjagten, lebte er in der Einsamkeit. „I hon di Berg ghosst“, bekennt er. Nach Abschluss der Pflichtschule war er froh, dass ihm sein Bruder Hans eine Stelle im „Hotel Greif“ in Bozen vermittelte, wo er die Rezeption bediente. Mit dem Führerschein C in der Tasche nahm er zwei Jahre später die Arbeit als Lieferant in einer Metzgerei in St. Moritz an. „Selm hon i viel Trinkgelt kriag“, schwärmt er. Den Militärdienst absolvierte er in Cuneo. Anschließend kam er nach Bruneck und dann nach Brixen, wo er einem „Colonello“ als Fahrer zugeteilt wurde. Damit er auch das Nachtleben genießen konnte, täuschte er seine nächtliche Anwesenheit mit Hilfe einer Perücke auf dem Kissen vor. Einige Zeit ging alles gut. Dann wurde die Täuschung entdeckt. Zwei Tage Knast war die Strafe und seine Versetzung nach Aquila. Dort verpflichtete ihn ein „Sottotenente“ aus der Unternehmerfamilie Agnelli als Fahrer. „Selm hon i a scheans Lebm kopp unt bin in noble Kreise innikemman“, schwärmt er. Nach der Militärzeit kehrte er nach St. Moritz in die Metzgerei zurück. Hermanns große Leidenschaft war und ist das Tanzen. Regelmäßig besuchte er das Tanzlokal „Ladum“ in Prad, genauso wie sein Bruder Toni. „Miar sain in Ladum di beschtn Tänzer gwesen“, sagt Hermann: „Unt inz hobmsi di Tango Briadr ghoaßn.“ Als Dauergast wurde Hermann gefragt, ob er nicht Disc-Jockey werden wolle. Er nahm den Job an. „In Ladum bin i nor olm der Andy gwesn“, erklärt er. Jeden Abend um 21.00 Uhr legte er die erste Schallplatte auf und verabschiedete sich nach sieben Stunden mit dem Lied „Bye, bye bis morgen“. Er erfüllte Musikwünsche und spielte das, was den Gästen gefiel. Irgendwann setzten ihm die Nachtarbeit und der Schlafentzug so zu, dass er aufgeben musste. Nach einem kurzen Aufenthalt auf einer Alm wurde er Getränkelieferant für die Firma Walzl in Glurns. Fünf Jahre später wechselte er in die Malerfirma seines Bruders Toni. Dann wurde er Mitarbeiter der Firma Interpul in Lana und schließlich bis zu seiner Pensionierung 2015 bei Maxi CC Lana.
Privat hat sich Hermann bei seiner Partnerin, der Maßschneiderin Anna Egger (Jg. 1951), in Algund niedergelassen. „I bin erscht seit 2023 Algunder, vorher bin i olm Glurnser gwesn“, erklärt er. Er und Anna haben eine gemeinsame Tochter und mittlerweile zwei Enkelkinder. Kennengelernt hatte er Anna einst im Tanzlokal Ladum. Die beiden unternehmen vieles gemeinsam und verstehen sich gut.
Hermann liebt seine Freiheit. Und Anna gesteht ihm diese auch zu. Er spielt Tennis, fährt Fahrrad und nimmt gelegentlich auch wieder den Malerpinsel in die Hand. Leidenschaftlich gerne besucht er Tanzabende.
„Af miar wortn selm olm an Haufn Tanzpartnerinnen“, lacht Hermann. „I spiel obr pa olle mit offne Kortn.“ Er ist sportlich und achtet auf seine Figur. Jedes Jahr macht er eine längere Fastenkur, die er eisern durchhält. „Wenn i eppas in Grint hon, ziachis durch“, betont er. Regelmäßig fährt er in den Vinschgau. Er besucht die Geschwister und die Bekannten in der Stadt Glurns.
Bisher hat er noch nie daran gedacht, seinen Namen richtig stellen zu lassen. Denn er kann gut mit „Enrico Ermanno“ im Ausweis leben.

„PIA WILLI. Kunst und Kloster“

  • Vorspann: Das UNESCO-Welterbe Kloster St. Johann feiert heuer sein 1250-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass widmet das Museum seiner ältesten Klosterfrau, Künstlerin, Textilgestalterin und ehemaligen Priorin Pia Willi die Sonderausstellung „PIA WILLI. Kunst und Kloster“. Die Ausstellung wurde mit Fichtenholz aus der Schweiz gestalten und ist ein erster Schritt, das Museum nachhaltig weiter zu entwickeln.
  • Dachzeile: Kultur
  • Redakteur: Christine Weithaler
  • Weitere Fotos - 1: Zeichnungen von Sr. Pia Willi
  • Weitere Fotos - 2: Räucherkammer
  • Weitere Fotos - 3: Bilder und Orgelklänge begleiten die Gäste durch die Stockwerke
  • Weitere Fotos - 4: Im Klosterladen sind Karten mit Motiven aus dem Klosterleben von Sr. Pia Willi erhältlich
  • Weitere Fotos - 5: Motive aus dem Klosterleben von Sr. Pia Willi

Über die Heiligdreikreuzkirche, den Friedhof und den Eingang der Klosterkirche gelangt man in die historischen Innenräume des Klosters mit dem ruhigen Innenhof. Es wurde ein Kinderpfad eingerichtet, indem das Museum spielerisch erforscht werden kann.
s29 1 EingangDie Gäste können auf verschiedenen Stockwerken einen Teil aus Sr. Pia Willi‘s vielfältigen Werkbestand, der aus über 150 Zeichnungen, Aquarellen und Grafiken, bis hin zu über 90 Stickentwürfen für Engadinertrachten und 45 Kartenmotiven mit Szenen aus dem Klosterleben reicht, bestaunen.
In einem Interview, welches in der Ausstellung gezeigt wird, erzählt Sr. Pia Willi von ihrer Studienzeit und den Beweggründen ihres Eintrittes ins Kloster St. Johann.
Sie war von 1986 bis 2012 Priorin, von 2013 bis 2019 Subpriorin und feierte 2020 ihre diamantene Profess. Ihre Priorität galt immer den klösterlichen Pflichten, doch nebenbei integrierte sie ihr künstlerisches Talent in das Klosterleben. So prägten die Stickereientwürfe von Sr. Pia über vier Jahrzehnte das Brauchtum im Engadin und darüber hinaus. Schätzungsweise 800 bis 1000 Trachten mit Stickereien sind nach ihren Entwürfen entstanden. Das Herzstück s29 10 Altar in der Klosterkircheder Ausstellung ist eine ausgestellte Engadiner Tracht. Typisch für diese sind Rock und Mieder aus rotem Wollstoff sowie Blumenstickereien auf schwarzer Wolle oder Seide. Bei der ausgestellten Tracht handelt es sich um eine private Leihgabe, gestickt nach Entwurf Nr. 81 von Sr. Pia 1985/86. An einer hölzernen Pinnwand erfährt man mehr über „die Pracht der Tracht“. Persönliche Beiträge über verschiedene Engadiner Trachten und eine Mitmachaktion weckt die Wissbegierde der Besucher:innen. Über einen Qr-Code gelangt man in ein digitales Trachtenarchiv. Dort kann gestöbert und die eigene Tracht hinzugefügt werden. Neben weiteren Stickentwürfen können in der aktuellen Ausstellung kunstgewerbliche Zeichnungen aus Sr. Pia Willi‘s Studienzeit bewundert werden.
Über alte knorrige Holzstiegen gelangt man in die oberen Stockwerke, begleitet von Werken aus der Sammlung von Sr. Pia Willi. In der alten Räucherkammer z.B. hängen farbenfrohe Stillleben von ihr und im obersten Stockwerk gibt die Dauerausstellung „Innenleben. Die barocken Nonnenzellen“ mit persönlichen Gegenständen und aufgezeichneten Interviews, Einblick in das Klosterleben der Schwestern.
Zurzeit leben noch acht Benediktinerinnen im Kloster St. Johann. Unter der Regie von Sr. Pia Willi wurden zahlreiche Restaurierungsarbeiten im Kloster durchgeführt. Es war nicht immer einfach, die Bedürfnisse der Klosterfrauen mit den Anforderungen der Archäologen, die Grabungen durchführten, in Einklang zu bringen. Der Stiftung Pro Kloster St. Johann war es wichtig, die Lebensumstände der Schwestern zu verbessern. Und Dank der Unterstützung zahlreicher Sponsoren ist dies gelungen. s29 engadiner trachtZusätzlich dazu wollte Sr. Pia Willi als Priorin des Klosters aktiv einen Beitrag leisten. Sie begann, Karten mit Motiven und Szenen aus dem Klosterleben zu zeichnen, die schnell zu ihrem Markenzeichen wurden. Die „Willi-Karten“ erreichten in den letzten 25 Jahren eine Auflage von 7 Millionen. Sr. Pia Willi traf bei der Ausstellungseröffnung, am 25. Juni 2025, erstmals nach 20jähriger Zusammenarbeit Stefan Kürzi. Dieser arbeitet bei Multicolor Print AG (CH) und hat seit jeher die Verantwortung für den Druck der Karten, aber die Zeichnerin noch nie persönlich getroffen.

Am Ende der Ausstellung, die im Alleingang oder in einer Führung erkundet werden kann, bietet sich ein Besuch im Klosterladen an. In diesem können neben vielen verschiedenen Artikeln auch die Grußkarten von Sr. Pia Willi, erworben werden. Die Ausstellung läuft bis 6. April 2026.

 

Näheres zu den Öffnungszeiten und
Führungen +41 (0)81 858 61 89 oder
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

 

Sr. Pia Willi

wurde 1931 in Zürich mit bürgerlichen Namen, Johanna, geboren. Sie war das erste von vier Kindern des Kinderarztes Heinrich und seiner Frau Marie-Luise Willi. Johanna, auch Hanna oder Hanneli genannt, absolvierte ab 1950 eine fundierte Kunstausbildung an der Kunstgewerbeschule Zürich und der Kunstakademie André Lhote in Paris. An der Kunstgewerbeschule legte sie ihren Schwerpunkt auf das wissenschaftliche Zeichnen. Der Schweizer Künstler Karl Schmid war für Hanna ein prägender Lehrer. Als erste und eine von wenigen Frauen besuchte sie zudem Kurse in Schriftgestaltung, sowie Typographie mit Handsatz, einer Drucktechnik mit Bleilettern. Nach ihrem Studienabschluss 1955 arbeitete sie als wissenschaftliche Zeichnerin und illustrierte verschiedene Publikationsprojekte.
Die junge Frau verbrachte ihre Ferien häufig in Disentis (CH). Die barocke Architektur des benediktinischen Mönchsklosters regte sie zu einer Serie von Zeichnungen an. In Disentis empfing sie ihre Berufung und klopfte 1958 erstmals an die Pforte des Klosters in Müstair. Sie erhielt den Namen Schwester Maria Pia und legte 1963 die ewigen Gelübde ab.

 

„S’ Spirituelle muaß oam gebm sein“

  • Vorspann: Oskar Asper ist seit 50 Jahre Mesner in Glurns. Er hat das Amt im März 1976 von seinem Vater Johann übernommen. Einen Urlaub hat er nie in Anspruch genommen. Nur sechs Wochen hat er gefehlt, als er wegen einer Thrombose im Krankenhaus lag.
  • Dachzeile: Portrait
  • Redakteur: Magdalena Dietl Sapelza
  • Redakteur Bild:

Jeden Morgen um 8.00 Uhr sperrt Oskar das Tor der Frauenkirche in seiner Nachbarschaft auf. Kurz bevor er es abends wieder schließt, steigt er über die zwei steilen Stiegen rund 15 Meter in den Glockenturm hoch und zieht die mechanische Turmuhr auf. Das ist sein Ritual seit 50 Jahren. „Deis sein iatz über 18.000 Mol gewesn“, schmunzelt er und bemerkt: „Wenn ma do oifollt, isch ma toat.“ Manuell läutet er zu den unterschiedlichsten Anlässen auch die Glocken im Turm. In der Pfarrkirche läuft das Geläute elektrisch. Dort öffnet er die Tore nur zu den kirchlichen Feiern. Zu Oskars weiteren Aufgaben zählen die Vorbereitung der Gottesdienste und Festlichkeiten wie Taufen, Firmungen, Hochzeiten oder Beerdigungen. Er richtet den Altar her, kümmert sich um die Kerzen, um die Blumen, legt Bücher bereit, wählt die richtige Farbe des Messgewandes, hilft dem Priester beim Ankleiden und weist die Ministranten ein. Kurzum, er ist der gute Geist der Glurnser Kirchen.
Oskars Beziehung zur Kirche, seine Hinwendung zum Glauben und zur Spiritualität entwickelten sich bereits in seiner Kindheit durch die gottesfürchtige Erziehung im Elternhaus. Regelmäßig und gerne begleitete er seinen Vater zu den Mesner-Diensten. Mit Spannung beobachtete er die Vorbereitungen in der Sakristei. Er empfand es als besondere Ehre, den geistlichen Herren am Altar so nahe sein zu dürfen. In seinem Innersten schlummerte damals sogar der leise Wunsch, selbst einmal am Altar zu stehen. Doch die starke Verbundenheit zu Glurns stand dem Wunsch im Wege. „I hat nia fa do aweck geahn gwellt“, betont er. Die Zeit in der Kirche empfand Oskar auch als willkommene Abwechslung zur Arbeit in der Landwirtschaft daheim. Oskar und seine drei jüngeren Geschwister mussten von klein auf mithelfen.
Nach der Pflichtschule lernte Oskar in Laas Schlosser. Als Geselle fand er Arbeit in der Schlosserei der Firma HOPPE in Schluderns. Dort blieb er bis zu seiner Einberufung zur Militärausbildung in Cuneo. Dann kam er als „artigliere di montagna“ in die Huber Kaserne nach Bozen. „Miar hobm si zu di Muli zuitoun“, scherzt er. Nie hatte er das Bedürfnis abends auszugehen wie die anderen Soldaten. Er lernte lieber für den Italienischkurs, bei dem er abschließend das Zweisprachigkeitsdiplom bekam. Regelmäßig besuchte er die Gottesdienste in der Kapelle der Kaserne. Als der Militärkaplan einen Gehilfen suchte, meldete er sich. Er durfte die Aufgabe übernehmen. Oskar wusste, was zu tun war und fühlte sich voll in seinem Element. „I hon drfiir pan Kaplan olm Radio lousn kennt“, erinnert er sich. In der Kaserne verhielt er sich stets zurückhaltend und ließ sich nie etwas zu Schulden kommen. „I bin nia in Loch kemman“, lacht er. Nach dem Militärdienst kehrte er wieder in die Firma HOPPE zurück, wo er in Tagschicht arbeitete. Nach dem plötzlichen Tod seines Vaters 1976 übernahm er auf Wunsch des Pfarrers Norbert Wilhalm die Mesnerei.
„I hon a gwisse Berufung gspiirt“, verrät er. Jahrzehntelang stand er dem Pfarrer Wilhalm zur Seite, dann dem Pfarrer Paul Schwienbacher und jetzt dem Pfarrer Werner Mair.
Oskar ordnete sein Privatleben stets dem Dienst in der Kirche unter. „I hon noch dr Orbat nia kennt a Glasl trinken geahn, weil meischtns a Kirchn gwesn isch“, schmunzelt er. Die Gründung einer eigenen Familie kam für ihn nie in Frage. Bestens versorgt wurde er von seiner Mutter. Mittlerweile lebt Oskar mit seinem Bruder Eduard zusammen. Wichtige Stütze ist die Schwester Helene.
„Di Mesnerei isch für miar olm a spirituelle Soch gwesn.“ erklärt er. „S‘ Spirituelle muaß oam gebm sein.“ Als Schlosser ist Oskar längst pensioniert, als Mesner nicht. Im Laufe der 50 Jahre musste er miterleben, wie die Kirchen immer leerer wurden. Auch die Zahl der Gottesdienste schrumpfte ständig wegen des Priestermangels. Das alles bekümmert ihn, doch er macht unverdrossen weiter. „Iatz hat i drwail für a Glasl, weil miar unter dr Woch lai mea oamol Kirchn hobm“, sagt er.
Regelmäßig verbringt er Zeit im Stall bei den Schafen seines Neffen. „I stirg selm holt a bissl ummer“, meint er.
Solange es seine Gesundheit erlaubt, will er Mesner bleibenund weiterhin täglich die steile Stiege im Turm der Frauenkirche hochsteigen, um die Uhr aufzuziehen.

„Wenn es jemand kann, dann die Vinschger Bauern“

  • Vorspann: Der Südtiroler Beratungsring steht für gebündelte Fachkompetenz. Sieben Berater stehen im Bezirk Vinschgau den Obstbauern mit Rat und Tat zur Seite. Michael Gamper ist seit 17 Jahren Berater und seit knapp 10 Jahren Bezirksleiter. Eugen Tumler ist seit 17 Jahren für die Bio-Bauern einer der Ansprechpartner. Der Beratungsring „begleitet den Bauer vom Start bis zum Ende vom Jahr. Vom Schnitt bis zur Ernte, wo sich dann praktisch der Kreis wieder schließt. Wir machen Anbauberatung zur Düngung, Empfehlungen zu Pflanzabständen, Sortenempfehlungen, und natürlich den Pflanzenschutz, der einen großen Anteil in der Beratung ausmacht.“ Die Berater des Beratungsrings, darin waren sich Gamper und Tumler im Vinschgerwind-Interview einig, sind im Grunde Problemlöser. Jeder Berater ist auch Sortenpate oder -kümmerer. Gamper ist beispielsweise Sortenpate vom Cosmic Crisp. Tumler hingegen vom Topaz und Bonita.
  • Dachzeile: Spezial-Landwirtschaft
  • Redakteur: Angelika Ploner (Interview und Foto)
  • Redakteur Bild:

Vinschgerwind:Die Ernte ist fast eingebracht. Herr Gamper, die Berater stehen Tag für Tag in direktem Austausch und sind am Puls der Bauern. Was hat diesen heuer die größten Schwierigkeiten bereitet?
Michael Gamper: Die Herausforderungen sind jedes Jahr unterschiedlich. Das ist einerseits das Schöne und gleichzeitig die größte Herausforderung in der Landwirtschaft. Es ist jedes Jahr anders und es gibt große Unterschiede. Beispielsweise Schorf: Da ist im Obervinschgau die Situation eine ganz andere wie im Mittel- oder Untervinschgau.

Vinschgerwind: Wenn wir beim heurigen Jahr bleiben, was war heuer die größte Schwierigkeit?
Michael Gamper: Im Obervinschgau eindeutig Schorf, wobei dieser im Mittel- und Untervinschgau auch Probleme bereitet, aber bei weitem nicht so große.

Vinschgerwind: Wo fängt bei euch der Obervinschgau an?
Michael Gamper: Von Laas aufwärts. Dann gibt es natürlich Schädlinge, die flächendeckend und auch zwischen Bio und I.P. die gleich große Rolle spielen, beispielsweise die Blutlaus.

Vinschgerwind: Da kommen wir später noch dazu. Herr Gamper, Sie sind auch Kirschenberater. Was waren in diesem Bereich die größten Herausforderungen?
Michael Gamper: Diese sind über die Jahre immer dieselben: Der Frost und die Kirschessigfliege. 2016 und 2017 waren Frostjahre. Als Folge haben wir die Anbaupraktiken angepasst, zum Beispiel den Schnitt. Dadurch haben wir in den meisten Anlagen gleichmäßigere Erträge erreicht.

Vinschgerwind: Kirschen sind frostanfälliger wie Äpfel?
Michael Gamper: Ja, weil sie einfach früher austreiben. Durch die klimatischen Veränderungen, wir zeichnen ja alljährlich die Vegetationsstadien auf, treibt das Obst generell eindeutig früher aus.
Eugen Tumler: Bei den Marillen haben wir 2024 festgestellt, dass in Schluderns um Andreas Hofer, also den 20. Februar, bereits erste offene Blüten an Tsunami, einer frühreifenden Marillensorte waren. Auf 900 Höhenmeter, am Andreas Hofer-Sonntag, hat es vorher noch nie Blüte gegeben.

Vinschgerwind:Herr Tumler, was waren die größten Herausforderungen für die Bio-Bauern?
Eugen Tumler: Es ist so, Schorf- oder Mehltau sind bei uns im Bio-Bereich natürlich immer eine Herausforderung. In den tiefen Lagen eher Schorf, in den Hanglagen eher Mehltau. Vermehrt aufgetreten ist heuer Marssonina, eine Pilzkrankheit, die sich vor allem in Bioanlagen mit schorfresistenten Sorten entwickelt hat, weil dort weniger Pflanzenschutz zum Einsatz kommt. Da muss ich sagen, diese bereitet uns schon Sorgen, weil der Baum, der von dieser Pilzkrankheit befallen ist, die Blätter fallen lässt und der Apfel nicht mehr weiter wachsen kann. Das kommt bei den neueren Sorten wie einem Natyra, Topaz, Bonita, aber auch beim Cosmic und Pinova, also auch bei nicht resistenten Sorten, vor. Diese Problematik nimmt deutlich zu und haben wir im gesamten Vinschgau. Dann ist die Blutlaus natürlich ein Thema, wo alles irgendwie wirksames getan werden muss, damit der Befall nie eskaliert. Das fängt mit einem Wurzelschnitt an und hört bei Bodenpflege-Maßnahmen für Nützlinge und aktiven Pflanzenschutz auf. Und dann sind da logischerweise die Berostungen, die wir beim Envy und Cosmic haben und zum Teil nicht wissen, was die Gründe dafür sind.

Vinschgerwind: Und bei den Marillen?
Eugen Tumler: Das Jahr war grundsätzlich nicht schlecht. Ein Problem waren heuer die Fruchtflecken beim Goldrich, bei einer unserer Bergmarillen-Sorte. Die Ausbeute an Prima-Qualität ist von 80 auf 50 Prozent und weniger zurückgegangen. Bei der Vinschger Marille war heuer auffallend, dass die Frucht einseitig gereift ist. Auf einer Seite war sie noch grün, auf der anderen Seite schön orange. Ein Problem oder Phänomen, ohne Erklärung. Das war heuer typisch -auch in guten Lagen und bei alten Bäumen. Beim Steinobst hat heuer tendenziell die Europäische Steinobstvergilbung wieder zugenommen.

Vinschgerwind: Das Produktionsjahr 2025 war zusammengefasst in zwei Sätzen.
Michael Gamper: Durchaus herausfordernd, wobei es wichtig ist, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen und aufs nächste Jahr gut vorbereitet zu sein.
Eugen Tumler: Die Apfelmengen im Biobereich sind relativ gut, auch die Qualität. Das Ergebnis insgesamt wird die meisten Bauern schon zufriedenstellen.

Vinschgerwind: Und wenn die Bauern zufrieden sind, dann seid auch ihr zufrieden.
Eugen Tumler: Richtig.

Vinschgerwind: Also haben eure Strategien gewirkt?
Michael Gamper: In den Apfelanlagen sind wir ja gerade bei den Vorernte-Auswertungen. Wir sammeln jetzt die Daten, wie welche Strategie funktioniert, weil man jetzt bei der Ernte das Ergebnis der getanen Arbeit sieht. Im Großen und Ganzen hat es gut geklappt. Die Qualität der Früchte kann dieses Jahr, natürlich mit Ausnahmen, als sehr gut eingestuft werden. Es gibt natürlich immer wieder Bereiche, wo es jetzt wichtig ist, die richtigen Schlüsse aus den gewonnenen Daten zu ziehen und sich immer wieder anzupassen. Auch die Genossenschaften und die VIP sind dabei sehr wichtiger Partner. Mit ihnen sind wir immer im engen Austausch und bei Problemen können wir somit rasch reagieren. Kein Jahr ist gleich und wir müssen sehr flexibel sein und immer wieder Anpassungen machen.

Vinschgerwind: VIP ist zuständig für Einlagerung, Verkauf usw. Ihr seid der Ansprechpartner für alles, was den Anbau betrifft. Welche Sorte ist die schwierigste im Anbau?
Michael Gamper: Generell gilt: Jede Sorte hat ihre Vor- und Nachteile, wobei es gewisse Sorten gibt, die mehr Nachteile haben, wie andere. Zum Beispiel der SweeTango. Dieser hat einen begrenzenden Faktor, was die Erntemenge angeht. Denn im Endeffekt braucht es bei jeder Sorte eine bestimmte Erntemenge, um pro Hektar genügend zu verdienen. Es geht immer um Kilogramm mal Preis. Beim SweeTango ist nach dieser Ernte positiv hervorzuheben, dass die Qualität sehr gut war. Beim Yello, eine andere schwierige Sorte, müssen wir jetzt schauen, der wird (zum Zeitpunkt des Interviews) erst geerntet.

Vinschgerwind: Zum Verständnis: Der SweeTango ist eine der Sorten, die mit Scheren geerntet wird.
Michael Gamper: Ja, wir haben dadurch ungefähr die Hälfte der Ernteleistung.

Vinschgerwind: Es gibt nach dem heurigen Jahr ein Kissabell-Anbau-Stopp und einen Yello-Anbau-Stopp. Zurecht?
Michael Gamper: Stopp heißt, er wird momentan nicht mehr angepflanzt. Es geht nicht darum, beide Sorten zu reduzieren, sondern, wie bei den Clubsorten generell, darum Angebot und Nachfrage so gut wie möglich im Gleichgewicht zu halten. Das ist der Vorteil von Clubsorten oder gemanagten Sorten. Denn, wenn mehr Menge auf dem Markt ist, kann diese die Nachfrage übersteigen und damit natürlich auch der Preis zurückgehen. Der Yello ist extrem schwierig auszudünnen. Der Zupfaufwand ist sehr hoch, es braucht mehrere Zupfdurchgänge und trotzdem hat er ein großes Risiko auf Alternanz. Diese Schwankungen sind für die Rentabilität ein Problem. Trotz aller Mittel, die uns zur Verfügung stehen, sind wir oft nicht imstande die Alternanz zu brechen. Das ist das eine. Das andere Problem ist, bei der Ernte muss er, wie der Name schon sagt „yello“, also gelb sein. Das ist nicht so einfach. Er braucht mehrere Pflückdurchgänge und trotzdem ist der Prozentsatz der grünlichen Früchte zum Teil noch hoch. Für den Bauer ist er schwierig zu produzieren.

Vinschgerwind: Und der SweeTango?
Michael Gamper: Das Hauptproblem, das wir sehen ist, dass die Erntemenge begrenzt ist, und diese Sorte in den letzten Jahren auch ein gewisses Risiko für Alternanz hatte.
Eugen Tumler: Der Vorteil, ist, dass er früh geerntet werden kann. Wenn wir aber von Menge und Kontinuität sprechen, dann sind wir nicht zufrieden. Der Kissabell hingegen wäre bei uns im Bioanbau schon interessant.

Vinschgerwind: Werden alle Sorten im I.P-Bereich und Bio-Bereich gepflanzt?
Michael Gamper: Der Natyra ist eine reine Bio-Sorte. Sonst gibt es die meisten Sorten im I.P.-Bereich und Bio-Bereich. Die Prozentsätze sind verschoben. Ein Golden beispielsweise spielt im I.P.-Bereich eine viel größere Rolle, als im Bio-Bereich.
Eugen Tumler: Die Schorfanfälligkeit bei Golden macht große Probleme. Da müssen die Bauern schon sehr dahinter sein. Sie müssen von März bis in den Oktober hinein alle Wettervorhersagen im Kopf haben und dementsprechend reagieren. Aber wenn es jemandem gelingt, dann den Vinschger Bauern und ich muss sagen (lacht): Ein schöner Bio-Golden, der jetzt von einer hellgrünen Kiste herausleuchtet, da gibt es kein schöneres Erlebnis. Rot ist Rot, aber das Gelb von einem Biogolden ist schon außergewöhnlich.

Vinschgerwind: Der Cosmic Crisp ist der Hoffnungsträger der VIP. Freiwillig wird diese Sorte auch heuer mit Scheren geerntet. Was sind die Vor- und Nachteile im Anbau?
Michael Gamper: Vor zwei Jahren gab es Fruchtfäulnis durch Stängelstiche. Voriges Jahr nicht. Das heißt aber nicht, dass wir heuer kein Problem damit haben könnten. Daher ist es wichtig über mehrere Jahre genau zu beobachten, inwiefern uns das Stängelschneiden gegen dieses Problem weiterhilft. Der Jahreseinfluss macht gut und schlecht Wetter und auf das haben wir einen begrenzten Einfluss.

Vinschgerwind: Anders gefragt: Ist der Cosmic Crisp zurecht der Hoffnungsträger? Auch vom Anbau her.
Michael Gamper: Beim Cosmic überwiegen die Vorteile ganz deutlich. Die Nachteil-Seite ist sehr klein. Wenn wir aktuell die Anlagen draußen anschauen, dann sind diese wirklich super. Was die Qualitäten anbelangt ist sicher einiges zu erwarten. Es gibt bei uns hier Top-Bedingungen und Top Produzenten, welche, die von uns im Vorfeld gesammelten Erkenntnisse zu dieser Sorte, in den meisten Fällen, sehr gut umgesetzt haben.
Eugen Tumler: Hoffnungsträger ja, aber im Bio-Bereich sind schon Berostungen, wo wir noch nicht genau die Ursachen kennen. Vor allem im Untervinschgau. Aber: Der Cosmic hat bis dato noch nie Blutlaus gezeigt und allein diese Tatsache macht ihn mit Sicherheit zum Hoffnungsträger.

Vinschgerwind: Und was sagen Sie zum Envy?
Michael Gamper: Er hat viele Vorteile, aber einen großen Nachteil: Die Berostungen. Zehn Jahre hatten wir kein Problem und jetzt sind drei Jahre hintereinander, wo wir lagenweise große Probleme haben. Wir sind in regem Austausch mit allen anderen Anbaugebieten, welche Envy anbauen dürfen, haben aber bis jetzt keine definitive Antworten gefunden. Wir haben viele unterschiedliche Produktionspraktiken mit den Produzenten verfolgt und ausgewertet. Bis jetzt wurden alle Theorien durch ein Gegenbeispiel aus einem anderen Betrieb über den Haufen geworfen. Die Laimburg startet mit dem nächsten Jahr ein Projekt, wo Versuche speziell zu Berostungen beim Envy gemacht werden. Es ist mittlerweile ein so großes Problem, dass manche überlegen die Anlage zu roden, weil drei Jahre hintereinander mit einer so kleinen Ausbeute an prima, natürlich auch finanziell ein Problem darstellt. Aus diesem Projekt erwarten wir uns Antworten, die man hierzu aus der Praxis nur begrenzt gewinnen kann. Nur eines dazu ist bereits jetzt sicher: Es gibt keine einfachen Lösungen, es ist ein vielschichtiges Problem.
Eugen Tumler: Und im Bio-Bereich haben wir alle Berostungs-Probleme, die der I.P.Bereich hat, noch wesentlich stärker.

Vinschgerwind: Bleibt im Biobereich der Gala immer noch der verlässlichste Apfel?
Eugen Tumler: Es ist einfach so, dass wir den Gala kennen und wissen, wie dieser zu produzieren ist. Solange die Vermarktung sagt, sie wollen Gala, dann wird der Prozentanteil im Sortenspiegel weiter nach oben gehen. Der Bio-Gala wird das ganze Jahr angeboten, das tut I.P. nicht. Das heißt: Es braucht eine bestimmte Menge und einen Apfel, der gut lagerfähig ist.

Vinschgerwind: Welcher Apfel eignet sich im Biobereich für welche Lage am besten?
Eugen Tumler: In den höheren Lagen ist sicher ein Cosmic besser, als ein Gala. In Allitz zum Beispiel hat ein Cosmic schon seine Vorteile. Man kann da wesentlich mehr Menge machen, als mit einem Gala.

Vinschgerwind: Die Empfehlung für mittlere Lagen?
Eugen Tumler: Der Bonita zum Beispiel, der Topaz, der Pinova. Mit all diesen Sorten mache ich schon auch die Menge. Der Vorteil vom Bio-Gala im Vinschgau ist, dass er so kirnig ist, dass wir ihn lange lagern und ganzjährig verkaufen können. Das heißt: Es braucht eine bestimmte Menge.

Vinschgerwind: Kommen wir nochmal auf den Bonita zurück.
Eugen Tumler: Die Vinschger Bio-Bauern sind sehr gut im Produzieren vom Bonita. Er kann, wenn er zuviel geladen ist, ein Ausfärbungsproblem haben. Aber von Menge mal Preis her, ist der Bonita eine sehr interessante Sorte.

Vinschgerwind: Stichwort Natyra?
Eugen Tumler: Anbautechnisch hat er einige Nachteile. Wir haben Alternanz und wir haben oftmals schlechtes Pflanzmaterial. Damit haben wir einen langsameren Baumaufbau. Er braucht halt auch mehr Einsatz beim Zupfen und Ernten. Geschmacklich ist ein Natyra aber eindeutig die beste Sorte.
Michael Gamper: Der Natyra ist von der Wertigkeit her, von der Essqualität her, eine Topsorte.
Eugen Tumler: Und lagerfähig ist er auch. Zudem kann ihn der Biobauer pflanzen, wann und wieviel er will.

Vinschgerwind: Neunzehn Sorten sind derzeit im Anbau. Ihre persönliche Einschätzung: Wieviele und welche werden wir auch im Sortenspiegel in zehn Jahren wiederfinden?
Eugen Tumler: Die wichtigsten Sorten, die anteilsmäßig gesehen, ganz vorne sind, werden wir auch in zehn Jahren noch haben. Gala, Bonita, Cosmic, Topaz oder einen Pinova werden wir sicher haben. Den Golden werden wir in bestimmten Anbaulagen auch haben. Jonagold wird vielleicht verschwinden. Idared auch.
Michael Gamper: Bei den Standardsorten im I.P.-Bereich wird es eine Erneuerung geben. Wir haben zum Beispiel beim Golden sehr alte Anlagen. Von der Produktionssicherheit und Qualität macht es schon Sinn eine bestimmte Erneuerung zu haben, weil eine neue Anlage einfach leistungsfähiger ist. Wir haben beim Golden einen beträchtlichen Anteil an Anlagen die 30 und 40 Jahre alt sind. Der Stark wird an Wichtigkeit verlieren. Ein Gala wird konstant bleiben. Wenn wir die Clubsorten anschauen, so haben wir jetzt viele abgeschlossene Projekte. Cosmic wird noch dazu kommen, vielleicht auch Kanzi, aber wir können sagen: Das Sortenkarussell wird sich nicht mehr so schnell drehen, wie noch vor fünf oder sechs Jahren. Wir müssen auch sagen: Es wurde auch viel investiert von Bauernseite.

Vinschgerwind: Wird die Vinschger Marille in Zukunft noch weiter von der Bergmarille abgelöst, weil sie einfacher im Anbau ist?
Eugen Tumler: Grundsätzlich ist es die Vinschger Marille, die das Segment prägt. 60 Prozent der Ernte macht die Vinschger Marille aus. Mit Goldrich haben wir Probleme, also diese löst die Vinschger Marille sicher nicht ab. Wir beobachten seit vier Jahren eine neue Sorte, die Sefora, die sich für bestimmte höhere Lagen eignen kann. Aber ich glaube: Die Vinschger Marille wird weniger von dieser neuen Sorte beeinflusst, als die anderen Sorten wie Goldrich oder Orange Red. Eher wird auf Kosten dieser beiden Sorten eine neue Sorte kommen.

Vinschgerwind: Welcher Schädling bereitet die größten Sorgen?
Eugen Tumler: Die Blutlaus. Der Schädling verursacht Holzschäden, so eine Art Krebsstelle, dass die Bäume nicht mehr richtig blühen. Im I.P.-Bereich hatte man bis dato ein Pfanzenschutzmittel, mit dem man im Notfall Feuerwehr spielen konnte, das gibt es jetzt nicht mehr. Wir im Bio-Bereich hatten nie ein so gut wirksames Mittel, wir haben nur präventive Maßnahmen.
Michael Gamper: Wenn der Befall außer Kontrolle gerät, dann treibt der Baum nicht einmal mehr aus. Jene Mittel, die uns geholfen haben, haben die Zulassung verloren. Das ist ein EU-weites Problem. Wir haben alle die gleichen Mittel und wir sitzen alle im gleichen Boot. Es werden zur herkömmlichen Bekämpfung auch neue Ansätze verfolgt, wie zum Beispiel Zwischenstämme Blutlauswiderstandsfähiger Sorten. Das heißt eine Sorte, die nicht befallen wird, könnte als Zwischenstamm die Aufwanderung der Blutlaus stoppen oder zumindest hemmen. Das ist ein neuer Ansatz, weil wir werden auf Pflanzenschutzseite immer mehr limitiert werden. Wenn dieser Lösungsansatz funktionieren würde, dann wäre dies natürlich nicht eine rasche Lösung des Problems, sondern ein langfristiges Ziel. Grundsätzlich gibt es wenige Einrichtungen, die Basisforschung machen. Die Laimburg ist da eine der wenigen Ausnahmen, dort wird die Biologie eines Schädlings noch erarbeitet. Denn eines ist schon klar: Wenn wir einen Schädling bekämpfen wollen, ist es grundlegend, seine Biologie bis ins letzte Detail zu kennen.

Vinschgerwind: Feuerbrand: Gab es heuer eine Zunahme an Fällen?
Michael Gamper: In der Zone um Rabland war heuer am meisten Feuerbrand. Es variiert jedes Jahr.

Vinschgerwind:
Stichwort Kirschessigfliege?
Michael Gamper: Diese ist bei den Kirschen der Hauptschädling. Wir bieten unseren Mitgliedern ein Monitoring an. Die Bauern können eine Probe in der Anlage sammeln, können diese bei uns abgeben und bekommen innerhalb vom Folgetag ein Ergebnis wie es in seiner Anlage ausschaut. Wir sind mit Monitoring, mit Einnetzung und mit gezielten Pflanzenschutzmaßnahmen imstande ohne Probleme zu produzieren. Aber man muss 100 Prozent professionell sein.

Vinschgerwind: Abschließende Frage: Was werden die größten Herausforderungen in Zukunft im Obstanbau sein? Michael Gamper: Diese könnte von neuen Schädlingen oder Krankheiten ausgehen. Hierzu sind vom Pflanzenschutzdienst Südtirol beauftragt, neue Schädlinge, die oft schon bereits vor unserer Haustüre sind, zu kontrollieren bzw. monitorieren. Beispielsweise handelt es sich dabei um den Japankäfer. Im Vinschgau ist der Japankäfer noch nicht gefunden worden, im Etschtal hingegen bereits schon. Dieser kann sämtliche Kulturen befallen und ist deshalb gut im Auge zu behalten.
Eugen Tumler: Die größte Herausforderung ist, zu verstehen, wie was funktioniert.

(Un)soziale Medien

  • Dachzeile: Kommentar von Chefredakteur Erwin Bernhart
  • Redakteur: von Erwin Bernhart
  • Redakteur Bild:

Im Großvaterland, in Österreich, nimmt die Diskussion über ein mögliches Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche an Fahrt und an Relevanz auf. Vorbild dafür ist Australien. Australien hat zum 10. Dezember 2025 als weltweit erstes Land ein strenges Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren eingeführt. Die Diskussion lässt aufhorchen, denn sie besagt, dass soziale Medien gefährlich sind. Denn Kinder und Jugendliche können in den sozialen Medien höchst verstörende Bildern (Kriegsbilder, Gewaltbilder, Pornografie) sehen. Und wer will Kinder nicht davor schützen? Auf der anderen Seite bergen Handy und Socials suchtbildende Gefahren. Und wer will Kinder nicht vor Sucht schützen? Ich wünsch’ mir, dass die Diskussion zu uns herüberschwappt, dass sie europaweite Kreise zieht. Denn ein Argument gegen ein Social-Media-Verbot lautet, dass man dieses Verbot ohnehin nicht durchsetzen und schon gar nicht überwachen kann. Schaut man sich in autokratisch regierte Ländern um, dann sieht man, dass soziale Medien einfach abgeschaltet werden können. Wenn man sich in Europa über ein Verbot für Kinder und Jugendliche einig wäre, würde man wohl etwas dazwischen finden können. Abschalten für die Kinder, freischalten für die Erwachsenen?


7 Kraftwerke am Schlandraunbach

  • Vorspann: Schlanders-Schlandraunbach - Mit drei Laufkraftwerken, drei Trinkwasserkraftwerken und einem Beregnungskraftwerk wird der Schladraunbach seit Kurzem energetisch hervorragend genutzt. Nicht zu vergessen sind die ökologischen Verbesserungen gegenüber der Ausgangssituation. Die Gemeinde Schlanders freut sich über die erneuerbaren Energiequellen und über Mehreinnahmen für den Haushalt.
  • Dachzeile: Bauplatz
  • Redakteur: Erwin Bernhart
  • Redakteur Bild:
  • Weitere Fotos - 1: Die Fassung für das Kraftwerk 1; Foto: Andreas Oberdörfer
  • Weitere Fotos - 2: Fassung Schupferquelle; Foto: Andreas Oberdörfer
  • Weitere Fotos - 3: der Bau für die Fassung Zahlwahl Herausfordernde Baustellen in Schlandraun
  • Weitere Fotos - 4: der Bau für die Fassung Zahlwahl Herausfordernde Baustellen in Schlandraun
  • Weitere Fotos - 5:
  • Weitere Fotos - 6:
  • Weitere Fotos - 7:

Bestens investiertes Geld am Schlandraunbach
Dass der Schlandraunbach viel Potenzial für eine elektrische Nutzung hat, war vielen seit langem klar. Ein E-Werk hat der Sonderbetrieb E-Werk Schlanders (SGW) am Schlandraunbach betrieben. „Da ist mehr drin“, hat sich die Gemeinde Schlanders gesagt und Studien erarbeiten lassen. Die gingen hin bis zu einem Pumpspeicherkraftwerk (Ingenieurstudio Pohl), welches eine Stauung im Schlandrauntal vorgesehen hätte. Heftiger Widerstand bei Bauern und in der Bevölkerung hat diesen Ideen ein Ende gesetzt. Und auch die in wasserarmen Zeiten auftretenden Konflikte zwischen den Kortscher und den Schlanderser Bauern, die wohl Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte zurückreichen, dürften die damaligen Gemeindeverwalter nicht beflügelt haben, in Schlandraun eine sinnvolle hydroelektrische Nutzung anzugehen. Die Idee, den Schlandraunbach aufgrund seiner faszinierenden Fallhöhe besser hydroelektrisch zu nutzen, blieb allerdings lebendig.
2009 wurde der Malser Wasserbauingenieur Walter Gostner hinzugezogen, um zu überprüfen, wie sowohl Bach- und auch Trinkwasser hydroelektrisch genutzt werden könnten. Der damalige Präsident des damals noch bestehenden Sonderbetriebes E-Werk Schlanders Gottfried Niedermair, war mutiger Antreiber einer besseren Wassernutzung und als Direktor des Bonifizierungskonsortiums Vinschgau mit den Wasserproblematiken an mehrfach genutzten Bächen, so auch am Schlandraunbach, bestens vertraut. Mit dem damaligen Referenten Reinhard Schwalt wurde mit der Idee von mehrstufigen Laufkraftwerken der Grundstein dafür gelegt, mit der Planung zu beginnen, die Ämter in Bozen von der Sinnhaftigkeit zu überzeugen und die entsprechenden Genehmigungen einzuholen. Nicht im Traum hat man sich allerdings damals ausrechnen können, wie lange es bis zur Umsetzung dauern wird. Als Spießrutenlauf bei den Ämtern, als unglaublicher Kraftaufwand auch bei den Diskussionen mit den Bauern wird die Zeit bis zur Verwirklichung im Rückblick empfunden. Lob für Ausdauer, Durchhaltevermögen und Überzeugungskraft spricht der Planer Gostner dem Gottfried Niedermair und vor allem dem damaligen Bürgermeister Dieter Pinggera aus.

2010 erhielt Gostner den Auftrag, ein Einreichprojekt auszuarbeiten und beim damaligen Amt für Stromversorgung (heute Amt für Gewässernutzung) einzureichen. Das Wasserrechtsverfahren wurde 2012 gestartet und es kam überraschenderweise ein Konkurrenzprojekt von, so sagt es Gostner, „findigen Unternehmern aus dem Pustertal“. Die Wogen sind hochgegangen und diese Umstände wurden in Schlanders vor allem von Dieter Pinggera dazu genutzt, mit allen Akteuren an einen Tisch zu gehen. Dieter Pinggera ist über die vorgesehenen Entschädigungen, die ein Rahmenvertrag zwischen dem Südtiroler Energieverband und dem Bauernbund vorgesehen hatte, mit seinem Angebot z.B. bei den Sonnenberger Bauern hinausgegangen. Das war ein wichtiger Grundstein. Mit allen anderen Akteuren, mit allen Interessentschaften, mit allen Gruppierungen hat man geredet. Das ging soweit, dass alle diese Vereinigungen Rekurse gegen das Konkurrenzprojekt eingereicht haben. Beim kommissionellen „Lokalaugenschein“ im Ratssaal der Gemeinde Schlanders sind dann alle aufmarschiert, das Konkurrenzprojekt wurde mit den Rekursen überhäuft, dann zerpflückt und verrissen. Die Dienststellenkonferenz für den Umweltbereich hat das Pusterer Projekt negativ begutachtet.
Allerdings wurde ein Teil des Gostner-Projektes auch negativ begutachtet und zwar das heutige Kraftwerk III am untersten Abschnitt des Schlandraunbaches. Das in Schlanders mit den Bauern austarierte Gesamtkonzept, in dem Leitungsmieten als Abgeltung vorgesehen waren, wurde so in Frage gestellt. Man war im Jahr 2017 angelangt.

Zwischen Politik und Landesämter
Viele der Ämter in Bozen hielten aus unterschiedlichen Gründen an der negativen Bewertung fest. Der beauftragte Techniker Gostner und die Gemeindepolitik von Schlanders mit Dieter Pinggera an vorderster Front pendelten zwischen Politik und Landesämtern hin und her. In den Landesämtern blieb man stur, obwohl das Gesamtkonzept sehr überzeugend und auf guter Basis war. Da sind einige Jahre ins Land gezogen.
Ein Beispiel führt Gostner an: Der Bach ist in wasserarmen Zeiten trocken gelaufen. Das Projekt sehe aber vor, dass die 30 Sekundenliter Restwassermenge in jedem Fall eingehalten würden: „Von Nichtschnaufen auf Schnaufen für die Fische ist es ein großer Unterschied.“ Für die Ökologie ist das ein Quantensprung.
Irgendwie und irgendwann ist es dann, auch mit Hilfe der höchsten Politik, durchgegangen.
Mit Hilfe einer Konsortial GmbH wurde der Bau 2023 in Angriff genommen. Spezialisierte Tiefbau-Firmen wie etwa die Marx AG, die sich in steilem Gelände, bei Wind und Wetter, in gefährlichen Situationen zu bewegen, vermögen wussten die Arbeiten fristgerecht abzuschließen. „Andibau“ und „Vinschgerbau“ hingegen realisierten die Wasserfassungen und Krafthäuser, ebenfalls auf bravuröse und zuverlässige Weise. Technisch versierte und aufeinander abgestimmte Südtiroler Betriebe haben die technischen Einrichtungen bereitgestellt. EN-CO war gemeinsam mit den Partnern Sora, Tschurtschenthaler (beides Turbinenbauer) und Elektro Clara (Steuerungstechnik) verantwortlich für die elektromaschinelle Gesamtausrüstung des Projekts. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit hat EN-CO zusätzlich die Automation und Visualisierung der Wasserverteilung sowie die Mittelspannungsverteilung realisiert.Das Resultat kann sich sehen lassen.
Denn es sind drei Laufwasserkraftwerke entlang des Schlandraunbaches entstanden. Ein viertes ist mit dem Beregnungskraftwerk Zahlwaal hinzugekommen. Parallel dazu und in einem viel kleinerem Maßstab sind entlang der neu verlegten Trinkwasserleitung aus den Schupfer- und Schimpfesquellen drei Trinkwasserkraftwerke entstanden. Gostner sagt scherzhaft: „Aus 1 mach 7“. Und heuer sind bis zum September insgesamt bereits rund 20 Millionen Kilowattstunden erzeugt worden.

Das Resultat aus Sicht der Landwirtschaft:
Mit der Installation der Kraftwerkskette und dem austarierten Wasserzuteilungssystem dürfte der Schlandraunbach befriedet sein. Die Obmänner der Konsortien in Schlanders und in Kortsch haben per App einen Live-Zugriff auf die Wasserflüsse an der unglaublich ausgeklügelten Zahlwaalfassung. Die Obmänner entscheiden, wer wieviel Wasser für die Beregnung erhält. Die Firma En-Co hat diese Steuerungstechniken ermöglicht.
Die Waale, der Neuwaal und der Talatschwaal, erhalten ihr konzessioniertes Wasser. Der Forrawaal, ganz oben am Sonnenberg, bezieht sein Wasser aus dem Maneidbach und der ist von einer Wasserfassung ohnehin nicht betroffen.

Aus Sicht der Ökologie:
Weil im April und Anfang Mai zu wenig Wasser zur Verfügung gestanden hat und die Konzessionsmengen nicht entnommen werden konnten, hat das zu Konflikten unter den Nutzern geführt. Im unteren Abschnitt war in dieser Zeit manchmal kein Restwasser vorhanden. Der Bach lief trocken. Die ökologische Funktionsfähigkeit war enorm beeinträchtigt. Mit der garantierten Restwassermenge von 30 Sekundenlitern wird dem Missstand abgeholfen.

Aus Sicht der Gemeinde:
Die Gemeinde Schlanders kann sich über eine neue und lukrative Einnahmequelle freuen. Die bisherige durchschnittliche Ernte von rund 7 Millionen Kilowattstunden beim mittlerweile stillgelegten E-Werk dürfte auf das Dreifache anwachsen. Die rund 19 Millionen investierten Euros sind demnach gut angelegtes Geld.

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Abos willkommen

  • Dachzeile: Kommentar von Chefredakteur Erwin Bernhart
  • Redakteur: von Erwin Bernhart
  • Redakteur Bild:

Demokratische Spielregeln machen es möglich, dass ein Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist, demokratische Spielregeln machen es möglich, dass etwa ein Jürgen Wirth Anderlahn im Landesparlament sitzt, demokratische Spielregeln machen noch vieles andere möglich. Der Aufruf selbsternannter aufrechter Demokraten, man soll doch die Demokratie verteidigen, geht ins Leere. Demokratie wird da zu einem nicht unbedingt näher definierten Wunschtraum. Denn, wenn demokratische Spielregeln Plutokraten, also ausschließlich jene mit viel Geld an die Macht bringen, dann sind wir von Monarchischem, vom Adel nicht weit entfernt. Wenn aber Plutokraten die Demokratie leiten, dann wird es nicht leicht oder gar unmöglich, die demokratischen Spielregeln in Richtung gerechterem Zugang zu ändern.
Letzlich trifft so etwas auch auf den Vinschgau zu: Aus eigener Wählerkraft ist es kaum mehr möglich, eine Kandidatin oder einen Kandidaten aus dem Vinschgau auf traditionelle Weise in den Landtag zu bringen. Das freut alle im Lande, außer die Vinschger. Denn jene, die davon profitieren, dass kein/e Vinschger:in in den Landtag kommt, werden den Teufel tun, die demokratischen Spielregeln zu ändern. Also steckt wohl a bissl Trump in all den vorhandenen demokratischen Strukturen. Und wie sollen wir, die Demokratiegläubigen, dann bitteschön „die Demokratie verteidigen“?


Auf den Hund gekommen

  • Vorspann: Sandra Telser arbeitete nach ihrer Matura in einem Büro. Sie stellte bald fest, dass sie sich beruflich näher an der Natur und den Tieren orientieren möchte. Sie entschied sich für eine Ausbildung zur Physiotherapeutin für Tiere in Deutschland. Zeitgleich bildete sie sich zur Reitlehrerin aus. Ihre freie Zeit genießt sie in vielfältiger Weise draußen in der Natur.
  • Dachzeile: Portrait

Sandra Telser wurde im Jahr 2000 geboren und wuchs gemeinsam mit ihrem vier Jahre älteren Bruder auf dem landwirtschaftlichen Betrieb ihrer Familie in Laas auf. Der enge Kontakt zu Pferden, Hunden, Katzen und anderen Tieren prägte sie von klein auf. Sie saß wohl auf einem Pferd, bevor sie laufen konnte. Nach der Pflichtschule in Laas, besuchte sie die Technologische Fachoberschule in Schlanders mit Schwerpunkt Maschinenbau. Anschließend war sie zunächst in einem Maschinenbaubüro tätig. Die Arbeit war sehr interessant, doch der jungen Frau fehlte die Natur. Sie stellte fest, dass sie sich beruflich näher an Tieren orientieren wollte. Der endgültige Auslöser für ihren beruflichen Richtungswechsel war die plötzliche Verhaltensänderung eines ihrer Pferde, verursacht durch einen kleinen, zunächst unbemerkten Unfall in der Box. Sandra begab sich auf die Suche nach Hilfe und fand diese bei einem Pferdephysiotherapeuten in Österreich. Die positive Veränderung nach nur wenigen Behandlungen beeindruckte sie zutiefst. Sie interessierte sich für eine Arbeit mit und für Tiere, also absolvierte sie eine zweijährige Ausbildung zur Tierphysiotherapeutin für Hunde und Pferde in Deutschland. Zeitgleich bildete sie sich in Tiernaturheilkunde und Akupunktur weiter und sammelte berufliche Erfahrung bei mehreren Praktika in Deutschland und Österreich. Nach ihrer Ausbildung war Sandra Telser als mobile Therapeutin in Südtirol unterwegs. Sie fuhr direkt zu den Tieren nach Hause und behandelte sie vor Ort.
Der Gang zur Physiotherapie bei Beschwerden oder nach Operationen gehört für uns Menschen längst zum Alltag. Dies gewinnt in der Tiergesundheit zunehmend an Bedeutung. Auch Tiere können unter Schmerzen und Bewegungseinschränkungen leiden, die ihr Wohlbefinden, Verhalten und ihre Lebensqualität beeinträchtigen. Die Tiertherapeutin setzt genau hier an. Sandra behandelt Tiere mit einem ganzheitlichen Ansatz, der von Physiotherapie über Naturheilkunde bis hin zur Akupunktur reicht. Ihr Ziel ist es, Beschwerden frühzeitig zu begegnen und tierärztliche Behandlungen sinnvoll zu ergänzen. Vor kurzem eröffnete sie ihre eigene Praxis in Laas, in der sie verschiedene bewährte Methoden miteinander verbindet. Ihr therapeutischer Ansatz ist individuell auf jedes Tier abgestimmt. Ihr Ziel ist es, die Beweglichkeit zu fördern, Beschwerden vorzubeugen und das seelische Gleichgewicht der Tiere nachhaltig zu stärken. Durch ihre Arbeit in den letzten Jahren bemerkte sie den großen Bedarf an ganzheitlicher Tierbehandlung und wurde immer mehr von der Osteopathie fasziniert. Aktuell spezialisiert sie sich gezielt für Hunde auf dieses Therapieverfahren. Die entsprechende zweijährige Ausbildung in Deutschland wird sie im Herbst 2025 abschließen. Neben ihrer Tätigkeit als Tiertherapeutin bietet Sandra Reitunterricht an. Jährlich findet am elterlichen Hof auch ein Sommercamp für Kinder statt. In diesen Wochen lernen die Kinder den Umgang mit Tieren und das Reiten kennen.
In der Jugend nahm die Pferdeliebhaberin an Reitturnieren teil. Heute trainiert sie ihr Pferd in der Freiarbeit, wobei das Pferd ohne Seil und Strick verschiedenste Lektionen erlernt. Anhand der richtigen Körpersprache und viel Übung kann sich Sandras Pferd bereits Hinlegen, Verbeugen, Steigen und vieles mehr. Alles basiert auf Vertrauen und ohne Zwang.
Weiters ist Sandra gerne mit Pferden in der Natur unterwegs und unternimmt regelmäßig Wanderritte. Sie war schon in der Toskana und auf verschiedensten Südtiroler Almen mit Freunden und Pferden unterwegs. Sie ist viel in der Natur, sei es in der Freizeit, wie bei ihrer Arbeit. Immer mit dabei ist ihre Hündin „Bessy“. Bereits als kleiner Welpe kam die mittlerweile 15-jährige Hündin zu Sandra und begleitet sie seither auf all ihren Wegen.
Darüber hinaus engagiert sich die recht eigenständige junge Frau in mehreren Vereinen. Mit nur 12 Jahren trat sie der Feuerwehrjugend in Laas bei. Später war sie als erste Frau bei der aktiven Freiwilligen Feuerwehr in Laas herzlichst willkommen. Sandra lag das Wohl aller, immer schon am Herzen

Bartgeier und Wolf - Zwei Rückkehrer mit unterschiedlicher Akzeptanz

  • Dachzeile: Nationalpark Stilfserjoch
  • Redakteur: Wolfgang Platter, am Tag des Hlg. Blasius, 03. Februar 2026
  • Weitere Fotos - 1: Foto: Matteo Riccardo Di Nicola
  • Weitere Fotos - 2:
  • Weitere Fotos - 3: Die Partner des  Internationalen Bartgeiermonitorings IBM

Der Bartgeier ist ab 1986 durch ein Wiederansiedlungsprojekt in die Alpen zurückgekommen. Die ersten Wölfe kehrten seit Beginn der 1990er Jahre auf natürlichem Wege in die Alpen zurück, nachdem sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts dort ausgerottet worden waren. Erste Sichtungen und genetische Nachweise der aus Italien einwandernden Tiere erfolgten 1992 in den französischen Alpen, 1995 im Schweizer Wallis. Beide Rückkehrer genießen aber eine unterschiedliche Akzeptanz: Der Bartgeier als reiner Aasfresser ist heute zu einem bestaunten Sympathieträger unter den Alpentieren geworden. Der Wolf als Beutegreifer, in der zoologischen Systematik ein Raubtier, reißt in der Kulturlandschaft der Alpen auch Nutztiere und polarisiert sehr stark zwischen Nutztierhaltern, Viehbauern und Almbewirtschaftern auf der einen Seiten und fundamentalistischen Tierschützern andererseits.
In meinem heutigen Beitrag möchte ich wieder einmal die derzeitigen Bestandszahlen zu den beiden Tierarten aktualisieren. Ich bediene mich dabei für den Bartgeier des Jahresreportes der IBM (International Vulture Monitoring) 2024, der im Januar 2026 veröffentlicht worden ist und für den Wolf der Berichte von LIFE Wolf Alps und der Wolf Alpine Group (WAG) 2025.

Zum Bartgeier
Das IBM-Netzwerk umfasst 20 Partner (darunter den Nationalpark Stilfserjoch) und 6 assoziierte Organisationen, geleitet von der VCF (Vulture Conservation Fondation). Das Budget 2024 von 41.359 Euro wurde durch Beiträge der Projektpartner und zusätzliche Mittel einer Schweizer Stiftung aufgebracht. Der IBM-Bericht 2024 wurde von Mirco Lauper verfasst. Lauper ist der Regionalkoordinator der Stiftung Pro Bartgeier im Berner Oberland.

Fakten 2024:
• Freilassungen aus Zuchten in Zoos und Zuchtstationen: Im Jahr 2024 wurden insgesamt 24 Bartgeier an 8 Standorten in Deutschland, Frankreich, Spanien und der Schweiz freigelassen.
• Zur Reproduktion im Freiland gibt es für den Alpenbogen folgende Statistik: 98 besetzte Territorien, 85 Gelege, 61 Jungvögel, die flügge geworden sind.
• Beobachtungen: 2.693 Beobachtungen aus 7 Ländern wurden dokumentiert. Dabei wurden 226 Individuen identifiziert.
• GPS-Tracking gibt es von 97 Bartgeiern (72 freigelassenen und 25 wild geschlüpften).
• 15 Ausfälle 2024: 8 Todesfälle (davon 3 durch Kollision mit Stromleitungen, 1 Abschuss), 6 gerettete Vögel, 1 erfolglose Freilassung.
• Geschätzte Population: 414 – 547 Bartgeier im Alpenraum, kleinere Populationen in anderen Regionen Europas.
• Markierungen und Telemetrie: Alle Junggeier, welche 2024 freigelassen worden sind, wurden mit GPS-Trackern und farbigen Ringen markiert.
Außerdem wurden 7 wild geschlüpfte Jungvögel durch Abseilen in den Horst in Frankreich und 4 in Andalusien markiert.

Zum Wolf
Der Wolfbestand im Alpenraum zeigt für das Jahr 2025 eine weitere geographische Ausbreitung über ein größeres Gebiet. Dabei scheint sich die Populationsgröße in den Kerngebieten zu stabilisieren. Wegen der steigenden Zahl der Wölfe und der Nutztierrisse hat das Europäische Parlament 2025 den Schutzstatus des Wolfes von „streng geschützt“ auf „geschützt“ gesenkt, um eine flexiblere Bestandsregulierung zu ermöglichen. Schätzungen ergeben für den gesamten Alpenbogen (über 7 Länder) das folgende Bild:

• Reproduktionseinheiten: Für den Zeitraum 2020 -2024 wurden zuletzt rund 243 Einheiten (206 Rudel und 37 Paare) offiziell dokumentiert. Schätzungen für 2025 gehen mittlerweile von weit über 300 Rudeln im gesamten Alpenraum aus.
• Bestandsentwicklung: Während die Population in den Westalpen (Frankreich und Italien) teilweise Sättigungsgrenzen erreicht, expandiert sie in den zentralen und östlichen Alpen weiter. Im Monitoring 2024/25 wurde in einigen Regionen (Deutschland/Bayern) ein Stagnieren des Wachstums beobachtet.

Bestände nach Ländern (2025):
Schweiz: Der Bestand vor der Regulierung 2025 wurde auf rund 350 Wölfe geschätzt. Es wurden 38-41 Rudel nachgewiesen, wobei 130 Welpen beobachtet wurden. Dem Trimester-Bericht Dezember 2025 des Kantons Graubünden ist zu entnehmen, dass zur Regulation im Jahr 2025 in Graubünden insgesamt 34 Wölfe durch Abschuss entnommen wurden. Dem gleichen Bericht ist zu den Nutztierrissen zu entnehmen, dass 2025 in Graubünden 212 Schafe und Ziegen und 5 Rinder von Wölfen gerissen wurden.
Italien (Alpenregion): Die aktuellsten koordinierten Schätzungen belaufen sich auf etwa 950 Wölfe im italienischen Alpenbogen. Südtirol: In Südtirol hat sich die Wolfspopulation laut Daten aus dem Jahr 2023, die für die aktuelle Situation relevant bleiben, fest etabliert, mit 7 nachgewiesenen Rudeln und schätzungsweise mindestens 39 (genetisch nachgewiesen) bis über 70 Individuen. Von den 7 Rudeln haben drei ihre Hauptreviere in Südtirol und 4 sind grenzüberschreitend aktiv.
Österreich: Schätzungen zufolge streiften 2025 rund 100 Wölfe durch Österreich. Nachweise von Wolfsrudeln konzentrieren sich auf Kärnten (4 Rudel) und Tirol (2024: 23 Wölfe nachgewiesen). Management: In Tirol und Kärnten werden aufgrund der hohen Risszahlen (2022-2024: 22 Wölfe in Kärnten erlegt) vermehrt Abschüsse verzeichnet, um die Schäden auf den Almen zu reduzieren.
Deutschland (bundesweit): Im Monitoringjahr 2024/2025 wurden in Deutschland 219 Wolfsrudel, 43 Paare und 14 sesshafte Einzeltiere nachgewiesen. Die Zahl der Rudel stieg nur leicht um sieben im Vergleich zum Vorjahr, was auf eine erstmalige Stag-nation des starken Populationswachstums hindeutet. Die Schwerpunkte liegen in Niedersachsen und Brandenburg. Insgesamt wurden 276 Wolfsterritorien (219 Rudel, 43 Paare und 14 sesshafte Einzeltiere) bestätigt, mit einer geschätzten Gesamtzahl von über 1.600 Wölfen (inklusive Welpen und Jährlingen). 2024 wurden über 4.300 Nutztiere durch Wolfsübergriffe (insbesondere an Schafen und Ziegen) getötet.

Auf der Internet-Seite der Autonomen Provinz Bozen Südtirol, Forstdienst, Wildtiermanagement, Jagd und Fischerei findet man unter „Nachweis von Wolf und Bär“ die aktuellsten Daten nach einzelnen Bezirken und Monaten. Zwischen dem 3. Jänner und dem 20. Jänner 2026 wurden z.B. im Vinschgau 9 Nachweise von Wölfen registriert.

Bartgeier-Report 2025 Aktualisierungen zu Freilassungen und Naturbruten

  • Dachzeile: Natur & Landschaft
  • Redakteur: Wolfgang Platter, am Tag des Hlg. Ägidius, 1. September 2025

Das Internationale Bartgeier Monitoring (IBM) und die Stiftung Pro Bartgeier (FCV) haben in den letzten Wochen den Trimesterbericht über das Monitoring der Bartgeier im Alpenbogen erarbeitet. Im heutigen Beitrag fasse ich die wesentlichen Inhalte dieses Berichtes zusammen und aktualisiere damit die Informationen zum Bartgeierjahr 2025.

Freilassungen aus Zoozuchten:
Auch in diesem Jahr wurden die Freilassungen von nicht ganz flüggen Junggeiern aus Zoozuchten fortgesetzt. Es wurden 12 Jungvögel in künstlichen Horstnischen an den nachfolgenden Orten freigesetzt: 3 in Bulgarien (erstmals), 2 in Vercours (Frankreich), 3 Grand Causses (Frankreich), 2 Berchtesgaden (Deutschland), 2 Maestrazgo (Spanien). 9 der 12 Vögel sind erfolgreich ausgeflogen. Ihr Durchschnittsalter bis zum Ausfliegen betrug 121 Tage. Die Freilassungsorte wurden wieder nach dem Gesichtspunkt gewählt, das Verbreitungsgebiet des Bartgeiers zu erweitern und die Brücken zwischen der Bartgeier-Population in den Alpen und in den Pyrenäen herzustellen. Die Verknüpfung der beiden Populationen in den Alpen und in den Pyrenäen soll auch den genetischen Flaschenhals von in sich geschlossenen Populationen ausweiten, in Zukunft genetischen Austausch ermöglichen und damit Inzucht vermeiden.

Satellitentelemetrie
Derzeit (Stand Juni 2025) sind in Europa insgesamt 60 Bartgeier mit Sendern und Satellitentelemetrie ausgestattet. Die technische Apparatur von wenigen Gramm Gewicht wird den Junggeiern aus Zoozuchten vor deren Freilassung am Federansatz der Schwanzfedern beim Bürzel aufgeklebt. Die Satellitentelemetrie ermöglicht die lückenlose Aufzeichnung der Flugbewegungen von besenderten Tieren und deren Raumnutzung. Nachdem die Bartgeier die Schwanzfedern als Teil des Großgefieders nur alle drei Jahre wechseln und der Sender im Normalfall erst mit dem Federwechsel abfällt, erhält man für drei Jahre wertvolle wissenschaftliche Daten zur Biologie der besenderten Bartgeier.
Die derzeit besenderten Tiere verteilen sich wie folgt auf die verschiedenen Verbreitungsgebiete: 7 in den Zentralalpen, 6 in den Ostalpen, 13 in den Nord-Westalpen, 11 in den Süd-Westalpen, 9 in Maestrazgo (Spanien), 11 im Französischen Zentralmassiv, 3 auf der Insel Korsika.
In den letzten Jahren sind auch vereinzelt Jungvögel aus Naturbruten besendert worden. Dies geschieht mit Hilfe von erfahrenen Felskletterern durch Abseilen in die Bruthorste mit dem Versuch der kleinstmöglichsten Störung, bevor der jeweilige Junggeier flügge wird. In der heurigen Brutsaison 2025 sind fünf solche Junggeier aus Naturbruten besendert worden und zwar in den französischen Pyrenäen, in den französischen Alpen und in den Schweizer Alpen.
Als Beispiel für die Erhebung der Raumnutzung von Bartgeiern werden die Flugbewegungen der 7 besenderten Bartgeier in den Zentralalpen für den Zeitraum April bis Juni 2025 wiedergegeben (siehe Abbildung).

Brutgeschehen in der Natur:
Das internationale Bartgeier Monitoring (IBM) erfasst derzeit (Stand August 2025) 118 territoriale Paare (6 in den Ostalpen, 45 in den Zentralalpen, 46 in den Nord-Westalpen, 15 in den Süd-Westalpen, 4 auf Korsika und 2 im Französischen Zentralmassiv).
Das Brutgeschehen im Freiland des Alpenbogens lässt sich für das Jahr 2025 wie folgt zusammenfassen:
• 47 erfolgreiche Bruten mit ausgeflogenem Jungvogel (Bruterfolg 50%)
• 20 Bruten begonnen, aber abgebrochen
• 27 Bruten misslungen
• 24 Paare haben nicht gebrütet
• (24 Paare haben erstmals gebrütet)
Gesamt: 118 Paare monitoriert.

Verteilung der territorialen Paare auf die Alpenländer:
Insgesamt verteilen sich die 118 Paare auf folgende Länder: Italien 28, Schweiz 38, Österreich 14, Frankreich 38. 82 Paare haben 2025 ihren Jungvogel bis zum Ausfliegen aufziehen können (Bruterfolg 70%).

Der Stand in den Zentralalpen
In den Zentralalpen gibt es zum Stand Juni 2025 45 territoriale Bartgeier-Paare. Von 42 dieser Paare ist der Neststandort bekannt. Durch die Beobachtung von Bartgeier-Trios kommt die bisherige Hypothese, Bartgeier seien lebenslang einehig und monogam treu, ins Wanken, weil sich unter den 45 Paaren der Zentralalpen mit dem Paar „Bormio“ auch ein „Trio“ befindet.

Bartgeier in Südtirol:
Von den 28 Paaren in Italien haben 7 Bartgeier-Paare ihr Territorium und Brutgebiet in Südtirol und zwar in Reschen, Planeil, Trafoi, Laas, Martell, Schnals und Passeier. 4 der 7 Südtiroler Bartgeier-Paare haben 2025 ihr Junges erfolgreich bis zum Ausfliegen aufgezogen, und zwar die Paare Trafoi, Martell, Schnals und Passeier. Das Planeiler Paar hat 2025 nicht gebrütet, die Weibchen der Paare Reschen und Laas hatten Eier abgelegt, aber die Jungen sind nicht geschlüpft.

Bruterfolge alpenweit
In Tirol gab es 2025 8 territoriale Brutpaare, bei denen bisher von 6 der Horststandort bekannt ist. 4 der brütenden Tiroler Bartgeier haben 2025 ihren Jungvogel bis zum Ausfliegen erfolgreich s49 cental alpsaufgezogen. Im Nationalpark Hohe Tauern und damit in den Ostalpen und in den Bundesländern Salzburg, (Ost-) Tirol und Kärnten gibt es für 2025 6 Bartgeier-Paare zu vermelden, 4 davon haben heuer erfolgreich gebrütet. Von den insgesamt 14 österreichischen Paaren haben 2025 7 Paare erfolgreich gebrütet (Bruterfolg: 50%).
Von den 37 geschlechtsreifen Bartgeier-Paaren in der Schweiz haben 2025 28 erfolgreich gebrütet, was einem Bruterfolg von 75% geleichkommt.
Von den 28 Paaren in Italien waren im heurigen Jahr 20 erfolgreich (71%). Von den 38 französischen Paaren (einschließlich der 4 Paare auf der Insel Korsika und der 2 Paar im Zentralmassiv) waren 27 Paare in ihrer Brut erfolgreich und damit 71%.

Individuelle Identifikation
Von den 14 Vögeln, welche die 7 Südtiroler Bartgeier-Paare bilden, sind drei aufgrund ihrer Beringung individuell identifizierbar, weil es freigelassene Vögel aus Zoozuchten sind. Die anderen 11 Paar-Partner stammen schon aus Naturbruten und sind daher unberingt.
Durch Beringung zuordenbar sind die folgenden drei Vögel: Das Männchen „Haristraufu“ vom Paar Planeil. Dieser Vogel war im Jahr 2008 in die Kunsthorstnische im Marteller Schludertal als noch nicht ganz flügger Jungvogel aus einer Zoozucht freigelassen worden.
Das Weibchen „Temperatio“ vom Marteller Brutpaar war in der Zuchtstation Haringsee bei Wien am 27. Mai 2006 geboren und am 9. Juni desselben Jahres ebenfalls im Schludertal in Martell ausgewildert worden. Seit dem Jahr 2015 hat das Weibchen mit seinem Paar-Partner jedes Jahr gebrütet und in den 11 Jahren bis 2025 insgesamt 11 Junge bis zum Ausfliegen erfolgreich aufgezogen. Mit einem Aufzuchtserfolg von 100% gehört das Marteller Bartgeier-Paar zu den Rekordhaltern.
s49 brutenWenn Vögel in der Nähe ihres Geburts- oder Freilassungsortes verweilen und auch zur Brut schreiten, wenn sie nach 5-7 Lebensjahren ihre Geschlechtsreife erreichen, spricht man auch in der tierischen Verhaltensforschung von Heimatverbundenheit oder Patrophilie. Diese Heimatverbundenheit ist bei den beiden Bartgeiern „Haristraufu“ und „Temperatio“ gegeben. Daneben gibt es aber auch weiträumige Streuner und Vagabunden. Vereinzelt sind Bartgeier aus den Alpen in die Pyrenäen geflogen und haben sich dort als Paar-Partner zur Brut niedergelassen. Dieser Austausch ist zum Erhalt der Population wichtig, weil durch Einwanderung neuer Vögel der genetische Flaschenhals ausgeweitet wird und ein Genaustausch erfolgt.
Individuell bekannt ist auch das Männchen des Bartgeier-Paares im Passeiertal: Der Vogel „Caeli“ wurde im Jahr 2018 in Mallnitz im Kärntner Anteil des Nationalparks Hohe Tauern ausgewildert. Er hat mit seiner Partnerin im heurigen Jahr 2025 erstmals erfolgreich gebrütet und den Jungvogel bis zum Ausfliegen aufziehen können.

BAUEN & Sanieren kostenlose Beratungen im Vinschgau

  • Dachzeile: Spezial-Bauen
  • Redakteur: Angelika Ploner
  • Redakteur Bild:

Der Dienst ist kostenlos und wird seit Jänner des heurigen Jahres angeboten: der Energie-, Bau- und Sanierungsberatungsdienst in den 13 Gemeinden der Bezirksgemeinschaft Vinschgau. Der produktunabhängige und firmenneutrale Dienst richtet sich an alle, die Fragen zum energiesparenden Bauen oder Sanieren haben, oder einfach nur wissen wollen, wo und wie Energie eingespart werden kann. Zudem bietet der Beratungsdienst Hilfe bei der Wahl eines geeigneten Heizsystems, gibt Information zur Sonnenenergienutzung und dem Einsatz erneuerbarer Energiequellen, zu den verschiedenen Materialien und Bausystemen und nicht zuletzt zu den aktuellen Steuerabzügen und Energiesparförderungen. Der Beratungsdienst ist aber auch Ansprechpartner für die alltäglichen Energie-, Wasser- und Klimaschutztipps.
Der Bezirksgemeinschaft Vinschgau ist es mit diesem umfassenden und kostenlosen Beratungsdienst gelungen, in den 13 Mitgliedsgemeinden eine wertvolle Unterstützung in den Bereichen Energieeffizienz, nachhaltiges Bauen und Klimaschutz auf die Beine zu stellen.
Ausgebildete und produktunabhängige Fachexpert:innen des Bildungs- und Energieforums aus Bozen, stehen den Bürger:innen und Betrieben beratend zur Seite. Die Beratungen können entweder anhand von online-meetings, telefonisch oder mittels E-Mail in Anspruch genommen werden. Anmelden geht ganz einfach: Email an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. mit Betreff „Beratungsdienst + Name Gemeinde“. Das Beratungsteam Christine Romen, Michael Kaun und Heidi Rabensteiner vom Bildungs- und Energieforum, freuen sich schon auf zahlreiche und vielseitige Anfragen.

 

Der Vinschgerwind hat bei Christine Romen nachgefragt, wie der Dienst angenommen wird und welches die Themen sind, die den Vinschgerinnen und Vinschgern am Herzen liegen.

Vinschgerwind: Seit Jänner dieses Jahres gibt es einen kostenlosen Energie-, Bau- und Sanierungsberatungsdienst der Bezirksgemeinschaft Vinschgau in allen 13 Gemeinden. Sie sind unter anderem Ansprechpartnerin und Beraterin. Was sind die häufigsten Themen mit denen die Vinschgerinnen und Vinschger zu Ihnen kommen?
Christine Romen: Am häufigsten wenden sich die Vinschgerinnen und Vinschger mit Fragen zu Förderungen und Steuerabzügen an uns – das ist eindeutig das dominierende Thema. Sehr oft geht es auch um Heizsysteme und die Nutzung der Sonnenenergie, insbesondere durch Photovoltaikanlagen. Daneben gibt es zahlreiche Anfragen zu Warmwasser-Solaranlagen, dem Austausch von Fenstern, geeigneten Dämmstoffen sowie Problemen wie Feuchtigkeit und Schimmel. Auch allgemeine Fragen zur Gebäudesanierung oder zum Neubau werden regelmäßig an uns herangetragen.

Vinschgerwind: In welcher Gemeinde wird der kostenlose Dienst am meisten genutzt, von wo kommen die meisten Anfragen?
Christine Romen: Die meisten Anfragen erreichen uns aus Schlanders und Schluderns, gefolgt von Mals und Laas. Allerdings sagt die Anzahl der Anfragen allein nicht viel aus, wichtiger ist der Umfang der Fragestellungen. Manchmal genügt schon eine kurze Auskunft oder die Weitergabe von Kontakten zum zuständigen Landesamt. In anderen Fällen hingegen sind die Beratungen sehr viel umfangreicher und detaillierter.

Vinschgerwind: Speziell Thema Bauen: Wo ist Informationsbedarf? Was liegt den Vinschgerinnen und Vinschgern auf dem Herzen?
Christine Romen: Beim Thema Bauen zeigt sich, dass vor allem die unterschiedlichen Möglichkeiten, die eigenen vier Wände zu beheizen, von großem Interesse sind. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Stromproduktion mittels Photovoltaik. Nicht zuletzt beschäftigen sich viele Bürgerinnen und Bürger auch mit den Fragen rund um den Einsatz verschiedener Dämmmaterialien.

Vinschgerwind: Geballte Fachkompetenz: Sie sind seit vielen Jahren Energie- und Bauberaterin, und nah an den Menschen. Was raten Sie zukünftigen Bauherren?
Christine Romen: Ich kann jedem Bauherrn und jeder Baufrau nur raten, sich vorab ausreichend zu informieren. Der kostenlose Beratungsdienst, den die Vinschger Gemeinden anbieten, ist eine sehr gute Gelegenheit, sich produktunabhängig über die verschiedenen Möglichkeiten beim Bauen und Sanieren zu informieren. Gleichzeitig möchte ich auf die Wohnbaumesse im Waltherhaus in Bozen hinweisen, die am 18. und 19. Oktober stattfindet. Dort gibt es zahlreiche Fachvorträge, Beratungsstände und Aussteller – und das Beste daran: der Eintritt ist frei.

Bauen am Berg

  • Vorspann: Die Heilbronner Hütte am Taschljöchl wird originalgetreu, wie damals 1910, vom Naturnser Unternehmer Florian Haller wieder aufgebaut und rekonstruiert. Die Sesvenna Hütte, eine AVS-Schutzhütte, im Schlinigertal wird von Architekt Jürgen Wallnöfer behutsam saniert. Beide Schutzhütten verbindet eines: Sie sind ein Kontrapunkt zu den Luxushotels am Berg im Rest von Südtirol.
  • Dachzeile: Spezial-Bauen
  • Redakteur: Angelika Ploner
  • Redakteur Bild:
  • Weitere Fotos - 1: Die Wände der Heilbronner Hütte stehen, dahinter das Gipflekreuz
  • Weitere Fotos - 2: Blick auf die Heilbronner Hütte vom Gipfel des Taschljöchls aus
  • Weitere Fotos - 3: Die Sesvennahütte wurde im August 2025 mit Wärmedämmung eingepackt. Lärchenschindeln werden diese dann abdecken. Spätestens 2026 ist die Hütte wieder offen.

Die Heilbronner Hütte.
Wer vom Schlandrauntal auf das Taschljöchl aufsteigt, sieht gleich oberhalb der „Schworz Lock“ einen Holzspitz und einen Kran in die Höhe ragen. Der Wiederaufbau und die Rekonstruktion der Heilbronner Hütte zieht an diesem Samstag (6. September 2025) mindestens ein Dutzend Wanderer hinauf auf 2.770 Meter. Das Interesse ist groß: Schließlich wird nicht alle Tage eine Schutzhütte auf fast 2.800 Metern wieder aufgebaut. Klein, schlicht und originalgetreu, wie sie damals im August 1910 eröffnet wurde und später 1932 abgebrannt ist, baut Florian Haller die Heilbronner Hütte am Taschljöchl, dem Übergang vom Schlaundrauntal nach Schnals, wieder auf. Mit Eigenmitteln – einzigartig in Südtirol und im Vinschgau. Einzig für die Infrastruktur und Materialseilbahn gibt es Beiträge. Haller, der Bauherr, ist Naturnser Tischlermeister und Chef der „Tischlerei Oswald Haller.“ Er ist seit einigen Jahren der Besitzer der Parzelle, auf dem die Heilbronner Hütte entsteht. Ein steiles Satteldach, kleine Fenster, eine Natursteinverkleidung: Die Bilder auf der Bautafel zeigen wie die Heilbronner Hütte damals ausgesehen hat und wie sie wieder aussehen wird. Der Keller und die Bodenplatte sind gegossen, die Wände stehen, „das Dach soll in etwa zehn Tagen hinaufkommen, vor dem Winter sollen dann noch die Schindeln hinauf- und die Fenster hineinkommen“, sagt Florian Haller zum Vinschgerwind. Den Winter über packt man die Hütte dann mit einer Folie ein, um die Hütte vor Schnee und Regen zu schützen. „Die Verkleidung, der Innenausbau, die Materialseilbahn, Strom-, Trink- und Abwasserleitungen machen wir dann im nächsten Jahr“, sagt Haller. Denn: Die Heilbronner Hütte wird eine der wenigen Schutzhütten sein, die über eine Trink- und Abwasserleitung verfügt. Das Abwasser wird ins Tal geleitet, das Trinkwasser vom Tal heraufgepumpt. Die Steine für die Verkleidung liegen neben der Hütte bereits bereit. Innen sollen dann viel Lärchen- und Zirbenholz aus dem eigenen, unterhalb des Taschljöchls, in Richtung Berglalm, liegenden Waldes zum Einsatz kommen.
14 mal 12 Meter groß ist die Hütte. Genau so wie damals 1910. Die Pläne hatte die Sektion Heilbronn im Deutschen Alpenverein 1907 vom Architekten Adolf Braunwald, Mitarbeiter des bekannten Berliner Architekten Hermann Mutherius, erstellen lassen. Dieser schuf ein „Juwel in den Alpen.“ Zimmermann damals war übrigens Josef Perkmann aus Schlanders, Maurermeister Johann Lutz. Die Originalpläne der Alten Heilbronner Hütte wurden im Alpinen Museum in München von Gerhard Köller gefunden. Köller ist Ehrenmitglied der Sektion Heilbronn und ist der Geschichte der Heilbronner Hütte über 20 Jahre nachgegangen. Haller sagt: „Größer wollte ich die Hütte nie machen, klein und fein, damit man die Hütte mit einem kleinen Team gut bewirtschaften kann.“ Der Hüttenwirt wird Johannes Rainer sein. Er ist im engsten Team von Florian Haller vom ersten Tag an, mit dabei, genauso wie Roland Blaas und Reinhard Holzer. Als Architekt zeichnet Zeno Bampi verantwortlich.
Es ist hier auf knapp 2800 Metern die wohl höchste Baustelle im Vinschgau derzeit. Die Sesvenna Hütte, die in diesem Sommer und Herbst umgebaut wird, liegt auf knapp 2.300 Meter. Beide Schutzhütten verzichten auf Prestige, sind keine Luxusbauten, so wie im restlichen Südtirol entstanden sind, wie etwa die Schwarzenstein- oder die Stettinerhütte. Das sagen auch die Wanderer hier am Bauplatz der Heilbronner Hütte anerkennend. „Das passt hier gut, klein und so wie es war, nicht wie an anderen Orten Südtirols, wo Luxushotels stehen.“ Die Hütte soll 24 Schlafplätze, rund 60 Plätze für Tagesgäste und zwei Matratzenlager im Giebel beherbergen. Haller: „In Spitzenzeiten soll Platz für maximal 100 Tagesgäste sein.“
Fünf Jahre lang hat Haller für den Wiederaufbau gekämpft. 2019 berichtete der Vinschgerwind erstmals vom Vorhaben. Ein Gutachten jagte das nächste, eine Genehmigung die andere. Eine der Auflagen lautet: Die Materialseilbahn muss im Berg versteckt werden.
Die Kosten für den Hüttenbau, den Mulistall, die Wasserleitung von den Hungerschartenseen und den Wegebau, so die Sektion Heilbronn in der Chronik der Alten Heilbronner Hütte, beliefen sich damals 1910, auf 38.875 Mark. Das sind umgerechnet 19.876 Euro. 2 Millionen Euro kostet Haller das Ganze 115 Jahre später. „Für mich ist es die Verwirklichung meines Traums.“, sagt Haller, der - ganz nebenbei bemerkt - die volle Anerkennung und Rückendeckung der Heilbronner genießt. Geht alles nach Plan, dann wird 2027 voraussichtlich die Wiedereröffnung gefeiert werden. Denn, wenn er etwas anfange, sagt er, dann mache er es fertig.

Die Sesvennahütte.
Spätestens nächstes Jahr wieder offen dürfte die Sesvennahütte auf 2.262 Meter Meereshöhe im Schlinigtal sein. Seit Frühjahr dieses Jahres (der Vinschgerwind berichtete) wird die AVS-Schutzhütte saniert. Architekt Jürgen Wallnöfer ist damit betraut worden. Und auch hier will man nichts von einem Hotel oder einem Luxusbau am Berg wissen. „Es wird kein Hotel am Berg“, schreibt Elmar Knoll, der Vizepräsident des Alpenvereins AVS und Projektsteuerer in einer Presseaussendung. Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1981. Eine Sanierung war aus mehreren Gründen notwendig geworden.
Die Hütte erhielt nun ein neues Stiegenhaus und ein vollwertiges Dachgeschoss. Die Dachkonstruktion entstand in Holzbauweise. Die Wärmedämmung des Gebäudes wird mit Lärchenschindeln abgedeckt und bestimmt die neue Optik der Sesvennahütte, die damit eine rustikale Holzschindelfassade erhält.
Die Terrasse wird vergrößert. Im Obergeschoss entstehen Zimmer mit vier bis sechs Betten, zentral gelegene Gemeinschaftsduschen und Sanitäranlagen. Energetisch wird die Sesvennahütte von einem Kleinwasserkraftwerk versorgt. Geheizt wird mit einem Holzkessel, der anfangs alles abmontierte Bauholz verheizen wird.

Cortenstahlkörper erweitert CulturForum

  • Vorspann: Das CulturForum in Latsch ist um einen Zubau erweitert worden. Gelungen ist Architekt Michael Reichegger von der Architekturgemeinschaft 15 in Schlanders, den Charakter des Gebäudes zu wahren und den Zubau harmonisch anzufügen. Ästhetik trifft auf Funktion und bildet eine perfekte Symbiose.
  • Dachzeile: Bauplatz
  • Redakteur: Angelika Ploner
  • Redakteur Bild:

s51 1743Es ist ein kleiner Zubau mit großem Mehrwert. Die Rede ist vom Erweiterungsbau am CulturForum in Latsch – nur einen Steinwurf vom Bahnhof entfernt. Einen Cortenstahlkörper hat Architekt Micheal Reichegger von der Architekturgemeinschaft 15 in Schlanders geplant, einen separaten Baukörper, der sich harmonisch an das bestehende Gebäude schmiegt, so als ob er immer Teil desselben gewesen wäre. Kein Bruch, sondern ein Fortführen der architektonischen mauro mariaHandschrift des CulturForums, ist das Projekt. Das dominierende Material, Cortenstahl, tritt in Dialog mit dem bestehenden Gebäude und war Inspiration für den Zubau. „Eigentlich ging es um Fluchtwege“, erklärt Architekt Michael Reichegger dem Vinschgerwind, „und um mehrere, notwendig gewordene, brandschutztechnische Anpassungen.“ Das war die Ausgangslage.
„In diesem Zuge haben wir dann die Erweiterung geplant“, erklären Kulturreferentin Maria Kuppelwieser und s51 1782Bürgermeister Mauro Dalla Barba. Das war vor ca. acht Jahren. Dalla Barba war damals Kulturreferent, Kuppelwieser die Obfrau der Bürgerkapelle Latsch. Beim Bau des Probelokals in den 1990er-Jahren wurde dieses für rund 45 Personen konzipiert – mittlerweile „sind wir 60 Musikantinnen und Musikanten.“
Der Wunsch lautete deshalb: mehr Platz und eine bessere Raumqualität. Die architektonische Antwort auf den Erweiterungswunsch und die notwendigen Anpassungen fand Reichegger in einem Cortenstahlkörper, einem ästhetischen Blickfang, der neuen Raum geschaffen hat und der gleichzeitig allen gesetzlichen Notwendigkeiten nachkommt. „Wir haben einfach die Funktionen um den Bestand herum, hinter einer Stahlhülle, angeordnet.“ Eine geniale Symbiose aus Funktion und Ästhetik ist gelungen. Durch den Zubau hat die Bürgerkapelle Latsch einen eigenen Zugang michaelzum Problelokal bekommen. Und: eine offene Regalwand zur Aufbewahrung der Instrumentenkoffer. Der Zubau ist damit maßgeschneiderte Architektur für seine Nutzerinnen und Nutzer. Wertvoller Stauraum ist dadurch entstanden Stauraum, den man nie hatte. Denn die Koffer für die Instrumente standen im Proberaum herum und nahmen viel Platz weg. Nun wurde im Problelokal Platz geschaffen - Platz und Luft. Denn auch dem Wunsch nach einer Lüftung kam man nach.
Vergrößert wurde im Zuge der Erweiterung auch das bestehende Stübele der Bürgerkapelle Latsch mit einem kleinen Aufenthaltsraum. Ein Raum für Begegnungen und geselliges Beisammensein, ein Raum für das Vereinsleben, ist dadurch entstanden. Samt Akustikdecke. Während außen Stahl dominiert, hat im Inneren Holz seinen Auftritt. Auf Eichenboden fiel die Wahl. Die Möbel sind hingegen in Lärche gehalten, „weil Lärche im Bestand vorhanden war“, erklärt s51 1754Reichegger. Fluchtwege wurden auch im Kellergeschoss eingebaut, die Treppe mit einem Podest versehen und auch ein Treppenlift eingebaut. Der Fraktionssaal im 1. Stock hat durch den Zubau eine großzügige Terrasse bekommen, einen Außenbereich, der Platz zum Verweilen bietet. Zwischen Fraktionssaal und Küche wurde eine notwendige Brandschutzwand realisiert, die mit einer Brandschutztür und einer Durchreiche ausgestattet wurde. In die Reihe der Optimierungsmaßnahmen stellt sich noch etwas: Endlich haben auch die Mülleimer an der Außenmauer des CulturForums eine Heimat gefunden. „Diese sind in einem kleinen Raum im Zubau verräumt“, sagt Kuppelwieser. Der Gehsteig zum Bahnhof ist intakt geblieben. Realisiert wurde der Zubau im Zeitraum von September 2024 bis Juli 2025. Zur Erinnerung: 2011 wurde das CulturForum Latsch feierlich eingeweiht. 30 Jahre lang hat es gedauert, bis das Bauvorhaben realisiert wurde. Die architektonische Formel von Architekt Werner Pircher lautete damals: Weniger ist mehr. Funktionell und bescheiden wurde es ausgerichtet. Genau das ist mit der Erweiterung nun fortgeführt worden.

architekturgemeinschaftbsvelektro gludererFleischmannJanservanzo

Damnatio Memoriae

  • Dachzeile: Kommentar von Chefredakteur Erwin Bernhart
  • Redakteur: von Erwin Bernhart
  • Redakteur Bild:

Dass Luis Durnwalder, der langjährige, vordrängende, streitbare, entscheidungsfreudige, schlaue, aneckende, charmante, polternde, hoch intelligente, gleich geliebte wie gehasste ehemalige Landeshauptmann des Landes Südtirol, vor 14 Tagen vom Rechnungshof in Rom mit der Begründung, er habe „dem Ansehen des Landes geschadet“, verurteilt worden ist, kommt für den Luis einem Dolchstoß mitten ins Herz gleich. Das war wohl das Letzte, was dem Luis Durnwalder in all seiner politischen Tätigkeit und in all seinen Regierungsjahren in den Sinn gekommen wäre - dem „Lande zu schaden“. Eine solche Beschuldigung würde wohl auch seinen ärgsten Feinden im Lande nicht eingefallen sein. Auch bei vielen Landsleuten lösen Urteilsbegründung und Strafmaß (200.000 Euro) Befremden, Kopfschütteln und Solidarität mit Luis Durnwalder aus.
Was da richterlich von Rom aus betrieben wird, kommt einer „damnatio memoriae“ gleich. Das Südtiroler Volk und schon gar nicht die Südtiroler Volkspartei, so meine Deutung der vielen richterlichen Verurteilungen, soll dem Luis ja kein Denkmal setzen, keinen Sockel mit Statue errichten, keine großen Kapitel in den Geschichtsbüchern widmen. Man soll, so die römische Diktion, höchstens - wenn überhaupt - an einen mit dem italienischen Gesetz in Konflikt geratenen und verurteilten Landeshauptmann erinnern. Eine „damnatio memoriae“ ist das Verschweigen des Andenkens. Ein solches Verschweigen war für Personen in der Vergangenheit immer gezielt gewollt, vor allem aus politischen, aus dynastischen Gründen. Dem Silvius Magnago sind die Erinnerungen im Lande gewiss, dem Luis Durnwalder müssen sie gewiss sein.


Das Monitoring der Biodiversität in Südtirol - Erster Bericht 2019-23 publiziert

  • Dachzeile: Natur & Landschaft
  • Redakteur: Wolfgang Platter, am Tag der Hlg. Kosmas und Damian, 27. September 2025

Im September ist der Bericht über das Monitoring der Biodiversität in Südtirol veröffentlicht worden. Der Bericht ist die Zusammenfassung einer fünfjährigen Feldarbeit. Zwischen 2019 und 2023 haben Forscher des Institutes für Alpine Umwelt von Eurac Research mit dem Naturmuseum Südtirol und den Abteilungen Natur, Landschaft und Raumentwicklung sowie Landwirtschaft Untersuchungen durchgeführt.
Biodiversität gibt es auf drei Ebenen: Auf der genetischen Ebene, auf der Ebene der Arten und auf der Ebene der Lebensräume. Im Biodiversitäts-Monitoring Südtirol wurde das Augenmerk auf zwei Ebenen gelegt: die Vielfalt der Arten und die Vielfalt der Lebensräume.
Im Rahmen des Monitorings wurden im Auftrag der Südtiroler Landesregierung taxonomische Gruppen als Bioindikatoren untersucht, die besonders sensibel auf die Änderungen des Klimas und der Landnutzung reagieren. Dazu gehörten in diesem Ansatz die Gefäßpflanzen, Vögel, Fledermäuse, Heuschrecken und Tagfalter auf den terrestrischen Standorten, sowie wirbellose Kleinlebewesen, welche in aquatischen Lebensräumen die Gewässersohle besiedeln.

Untersuchte Lebensräume
Als Lebensräume wurden Wiesen und Weiden, Äcker und Dauerkulturflächen, Wälder, Feuchtlebensräume, Siedlungen, alpine Lebensräume und Fließgewässer untersucht. Nach standardisierten wissenschaftlichen Methoden wurden an 320 Standorten in terrestrischen Lebensräumen und 120 aquatischen Standorten Untersuchungen gemacht. Die Untersuchungen sollen wiederholt werden, um Veränderungen der Biodiversität zu erkennen.
Die ersten Ergebnisse des Biodiversitätsmonitorings Südtirol verdeutlichen, dass die Landschaftsstruktur und die Vielfalt der Lebensräume einen großen Einfluss auf die Artenvielfalt haben. Die Ergebnisse zeigen auch, dass in Südtirol (noch)eine relativ vielfältige Biodiversität beheimatet ist. Dies erklärt sich aus der Vielfalt der Lebensräume und der Höhenamplitude unseres Landes.
Der Bericht zeigt aber auch: Um diese Biodiversität zu erhalten und zu schützen, sind Maßnahmen zu ergreifen. Und der Bericht gibt für die untersuchten Lebensräume Handlungsempfehlungen ab. Diese Empfehlungen fasse ich nachstehend zusammen.

Treffende Auswahl der Probeflächen
Im Rahmen des Südtiroler Biodiversitäts-Monitorings gelang es, innerhalb aller fünf gewählten Schwerpunktgruppen über die Hälfte der Arten, die in Südtirol vorkommen, zu erfassen. Besonders beeindruckend waren die Ergebnisse in den zwei Insektengruppen und bei den Vögeln, wo deutlich über zwei Drittel aller möglichen Arten festgestellt wurden. Die hohen Werte sind ein Beleg dafür, dass die Standortwahl der Probeflächen so erfolgte, dass ein Maximum an Tier- und Pflanzenarten abgebildet wird.

Biodiversitätsmonitoring abb1

Handlungsempfehlungen
In den Wiesen und Weiden ist deren extensive Bewirtschaftung der Artenvielfalt förderlich. Zu dieser extensiven Nutzung gehören die eingeschränkte Düngung, eine späte Mahd, auf Mager- und Feuchtstandorten der komplette Verzicht auf Dünger, auf Weiden auch ein gezieltes Weidemanagement, welches die Bestoßungsdichte mit den geweideten Tieren einhält.
Wenn in Äckern und Dauerkulturen die Stressfaktoren verringert werden, verbessern sich die Lebensbedingungen für Flora und Fauna. Solche Stressfaktoren können z.B. das häufige Mähen, Mulchen oder der Einsatz von Herbiziden oder Düngemitteln sein. Wenn Strukturelemente wie Trockensteinmauern oder Hecken erhalten, gepflegt oder neu geschaffen werden, entstehen wichtige Kleinhabitate und Trittsteine für viele Tier- und Pflanzenarten.
Vielfältige Waldlandschaften, nicht monotone Fichtenforste, mit unterschiedlichen Altersstrukturen und Entwicklungsstadien einschließlich totholzreicher Alterungsphasen beherbergen eine hohe biologische Vielfalt. Für verschiedene Waldtypen ist es besonders wichtig, dass wir besonders in den unteren Höhenstufen den Wald als Landschaftselement erhalten. Das Pflanzen von standortfremden Gehölzen kann zur Verarmung der Artenvielfalt und zu einer ökologischen Degradierung unserer Wälder führen.
In den alpinen Lebensräumen oberhalb und unterhalb der Waldgrenze müssen allfällige Baumaßnahmen und Eingriffe mit besonderem Bedacht auf ihre Auswirkungen auf Flora und Fauna geprüft werden. Ein gezieltes Management der Freizeitnutzung und die Ausweisung von Ruhezonen in unseren Bergen wären biodiversitätsfördernde Maßnahmen.
Besonderer Aufmerksamkeit bedürfen alle verschiedenen Feuchtlebensräume. Anpassung der Gesetzgebung und genaue Verortung dieser Lebensraumtypen sind nur zwei notwendige Schutzmaßnahmen. Landschaftliche und ökologische Verbesserungsmaßnahmen sind die Ausweitung von Wasserläufen, die Renaturierung von Ufern, die Wiedervernässung von Mooren.
Um einen guten ökologischen Zustand der Fließgewässer zu erhalten, ist ein nachhaltiger Umgang mit der Ressource Wasser wesentlich. Wenn Einträge von Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln Biodiversitätsmonitoring abb2vermieden werden, unterstützt dies den Erhalt der Wasserqualität und der Artenvielfalt. Wenn durch Revitalisierungsprojekte naturnahe Flussdynamiken wiederhergestellt werden, fördert dies die Biodiversität.
In Siedlungsgebieten sind der Schutz und die Aufwertung von noch bestehenden naturnahen Bereichen wertvolle und biodiversitätsfördernde Maßnahmen. Elemente hierzu sind: die Lärm- und Lichtreduktion, das Entfernen von nicht einheimischen invasiven Neophyten unter den Pflanzen (Beispiel: Kanadische Goldrute), Baumpflanzungen mit heimischen Arten als Beschattungen, Temperatursenker und Kohlenstoffspeicher, Gestaltung von Gründächern, Fassadenbegrünung, Schaffung von Wasserstellen. Urbanisierung, aber auch die Entwicklungen in der Landwirtschaft haben in den letzten Jahrzehnten auch in Südtirol zu einer Fragmentierung geführt.
Auch auf der Ebene der Landschaft wirkt sich eine Vielfalt an Lebensräumen positiv auf die Artenvielfalt aus. Und die Vielfalt einer Landschaft erhöht auch ihre Resilienz. Die Vernetzung verinselter Lebensräume durch sogenannte Trittsteine und Korridore ist für die Mobilität von Tier- und Pflanzenarten wichtig.

Erstnachweise
Im Rahmen des Biodiversitäts-Monitorings Südtirol sind auch einige Erstnachweise von Tier- und Pflanzenarten für Südtirol gelungen. In einer Apfelanlage im Südtiroler Unterland wurde das Krummblättrige Tagmoos (Ephemerum recurvifolium) gefunden. Im Etschtal erstmals nachgewiesen wurde der Riesenabendsegler (Nyctalus lasiopterus), die größte Fledermaus-Art Europas. Diese Art ist selten, über ihre Lebensweise und Verbreitung ist bisher nicht sehr viel bekannt. Die Art ist vorwiegend Waldbewohner. Im oberen Vinschgau wurde der ebenfalls äußerst seltene Gelbbinden-Mohrenfalter (Erebia flaviofasciata) nachgewiesen, in Altrei die Zweifarbige Beißschrecke (Bicolorama bicolor) als Heuschreckenart.

Das Tal der kleinen Weinbauern

  • Vorspann: Der untere Vinschgau ist seit jeher vom Weinbau geprägt. Mittlerweile sind auch im oberen Vinschgau Rebanlagen angelegt worden. Der Klimawandel macht es möglich. Im größten Trockental der Alpen herrscht ein für den Weinbau günstiges Klima mit weniger als 500 mm Jahresniederschlag und idealen Windverhältnissen.
  • Dachzeile: Spezial-Landwirtschaft
  • Redakteur: Magdalena Dietl Sapelza
  • Redakteur Bild:

Die sonnigen Steillagen am Vinschger Sonnenberg eignen sich hervorragend für den Anbau von Weiß- und Rotweinen. Es werden Weißburgunder, Veltliner, Solaris, Kerner, Gewürztraminer und Fraueler gekeltert. Auch die Rotweine Blauburgunder, Vernatsch und Zweigelt finden ein ideales Terrain. Mittlerweile reicht das Weinanbaugebiet bis auf 1200 Metern Meereshöhe hinauf. Was früher undenkbar war, macht heute der Klimawandel möglich.

Florian LugginPassionierte Winzer haben an den Südhängen bei Schluderns, bei Tartsch, Mals und Stilfs auf Meereshöhen von 1.000 bis 1.200 Metern gepflegte Weinberge angelegt. Und sie produzieren mittlerweile überraschend gute Spitzenweine. Das galt bis vor kurzem auch für die Weine aus der Reb-Anlage am Fuße des Kloster Marienbergs. Doch dieser ist mittlerweile leider verwaist und wartet auf eine Wiederbelebung.
Im Gegensatz zu anderen Regionen ist der Vinschger Weinbau nicht von großen Genossenschaften, sondern von kleinen Kellereien geprägt. Im Vinschgau keltern viele Familienbetriebe ihre Weine selbst, mit beachtlichem Erfolg. Die Gemeinden Naturns, Plaus, Partschins. Kastelbell/Tschars, Latsch und Schlanders sind als DOC-Gebiete anerkannt. Ihre Weinbaufläche liegt bei rund 97 Hektar. DOC steht für „Denominazione di Origine s50 IMG 3101Controllata“- das heißt: kontrollierte Ursprungsbezeichnung.

Im Jahr 2024 wurden im Vinschgau 2976 Hektoliter Wein produziert, darunter 2.173 Hektoliter Weine, die das Level DOC tragen. Diese in Italien eingeführte Bezeichnung garantiert die Qualität und die echte Herkunft eines Weines, der nach vorgegebenen Qualitätsregeln angebaut und gekeltert worden ist. DOC klassifizierte Weine stehen für charakteristische Eigenheit und regionale Identität. Die Weine aus dem oberen Vinschgau hätten sich die Bezeichnung DOC auch längst verdient. Derzeit arbeiten die Verantwortlichen im Weinbauverein Vinschgau daran. In diesem Verein sind die vielen Kleinproduzenten des Tales organisiert. Der Verein kümmert sich um Aus- und Weiterbildung, um Beratungen, Flurbegehungen und um die die regelmäßigen Weinverkostungen, bei denen sich die Winzerinnen und Winzer austauschen können.
s50 tabObmann des Vinschger Weinbauvereins ist Mathias Bernhart aus Partschins.
Im Ausschuss unterstützen ihn die beiden Obmann Stellvertreter Elmar Luggin (Schluderns) und Hans Zagler (Mals), sowie Matthias Thoman (Kortsch), Florian Schönthaler (Schlanders), Martin Schuster (Vetzan), Reinhard Massl (Vetzan), Heiner Pohl (Kastelbell), Martin Gapp (Naturns), Gruber Andreas (Naturns) und Roland Fieg (Staben/Juval). Kooptiert ist Martina Kafmann vom Bezirksamt für Landwirtschaft in Schlanders.

Das Taschenmesser

  • Dachzeile: Kommentar von Chefredakteur Erwin Bernhart
  • Redakteur: von Erwin Bernhart
  • Redakteur Bild:

Per Dekret bin ich jetzt ein Verbrecher. Das „nuovo decreto sicurezza“ sagt, dass ein Tragen von Taschenmessern mit Knast von 6 Monaten bis zu drei Jahren geahndet werden kann. Seit Jahrzehnten hab ich ein Taschenmesser im Hosensack. Das ist eine Erbschaft vom Kloster Marienberg. Wer als Schüler dort kein Taschenmesser gehabt hat, war arm dran. Speck, Wurst, Käse zum köstlichen Klosterbrot vom Bruder Alois war ohne Taschenmesser nicht denkbar. Speck und Wurst und Käse sind es heute noch, die am Berg oben aufgeschnitten werden. Oder die Maipfeifen schnitzen - ohne Taschenmesser geht das nicht. Spinnen die Römer?
Jetzt hab’ ich mir das „nuovo decreto sicurezza“ genauer angeschaut. Dort ist eine Länge der Klinge mit 8 Zentimeter angegeben, ab der das Taschenmessertragen strafbar wird. Da hab ich dann extra mein Taschenmesser abgemessen (ist mir bislang noch nie in den Sinn gekommen): 7 Zentimeter hat das unkaputtbare Schweizer Victorinox Messer, das ich vor Jahren von einem meiner zahlreichen Cousins (danke Luis) geschenkt bekommen habe. Also doch kein Taschenmesser-Verbrecher? Zudem steht im „nuovo decreto sicurezza“, dass man „senza giustificato motivo“ weggesperrt werden kann. Ich kann, neben der Marienberger Erbschaft, noch viele Erklärungen aufführen, warum für mich ein Taschenmesser unabdingbar ist. Im Schweizer Messer sind neben anderem auch Schraubenzieher und Zahnstocher drin.


Den Urkräften auf der Spur

  • Dachzeile: Kultur
  • Redakteur: Heinrich Zoderer
  • Redakteur Bild:
  • Weitere Fotos - 1: Glühende Stille
  • Weitere Fotos - 2: Philipp Egger, Naturfotograf

Ist es möglich, das Unsichtbare sichtbar und spürbar zu machen, die Urkräfte der Erde einzufangen und aufzuzeigen, dass der Mensch Teil der Natur ist, eingebunden in einen komplexen Kreislauf von Werden, Wachsen und Vergehen? Es ist eine philosophische Frage nach dem Sinn und unserer Rolle auf Erden. Antworten kann man in Büchern nachlesen, in Gedichten bzw. Liedern nachspüren und in Filmen nachempfinden. Und dann muss jeder seine eigene Antwort finden. Philipp Egger ist mit der Kamera aufgebrochen auf der Suche nach den Urelementen, den Urkräften, der Wildnis, das Mystische und Unsichtbare, das uns umgibt, ernährt und beschützt, manchmal auch bedroht und vernichtet. Es ist die Suche nach dem Göttlichen, nach der Seele und den Grundstrukturen der Natur. Wie ein Jäger legt er sich auf die Lauer, atmet in der Nacht die Stille, wartet mit Geduld und Ausdauer, um das Leben vom Uhu, Steinböcken und Eisvögeln zu studieren, um ihnen näher zu kommen und zu begreifen, wie sie in Grenzregionen überleben. In entlegenen Gegenden im Stilfser Joch Nationalpark, im Gebirge, in Felsregionen, auf Eisfeldern, Vulkanen und bei Wasserfällen, bei eisiger Kälte, im Nebel und in finsteren Nächten findet Philipp seine Antworten, seine Bilder, die zu persönlichen Glücksmomenten werden. Fotografieren bedeutet für ihn ausbrechen aus dem Alltag, um das Gefühl der Freiheit zu spüren. Er muss dabei Grenzen aufsuchen, Angstgrenzen überwinden und oft vorstoßen bis zur Todesgrenze. Wie ein Getriebener sucht der Prader Naturfotograf diese Grenzen auf, muss auf den richtigen Moment warten, bis alles stimmt: das Licht, die Stimmung, das Motiv, die Magie des Augenblicks. Philipp Egger ist im Jahre 2000 in Schlanders geboren und in Prad aufgewachsen. Er ist gelernter Mechaniker und Maschinenschlosser, hat in der Schweiz im Tunnelbau gearbeitet, um Geld für eine professionelle Fotoausrüstung zu verdienen. Nun arbeitet er als Naturfotograf und Dokumentarfilmer. Als Kameramann ist er beteiligt bei Naturdokumentationen für die bekannte ORF-Reihe Universum. Und dies alles als Autodidakt, der keine Fotolehre und auch keine Ausbildung als Kameramann vorweisen kann. Trotzdem hat er im Jahre 2025 mit erst 25 Jahren insgesamt sieben nationale bzw. internationale Preise als Natur- und Tierfotograf erhalten und konnte Auszeichnungen u.a. in London, San Francisco und Los Angeles entgegennehmen. Seine Bilder kann man in den renommiertesten Naturkundemuseen und Galerien in Europa, USA, Kanada, Japan und Australien bewundern.

Naturbilder, geboren aus Gefahren, Geduld und Staunen

Als kleiner Junge ging er mit seinem Großvater und Vater fischen, später begleitete er seine Eltern bei der Jagd. Das Warten, das Aufspüren, das Folgen einer Spur und das Beobachten der Tiere im Wasser, in der Luft, im Wald und über der Waldgrenze, das hat er in jungen Jahren gelernt. Während andere Fußball spielten, verkroch er sich mit einem Buch und betrachtete die Bilder von Vulkanen. Die Vögel in der Luft, das gefrorene Eis der Gebirgsbäche und fließende Lava von Vulkanen faszinieren ihn seit der frühesten Jugend. Hier spürt man die Urelemente Luft, Wasser und Feuer und die Urkräfte, welche die Erde formen und gestalten. Das ist seine Bilderwelt, die will er einfangen, abbilden und anderen zeigen. Inspiriert vom Buch „Der Schneeleopard“ von Sylvain Tesson, der gemeinsam mit dem Fotografen Vincent Munier nach Tibet reist, auf der Suche nach dem Schneeleoparden, so begab sich Philipp Egger auf die Spuren des Uhus. Seine Bilder sind nur ganz selten Zufallsbilder. Die meisten Bilder entstehen zuerst als Idee im Kopf, müssen lange im Kopf geformt werden bis sie an Klarheit gewinnen. Und dann muss sich der Fotograf auf die Suche nach dem Bild im Kopf machen. Das kann Wochen, Monate und Jahre dauern. Der Uhu ist ein extrem scheuer, sensibler und nachtaktiver Raubvogel. Philipp begab sich in ein schwer zugängliches Gelände, er verbrachte dort viele Nächte, musste sich abseilen, warten und den Uhu aufspüren. Nachdem er ihn in einer Felsnische fand, musste sein Jagdverhalten, die Flugrouten und der Nistplatz studiert und alles ganz genau aufgezeichnet werden. Und erst dann konnte er Fotos vom Schattenjäger der Alpen machen. „Mit Wärmebildtechnik und monatelanger Geduld folgte ich seiner Spur, kletterte in vergessene Schluchten, wartete in der Einsamkeit – bis mir eines Abends das Unmögliche geschenkt wurde, ein Moment, in dem die Zeit innehielt und seine Seele sichtbar wurde. Der Blick dieses Wesens – uralt, ruhig, tief – wurde zum Bild.“ So beschreibt Philipp Egger diesen unbeschreiblichen Moment. Dieses Werk wurde in London beim „Wildlife Photographer of the Year“ zum Siegerbild in der Kategorie „Animal Portraits“ gekürt, dem bedeutendsten Naturfotowettbewerb der Welt. Das Unsichtbare wird sichtbar, wenn man das Bild lange genug betrachtet.

Atlantis der Berge – Glühende Stille

Zwei Bilder des jungen und erfolgreichen Naturfotografen Philipp Egger möchte ich hier präsentieren. „Atlantis der Berge“ ist eine Nachtaufnahme vom Turm im Reschensee. „Am 11. Mai 2024 geschah das Unvorstellbare“, so schreibt Philipp. „Polarlichter in den Alpen, ein seltenes, überirdisches Schauspiel, das den Himmel in flammendes Grün, Purpur und Rot tauchte“. Eine Hommage an die unendliche Kraft der Natur. Das zweite Bild „Glühende Stille“ ist eine Drohnenaufnahme am Ätna auf über 3.000 Metern, an der Grenze zwischen Feuer und Eis. „Der Vulkan öffnete seine Kruste und glühende Lava fraß sich über die weißen Hänge, während dichter Hochnebel in surrealen Farben erstrahlte. Das Bild Glühende Stille ist eine Verschmelzung aus Naturgewalt, Vergänglichkeit und erhabener Ruhe – ein flüchtiger Augenblick, in dem die Erde atmet und die Zeit still steht.“, so beschreibt es Philipp sehr poetisch. Auf meine Frage, ob er auch Menschen fotografiert, zeigt mir Philipp ein Bild. Ich sehe nur einen gewaltigen Wasserfall. Erst langsam entdecke ich am Fuße des Wasserfalls eine Frau. Das ist der Mensch, ein kleiner Teil einer gewaltigen Natur voller Kräfte und Schönheiten. Mit seinen Bildern will Philipp, dass die Menschen die Natur sehen und vor allem will er, dass sie sie spüren und sich selbst als Teil dieser großartigen Natur begreifen. Anfang November zeigte er seine Bilder und einen Film auf einer Großleinwand bei der „Nacht der Naturbilder“ in der Basis von Schlanders einem interessierten Publikum. Der Erfolg war überwältigend. Solche Auftritte möchte er in Zukunft vermehrt anbieten. Er denkt sogar daran, eine Stiftung zu gründen mit dem Ziel, Naturschutzprojekte zu unterstützen. Denn er will, dass die Menschen die Natur nicht nur sehen und spüren, sondern auch schützen und nachhaltig gestalten, damit auch weitere Generationen auf unserer Mutter Erde leben und ein sinnvolles Leben führen können.

 

Jänner 2026: Ausstellung von Bildern im Schaufenster von Basis Vinschgau in der Fußgängerzone Schlanders. Einige Kunstdrucke werden in der Fußgängerzone von Schlanders präsentiert und machen Kunst im öffentlichen Raum erlebbar.

Der „Wasser Max“

  • Vorspann: „I gea mit der Ruat, um die Leit zu helfen“, sagt Max Pohl aus Tschengls. Er entdeckte durch Zufall seine Gabe zum „Wünschelrutengehen“. Er misst Baustellen oder Pläne mit seiner Wünschelrute oder seinem Pendel aus, und auf seine Aussagen hin wird gebaut oder eingerichtet.
  • Dachzeile: Portrait
  • Redakteur: Christine Weithaler
  • Redakteur Bild:

Max Pohl ist 1959 in Tarsch geboren worden und hat 8 Geschwister. Seine Familie erfuhr erst vor kurzem von der Halbschwester, einer unehelichen Tochter seines Vaters, die in Dietenheim lebt. Groß war die Verblüffung und doch herzlich das Kennenlernen. Bei einem Besuch im Tarsch verabschiedete sich seine Halbschwester am Grab ihres Vaters. Das machte sie und Max sehr dankbar und glücklich.
Max wuchs in Tarsch auf und machte nach der Pflichtschule die Lehre als Maurer. Er wurde jung Vater und heiratete 1981 nach Tschengls. Er arbeitete in der Schweiz über 20 Jahre als Maurer und verlegte 15 Jahre lang Gipsplatten und dergleichen. Acht Winter fuhr er in Samnaun mit einem Schilift, welcher 180 Personen transportieren konnte. Er erinnert sich an einen Stillstand der Bahn. Max musste die Nerven bewahren, die Gäste beruhigen, obwohl er selbst nicht wusste, warum es zu dem Zwischenfall gekommen war und wann es wieder weitergehen würde. Gott sei Dank löste sich das Problem, und die Fahrt konnte fortgesetzt werden. Alle kamen wohlbehalten an. Max und zwei Kollegen pendelten täglich bei jedem Wetter mit dem Auto nach Samnaun. Sie überstanden manchen Schneesturm und blieben all die Jahre unfallfrei.
1992 entdeckte er zufällig seine Fähigkeit zum Gang mit der Wünschelrute. Er hielt einen Haselnusszweig in seinen Händen und vernahm eine Bewegung. Ein alter Wünschelrutengänger bekräftigte ihn in seinem Gespür, und so besuchte er Kurse auf dem Gebiet der atmosphärischen Strahlungen, der Wasseradern und Stromstrahlungen. Früher kannten die Menschen den Einfluss dieser Strahlungen. Heute wird dieses Wissen wieder entdeckt. Bei einem Besuch eines weltweit bekannten und geschätzten Wünschelrutengängers in Tschengls, bestätigte dieser, die Präzision der Gabe von Max. Die vielen Baustellen waren für den gelernten Maurer Übungsplatz. Immer wieder ging er Pläne mit der Wünschelrute ab, errechnete Tiefen der Wasseradern und erhielt beim Aushub der Baustellen die Bestätigung für die Richtigkeit seiner Angaben. Er wollte sich selbst von seiner Gabe überzeugen. Er übte und nahm Schwingungen bewusst wahr. Er untersucht mit verschiedenen Wünschelruten in Zusammenarbeit mit Naturheilpraxen oder Bio-Architekten unzählige Häuser in Südtirol, Österreich, Deutschland und der Schweiz auf Wasseradern. Auch unterirdische Gänge, versunkene Gräber, überschüttete Häuser macht Max ausfindig. Durch jegliche Bearbeitung des Bodens, der festen Erde entstehen Risse, die er mit der Rute erspürt. Besonders Kleinkinder und Tiere nehmen diese Risse, Strahlen war. Auch Bäume und Pflanzen können darauf ansprechen und verkrüppeln. Wasseradern oder Stromstrahlungen können auf das Nervensystem und den gesamten Körper des Menschen wirken. „Miar ärgert der Frevel und die Augenauswischerei dia mit dia gonzen Entstörgeräte gmocht wearn. Die Strohlungen und Wosserodern sein wou sie sein, mindern konn ma sie nit, man konnen ihnen lei ausstellen!“ Er erinnert sich an ein Kleinkind, das im „Bettstattl“ immer wieder den Kopf gegen das Gitter stieß, um den Strahlungen zu entkommen. Durch verschiedene Bewegungen, die die Rute beim Gang macht, kann Max sagen, in welche Richtung die Ader verläuft. Durch die Anzahl der Umdrehungen kann er die genaue Tiefe des Wassers bestimmen. Schaut man ihm dabei zu, sieht man seinen Respekt und seine Ehrfurcht vor seiner Gabe und vor der Natur. Er begibt sich so zu sagen in das Spannungsfeld, jede Messung zehrt an ihm. Früher hat er oft mehrere Gänge hintereinander gemacht, heute beschränkt er sie, seiner Gesundheit zuliebe auf zwei. „Es mocht mi ollm wieder glücklich, wenn i Leit helfen konn und sich ihre Lebensqualität durch mein Rot bessert!“ Immer wieder erreichen ihn Dankesnachrichten, dass sich Schlaf und Wohlbefinden nach dem Umstellen der Einrichtung, des Bettes, oder des Schreibtisches usw. in kurzer Zeit verbessert haben.
Seine Tochter und sein Sohn machten Max zum dreifachen Opa. Er genießt seinen Ruhestand, hilft seinem Sohn auf dem landwirtschaftlichen Betrieb in Tschengls. Im Winter drechselt er verschiedenste Hölzer zu Tellern, und im Sommer widmet er sich seinen Bienen. Der passionierte Imker bedauert, dass immer neue Bestimmungen und die Bürokratie das Hobby erschweren. Er möchte „nou a bissl gsund bleiben und so sein terfen wie er isch“, meint er, „Man soll sich im Leben nicht aus der Ruhe bringen lassen und s` Wichtigste und s` Beste für die eigene Gesundheit isch zufrieden zu sein“.

Der Gänsesäger - Ein neuer Brutvogel in Südtirol

  • Dachzeile: Natur & Landschaft
  • Redakteur: Wolfgang Platter, am Tag des Hlg. Thomas von Aquin, 7. März 2026
  • Weitere Fotos - 1: Gänsesäger Männchen im Prachtkleid. Auffällig ist die orangerote Iris im Auge und der Hackenschnabel.
  • Weitere Fotos - 2: Gänsesäger Männchen in Balzhaltung.
  • Weitere Fotos - 3: Gänsesäger sind Zugvögel aus dem Norden. Wenn im Norden alle Gewässer vereisen, weichen sie in den Süden aus.
  • Weitere Fotos - 4: Das sogenannte Sichttauchen: mit den Augen unter Wasser sichtet der Gänsesäger die Fische, bevor er nach ihnen taucht.
  • Weitere Fotos - 5: Gänsesäger sind Bewohner von Wasserlebensräumen: die Prader Sand in einer Herbstaufnahme.

Der Gänsesäger (Mergus merganser) ist in Südtirol ein neuer und noch seltener Brutvogel. Im Trentino und in Nordtirol war er schon seit einigen Jahren ein regelmäßiger Brutvogel. In Südtirol wurde sein Brüten erstmals 2022 nachgewiesen und fotodokumentiert und zwar an der Etsch zwischen Gargazon und Vilpian. Dieser Entenverwandte bevorzugt fischreiche Flüsse und Seen. Aufgrund der ersten Brutnachweise ist davon auszugehen, dass er sich an den strukturreicheren Abschnitten der Etsch oder größeren Seen (z.B. im Unterland/Überetsch) ansiedelt. Selbst habe ich den Gänsesäger im Frühjahr 2025 an der Aufweitung der Etsch zwischen Eyrs und Laas in einem Trupp von fünf männlichen und weiblichen Tieren gesehen. Wolfgang Duschek aus Naturns hat mir Fotos von Gänsesägern an der Etsch bei Naturns geschickt, die er am 6. Dezember 2025 dokumentieren konnte. Dietmar Gander hat ihn an den Fischteichen in Prad schon am Neujahrstag 2020 und auch 2025 fotodokumentiert, am heurigen 18. Jänner beispielsweise auch am Auslaufbecken des Schludernser E-Werkes in Glurns.
Beim Gänsesäger handelt sich um einen geschützten Wasservogel, der im Winterhalbjahr häufiger als Durchzügler oder Gastvogel an Etsch und Eisack beobachtet werden kann, bevor er im Frühjahr (März-Mai) zur Brut schreitet.

Zoologische Verwandtschaft
Die Gattung Säger (Mergus) gehört zu den Entenverwandten. Alle Säger haben einen stromlinienförmigen Körper und einen dünnen, sägeartig gezähnelten Schnabel, der mit einem scharfen, gebogenen Nagel versehen ist. Dieser Schnabel ist vorzüglich geeignet zum Fangen und Festhalten der schlüpfrigen Fische, die diese Vögel unter Wasser schwimmend erjagen. In Europa kommen drei Säger-Arten vor: der winzige Zwergsäger (Mergus albellus), der Mittelsäger (Mergus serrator) und der Gänsesäger (Mergus merganser). Der Gänsesäger ist der größte untern den drei Sägerarten und hat etwa die Größe einer Stockente, schwimmt aber tiefer im Wasser liegend. Auch die Säger haben Schwimmhäute zwischen den Zehen.

Geschlechtsdimorphismus
Zwischen den beiden Geschlechtern gibt es beim Gänsesäger einen ausgesprochenen Farbdimorphismus: Die Männchen haben im Prachtkleid einen grün schimmernden Kopf, die Weibchen einen braunen. Beide Geschlechter haben eine Hinterkopfmähne, die den Kopf beulenförmig verlängert erscheinen lässt. Das angestammte Brutgebiet des Gänsesägers ist der hohe Norden Eurasiens und Nordamerikas. Isolierte Vorkommen gibt es weiter südlich in den Hochgebirgen. So ist er in Mitteleuropa seltener Brutvogel in den Alpen. In Bayern und in der Schweiz ist er häufiger. Er brütet an Flüssen, Seen und Meeresküsten mit Baumbestand. Baumbestand ist wichtig, weil der Gänsesäger ein Höhlenbrüter ist wie etwa auch die Schellente.

Höhlenbrüter
In manchen Gegenden hat der Gänsesäger offensichtlich Schwierigkeiten, für die Brut geeignete Höhlen zu finden. Dies beweist die Tatsache, dass genügend große Nistkästen relativ schnell angenommen werden. Aber auch ausgefallene Brutplätze, wie etwa der Kirchturm von Hall in Tirol, wo seit mehreren Jahren ein Weibchen seine Eier legt. Andere Brutplätze fanden sich im Gebälk von Heustadeln oder gar in Kaminen. Meist bleiben die frisch geschlüpften Jungen noch einen Tag in der Bruthöhle. Die Mutter verlässt sie, um sie an das Wasser zu locken. Die Jungen lassen sich dann aus der Bruthöhle auch aus großer Höhe auf den Boden fallen, meist ohne Schaden zu nehmen. Relativ gut entwickelte Flügelstummel, große, mit Schwimmhäuten versehene Füße und ein gefächerter Schwanz sorgen dabei für eine bestimmte Falschschirmwirkung. Außerdem ist die Brustmuskulatur gut mit Dunen gepolstert, um die Wirkung des Aufpralls zu mildern. Im Fußmarsch am Wasser angelangt, fangen die kleinen Jungen gleich zu schwimmen und zu tauchen an. Sie legen dabei beachtliche Entfernungen zurück. Teilweise transportiert sie die Mutter auch auf ihrem Rücken. In ihrer Tauchleistung können sich Gänsesäger durchaus mit Kormoranen messen. Bei eifriger Nahrungsjagd verschwinden die Vögel sehr oft im Wasser. Nicht selten tauchen mehrere Gänsesäger synchron und treiben die Fische im gemeinsamen Treiben auf das Ufer zu. Als Beute werden kleine Fische bis 10 cm Länge bevorzugt. Gänsesäger haben nicht selten unter schmarotzenden Möwen zu leiden. Sie suchen den beuteabjagenden Möwen durch häufigen Ortswechsel zu entgehen.

Der Graf auf hoher See

  • Vorspann: Clemens von Plawenn-Salvini ist der jüngste Spross des Grafen Christoph von Plawenn Salvini und seiner Gattin Ilse. Die Begeisterung des jungen Grafen für die Seefahrt knüpft an eine alte Tradition an. Sein Urgroßvater war einst Teil der k.& k Kriegsmarine in Triest.
  • Dachzeile: Portrait
  • Redakteur: Magdalena Dietl Sapelza
  • Redakteur Bild:

Graf Clemens fürchtete die Reaktion seines Vaters, als er ihm einst eröffnete, dass er das Studium in Innsbruck aufgeben und zur See fahren wollte. Doch der Vater zeigte sich keineswegs überrascht. „Das liegt in der Tradition der Familie“, sagte er. „Denn der Urgroßvater war einst bei der k & k Kriegsmarine in Triest.“ Clemens war erleichtert.
Im vergangenen Juli verbrachte er einige Tage mit seiner Familie und seinen Eltern im Ansitz Plawenn, ehe er eine wochenlange Fahrt auf einem Mehrzweckfrachter im Mittelmeer antrat.
Clemens kennt in Plawenn jeden Winkel. In den Ferien als Kind traf er sich mit dortigen Spielkameraden, schauten den Bauern beim Melken zu und half bei der Heuernte. Der Lebensmittelpunkt der Familie ist Bischofshofen. Dort wuchs Clemens mit seinen drei Geschwistern auf. Sein Vater arbeitete bis zu seiner Pensionierung als Frauenarzt und seine Mutter Ilse als praktische Ärztin. Clemens besuchte das Privatgymnasium St. Rupert. Bei einem Schulaustausch als Maturant lernte er die Stadt Santos in Brasilien kennen. Besonders angezogen war er vom Hafen. „Dieser weckte in mir schon damals die Lust auf Meer“, erinnert er sich. „Über mehrere Ecken bin ich dann zur Nautik gekommen.“ Doch es dauerte, bis es so weit war. Erstmals begann er an der Universität in Santos Sozialwissenschaften zu studieren. Nach eineinhalb Jahren gab er es auf, denn es war nicht seines. Er trat den Zivildienst im Krankenhaus in Schwarzach an und begann dann das Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Innsbruck. „Das war für mich auch nicht das Richtige. Mir war alles zu theoretisch und zu langweilig“, verrät er. „Ich suchte nach einer Aufgabe, bei der man Kopf und Körper braucht und die Welt sieht.“ Diese Aufgabe fand er im Nautik-Studium in der Stadt Leer in Ostfriesland. Der Lehrplan bot ihm ein breitgefächertes Programm in Theorie und Praxis, das sich abwechselte. Im September 2009 wurde er dem Containerdienst zwischen Hamburg und Südkorea zugeteilt. Groß war seine Vorfreude, aber auch seine Anspannung. Auf einem Schiff mit 6.000 Containern an Bord stach er erstmals in See. „Man weiß, auf was man sich einlässt, denn man ist vorbereitet“, erklärt er. Die Route führte von Hamburg durch das Mittelmeer über den Suezkanal nach Saudi-Arabien, Dubai, Singapur, Japan, China und schließlich nach Südkorea. „Das Leben auf dem Schiff ist eine komplett andere Welt. Man ist dort gefangen, wohnt auf engstem Raum, und man ist permanent im Schichtdienst“, beschreibt er. „Und man muss mit den unterschiedlichsten Befindlichkeiten der Menschen an Bord zurechtkommen. Das Löschen und Laden des Containerschiffes in den jeweiligen Häfen dauerte von sechs bis zu 30 Stunden. Viel Zeit an Land zu gehen, blieb ihm nicht. Und dennoch war es ein besonderes Erlebnis, in fernen Ländern zu ankern. Im Laufe seiner Karriere erreichte er die größten Häfen der Welt. „Oft ist es auch gefährlich, denn Piraterie ist immer noch ein Thema“, erzählt er. „Im Golf von Aden wurden wir beklaut.“ Clemens sammelte Erfahrungen auf Passagierschiffen, auf Forschungsschiffen, auf Roll on Roll off Schiffen und auf Ankerziehschleppern. Diese werden bei der Verschleppung von Bohrinseln und großen Offshore-Einheiten ohne eigenen Antrieb verwendet. „Dieser Bereich hat mir am meisten zugesagt, und ich bin schließlich im Offshore Bereich der Öl- und Gasindustrie gelandet“, sagt er. Inzwischen hatte er seine Frau Bianca Boden in Leer kennengelernt und war Vater eine Tochter geworden. Um für seine Familie mehr Zeit zu haben, nahm er später die Stelle als Lehrkraft für besondere Aufgaben im Bereich Seefahrt und Nautik an der Hochschule Emden/Leer an. Er absolvierte nebenbei erfolgreich auch das Masterstudium in „Maritime Operations“ und wurde nochmals Vater von zwei Söhnen.
Mittlerweile verbringt er nur noch wenige Wochen im Jahr auf dem Meer. „Der Reiz ist immer noch da, und es ist für mich auch wichtig, meinen Studenten den Praxisbezug vermitteln zu können“, betont er. Als Dozent hat er sich längst einen Namen gemacht. Er forscht zum Beispiel im Bereich „the remote operator“ (Bedienung einer Anlage aus der Ferne). Das ist eine neue Berufsperspektive im maritimen Sektor. Nach Plawenn kommt Clemens immer wieder gerne. Da kann er in Ruhe und Abgeschiedenheit mit seiner Familie die Zeit genießen und ausspannen.

Der Haider See und seine Wasservögel - zur herbstlichen Zugzeit

  • Dachzeile: Natur & Landschaft
  • Redakteur: Wolfgang Platter, am Tag der Hlg. Cäcilia, 22. November 2025
  • Weitere Fotos - 1: Krickente (Anas crecca)
  • Weitere Fotos - 2: Höckerschwan (Cygnus olor)
  • Weitere Fotos - 3: Höckerschwan (Cygnus olor); Foto: Cristian Tafani
  • Weitere Fotos - 4: Reiherente (Aythya fuligula), Weibchen und Männchen mit  Geschlechtsdimorphismus im Federkleid; Foto: Dietmar Gander
  • Weitere Fotos - 5: Männchen der Reiherente im Balzkleid; Foto: Dietmar Gander
  • Weitere Fotos - 6: Knäckente (Anas querquedula);  Foto: Dietmar Gander
  • Weitere Fotos - 7: Stockente (Anas platyrhynchos) Weibchen und Männchen. Foto: Dietmar Gander
  • Weitere Fotos - 8: Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis); Foto: Dietmar Gander
  • Weitere Fotos - 9: Blässhuhn (Fulica atra) mit Spaltlappenfuß; Foto: Alessandro Medugno
  • Weitere Fotos - 10: Haubentaucher (Podiceps cristatus), Weibchen und Männchen ohne Geschlechtsdimorphismus. Foto: Horand Maier

Der Haider See liegt auf 1.450 Metern Meereshöhe und ist nach dem Kalterer See der zweitgrößte Natursee in Südtirol, wenn man die Stauseen nicht mitzählt. Er liegt in einem Becken aus Gneisphyllit und ist durch beidseitige Murkegel abgedämmt worden. Hanspaul Menara und Josef Rampold geben im Buch „Südtiroler Bergseen“ (Athesia Verlag Bozen 1976) für den Haider See folgende Maße an: 2,34 km Länge, 0,63 m Breite (Oberfläche 0,89 km²) und 7 m Tiefe (Messung nach Pesta). Die Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz gibt eine maximale Wassertiefe von 15,5 m, eine mittlere Wassertiefe von 7,6 m, ein Wasservolumen von 6,6 Mio m³, ein Wassereinzugsgebiet von 33,97 km² und eine Uferlinie von 4,7 km an. Den Zufluss erhält der Haider See von der jungen Etsch am Nordufer und vom Zerzer Bach am Westufer. Der See wird schon 1326 urkundlich erwähnt, als der Tiroler Landesfürst König Heinrich von Böhmen den Mönchen der Karthäuser Siedlung Allerengelsberg in Schnals die Fischereirechte überlässt.

Der ökologische Zustand
Der ökologische Gesamtzustand des Haider Sees ist laut Wasserrahmenrichtlinie gut. Die Untersuchungen des Phytoplanktons und des Makrozoobenthos ergaben einen sehr guten Zustand der Makrophyten, der Diatomeen, der Fische und der Chemie einen guten Zustand. Die Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz schreibt auf ihrer Homepage zum Haider See: „Aus der Analyse des zeitlichen Verlaufs der vorliegenden Daten geht hervor, dass die in den ersten Untersuchungsjahren (Beginn 1979) gelegentlich beobachteten Gesamtphosphor-Gipfel sich zunehmend abgeflacht haben und eine generelle Abnahme der Nährstoffkonzentrationen zu beobachten ist. Die Gesamtphosphor-Konzentrationen schwanken in der oberflächlichen Wasserschicht zurzeit zwischen 25 und 4 µg/l, wobei die niedrigsten Werte meist im Herbst und die höchsten Werte im Frühjahr gemessen werden. Grund dafür könnte die Schneeschmelze sein. Seit dem Jahr 2003 ist ein Anstieg der Chloridkonzentrationen zu verzeichnen: die höchsten Werte werden jeweils im Frühjahr gemessen, was darauf schließen lässt, dass der Anstieg mit der Salzstreuung auf der Staatsstraße entlang des Ostufers in Zusammenhang steht. Außerdem ist ein deutlicher Anstieg der Sulfat-Konzentrationen zu beobachten, der wahrscheinlich hauptsächlich auf das Abschmelzen von Permafrost in den höchstgelegenen Bereichen des Einzugsgebietes zurückzuführen ist.“

Schutzmaßnahmen
Als Schutzmaßnahmen schlägt die Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz, den Eintrag der Abwässer aus landwirtschaftlichen Betrieben zu vermeiden. Die Dunglegen in unmittelbarer Nähe des Zuflusses sollten entfernt werden. Eine sachgemäße Düngung bedeutet die Ausbringung von Dünger nur während der Vegetationsperiode, wenn die Nährstoffe sofort aufgenommen werden. Im Jahr 2022 wurde eine genaue Studie über den Zustand des Sees, Ursachen seiner Beeinträchtigung und Maßnahmen zur Verbesserung der Situation in Auftrag gegeben.

Zuzug von Wasservögeln
In den letzten Jahren konnte am Haider See beobachtet werden, dass zunehmend neue Arten von Wasser- und Schwimmvögeln einziehen. Nicht nur die Anzahl z.B. der kosmopolitischen Art Blässhuhn steigt, sondern es wandern auch neue Arten ein. Genannt sei in diesem Zusammenhang etwa die Reiherente und die zahlenmäßige Zunahme ihres Bestandes. So spektakulär sie aussehen und sich gekonnt zur Schau stellen, ist der Einzug und die Brut der Höckerschwäne ökologisch kritisch zu bewerten. Höckerschwäne sind sehr territorial und konkurrenzieren und verdrängen ab einer bestimmten Dichte kleinere Arten von Wasservögeln. Besonders artenreich ist die Wasservogelfauna am Haider See zur Zeit des herbstlichen Vogelzuges, bevor der See zufriert. Dann sind nicht nur die brütenden Arten, sondern auch rastende Arten auf ihrem Zug in den Süden zu beobachten. Mit den Fotos von Dietmar Gander und Dr. Horand Maier und anderen stelle ich ein paar Arten im Bild vor.

Der Ikonenmaler Piccolruaz

  • Vorspann: Ikonen sind nach der Auffassung der Ostkirche Porträts von Christus, der Gottesmutter und der Heiligen. Sie sollen das Wesen der Dargestellten so getreu wiedergeben, dass etwas von ihrer heiligen Kraft auch in ihrem Bild vorhanden ist und aus ihm wirken kann. Hubert Piccolruaz beschäftigt sich seit etwa 20 Jahren mit der Ikonenmalerei. Seine wunderbaren Ikonen erzählen seine Religiosität in respektvoller Hingabe und Auseinandersetzung mit einer kulturellen Denkweise über Kunst, die heute in dieser Art kaum mehr vorzufinden ist.
  • Dachzeile: Kultur
  • Redakteur: Peter Tscholl
  • Redakteur Bild:
  • Weitere Fotos - 1: Die Festtagsikone im Wohnzimmer von Hubert Piccolruaz. Sie besteht aus 13 Einzelikonen
  • Weitere Fotos - 2:  “Christus Pantokrator” ( Original im Katharinakloster auf Sinai)
  • Weitere Fotos - 3: Die Ikone der Gottesmutter ist eine der wichtigsten Ikonen der gesamten russischen Orthodoxie;
  • Weitere Fotos - 4: Die Passion Christi: “Einzug Christi in Jerusalem”
  • Weitere Fotos - 5: Die Passion Christi: “Christus der Passion” zwischen Maria und Johannes
  • Weitere Fotos - 6: Die Passion Christi: Die Kreuzigung
  • Weitere Fotos - 7: Die Passion Christi: Die Auferstehung

Leben und Werdegang:
Hubert Piccolruaz wurde am 30. 12. 1938 in St. Ulrich/Gröden geboren und ist dort aufgewachsen. Schon als Kind hat er in der Werkstatt seines Vaters geschnitzt. “Ein Stemmeisen und ein Stück Holz hat man da öfters in die Hand bekommen und so habe ich schon als Kleinkind angefangen mit Holz und Stemmeisen zu arbeiten. Nach der Volksschule habe ich die Kunstschule in St. Ulrich besucht. In Gröden habe ich die Kunstschule aber nicht abgeschlossen, sondern erst nachträglich, mit Abendkursen, am Kunstlyzeum Massa Carrara die Matura gemacht und mit dem Titel “Maestro d’Arte” abgeschlossen”, erzählt er. Bis zu seinem 30. Lebensjahr hat Hubert Piccolruaz gemeinsam mit seinem Vater und seinen zwei Brüdern als Bildhauer in St. Ulrich gearbeitet. “Als dann die Maschinen kamen, hatte man Angst, keine Arbeit mehr zu haben. So habe ich an der Mittelschule Dr. Fritz Ebner in Schlanders eine freie Stelle als Kunsterzieher angenommen, wo ich von 1968 bis 1989 unterrichtete. In Schlanders habe ich meine Frau kennengelernt, geheiratet, ein Haus gebaut und Familie gegründet”.

Die Ikonenmalerei:
Neben seiner Tätigkeit als Kunstlehrer an der Mittelschule hat Piccolruaz immer auch noch ein bisschen gebastelt, erzählt er. “Nach meiner Pensionierung besuchte ich bei P. Bernhard Frei in Gschnon bei Neumarkt einen Ikonen-Malkurs. P. Bernhard, der in Russland war, und sich dort intensiv mit der Ikonenmalerei beschäftigt hatte, hat uns die Technik und den Umgang mit Farben perfekt beigebracht. Dann habe ich selber mit der Ikonenmalerei angefangen”.
Auf die Frage, warum er sich zeitlebens mit religiösen Themen beschäftigt hat, und was ihn an der Ikonenmalerei so fasziniert, antwortet Piccolruaz: “Das war in St. Ulrich traditionell. Man hat fast ausschließlich für die Kirchen gearbeitet. Die Hauptauftraggeber waren die Priester und die Pfarreien und für sie hat man alles mögliche gemacht. Die Ikonenmalerei fasziniert mich deshalb, weil sie eine tiefere Bedeutung hat und eine spirituelle Verbindung ermöglicht. Eine Ikone wird nicht als Dekoration angesehen. Eine Ikone wird verehrt wie ein Heiligtum. Ikonen werden angebetet. Man soll keine Ikone selber entwerfen. Die Ikonen werden streng nach byzantinischen Verordnungen hergestellt, welche von einer byzantinischen Kommission festgelegt werden. Die Ikonenmalerei ist eine strenge Malerei. Vielen Menschen ist die Ikone vielleicht zu streng, mir aber gefällt sie. Die Ikonenmalerei ist das ideale Hobby für meine Person”.

Hubert Piccolruaz ist wohl einer der Letzten, der bis heute an das glaubt, was er erlernt hat. “Ich bin immer beim Traditionellen geblieben. Ich kann mit der abstrakten Kunst nicht viel anfangen, weil sie mir zu wenig sagt. Ich komme mit dem Modernen einfach nicht zurecht”, sagt er. Ihm geht es um das Handwerk, aber auch um andere Werte, die im “Bereich Kunst” zu finden sind. Und das hat ihm immer Halt und Sicherheit gegeben – bis heute.

Der Kaandlwool.

  • Dachzeile: Impressionen
    von Gianni Bodini

Laut der Geschichtsbücher gab es eine Steinzeit, eine Bronzezeit, eine Eisenzeit,... Aber von Holzzeit ist nie die Rede.
Dieses wunderbare Holzensemble beim Greithof spricht eindeutig dafür.

Foto und Text: Gianni Bodini - www.fotobybodini.it

Der Klimaplan Vinschgau - Reduktion der CO²-Emissionen bis 2030 um 55 %

  • Dachzeile: Natur & Landschaft
  • Redakteur: Wolfgang Platter, am Tag der Hlg. Notburga von Rattenberg, 13. September 2025

Am 31. Juli d. J. hat der Bezirksrat unserer Bezirksgemeinschaft Vinschgau mit seinem Beschluss Nr. 31 den Klimaplan Vinschgau 2020-2030 einstimmig genehmigt. Mit diesem Beschluss übernimmt der Bezirksrat für die 13 Vinschgauer Gemeinden von Graun bis Schnals die Ausrichtung und die Ziele des „Klimaplanes Südtirol 2040“, welchen unsere Südtiroler Landesregierung mit ihrem Beschluss Nr. 606 am 30. August 2022 genehmigt hat. Der Beschluss der Landesregierung legt ehrgeizige, weil notwendige Klimaziele fest: Klimaneutralität bis 2040. Die EU strebt an, bis 2050 klimaneutral zu sein. Klimaneutral bedeutet, nicht mehr Treibhausgase auszustoßen, als wieder gebunden werden können. Die ist das langfristige Ziel des europäischen Green Deals und wird durch das Europäische Klimagesetz von 2021/1119 festgelegt.

Vorgabe Paris 2015
Und der Klimaplan Vinschgau ist vor dem Hintergrund, die Erderwärmung auf möglichst 1,5° C einzugrenzen (so die Vorgabe der Klimakonferenz Paris 2015), nicht weniger fordernd: Von 3,1 Tonnen CO²-Emission pro Person im Jahr 2022 sollen wir im nahen Jahr 2030 um 55 % herunterkommen auf 1,4 t/P. Dies wird nur gelingen, wenn jede und jeder von uns in Lebensstil, Konsumverhalten und Mobilität ihren/seinen Beitrag leistet und die Verantwortung nicht auf andere verschiebt.
Mein heutiger Zeitungsbeitrag will erste Teile des Vinschgauer Klimaplanes erschließen und damit aufklärende Information übermitteln.

Die Bezirksgemeinschaft koordiniert
Die Bezirksgemeinschaft Vinschgau hat das Vorhaben „Klimaplan Vinschgau“ für die Gemeinden ihres Einzugsgebietes koordiniert. Der Auftrag zu dessen Erarbeitung ist an das Ökoinstitut Südtirol in Bozen mit der technischen Unterstützung des Projektteams von inewa ergangen. Die Kosten für die Erstellung des Dokumentes werden zu 80 % vom Amt vom Amt für Energie und Klimaschutz der Autonomen Provinz Bozen übernommen. Der derzeitige Leiter des Klimateams in der Bezirksgemeinschaft Vinschgau ist deren Vizepräsident Josef Thurner, Bürgermeister der Gemeinde Mals. Stand Anfang September 2025 haben 5 der 13 Vinschgauer Gemeinden einen vom Gemeinderat genehmigten Klimaplan für ihre eigene Gemeinde.

Methode
In Übereinstimmung mit dem „Klimaplan Südtirol 2040“ wurde der Klimaplan Vinschgau nach der SECAP-Methode erarbeitet. SECAP steht für „Sustainable Energy and Climate Action Plan“ und entspricht einem Leitfaden für die Entwicklung eines Aktionsplanes für nachhaltige Energie und Klimaschutz. SECAP ist ein europaweit anerkanntes Modell für die strategische Planung der Klima- und Energiepolitik von Gemeinden. Die Methode wurde von der gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission JRC (Joint Research Center) erarbeitet.

Struktur, Umfang und Ziele
In seinem Umfang ist der „Klimaplan Vinschgau“ ein Dokument von insgesamt 110 Seiten, davon 64 Textseiten mit Tabellen und Graphiken und 46 Seiten in Form von 9 Anlagen und gemeinde-spezifischen Tabellen.
Aufbauend auf entsprechende Erhebungen aus den Jahren 1990, 2000, 2010 und 2022, definiert der Klimaplan Vinschgau im Wesentlichen die Ziele und Maßnahmen in folgenden Klimaschutzbereichen:
• Reduzierung der Energieverbrauche in den öffentlichen Gebäuden und Anlagen;
• Senkung der CO²-Emissionen im gesamten Gebiet der Bezirksgemeinschaft Vinschgau;
• Erhöhung der Nutzung erneuerbarer Energieträger im gesamten Gebiet der Bezirksgemeinschaft;
• Klimaneutralität im Allgemeinen zu erreichen.
In seiner inhaltlichen Struktur umfasst der Klimaplan Vinschgau die 2 Aktionspläne:
• Klimaschutz/Nachhaltige Energie 2020-2030 mit 5 Kapiteln und
• Anpassung an den Klimawandel 2020-2030 mit 2 Kapiteln zu einer Risikobewertung und einer Analyse der Verwundbarkeit des Gebietes und dem Vorschlag eines Monitorings alle vier Jahre.

Verbrauchs- und Emissionsinventar
Ein seriöser Klimaplan basiert auf einer soliden Kenntnis der spezifischen lokalen Ausgangssituation zu Energieverbrauch und der Emission von Treibhausgasen. Die SECAP-Methodik unterscheidet zwischen dem Basis-Emissionsinventar (BEI) und dem Monitoring-Emissionsinventar (MEI). Das Basis-Emissionsinventar dient als Referenzszenario. Im vorliegenden
Vinschgauer Klimaplan dienen die Daten aus dem Jahr 1990 als Basis-Emissionsinventar. Und hier liegt eine erste Vergröberung: Auf der Ebene der einzelnen Gemeinden gibt es vor 2022 kaum detaillierte und vollständige Daten zu den verschiedenen Energiebedarfs-Bereichen. Deshalb muss sich der Klimaplan Vinschgau mit Hilfe indirekter Rückschluss- oder Regressionsmethoden der verfügbaren Daten bedienen, die sich auf den von der Europäischen Umweltagentur veröffentlichten Emissions- und Verbrauchertrends im Zeitraum 1990-2022 stützen, im Besonderen für die Länder Österreich und Italien. Für das Jahr 2022 sind die Daten Südtirol-spezifisch verfügbar. Diese Daten aus dem Jahr 2022 dienen daher im vorliegenden Plan als erstes Monitoring-Emissionsinventar (MEI). Und in Übereinstimmung mit den Leitlinien der Provinz bildet das Emissionsinventar 2022 daher die Grundlage für die im Plan enthaltenden Berechnungen der Reduktionsszenarien 2030.

Die Energiebilanz im Jahr 2022
Betrachten wir jetzt den Endenergieverbrauch im Vinschgau nach Energieträgern, so wurde die aufzubringende Energie im Jahr 2022 aus den folgenden Energieträgern gewonnen:

s55 tab1

MWh = Megawattstunden

Der durchschnittliche Energieverbrauch einer Vinschgerin oder eines Vinschgers betrug im Jahr 2022 17,1 Megawattstunden.

Der Energieverbrauch 2022 nach Bereichen
Wenn man den Endenergieverbrauch 2022 im Vinschgau hingegen nach Bereichen aufschlüsselt, so ergibt sich das folgende Bild:

s55 tab2

Aus der 2. Tabelle ist zu erkennen, dass wir bisher in vier Bereichen den großen Energiebedarf haben: im Dienstleistungsbereich, im Beheizen unserer Wohnungen, in den gewerblichen Arbeitsprozessen und in der privaten Mobilität.

Das 2030-Szenario: Senkung und Dekarbonisierung
Der Klimaplan Vinschgau sieht vor, dass wir unseren Energieverbrauch bis in das Jahr 2030 um 17 % gegenüber 2022 verringern und unsere CO²-Emissionen um 55% immer im Vergleich zum Jahr 2022 reduzieren. Dies ist ein forderndes Ziel.

Die Entwicklung des Energieverbrauches und die verursachten CO²-Emissionen im Zeitraum der 40 Jahre von 1990 bis 2030 lassen sich in der untenstehenden Tabelle zusammenfassen:

s55 tab3Das Zusammenlesen der beiden obigen Tabellen lehrt, dass neben Verbesserungen zur Energieeffizienz an Gebäuden vor allem auch Verminderungen der CO²-Emissionen möglich sind, wenn wir unser Mobilitätsverhalten ändern und verstärkt auf die Öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen. Dazu haben wir als Vinschger in der Vergangenheit zwei richtige Eckpfeiler gesetzt: seinerzeit den Protest gegen den Bau der Schnellstraße Ulm -Mailand durch unser Tal. Denn, wer Straßen baut, wird Verkehr ernten. Und dann das erfolgreiche Bestehen zur Sanierung und Wiederinbetriebnahme der Bahnlinie Meran – Mals. Die derzeitige Elektrifizierung der Bahnlinie ist zukunftsweisend für eine staufreie und emissionsarme Mobilität. Dank dafür an die Landesregierungen unter Landeshauptmann Luis Durnwalder und Landeshauptmann Arno Kompatscher.

Der Landesnaturpark Texelgruppe - Sonderausstellung Schmetterlinge in Naturns

  • Dachzeile: Natur & Landschaft
  • Redakteur: Wolfgang Platter, am Tag des Hlg. Karl Borromäus, 4. November 2025
  • Weitere Fotos - 1: Es ist natürlich ein Zufall, dass die Umrisskarte des Naturparks Texelgruppe eine Schmetterlingsform aufweist. Aus dem Wandbild kann man die jeweiligen Prozentanteile der acht Gemeinden an der Fläche des Naturparkes ablesen. Foto: Annamaria Gapp
  • Weitere Fotos - 2: Der Admiral ist ein Wanderfalter, der jedes Jahr aus dem Süden nach Mittel- und Nordeuropa einfliegt. In der modernen Schmetterlingsforschung werden die Wanderrouten genau rekonstruiert: Das deutsche ICARUS-Projekt stattet Schmetterlinge mit winzigen Radiosendern am Körper aus, um ihre Position über Satelliten zu bestimmen.
  • Weitere Fotos - 3: Eine Innenansicht des Naturparkhauses mit der Themenwand „Wasser“ und Ausschnitten zum Lebensraum „Wald“.
  • Weitere Fotos - 4: Historischer Sammelkasten von Bernhardin Astfäller mit einheimischen und exotischen Schmetterlingen

Der Naturpark Texelgruppe ist mit 33.430 Hektaren der größte der sieben Südtiroler Landesnaturparke. Er wurde im Jahr 1976 ausgewiesen und kann somit im kommenden Jahr 2026 sein 50-Jahr-Jubiläum begehen. Seit Juni 2023 gibt es am westlichen Dorfausgang von Naturns den Bernhardin Astfäller-Platz und seit März 2024 ist auf diesem Platz das neue und attraktive Besucherzentrum zum Naturpark Texelgruppe für Interessierte zugänglich. Bernhardin Astfäller war ein Lehrer und Schmetterlingsforscher (1879-1964), der in Naturns wirkte und begraben liegt. Astfäller hat 1925 im Schnalstal einen Nachtfalter der Gattung Antitype aus der Familie der Eulen gefunden und beschrieben, der in der Folge von verschiedenen Schmetterlingsexperten als eigene Art oder als Unterart mit Antitype suda astfaelleri nach ihm benannt wurde. Grund genug, dem Schmetterlingsforscher Bernhardin Astfäller im Naturnser Naturparkhaus die derzeitige Sonderausstellung zu den Schmetterlingen zu widmen und eine Sonderwand Bernhardin Astfäller einzurichten.

Der Naturpark Texelgruppe
Der Naturpark Texelgruppe umfasst die ausgedehnte Hochgebirgslandschaft nordwestlich von Meran in ihrer großen Höhenamplitude von 525 Metern über dem Meer bei Rabland bis 3.337 m am Roteck. Im Westen wird der Naturpark Texelgruppe vom Schnalstal, im Osten vom Passeiertal begrenzt, im Norden vom Alpenhauptkamm der Ötztaler Berge und im Süden vom Vinschgauer Sonnenberg. Die acht Gemeinden Schnals, Naturns, Partschins, Algund, Tirol, Riffian, St. Martin in Passeier und Moos in Passeier haben Flächenanteile am Naturpark. Wegen seiner großen Höhenamplitude beherbergt der Naturpark Texelgruppe nicht nur die höchstgelegenen, dauerbewirtschafteten Bergbauernhöfe als wertvolle Elemente der alpinen Kulturlandschaft mit unterschiedlichen Nutzungsformen vom Weinbau bis zur Schafhaltung, sondern auch Floren- und Faunen-Elemente vom submediterranen Einschlag bis zu den Überlebenskünstlern der Nivalstufe im Gletschervorfeld.

Geologie
Geographisch gehört der Naturpark Texelgruppe zu den Zentralalpen. Geologisch wird er von verschiedenen Umwandlungsgesteinen gebildet. Der Ursprung dieser metamorphen Gesteine geht auf ältere Ablagerungsgesteine aus dem Erdaltertum (von etwa 580 Millionen Jahren zurück. Eines dieser Gesteine wird als „Ötztaler Kristallin“ bezeichnet. Es baut den Hauptkamm nördlich von Karthaus bis zum Pfossentaler Eishof ostwärts auf. Das „Stubaier Kristallin“ bildet hingegen die Umgebung des Timmelsjoches. Hauptgesteinsarten in diesen Gebirgsbereichen sind Gneise, Granatglimmerschiefer, Quarzite und Marmor. Südlich der Linie Karthaus – Lodnerhütte – Pfelders erstreckt sich die „Zone der Alten Gneise“. In ihr dominieren rostrote Phyllite und Schiefer, sowie hellere Granitgneise und gelegentlich dunkle Amphibolitstöcke. Vom Tschigat (3.000 m) bis zur Mündung des Schnalstals ragt ein mächtiges, teilweise vergneistes Biotitgranitlager hervor, das als „Tschigat-Granitgneis“ bezeichnet wird. Der Schneebergzug schiebt sich, von Sterzing kommend, über den Grenzbereich zwischen dem Ötztaler Kristallin und der Zone der Alten Gneise. Dieser Schneebergzug baut nördlich von Pfelders den Gurgler Hauptkamm (mit der Hohen Wilde, 3482 m) bis oberhalb des Eishofes auf und keilt im Süden des Lodners (3.219 m) aus. Seine Hauptbestandteile sind die mineralreichen Biotitglimmerschiefer. Als Gesteinsbausteine wurden an die 70 Mineralien nachgewiesen. Dunkelrote Granate sind etwa namensgebend für den Granatkogel im Seebertal. Am Rande des Schneebergzuges stehen helle Marmorblöcke und Kalkphyllite im Kontrast zu dunklen Schiefern, wie sie an der Nordflanke des Pfelderer Tales, an der Hohen Weißen und am Lodner zu sehen sind.

Wasser und Eis
Gletscher haben auch die Landschaft der Texelgruppe geformt. Im Jahr 2022 gab es im Naturpark Texelgruppe 47 Eisfelder. Sie bedeckten mehr als 900 Hektar und damit knapp 3% der Parkfläche. Mit fast 190 Hektar (2022) ist der Similaungletscher in der Nordwest-Ecke des Parkes der größte Gletscher. An seiner Ostflanke ist 1991 der Ötzi ausgeeist.
Die zahlreichen Seen der Texelgruppe verdanken ihre Entstehung den Gletschern. Das Gletschereis hat Felsbecken ausgeschürft. Die Kare wurden durch Moränen abgeriegelt. Am bekanntesten ist die Spronser Seenplatte mit zehn Seen unterschiedlicher Färbung in einer Höhe zwischen 2.117 und 2.589 Metern im südöstlichen Teil des Naturparkes. Der größte der Spronser Seen ist der Langsee auf 2.384 m mit 20,05 ha Fläche.
Auf die Flora und Fauna der Texelgruppe kann ich aus Platzgründen in dieser Zeitungsnummer nicht eingehen. Davon ein anderes Mal.

Der Meraner Höhenweg
Eine Besonderheit im Naturpark Texelgruppe ist der Meraner Höhenweg. Er umrundet die Texelgruppe auf einer Länge von etwa 120 Kilometern. In den Alpen gibt es zahlreiche Fernwanderwege, doch seltener Rundwanderwege. In den Meraner Höhenweg kann an jedem beliebigen Punkt eingestiegen werden. In 5-6 Tagestouren kann die Umrundung des Naturschutzgebietes bewältigt werden. Dabei führt der Weg von den Intensivkulturen der Talsohle über die Almen bis zu den schnee- und eisbedeckten Dreitausendern.

In memoriam Bernhardin Astfäller
Die Geschwister Martin und Irmgard Kristanell haben als seine verwandtschaftlichen Nachfahren dem Naturparkhaus Texelgruppe Naturns dokumentarisch wertvolle historische Schaukästen von Bernhardin Astfäller für eine derzeit laufende Sonderausstellung „bye bye butterlfly“ zur Verfügung gestellt. Der Vinschgauer Sonnenberg mit seinen verschiedenen Mosaiken von Lebensräumen, Futterpflanzen, Höhenbereichen und extensiven Nutzungen war ein artenreiches Schmetterlingsbiotop und das Forschungsgebiet des Naturnser Lehrers. Die Untersuchungen der Innsbrucker Schmetterlingsforscher Peter Huemer und Gerhard Tarmann in unserer Jetztzeit belegen, dass Abtrift und Aerosole die Artenfülle der Schmetterlinge schmälern.

Ausgeflattert?
Klaus Hellriegl gibt in der „Roten Liste gefährdeter Tierarten Südtirols“ (Herausgeber Abteilung für Landschafts- und Naturschutz der Autonomen Provinz Bozen/Südtirol, 1994) 3.200 in Südtirol nachgewiesene Arten von Schmetterlinge an. Den Begleittexten und Schaubildern im Naturnser Naturparkhaus ist zu entnehmen, dass davon 185 Arten zu den Tagfaltern gehören. 39,5 % der Arten sind gefährdet oder nahe gefährdet. Elf Arten werden als ausgestorben geführt. Die intensivere Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen genutzten Kulturflächen vermindert die Anzahl der Futterpflanzen für die Raupen als Fressstadium in der Metamorphose der Schmetterlinge. Der Verlust von Individuen und Arten bedeutet das Verschwinden der genetischen Informationen von hunderten Millionen Jahren.
Jetzt im Herbst bleibt das Naturparkhaus Texelgruppe in Naturns noch bis einschließlich Samstag, 29. November geöffnet. Im Frühjahr öffnet es wieder am Dienstag, 3. Mai 2026.

Der neue Vereinssaal Goldrain

  • Vorspann: Der neue Vereinssaal Goldrain präsentiert sich als multifunktioneller Raum und ist als solcher ein lebendiger Begegnungsort. Einerseits. Zum anderen ist er ein Vorzeige-projekt für den starken Zusammenhalt und die gelebte Gemeinschaft der Goldrainer Vereine.
  • Dachzeile: Bauplatz

Text: Angelika Ploner I Fotos: Kordula Hell, Angelika Ploner

Die erste Hochzeit hat im neuen Goldrainer Vereinssaal bereits stattgefunden. Im September steht die nächste Hochzeitsfeier an und auch für das nächste Jahr ist der Vereinssaal gut gebucht. In Kombination mit dem schönen grünen Außenbereich bietet sich der neue Saal dafür trefflich an. Doch auch andere Veranstaltungen gingen im neuen Mehrzwecksaal bereits über die Bühne. Will heißen: Der neue Vereinssaal Goldrain ist ein lebendiger Begegnungsort.
Gleichzeitig hat Goldrain mit dem Bau Gemeinschaft gezeigt. Das neue Vereinshaus ist ein Vorzeigeprojekt und steht für gelebten Zusammenhalt der nicht weniger als 19 Vereine in Goldrain. Zusammen bilden sie den Verband der Vereine, deren Obmann Josef Tscholl und deren Vizeobmann Harald Plörer sind. Für die Goldrainer Vereine das Beste herauszuholen, stand beim Neubau des Vereinssaales ganz oben. Es war ein Herzensprojekt, bei dem die Goldrainer zusammengestanden sind und es viele tatkräftige und helfende Hände gegeben hat. Doch der Reihe nach.

Wichtig war den Vereinen, dass der neue Vereinssaal als multifunktionaler Raum den verschiedenen Bedürfnissen gerecht wird, „ob das nun Seniorenturnen, ein Konzert der Musikkapelle, eine Faschingsfeier usw. ist“, sagt Obmann Josef Tscholl auf Nachfrage zum Vinschgerwind.
Konstruktiv wurde mit der beauftragten Architektin Kordula Hell nach den besten Lösungen gesucht. „Ich habe mich auf wenige Materialien und geradlinige, schlichte Formen beschränkt, weil das mein Stil ist und ich auch Platz lassen wollte für die Vorstellungen der Leute, die den Saal schlussendlich nutzen.“ Viel Platz wurde demnach für die Ideen und Wünsche der Goldrainer eingeräumt und viel Platz bietet nun auch der neue Vereinssaal, der beim Schießstand Goldrain angebaut ist. „Die Entwurfsidee war das ganze Sammelsurium (innen und außen) aufzuräumen, klare Linien zu schaffen, Licht in den Saal zu bringen, auch mit wenig Tageslicht einen hellen, luftigen Raum zu schaffen und die unterschiedlichen Nutzungen unter einen Hut zu bringen“, sagt Kordula Hell zum Vinschgerwind. Aus dem düster und erdrückend wirkenden Raum wurde ein hoher, heller, großzügiger und einladender Raum.

Außen blieb das Erscheinungsbild fast unangetastet. Pflastersteine zieren den Vorplatz und halten den Außenbereich gestalterisch minimalistisch. Das Dach wurde etwas angehoben und südseitig ein großzügiges Tür- und Fensterband eingezogen. Das Eingangsfoyer schmücken zwei Fotografien eines alten Goldrainer Dorfbildes, die mit indirektem Licht in die Wand integriert wurden - ein Blickfang und eine Idee von Referentin Maria Kuppelwieser.
Im Inneren dominiert Holz und hat seinen Auftritt in Böden und wandseitigen Holzlamellen. Diese sorgen nicht nur für eine gute Akustik, sondern auch für eine einladende Atmosphäre, eine elegante Raumstimmung - und für eine Art Gliederung des großen Saals.
Dass der neue Saal eine gute Akustik haben muss, war das zweite Anliegen der Vereine. „Da haben wir uns sehr bemüht, um die eierlegende Wollmilchsau hinzukriegen“, sagt Kordula Hell. Die Decke, eine Akustikdecke in Gips mit integrierten Lichtbändern und geschlossenen und offenen Lochfeldern und die wandseitigen Holzlamellen ergänzen sich perfekt.
Für die Akustik wurden zusätzlich die Planer Christine Niederstätter und Giovanni Disegna vom Studio Archacustica beauftragt.
Zum Dritten sollten die Durchreichen für Küche und Bar erhalten bleiben und ein Lagerraum geschaffen werden. Beides ist gelungen. Ein großzügiger Lagerraum bereichert den neuen Vereinssaal mit reichlich Platz, um Stühle, Tische und Sonstiges zu verstauen.
„Für die Durchreichen haben wir lange getüftelt“, sagt Architektin Kordula Hell, „der Zimmermann war da wirklich erfindungsreich und hat sich große Mühe gegeben.“ Das Ergebnis sind Verblender, die Teil der Holzlamellenwand sind und die – bei Bedarf – wie ein Deckel entfernt werden können, kurzum die Durchreichen sind in der Holzlamellenwand versteckt. „Das ist wirklich eine wunderbare Lösung“, loben Plörer und Tscholl. Auch andere Installationen verstecken sich hier hinter der Wand. Und: Auch die Tür zum Lagerraum ist Teil der Wand.

Dass das Ergebnis ein überaus gelungenes ist, ist der Verdienst einer fruchtbaren Zusammenarbeit aller am Bau Beteiligten. Man fühlt sich auf Anhieb wohl im neuen Goldrainer Vereinssaal. Wohl und Willkommen.

Die Idee für ein neues Vereinshaus ist schon fast 20 Jahre alt. Dort, wo heute der neue Vereinssaal seinen Platz einnimmt, stand ursprünglich der ganz alte Schießstand, der Ende der 50er Jahre von den Sportschützen und der Freiwilligen Feuerwehr Goldrain gebaut worden war. Der Zubau Ende der 70er Jahre beherbergte eine Luftschießgewehrhalle und – Golden Dancing, eine Disko, in der jeden Samstag das Tanzbein geschwungen wurde. 1986/87 wurde ein Bühnenportal von den Goldrainer Vereinen dazugebaut. Geld war nie eines da, um einen neuen Vereinssaal zu bauen. Die Goldrainer Vereine wurden stets vertröstet. 2008/2009 wuchsen unter der Ära Karl Weiss mit ersten Planungen und Gesprächen, die mit den Vereinen geführt wurden, die Hoffnungen auf einen neuen Vereinssaal. Viele Sitzungen folgten. Den entscheidenden Durchbruch brachte aber erst ein von Plörer (selbst GR) und den weiteren Goldrainer Gemeinderäten eingebrachter Beschlussantrag 2016/2017. Dieser wurde einstimmig angenommen – auch weil alle Goldrainer Vereinsleute mit ihrer Anwesenheit im Sitzungssaal auf die Dringlichkeit aufmerksam machten. Unter BM Mauro Dalla Barba nahm das Projekt dann Fahrt auf. Architektin Kordula Hell wurde 2018 mit einem Vorprojekt beauftragt. Aus der ursprünglich geplanten energetischen Sanierung und Anpassung an die Brandschutzbestimmungen wurde ein Projekt für den Neubau des Saals. Vor zwei Jahren haben die Bauarbeiten begonnen, vor kurzem konnte alles fertig gestellt werden. Ca. 950.000 Euro erhielt man an Landesförderung, ca. 1,3 Millionen hat der Bau insgesamt gekostet. Eine wertvolle Stütze war die Raiffeisenkasse Latsch, die die Tische und Stühle im Wert von ca. 104.000 Euro gesponsert hat. Ein großzügiges Zeichen, das die Goldrainer Vereine sehr zu schätzen wussten und den Dank mit der Benennung des Saals in „Raiffeisensaal“ zum Ausdruck brachten. „Wir sind wirklich sehr dankbar für diese großzügige Unterstützung“, betonen Obmann Tscholl und Vizeobmann Plörer. In Zukunft die Bühne technisch auf die heutigen Erfordernisse zu bringen, „das wäre noch mein Ziel“, sagt Tscholl. Alle sind stolz auf den neuen Vereinssaal. „Das Wichtigste ist, dass die Goldrainer Bürger und Vereine wieder einen Saal haben, wo Begegnung stattfinden kann“, sagen BM Mauro Dalla Barba und Referentin Maria Kuppelwieser unisono „ob ein Tanzabend, ein Theater, ein Kinderturnen: Das neue Vereinshaus soll für alle funktionieren.“ Und das tut es. Unda auch Synergieeffekte mit dem Bildungshaus Schloss Goldrain sind möglich.

Der Radiopionier Rudi Lösch ist 80

  • Vorspann: Rudolf Lösch wurde am 28.02.1946 in Eberhardzell in Deutschland geboren. Sein Vater, Martin Lösch aus Ulten, hat bei seinem Militäraufenthalt in Deutschland seine zukünftige Frau, Paula Natter, kennengelernt. In Morter im Vinschgau haben sich die beiden, Stein für Stein, ihr eigenes Zuhause aufgebaut. Dort wuchs der zukünftige Radio- und Fernsehpionier behütet auf.
  • Dachzeile: Portrait
  • Redakteur: Astrid Fleischmann

Als Rudi drei Jahre alt war, zogen seine Eltern mit ihm und seiner zwei Jahre jüngeren Schwester Emilie nach Morter. Dort erlebte Rudi seine Kindheit. Als er seine erste elektrische Eisenbahn geschenkt bekam, hat es bei ihm gefunkt. Fasziniert von der Elektrik, bastelte er voller Leidenschaft an seiner Eisenbahn herum. Die Experimente seiner Kindheit waren facettenreich, wenn auch nicht immer ganz ungefährlich. Diese Experimentierfreude ließ ihn nicht mehr los. Fest entschlossen hat er seine Leidenschaft zum Beruf gemacht.
1960 absolvierte er im „Licht- und Radiohaus Hans Haasis“ in Ebingen, Deutschland, seine Ausbildung zum Radio- und Fernsehtechniker. „I bin in meine Eltern donkbor, dass i de Möglichkeit kop hon.“
Mit technischem Feingefühl und unternehmerischem Mut schrieb Rudolf Lösch mehr als nur Radiogeschichte.
1963, zurück in Morter, hat der frischgebackene Radio- und Fernsehtechniker Sendemasten für Sendemasten „…s’gonze Tol vernetzt.“, wie er mir schmunzelnd berichtet. Im Vinschgau war damals Funkstille. „Wenn i oungfongen hon, isch no kuan Fernsehn gwesen in Tol“, betont Rudolf Lösch. Es gab weder deutschsprachiges Fernsehen noch Radio. Für den jungen wissbegierigen Mann war dies eine Spielwiese, auf der er sich austoben konnte. Sein unaufhaltsamer Pioniergeist war geweckt.
Wer den Film „TVS Pioniere des Fernsehens“ gesehen hat, erinnert sich sicher an jenen Mann, der mit seinem Werkzeug in schwindelerregender Höhe am Sendemasten hing. Das war Rudi. „In TVS hon i a mit aufgebaut.“ erinnert er sich. Es war der Verdienst des begeisterten Antennenbauers, dass im Vinschgau die Funkverbindung für Radio und TV funktionierte. „In Longtaufers hon i vier Umsetzer gebraucht, und in Graun a wieder viere, damit der Empfong endlich passt hot.“ Mit unermüdlichem Einsatz hat Rudolf Lösch ein wichtiges Fundament für das Privatfernsehen im Tal geschaffen.
Mit 21 Jahren gründete er seinen eigenen Betrieb. In seiner Werkstatt in Schlanders hat er unzählige Röhrenfernsehgeräte und Röhrenradios zusammengebaut mit Einzelteilen, die er damals aus Deutschland importiert hat. Er führte Reparaturen durch, eröffnete Zweigstellen in Mals und Naturns und bildete viele Lehrlinge aus. Bald schon war der kompetente Radio- und Fernsehtechniker im ganzen Tal und darüber hinaus bekannt. Das hatte Folgen. Am Heiligabend kam er immer erst spät nach Hause, weil er noch Fernseher auslieferte. „Der Tata wor s‘Christkindl für’s gonze Tol.“ erinnern sich seine Kinder.
In den späten 70er Jahren startete Rudi mit Gleichgesinnten sein Radioprojekt. Das war die Geburtsstunde des Privatsenders Radio Vinschgau. Der Radiosender wurde bald zum wichtigen Begleiter der Vinschger, ein Sprachrohr für Private sowie für die Wirtschaftstreibenden im Tal. „Funksignale hon i gschickt bis noch Longtaufers.“, lacht mein Gegenüber spitzbübisch. Wenn Sender im Land ausfielen, startete Rudi los, um die Funkverbindung wiederherzustellen. „In schneareiche Winter bin i grod a poor Mol a mit die Ski zu die Sender ai.“ Rudolf Lösch war immer auf der Suche nach dem besten Empfang.
Es gab noch mehr in seinem Leben außer Technik und Elektrizität. Bei einer Schneeballschlacht lernte er die Schludernserin Rosa Kaserer kennen. 1968 wurde geheiratet. Ihre vier Kinder Roman, Elke, Harald und Daniela wuchsen mit Technik und Funkgeräten auf.
2017 war ein gesundheitlich einschneidendes Jahr für Rudi. Dank der liebevollen Unterstützung seiner Frau Rosa und seiner Kämpfernatur kam er wieder auf die Beine.
Teleradio Vinschgau war bis 2018 on air. Dann wurde der Sender verkauft und eine Radio-Ära ging aus Gesundheitsgründen zu Ende.
Am 28.02.2026 wurde Rudolf Lösch 80 Jahre alt. Sein größtes Hobby ist für ihn bis heute das Amateurfunken. Mit seinen selbstgebastelten Funkgeräten und Antennen war er schon lange vor der Internetzeit weltweit vernetzt. Heute ist das Wohnzimmer seine große technische Spielwiese. Dort holt sich „IN3LWR“, so Rudis Funkname, bis heute die Welt ins Haus. „Viele Amateurfunker gib‘s nimmer im Vinschgau,“ erzählt er. Wenn seine Funkkollegen Toni und Oskar ihn besuchen, sitzen die drei gemeinsam vor den Geräten. „Nocher werd ordentlich gfunkt.“ lacht Rudi.
Schaltpläne, Antennen, Sender und Empfänger, Umsetzer … für den talbekannten Pionier Rudolf Lösch die einfachste Materie der Welt. Seine größte Gabe aber ist es, zufrieden und geduldig zu sein.

Der Tartscher Bichl - Siedlungsgeschichte und Ökologie

  • Dachzeile: Natur & Landschaft
  • Redakteur: Wolfgang Platter, am Tag des Hlg. Gallus, 16. Oktober 2025
  • Weitere Fotos - 1: Ausblick vomTartscher Bichl auf das herbstliche Glurns und den Schuttkegel von St. Martin
  • Weitere Fotos - 2: Der Echte Wermut schützt sich durch  Bitterstoffe vor dem Verbiss durch  Wild- und Weidetiere
  • Weitere Fotos - 3: Die trockenresistente Königskerze besiedelt mit mehreren Arten die Trockenrasen. Li. die Schwarze Königskerze, re. die Großblütige Königskerze
  • Weitere Fotos - 4: Trockenrasen am Tartscher Bichl mit Ausblick auf Mals, das Kloster Marienberg und die Fürstenburg bei Burgeis

Der Tartscher Bichl ist ein markanter Felsbuckel mitten im Obervinschgau, wo das Münstertal und das Matschertal als Seitentäler in das Haupttal einmünden. Der Felssporn aus Glimmerschiefer trägt die romanische Kirche zum St. Veit. Zur Kirchen-, Kultur- und Kunstgeschichte dieses Gotteshauses gibt es gewichtigere Experten. Ich möchte in meinem heutigen Beitrag auf die besiedlungsgeschichtliche und ökologische Bedeutung dieses Ortes eingehen.

Siedlungsgeschichte
Hügelkuppen wie der Tartscher Bichl sind nach der letzten Eiszeit als harte Gesteinskerne übriggeblieben aus der Hobelwirkung der Gletscher im Vinschgauer Haupttal am Zusammenfluss mit den Gletscherzungen aus den Seitentälern. Die letzte Auseisung nach vier Eiszeiten in den Alpen ist zeitlich zwischen 15.000 und 12.000 vor Christi Geburt anzusetzen. Solche erhobenen Stellen haben sich gegenüber dem sumpfigen, überschwemmungsgefährdeten und mückenverseuchten Umland als erstes Siedlungsgebiet für die frühen Siedler in den Alpentälern geradezu angeboten.
In seinem Vortrag zur frühen Siedlungsgeschichte im oberen und mittleren Vinschgau hat der Stubaier Ur- und Frühgeschichtler Paul Gleirscher beim wissenschaftlichen Symposium des Südtiroler Kulturinstitutes im Bildungshaus Schloss Goldrain vom 27.-30. Juni 1991 zum Beginn sesshafter Besiedlung unseres Tales unter anderem ausgeführt, dass für die mittelsteinzeitliche Jägerphase (ca. 8.000-4.500 v. Chr.) Spuren im Vinschgau noch sehr spärlich sind. Für die Jungsteinzeit (ab 4.500 v. Chr.) gibt Paul Gleirscher den Tartscher Bichl als den Ort mit den ältesten Siedlungsspuren an, wobei diese Spuren noch nicht auf Ackerbau und Viehzucht hinweisen. Paul Gleirscher zitiert zur Auswahl von Siedlungsplätzen auch den im heurigen Jahr verstorbenen Südtiroler Archäologen Reimo Lunz (1943-2025). Reimo Lunz meinte: „In der Vorzeit hingegen war die unmittelbare Nähe zu einem Wasserlauf nicht unbedingt ausschlaggebend für die Wahl des Siedlungsplatzes; hier waren meist die sichere, geschützte Lage, trockener Boden und Sonneneinstrahlung von besonderer Bedeutung.“ Dies hätte sich erst in der römischen Kaiserzeit gewandelt.
Unter den vinschgauer frühgeschichtlichen Siedlungen auf Kuppen bestanden nach Paul Gleirscher einige in ihrer Nutzungsdauer nur während der älteren Bronzezeit (ca. 2.200-1.300 v. Chr.), also zu jener Zeit, in der es wegen des ersten Booms im Kupfererzbau auch zu einem Bevölker-ungszuzug und damit zu einer Siedlungsverdichtung im Alpeninneren kam. An solchen älterbronzezeitlichen Siedlungen sind neben dem Tartscher Bichl für den oberen Vinschgau zu nennen: Kastellaz bei Burgeis auf beachtlichen 1.651 Metern Meereshöhe, weiters Caschlinboden bei Stilfs (1.431 m) und Ganglegg Schluderns. Für die Siedlungen am Tartscher Bichl und am Ganglegg gibt Paul Gleirscher eine durchgehende Nutzungsdauer von 2.200 bis knapp vor Christi Geburt an.

Trockenrasen sind ökologische Kleinode
Trockenrasen sind im Vinschgau als inneralpinem Trockental besonders am sonnexponierten Leitenhang an der orographisch linken Talseite ein noch relativ großflächiges Landschaftselement. Trockenrasen als Teil der Vinschgauer Steppenlandschaft haben sich auch auf dem Tartscher Bichl gebildet. Die Vinschgauer Leitensteppe ist durch Brandrodung des nacheiszeitlichen Waldes entstanden, als der Mensch in seiner noch nomadisierenden Hirtenphase ständig neues Weideland für seine Schafe und Ziegen als erste gezähmte Nutztiere brauchte. Die heute noch bestehenden Trockenrasen sind das Ergebnis Jahrtausende langer Beweidung und Überweidung und der anhaltenden Niederschlagsarmut. Die hohen Berge des Alpenhauptkammes schirmen als großer Regenschirm unser Tal von den Atlantiktiefs ab. Niederschlag gibt es im Vinschgau meist nur, wenn der Unterwind aus dem Golf von Genua regenschwangere Wolken heranfrachtet.
Die Trockenrasen erhalten sich als Pflanzengesellschaft bei extensiver Weidenutzung, ohne dass Dünge- und Spritzmittel zum Einsatz kommen. Als chemiefreie Standorte sind sie wertvolle ökologische Lebensräume und Rückzugsgebiete für faunistische Raritäten, besonders unter den Wirbellosen wie den Insekten. Der Tartscher Bichl wurde unter anderem deswegen als Teil der „Steppenvegetation Tartscher Leiten“ mit dem Beschluss der Südtiroler Landeregierung Nr. 1261 vom 29. August 2011 zum Biotop erklärt. Die gesetzliche Grundlage für diese Ausweisung bildete das Südtiroler Landschaftsschutzgesetz Nr. 16/1970. Der Tartscher Bichl ist auch als Besonderes Schutzgebiet BSG Natura 2000 IT 3110053 gemäß der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union ausgewiesen.

Schmetterlingsforschung
Der Tartscher Bichl ist schmetterlingskundlich gut untersucht. Im Auftrag des Heimatpflegevereines Mals unter seinem damaligen Vorsitzenden, dem leider allzu früh verstorbenen Roland Peer aus Burgeis, hat der Innsbrucker Schmetterlingsexperte Prof. Gerhard Tarmann in einer Projektstudie in den Jahren 2015-18 die Verbreitung des Felsenfalters oder der Berghexe (Chazara briseis) und der Widderchen (Zygenidae) im Gemeindegebiet von Mals untersucht. Der in Mitteleuropa vom Aussterben bedrohte Felsenfalter ist eine Charakterart und eine Ikone der Vinschgauer Steppenhänge. Nach Tarmann kommt die Art nur mehr an wenigen Stellen (z.B. Französische SW-Alpen, Vinschgau, Münstertal) vor. Tarmanns Untersuchung hat ergeben, dass der Felsenfalter im Gemeindegebiet von Mals zahlreiche starke Populationen aufweist. Auch am Tartscher Bichl, wo die gegen die Luftgifte als Areosole besonders empfindlichen Widderchen fehlen, ist der Felsenfalter nach Tarmann häufig und in einer stabilen Population vertreten. Die Raupen der Felsenfalter sind nachtaktiv und fressen, wenn die Luft nachts von den Bergen herunterfließt und keine gifthaltigen Aerosole aufsteigen. Der Felsenfalter braucht trockene, kurzrasige Felsensteppen als Lebensraum. Diese Anforderung ist am Tartscher Bichl gegeben. Damit diese kurzhalmigen Steppenrasen nicht verbuschen, ist die Fortsetzung der extensiven Beweidung am Tartscher Bichl ökologisch sinnvoll.

Der Tod des jungen Bartgeiers Juval - Naturfotografie immer öfter Ursache von Verlusten

  • Dachzeile: Nationalpark Stilfserjoch
  • Redakteur: Wolfgang Platter, am Tag des Hlg. Zeno, 12. April 2026
  • Weitere Fotos - 1: Bartgeier färben sich mit eisenoxidhaltigen Schlämmen das Gefieder ein. Das Auge hat einen orange-roten Skleralring. Foto: Michele Mendi
  • Weitere Fotos - 2: Juveniler Bartgeier. Foto: Renato Grassi

Der Bartgeier ist wegen der aufgegebenen Brutpflege beim Jungvogel des neuen Paares „Juval“ in die Schlagzeilen verschiedener Südtiroler Printmedien gelangt. Ich nehme das Thema nochmals auf. Und vorweg deutlich dazu: Ich bin nicht der Amtsverteidiger des Forstinspektorates Schlanders. Mit Klarheit kann anhand der Datumsabfolge festgestellt werden: Nicht der Hubschrauber-Transportflug, sondern die fehlende Rücksicht eines „Natur-Fotografen“ ist für den Verlust des jungen Bartgeiers aus der Brut 2026 des Paares „Juval“ verantwortlich. Auch im derzeit letzten verfügbaren Jahresbericht der Schweizerischen Stiftung „Pro Bartgeier“ kann man nachlesen, dass unsachgemäße „Natur-Fotografie“ immer öfter die Ursache für Brutverluste von jungen Bartgeiern ist. Daher ergeht auch an dieser Stelle ein Apell an alle „Natur-Fotografen“, bebrütete Horste von Bartgeiern zu meiden und die sensiblen Vögel während ihres Brutgeschäftes nicht Angst und Stress auszusetzen. Und eine Erkenntnis für uns alle: Fotos von brütenden Elternvögeln und Nestlingen aus Naturbruten sollen auch in der Verwendung zur Bebilderung von Textbeiträgen tabu sein. Dies z.B. auch deshalb, weil neben dem Verlust des Juvaler Jungvogels 2026 von den bisher erfassten und bekannten Bartgeier-Paaren „Matsch-Planeil“ und „Laaser Tal“ für 2026 der Verbleib unbekannt ist und Störungen durch Naturfotografen auch für das Verlassen ihrer bisherigen Brutterritorien vermutet werden.

Die alpenweite Situation
Der Jahresbericht 2025 des internationalen Bartgeier Monitorings IBM erfasste für den Alpenraum zum August 2025 116 territoriale Paare von Bartgeiern. Dabei haben 47 Paare erfolgreich gebrütet und ihren Jungvogel bis zu seinem Ausfliegen gebracht. 20 Paaren haben ihre Brut begonnen, aber abgebrochen, bei 27 Paaren ist die Brut 2025 misslungen und 24 Paare haben nicht gebrütet. Der Verlust des Jungvogels bei den ersten Brutversuchen ist an sich nicht sonderlich abnormal. Abnormal ist es aber, wenn der Verlust auf menschliche Neugier, mangelnden Respekt und fehlende Haltung zurückzuführen ist und nicht auf naturgegebene Faktoren wie Nahrungsmangel oder z.B. artfremde Aggression und Attacken durch territoriale Steinadler im Brutgebiet der Bartgeier zurückgeht.

Geburten, Freilassungen und Todfunde
Seit der ersten Naturbrut 1997, elf Jahre nach Beginn des Wiederansiedlungsprojektes 1986 mit den ersten Freilassungen von Bartgeiern aus Zoos, sind in den 38 Jahren bis einschließlich 2025 im Alpenbogen insgesamt 518 Junggeier aus Naturbruten flügge geworden.
Seit Beginn des Wiederansiedlungsprojektes in den Alpen im Jahr 1986 wurden mehr als 260 Jungvögel aus Zoo- und Gehegezuchten freigelassen.
Eine exakte, absolute Gesamtzahl sämtlicher Todfunde seit 1986 ist aus den einzelnen Jahresberichten nur schwer rekonstruierbar. Die Berichte verdeutlichen jedoch, dass die Sterblichkeit – insbesondere durch Kollisionen, Vergiftungen und Abschüsse – ein kritischer Faktor für die Population ist.

Italien und Südtirol
In der Brutsaison 2025 gab es in Italien 28 erfasste Paare von Bartgeiern, 7 davon in Südtirol. Von diesen bisher bekannten 7 Südtiroler Bartgeier-Paaren haben 6 im
Vinschgau und eines in Passeier gebrütet.
Bartgeier werden erst im Alter von 5-7 Jahren geschlechtsreif und fortpflanzungsfähig. Einmal verpaart, gelten sie als monogam, d.h. sie leben in Einehe und lebenslang treu bis einer der beiden Paarpartner stirbt.
Bartgeier sind Winterbrüter, weil im abklingenden Spätwinter das Nahrungsangebot aus Skeletten von Fallwild am höchsten ist.
Bartgeier legen nur zwei Eier je Brut. Das zweite Ei wird dabei erst im Abstand von sieben Tagen nach dem ersten gelegt. Aber die Bartgeier-Henne sitzt vom ersten Ei an fest. Deswegen schlüpft das erste Junge sieben Tage vor dem zweiten, wenn beide Eier befruchtet und erfolgreich bebrütet worden sind. Das ältere und daher schon deutlich größere Junge verdrängt sein kleineres Geschwister von der Fütterung, hackt und attackiert es bis zu seinem Tod. Nach dem biblischen Brudermord von Kain an Abel wird diese arteigene Aggression des Bartgeiers in der Verhaltensforschung als Kainismus bezeichnet.

Der Vinschger Apfel: Fit für die Zukunft

  • Vorspann: Der Apfelanbau ist ein wichtiges Standbein der Landwirtschaft im Vinschgau. Doch die Wünsche und Erwartungen der Apfelkonsumenten verändern sich. Wie reagiert die Vinschger Obstwirtschaft auf die neuen Marktanforderungen?
  • Dachzeile: Spezial-Landwirtschaft
  • Weitere Fotos - 1: envy™ – der erste Apfel auf der Mailänder Fashion Week: ein stilvolles Statement für Genuss und Design.
  • Weitere Fotos - 2: Applepairing: Golden Delicious mit Pecorino Romano und Pinova mit Prosciutto Norcia – traditionelle Genusskombinationen neu inszeniert.
  • Weitere Fotos - 3: Applepairing: Golden Delicious mit Pecorino Romano und Pinova mit Prosciutto Norcia – traditionelle Genusskombinationen neu inszeniert.
  • Weitere Fotos - 4: Vom Baum direkt ins Regal – die Vinschger Bio-Äpfel sind dank BioGraphy lückenlos rückverfolgbar.

Kaum ein anderes Obst begleitet uns so selbstverständlich durch den Alltag wie der Apfel. Er findet sich in fast jeder Obstschale und ist für viele der gesunde Begleiter während der Arbeitspause, beim Wandern oder in der Schule. Die Geschmacksvorlieben, Qualitätsansprüche und Ernährungsgewohnheiten der Konsumenten wandeln sich jedoch mit der Zeit. Das Apfel­sortiment, die Präsentation der Apfelsorten und die Vermarktungsstrategien werden daher von der Vinschger Obstwirtschaft laufend an die aktuellen Marktanforderungen angepasst.

Die Sorten der Zukunft erforschen
Um am Markt wettbewerbsfähig zu bleiben, braucht es vor allem ein vielfältiges Sortiment an Apfelsorten, die den Geschmack der Kunden treffen. Doch zu welchen Apfelsorten greifen sie in der Zukunft? Und welche dieser Sorten eignen sich für den Anbau im Vinschgau? Alpoma Innovation, das ehemalige Sortenerneuerungskonsortium Südtirol, sucht weltweit nach neuen, interessanten Apfel­sorten, um diese für den Anbau unter Südtiroler Bedingungen zu prüfen. Welche interessante Neuzüchtungen aus aller Welt sich für den Anbau in Südtirol eignen, erforscht die Arbeitsgruppe Pomologie am Versuchszentrum Laimburg in enger Abstimmung mit der Südtiroler Obstwirtschaft. Zudem züchtet es eigene Apfelsorten, die die zukünftigen Anforderungen erfüllen. Neben Geschmack, Farbe und Konsistenz spielen dabei auch die Lagerfähigkeit, Ertragsleistung und Produktionsbedingungen eine wichtige Rolle, um den idealen Apfel sowohl für die Konsumenten wie für die Produzenten zu finden.

Markenäpfel: Vom Alltagsobst zum Lifestyle-Produkt
Ein hochwertiger Apfel ist Voraussetzung, doch er muss sich auch erfolgreich verkaufen. Was wir bereits von der Modeindustrie her kennen, hat sich in den letzten Jahren auch beim Apfel durchgesetzt: Exklusive Sorten werden bewusst als Markenäpfel positioniert. Der Vorteil: Markenäpfel betonen die charakteristischen Eigenschaften der jeweiligen Sorte, gelten als Premium-Produkt und stehen für bestimmte Werte und Lebensstile. Neuere Sorten wie Cosmic Crisp® und envy™ wurden gezielt als moderne Lifestyle-Produkte positioniert, die vor allem junge, urbane Konsumenten ansprechen. Cosmic Crisp® wurde zum Star in den angesagtesten Rooftop-Bars von Metropolen wie Rom, Mailand oder Berlin – dort, wo sich kulinarische Trends und urbaner Lifestyle treffen. Envy™ wiederum schreibt Geschichte: Als erster Apfel überhaupt feierte er seinen Auftritt auf der Mailänder Fashion Week und setzt damit ein stilvolles Statement, dass Genuss und Design längst Hand in Hand gehen.

Applepairing: Traditionell Sorten neu inszeniert
Mit kreativen Vermarktungskonzepten wie dem „Applepairing” steigert VIP auch den Appetit auf die klassischen Apfelsorten. Durch die Kombination mit anderen Lebensmitteln werden die Vinschger Äpfel beim Applepairing neu in Szene gesetzt: Die Konsumenten erleben überraschende und gesundheitsfördernde Genusserlebnisse mit dem Apfel, die sie so noch nicht kennen. Dieses Jahr begab sich der Vinschger Apfel auf eine Genussreise durch Italien und traf dabei auf regionaltypische Lieblingsprodukte: der Golden Delicious auf den Pecorino Romano aus dem Latium und der Pinova auf den Prosciutto Norcia aus Umbrien. So wird die Geschichte des Vinschger Apfels neu erzählt – und eröffnet nicht nur frische Perspektiven, sondern gewinnt auch neue Fans und schafft eine stärkere Nähe zu den Konsumentinnen und Konsumenten vor Ort.

BioGraphy: Die Geschichte(n) hinter dem Bio-Apfel
Woher kommt mein Apfel? Wer hat ihn angebaut und geerntet? Verbraucher von heute wollen über die Herkunft und die Produktion ihrer Lebensmittel informiert sein. Mit dem Projekt BioGraphy ermöglicht VIP die lückenlose Rückverfolgbarkeit jedes einzelnen Vinschger Bio-Apfels, vom Regal bis zum Baum. Einfach QR-Code scannen, der sich auf der Verpackung der gekauften Bio-Äpfel befindet – und schon lernt man das Gesicht hinter der Frucht persönlich kennen. Auf dem Online-Portal erzählen die jeweiligen Bio-Bauern über ihre Arbeit in den Obstwiesen, ihre Philosophie und das, was sie bewegt. Dieses authentische Storytelling schafft Transparenz, zeigt den wahren Wert des Apfels auf, gibt verständliche Einblicke in den Bio-Anbau und stärkt die emotionale Bindung zum Produkt und den Menschen dahinter.

Ob Markenäpfel, traditionelle Klassiker oder Bio-Äpfel: Die Vinschger Obstwirtschaft sorgt also mit zahlreichen Maßnahmen, dass der Apfel auch in Zukunft das Lieblingsobst vieler Menschen bleibt. Mit wachem Blick für die kommenden Marktanforderungen und kreativen Ideen, um die Begeisterung für den Apfel immer wieder neu zu entfachen.

Der Wind dem Wein

  • Vorspann: Auf 1.150 Metern über dem Meer gedeihen in Mals, genauer „in die Hoache“, Trauben der Rebsorte Solaris. Wie es dazu kam und was daraus wird, erzählen Stefan und Julia Wallnöfer, ein Vater-Tochter-Gespann. Sie sind das Winzerduo von VinVentum.
  • Dachzeile: Spezial-Landwirtschaft
  • Redakteur: Maria Raffeiner

Ursprünglich pflanzte der Prader Landwirt Stefan Wallnöfer in seinem Grundstück oberhalb von Mals Goji Beeren an, doch ihnen machte die Kirschessigfliege den Garaus. Was nun? Bei Frans Van den Dries in Laatsch verkostete er einen guten Weißen mit fruchtigem Bouquet, aus der pilzwiderstandsfähigen Weißweinsorte Solaris gekeltert. Solaris bedeutet zur Sonne gehörig, perfekt für den sonnenverwöhnten Standort im artenreichen Gebiet der Hoache. Zehn Jahre ist es her, dass Stefan das Experiment begonnen und Reben gepflanzt hatte. Da Lage und Bedingungen sowie die Beschaffenheit des Bodens ideal sind, gelang es auf Anhieb. Von den ersten Jahrgängen zeigte sich Eros Teboni abgetan, ein vielfach ausgezeichneter Sommelier. Das spornte an, weshalb der Weinberg erweitert wurde und heute aus drei Etagen in leichter Hanglage besteht. Zunächst waren Stefan und bald auch Tochter Julia mit der Arbeit im Weinberg eingedeckt und die Weinbereitung delegierten sie an Hartmann Donà.
Seit dem vergangenen Jahr laufen alle Arbeitsschritte im Vinschgau ab: Stefan und Julia kultivieren einerseits die Reben und bewältigen andererseits das Weinmachen selbst. Die WeinflaschenGojibeeren hatten keine Begeisterung bei Julia auslösen können, doch mit dem Umstieg auf die Trauben wuchs ihr Interesse. Mittlerweile findet sie im Weinbau einen „megainteressanten“ Ausgleich. Nach den Grundsätzen des biologischen Anbaus und unter Anwendung von biodynamischen Präparaten stemmt sie mit Vater Stefan das landwirtschaftliche Projekt. Mit Kamille, Ackerschachtelhalm und Brennnesselsud kommen sie manchem Schädling bei und stärken die Pflanzen gegen Pilzerkrankungen. „Mit Kotzaschweaf spritzen“ heißt es auf Obervinschgerisch. 2024 dämmten sie mit Schwefel und Kamillentee den Mehltau ein und obwohl der Frühjahrsfrost viel verbrannt hatte, wird der sich in der Reifung geduldende Wein ein guter werden. Noch ist sein Prozess nicht abgeschlossen, weil dieser Solaris zwei Partner kennt: den Wind und die Zeit. Den Wind, weil auf den Oberwind Verlass ist. Er trocknet die Weimer ab, verhindert dadurch Fäulnis und Mehltau, und er fährt mit der Kälte davon. Außer 2024, da blieb er aus und bedingte Frostausfall.
Die zweite Partnerin ist die Zeit. Der Wein von Stefan und Julia ist kein Turbowein. Er darf ruhen und reifen. Um ihn selbst herzustellen, hat sich Familie Wallnöfer im Städtchen Glurns einen Weinkeller angemietet. Bei der Vinschger Weinpräsentation auf Schloss Kastelbell bekam Julia den Impuls zur Weinbereitung. Dort war VinVentum mit dem eigenen, noch nicht selbst ausgebauten Wein vertreten. „Heiner Pohl vom Marinushof hat mir gut zugeredet und mich bestärkt, es einfach zu probieren. Zu Beginn habe ich mir viel zu viele Sorgen gemacht“, beschreibt Julia ihren Weg zur Julia und ihr Vater StefanWinzerin. Englischsprachige Literatur hat sie dabei begleitet. Bevor es losging, belegten Vater und Tochter den Kellerwirtschaftskurs in der Laimburg.
Da die Bearbeitung des Weinbergs von Hand und ohne Traktor abläuft, nennen sie sich Weinmanufaktur. Sie schieben die Spritze zur Ausbringung von zugelassenen Mitteln und Pflanzenextrakten durch die Zeilen, beim Mähen ist Stefan mit dem Fadenmäher (Bugglmahner) unterwegs. Die schwierigen Bedingungen bringen dem Wein ein besonderes Siegel ein: Wegen der Höhenlage, der Steilheit und der Handarbeit trägt VinVentum die Qualitätsmarke des heldenhaften Weinbaus. Wie bitte? „Die italienische Organisation CERVIM vergibt zur Aufwertung und zum Schutz des Weinbaus in Berggebieten oder unter anderen erschwerten Umständen das Zertifikat „Viticoltura Eroica“, klärt Julia auf, „und ähnlich den Erschwernispunkten, wie man sie aus der Südtiroler Landwirtschaft kennt, verteilen sie Punkte.“ Kommen genügend zusammen, ist man im Club der Helden. „Das soll zeigen, dass der Wein kämpfen musste.“. Ob man das auch schmeckt? „Wir wollen, dass der Wein so schmeckt, wie das Jahr war“, fasst Julia die vielen Komponenten zusammen, die Einfluss auf das Endprodukt haben. Anfang Oktober beginnt die Weinlese bei vielversprechenden Aussichten: Guter Behang, meist schöne Herbsttage mit knackigen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht. Das mögen nicht nur die Äpfel, da schießt auch den Trauben Süße und Geschmack ein. Von der letztjährigen Ernte sind ca. 2.500 Flaschen zu erwarten, die heurige soll das Doppelte abgeben. Um die Weinherstellung besser zu verstehen, wechseln wir den Schauplatz. Im vorbildlich sanierten Fiegele-Prieth Haus in Glurns geht es ein paar Stiegen nach unten in den Weinkeller. Seine Ursprünge liegen im 14. Jahrhundert. Heute wirkt er modern, auf die Nutzung abgestimmt. Und blitzsauber, Hygiene ist beim Weinmachen nicht unwichtig. Stefan sagt anerkennend: „Julia ist gelernte Krankenschwester, sie nimmt das ganz genau.“ An den Wänden stehen die Fässer, am Boden wartet die Rebelmaschine auf ihren baldigen Einsatz. Hier regiert die Zeit, denn eilig hat es der Solaris von VinVentum nicht: Nach dem Wimmen werden die Weintrauben über Nacht mazeriert (eingeweicht), am Tag danach abgepresst, dann vergärt. Aus Zucker wird Alkohol. Ein halbes Jahr bleibt der Traubensaft auf der Feinhefe mit Bâtonnage. Dabei wird der Hefesatz im Stahlfass regelmäßig aufgerührt, um die Hefe zu verteilen und den Wein zu belüften. „Das gibt dem Wein eine schmelzige, cremige Textur“, beschreibt Stefan mit kreisender Handbewegung. Der Ausbau des Weins ist noch im Gange. Für ein Jahr wird er im gebrauchten Holzfass gelagert, entweder Barrique oder Tonneaux. Erst dann ist er bereit für die Flaschenabfüllung. Sogar in der Flasche ruht der Wein weitere vier bis sechs Monate, da er sich immer noch verändert. „Initium“, so der Name des Weines, hat den Luxus der langen Reifung. Im Idealfall wird er erst zwei Jahre nach der Lese genossen.
Zu haben ist „Initium“ in der gehobenen Gastronomie, im Webshop eines Vinschger Weinhändlers und zunehmend auf Messen und Festivals. Daraus hat sich die Bekanntschaft mit dem Önologen Francesco Parisi aus dem Valpolicella ergeben, er schaut den Neo-Weinproduzenten bei Bedarf über die Schulter. Dass der Wein jährlich mehr wird und sein Bekanntheitsgrad steigt, spüren Stefan und Julia Wallnöfer deutlich. Die Kunden suchten nach Weinen mit Charakter. Bei ihnen sei jeder Jahrgang anders, „da sind oft Welten dazwischen“. Gerade in kleinen Kellereien spiegelt sich wider, dass Wein ein geheimnisvolles Naturprodukt ist. Nicht säurebetont und spritzig, sondern voll soll ihr Weißwein sein, das mache ihn auch länger lagerbar. „Abreifen“ soll er, wegen des hohen Zuckergehalts steigt der Alkoholgehalt. Duftend fruchtig schlägt der 2022er Jahrgang aus dem Glas entgegen. Was mit Struktur gemeint ist, entfaltet sich nun voll im Gaumen. Für die Fruchtnoten fehlen mir die Worte, jedenfalls hat ihm der Wind starke, komplexe Aromen hineingejagt. Im edlen schwarz-goldenen Flaschendesign macht der Weißwein von VinVentum was her. Vielleicht grüßt er bald von den Weinkarten der Glurnser Wirtshäuser, als echter und wohl einziger Laubengassenwein.

Die Demokratie verteidigen?

  • Dachzeile: Kommentar von Chefredakteur Erwin Bernhart
  • Redakteur: von Erwin Bernhart
  • Redakteur Bild:

Diese Kraut- und Ruabm-Diskussion rund um den Overtourism in Südtirol werde ich wohl nicht verstehen. Vielleicht gibt es das wirklich, dieses Zuviel an Tourismus, dieses Zuviel an Gästen in Südtirol. Aber wo? In Gröden, in Alta Badia, in Schenna, in Meran, im Pustertal? Wenn dem so ist, warum benennt man das nicht. Sicher ist, im Vinschgau hab’ ich von diesem Overtourism noch nichts gehört. Die hiesigen Bürgermeister und die hiesigen Tourismustreibenden sagen mir unisono, wir können schon noch einiges an Touristen vertragen. Nun verstehe ich eines nicht: Wenn in Südtirol ganz unterschiedliche Zustände und Zahlen, den Tourismus betreffend, zirkulieren, warum muss die Politik dann immer alles über einen Kamm scheren? Weil das einfacher zu kommunizieren ist? Weil man da weniger differenzieren und also weniger denken muss?
Nun gibt es wieder einen Aufschrei (in Südtirol wird gerne aufgeschrieen). Weil ein Verfallstermin ansteht und der verräumt werden soll. Ein Verfallstermin für Tourismuszonen nämlich. Wenn nicht bis September 2026 ein Baugesuch für einen Beherbergungsbetrieb da ist, soll die Tourismuszone verfallen. Eine Mehrheit für dieses Dekret hat 2022 Arnold Schuler als Landesrat für Tourismus gefunden. Auch deshalb ist er heute nicht mehr Landesrat. Luis Walcher will noch lange Landesrat bleiben. Deshalb gibt er rasch dem Druck aus den Tourismuskreisen nach. Aber: Auch der Walcher differenziert nicht.


Die Kraft der Verbundenheit - 4 Konzerte, 1 Uraufführung: Südtirol Filarmonica 2025

  • Dachzeile: Kultur
  • Redakteur: Heinrich Zoderer
  • Redakteur Bild:
  • Weitere Fotos - 1: Gerd Hermann  Ortler, der Komponist von „Expedition to Paradise“.  Er stammt aus Glurns und lebt in Wien
  • Weitere Fotos - 2: Die beiden Solisten: Andrea Götsch, Klarinettistin der Wiener Philharmoniker (Algund) und Bertold Stecher, Trompeter der Berliner Philharmoniker (Mals)

Musik hat die Kraft, zu verbinden und zu inspirieren. Mit diesen Gedanken vereint Südtirol Filarmonica seit 2021 all jene Südtiroler Musikerinnen und Musiker, welche in den verschiedensten Orchestern dieser Welt tätig sind. Das sind insgesamt über 350 Profimusiker:innen. 78 davon bilden die Orchesterbesetzung 2025. Diese Musikschaffenden trafen sich in diesem Jahr zum fünften Mal, um gemeinsam im Kulturzentrum Toblach, dem neuen Zuhause, für die Konzerttournee zu proben. Toblach, Bozen und Meran sind die drei fixen Aufführungsorte in Südtirol. Anschließend an die drei Konzerte in Südtirol, hat Südtirol Filarmonica beschlossen, in einer vierjährigen Tour das Schlusskonzert in den vier europäischen Großstädten, die Südtirol umgeben, aufzuführen. So gab es 2024 erstmals das Abschlusskonzert in München und 2025 in Wien. 2026 wird in Mailand und 2027 in Zürich das Abschlusskonzert stattfinden. Getragen wird das Projekt vom Kulturverein ARTON, welcher am 8. August 2020 als ehrenamtlicher Verein gegründet wurde. Den Vorstand bilden: Zeno Kerschbaumer als Vorsitzender, Isabel Goller als stellvertretende Vorsitzende, Cornelia Goller und der Dirigent Michael Pichler als weitere Vorstandsmitglieder. Der Name ARTON setzt sich aus Art, Ton und on zusammen. Südtirol Filarmonica orientiert sich an den Werten „Miteinander“ und „Inklusion“, ausgedrückt durch fair pay, equal pay und gender equality. Deshalb beteiligen sich an diesem Projekt auch Musiker:innen aller drei Sprachgruppen und Personen, die in Südtirol ihre neue Heimat gefunden haben. Auch die Geschlechterverteilung bei Südtirol Filarmonica ist nahezu ausgeglichen. Musik ist eine universelle Sprache, die Menschen über Grenzen, Kulturen und Generationen hinweg verbindet. Sie schafft ein tiefes Gefühl der Gemeinschaft und fördert gegenseitiges Vertrauen. Unter dem Motto „Die Kraft der Verbundenheit“ das für die Konzertreihe 2025 ausgewählt wurde, wird ein starkes Zeichen für Zusammenhalt und Kreativität und die verbindende Wirkung für die gemeinsame Heimat gesetzt. Musik ist mehr als nur Klang. Es ist eine transformative Kraft, die Herzen berührt und Gemeinschaften stärkt. So kann man es bei den Grußworten der Konzertbroschüre nachlesen.

Gustav Mahler, Johann Sebastian Bach und Gerd Hermann Ortler

Ein besonderes Programm mit einer starken Vinschger Note, eine Symbiose zwischen Südtirol und Wien, zwischen Heimat und Ferne, das sind die besonderen Kennzeichen des Orchesterprogramms von Südtirol Filarmonica 2025. Unter der Leitung von Michael Pichler erklangen Werke, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbinden. Aufgeführt wurde der erste Satz aus Gustav Mahlers (1860 – 1911) unvollendeter 10. Sinfonie - entstanden in Toblach und die „Fuga Ricercata“ von Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) in der Bearbeitung von Anton Webern. Der musikalische Höhepunkt des grandiosen Konzertes war die Uraufführung von „Expedition to Paradise“, ein Doppelkonzert für Klarinette, Trompete und Orchester vom Glurnser Komponisten und Wahlwiener Gerd Hermann Ortler (geboren 1983). Es war ein maßgeschneidertes Werk für die beiden Solisten Andrea Götsch aus Algund, Klarinettistin bei den Wiener Philharmonikern und Bertold Stecher aus Mals, Trompeter bei den Berliner Philharmonikern. Für die beiden Profimusiker war es eine große Herausforderung, die sie meisterhaft bewältigt haben und dafür auch sehr großen Applaus erhielten.
Gerd Hermann Ortler stammt aus einer musikalischen Familie. Sein Großvater war Kapellmeister in Glurns und sein erster musikalischer Lehrer. Später erhielt er Unterricht durch Andreas Cappello im Fach Klavier und von Hans Tutzer im Fach Saxophon. Ortler studierte Saxophon an der Konservatorium Wien Privatuniversität sowie Komposition und Arrangement an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz bei Ed Partyka. Zudem erhielt er Kompositionsunterricht von Bob Brookmeyer. Seit 2012 lehrt er Komposition und Arrangement an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Er schrieb Werke für das Wiener Konzerthaus, die Philharmonie Luxembourg, das Metropole Orchestra, das Wiener Kammerorchester, Joshua Redman, Claron McFadden, Wolfgang Puschnig, das Transart Festival, das Schleswig-Holstein Musik Festival und das Südtirol Jazzfestival. Beim Opernball 2019 leitete er die Uraufführung seiner „Jubelfanfare - 150 Jahre Wiener Staatsoper“. Seine Komposition „Passion“ wurde im Albertina Museum aufgenommen und 2021 als Musikfilm veröffentlicht. 2022 wurde sein Werk „Urknall“ uraufgeführt. Im selben Jahr war sein Werk „Mosaic“ in der Elbphilharmonie Hamburg zu hören. Sein Musiktheaterwerk „Wolf - Das Mystical“ feierte im Mai 2024 auf der neu errichteten Salzkammergut-Seebühne am Wolfgangsee Premiere.

Expedition to Paradise – Die Reise ins Paradies

Auf Ängste und Krisen unserer Zeit antworte ich mit einem Entwurf des Paradieses, so Gerd Hermann Ortler. Sein Werk ist wie ein Ruf aus den Bergen, der gemeinsame Traum von einer Klangwelt, die wir selber bauen, einer Welt der Musik, die Menschen über Grenzen hinweg verbindet und gemeinsam schöne Erlebnisse schafft. Es ist der Traum vieler Kinder und Jugendlicher, auch des Komponisten, loszuziehen wie ein Zugvogel, auf der Suche nach dem Klang, der Musik, die uns Menschen zur Entfaltung und zum Glück, die uns ins Paradies führt. Drei Sätze lang, rund 40 Minuten, erklingt der verschlungene, oft steile Pfad, das Abenteuer auf den unterschiedlichen Wegen zum Paradies. Es ist wie eine Achterbahn. Mal steil hinauf, dann schnell hinunter, mal ruhig und still, dann wieder laut und stimmgewaltig. Es ist eine Mischung aus Südtiroler Bodenhaftung, Wiener Glanz und Berliner Dynamik oder anders ausgedrückt: Jodler aus den Bergen verschmelzen im Wiener Dreivierteltakt und im Berliner Techno-Druck mit facettenreichem Sound des Jazz, sowie den frischen Farben der neuen Musik. Gerd Hermann Ortler, der in Glurns aufgewachsen ist, die Ruhe und Landschaft dort genießt, kehrt immer wieder in den Vinschgau zurück. Hier sind seine Wurzeln, hier leben seine Eltern und viele seiner Freunde. Er genießt aber auch das Leben in Wien, das Urbane, das Dynamische, das Zentrum der Kunst und besonders der Musik. Und Heimat ist für ihn dort, wo seine Musik ist. Dort ist sein Paradies.

 

Südtirol Filarmonica

Über 350 Südtiroler Musiker:innen
tätig in der ganzen Welt

Projektträger:
Kulturverein ARTON
Gegründet am 08.08.2020
Vorsitzender: Zeno Kerschbaumer

Südtirol Filarmonica
Konzertproben: Kulturzentrum Toblach

Debütkonzert: 2021
Aufführungen außerhalb des Landes:
2024: München
2025: Wien
2026: Mailand
2027: Zürich

Motto 2025:
Die Kraft der Verbundenheit

Konzertreihe 2025
10. Oktober: Toblach, Gustav-Mahler-Saal
11. Oktober: Bozen, Konzerthaus
12. Oktober: Meran, Kursaal
13. Oktober: Wien, Konzerthaus

Programm:
Gustav Mahler
Adagio (Symphonie Nr. 10) (1910)

Johann Sebastian Bach
Fuga / Ricercata aus dem Musikalischen Opfer BWV 1079
(Bearbeitung für Orchester: Anton Webern) (1747/1935)

Gerd Hermann Ortler
Uraufführung
Expedition to Paradise.

Südtirol Filarmonica 2025
mit 78 Musiker:innen
Dirigent: Michael Pichler (Lüsen)
Solisten:
Andrea Götsch, Klarinette (Algund)
Bertold Stecher, Trompete (Mals)

Musiker:innen aus dem Vinschgau:
Matteo Bodini, Cello (Schlanders)
Johannes Kofler, Cello (Naturns)
Sophia Sagmeister, Fagott (Glurns)
Bernhard Plagg, Trompete (Mals)
Bernhard Pircher, Posaune (Naturns)
Max Calanducci, Schlagwerk (Schlanders)

Internet:
https://suedtirol-filarmonica.it/

Die Saurier-Fußabdrücke an den Cime di Plator - 210 Millionen Jahre alte triassische Spuren

  • Dachzeile: Nationalpark Stilfserjoch
  • Redakteur: Wolfgang Platter, am Tag des Hlg. Remigius, 13. Jänner 2026
  • Weitere Fotos - 1: Die am besten erhaltenen Fußabdrücke zeigen deutlich lange Fersen, Zehen und Krallenabdrücke, obwohl sie Jahrtausende lang Schnee und Eis ausgesetzt waren, sogar während der letzten Eiszeiten. Foto von Elio Della Ferrera, Arch. PaleoStelvio (PNS, MSNM, SABAP CO-LC).
  • Weitere Fotos - 2: Detail eines Fußabdrucks. Die Ähnlichkeit mit dem Ichnogenus Pseudotetrasauropus ist groß, aber nicht vollständig. In jedem Fall muss es sich um einen pflanzenfressenden Dinosaurier ähnlich dem Plateosaurus engelhardti handeln. Foto von Elio Della Ferrera, Arch. PaleoStelvio (PNS, MSNM, SABAP CO-LC)
  • Weitere Fotos - 3: Die Hochfläche von Cancano mit dem Lago delle Scale ist das Fundgebiet der Saurierspuren

Am 14. September 2025 hat der Naturfotograf Elio Della Ferrera das erste Foto von großen Abdrücken in den fast senkrechten dolomitischen Felswänden der Cime di Plator geknipst. Die Cime di Plator liegen in der Valle di Fraele im lombardischen Anteil des Nationalparks Stilfser­joch. Die Valle di Fraele ist jenes Hochtal zwischen Livigno und Bormio, welches die zwei Stauseen von Cancano und Fraele birgt. Mit dem Auto erreicht man die Valle di Fraele über die Serpentinen des Passo delle Scale von Premadio in der Valdidentro aus. Zu Fuß kommt man über di Val Mora im schweizerischen Teil des Münstertales auf die Hochebene von Fraele.
Elio Della Ferera hat am Tag nach der Fotodokumentation der Abdrücke im Felsen den Paläontologen Cristiano Dal Sasso vom Naturhistorischen Museum in Mailand beigezogen. Dessen erste Einschätzung der Bilder lautete, dass es sich um Dinosaurier-Fußabdrücke handle. In der Folge wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet aus Experten des Amtes für Archäologie für die lombardischen Provinzen Como, Lecco, Sondrio und Varese sowie dem Geologen Fabrizio Berra von der Abteilung Geowissenschaften der Universität Mailand, dem Ichnologen Fabio Massimo Petti vom Naturmuseum MUSE Trient und den Forst-Carabinieri des Nationalparks Stilfserjoch.
Am 16. Dezember 2025 wurden die ersten Ergebnisse in einer Pressekonferenz am Sitz der Region Lombardei in Mailand vorgestellt. Die wissenschaftliche Bedeutung der Entdeckung von Elio Della Ferrera hat im In- und Ausland auch in den Abendnachrichten verschiedener Fernsehsender Resonanz gefunden. So hat etwa das ZDF in den Heute-Abendnachrichten von 19.00 Uhr berichtet, aber auch RAI-Südtirol.

Bisherige Zuordnung der Entdeckung
In der so genannten „Schicht 0“ der Dolomitfelsen an den Cime Plator konnten über 2.000 Abdrücke von Fußspuren zweibeiniger Saurier festgestellt werden. Die am besten erhaltenen Abdrücke sind bis zu 40 cm lang und zeigen deutlich Fersen, Zehen und Krallenabdrücke. Sie sind am ehesten sogenannten prosauropoden Dinosauriern zuzuordnen, pflanzenfressenden Saurier mit zweibeinigem Gang und vier Zehen, langen Hälsen und relativ kleinen Köpfen, die bis zu 10 Meter lang waren. In ihrer Altersdatierung lassen sich die Spuren dem Erdzeitalter der Trias vor etwa 210 Millionen Jahren zuordnen. In den Ostalpen und in den Dolomiten sind weitere gleichaltrige Fundstellen bekannt, aber der Fund in der Valle di Fraele ist die erste Entdeckung von Dinosaurier-Fußabdrücken in der Lombardei und die einzige in Italien, die nördlich der sogenannten Insubrischen Linie liegt. Die Insubrische Linie, auch als Periadriatische Naht bezeichnet, ist eine der wichtigsten tektonischen Strukturen der Alpen. Sie ist eine geologische „Naht“, welche die Zentralalpen von den Südalpen trennt. Die Periadriatische Naht ist die sichtbare Spur der Kollission der Europäischen Platte mit der Adriatischen Platte.

Zur Entstehung der Fußabdrücke
In der Fundstelle Cime di Plator sind die fossilen Fußabdrücke deutlich tief eingedrückt, was darauf hindeutet, dass die Dinosaurier auf Kalkschlamm liefen, der durch das reichlich vorhandene Wasser sehr plastisch wurde. Die Fußabdrücke sind aber nicht an der heutigen Fundstelle entstanden, sondern vor 227 bis 205 Millionen bildeten sich die in der Valle di Fraele zutage tretenden Gesteine in einem flachen Meeresmilieu und zwar innerhalb ausgedehnter Karbonatplattformen, die durch Watten ähnlich denen in den heutigen tropischen Regionen gekennzeichnet waren. Auf diesen schlammigen Böden, welche von den Wassern des Ur-Ozeans Tethys umspült wurden, sind die Dinosaurier gelaufen und haben ihre Fußspuren hinterlassen. Diese Spuren wurden später von neuen Ablagerungen begraben und geschützt. Durch die Kontinentalverschiebung und die Hebung der Alpenkette sind die Spuren der Cime di Plator horizontal um tausende Kilometer und vertikal um tausende Meter verschoben worden.

Verwandtschaft
Die Fußabdrücke an den Cime di Plator ähneln jenen des Ichnogenus Pseudotetrasauropus, sind aber nicht vollkommen ident. Es ist möglich, dass es sich bei den Fußabdrücken im Nationalpark Stilfserjoch um eine andere Icospezies handelt oder sogar um eine, die bisher noch nirgends beschrieben wurde. In Deutschland und in der Schweiz sind zahlreiche Skelette von wahrscheinlich vergleichbaren Skeletten gefunden worden, die den Urhebern der Spuren in der Valle di Fraele nahekommen können. Auf jeden Fall werden jetzt klärende und interessante Untersuchungen der Paläowissenschaftler und Geologen zu den Funden an den Cime di Plator folgen.

Die Sprache des Weins

  • Dachzeile: Spezial-Wein

Schon der erste Blick ins Glas erzählt eine Geschichte. Ein Rotwein leuchtet nicht einfach rot. Er kann in zartem Kupferton schimmern oder in tiefem Purpur geheimnisvoll funkeln. Ein Weißwein reicht von hellem Strohgelb über sattes Gold bis hin zu bernsteinfarbenen Nuancen, die fast ins Orange gleiten. Auch die Klarheit spielt mit: ein Wein kann verschleiert wirken, klar oder fast schon brillant.
Über die Nase zeigt sich die Sprache des Weins in ihrer ganzen Vielfalt. Blumige Anklänge können an Veilchen, Lindenblüten oder zarte Holunderblüten erinnern, während feine Kräuternoten wie Thymian oder Rosmarin leise mitschwingen. Deutlicher treten oft die fruchtigen Eindrücke hervor: reife Kirschen, dunkle Brombeeren, Cassis, aber auch Apfel, Quitte oder frische Zitruszesten. Mineralische Nuancen lassen an feuchten Stein oder Kreide denken, erdige Töne wecken Assoziationen an Waldboden oder Trüffel. Manche Weine überraschen mit würzigen Facetten von Nelke, Zimt oder Muskat. Andere entfalten Röstaromen – etwa von Kaffee, gerösteten Nüssen oder Brotkruste –, die auf den Ausbau im Holzfass hinweisen. Und schließlich finden sich oft feine Holznoten selbst, ein Hauch von Vanille, Kokos oder zarter Rauch.
Zunge und Gaumen zeigen, ob ein Wein trocken ist, also kaum spürbare Süße besitzt, oder ob er deutlicher süß schmeckt. Die Säure entscheidet, ob er lebendig und frisch wirkt oder eher weich und mild erscheint. Wer den Wein etwas länger im Mund behält, spürt auch seinen Körper: Manche Weine sind leicht und elegant, andere dicht und kraftvoll.
Zum Schluss bleibt der Abgang, also der Nachhall des Weins: Er kann kurz sein, mittellang anhalten oder lange präsent bleiben, manchmal begleitet von einer feinen Süße, manchmal von würzigen Noten.

Die Trockenrasen am Vinschgauer Sonnenberg - Hotspots der Biodiversität

  • Dachzeile: Natur & Landschaft
  • Redakteur: Wolfgang Platter, am Tag des Hlg. Valentin, 14. Februar 2026
  • Weitere Fotos - 1: Drei Mal Tragant aus der Familie der Schmetterlingsblütler: Stängelloser Tragant (Astragalus excapus)
  • Weitere Fotos - 2: Esparsetten-Tragant  (Astragalus onobrychis); Foto: Joachim Winkler
  • Weitere Fotos - 3: Blasen-Tragant (Astragalus vescicarius subspec. pastellianus)
  • Weitere Fotos - 4: Drei Mal Süß- und Sauergräser: Pfriemengras (Stipa capillata)
  • Weitere Fotos - 5: Bartgras (Botriochloa ischaemum)
  • Weitere Fotos - 6: Kleine Segge (Carex supina), ein Sauergras
  • Weitere Fotos - 7: Steppen-Wolfsmilch (Euphorbia segueriana)
  • Weitere Fotos - 8: Schweizer Meerträublein (Ephedra helvetica), männliche Blüten
  • Weitere Fotos - 9: Der Sand-Blauwürger (Phelibanche arenaria) schmarotzt auf Föhrenwurzeln

Dass die Vinschgauer Leitensteppe mit ihren verschiedenen Standortfaktoren und Lebensräumen ein ökologisches Kleinod ist, war schon spätestens bekannt, seit dem die botanischen und vegetationskundlichen Aspekte in den Dissertationen von Alfred Strimmer, Florin Florineth und Christian Köllemann beschrieben worden sind.
Bisher war man in der Lehrbuchmeinung davon ausgegangen, dass die trockenresistenten Pflanzenarten, in der Fachsprache „xerophile Steppenelemente“, erst gegen Ende oder nach der letzten Eiszeit aus den innerasiatischen Steppen über den so genannten „Kältesteppen-Korridor“ nach Westen gewandert, in die Alpen eingezogen und hier in den inneralpinen Trockengebieten und deren aridem Klima hängengeblieben waren. Der Vinschgau und etwa das Wallis, aber auch Teile Aostas sind solche inneralpinen Trockengebiete. Diese Lehrmeinung vertritt auch die Ansicht, dass sich diese postglazialen Einwanderer dann sekundär weiter auf größere Flächen in ihrer neuen Heimat verbreitet haben, weil Jahrtausende lang sowohl die Niederschlagsarmut als auch die extensive Beweidung durch Nutztiere wie Schafe anhalten. Und die Lehrmeinung vertrat bisher die Meinung, dass sich die inneralpinen Sippen von Pflanzenarten von den Ausgangssippen in den Steppen des Ostens nicht unterscheiden würden.

Neue phylogenetische Studien
Die neuesten phylogenetischen Studien von Philipp Kirschner und Peter Schönswetter und ihrem Team an der Universität Innsbruck zeigen jetzt eindeutig, dass manche Pflanzenarten schon vor rund einer Million Jahren und damit vor mehreren der letzten Eiszeiten in die Alpen eingewandert sind. Die letzte von vier Eiszeiten in den Alpen begann vor 120.000 Jahren und ebbte vor 15.000 bis 12.000 Jahren ab. Durch die sehr viel frühere Einwanderung haben sich diese Pflanzenarten genetisch und teils auch morphologisch weit von ihren Ausgangspopulationen in den innerasiatischen Steppen entfernt. So weit, dass sie teilweise als eigenständige Arten zu sehen sind. Entsprechende Neubeschreibungen laufen laut Thomas Wilhalm, dem Kustos für Botanik am Südtiroler Naturmuseum in Bozen derzeit, z.B. wird unser Esparsetten-Tragant (Astragalus onobrychis) zu einer neuen Art. Thomas Wilhalm hat mir für diesen Zeitungsbeitrag wissenschaftliche Informationen und Fotos aus dem Südtiroler Naturmuseum, von sich und Joachim Winkler zur Verfügung gestellt, wofür ich herzlich danke.

Arbeitsgruppe Trockenrasen
Weil die Trockenrasen im Vinschgau und andernorts in Südtirol ökologisch wertvoll und erhaltenswert sind, hat sich eine Arbeitsgruppe als offene Plattform gebildet, die von Südtiroler Institutionen und Verbänden aus den Bereichen Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Forschung und Naturschutz getragen wird. Diese Plattform richtet sich an Grundbesitzer*innen, Bauern und Bäuerinnen, Forstbedienstete, Naturinteressierte, Forschende, Beamte und an die Öffentlichkeit. Folgende Ämter, öffentliche Institutionen, Forschungseinrichtungen und Verbände arbeiten in der Arbeitsgruppe „Trockenrasen“ mit: das Landesamt für Natur in der Abteilung Natur, Landschaft und Raumentwicklung, die Landesabteilung Forstwirtschaft, das Institut für Alpine Umwelt und das Institut für Regionalentwicklung von eurac research, die Freie Universität Bozen und die Umweltschutzgruppe Vinschgau. Ein übergeordnetes Ziel dieser Arbeitsgruppe ist der langfristige Erhalt der Trockenrasen im Vinschgau und in Südtirol in einem guten Erhaltungszustand. Um dieses Ziel zu erreichen, werden folgende Aktivitäten durchgeführt:
• Der Ist-Zustand wird dokumentiert. Diese Dokumentation betrifft einmal die räumliche Verteilung der Trockenrasen und dann ihre botanische Artenausstattung. Dazu werden in einem ersten Schritt die zahlreichen bereits vorhandenen Daten in einer Datenbank zusammengetragen.
• Existierende Monitorings zu den Trockenrasen sollen weitergeführt und gegebenenfalls intensiviert werden, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
• Für die Biodiversität besonders wertvolle Bereiche sollen als „Hotspots“ benannt und kartiert werden.
• Die sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen, welche für eine zukünftige Nutzung der Trockenrasen infrage kommen, sollen ausgelotet werden.
• Masterpläne sollen erarbeitet werden, welche es der Politik und Gesellschaft ermöglichen Schwerpunkte (z.B. Weidepläne) beim Schutz und Management der Trockenrasen zu setzen.

Was sind Trockenrasen?
Trockenrasen sind offene, von Trockenheit geprägte Grasländer unterhalb der potenziellen Waldgrenze. Primäre Trockenrasen sind Rasen die aufgrund der besonderen Lage und Bodenbedingungen kein Gehölzwachstum zulassen. Sekundäre Trockenrasen kommen hingegen an Flächen vor, die von Natur aus Waldwachstum zulassen würden und daher durch Beweidung oder Mahd offengehalten werden müssen. Die Begriffe Steppe und Steppenrasen sind aus wissenschaftlicher Sicht dem geschlossenen Steppengürtel Osteuropas und Zentralasiens vorbehalten. Sie sollten in Texten über den botanischen Charakter der Graslandschaft am Vinschgauer Sonnenberg durch Trockenrasen ersetzt werden.

Ein Widerstandskämpfer aus Mals: Walter Caldonazzi

  • Dachzeile: Kultur
  • Redakteur: Hanspeter Staffler, Mals, Bozen 14.1.2026
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Im März 2025 erschien im Vinschger Wind ein Beitrag über zwei aus der Gemeinde Mals stammende Opfer des Widerstands gegen das nationalsozialistische Terrorregime. Wie vom Donner gerührt stellte ich fest, dass ich - obwohl in Mals aufgewachsen - nie etwas über Nikolaus Federspiel und Walter Caldonazzi gehört hatte. Nicht in der Schule, nicht in der Pfarre, nicht im Elternhaus und auch nicht im Dorf. Dieses Schweigen ließ mich nicht los und motivierte mich, auf Spurensuche zu gehen. Besonders berührt hat mich dabei Walter Caldonazzi, da er - wie ich - auf der Universität für Bodenkultur in Wien Forstwirtschaft studierte.
Walter Caldonazzi, dessen Vorfahren väterlicherseits aus St. Jakob (Leifers) stammten, kam am 4. Juni 1916 in Mals im heutigen Gasthof zur Krone zur Welt (siehe Kasten). Die Mohrenwirtstochter Frau Berta Theiner aus Burgeis war die Patin (siehe Foto). Sein Vater Rudolf Caldonazzi war während des Ersten Weltkriegs Gendarmerie-Wachtmeister in Mals, nach Kriegsende übersiedelte die Familie nach Kramsach in Tirol. Walter maturierte am Gymnasium Kufstein und studierte ab 1937 Forstwirtschaft an der Universität für Bodenkultur in Wien.

Die Familie Caldonazzi galt als tief katholisch. Walter war zudem ein glühender österreichischer Patriot und trauerte der untergegangenen Habsburgermonarchie nach. Zeitgenossen beschreiben ihn als lebenslustigen, sympathischen junger Mann, welcher ein politischer Kopf war und das tägliche Gebet pflegte. Sein starker Glaube sollte ihm in den Jahren 1944 und 1945 auf seinem Weg zum Schafott Halt geben. Er war mutig, gläubig, unbeugsam.

Mutiger Widerstand gegen das NS-Regime

Widerstand in der NS-Diktatur war lebensgefährlich. Das wussten alle Widerständler und wohl auch Walter Caldonazzi. Dennoch organisierte er in Kramsach gemeinsam mit seinem Vater Rudolf eine Widerstandsbewegung, schrieb und verteilte Flugblätter und schloss sich in Wien der Maier-Messner-Caldonazzi Widerstandsgruppe an. Während seine Aktivitäten in Kramsach und Tirol lokale Wirkung entfalteten, agierte die Wiener Gruppe auf internationaler Ebene.

Heinrich Maier war Priester in der Wiener Pfarre Gersthof und Franz Josef Messner, Generaldirektor der kriegswichtigen Semperit-Werke, wohnte unweit der Kirche von Gersthof im Blauen Haus einer schmucken Cottagevilla in Wien-Währing. Vom Blauen Haus zur Universität für Bodenkultur ist es nur ein Katzensprung, dort fand Walter Caldonazzi nach abgeschlossenem Studium eine Anstellung. Rund um den Währinger Türkenschanzpark formierte sich eine der wichtigsten österreichischen Widerstandsgruppen, getragen von Menschen, die unterschiedlicher nicht sein konnten und dennoch das gleiche Ziel verfolgten. Die drei Männer und ihre Mitstreiter:innen taten alles in ihrer Macht stehende, um die Nazi-Barbarei zu verkürzen.

Kaplan Heinrich Maier dürfte der Stratege der Widerstandsgruppe gewesen sein. Er gab das Ziel vor, Lage und Produktionszahlen von Rüstungsbetrieben an die Geheimdienste der Alliierten zu melden nach dem Motto: Je früher die Rüstungsbetriebe zerstört würden, desto früher würde der Krieg enden. Walter Caldonazzi und Hermann Klepell, der auch an der Universität für Bodenkultur studierte, waren für die Beschaffung von exakten geographischen Karten der Rüstungsbetriebe zuständig und Franz Josef Messner war als international vernetzter Geschäftsmann die Kontaktperson zu amerikanischen Geheimdienststellen in Istanbul und Zürich. Er übermittelte die kartographisch erfassten Bombenziele an die Alliierten.

Enttarnung und Tod

Einige der gemeldeten Rüstungsbetriebe wurden tatsächlich bombardiert. Doch gleichzeitig hatte die Gestapo die Widerstandsgruppe bereits im Visier. Denunzianten, Doppelagenten und die unprofessionelle Arbeit der US-Geheimdienststelle Istanbul trugen zur Aufdeckung der Widerstandsgruppe bei. Im Frühjahr 1944 wurden Maier, Messner, Caldonazzi sowie Klepell und weitere sechs Mitstreiter verhaftet. Acht von ihnen verurteilte der Volksgerichtshof Berlin am 28. Oktober 1944 wegen Hochverrats und Wehrkraftzersetzung zum Tode.
Walter Caldonazzi wurde am 9. Jänner 1945 in Wien enthauptet. Zwischen seiner Verhaftung am 25. Februar 1944 und seiner Hinrichtung wurde er immer wieder von den NS-Schergen gefoltert und grausam unter Druck gesetzt. Trotz dieses Martyriums dürfte er die Namen von anderen Widerstandskämpfern nicht preisgegeben haben, sondern richtete sich gemeinsam mit seinem Mithäftling Pfarrer Heinrich Dalla Rosa aus Lana (1909-1945) immer wieder am Glauben auf und ging als aufrechter Tiroler in den Tod.

Ein Malser Sohn - ein unbekannter Held

Der in Mals geborene Walter Caldonazzi wurde in Österreich auf Initiative der Katholischen österreichischen Hochschulverbindung, Amelungia, der BOKU und anderen posthum mehrfach gewürdigt (siehe Kasten). In seinem Geburtsort hat sich bis vor kurzem niemand an ihn erinnert, aber es gibt derzeit Bemühungen, dass sich Mals um seinen mutigen Sohn kümmert und ihm eine angemessene Würdigung zukommen lässt. Denn Walter Caldonazzi war ein gerechter Tiroler - und er macht Mals alle Ehre.

 

„Auszug aus dem Malser Taufregister“

Geboren: 1916. 4. Juni, 4 1/2 Abends
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Haus: Mals, 12.
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Name: Walter Rudolf Caldonazzi.
9.1.45 in Wien. hingerichtet
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Getauft von: H. Alois Kirchmair Kooperator.
Tag: 6. Juni
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P.[P oder V?] Folio 196, n. 13.
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Vater: Rudolf Caldonazzi, kath
Privat.[?] Beamter in Achenrain=Kramsach,
derzeit als k.k. Gendarmerie. Führer in Mals,
zuständig nach Trient.
geboren in Lienz, Tirol am 29.IV.1888,
getraut an der Dom[?]pfarrkirche zu
St. Pölten, N.Ö. 24.VI.1913.
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Mutter: Wilhelmine Tremmel, kath.,
ehel. Tochter des Franz Tremmel
und der Berta Keinrath in Neuda,
Pfarre Groß-Pöchlarn, Niederösterreich,
geboren in Neuda am 22.VIII.1890.
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berta theinerPatin: Berta Theiner, ledig in Burgeis.
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Hebamme: Maria. Pircher von[?] Laatsch

Transkribiert von Rudi Nöckler und Karin Karlics

 

Bisherige Würdigungen:

1975
Umbettung von Wien ins Familiengrab seiner Schwester am Pradler Friedhof
in Innsbruck.

1993
Errichtung und Segnung des Caldonazzi-Kreuzes auf der Praa-Alm, Gemeinde
Wildschönau-Tirol. Tiroler Forstverein und K.Ö.H.V. Amelungia Wien.

2002
Errichtung und Segnung der
Gedenkstätte in Kufstein-Tirol. ÖCV, Österreichischer Kartellverband.

2006
Benennung des Walter-Caldonazzi-Platzes im 13. Wiener Bezirk, Hietzing. Stadt Wien, K.Ö.H.V. Amelungia Wien.

2007
Gedenktafel beim Schild-Haus in Kramsach-Tirol und Benennung des Walter-Caldonazzi-Platzes ebendort. Kramsacher Kunstfreunde.

2008
Enthüllung eines Denkmals am Walter-Caldonazzi-Platz in Wien-Hietzing. K.Ö.H.V. Amelungia Wien.

2016
Gedenktafel im Gregor-Mendel-Haus (Hauptgebäude) der BOKU in Wien. Universitätsarchiv BOKU.

2017
Erneuerung des Caldonazzi-Kreuzes auf der Praa-Alm. Tiroler Forstverein, K.Ö.H.V. Amelungia Wien, K.Ö.S.T.V. Cimbria Kufstein.



Ein zweites Zuhause - Die neue KITA Kortsch

  • Vorspann: Ein zweites Zuhause für die Kleinsten ist entstanden. Mit Wohlfühlcharakter, Nestwärme – „einer Bauernstube gleich“, sagen die Architekten Lukas Wielander und Martin Trebo. Die Rede ist von der Kita in Kortsch, die am 8. September – pünktlich zum Beginn des neuen Kindergarten- und Schuljahres – zum ersten Mal die Türen öffnet.
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KITA steht mit großen Lettern auf dem Haus mit der Nummer 73. Im Herzen von Kortsch, unweit des Dorfplatzes, wurde die neue Kindertagesstätte, kurz Kita, realisiert. Ohne oder kaum das Erscheinungsbild des ursprünglichen Gebäudeensembles anzustasten. „Es ist ein Zeitdokument aus der Vergangenheit“, sagen Lukas Wielander und Martin Trebo, die beiden Architekten. Deshalb wurden die Fassaden in Proportion und in ihrer Erscheinung erhalten. Um ca. 1850 wurden das historische Wohnhaus mit zwei kunsthistorisch wertvoll gestalteten Fassaden und der aus Steinen gebaute Stadel errichtet. Vor sage und schreibe 175 Jahren. Es ist ein Ensemble, das Geschichte und Vergangenes erzählt, das Wurzeln hat und – wenn man so will – Identität gibt. Mit der Sanierung wurden die Gebäude architektonisch so gestaltet, dass Kinder Wurzeln schlagen können. Das spielt auch in der pädagogischen Arbeit eine große Rolle. Eine Kindertagesstätte zum Wohlfühlen ist entstanden. Am 8. September – pünktlich zum Beginn des neuen Kindergarten- und Schuljahres – öffnen die Türen der neuen Kita in Kortsch. Doch der Reihe nach.
Der Werdegang. Viele Gedanken stehen hinter dem Projekt. Viele Ideen. Viele Wünsche.
Das Siegerprojekt für das gesamte Areal war aus einem Ideenwettbewerb zur Gestaltung und Revitalisierung des Ensembles „Kortsch an der Lahn“ – ausgelobt von der Gemeinde Schlanders vor nicht weniger als zehn Jahren – hervorgegangen. Elf Architekturbüros nahmen damals daran teil. Die Sieger: Die Architekten Lukas Wielander aus Schlanders und Martin Trebo aus Bozen. Vertreter aus Kortsch, ca. 14 an der Zahl, arbeiteten in den folgenden Jahren in einem partizipativen Prozess an der „Schärfung und Weiterentwicklung” des Siegerprojektes mit, suchten Kompromisse, formulierten Wünsche, brachten Ideen ein, diskutierten anhand eines Arbeitsmodells im Maßstab 1:50.
Das Projekt Kita ist eingebettet in dieses Gesamtkonzept „Kortsch auf der Lahn“ und ist sozusagen nun der erste Baustein zur Aufwertung eines bauhistorisch interessanten Areals. Denn, und darin waren sich alle einig, die ortstypischen Gebäude sind wertvolle Zeugen vergangener, bäuerlicher Alltagskultur. Kita, Kindergarten, Grundschule sind hier räumlich miteinander verbunden und bilden zusammen ein Ensemble, einen besonderen Bildungsort, der durch genau diese räumliche Verbundenheit auch den Übertritt in die nächste Bildungsstufe erleichtert und alle Voraussetzungen für einen guten Start bietet.

Architektur wahrnehmen. Über Materialien. Die Haptik spüren. Das war den beiden Architekten ein besonderes Anliegen. Deshalb wurden die Steinmauern der Gebäude soweit es möglich war, erhalten. Dort, wo es aus statischen Gründen, nicht möglich war, hat man die alten Steinmauern mit Mauern aus gehacktem Beton ersetzt. Wielander und Trebo: „Durch die grobe Struktur des gehackten Betons wird das Ganze wieder stimmig.“ Der alte Stadel dient der Kita als zusätzlicher Innenhof im Freien. Betonstahlgitter in Ziegelrot bilden hier das Dach nach, rekonstruieren dieses und die Kita verfügt damit über eine zusätzlich Freifläche, die geschützt ist.
„Die Innenräume der Kita wurden als Holz-Schachtel zwischen die bestehenden Steinmauern gestellt“, erklären Lukas Wielander und Martin Trebo. Damit wurden Wohnhaus und Stadel verbunden und eine Einheit geschaffen. Empfangen werden die Besucher der Kita von Terrazzofliesen, die optisch stimmig ins Gesamtkonzept passen und überaus pflegeleicht sind. Schnullern fungieren hier als Kleideraufhänger im Eingangsbereich und sind zweifelsohne ein Blickfang. Eine sprechende Wand dient einmal als Pinnwand, zum anderen können Informationen mit Kreide mitgeteilt werden. „Zum Beispiel ein Geburtstag oder andere wichtige Dinge“, erklärt Martin Trebo.

Die hohe Raumqualität entfaltet sich dann spürbar im daneben liegenden Bewegungsraum, dem Hauptraum. „Die Haupträume wurden als Neuinterpretation einer Bauernstube verstanden und als durchgängige und monochrome Holzvertäfelung mit Profilleisten realisiert“, erklären Wielander und Trebo. Holz dominiert hier. Lärche trägt der Boden. Holzvertäfelungen mit Zierleisten im unteren Wandbereich bilden eine Art Sockel. „Damit die Kita praktisch funktioniert, haben wir auf diese Lösung zurück gegriffen“, so Wielander und Trebo. Holzwolleplatten in ihrer Struktur in Sicht, sorgen für eine ausgezeichnete Raumakustik. Farblich wurde auf Cremeweiß als sanften Farbton und damit auf Ruhe und Ausgeglichenheit gesetzt. Mit den erwähnten Zierleisten wird dem Raum der erwähnte Bauernstuben-Charakter eingehaucht. Maßarbeit waren die Tischlerarbeiten hier, wie beispielsweise die Fensterverkleidungen oder die Holzvertäfelungen. Wir haben in diesem Gebäude keinen rechten Winkel. Kinder brauchen Platz für Bewegung, aber auch sich zurückzuziehen. Deshalb führt eine Treppe in das Obergeschoss, das den Ruheraum und ein kleines Büro beherbergt. Nestwärme und Geborgenheit strahlt die neue Kita aus. Die Detailverliebtheit zeigt sich etwa im bewussten Einsatz von Farben. Ziegelrot hat seinen Auftritt im Dach und wiederholt sich bei Handläufen etwa oder im Vorhang. Grün tragen nicht nur die Jalousien, sondern auch Fensterrahmen oder Türen. Die historischen Fensterverzierungen an der Fassade rahmen auch im Inneren die Öffnungen. Sogar der Zugang zu den Installationen trägt Holz und nicht Plastik. Runde Lampen stehen im Kontrast zum vieleckigen Gebäude. Fichtenplatten, gebürstet und mit der Hand gestrichen, haben ihren Auftritt in der Teeküche und reihen sich mit ihrer groben Struktur wiederum nahtlos in das architektonische Konzept ein. „Ein Altbau verlangt nach einer Struktur, nach einer Rauheit der Oberflächen“, sind Wielander und Trebo überzeugt.
Und trotzdem: Bei aller Rauheit, verspielte Architektur für Kinder ist entstanden. Vielleicht auch deshalb, weil das Gebäude in seinem Volumen erhalten und wie ein Zwerg im Vergleich zu den Nachbargebäuden wirkt.

 

Stellungnahme

Nachwort von Lukas Wielander & Martin Trebo


s33 archDas Projekt „Kortsch_auf der Lahn“ geht nun seit der Auslobung des Wettbewerbes 2015 bis zum heutigen Stand in das 10te Jahr. Es war bisher ein langer Entwicklungs-, und Planungsprozess mit langen Pausen, mit vielen Veränderungen und Weiterentwicklungen, es gab Momente, wo unsere Hoffnung auf eine bauliche Umsetzung verschwindend gering geworden war. Die ursprüngliche Idee, ein innovatives Gesamt-Projekt umzusetzen, wo Nutzungen samt ihren Nutzern sich räumlich und zeitlich überschneiden, wo Orte und Räume synergetisch genutzt werden sollen und die üblichen klar gezogenen Grenzen etwas verschwimmen, stellte sich in der praktischen Umsetzung zum Teil als sehr schwierig und komplex heraus – dies hat insbesondere mit der Finanzierung und deren gesetzlichen Vorgaben zu tun, dies hat später mit der Führung und den jeweiligen Haftungen und Zuständigkeiten zu tun, dies hat auch damit zu tun, dass es sehr wenige Erfahrungswerte diesbezüglich gibt, und demzufolge auch ein gewisser Respekt vor dem Unbekannten herrscht. Zudem würde eine solche Projektentwicklung, wo die Dorfbewohner partizipativ mit eingebunden sind, die Schule und der Kindergarten ebenso Teil des Projektes sein sollten, und die Gemeindeverwaltung als Schirmherr des gesamten Vorhabens ebenso eine wichtige Rolle spielt, anhand einer professionellen Moderation beim partizipativen Planungsprozess sicherlich einfacher in den Griff zu bekommen sein. Wir als Planer sind bzw. waren zuversichtlich, dass durch die Umsetzung dieses einen ersten Bausteines (KITA) nun auch die Gesamtidee Form annehmen kann, und dies nun dazu führen könnte, dass auch die noch verbliebenen baulichen und strukturellen und inhaltlichen Bausteine im Laufe der Zeit ebenso verwirklicht werden.
Leider befinden sich mittlerweile einige der bestehenden Gebäude entland der Sonnenbergstraße in einem sehr schlechten baulichen Zustand und ein teilweiser Abriss aus Sicherheitsgründen wird wohl unvermeidbar sein, um den darunterliegenden Schulhof der Volksschule zu schützen. Inwieweit diese letzte Entwicklung auch die Hoffnungen auf eine Umsetzung des Gesamtprojektes zunichtemacht, bleibt abzuwarten.
Abschließend könnte man sagen, dass so etwas nur entwickelt werden kann, wenn wirklich ALLE Projektbeteiligten mit sehr viel Herzblut, Überzeugung und Passion dahinter stehen und gemeinsam an einem Strang gezogen wird.

Einkaufen im Vinschgau

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  • Redakteur: von Erwin Bernhart
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In der Mitte dieses Vinschgerwindes findet ihr unsere Broschüre „Weihnachten im Vinschgau“. Es ist dies, gemeinsam mit unseren Werbekunden, unsere Art darauf hinzuweisen, dass Einkaufen vor Ort, gerade in der einkaufsfreudigen Weihnachtszeit - aber auch das ganze Jahr über - ein gute Sache ist. Wir denken, dass es wichtig ist, zumindest einen Teil, vielleicht sogar einen großen Teil der Weihnachtseinkäufe in unseren Dörfern zu erledigen. Diesen Gedanken teilen vielleicht alle Geschäfte vor Ort und einige bringen dies als unsere Kunden mit Inserts direkt zum Ausdruck. Wir wollen den Interneteinkauf keineswegs verteufeln, aber man sollte mit dem Interneteinkauf auch nicht übertreiben. Einerlei ob es sich um Black-Weeks oder Black Fridays oder um was auch immer für Angebote handelt, bei denen man glaubt, ein „Schnäppchen“ machen zu können. Einkaufen mit Bedacht kann eine Devise sein. Aber ja, wir sind alle nur Menschen, wir sind nicht immer vernunftorientiert und kaufen Dinge, die wir gar nicht brauchen. Das machen wir allerdings vor allem beim Online-Kauf. Stellt euch mal vor, wir lassen den bei vielen offensichtlich nicht zu verhindernden Kaufrausch in unseren Geschäften vor Ort aus. Das wär’ mal was. Wir wünschen derweil einen schönen Adventanfang und eine schöne Zeit.


Energiegemeinschaft

  • Dachzeile: Kommentar von Chefredakteur Erwin Bernhart
  • Redakteur: von Erwin Bernhart
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Die Stromnetze sind überlastet. Der Photovoltaikstrom (in Deutschland auch die Windenergie) bringt die Drähte zu Mittag zum Glühen. Und immer mehr Solarstrom kommt hinzu. Auch der Verbrauch wird immer größer. Am meisten verbraucht wird aber nicht dann, wenn am meisten Strom zur Verfügung steht. Also was tun?
Es soll gerade dann der Strom verbraucht werden, wenn er erzeugt wird. Dieses Verhalten, so eine Forderung in der Europäischen Union, wird belohnt. Stromerzeuger und Stromverbraucher sollen sich - ortsnahe - zusammentun und in einer Energiegemeinschaft genau das tun: Vor Ort Strom erzeugen und verbrauchen. Erzeuger und Verbraucher erhalten vom Staat eine Förderung dafür (Italien hat diese EU-Direktive umgesetzt). Das macht Sinn. Denn damit werden die Stromnetze entlastet. Ansonsten müssten diese Stromnetze mit viel (Steuer)Geld ausgebaut werden - und zwar sofort.
Im Vinschgau ist eine Energiegemeinschaft vor zwei Jahren gegründet worden. Die Gemeinden von Graun bis Plaus sind Mitgründer. Damit ist die Energiegemeinschaft einwohner- und flächenmäßig groß. Das deshalb, um die Verwaltungsaufwände so klein wie möglich halten zu können. Und nun - nach langer Vorbereitungszeit - heißt es: Hereinspaziert und Willkommen. So die Bitte an die Vinschgerinnen und Vinschger, dieser Energiegemeinschaft (EVi - Energiegemeinschaft Vinschgau) beizutreten.


Esther Stocker - Atlas im Bergfried

  • Dachzeile: Kultur
  • Redakteur: Peter Tscholl
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  • Weitere Fotos - 1: oben: Ohne Titel, 2026, Acryl auf Baumwolle
  • Weitere Fotos - 2: Esther Stocker mit Schwester Gudrun
  • Weitere Fotos - 3: und mit Mama Klara bei der Ausstellungseröffnung
  • Weitere Fotos - 4: Bei der Ausstellungseröffnung am 17. April: v.l. Leo Andergassen, Direktor des Südtiroler Landesmuseum Schloss Tirol, Esther Stocker, Sabine Schwienbacher und Kurator Heinrich Schwazer

Die Laatscher Künstlerin Esther Stocker zählt zweifellos zu den erfolgreichsten Kunstschaffenden Südtirols. Ihre Werke werden weltweit ausgestellt und gehandelt. Auch in Südtirol ist ihre Präsenz deutlich wahrnehmbar. Nach Stationen in Bozen und Bruneck sowie einer Ausstellung auf Schloss Kastelbell im Jahr 2014 widmet ihr jetzt das Landesmuseum für Kultur- und Landesgeschichte Schloss Tirol ebenfalls eine Einzelausstellung. Unter dem Titel “Esther Stocker Atlas” ist die Schau vom 18. April bis zum 8. November 2026 im Bergfried zu sehen.

Esther Stocker wurde 1974 in Schlanders geboren und wuchs in Laatsch bei Mals auf. Nach dem Besuch der Volksschule in
Laatsch und der Mittelschule in Mals absolvierte sie die Matura an der Lehrerbildungsanstalt (LBA) in Meran. Dann ging sie an die Akademie der bildenden Künste nach Wien und studierte dort Malerei. „Sie hat schon immer gerne gezeichnet. Ihr Vater Lucius hat auch gerne gemalt. Wahrscheinlich hat sie dieses Talent von ihm geerbt“, so ihre Mutter Klara. Es folgten Studienaufenthalte am Art Center College of Design in Pasadena (Kalifornien) sowie in Chicago (Illinois). Heute lebt und arbeitet die Künstlerin in Wien.

Lange Zeit widmete sich Esther Stocker der abstrakten Malerei, bevor sie zu Wandarbeiten und Rauminstallationen überging. Bei ihren Reflexionen geht die Künstlerin konsequent von zwei Grundelementen aus: den Farben Schwarz und Weiß sowie dem geometrischen Motiv des Rasters – einem auf der Fläche verteilten, regelmäßigen Muster. “Eigentlich mag ich Farbe sehr. Es ist halt so, die Verwendung von Farben ist in geometrischen Kontexten nicht notwendig. Mit Licht und Schatten kann man auch sehr viel ausdrücken”, sagt sie. Sie gestaltet bewußt minimalistisch und reduziert. Charakteristisch sind Stockers „Knitterskulpturen“ für raumfüllende Konzepte. Hierbei versieht sie flaches Ausgangsmaterial mit Rasterstrukturen, die sie anschließend durch Zerknittern verzerrt und deformiert. Die Objekte verändern ihre Gestalt, bleiben in ihrem Kern jedoch konstant. Bekanntes kann neu betrachtet werden. Dem Betrachter präsentiert sich eine abstrakte Skulptur, die auf wissenschaftlichen Grundlagen basiert, aber dennoch vielfältige philosophische Reflexionen ermöglicht. Man kann hier von einer paradoxen Traumwelt sprechen, die auf einem rationalen System beruht, gleichzeitig aber auch Fantasie und Imagination zuläßt.
In der Ausstellung auf Schloss Tirol präsentiert Esther Stocker im Bergfried neben weiteren Arbeiten die eigens dafür konzipierte lebensgroße Installation „Atlas“. In der griechischen Mythologie ist Atlas der Titan, der den Göttern des Olymps ihre Macht streitig machte und zur Strafe von Zeus dazu verurteilt wurde, auf ewig das Himmelsgewölbe auf seinen Schultern zu tragen. Auch der Bergfried-”Atlas” ist mit einem Raster überzogen. In Stockers raumbezogenen Arbeiten hat das immer hervorragend funktioniert, flache Geometrie in begehbare Raumgebilde zu verwandeln. Funktioniert das jetzt auch mit dem Körper und figurativen Darstellungen? Können Mythen rational erschlossen und in eine kommunizierbare und menschlich erfahrbare Gestalt gebracht werden?
Bei der Ausstellungseröffnung am 17. April im Rittersaal auf Schloss Tirol warf Kurator Heinrich Schwazer die Frage auf, welche Bedeutung Atlas für Esther Stocker habe. Seine Analyse: „Mit der experimentierenden Hinwendung zum Mythos nimmt Stocker die Position einer Zurückblickenden ein, geprägt vom Wissen um die Krisen der Gegenwart und der Verantwortung für die Zukunft. Der Logos ist die Methode, der Mythos die Form. Atlas markiert einen weiteren Schritt in Esther Stockers Entwicklung hin zu einer existenziellen Geometrie.“

FF Vetzan feiert neues Gerätehaus

  • Vorspann: Die Wehrmänner und -frau der Freiwilligen Feuerwehr Vetzan wurden bei der Einweihungsfeier des neuen Gerätehauses vergangenen 23. August 2025 in den Mittelpunkt gerückt. Durch zahlreiches Erscheinen erwies die Dorfbevölkerung der Feuerwehr die Ehre. Während das Gerätehaus gesegnet und feierlich eingeweiht wurde, lässt das neue Mannschaftsfahrzeug noch auf sich warten.
  • Dachzeile: Bauplatz
  • Redakteur: Angelika Ploner
  • Redakteur Bild:
  • Weitere Fotos - 1: Foto:  Renè Riller
  • Weitere Fotos - 2: Foto:  Renè Riller
  • Weitere Fotos - 3: Foto:  Renè Riller
  • Weitere Fotos - 4: Zahlreiche Gäste kamen zur Einweihungsfeier des FF-Gerätehauses in Vetzan: zum einen, um zu gratulieren, zum anderen um Dank, Anerkennung und Respekt zu zollen
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Vorab: Bereits drei Neuzugänge gab es seit die Freiwillige Feuerwehr Vetzan vor wenigen Wochen das neue Gerätehaus bezogen hat. Und auch drei Einsätze wurden bereits bestritten. „Einsatztechnisch ist die neue Halle genial“, erklärte Kommandant Klaus Ratschiller bei der Einweihungsfeier am vergangenen 23. August 2025. Zahlreiche Gäste waren gekommen. Zum einen, um zu gratulieren, zum anderen, um der FF Vetzan Respekt zu zollen, Dank und Anerkennung auszudrücken und die Ehre zu erweisen. Der Grundtenor der Gastreden: Ihr seid unverzichtbar.
LR Luis Walcher: „Wir können nur Mauern bezahlen. Ihr seid es dann, die den Geist des Rettens, Bergens und Schützens lebt.“ Landesfeuerwehrpräsident Martin Künig meinte: „Vetzan hat nun ein modernes, vor allem funktionelles Gebäude bekommen. “ Roman Horrer, der Präsident des Feuerwehrbezirks Untervinschgau, ebenso im Reigen der Festredner, erklärte: „Die beengten Verhältnisse im Oberdorf sind beendet. Die neue Halle ist ein Ort der Hilfsbereitschaft.“
EhrengästeWertschätzende Worte fand BMin Christine Kaaserer: „Euer Einsatz ist für uns unverzichtbar. Möge euch das Haus Schutz geben so wie ihr uns Schutz gebt.“
Architekt Lukas Wielander ging auf die Architektur und den Werdegang des Projekts ein. Sieben Jahre haben die Planung und der Bau gedauert (siehe Bericht unten). Wielander: „Der Bau wird kontrovers diskutiert.“ Es gebe Komplimente, „aber auch Kritik.“
Die Segnung des neuen Gerätehauses nahm Dekan Matthew vor. Die MK Goldrain-Morter gab der FF Vetzan ebenfallls die Ehre und begleitete den Festakt musikalisch.

Die Architektur.
Eine maßgeschneiderte Ziegelfassade bekleidet das neue Gerätehaus. Die Architekten Lukas Wielander, Martin Trebo und Martin Egger wollten eine Architektursprache finden, die einerseits der FF Vetzan gegenüber Wertschätzung zum Ausdruck bringt und zum anderen in einen spannenden Dialog mit der ehemaligen Ziegelei, nur einen Steinwurf entfernt, tritt. In dieser wurde in den Jahren 1854 bis 1959 Ton gebrannt und Ziegel hergestellt. Trebo: „Um eine stimmige landschaftliche Einbindung des Baukörpers mit dem dahinter liegenden kargen Vinschger Sonnenberg zu erzielen, erschien uns die Wahl von dunkel gehaltenen Langformatziegeln als stimmiger Ansatz.“
Daneben wollten die Architekten natürlich optimale Funktionsabläufe sicherstellen. Die Raumaufteilung folgt deshalb dem Einsatzschema: Ankunft, Vorbereitung, Einsatz, Reinigung und Wartung. Als zweigeschossiger Bau wurde das neue Gerätehaus konzipiert. Das Herzstück des Gebäudes bildet die Fahrzeughalle, direkt am Dorfeingang von Vetzan, die ein schnelles Ausrücken der Feuerwehrfahrzeuge ermöglicht. Egger: „Daran anschließend sind Kommandoraum, Versammlungsraum und Umkleideraum im Osten der Halle angeordnet und bilden ein etwas niedrigeres, klares Bauvolumen.“
Dazwischen steht der Schlauchturm, der die Funktion des Zweckbaus unübersehbar nach außen trägt. Das Untergeschoss beherbergt verschiedene Lager-, Service- und Technikräume. Auch im Inneren wurden genau gewählte Elemente in Rot gehalten und unterstreichen damit die Funktion des Baus. „Wir haben dem roten Faden folgend, damit eine funktionelle, selbstverständliche und trotzdem wertige Raumatmosphäre geschaffen.“ Dieses Material- und Farbkonzept wurde zusammen mit dem Künstler Manfred Alois Mayr geplant und umgesetzt. Die Gemeinde Schlanders hatte als Bauherr 2018 zu einem einstufigen Wettbewerb geladen.

Flowfarm Mairhof alles fließt ineinander – verbindet sich

  • Vorspann: Brigitta Villaronga Walker kommt aus Deutschland, war beruflich auf der ganzen Welt unterwegs. Sie kam nach Südtirol und hat sich verliebt, in das Land, in die Berge, in die „Leit“. Mit dem Kauf des Mairhofes, auf Gschneir zwischen Schluderns und Tanas, erfüllte sie sich einen Traum. Sie möchte im Dienste des Ortes durch neue Ideen, verschiedene Welten auf dem Bergbauernhof zusammenbringen. Lesungen, Seminare und Workshops laden Menschen ein, in ihren Lebensfluss zu kommen, dafür verbindet sie ihre vielfältigen internationalen Kontakte mit den lokalen Wurzeln, die sie bereits im Vinschgau geschlagen hat.
  • Dachzeile: Spezial-Landwirtschaft
  • Redakteur: Christine Weithaler

Brigitta ist 1971 geboren. Ihre Mutter kam aus Deutschland, ihr Vater aus Spanien. Sie wuchs als Einzelkind mehrsprachig im Rheingau auf und hat eine erwachsene Tochter. Schon immer war ihr Wunsch hinaus in die Welt zu gehen. Doch ihr Vater starb in den Bergen, als sie 18 war und so studierte sie in Deutschland, um in der Nähe ihrer Mutter zu sein. Bereits während ihres Studiums war sie häufig in Europa und Lateinamerika beruflich unterwegs. Sie verband ihre Arbeit mit dem Kennenlernen von Kulturen, Menschen und Ländern. HofWährend der Corona Pandemie suchte sie nach neuen Möglichkeiten ihr Leben zu gestalten. Über einen Fernwanderweg kam sie zufällig nach Bozen und über den Verein freiwillige Arbeitseinsätze in Südtirol, zu einem freiwilligen Einsatz auf Muntetschinig, Mals. Ihr gefiel die abwechslungsreiche Arbeit und die Nähe zu den Tieren. Sie packte gern überall mit an. Brigitta und der Jungbauer verliebten sich. Sie war vor Ideen und Tatendrang kaum zu halten. Doch die Beziehung ging auseinander und Brigitta wollte nicht mehr nach Deutschland zurück.
Die Liebe zu den Südtiroler Bergen, das Arbeiten in und mit der Natur ließen sie nicht los. Sie blieb in Südtirol und ging auf die Suche nach einem neuen, eigenen Hof. Ihr Weg führte sie über mehrere Höfe zum Mairhof. Der hohe Kaufpreis trübte ihre Euphorie. Zufällig traf sie einige Monate Aussichtspäter in der Basis in Schlanders auf einen Mann. Sie kamen ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass es sich um den Besitzer des Mairhofes handelt. Aus dem Zufallstreffen wurde eine Freundschaft. Brigitta erklärte Lukas ihr Vorhaben. Sie verhandelten und wurden sich einig.

Seit 2024 Jahr ist Brigitta Flowfarmerin auf dem geschichtsträchtigen Mairhof. Er liegt 1.350 m.ü.M. in der Gemeinde Schluderns und historische Belege gehen auf 1537 Moarhof, 1839 Mairhof zurück. Ein altes turmartiges Mauerwerk im Keller wurde auf das 11. Jahrhundert geschätzt und trägt eine heute noch sichtbare Schießscharte. Später wird das Gemäuer zu einem Bauernhof umgebaut und mehrfach erweitert. Mehrere Familien werden am Gschneirhof genannt. 1993 verleiht die Gemeinde Schluderns ihrem Ehrenbürger Eduard Wallnöfer zum 80. Geburtstag eine Gedenktafel. Er wurde 1913 hier geboren, war von 1963 bis 1987 Landeshauptmann von Tirol. 1928 wird erstmals die Familie Thanei erwähnt. Bereits ab 1963 wird am Hof Urlaub auf dem Bauernhof angeboten und 2002 das Wohnhaus komplett restauriert. Dabei findet man den Hinweis, dass die Decke der Bauernstube aus dem frühen 16. Jahrhundert stammt. (Quelle: Auszug aus der Höfe Chronik, Schluderns; Waschgler Heinrich, Buch II. Pfarrarchiv Stilfs)

StubeNeben dem Hof steht die Ende 18., anfang 19. Jahrhundert errichtete spätbarocke Dreifaltigkeitskapelle. Die Besonderheit der Gemeinschaftskapelle von Mairhof, Kaltenhof, Lavadhof und Palihof ist eine Darstellung Jesu Christi als Lernender und die 15. Kreuzwegstation, die der Auferstehung. Brigitta sieht das als ein Zeichen. Der Mairhof war auch für sie eine Art Wiederaufstehen nach einer Lebenskrise, in der sie viel über sich und die Wirklichkeit einer bergbäuerlich geprägten Region gelernt hat. Mit über 50 Jahren hat sie einen neuen Lebensabschnitt begonnen. In der Fürstenburg wird die Beraterin und Coachin nun noch einmal die Schulbank drücken, um das Handwerk der Landwirte zu erlernen.

Stiegenhaus2Kommt man am Mairhof an, fühlt man sich schnell wohl. Geht man in das Haus trifft Altes auf Neues, Holz stimmig auf Metall. In der modern eingerichteten Küche, kann jede:r „Sternekoch:in“ sein und in der alten getäfelten Stube nebenan, frühstücken. Der nach oben offene Flur führt zum Wintergarten. Der atemberaubende Ausblick geht über Prad, den Eingang des Suldentales bis hin zu Lichtenberg und den darüber gelegenen Höfen. Sitzgelegenheiten und Liegestühle laden zum Entspannen ein. In den oberen Stockwerken befinden sich sechs Gästezimmer. Man kann hier kurze oder längere Aufenthalte verbringen, im Haus und am Hof mithelfen, und vor allem eines: sein wie man ist. Alle sind eingeladen, sich wie zu Hause zu fühlen, gemeinsame Aktivitäten zu unternehmen oder für sich zu bleiben. Unter dem Haus befindet sich ein Garten indem jede:r mitwirken und miternten kann. Weiter unterhalb liegt ein altes, überdachtes Schwimmbad. Brigitta möchte hier Veranstaltungen, wie Lesungen und Yoga Retreats, organisieren.
FlowFarmerin Brigitta empfindet die Hofstelle als Juwel und großes Geschenk, an dessen Geschichte sie weiter schreiben darf. Der Mairhof ist für sie Heimat geworden. Ein Ort wo jede:r seine Persönlichkeit und Fähigkeiten einbringen kann und Platz findet. Brigitta ist sich bewusst, dass ihre Ideen utopischen StiegenhausCharakter haben, vergisst dabei nicht die finanzielle Seite des Projektes. Am Mairhof ist sie Unternehmerin, Frau für Alles mit vielen helfenden Händen. Auch Lukas und Edith, die Vorbesitzer, unterstützen sie, wofür sie sehr dankbar ist. Noch ist Brigitta beruflich viel unterwegs, ab 2026 kann sie dem Mairhof mehr Zeit widmen. Die Neuvinschgerin möchte sich mit Kooperationspartner:innen zusammenschließen, gemeinsame Projekte andenken und umsetzen. Dafür, sagt sie, braucht es ein Grundvertrauen in sich und andere, um mutig neue Wege zu gehen.

Formgebend. Besuch der Sommerausstellung im Haus59 in Stilfs

  • Vorspann: Laurenz Stockner führt durch das Haus59, als würde er schon länger hier wohnen. Als wären sie immer schon hier gewesen, fügen sich seine Metallobjekte in die Einrichtung des Hauses ein. Sie laden zur Betrachtung ein, betrachten selbst. Dabei bespielt der Kunstschmied aus St. Andrä bei Brixen das Haus59 im Stilfser Karmatschweg nur eine intensive Sommerwoche lang. Von den Besitzern Karin Dalla Torre und Thomas Pichler eingeladen, führt er seine Objekte in Metall mit dem Vinschger Knappendorf zusammen.
  • Dachzeile: Kultur
  • Redakteur: Maria Raffeiner
  • Weitere Fotos - 1: Laurenz Stockner stellt gestauchte Rohre aus Eisen mit eingeschrumpften Böden im Badezimmer aus.
  • Weitere Fotos - 2: Als würden sie sich schon länger kennen - Stockners Bronzeschalen und St. Ulrichs Vierpass.
  • Weitere Fotos - 3: Bronzeguss in Dreipassform, in Wachs modelliert, innen fein poliert.
  • Weitere Fotos - 4: Stilfser Stillleben im harmonischen Ambiente von Haus 59.
  • Weitere Fotos - 5: Schweres Eisengefäß aus der Serie Hyle, altgriechisch für Materialität.

Was aus dem Berg gekommen ist, kehrt zum Berg zurück, wenn auch zu einem anderen. Es sind Gefäße aus Prettauer Kupfer, aus Bronze und Eisen, die zu Gesprächen anregen und Menschen nach Stilfs ziehen. Dort setzen sie sich in der Stube an den Tisch und geraten, vom Geist des renovierten Bauernhauses und der Kunst beseelt, ins Erzählen. Über Formen philosophieren, von Farben reden, Flächen berühren, den Blick über die Dächer schweifen lassen. Laurenz Stockner, 54, schwärmt von der besonderen Atmosphäre des Dorfes. Er hat die frühherbstlich scharfen Konturen des Ortlers gesehen und im Gasthaus die Stilfser getroffen. Hier scheint er sich wohlzufühlen, seine Kunst tut es auch.
Von April bis Juni hatte er einige seiner Objekte in einer Ausstellung auf Schloss Tirol präsentiert. Am Haus59 schätzt er das Nahbare der Kunst, es lasse mehr Annäherung zu als ein Museum. Keine Vitrinen, sondern die filigranen Kupferschalen auf dem Bett, Bronzearbeiten auf dem Fensterbrett, wie angeschmolzen Objekte auf dem Holzboden. An den Wänden hängen Werke von Vinschger Künstler:innen wie Jörg Hofer, Anna Wielander Platzgummer, Karl Plattner. „Ich hätte alles abhängen können“, sagt Stockner, „doch dann würde etwas fehlen.“ Die Kunst miteinander kommunizieren zu lassen, mit ihr und über sie in Verbindung zu kommen, das ist es, was den Künstler anregt. Im Schlafzimmer befindet sich eine Arbeit aus der Serie „Hyle“, aus schwerem Stahl geschmiedet. Ein ausgefräster Block kommt in das Schmiedefeuer, bis er bei höchster Hitze zu schmelzen beginnt. Stockner zeigt ein Foto, wie Hephaistos steht er am hohen Feuer und trotzt ihm zum richtigen Zeitpunkt das Material ab, um es zum Kunstwerk zu erheben. Daneben aufgezogene Kupfergefäße, die stundenlang mit dem Hammer bearbeitet wurden. „Handwerklich gesehen ist das die Königsklasse“, beschreibt Laurenz Stockner das Erreichen der gewünschten Formsprache. In der Suche nach Form und feinen Nuancen steckt für ihn der Antrieb. Den Schaffensprozess sieht er eng mit dem Experimentieren verknüpft, weshalb das Erarbeiten von neuen Serien und Techniken viel Raum einnimmt. Vor einigen Jahren war es das Rund-Ovale, jetzt zieht es ihn zu zylindrischen Formen.
Dass er eher zum Metall als zum Holz passe, habe sein Vater beobachtet, denn in der Familientradition hatte das Tischlerhandwerk Bestand. „Schmied zu sein ist eine Charaktersache“, ist Laurenz Stockner überzeugt. Das Feuer, das Formen, das sich widersetzende Material, das Spiel mit den Elementen und das körperliche Bezwingen des Metalls ist nicht jedermanns Sache. Auf einem Hof in Karnol betreibt er eine kleine Schmiedewerkstatt mit Kupferschmelzofen, dort verwandelt er Metall in seine Auftrags- und Kunstwerke.
Im Vorbeigehen bringt Stockner ein Bronzegefäß zum Klingen. Glockenhell durchdringt ein Ton das kleine Haus am Stilfser Hang. Die Holztreppe knarzt. Da kommen Gäste, die sich geschmolzen – geschmiedet – getrieben, so der Titel der Sommerausstellung, ansehen möchten und den Austausch mit dem Künstler suchen.

Freundlichkeit ist ansteckend – und ein Booster für die Gesundheit

  • Vorspann: Sie ist mehr als nur eine nette Geste: Freundlichkeit kann das Immunsystem verbessern, Stress reduzieren und das Wohlbefinden steigern. Wie schon kleine Akte der Freundlichkeit das Leben positiv beeinflussen.
  • Dachzeile: Spezial-Gesundheit

Wusstest du, dass Freundlichkeit den Blutdruck senkt? Wusstest du, dass ein Lächeln die Wartezeit verkürzt? Oder, dass Respekt im Kopf beginnt und bis ins Herz reicht? Die derzeitige Kampagne des Landes Südtirol setzt den Fokus auf das, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: einen achtsamen Umgang miteinander. „Respect“- so nennt sich die Kampagne.
Respekt ist das eine, zum anderen hat Freundlichkeit zweifelsohne gesundheitliche Auswirkungen. Das ist auch wissenschaftlich bewiesen.

Freundlichkeit: Superkraft mit wissenschaftlich belegter Wirkung.

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die uns den Tag versüßen: Ein Fremder hält die Tür auf oder jemand macht uns ein Kompliment. Solche freundlichen Momente machen uns aber nicht nur glücklicher, sondern verbessern nachweislich auch unsere Gesundheit. Freundlichkeit wird in wissenschaftlichen Studien definiert als bewusste Handlungen (oder Worte), die anderen guttun, ohne selbst eine Gegenleistung oder Anerkennung zu erwarten.
In der Wissenschaft sind die positiven Auswirkungen von Freundlichkeit auf die Gesundheit als „Rabbit Effect“ bekannt. Der Begriff geht auf eine Studie aus dem Jahr 1978 zurück, bei der Forschende Cholesterinwerte von Kaninchen beobachteten. Dabei entdeckten sie, dass jene Tiere, die von einer Pflegerin mehr Zuwendung erhielten, eine bessere Herzgesundheit aufwiesen. Diese überraschende Erkenntnis legte den Grundstein für weitere Forschungen, die den „Rabbit Effect“ auch beim Menschen untersuchten.
Die daraus gewonnenen Erkenntnisse zeigen, wie tiefgreifend Freundlichkeit unsere Gesundheit beeinflussen kann – nicht nur emotional, sondern auch körperlich.

Freundlichkeit als Schmerz- und Stresskiller.
Freundliche Handlungen können physiologische Prozesse in unserem Körper positiv beeinflussen und uns helfen, besser mit Stress und sogar Schmerzen umzugehen. Forschungsergebnisse belegen dies:

Stressreduktion:
Freundlichkeit wirkt wie ein natürlicher Puffer gegen Stress. Sie fördert die Produktion von Oxytocin, dem sogenannten „Kuschelhormon“. Dieses Hormon wirkt angstlösend, entspannend, intensiviert Bindungen und stärkt das Vertrauen zu Mitmenschen.
Schmerzlinderung: Eine Langzeitstudie aus Großbritannien hat gezeigt, dass sogenanntes prosoziales Verhalten, etwa Geldspenden für wohltätige Zwecke oder ehrenamtliche Tätigkeiten, körperliche Schmerzen lindern kann. Wer anderen hilft, leidet demnach selbst weniger unter körperlichen Beschwerden.

Stärkung des Immunsystems:
Freundlichkeit fördert positive Emotionen und soziale Verbundenheit. Das kann auch unser Immunsystem stärken und uns widerstandsfähiger gegen Krankheiten machen.

Blutdruck senken:
Freundliche Gesten wie Berührungen oder Körperkontakt mit vertrauten Personen können eine dämpfende Wirkung auf den Blutdruck haben. Ein Grund dafür scheint ebenfalls das Hormon Oxytocin zu sein.

Wie Helfen die Lebenszufriedenheit steigert.
Sich für andere zu engagieren, kann gut tun – und zwar nicht nur dem Körper. Studien zeigen, dass Freiwilligenarbeit – definiert als freiwillige Tätigkeiten, die nicht auf finanziellen Gewinn ausgerichtet sind und anderen zugute kommen – auch mit unserem Wohlbefinden und unserer Lebenszufriedenheit zusammenhängt. So ergab eine Untersuchung aus dem Jahr 2018 mit Daten aus zwölf europäischen Ländern, dass Menschen, die ehrenamtlich aktiv sind oder waren, zufriedener mit ihrem Leben sind als andere. Besonders bei älteren Menschen war dieser Zusammenhang stark ausgeprägt. Freiwilligenarbeit hilft uns, neue Kontakte zu knüpfen und bestehende Beziehungen zu vertiefen. Diese sozialen Verbindungen können zum Wohlbefinden beitragen und die Sterblichkeitsrate senken.

Der „Ripple Effect“, oder: Warum Freundlichkeit ansteckend ist.
Wenn wir freundlich sind, profitieren wir nicht nur selbst und die direkten Empfängerinnen und Empfänger davon. Auch Menschen, die eine freundliche Handlung beobachten, werden beeinflusst und handeln dann vielleicht selbst freundlich. So entsteht eine positive Kettenreaktion, die sich in der Gesellschaft ausbreitet. Dieser sogenannte „Ripple Effect“ (zu Deutsch: Welleneffekt) löst eine Kaskade von positiven Interaktionen aus, die weit über die ursprüngliche Handlung hinausreicht – wie ein Stein, der ins Wasser fällt und Wellen erzeugt, die immer größere Kreise ziehen.
In der Forschung wird Freundlichkeit deshalb sogar als vielversprechende Maßnahme für das öffentliche Gesundheitswesen diskutiert, um Krankheiten vorzubeugen und womöglich die Gesundheit der gesamten Bevölkerung nachhaltig zu verbessern.

Tipps für mehr Freundlichkeit im Leben.
Freundlichkeit ist eine bewusste Entscheidung, die jeder von uns tagtäglich treffen kann. Mit diesen einfachen Tipps können Sie mehr Freundlichkeit in den Alltag integrieren und davon profitieren:

Aufmerksamkeit schenken:Legen Sie Ihr Handy weg und seien Sie ganz präsent, wenn Sie mit anderen Menschen sprechen. In unserer von digitalem Stress und ständiger Erreichbarkeit geprägten Welt ist dies eine freundliche Geste, denn unsere Gehirne sehnen sich nach persönlicher Interaktion.

Kontakte pflegen:
Kleine Gesten wie die Verabredung zu einem gemeinsamen Mittagessen oder eine kurze, persönliche Nachricht tragen dazu bei, soziale Bindungen zu stärken.

Komplimente machen:
Freundliche Worte und Komplimente können dazu führen, dass sich jemand gesehen, wertgeschätzt und umsorgt fühlt.

Umarmungen:
Menschen, die sich häufiger umarmen, scheinen seltener erkältet zu sein. Und wenn sie doch eine Erkältung bekommen, verläuft diese womöglich milder.
Wer regelmäßig diese einfachen Praktiken in seinen Alltag integriert, kann sowohl die eigene Lebensqualität als auch die seiner Mitmenschen verbessern. Denn: Wusstest du, dass „Bitte“ und „Danke“ mehr Türen öffnet als ein Schlüssel?

 

INFO: Empathieversus Ekpathie

Schon gewusst? Das Gegenteil von Empathie heißt Ekpathie. Während Empathie es uns ermöglicht, sich in andere hineinzuversetzen und mitzufühlen, bleiben wir bei der Ekpathie ganz bei uns selbst. Das muss aber kein schlechter Charakterzug sein: Ekpathische Menschen sind emotional weniger beeinflussbar und bleiben eher sachlich. Das kann in manchen Situationen, wie im beruflichen Kontext, sogar von Vorteil sein.

Gabriel Grüner: ein Porträt

  • Vorspann: Hier also der erste aus der vor längerer Zeit (s. Vinschgerwind Nr. 16 vom 07.08.2025) angekündigten Reihe „Vinschger in der Welt“: die Lebensgeschichte des Gabriel Grüner. Sie ist beeindruckend, endet aber leider tragisch: Am ersten Tag als im achtjährigen Balkankrieg eigentlich Frieden sein sollte, nämlich am 13. Juni 1999, wurde er erschossen. Doch die Erinnerung an diesen unseren Vinschger Landsmann lebt weiter, denn alljährlich wird in Mals das Gabriel-Grüner-Stipendium und der nach ihm benannte Schülerpreis verliehen.
  • Dachzeile: Kultur
  • Redakteur: Peter Tappeiner
  • Weitere Fotos - 1: Gabriel Grüner und Fotograf Uli Reinhardt 1993 im belagerten Sarajevo
  • Weitere Fotos - 2: Gedenktafel am Dulje Pass im Kosovo

Seit ich am 13. Juni des vorigen Jahres auf dem Dulje-Pass in der Nähe des Städtchens Suhareka im südlichen Kosovo an seinem Gedenkstein stand, hab ich den Namen des einen, der dort auf der schwarzen Granitplatte steht, ständig im Kopf, nämlich den von Gabriel Grüner. Geboren wurde er am 08. August 1963 in Mals als Ältester von vier Geschwistern. Sein Vater Volkmar Grüner war Oberförster aus Mals, seine Mutter Erika war gelernte Friseurin und kam aus dem Ruhrgebiet (Bochum), aus einer sozialdemokratischen Arbeiterfamilie. Die Jugendjahre waren geprägt von häufigen Wechseln des Wohnortes, bedingt durch den Beruf des Vaters: Steinhaus im Ahrntal, Kiens im Pustertal. In Bruneck besuchte Gabriel auch die Oberschule. Seine damalige Lehrerin für Deutsch und Geschichte, die Professorin Margareth Berger, hat ihn noch in lebendiger Erinnerung wegen seiner „überdurchschnittlichen Intelligenz, seiner außergewöhnlichen Sprachgewandtheit und seinem Mut, auch unliebsame Dinge offen an- und auszusprechen.“
Nach der Matura studierte er an der Universität Innsbruck Germanistik und Geschichte. Im März 1984, im Alter von knapp 43 Jahren, starb sein Vater an Kehlkopfkrebs, was einen schweren Einschnitt in seinem Leben bedeutete. Er wurde als Ältester in die Rolle eines Ersatzvaters gedrängt. Nach Abschluss des Studiums in Innsbruck absolvierte er von 1990 bis 1991 die Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg und wurde anschließend Reporter im Auslandsressort der Illustrierten Stern. Kurz nachdem er dort angefangen hatte, wurde aus der Balkankrise der Balkankrieg, und er rutschte, ohne es zu wollen, in die Rolle des Kriegsrepoerters. „Um acht Uhr morgens beginnt in Ormoz (Slowenien) der Krieg. Es ist Donnerstag, 27. Juni (1991)“. So leitete Gabriel Grüner seine erste Reportage aus dem ehemaligen Jugoslawien ein. Und die Grauen des Krieges sollten ihn über acht Jahre in allen seinen Phasen begleiten. Seine Feuertaufe erlebte er im Winter 1992 in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo, von wo er zusammen mit dem Fotografen Uli Reinhardt aus der eingekesselten und von der serbischen Artillerie beschossenen Stadt auch die Geschichte des Mädchens Zlata Filipovic, der „Anne Frank Bosniens“ erzählte. Im Stern dokumentierte er auch ihr Kriegstagebuch, aus dem später unter dem Titel „Ich bin ein Mädchen aus Sarajevo“ ein Bestseller wurde. Bei der Berichterstattung aus der eingeschlossenen bosnischen Hauptstadt war er in ständiger Lebensgefahr. So musste er einmal, um zum Flughafen zu gelangen, sich zusammen mit einem Begleiter auf dem Rücksitz des Taxis mit einer kugelsicheren Weste zugedeckt über die berüchtigte Heckenschützeallee zum Airport „rasen“ lassen.
Seine spätere Aufgabe muss dem Schöngeist Gabriel Grüner besonders nahe gegangen sein. Mit dem Stern-Reportagefotografen und langjährigen Freund Uli Reinhardt hatte er dann nämlich wesentlichen Anteil bei der Aufdeckung und Dokumentation der Massenmorde an muslimischen Bosniaken, begangen im Juli 1995 in der UN-Schutzzone von Srebrenica von serbischen Milizen unter ihrem Anführer Radovan Karadzic. Obwohl dieser sein Vorhaben angekündigt hatte, zum Zwecke der ethnischen Säuberung die unter dem Schutze von UN-Blauhelme stehende Enklave anzugreifen, wobei „das Blut bis zu den Knieen reichen würde“, war es nach den Massenmorden nicht leicht, Zeugen für das Massaker zu finden. Es gelang ihnen, einen Überlebenden auszuforschen, der die Massenerschießungen in der Weise überstanden hatte, dass er unverletzt unter zwei Toten zu liegen gekommen war. Doch vorher musste das Stern-Team die Exhumierung tausender halbverwester Leichen mitansehen.
Im Anschluss an den Friedensvertrag von Dayton ist dann zumindest auf dem Westbalkan relative Ruhe eingekehrt, sind die Serbenführer Radovan Karadzic und General Ratko Mladic als Verantwortliche für die schlimmsten Kriegsverbrechen in Europa seit den Greueln der Nazis vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag abgeurteilt worden und hat auch Slobodan Milosevic seinen Teil abgekriegt.
Der englische Journalist Misha Glenny wurde einmal gefragt, warum der Krieg auf dem Balkan mit solcher Grausamkeit geführt wurde. Er antwortete: „Ihr seid alle im Urlaub in Jugoslawien gewesen. Aber ihr kennt nur die Dalmatinische Küste. Dahinter in den Bergen haben die Leute ihre Probleme schon immer mit Waffen gelöst. Es galt immer das Recht des Stärkeren.“
Gabriel Grüner war aber nicht nur auf dem Balkan unterwegs, er schrieb auch Reportagen aus Afghanistan, Kurdistan, Algerien, Somalia und aus dem Sudan, einem Gebiet, in dem eine Million Menschen vom Hungertod bedroht waren. Aufgrund seines Berichtes spendeten Stern-Leser 1,14 Millionen D-Mark für „Ärzte ohne Grenzen“.
Doch nach acht Jahren Kriegsberichterstattung aus dem Balkan wollte er mit einer Reportage über den Frieden im Kosovo einen Abschluss setzen. Zu seinen Kollegen hatte Gabriel Grüner vorher gesagt: „Irgendwann hast du die Schnauze voll von dem ganzen. Irgendwann kannst du es einfach nicht mehr mitansehen.“ Seine letzte Reportage aus dem Kosovo sollte keine Kriegsreportage mehr sein, denn es war nach 15 Monaten Krieg auch dort der Frieden eingekehrt. Und am 13. Juni 1999 wollte er von Skopje in Makedonien aus seinen Bericht an den Stern schicken. Doch auf dem Weg dorthin wurden sie von auf dem Rückzug befindlichen serbischen Milizen gestoppt. Diese hatten ihr Auto zu Schrott gefahren, indem sie in eine Panzerkolonne gerast waren. Um sich ein neues zu beschaffen, hielten sie das des Stern-Teams an, erschossen sie dessen Insassen und bemächtigten sich des Fahrzeugs. Der Stern-Fotograf Volker Krämer und der albanische Übersetzer waren auf der Stelle tot, Gabriel Grüner erlag einige Stunden später in einem Lazarett der Nato-Truppen seinen Verletzungen. Seine Freundin Beatrix Gerstberger war im sechsten Monat schwanger.
Die Nachrufe von Gabriels Berufskollegen und Freunden sind berührend. Stellvertretend bringen wir den von Ulrich Ladurner aus der ZEIT: „Aber er war weit mehr als ein Kriegsreporter. Das Schreiben war sein ganz Eigenes, lang bevor er über Kriege berichtete. Schreibend bewegte er sich in den letzten Jahren durch die Zonen des Todes. Die Feder war sein bestes Mittel, dem Schrecken zu begegnen. Er schrieb über Kriege, weil es ihm wichtig war. Er tat es, weil er sich den Menschen, denen er auf seinen Reisen begegnet war, verpflichtet fühlte.. Er war mit ihnen verbunden, so wie mit allen anderen Menschen: über die Leidenschaft für das Leben.“ Gabriel Grüner ist in Mals begraben.

 

Literatur:
- Martin Maria Reinkowski, Jugoslawien. Geschichte und Legende. BoD 2021.
- Roberto Roveda und Michele Pellegrini, -
Genocidi dall’antichitá al mondo contemporaneo, le piccole pagine 2024.
- Edgar Hösch, Geschichte des Balkan, C.H.Beck, 2004
Wärmstens empfohlene Lektüre: Ivo Andríc, Die Brücke über die Drina; Nobelpreis 1961, Roman.

Beim Leserdienst des STERN bedanke ich mich für die Überlassung vieler der dort digital gespeicherten Reportagen von Gabriel Grüner

Genossenschaftler

  • Dachzeile: Kommentar von Chefredakteur Erwin Bernhart
  • Redakteur: von Erwin Bernhart
  • Redakteur Bild:

Unterschiedlichere Orte könnte eine Gemeinde kaum haben: Mit dem Ort Stilfs, dem Tourismuszentrum Sulden, mit den an der Jochstraße gelegenen Durchzugsorten Stilfserbrugg, Gomagoi und Trafoi hat der Gemeinderat, der Gemeindeausschuss und der Bürgermeister krass auseinanderstrebende Interessen unter einen Hut zu bringen. Einfach ist das nicht. Und schon gar nicht dann, wenn die zu verbauenden und auszugebenden 20 Millionen Euro für Stilfs mitberücksichtigt werden. Diese 20 Millionen Euro müssen, Stand heute, bis zum Sommer 2026 ausgegeben und abgerechnet sein. Dass angesichts dieser Verantwortung, angesichts der dafür erforderlichen Entscheidungsfreude da bei der Süd-Tiroler Freiheit Muffensausen auftritt, ist nicht verwunderlich. Jedenfalls getraut sich diese Bewegung nicht, einen BM-Kandidaten aufzustellen. So ist der Weg frei für den bisherigen Vize-BM und einzigen BM-Kandidaten Samuel Marseiler. Mut und Entschlossenheit hat er bei der kürzlich abgehaltenen SVP-Wahlversammlung an den Tag gelegt. Marseiler weiß engagierte Mitstreiter um sich, die für den Gemeinderat kandidieren. Beruhigend dürfte auch sein, dass die Bezirks-SVP mit Albrecht Plangger und Irmgard Gamper hinter dem Stilfser Neustart nach dem Tod von BM Franz Heinisch steht. Den Unterstützungsturbo hat dann noch LH Arno Kompatscher gezündet, der dem Samuel Marseiler politisches Talent und Können attestiert und auf die Stilfser stolz ist, weil sie beim Umsetzen der 20 Millionen Euro weit vor den anderen italienischen Borghi sind.


Gratulation

  • Dachzeile: Kommentar von Chefredakteur Erwin Bernhart

Unserem Mitarbeiter, dem Heinrich „Heiner“ Zoderer gratulieren wir zur Verdienstmedaille des Landes Tirol. Natürlich gilt unser Gratulieren auch dem Bernhard Köllemann aus Langtaufers, dem Josef Kuppelwieser aus Latsch, dem Karl Luggin aus Laas und dem Ludwig Veith aus Prad, die die Verdienstmedaille in Innsbruck aus den Händen der LH Toni Mattle und Arno Kompatscher erhalten haben. Weil aber der Heiner seit mehr als 10 Jahren mit seiner Feder den Vinschgerwind als freier Mitarbeiter bereichert, wollen wir ihn besonders hochleben lassen. Wer auch immer den Heiner für die Verdienstmedaille vorgeschlagen hat, hat dem Heiner und damit dem Umweltschutz Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit verleihen können. Denn sein Einsatz - gemeinsam mit anderen - für den Umweltschutz und damit einhergehend für die Vinschgerbahn und der daraus resultierenden Erfolge (die Bahn fährt wieder, es gibt keine Schnellstraße durch den Vinschgau) hat dem Modernisierungswahn im Tal die Stirn und Alternativen geboten. Der Heiner war und ist ein gesellschaftlicher Mitdenker, aus Sicht der Wirtschaft oft auch ein Unbequemer. Der Heiner hat, bescheiden wie er ist, seine Verdienstmedaille und die damit einhergehende Aufmerksamkeit dem Umweltschutz im Allgemeinen, der Umweltschutzgruppe Vinschgau im Besonderen und vor allem auch dem allzu früh verstorbenen Gründungsmitglied und Professor Florin Florineth gewidmet.


Heizen mit Holz

  • Dachzeile: Spezial-Heizen

Auf was ist zu achten?
s48 heizen1Richtiger Brennstoff. Der richtige Brennstoff für Ihre Anlage ist trockenes und unbehandeltes Holz. Dazu gehören traditionelles Brennholz, Briketts, Pellets und Hackschnitzel. Verbrennen Sie kein Papier, behandeltes Holz wie alte Möbel oder Türen und vor allem keine Abfälle wie Milchpackungen oder Plastikflaschen. Das Verbrennen dieser Materialien kann nicht nur die Umwelt belasten und die Gesundheit der Anwohner gefährden, sondern auch Ihre Anlage beschädigen.

Richtig lagern. Voraussetzung für eine korrekte Verbrennung ist richtig gelagertes und getrocknetes Holz mit einem Feuchtigkeitsgehalt von unter 20 %.Lagern Sie das gespaltene und trockene Holz an einem belüfteten und überdachten Ort für mindestens zwei Jahre.

Richtig befüllen. Den Feuerraum richtig zu Befüllen ist entscheidend für einen optimalen Betrieb Ihrer Anlage. Stellen Sie zunächst fest, welche Art von s48 heizen2Feuerstätte Sie besitzen. Größe und Design der Feuerräume kann variieren, was Auswirkungen auf die beste Art der Befüllung des Feuerraumes hat.
Wenn Sie einen schmalen Feuerraum haben, legen Sie die Holzscheite horizontal mit der Stirnseite nach vorne.

Bei einem schmalen, aber hohen Feuerraum stellen Sie die Holzscheite vertikal auf.

In einem breiten Feuerraum mit wenig Tiefe müssen Sie die Holzscheite quer einfüllen.

Für Speicheröfen, bei denen die Wärmeverteilung besonders wichtig ist, empfiehlt es sich, die Holzscheite horizontal mit der Stirnseite nach vorne zu platzieren.

Legen Sie immer die dickeren Holzscheite nach unten und die dünneren nach oben, um eine gute Basis für das Feuer zu schaffen und eine gute Belüftung zu ermöglichen.
Nehmen Sie sich die Zeit, das Holz korrekt zu laden und befolgen Sie die spezifischen Anweisungen für Ihre Anlage.
Dies gewährleistet einen optimalen Betrieb Ihrer Anlage.

s48 heizen3Richtig anzünden. Das richtige Anzünden des Feuers beeinflusst die Verbrennungseffizienz und minimiert die Freisetzung von Luftschadstoffen. Hier sind einige Tipps für ein optimales Anzünden: Stellen Sie sicher, dass Sie alles Notwendige zur Verfügung haben, darunter vier kleine Scheite und eine Anzündhilfe wie Holzspäne oder ökologische Anzündwürfel.

  • Vermeiden Sie die Verwendung von Papier, da es beim Verbrennen schädliche Substanzen freisetzen kann.
    • Die größeren Scheite unten und die kleineren darüber.
    • Schichten Sie die vier kleinen Scheite kreuzweise und platzieren Sie den Anzünder in der Mitte:
    • Dieses „Anfeuermodul“ soll dann über den größeren Scheiten platziert werden
    • Zünden Sie den Anzünder an und schließen Sie die Brennraumtür, damit sich das Feuer entfachten kann.
    • Halten Sie die Luftklappen während des Anzündens vollständig offen, um eine gute Sauerstoffzufuhr zu gewährleisten.
    • Sobald das Feuer gut brennt und die Flammen stabil sind, können Sie die Luftklappen nach Bedarf regulieren.

Die richtige Verbrennung.
Nachfolgend sind einige Aspekte angeführt, die für eine optimale Verbrennung zu beachten sind:

  • Befolgen Sie immer die Anweisungen des Herstellers bezüglich der richtigen Holzmenge, die verwendet werden soll.
    Überladen Sie niemals den Brennraum.
    • Öffnen Sie vor dem Anzünden die Luftklappen vollständig, um eine gute Sauerstoffzufuhr für das Feuer zu garantieren.
      • Halten Sie die Luftklappen während der Verbrennung vollständig offen. Vermeiden Sie das Auflegen von Holz auf die Flammen. Holz nur auf die Glut nachlegen.
      • Sobald keine Glut mehr sichtbar ist, können die Luftklappen geschlossen werden, um unnötige Wärmeverluste zu vermeiden und die Rauchentwicklung zu minimieren.
      • Die regelmäßige Reinigung und Wartung sind entscheidend für den korrekten Betrieb, der Sicherheit und Dauer Ihrer Anlage.

    Richtige Reinigung und Wartung.

    Folgende Punkte sind zu beachten:
    Regelmäßiges Entfernen der Asche: Stellen Sie sicher, dass Sie regelmäßig die angesammelte Asche entfernen.
    Überschüssige Asche kann die Luftzirkulation behindern und die Effizienz des Systems beeinträchtigen.
    Verwenden Sie ein geeignetes Werkzeug, um die Asche sicher zu entfernen und reinigen Sie den Brennraum gründlich.

    Reinigung des Kamins und der Feuerstelle: Planen Sie regelmäßige Wartungen und Reinigungen des Kamins und der Anlage durch einen Kaminkehrer.
    Dies stellt sicher, dass der Kamin frei von angesammelten Rückständen wie Ruß ist, die ein Brandrisiko darstellen und die Effizienz des Kaminzugs beeinflussen können.

    Inspektion der Dichtungen: Überprüfen Sie regelmäßig den Zustand der Dichtungen der Feuerstelle und des Kamins.
    Abgenutzte oder beschädigte Dichtungen können Wärmeverluste verursachen und die Effizienz des Systems verringern.
    Ersetzen Sie beschädigte Dichtungen, um eine optimale Abdichtung zu gewährleisten.

    Überprüfung des Zustands der Komponenten: Überprüfen Sie regelmäßig den Zustand der Komponenten der Anlage, wie Lüftungsgitter, Feuerraum und hitzebelastete Metallteile.
    Stellen Sie sicher, dass sie frei von Schäden oder Korrosion sind, und ersetzen Sie beschädigte oder abgenutzte Komponenten.

    Abkommen zur Verbesserung der Luftqualität
    Das Projekt “Heizen mit Holz...aber richtig!” entstand im Rahmen eines Abkommens zwischen der Provinz Bozen und dem Ministerium für Umwelt und Energiesicherheit (MASE), für die Ergreifung von Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität in Südtirol.
    Mit dem Abkommen verpflichtet sich das MASE, Mittel in Höhe von 5 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen, um die Luftqualität in der Provinz im Zeitraum von 2023 bis 2027 zu verbessern und Initiativen zu finanzieren, die darauf abzielen, die Emissionen der problematischsten Schadstoffe in den verschiedenen Gebieten zu reduzieren.
    Die kritischsten Luftschadstoffe in der Provinz Bozen sind Feinstaub (PM2.5), Benzo(a)pyren (B(a)P) und Stickstoff (NO2). Um die Konzentrationen der beiden erstgenannten Schadstoffe zu verringern, wurde eben diese Informationskampagne ins Leben gerufen, da diese hauptsächlich durch unzureichende Verbrennung von Holz zu Heizzwecken in Privathaushalten, insbesondere in ländlichen Gebieten, entstehen.

    Förderungen
    Mit dem Ziel, die Umweltbelastung durch holzbefeuerte Anlagen zu verringern, wurden zusätzlich zur Informationskampagne verschiedene Formen von Fördermitteln aktiviert, um den Ersatz alter Anlagen durch modernere und weniger umweltschädlichere zu fördern, so z.B. :
    Beiträge für den Austausch alter Holzheizungen >=35 kW
    (https://umwelt.provinz.bz.it/de/luft/beitrag-alter-holzheizungen
    Conto Termico (https://www.gse.it/)
    Landesbeiräge für Energieeffizienz und erneuerbare Energie (https://umwelt.provinz.bz.it/de/energie-klima/beitraege)
    Steuerabzüge für Gebäudesanierungen und für energetische Sanierungsarbeit (https://bonusfiscali.enea.it/)

Quelle: www.heizenmitholz.it

Heizen mit Holz - Aber richtig!

  • Vorspann: Die Vinschger Feger und den Vinschgerwind verbindet seit Jahren eine wertvolle Zusammenarbeit. Seit fast 10 Jahren ist es lieb gewordene Tradition zu Jahresende ein Interview über aktuelle Themen zu führen.
  • Dachzeile: Heizen
  • Redakteur: Angelika Ploner (Interview)
  • Redakteur Bild:
  • Weitere Fotos - 1:

Vinschgerwind: Das abgelaufene Jahr war nicht einfach, das neue Jahr 2026 wird noch schwieriger. Pensionierungen und keine neuen Mitarbeiter, die gefunden werden. Was heißt das für die Kunden?
Hanspeter Schwemm: Wir befinden uns in einer ganz schwierigen Situation. Das bisherige System, wie es die Kunden kennen, ist in dieser Form längerfristig vielleicht nicht mehr machbar. Es ist alles im Wandel, so auch unsere Dienstleistung.

Vinschgerwind: Was heißt das konkret für die Kunden?
Hanspeter Schwemm: Es wird sich nichts von heute auf morgen ändern. Aber es kann sein, dass in den kommenden Jahren in manchen Kehrbezirken der Kaminkehrerdienst auf Abruf basiert oder erfolgen wird.
Helmuth Holzner: Es ist bei uns wie bei allen Branchen auch: Wenn die Mitarbeiter fehlen, dann kommt man unter Druck und man kann nicht alle und auch neue Kunden zufriedenstellen.

Vinschgerwind: Und woran liegt es, dass der Nachwuchs fehlt?
Johannes Tappeiner: Wir haben, wie alle Handwerksberufe, mit Nachwuchsmangel zu kämpfen. Es kommen einfach immer weniger Junge nach. Zum anderen haben viele auch ein falsches Bild vom Kaminkehrerhandwerk. Der Kaminkehrerberuf hat nicht nur mit der traditionellen Kaminreinigung zu tun, sondern ist ein abwechslungsreicher Job. Man hat viel Kundenkontakt, das Arbeitsfeld ist sehr breitgefächert wie zum Beispiel Kamininspektionen mit der Kamera unter anderem auch bei Lüftungsanlagen, Kaminsanierungen, Druckproben bei Kaminen, Abgasmessungen Beratungen usw. und am Jahresende auch Glücksbringer!
Helmuth Holzner: Kaminkehrer ist auf jeden Fall ein vielseitiger Beruf. Unsere Vinschger Fegerbetriebe möchten kommenden Sommer Praktikumsplätze, natürlich begrenzt, anbieten, damit Interessierte unseren Beruf kennenlernen können.
Hanspeter Schwemm: Und es steckt immer mehr Technik und Wissen dahinter. Allein die verschiedenen Arten von Heizanlagen, Pelletsöfen usw. Verbrennungsstechnik, Normen und Gesetze und allgemein im energetischen Bereich.
Richard Schupfer: Der Kaminkehrer ist nicht mehr nur Kaminkehrer, sondern ein Kaminfachmann.

Vinschgerwind: Was passiert, wenn die Prüfungsintervalle nicht mehr eingehalten werden können?
Hanspeter Schwemm: Der Betreiber ist immer selbst für seine Anlage verantwortlich. Das heißt die Eigenverantwortung steigt. Der Betreiber ist am Ende immer für die Sicherheit, die ordnungsgemäße Reinigung und die Einhaltung von Vorschriften verantwortlich.

Vinschgerwind: Knüpfen wir an das Interview vor genau einem Jahr zu Jahresende an: Es wurde damals jene Kampagne angekündigt, die derzeit läuft und sich „Heizen mit Holz“ nennt.
Richard Schupfer: Ja, genau. Das Amt für Luft und Lärm, die Klimahausagentur, der lvh und wir Kaminkehrer haben eine dreijährige Infokampagne gestartet, die sich „Heizen mit Holz“ nennt. Die Kampagne richtet sich an Besitzer von Feuerungsanlagen, darunter sind Herd, Ofen und Heizanlagen gemeint, die mit Holz, also mit Festbrennstoff, betrieben werden.
Hanspeter Schwemm: Ziel ist einmal die Leute darauf aufmerksam zu machen, wie die Anlagen zu befeuern sind. Zum Zweiten soll auf die Wartungen hingewiesen werden und zum Dritten ein Emissionskataster erstellt werden.

Vinschgerwind: Ein Emissionskastaster?
Johannes Tappeiner: Ja, die Kunden werden zugleich befragt. Das heißt, um dieses Emmissionskataster zu erstellen, werden vom Kaminkehrer vor Ort einige Daten einsammelt.
Richard Schuper: Konkret sieht das so aus: Im Zuge von einer Reinigung erklärt der Kaminkehrer wie „Heizen mit Holz“ richtig funktioniert, sprich führt ein Beratungsgespräch durch. Zugleich wird der Brennstoff, also das Holz einer Feuchtigkeitsmessung unterzogen. Dann wird noch der Brennstoffverbrauch bemessen.
Helmuth Holzner: Dann wird festgehalten, wieviele Anlagen sich im Haus befinden und in welchem Zustand diese sind.
Hanspeter Schwemm: Wir erfassen auch die Klimahauszertifizierung.
Richard Schupfer: Wichtig zu sagen ist, wir bewerten nicht, sondern wir erheben Daten. Und das erfolgt nur mit dem ausdrücklichen Einverständnis der Besitzer. Das ist keine Verpflichtung, aber es ist wichtig, weil diese Erhebung und die Beratungsgespräche dazu dienen, die Emissionen zu reduzieren und Rauch- und Geruchsbelästigungen zu vermindern. Das alles erfolgt über eine App.

Vinschgerwind: Es geht bei der Kampagne gleichzeitig auch um den Wert des Brennstoffes Holz zu erhöhen.
Hanspeter Schwemm: Richtig, es geht darum, den Wert von Holz zu erhöhen.
Hanspeter Schwemm: Noch etwas müssen wir immer wieder wiederholen: Die Anlagen müssen unbedingt professionell installiert werden. Man kann nicht einfach einen Fertigofen aus dem Handel selbst installieren.

Vinschgerwind: Eure Erfahrungen: Wie wichtig ist Aufklärungsarbeit in diesem Bereich?
Hanspeter Schwemm: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es sehr wichtig ist, immer wieder Aufklärungsarbeit in diese Richtung zu machen.
Johannes Tappeiner: Es können so auch Mängel festgestellt werden, das ist für den Besitzer sehr wertvoll.
Helmuth Holzner: Und wir machen im Zuge dieses Beratungsgespräches auch auf die aktuellen Förderungen aufmerksam.
Richard Schupfer: Das Beratungsgespräch ist kostenlos und geht mit den Privacy-Bestimmungen konform.

Johannes Tappeiner: Beim Ankauf von Feuerstätten sollte darauf geachtet werden, ob diese die „ 4 bzw. 5“ Sterne, die italienische Abgasklassifizierung, erfüllen. Achtung beim Ankauf von alten, gebrauchten Herden und Öfen, welche diese Standards nicht erfüllen.

Herbst- und Wintermode 2025

  • Dachzeile: Spezial-Mode
  • Redakteur: Angelika Ploner
  • Redakteur Bild:

Ob erdige Töne oder Kaffeefarben - die neuen Brauntöne bestimmen 2025 die Modewelt. „Mocha Mousse“, die Trendfarbe des Jahres 2025, ist ein warmer Braunton, der sich aus teils rötlichen Untertönen zusammensetzt. Auch für festliche Anlässe lässt sich die Trendfarbe „Mocha Mousse“ stilsicher kombinieren. Dabei löst der warme Braunton bereits die Farbe Schwarz ab. Denn im Gegensatz zu Schwarz wirkt Braun wärmer, leichter und lässiger.
Trendfarbe Nummer zwei: Rot. Die romantische Farbe Rot gehört im Herbst und Winter 2025/2026 in jede Garderobe. Vor allem Mäntel und Pullover erstrahlen in dieser Saison in der Rot. Dazu passen neutrale Basics perfekt. Aber auch Accessoires in einem tiefen Rot gehören in diesem Herbst und Winter dazu. Kombiniert zu schlichten Looks in Schwarz und Grau setzen sie zweifelsohne Farbakzente.
Farbtrend Nummer drei: Buttergelb und Greige. Greige? Die Trendfarbe Greige ist eine Symbiose aus Grau und Beige, die super elegant und luxuriös wirkt. Greige kann zu so gut wie jeder anderen Farbe kombiniert werden, am besten kommt sie neben Erdtönen oder Cremefarben zur Geltung.

Kastig geschnitten und leicht oversized Blazer gehören in diesem Herbst und Winter 2025 in jede Garderobe. Aufregende Schnitte und markante Formen dominieren aber auch ab-seits vom Blazer die diesjährige Herbstmode.

Der Hosenanzug bleibt diese Saison weiterhin im Trend.

Warum kuschelige Strick-Kombinationen so angesagt sind? Sie sind absolute Allrounder und wirken dabei chic und lässig zugleich. Strick-Ensembles aus Cashmere, Merino- und Alpakawolle eignen sich hervorragend für die ersten kühlen Herbsttage. Oversized-Schnitte geben dem Look zudem eine gewisse Lässigkeit. Farben wie Grau, Creme und Beige lassen sich zu jedem Look kombinieren. Je grober der Strick, desto moderner.

Nicht genug kann in diesem Herbst von Leder oder Kunstleder sein. Leder-Looks werden im Herbst/Winter 2025/26 elegant. Lange Lederröcke, Hosen aus Glattleder und glänzende Leder-Blazer oder Lederjacken stehen diese Saison im Fokus.

Die Jeans bleibt ein unverzichtbares Basic in der Garderobe. Weite, gerade Schnitte sind weiterhin ein zentrales Thema.

Ob Leo-Mäntel, Blusen oder Kleider mit Leo-Muster: Animal Print ist alltagstauglich.

2025 und 2026 bleibt auch die Sportbekleidung weiterhin Trend. Sportbekleidung hat seit der vergangenen Saison seinen Weg in die Alltagsgarderobe gefunden und bleibt - so wie es aussieht - länger dort.

Der romantische Look hat im Herbst und Winter 2025/26 die Garderoben erobert. Nicht mehr verträumt und mädchenhaft, sondern selbstbewusst und modern. Spitze, Tüll, Volants, Rüschen und Semi-Transparenz erscheinen nun als starke Stilmittel, die Weiblichkeit feiern und zugleich spannende Brüche zulassen. Denn die neue Romantik zeigt klare Kante.

FAZIT
Welche Modetrends gibt es im Herbst 2025?
Oversized-Schnitte und kantige Silhouetten bleiben. Strick-Ensembles, die als Sets oder im Mix & Match-Look getragen werden, werden zu unverzichtbaren Allroundern, während Denim durch extravagante Verzierungen ein Upgrade bekommt. Der Sport-Look ist zurück und ergänzt die Herbstgarderobe auf stilvolle Weise.

Welche Trendfarben sind im Herbst 2025 angesagt?
Die diesjährige Herbstmode definiert sich durch erdige Farben wie Burgunderrot und sinnli-che Brauntöne. Aber auch ein expressives Rot sowie Grün- und Blautöne, die für Lebendig-keit sorgen, sind jetzt Trend.

Was trägt man 2025 nicht mehr?
Enge Hosen trägt man nicht mehr: Ob Karottenhose oder Skinny Jeans: enge Passformen sind in den Modetrends 2025 leider nicht mehr zu finden. Stattdessen setzt man auf gemütliche, weite Hosen, die bequem sitzen.

Die Farbe Pink dezent einsetzen: Die Farbe Pink hat die vergangenen Modetrends bestimmt. Das ist jetzt vorbei. Pink wird von knalligem Grasgrün abgelöst.

Hühnervögel - Faszinierend und nützlich

  • Dachzeile: Natur & Landschaft
  • Redakteur: Wolfgang Platter, am –Tag des Hlg. Matthias
  • Weitere Fotos - 1: Hahn der Rasse Apenzeller Haubenhuhn, im Farbschlag Goldbronze
  • Weitere Fotos - 2: Naturbrut einer Glucke des Federfüßigen Zwerghuhnes
  • Weitere Fotos - 3: Henne der Rasse Hamburger mit rotem Kamm, roten Kehllappen und weißen Ohrflecken
  • Weitere Fotos - 4: Zwei Hennen der Rasse Vorwerk und Lakenvelder
  • Weitere Fotos - 5: Bei der Kunstbrut im Inkubator werden die Bedingungen der Naturbrut nachsimuliert
  • Weitere Fotos - 6: An den verschiedenen Schalenfarben der Eier kann man die Biodiversität erkennen

Die Hühnervögel (Galliformes) haben mit 70% der Biomasse oder des Gewichtes einen überwältigenden Anteil an der gesamten Vogelpopulation auf der Erde. Wir unterscheiden zwischen Wildhühnern und Haushühnern als Nutztiere. Kein Nutztier der Welt trägt derart viel zur Ernährung der Menschheit bei wie das Haushuhn. Auf der Erde leben geschätzt 26-27 Milliarden Haushühner, das sind 3 Hühner auf einen Menschen.

Haustierzähmung
Das domestizierte Haushuhn ist aus dem südostasiatischen Bankivahuhn hervorgegangen, schätzungsweise in einem Zeitraum von 8000 bis 3000 vor heute. Damit ist das Haushuhn in der Evolutions- und Kulturgeschichte eines der jüngeren Haustiere. Der Hund gilt als das älteste domestizierte Tier. Dessen Beziehung zum Menschen wird auf 30.000 - 15.000 Jahre zurückdatiert. Neue Forschungen und C-14-Kohlenstoffdatierungen gehen davon aus, dass Hühner auch relativ spät weit verbreitet wurden und erst um ca. 800 vor Christi Geburt in Europa ankamen. Vor dem Huhn wurden andere Tiere wie Schafe, Ziegen und Schweine domestiziert, die bereits vor rund 10.000 Jahren (zu Beginn der neolithischen Revolution mit der beginnenden Sesshaftigkeit) eine Rolle spielten.

Huhn im Bild
Die ersten kunsthandwerklichen Abbildungen von Hühnern sind aus den frühen Hochkulturen Ostasiens, Ägyptens und Griechenlands überliefert: Es sind Wandmosaike und Trinkhörner, Abbildungen auf Vasen oder hühnerförmige Kannendeckel. Manches verweist auf Rituale, Kulte und Huhn-Orakel.

Haushühner aus Kunstbrut
Haushühner und Wildhühner sind Nestflüchter. Nestflüchter schlüpfen im Unterschied zu den Nesthockern mit offenen Augen und einem Dunenkleid als Kälteschutz aus dem Ei und können gleich nach dem Schlupf selbstständig fressen. Zu den Nestflüchtern gehören neben den Hühnern etwa auch die Gänse- und Entenvögel. Nesthocker dagegen sind blind und nackt und müssen von den Vogeleltern gefüttert werden. Bei den Nestflüchtern ist die Brutpflege reduziert: Die Glucke sorgt „nur“ für die Verteidigung vor Fraßfeinden, führt die Küken zum Futter und wärmt sie unter ihren Federn durch Hudern.
Es gibt noch einen zweiten Grund, warum man überhaupt Hühnervögel in Kunstbruten erfolgreich züchten kann: Die extrauterine Embryonalentwicklung der Vögel. Vögel entwickeln sich so wie die Fische, Amphibien und Reptilien als weitere drei der insgesamt fünf Klassen von Wirbeltieren außerhalb des Mutterleibes. Nur Säuger entwickeln sich intrauterin.
In der Naturbrut wärmt die brütende Henne die Eier mit ihrer stark durchbluteten Brustmuskulatur auf 37,5-38,5° C auf. Im Brutapparat wird diese Bruttemperatur mit einer Heizspirale nachsimuliert. Hühnereier haben außen eine feine Fettschicht, die das Ei vor dem Austrocknen schützt. Man kann nur nicht gewaschene Eier erfolgreich bebrüten. Mit dem Waschen reibt man die Fettschicht ab, die Eier würden Flüssigkeit durch Verdunstung abgeben und die Embryonen dadurch vertrocknen.
Beim Haushuhn dauert die Brut 21 Tage. Nach ca. 7 Tagen Wärmens hat sich in den befruchteten Eiern der Embryo so weit entwickelt, dass man das Herz als dunklen Fleck und die sogenannte Blutspinne erkennen kann, wenn man eine Punktlampe an das stumpfe Ende des Eies hält, um es zu durchleuchten. Dieses Durchleuchten nennt man Schieren.

Abstammung der Vögel
Spätestens seit dem Fund des fossilen Urvogels Archaeopterix 1861 im Altmühltal in Bayern wissen wir, dass die Vögel von den Kriechtieren oder Reptilien abstammen. Alle bisherigen Funde des Archaeopterix stammen aus den feinkörnigen Plattenkalken der Fränkischen Alm, insbesondere aus der Region um Solnhofen und Eichstätt. Hier bot der sogenannte Solnhofer Archipel einst ideale Bedingungen zur Fossilisation. Man geht davon aus, dass sich die Vögel aus der Familie der Theropoden entwickelt haben. Theropoden sind eine Familie der Dinosaurier. Auch wenn viele Saurier als fleischfressende Räuber verschrien sind, hatten sie viele Eigenschaften von Vögeln, die sich seit dem Auftreten dieser Familie vor rund 200 Millionen Jahren entwickelt haben. Zu diesen Eigenschaften gehörten das Eierlegen, leichte und hohle Knochen bewegliche Fußgelenke, der zweifüßige Gang und in einigen Fällen bereits Federn. Die meisten Paläontologen und Paläontologinnen sind inzwischen überzeugt, dass die ersten Federn anfangs weniger mit dem Fliegen zu tun hatten, sondern eher mit dem Aufrechterhalten der Körpertemperatur.

Der gigantische Meteoriteneinschlag
Vor 66 Millionen Jahren kam die Welt plötzlich zum Stillstand. Ein Asteroid von der Größe einer ganzen Stadt raste mit vierfacher Schallgeschwindigkeit durch die Atmosphäre und schlug auf der Erde ein. Direkt vor der mexikanischen Küste verursachte er eine Explosion, die sieben Milliarden Mal heftiger war als jene von Hiroshima, und riss ein Loch von 180 Kilometern Durchmesser in die Erdkruste. Diese Kollision, heute als Chicxulub-Impaktor bezeichnet, löste auf der gesamten Erdoberfläche Schockwellen aus. Erdbeben und Vulkanausbrüche rissen die Böden auf, Brände vernichteten Wälder, riesige Tsunamis überschwemmten die Küsten. Die erste gewaltige Erschütterung war jedoch nichts gegen das, was folgte. Die Explosion setzte Milliarden Tonnen Ablagerungen und giftige Gase frei, auch Schwefel und Kohlendioxid, verpestete die Atmosphäre und ließ das Klima verrücktspielen. Drei Viertel aller Lebewesen kamen um. Die 170 Millionen Jahre dauernde Herrschaft der Dinosaurier auf unserem Planeten endete abrupt mit einer Katastrophe. Jedenfalls fast. Eine Dinosaurier-Form überlebte das Massensterben. Und diese Tiere waren die Vorfahren sämtlicher Vögel, die heute auf der Erde flattern, scharren, watscheln.

Einheimische Wildhühner
In den Alpen gibt es einige Arten von Wildhühnern. Sie werden in der zoologischen Systematik den zwei Familien der Raufußhühner (Tetraonidae) und der Glattfußhühner (Phasianidae) zugeordnet. Raufußhühner haben befiederte Läufe und Hornschuppen an den Zehen. Glattfußhühner haben nackte Läufe. Zu den einheimischen Raufußhühnern gehören die vier Arten Schneehuhn, Birkhuhn, Auerhuhn und Haselhuhn. Zu den einheimischen Glattfußhühnern gehören das Steinhuhn, die Wachtel, der Wachtelkönig und, wo die Arten noch vorkommen, der Fasan und das Rebhuhn. Das Rebhuhn ist in Südtirol ausgestorben. In Deutschland wurde es vom Deutschen Naturschutzbund wegen seiner großen Gefährdung zum Vogel des Jahres auserkoren. Für Südtirol hat die Südtiroler Arbeitsgemeinschaft für Vogelkunde und Vogelschutz das Steinhuhn zum Vogel des Jahres 2026 gewählt.

 

Avimundus Schlanders
Wer sich für die Vogelwelt interessiert, dem sei ein Besuch von Avimundus, dem Besucherzentrum des Nationalparks Stilfserjoch und der Gemeinde Schlanders in der Fußgängerzone Schlanders empfohlen. Das Besucherzentrum ist im Winterhalbjahr vom 2. Januar bis 31. März geöffnet, im Sommerhalbjahr vom 2. Mai bis 31. Oktober. Die täglichen Öffnungszeiten sind folgende: 09.30-12.30 und 14.30-17.30 Uhr. Sonntag und Montag bleibt das Zentrum geschlossen.

Hüter eines romantischen Mittelalters

  • Vorspann: Wer den Fußweg zur Haderburg über Salurn auf sich nimmt, betritt eine andere Welt. Dort oben, fern von Autolärm und Termindruck, empfängt Ritter Martinus von Scheck zu Goldrain seine Gäste in historischer Gewandung und mit einer Haltung, die aus einer anderen Zeit zu stammen scheint.
  • Dachzeile: Portrait
  • Redakteur: Maria Raffeiner

Geboren wurde Martin Gluderer in Meran. Seine Schulzeit verbrachte er ebenfalls dort, bis zu seinem 20. Lebensjahr lebte er in Obermais. Zunächst erlernte er den Beruf des Verkäufers im Lebensmittelbereich, dann folgten die Jahre als Sanitäter beim Weißen Kreuz in Bozen und im Vinschger Oberland. Auch als Privatchauffeur war er tätig, bevor ihn ein Facebook-Eintrag im Jahr 2018 aufhorchen ließ. Die Haderburg suchte jemanden, der bereit war, Verantwortung zu übernehmen und Leben in die alten Mauern zu bringen. Gluderers Cousin Roman Perfler war als Pächter abgetreten, nun sah er seine Zeit gekommen. Er präsentierte der venezianischen Besitzerfamilie ein Konzept, das bis heute trägt. Mittelalterliche Gewandung, Burgbelebung und authentische Speisen sollten Geschichte nicht erklären, sondern vielmehr mit allen Sinnen erfahrbar machen.
Die Faszination für das Rittertum begleitet ihn seit Kindertagen, seine Mutter Hermine Thöni und sein Großvater Matthias Thöni aus Eyrs erzählten und lasen ihm vor. Als Jugendlicher wurde Martin Mitglied bei den Rittern von Andrian, einem Mittelalterverein, in dem er Schwertkämpfe trainierte und sich intensiv mit Geschichte beschäftigte. Dazu gehörten nicht nur Kleidung und Ausrüstung, sondern auch das Wissen um Getränke und Speisen, handwerkliche Fertigkeiten und ein respektvoller Umgang miteinander.
Als Lehnsherr der Haderburg gründete Martin dann seinen eigenen Verein. Gemeinsam mit Martin Zöschg aus Naturns hob er die Ritterliche Gesellschaft zur Haderburg aus der Taufe. Mehrere Jahre blieb Gluderer ihr Präsident, heute stehen die 35 Mitglieder unter der Leitung von Martin Zöschg. Historische Detailtreue sei ihnen wichtig, doch mit Augenmaß.
Den Ritterschlag erhielt Martin Gluderer vom Hochmeister des Bündnisses der abendländischen Ritterschaft. Auch wenn manche darüber lächeln, ist dieser Schritt für ihn von großer Bedeutung. Zuvor wurden Haltung, Benehmen und innere Einstellung geprüft. Politik, Religion oder gesellschaftlicher Status spielen dabei keine Rolle. Entscheidend ist vielmehr das Einhalten der staatlichen Gesetze ebenso wie des ritterlichen Wertekodex. Der Ritterschlag erfolgte im Rahmen eines Kapitels (Zusammenkunft) mit feierlicher Zeremonie und Schwur.
Heute zeigen sich die Ritter der Haderburg bewusst in der Öffentlichkeit. Sie tragen Schwertkämpfe aus, betreiben Bogenschießen und nehmen in Schluderns und andernorts an Ritterspielen teil. Zweimal jährlich findet auf ihrer Heimburg ein Kapitel statt. Wird dabei vom Großmeister das Gaudium ausgerufen, darf auch die Unbeschwertheit nicht fehlen, „sem isch die Hetz erlab!“
Der Name Martinus von Scheck zu Goldrain ist geprüft, rechtlich gesichert und bewusst gewählt, denn zu Goldrain bestehen persönliche Verbindungen. Seine Mutter wohnt im Schloss Goldrain, das vor dem Ausbau der Hendl den Scheck gehört hatte. Zudem stammte Martins Vater aus Goldrain. An Martins Seite steht die Burgfrau Alexia von Scheck. Die Eppanerin nimmt als gleichwertiges Pendant zum Ritter eine eigene Rolle ein, ebenfalls durch eine Zeremonie erhoben. Auf der Haderburg ist sie die Köchin. Ihre Gäste kommen aus der ganzen Welt und zeigen großes Interesse an Geschichte. Gekocht wird nach historischen Rezepten, darunter Rippen nach einer Anleitung aus dem 11. Jahrhundert.
Seit einem halben Jahr ist Martin auch im Gewölbe der Alten Post in der Schlanderser Fußgängerzone anzutreffen, da er dort mit Thomas und Wolfgang Fuchs aus Morter ein weiteres Lokal eröffnet hat. In der Taverne bieten die Postlords, wie sie sich nennen, mittelalterliche Menüs und Mittelaltergelage mit passender Musik. Da man sich in der Alten Post thematische Freiheit erlaubt und abseits vom Mittelalter dem folgt, was Spaß macht, finden diverse Themenabende statt. Wolfgang Fuchs hat sich inzwischen zurückgezogen, Martin und Thomas setzen die Zusammenarbeit fort. Den Freunden liegt noch ein weiteres Projekt am Herzen. Ihr Förderverein zur Rettung der Burg Obermontani möchte die Ruine, sobald sie gesichert ist, beleben. Noch ist Geduld gefragt, der gastronomische Plan würde sich an der Haderburg orientieren, thematisch möchte man an die Nibelungensage anknüpfen.
Was den 40-Jährigen antreibt, ist mehr als historisches Interesse. Das romantische Mittelalter steht für ihn für Werte wie Stolz, Ehre, Disziplin und das Einhalten des gegebenen Wortes. Werte, die seiner Ansicht nach heute oft verloren gingen. Die Epoche werde häufig als dunkel, schmutzig und grausam dargestellt. Martin sieht das differenzierter. Wie informiert er sich über das Mittelalter? Lesen gehört weniger zu seinen Gewohnheiten, dafür besucht er Museen und recherchiert im Internet. Besonders gerne reist er nach Irland und Schottland, zu Burgen, historischen Orten und Whiskey Destillerien. Die Menschen dort schätzt er wegen ihrer Offenheit und Gastfreundschaft.
Wenn der Hof der Haderburg voller Gäste ist, wird gewartet, die Stimmung genossen und Gelassenheit geübt. Stress, davon ist er überzeugt, habe es im Mittelalter so nicht gegeben. Seiner Mittelalternostalgie entspringt auch Gesellschaftskritik. Vielleicht ein bewusster Rückzug in eine Welt, die ihm mehr gibt als die heutige Zeit? Ritter Martinus von Scheck zu Goldrain nickt.

Ideen Wohnen

  • Vorspann: Exklusive Einrichtungstipps und aktuelle Wohntrends
  • Dachzeile: Spezial-Einrichten
  • Redakteur: Angelika Ploner
  • Redakteur Bild:
  • Weitere Fotos - 1: PREMIUMTEPPICHE  Hochwertiger Teppich nachhaltig & fair in Belgien produziert für die anspruchsvolle Raumgestaltung in verschiedenen Farben und Designs.   Gesehen bei  Einrichtungsstudio Gerstl in Latsch.
  • Weitere Fotos - 2: ELENA. Ein Zweisitzer-Sofa mit Longchair rechts, in silbergrauem Flachgewebe und auf satinierten Nickelfüßen verbreitet die angenehme Atmosphäre von dezentem Luxus. Das schlanke reduzierte Sofa korrespondiert in ansprechender Weise mit der Form- und Farbgebung des Drehsessels ENNO.   Gesehen bei  Möbelhaus Wallnöfer in Naturns.   ENNO. Drehsessel mit komfortabler  Polsterung und wohltuenden  Relaxfunktionen, die keine  Wünsche offen lassen.   Gesehen bei  Möbelhaus Wallnöfer  in Naturns.
  • Weitere Fotos - 3: HERBSTLICHE WOHNTRÄUME. Stilvolle Bettwäsche, exklusive, hochwertige  Heimtextilien, Kissen oder Dekoration: Das Besondere für ein schönes Zuhause finden Sie bei  Raumausstattung Fleischmann in Schlanders
  • Weitere Fotos - 4: GARDEROBE. Der Eingang, der verschiedenen Bedürfnissen gerecht wird. Die Modularität und Kombinierbarkeit ist die Stärke von CINQUANTA3: Verschiedene modular aufgebaute Elemente ermöglichen eine individuelle Einrichtungsplanung und bieten eine Lösung für jedes Zuhause.  CINQUANTA3 NEU bei  Möbelhaus Wallnöfer in Naturns.
  • Weitere Fotos - 5: GARDEROBE. Der Eingang, der verschiedenen Bedürfnissen gerecht wird. Die Modularität und Kombinierbarkeit ist die Stärke von CINQUANTA3: Verschiedene modular aufgebaute Elemente ermöglichen eine individuelle Einrichtungsplanung und bieten eine Lösung für jedes Zuhause.  CINQUANTA3 NEU bei  Möbelhaus Wallnöfer in Naturns.
  • Weitere Fotos - 6: WOHNWAND.  Stil und ein Hauch von Eleganz: Das Spiel mit Volumen und Farben schafft ein Ambiente, wo man sich einfach Zuhause fühlt.  CINQUANTA3 NEU bei  Möbelhaus Wallnöfer in Naturns.
  • Weitere Fotos - 7: RAUMPLANUNG.  Intelligente Raumplanung: Die Garderobe als Raumteiler. Cinquanta3 definiert Lebensräume neu.  CINQUANTA3 NEU bei Möbelhaus Wallnöfer  in Naturns.
  • Weitere Fotos - 8: SCHLAFZIMMER.  Kuscheloase zum Träumen. Cinquanta3 entwirft und produziert Möbel, die modular, flexibel und mit maximaler Gestaltungsfreiheit überzeugen.  CINQUANTA3 NEU bei  Möbelhaus Wallnöfer  in Naturns.

Im falschen Kleid - Wenn Tarnung nicht mehr tarnt

  • Dachzeile: Natur & Landschaft
  • Redakteur: Wolfgang Platter, am Tag der Hlg. Barbara, 4. Dezember 2025
  • Weitere Fotos - 1: Mauswiesel; Foto: Raffaele Turvani
  • Weitere Fotos - 2:
  • Weitere Fotos - 3:
  • Weitere Fotos - 4:

Mimese ist eine Form der Tarnung. Dabei passen sich Pflanzen oder Tiere durch Gestalt, Farbe oder Haltung so ihrer Umgebung an, dass sie von Fressfeinden nicht entdeckt zu werden. Ein Beispiel für Mimese bei Pflanzen wären etwa die lebende Steine (Lithops) aus der Familie der Mittagsblumengewächse (Aizoaceae).
Unter den Alpentieren sind der Schneehase (Lepus timidus), das Schneehuhn (Lagopus muta) und das Hermelin (Mustela erminea) drei Arten, die sich durch den Wechsel ihrer Farbe in Fell oder Federkleid perfekt an den Untergrund anpassen und so vor ihren Beutegreifern schützen. Schneehase und Schneehuhn leben in den Gebirgen oberhalb der Waldgrenze. Die alpinen Rasen bieten als Lebensraum zum Beispiel im Vergleich zum Wald kaum Deckung. Die Tarnfarbe des Körpers ist daher im Laufe der Evolution dieser genannten Arten zu einer Überlebensstrategie geworden: Tarnung statt Deckung. Im Sommer haben Schneehuhn, Schneehase und Hermelin eine erdbraune Farbe und sind dadurch saisonal gut an den Untergrund angepasst. Im Winter färbt sich das Fell oder das Federkleid durch den Wechsel von Haaren bzw. Federn weiß wie der Schnee. Aber „schneeweiß“ tarnt nicht mehr, wenn der Schnee nicht mehr oder viel seltener fällt und die Schneedecke viele weniger lang anhält. Dies ist derzeit und seit den letzten 20 warmen Jahren der Fall. Immer größere Mengen des Winterniederschlages fallen wegen der Erderwärmung und im Klimawandel in flüssiger Form als Regen und nicht mehr in fester Form als Schnee. Die drei genannten Arten von Alpentieren befinden sich im Winter immer öfter im falschen Gewand. Der saisonale Fell- und Haarwechsel ist ein hormonell gesteuerter Prozess. Es ist derzeit noch fraglich, ob die Körperhormone dieser Tiere so schnell und kurzfristig auf den Klimawandel reagieren, indem etwa das Sommerkleid länger getragen wird, weil es auch für den wärmeren Herbst und den kürzeren und weniger extremen Winter taugt. Wenn die hormonelle Anpassung langsam verläuft als der Klimawandel, werden diese Alpentiere zu Verlierern des Klimawandels.

Hermelin und Mauswiesel
Für heute noch eine kleine Präzisierung: Hermelin und Mauswiesel ist nicht dasselbe. Es sind zwei verschiedene Arten aus der Familie der Marder (Mustelidae). Das Hermelin (lateinisch Mustela erminea) ist größer als das Mauswiesel (Mustela nivalis). Das Mauswiesel ist das kleinste Raubtier und ist nur etwa so groß wie eine Feldmaus oder eine kleine Ratte. Der Schwanz des Mauswiesels ist deutlich kürzer als jener des Hermelins. Das Mauswiesel verfärbt sich im Winter nicht weiß. Nur das Hermelin hat den Wechsel der Fellfarbe von sommers erdbraun auf winters schneeweiß.

Imker meistern digitale Hürden

  • Vorspann: Die Digitalisierung hat ihre Tücken. Imker im Bezirk Obervinschgau kämpften am 13. September 2025 im Gemeindesaal von Schluderns sage und schreibe zwölf Stunden lang zusammen mit ehrenamtlichen Computerfachleuten um die verpflichtende digitale Eintragung in den Einheitsschalter für gewerbliche Tätigkeiten SUAP.
  • Dachzeile: Spezial-Landwirtschaft
  • Redakteur: Magdalena Dietl Sapelza
  • Redakteur Bild:

Es war ein zwölfstündiger Mammutkurs, den ein Dutzend Imker am 13. September 2025 zusammen mit den Computerfachleuten Mirko Stocker, Heiko Hauser, Christian Schwarz und Andreas Oberhofer absolvierten. Es ging dabei um die Eintragung in den Einheitsschalter für gewerbliche Tätigkeiten SUAP. „Wer das nicht schafft, darf seinen Honig nur an Familienmitglieder abgeben, die auf dem Familienbogen vermerkt sind“, erklärt Stocker, der selbst Imker ist. Das heißt, ohne SUAP-Eintragung dürfen die Imker/der Imkerin den Honig laut Gesetz nicht mehr an Dritte verkaufen. Früher genügte eine schriftliche DIA-Meldung im Gemeindeamt. Doch diese Zeiten sind vorbei. Die neue vorgeschriebene digitale Eintragung überfordert die meisten Imkerinnen und Imker. Deshalb organisierte der Obmann des Imkerbezirkes Obervinschgau Othmar Patscheider in Absprache mit Mirko Stocker das Treffen mit den Computerfachleuten im Gemeindesaal. Diese sind mit der digitalen Welt bestens vertraut und haben bereits unzählige Computerkurse geleitet.
Doch die Hürden für diese SUAP-Eintragung haben selbst die „Digital Profis“ überrascht und vor große Herausforderungen gestellt. Denn für die digitale Meldung sind ein elektronischer Personalausweis (CIE), eine PEC-Mailadresse, eine digitale Signatur und die dazugehörigen Apps und Accounts erforderlich. Die „Digital-Profis“, begleiteten die Imker einzeln und mit der notwendigen Diskretion Schritt für Schritt durch die äußerst komplizierte Online-Prozedur. „Man bleibt ständig hängen, muss laufend Details suchen und bei den einzelnen Schritten immer wieder neu erklären, dass ICH ICH bin, sagt Stocker. Und so mancher Imker stellte sich die Frage: Wer hat sich das hochkomplizierte Konstrukt denn ausgedacht?
Nach zwölf Stunden hatten die Teilnehmer die digitalen Hürden endlich überwunden und die Eintragung geschafft. Alle waren erleichtert und froh darüber. Patscheider bedankt sich bei den „Digital Helfern“, die den Imkern unentgeltlich mit sehr viel Kompetenz und Geduld geholfen hatten. „Es war uns wichtig, die Mitglieder mit ihrer SUAP-Meldung und der dazu notwendigen und für viele Imker nicht nachvollziehbaren Bürokratie nicht allein zu lassen“, so Patscheider. Ein Teilnehmer meinte dankend: „Ohne diese geballte Unterstützung hätten wir diese Meldung nicht geschafft.“ Patscheiders Sorge ist, dass ältere Imker die Prozedur nicht auf sich nehmen und aufgeben. „Denn jeder muss heute ein Computerspezialist mit eigener Sekretärin sein“, meint er.
Der Imkerbezirk Obervinschgau hat 235 Mitglieder. Patscheider spricht von einer normalen Honigernte 2025. Diese war teilweise von Melezitosen-Honig, bekannt als Lärchenhonig, beeinflusst, der sich beim Schleudern nicht aus den Waben entfernen lässt. Unmut herrsche in Imkerkreisen wegen des vorgeschriebenen Tierwohlkurses mit anschließender Prüfung.
Diese wird vom Beratungsring Berglandwirtschaft BRING organisiert und verpflichtet die Teilnehmer zur Mitgliedschaft.

Auch der Südtiroler Imkerbund muss sich mit der digitalen Welt beschäftigen und hat ein neues Computer System installiert. Dieses wird den Vinschger Imkern am Freitag, 24. Oktober 2025 um 19.30 Uhr in den Räumen der VIP in Latsch vorgestellt.

SUAP - digitale Schnittstelle zwischen Unternehmer und Verwaltung:
Der Einheitsschalter für gewerbliche Tätigkeiten (SUAP) dient als Schnittstelle zwischen Unternehmen und öffentlicher Hand. Das Gesetz (D.P.R. 160/2010) beschreibt es sinngemäß wie folgt: Der Einheitsschalter ist für die Antragsteller die einzige Anlaufstelle für alle Verwaltungsangelegenheiten, die ihre Gewerbetätigkeit betreffen. Diese Anlaufstelle gibt eine einzige und prompte Antwort, stellvertretend für alle anderen öffentlichen Verwaltungen, die in das Verfahren involviert sind. Weitere Informationen zur SUAP-Meldung sind im Rundschreiben des Südtiroler Imkerbundes nachzulesen: www.suedtirolerimker.it/img/info-suap-meldung.pdf

Immer optimistisch

  • Dachzeile: Kommentar von Chefredakteur Erwin Bernhart
  • Redakteur: von Erwin Bernhart
  • Redakteur Bild:

Die Tarscher Alm, das Wandergebiet und das schlafende Skigebiet mitten im Vinschgau, lebt nicht von Investitionen sondern vom Optimismus. Bisher jedenfalls. Das Gelände von der Bergstation aufwärts bis zum Joch ist ein wunderbares, der Blick ins Tal ist grandios und seit Jahren ist es im Winter so gut wie unberührt. Eine im Winter schneebedeckte Idylle, ein Erholungsgebiet im Sommer. Der Optimismus hat das Leben des Dinosaurier-Lifts von der Talstation auf die Bergstation zur Tarscher Alm jahrelang verlängert. Diesen Optimismus haben die Touristiker in Latsch aufgebracht und jährlich mit gutem Geld aus dem Tourismusverein bezahlt. Die Marteller dürften diesen Latscher Optimismus kaum geteilt haben. Denn der Tourismusverein Latsch-Martell besteht aus zwei höchst unterschiedlichen Destinationen und das teuer bezahlte Wandergebiet auf der Tarscher Alm dürfte den Martellern keinen Mehrwert gebracht haben.
Nun denn. Rund um das „Skicenter Tarscher Alm“ wabert es wieder. Es stehen Interessenten bereit, die das Umfeld nochmals untersuchen, die Überlegungen anstellen, die Lifte neu aufzustellen, die einen Zusammenschluss mit dem Ultner Skigebiet Schwemmalm mitdenken. Neu sind solche Gedanken und Pläne nicht. Dafür dürften sie allerdings wenig an Glanz verloren haben. Das geht nur mit Optimismus. Wenig Optimismus verstreut da im Vorfeld der Latscher BM Mauro Dalla Barba, wenn er sagt, er wolle nicht einen Tippl mehr Verkehr in Latsch und in Tarsch. Übersetzt heißt das wohl: Wir wollen nicht gestört werden.
Mal schaun, wie sich das alles entwickelt. Jedenfalls lebt die Tarscher Alm seit Jahr und Tag immer vom Optimismus. Ob mit oder ohne Investitionen.


Impressionen von Gianni Bodini 1-2026

  • Dachzeile: Foto
  • Redakteur: Gianni Bodini
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St. Nikolaus. Zehner-Elfer-Zwölfer. Piz Mezdi, cima dieci... Im ganzen Alpenraum gibt es Gipfel, sogenannte natürliche Sonnenuhren.
Beobachtungspunkt ist meistens eine Kirche oder ein alter Kultplatz so wie hier in Rojen.
Foto und Text: Gianni Bodini - www.fotobybodini.it

Impressionen von Gianni Bodini 17-2025

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Sonnentag. Darf man einen Regenbogen schenken? Ich weiß es nicht und im Zweifel gebe ich gleich zwei weiter.
Das Bild ist nicht neu, aber immer noch frisch und so ein Glücks-Augenblick muss geteilt werden.
Foto und Text: Gianni Bodini - www.fotobybodini.it

Impressionen von Gianni Bodini 18-2025

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  • Redakteur: Gianni Bodini
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So klein aber... Auch hier, am Fuße der Königsspitze können wir sehen, wie winzig wir sind. (links im Bild)
So wie der Borkenkäfer, der, obwohl er so klein ist, ganze Wälder vernichten kann.
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Impressionen von Gianni Bodini 19-2025

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  • Redakteur: Gianni Bodini
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Dialog. Im Schlandrauntal, nicht weit von der Kortscher Alm, steht im Mittelpunkt der einsame Baum in
harmonischem Dialog mit der imposanten Umgebung. Ein schönes Beispiel von natürlicher Landschaftsarchitektur.
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Impressionen von Gianni Bodini 2-2026

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  • Redakteur: Gianni Bodini
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2026 - Internationales Jahr der Weiden und Hirten. Seit 2019 gehört auch die Transhumanz der Schafe von Schnals ins Ötztal zum immateriellen Kulturerbe
der Menschheit. Weltweit sind über eine Milliarde Schafe, Ziegen, Yaks, Rentiere, Kamele usw. ständig unterwegs.
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Impressionen von Gianni Bodini 20-2025

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  • Redakteur: Gianni Bodini
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Am Kleinen Angelus Ferner. Für mich ist der regelmäßige Besuch in das wunderschöne Zaytal wie eine Wallfahrt geworden. Das Bild oben stammt aus dem Jahre 2005 und das Bild unten wurde am 15. September 2025 gemacht.
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Impressionen von Gianni Bodini 21-2025

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  • Redakteur: Gianni Bodini
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Herbst. Über Nacht hat die Natur, wie ein Wunder, ihre Garderobe gewechselt: kurzlebig, bunt, auffallend, aber nie kitschig.
Eine andere Verwandlung, eigentlich ein wahres Wunder, findet im Dunkeln statt: die Trauben werden zu Wein!
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Impressionen von Gianni Bodini 22-2025

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  • Redakteur: Gianni Bodini
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KLEBtomanie. Immer öfters sehe ich Gemeinden-Verkehr-Straßenschilder mit „Pickerlen“ zugeklebt. Was ist das für ein Schwachsinn? Oder vielleicht steht dahinter eine internationale Organisation, eine Sekte, womöglich ist es eine avantgardistische Kunstströmung? Na dann sollten die Schilder noch größer sein, damit mehr KLEBer ihren Platz finden.
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Impressionen von Gianni Bodini 23-2025

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  • Redakteur: Gianni Bodini
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St. Martin auf Platz. Der Martinitag galt als großer Zins- und Abrechnungstermin. Der Heilige genoss große Verehrung auch als Viehpatron
und im Vinschgau sind die meisten Kapellen und Kirchen ihm geweiht.
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Impressionen von Gianni Bodini 24-2025

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  • Redakteur: Gianni Bodini
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Hörst du nicht, wie die Zeit... Im Jahr 2008 war der ÖAV Promoter der Initiative „Bergsteigerdörfer“. Kleine alpine Dörfer sollen einen naturnahen, umweltverträglichen und nachhaltigen Tourismus anbieten. Als erstes Südtiroler Dorf war im Jahre 2020 auch Matsch dabei. Bis heute gehört diese Initiative mit über 40 Dörfern im ganzen Alpenraum dazu. Ein Schimmer Hoffnung ist noch zu spüren...
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Impressionen von Gianni Bodini 25-2025

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  • Redakteur: Gianni Bodini
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Fabelhaftes Tanas. Der Himmel war nicht gerade „IDM-Blau“. Ein paar Flocken flogen, aber zum Wandern war das Wetter gut genug, und dann vor mir das Bild, wie in der Fabel „Der Rabe und der Fuchs“, sowie in der Loggia auf der Churburg. Frohe Weihnachten!
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Impressionen von Gianni Bodini 3-2026

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  • Redakteur: Gianni Bodini
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Foto Nr. 1251. Zutaten: Der Himmel, die Kondenzstreifen zweier Jets, die Silhoutte des Chavalatsch bei Sonnenuntergang, kein Geschmacksverstärker (Photoshop). So ist ein minimalistisches Bild entstanden.
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Impressionen von Gianni Bodini 4-2026

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  • Redakteur: Gianni Bodini
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Die Scheib, die Scheib... Unter den verschiedenen Bedeutungstheorien ist das meine Lieblingstheorie:
„das Scheibenschlagen stellt den Überrest eines Frühlings- und Liebesorakels oder einer urzeitlichen Brautwerbung dar.“ Hans Fink
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Impressionen von Gianni Bodini 5-2026

  • Dachzeile: Foto
  • Redakteur: Gianni Bodini
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„Via est vita“, so sagten die alten Römer, die auch die via Claudia Augusta durch den Vinschgau gebaut haben. Heute wäre unsere Gesellschaft ohne Straßen aufgeschmissen. Der täglich wiederholte Satz im Radio von RAI Südtirol: „Wegen Überlastung...“ soll aber auch ein Warnsignal sein.
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Impressionen von Gianni Bodini 6-2026

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  • Redakteur: Gianni Bodini
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Hommage an Julian & Sabine Holzer. Die Bibliothek Schlandersburg ist wahrscheinlich die schönste im Vinschgau. Und auch hier, wie auf den meisten Burgen, lässt sich der Burggeist manchmal sehen. Eine wunderschöne Figur aus gedruckten Buchstaben auf Papier, die zum Lesen einlädt.
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Impressionen von Gianni Bodini 7-2026

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  • Redakteur: Gianni Bodini
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„Der Wunderbaum.“ Ist einer der ältesten und seltensten Birnensorten, stammt vermutlich aus Asien und ist vor rund
400 Jahren im Vinschgau eingewandert. Palabirnen sind in Edelbrand - Brot - Essig - getrocknete Süßigkeiten und vielem mehr zu finden.
Man kann sogar Baumpate werden.

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Impressionen von Gianni Bodini 8-2026

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  • Redakteur: Gianni Bodini
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Katharinaberg.

Meistens kommt einmal im Monat der Vollmond. Aber im heurigen Mai wird er zweimal vorkommen. Ein Grund mehr einige Nächte auf der Lauer zu sein.
Ich weiß es, mit KI kann man auf Knopfdruck beliebig Vollmondbilder erzeugen, auch wenn der Himmel bedeckt ist. Ich bleibe aber lieber ein „Nachtvagabund“.

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Impressionen von Gianni Bodini 9-2026

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  • Redakteur: Gianni Bodini
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Wassermusik.

Mit der schönen Jahreszeit werden die Wasseradern des Vinschgaus reaktiviert. Eine Gelegenheit für Naturliebhaber. Entlang dieser, zum Teil sehr alten, Anlagen zu spazieren und das Murmeln des Wasserwossers zu genießen: jeder Waal und auch jedes Orchester hat seinen eigenen Klang.


Foto und Text: Gianni Bodini - www.fotobybodini.it

In Erinnerung an Sven Sachsalber: „von der Zeit und dem Müßigang“

  • Dachzeile: Kultur
  • Redakteur: Peter Tscholl
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  • Weitere Fotos - 1: Momentaufnahmen  der 2011 stattgefundenen 24h-Performance Wilhalm
  • Weitere Fotos - 2: Momentaufnahmen  der 2011 stattgefundenen 24h-Performance Wilhalm
  • Weitere Fotos - 3: Mitra (2010)
  • Weitere Fotos - 4: Samsonie (2011)
  • Weitere Fotos - 5: Giovanni S. (2011)
  • Weitere Fotos - 6: Querceto (2012)

Am 12. Dezember 2025 jährte sich der Todestag des aus Laatsch/Mals stammenden Künstlers Sven Sachsalber. Zum fünften Todestag würdigt das Museion – Museum für moderne und zeitgenössische Kunst in Bozen – Sachsalbers Vermächtnis und präsentiert noch bis zum 1. Februar 2026 in der Museion Passage in Bozen ein Forschungsprojekt, das Einblicke in Sachsalbers künstlerisches Schaffen gibt. Das Projekt „Sven Sachsalber. Eine künstlerische Praxis erfassen“ wurde vom Museion initiiert, von der Deutschen Kulturabteilung des Landes Südtirol finanziert und in Zusammenarbeit mit BAU – Institut für zeitgenössische Kunst und Ökologie realisiert. Anlässlich der Ausstellung in der Museion Passage hat der Bildhauer Othmar Prenner aus Raffein/Langtaufers, gemeinsam mit dem Museion eine Mappe mit Fotos aus fünf 24-Stunden Videos herausgegeben, welche gemeinsam mit Sven Sachsalber entstanden sind. Othmar Prenner begleitete Sven über die Jahre hindurch, war sein Mentor und Mäzen.

Samsonie, Wilhalm, Querceto, Giovanni S. und Mitra


Bei den fünf 24-Stunden Performances ging es in erster Linie um den Faktor Zeit. Was ist Zeit? Wie gehen wir mit unserer Zeit um? Zeit ist eine fundamentale Dimension, welche die Abfolge von Ereignissen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beschreibt. Zeit ist als physikalische Größe messbar in Sekunden, Minuten, Stunden und untrennbar mit Veränderung verbunden. Zeit ist jedoch auch relativ und eine subjektive Erfahrung. Sie ist eine Struktur unseres Bewußtseins, die uns die Welt erleben läßt. Und das ist auch das Schöne, dass jeder seinen eigenen Blick darauf hat, und es verschiedene Interpretationen gibt.

Die Performance „Samsonie“ (2011) war von Joseph Beuys‘ Aktion „I like America and America likes me“ angeregt. „Ganz einfach war es nicht, die Kuh in ein 4x4 Meter grosses Zimmer zu bringen, und weitaus schwieriger, sie wieder herauszuholen. In der gemeinsamen Zeit hat das Tier, ich würde sagen, eine innige Beziehung mit Sven aufgebaut. Es war überraschenderweise eine sehr friedliche Atmosphäre voller gemeinsamer Zuneigung“, erzählt Othmar Prenner.
In der Performance „Querceto“ (2012) saß Sven 24 Stunden lang auf einem Kirchturm und schlug jede Stunde die Glocke mit der Hand. In „Wilhalm“ (2011) ruderte Sven mit einem selbst gezimmerten Boot, das die Form eines Sarg hatte, 24 Stunden lang im Kreis um den Grauner Kirchturm im Reschensee. In „Giovanni S.“ (2011) drehte Sven 24 Stunden lang einen Butterkübel und formte aus dem Fett unterschiedliche Gegenstände, wie beispielsweise einen Hut, ein Kruzifix, eine Fledermaus, ein Brot, ein Schneemann und so weiter. Die Performance „Mitra“ (2010) spielte sich im Bunker 23 in Tartsch ab. Sven feilte 24 Stunden an einem Maschinengewehr, was übrig blieb, waren Späne und einzelne Teile.

Verrückt, sinnlos oder Kunst?

So mancher könnte jetzt sagen: „Was Sven Sachsalber da gemacht hat, ist total verrückt, sinnlos!“ Und so mancher wird sich fragen: „Was soll das, was hat das mit Kunst zu tun?“ Vorausbemerkt: Als allgemeine Definition für Kunst gilt, was die Angehörigen der „Kunstgemeinschaft“ für Kunst halten. Und damit ein Kunstwerk überhaupt seine Wirkung entfalten kann, muss es Aufmerksamkeit erregen bzw. auf den Künstler aufmerksam machen; Sven hat dies mit seinen Performances geschafft. Er kam relativ spät zur Kunst, durchschaute den gesamten Kunstbetrieb jedoch bald. Sven wollte Karriere machen und legte die Messlatte bewußt hoch. Zugute kam ihm dabei sein Durchhaltevermögen, das er sich in seiner Zeit als aktiver Sportler angeeignet hatte. Er wußte genau, wenn er als Künstler erfolgreich sein wollte, würde er sich den Herausforderungen anpassen müssen, bei Schwierigkeiten motiviert bleiben und Disziplin bewahren. Bestimmt dachte Sven auch manchmal ans Aufhören, hat dann aber immer wieder weitergemacht. Bei seinen Aktionen ging es ihm nicht gezielt um Provokation, sondern zuerst einmal um die Konsequenz, Sachen zu tun, die nichts bringen. Seine Performances sind gesellschaftskritisch zu verstehen, als Reaktion auf den gesellschaftlichen Druck, dem wir heutzutage alle ausgesetzt sind, immer produktiv zu sein und leisten zu müssen. Sachsalber nutzte seine „subtil poetischen und das Absurde streifenden Performances“ als künstlerische Ausdrucksform, um zum Nachdenken anzuregen, Diskussionen zu fördern und Veränderungen anzustoßen. Unser derzeitiges ökonomisches Modell soll hinterfragt werden. Anstatt immer mehr, immer schneller, besser und höher, sollten wir wieder ein bisschen auf den Boden zurückkommen! Was Sven machte, ist in dem Sinne als Weckruf zu verstehen: Hallo Leute, lasst uns auch einmal etwas tun, was nichts bringt! Tun wir etwas, das materiell nichts bringt, das aber für unseren Geist und unsere Seele wertvoll sein kann. Nutzen wir das Nichtstun als Inspirationsquelle, um einen Zustand zu schaffen, der Kreativität und neuen Ideen Raum gibt!

Sven Sachsalber hatte zweifellos ein gutes Gespür und eine große Sensibilität für solche Themen. Wäre er nicht so jung verstorben, hätte er das Potential gehabt, eine große Karriere zu machen. 2014 erhielt Sachsalber den Premio New York vom italienischen Kulturministerium und 2019 den Paul Flora Preis. Seine Werke sind Teil der Sammlung Museion Bozen, der öffentlichen Sammlung der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol, sowie zahlreicher privater Sammlungen in Europa und den USA. Es ist tröstlich zu wissen, dass sein Nachlass nun archiviert ist und somit seine Kunst und sein Verständnis von Kunst weiterleben können.



Inspiriert

  • Dachzeile: Kommentar von Chefredakteur Erwin Bernhart
  • Redakteur: von Erwin Bernhart
  • Redakteur Bild:

Schloss Goldrain ist immer inspirierend. Den Fortbildungen und Seminaren dort kommt die Schlossatmosphäre sehr zugute. Einen guten Schuss Inspiration dürften auch Teile der Landesregierung dort abbekommen haben. Bei der an der Sitzung anschließenden Pressekonferenez - abgehalten von der Bezirkspräsidentin Roselinde Gunsch und zu ihren Flanken Landeshauptmann Arno Kompatscher und Landesrat Peter Brunner - in der prächtigen Kapellenstube des Schlosses dürfte neben der Inspiration auch noch der Heilige Geist zugegen gewesen sein und kräftig mitgewirkt haben. Denn dort wurde unter anderem verkündigt, dass heuer noch 1. die von Mals weiterführende Bahntrasse verbindlich festgelegt werde und 2. dass die Lombarden und die Trientner die „linee guide“ des Nationalparks Stilfserjoch verabschieden würden. Halleluja, dem sei so. Beides sind Themen für die Ewigkeit. Jedenfalls beide bisher ungelöst und, wie man so schön sagt, seit Jahren auf der langen Bank. Jedenfalls müssen wir uns des Lobes für inspirierende Ankündigungen enthalten und Lob wohl erst dann ausschütten, wenn beide Dinge Ende des Jahres eingelöst und erledigt sind. Schließlich lehrt uns das die Erfahrung - im Vinschgau, auch weil sich vor allem unser allseits geschätzter Landeshauptmann Arno Kompatscher mit Ankündigungen sehr leicht und mit deren zeitgerechter Einlösung bisher sehr schwer getan hat. Dass unsere Bezirkspräsidentin den professionellen Ankündigungen gläubig zugenickt hat, ist eher den drängenden Wünschen im Vinschgau als der Realität im Bozner Parlament geschuldet. Sei’s drum, lassen wir uns halt einmal mehr blenden?


Invasive Neophyten - Samenausreifung verhindern

  • Dachzeile: Natur&Landschaft
  • Redakteur: Wolfgang Platter, am Tag des Hlg. Bruno von Köln, 11.Oktober 2025
  • Weitere Fotos - 1: Südafrikanisches Greiskraut
  • Weitere Fotos - 2: Kanadische Goldrute
  • Weitere Fotos - 3: Drüsiges Springkraut
  • Weitere Fotos - 4: Riesen-Bärenklau
  • Weitere Fotos - 5: Japanischer Staudenknöterich
  • Weitere Fotos - 6: Robinie

Invasive Neophyten sind jüngst oder neu eingewanderte Pflanzen, welche sich stark vermehren und als konkurrenzstarke Arten einheimische Pflanzenarten von ihren Standorten verdrängen. Deshalb wirken sich invasive Neophyten negativ auf Ökosysteme aus.
Thomas Wilhalm, der Kustos für Botanik am Südtiroler Naturmuseum in Bozen, Leo Hilpold, der Amtsdirektor im Südtiroler Landesamt für Natur, und weitere Botaniker haben für unser Land bisher 2.875 Arten von Farn- und Blütenpflanzen erfasst. 2.195 Arten gleich 76,5% werden als heimisch eingestuft. 23,5% (680 Arten) werden als Neophyten geführt. Als Stichdatum für die Bezeichnung als Neophyt wird dabei das Jahr 1492 herangezogen, also das Jahr der Entdeckung Amerikas von Europa aus.
Stand 2014 werden 32 Arten der Neuankömmlinge unter den Pflanzen in Südtirol zu den invasiven Neophyten gezählt. Sechs davon stelle ich im heutigen Beitrag vor. Von diesen Arten sollte man möglichst die weitere Verbreitung verhindern. Dies kann bei den krautigen Arten durch Ausreißen der Pflanzen oder durch das Abmähen geschehen. Wer die Ausreifung der Samen von invasiven Neophyten verhindert, leistet einen Beitrag zum Erhalt der pflanzlichen Vielfalt.
Das Schmalblättrige oder Südafrikanische Greiskraut (Senecio inaequidens) ist ein mehrjähriger Vertreter der Korbblütler. Es wurde über die Schafwolle eingeschleppt. Erste Meldungen aus der Provinz Trient sind ab 1975 bekannt. Die gelb blühende Pflanze wächst an Straßenrändern, Bahndämmen, Brachflächen, Weiden und Flussufern und hat sich besonders auch am Mittelvinschgauer Sonnenberg verbreitet. Die Pflanze kann Weideland und landwirtschaftliche Flächen beeinträchtigen, da sie für das Vieh giftig ist. Mit seinen zahlreichen Blüten erzeugt es viel Nektar und spielt auch als Trachtpflanze eine bedeutende Rolle. Die Pflanzenart enthält aber Pyrrolizin-Alkaloide und ist auch für die Bienen hoch giftig. Besonders auch Pferde reagieren sensibel. Der Kontakt mit der Pflanze kann auch für den Menschen gesundheitsschädlich sein. Das Forstinspektorat Schlanders hat bei den Annenberger Böden oberhalb Goldrain und Latsch Versuche unternommen, den aggressiven Neophyten zurückzudrängen. Dabei wirkt Ausreißen besser als Abmähen.
Die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) gehört ebenfalls zu den Korbblütlern und ist ein aggressiver Neophyt in unseren Gärten. Sie kann aber auch in Wiesen eindringen, deren Bewirtschaftung aufgelassen wurde. Die Verbreitung erfolgt durch flugfähige Samen, die mit bis zu 12.000 Stück pro Spross in großer Zahl ausgebildet werden und weite Strecken transportiert werden. Die Pflanze bildet zudem auch eine große Anzahl von Wurzelsprossen aus und kann sich dadurch auch vegetativ und flächig weiter ausbreiten. Auch kleine Wurzelbruchstücke wachsen zu ganzen Pflanzen heran. Wer einen Beitrag zur Reduzierung dieses invasiven Unkrautes leisten will, sollte in seinem Pflegebereich die Pflanzen ausreißen, möglichst, bevor sie die Tausenden Samen streuen.
Das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) gehört zur Familie der Balsaminengewächse und wächst massenweise und schon bestandsbildend entlang von Kanälen, Wasserläufen, Eisenbahntrassen und in Auwäldern und verdrängt dort die Krautfluren der Brennessel. Die flächigen reinen Bestände des Drüsigen Springkrautes führen zu einer Verarmung der einheimischen Pflanzenwelt am entsprechenden Standort. Das Springkraut ist einjährig, hinterlässt im Spätherbst einen pflanzenfreien, kahlen Boden und leistet somit der Erosion Vorschub. Zur Samenverbreitung hat es einen Schleudermechanismus: Die reifen, keulenförmigen Samenkapseln platzen bei dem geringsten Druck oder einer Erschütterung, wie etwa durch einen Regentropfen oder eine Berührung explosiv auf und schleudern die Samen bis zu sieben Meter weit. Davon leitet sich auch der Name Springkraut ab.
Der Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum), auch bekannt als Herkulesstaude, ist eine mehrjährige krautige Pflanze aus der Familie der Doldenblütler Ursprünglich aus dem Kaukasus stammend, wurde er als Zierpflanze nach Europa und Nordamerika eingeführt und hat sich mittlerweile in vielen Gebieten als invasive Art etabliert. Der Riesen-Bärenklau wächst bevorzugt in feuchten Umgebungen, wie an Flussufern, in Wäldern, auf Wiesen und in gestörten Bereichen wie Straßenrändern. Er verbreitet sich schnell durch Samen, die durch Wasser oder Wind transportiert werden können. In Südtirol wurde man erst 2005 auf die Herkulesstauden aufmerksam, als in Reinswald im Sarntal größere Gruppen mit zahlreichen Individuen entdeckt wurden. Der Saft des Riesen-Bärenklaus enthält chemische Verbindungen, welche die Haut extrem lichtempfindlich machen und schwere Verbrennungen sowie Blasen verursachen können. Der Kontakt mit dem Saft, gefolgt von Sonnenexposition, kann schmerzhafte und langanhaltende Folgen hervorruft. Die Kontrolle des Riesen-Bärenklaus erfordert Vorsichtsmaßnahmen. Das Ausstechen der Pfahlwurzeln im Frühjahr ist dabei noch eine einfache Methode. Wenn sich im Hochsommer bereits Blütendolden gebildet haben, müssen diese vor der Samenreife abgeschnitten und entsorgt werden. Es ist wichtig, Schutzkleidung zu tragen, um den Kontakt mit dem Saft zu vermeiden. Seit 2007 werden von der Abteilung Forstdienst Maßnahmen zur Eindämmung des Riesen-Bärenklaus durchgeführt.
Der Japanische Staudenknöterich (Fallopia japonica) gehört zur gleichnamigen Familie der Knöterichgewächse. Er wurde aus Unwissen öfters als schnellwüchsiger Sichtschutz und Immissionshecke gepflanzt, ist aber ebenfalls ein wuchernder Invasor mit weißen Blütenständen und meterlangen Jahrestrieben an Zäunen oder anderen Stützgerüsten. Ursprünglich stammt er aus Ostasien und wurde im 19. Jahrhundert als Zierpflanze nach Europa und Nordamerika eingeführt. Der Japanische Staudenknöterich bevorzugt feuchte, nährstoffreiche Standorte wie Fluss- und Bachufer, Straßenränder, Bahndämme, Gärten und brachliegende Flächen. Dabei bildet er dichte Bestände, die andere Pflanzen vom Licht und von der Nährstoffversorgung aussperren. Er verbreitet sich sowohl vegetativ durch unterirdische Ausläufer als auch durch Samen. Ein kleines Rhizomstück kann ausreichen, um eine neue Pflanze zu etablieren. Im Trentino begann die natürliche Ausbreitung dieser Art gegen Ende der 1980er Jahre vor allem im zentral- bis westlichen Bereich der Provinz. Nach Südtirol kam sie wenig später über das Etschtal/Unterland und besiedelt nun mit Vorliebe feuchte, tiefergelegene Standorte entlang der Haupttäler.
Als Baumart sei noch die Robinie (Robinia pseudoacacia) angeführt. Sie ist auch unter dem Namen Falsche Akazie bekannt. Die Robinie ist ein sommergrüner Baum aus der Familie der Schmetterlingsblütler und stammt ursprünglich aus Nordamerika. Sie wurde weltweit als Zier- und Forstbaum eingeführt und hat sich in vielen Regionen als invasive Art etabliert. Sehr anpassungsfähig, wächst die Robinie auf vielen verschiedenen Standorten von trockenen und sandigen Böden, über Wald- und Straßenränder bis auf Brachflächen. Sie gedeiht sowohl in nährstoffarmen als auch in gut drainierten Böden. Dabei ist sie sehr trockenresistent. Sie verbreitet sich weit durch Samen und Wurzelausläufer. Als genügsame Pionierpflanze besiedelt sie schnell offene Böden und konkurriert besonders im Niederwald die heimischen Baumarten wie Mannaesche, Hopfenbuche, Flaumeiche und Kastanie. Die Robinie wird wegen ihres harten und dauerhaften Holzes geschätzt. Sie wird auch für die Bodenerosion und zur Wiederaufforstung genutzt. Zudem gilt sie als wertvoller Nektarspender für Bienenweiden.

Johanna Albert: „Kunst bin ich“

  • Vorspann: In ihrem Skizzenbuch hält sie Gedanken, Ängste, Träume fest, bringt ihr Leben auf Papier. Bei Kreide, Kohle und Bleistift gibt es für sie kein falsch, und sie hat keine Angst Fehler zu machen. Mit Stein zu arbeiten hingegen verlangt Präzision, Geduld und erlaubt keine Fehler. Es reizt sie in handgefertigten Unikaten Zeugnisse und Spuren ihrer Existenz zu schaffen.
  • Dachzeile: Portrait
  • Redakteur: Christine Weithaler
  • Redakteur Bild:

Die junge Künstlerin ist 2003 geboren und mit zwei älteren Geschwistern in Laas aufgewachsen. Sie war eigenständig, schlagfertig und wusste was sie wollte. Bereits im Kindergarten setzte sie sich in eine Ecke und malte. Die Menschen und das Geschehen um sie herum nahm sie wohl war, doch vertiefte sie sich ganz im Zeichnen. Anders als ihre Mitschüler:innen freute sie sich auf die schulischen Malwettbewerbe. Nach der Pflichtschule besuchte sie die FOS in Meran, wechselte in das Kunstgymnasium, denn dort wird der Schwerpunkt ab der dritten Klasse auf die Grafik gelegt. Neben dem Zeichnen auf Papier und am Computer war Kunstgeschichte eines der Hauptfächer. Zu lernen, welche Geschichten und Geschichte hinter den jeweiligen Kunstwerken steht, findet die Wissbegierige sehr spannend. Nach der Matura entschied sie sich für die Ausbildung zur Steinmetzin in der Marmorfachschule „Johannes Steinhäuser“ in Laas. So konnte sie zuhause studieren und mit heimischem Material arbeiten. Sie begann ihr Heimatdorf und das Vorhandene in einem anderen Licht zu sehen.
Gegen Ende ihrer Ausbildung, im Frühjahr 2024 packte sie das Fernweh. Zufällig entdeckte sie ein Inserat für ein Au-pair-Mädchen bei einer Irischen Familie. Direkt nach ihrem Abschluss zog Johanna nach Irland. Es war sehr aufregend, diese Reise, allein begleitet von ihrem Skizzenbuch, anzutreten. Johanna malte bis dahin vorwiegend Personen. In Irland entdeckt sie, das „Urbansketching“, alltägliche Momente zeichnerisch festzuhalten. Sie findet Gefallen an der Architekturperspektive und baut beides in ihren Stil ein. Neben ihrer Arbeit als Au-pair Mädchen nutzte sie das ein und andere verlängerte Wochenende um nach London, Oslo und Schottland zu reisen. Johanna lernte unterschiedlichste Orte und Menschen kennen, probierte Neues aus, schöpfte die ihr gebotene Zeit voll aus. Ihr Abenteuer endete im Juli 2025 mit Vorfreude auf das Zuhause, aber auch mit Fernweh im Gepäck. Viel Zeit blieb ihr dafür nicht. Bereits wenige Tage danach öffnete in der Marx Kirche in Laas die Austellung „Momente“ bei der Johanna zusammen mit weiteren Künstler:innen vertreten war. Organisiert wurde diese von der Plattform „ParaBel Artspace“, eine Vereinigung mehrerer Künstler:innen unterschiedlichsten Richtungen. Über diese stellte Johanna ebenfalls im November mit mehreren Vinschger Künstler drei Tage lang im „Schloss Siegmundsried, in Ried im Oberinntal aus. Ihre Eltern unterstützen Johanna in den Vorbereitungen ihrer Ausstellungen. Ihre Mutter ist selbst sehr kreativ und ihr Vater kann seine Kreativität darin ausleben, die Ideen der zwei Frauen umzusetzen. Im Jahr 2023 stellte sie erstmals eine ihrer Aktzeichnung beim Kulturfest Marmor&Marille im Sonnenwirtsstadel aus. Mit der Marmorfachschule war Johanna auf Ständen verschiedenster Kunstmessen vertreten. Sie zeigte ihre Werke auf dem Kultur- und Genussfest in Prad, sowie bei der 95-Jahr-Feier des Bildhauer- und Steinmetzmeisterbetriebes Josef Mayr in Laas.
Momentan ist Johanna in ihrer Arbeitsstelle sehr gefordert und sie lebt ihre Kreativität eher im Kochen und Backen aus, als im Zeichnen. Trotzdem ist es ihr wichtig, ihrer Kunst Raum zu geben. Im Keller ihres Elternhauses liegen auf der alten Werkbank ihres Opas, der dort als Elektrotechniker Motoren neu wickelte, die Werkutensilien seiner Enkelin. „Im Zeichnen spreche ich aus mir“. „Ich finde es schön zu merken wie man durch das viele Zeichnen, Werken und Üben genauer, präziser, schneller wird und das Auge schult, indem du etwas zeichnest was vor dir steht“. In der „Basis Schlanders“ trafen sich über einen längeren Zeitraum jede Woche die unterschiedlichsten Künstler:innen und Modelle. Johanna nutzte diese Möglichkeit zum Aktzeichnen. Sie malt mit Bleistift, Kohle und Aquarell auf Leinwänden und Papier. Sie liebt es, einfach darauf los zu zeichnen und wenn ihre Hände schmutzig werden. Sie verwendet keinen Radiergummi, jeder Strich den sie macht, hat seine Berechtigung. „Jedes Muttermal, jede Rundung macht die Zeichnung lebendig und individuell“, meint Johanna.“ In der Bildhauerei geht man nach den groben Arbeiten vorsichtig an den Stein heran, er verzeiht keine Fehler. „Stein ist endgültig!“ so die junge Frau, „Das ist für mich Reiz und Auftrag zugleich, lässt mich mit Respekt an ihn heran treten. Er scheint als kaltes Material, aber wenn du beginnst mit Stein zu arbeiten, wird er lebendig, warm. Es öffnen sich dir ganz neue Möglichkeiten. Beim Malen möchtest du den Moment, die Tiefen, zweidimensional auf Papier bringen, du spielst mit Schatten und Licht, versuchst darzustellen, was du bei einem dreidimensionalen Werk siehst“. Johanna kann sich vorstellen in Laas zu bleiben. Manchmal vermisst sie den künstlerischen Austausch und Irland, die Spontanität und das Hemmungslose von dort, jeder Tag war neu und spannend. Ihre Erlebnisse hielt sie in unzähligen Skizzen fest. Die neuen Eindrücke und Erfahrungen muss sie erst noch ordnen und weiterentwickeln.

Keinen Einblick?

  • Dachzeile: Kommentar von Chefredakteur Erwin Bernhart
  • Redakteur: von Erwin Bernhart
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Arnold Schulers Politkarriere wird künftig wohl auch mit der Hunde-DNA in Verbindung gebracht werden. Kürzlich wurde dieses per lege eingeführte Hunde-DNA-Kataster wieder abgeschafft. Immerhin hatten die Besitzer von 10.000 Hunden den DNA-Fingerabdruck ihres Lieblings abnehmen und in das Register eintragen lassen. In Südtirol gibt es aber rund 40.000 Hunde. Die Überlegung, Hunde aufgrund ihres DNA-Profils ausfindig machen zu können, ist auf jenem Mist gewachsen, endlich der unsäglichen Hundehaufen Herr zu werden. Gelungen ist das nicht. Schuler musste in der Neuen Tageszeitung kürzlich zugeben, dass er die Sache unterschätzt habe. Die DNA verräumt hat der neue Landwirtschaftsassessor Luis Walcher. Und der will eine Hundesteuer, die in der Vergangenheit schon mal da war, aber wieder abgeschafft worden ist. Das ist ein völlig anderer Ansatz. Bürger, Bauern und Bürgermeister:innen sind interessiert daran, dass die Hundescheiße von Wegesrändern, von Stegen und Steigen, von Wiesen und Äckern bestenfalls verschwindet. Mit einem funktionierenden DNA-Ansatz hätten Hund und Hundebesitzer über die Hundehäufchen ausfindig gemacht werden sollen, Herrchen oder Frauchen dann bestraft werden können. Nun soll mit Geld über eine Hundesteuer den Gemeinden schmackhaft gemacht werden, den Hundekot zu verräumen. Walcher bemüht sich also indirekt um einen neuen Beruf in den Gemeinden. Den Namen dafür? Den überlassen wir den Leser:innen.


Klima und Biodiversität - Realität und Ziele klaffen auseinander

  • Dachzeile: Natur & Landschaft
  • Redakteur: Wolfgang Platter, am Tag der Hlg. Barbara, 4. Dezember 2025
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Nach zweiwöchiger Dauer ist am 21. November 2025 in der brasilianischen Stadt Belem die 30. Weltklimakonferenz COP 30 zu Ende gegangen. Mit enttäuschenden Ergebnissen. Im Schlussdokument kommt der Begriff „fossile Energieträger“ und der Ausstieg aus deren Verbrennung nicht einmal vor. Die erdölproduzierenden und -verkaufenden Länder haben ihre Interessen auf der Konferenz erneut durchgesetzt. Auch die autoproduzierenden Industrie-
länder haben den Ausstieg aus der Ära der Verbrenner-Motoren als ökologische Transformation schöngeredet.
Vor genau 10 Jahren, am 12. Dezember 2015, wurde in Paris unter Freudentränen das erste Klimaabkommen in der Geschichte der Menschheit beschlossen. Dieses Abkommen sollte die Erwärmung der Erdatmosphäre auf 2 oder besser noch 1,5° C begrenzen. Heute, zehn Jahre später, spricht nichts dafür, dass dieses Ziel noch erreicht werden kann. Die Emissionen von Kohlendioxid sinken nicht zu langsam, nein, sie steigen weiter. „Überdies gibt es immer weniger Staaten, Unternehmen und Menschen, die etwas anderes ernstlich wollen“, so schreibt Bernd Ulrich in seinem Beitrag „Die Menschheit hat beschlossen, ungebremst in die ökologische Katastrophe zu gehen“ in der Ausgabe 52 vom 4. Dezember 2025 der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“. Das Flugkerosin ist immer noch nicht besteuert. Ein Flugticket vom Mailand nach Palermo ist außerhalb der Weihnachtsfeiertage um 19 Euro zu haben.

Die ökologische Krise
Dabei ist die Erhitzung der Erdatmosphäre, welche den Klimawandel bewirkt, ja nur ein Aspekt (und beschleunigender Katalysator) der viel umfassenderen ökologischen Krise. Klimakrise und ökologische Krise müssen zusammen gedacht und zusammen gerechnet werden: Ausdünnung der biologischen Netze, also Artensterben, Korallenbleiche, Mikroplastik, Überfischung der Meere, Übersäuerung aus Bodendegradation, Stickstoff- und Phosphatüberdüngung, Wasserknappheit, Gletscherschmelze, Waldsterben, steigende Pandemiehäufigkeit, Insektenmigration, Pilzbefall von Monokulturen. Wir zerstören als Menschheit im 21. Jahrhundert gerade unsere Biosphäre. Die Biosphäre ist die schmale belebte Hülle im Boden, an der Oberfläche und in den unteren Luftschichten um unsere Erde. Diese Biosphäre bildet die Gesamtheit der Lebensräume mit ihren jeweiligen Lebewesen als Bewohner.
Die Wahlen in den USA haben einen Präsidenten an die Macht gebracht, der ein explizit antiökologisches Programm vertritt. Seiner MAGA-Bewegung (Make America Great Again) geht es nicht um einen Kampf gegen die angeblich ausufernden Kosten der ökologischen Transformation. Im Gegenteil, die Bewegung von Präsident Trump bekämpft selbst grüne Energien, obwohl diese längst günstiger sind als die fossilen. Vor wenigen Wochen verhinderte die US-Regierung eine Vereinbarung zur Reduktion von CO2 im internationalen Schiffsverkehr.
Die internationale Konferenz zur Reduzierung von Plastikmüll in den Meeren, die vom 5. bis 15. August 2025 in Genf getagt hat, ist ergebnislos zu Ende gegangen. Jährlich landen derzeit zehn Millionen Tonnen Plastik in den Weltmeeren und bilden darauf an manchen Orten schon einen Plastikkontinent. Selbst wenn dereinst weniger Plastik in die Meere gekippt werden sollte, so wird dadurch noch mehr Plastik als Mikroplastik im Wasser selbst und in den Meereslebewesen verbleiben, sich anreichern und weiterhin in die Nahrungskette kommen. Plastik hält sich etwa 500 Jahre.

Die 16. Artenschutzkonferenz CITES-COP 2025
Vom 24. November bis 5. Dezember 2025 fand in der usbekischen Stadt Samarkand drei Jahre nach Montreal wieder die internationale Konferenz CITES-COP zum Washingtoner Übereinkommen zum Artenschutz statt. Die Vertreter von 150 Staaten haben über den Schutz von über 70 Hai- und Rochenarten, Elefanten, Nashörnern und exotischen Haustieren diskutiert und mehr Schutz für Meerestiere und Großkatzen beschlossen. Vom Ziel, bis 2030 weltweit 30% der Landes- und Meeresflächen unter Schutz zu stellen, ist auch die Artenschutzkonferenz weit entfernt. Der Flächenverbrauch durch Rodung von Wäldern und Versiegelung von Böden geht ungebremst weiter. Und dies trotz der Beteuerungen von Brasiliens Präsident Lula da Silva bei der COP 30-Konferenz in seiner brasilianischen Stadt Belem, er wolle die Abholzung des Amazonas-Regenwaldes bis 2030 auf null bringen.

Die indigenen Völker und Biopiraterie
Medial aufgefallen sind von der 30. Weltklimakonferenz in Belem die verstärkte Präsenz und der Protest der indigenen Völker. Letztere haben unter anderem – offenbar aus Enttäuschung – das Konferenzgebäude gestürmt. Sind es doch vor allem die indigenen Völker, denen wir in den Wohlstandländern und Industrienationen die Ressourcen nehmen. Stichworte: Emissionshandel, Futtermittelimporte, Rodung von Tropenwäldern.
Wie wichtig tropische Regenwälder als Artenpool und genetische Ressourcen z.B. für neue Wirkstoffe in der Medizin sind, zeigt ein Blick auf die sogenannte Bioprospektion.

Bioprospektion
Unter Bioprospektion versteht man die Erkundung möglicher Quellen biologischer Ressourcen und deren kommerziellen Potentiale z.B. als Nutzpflanzen oder als Wirkstoff. Diese Quellen können dabei Pflanzen, Pilze, Tiere oder Mikroorganismen sein, also Biodiversität schlechthin. Oft wird das Wissen der indigenen Völker herangezogen, um beispielsweise neue Arzneimittel zu finden. Die pharmazeutischen Unternehmen und Forschungsinstitute sind aber meistens in den Industrieländern des Nordens angesiedelt. Vielversprechende Quellen sind dagegen oft in den Entwicklungsländern des Südens zu finden. Im Äquatorialgürtel herrscht wegen des milderen Klimas die größere Biodiversität an Arten. Forschung im Norden und Ressource im Süden und der Weg zur Ausbeutung und zum Ausverkauf biologischer Ressourcen ist nicht weit. Der Schweizer Buchautor Ewald Weber spricht in seinem Buch „Biodiversität. Warum wir ohne Vielfalt nicht leben können“ (Springer Sachbuch, 2025) von „Biopiraterie“.

Neue Medikamente
Laufend werden Pflanzeninhaltsstoffe auf ihre Tauglichkeit als potentielle Wirkstoffe geprüft. Vom Identifizieren solcher chemischen Verbindungen bis zur Entwicklung eines neuen Medikamentes vergeht sehr viel Zeit und die Verfahren sind teuer. Laut der Internationalen Pharmazeutischen Forschungszentrale in Genf ist nur eine Verbindung aus 5.000 – 10.000 geprüften Verbindungen ein möglicher Wirkstoff, daher braucht es sehr viele Arten als Quelle neuer Verbindungen. Allein im Jahr 2022 wurden rund 9.000 pflanzliche Inhaltsstoffe geprüft. Das Testen und genaue Untersuchen zur Wirkung und Sicherheit kann 10 - 15 Jahre dauern. Das ist ein langer Zeitraum, der einen strengen Schutz der Quellen und ihrer Lebensräume, z.B. eben auch des Amazonas-Regenwaldes, erfordert. Hält die derzeitige Abholzung und Vernichtung tropischer Regenwälder und anderer Ökosysteme, z. B. auch des Tiefseebodens durch die Schleppnetz-Fischerei an, gehen unweigerlich wertvolle Arten und Ressourcen verloren.
Seit der Antike nutzt der Mensch Pflanzen und ihre Wirkstoffe als Heilmittel. Im Mittelalter legten Mönche und Ärzte Kräutergärten an. Pflanzliche Heilmittel spielen auch heute eine überaus wichtige Rolle. Stoffe wie Aspirin, Morphin und Chinin sind schon seit Langem in Gebrauch und haben ihren Ursprung in Pflanzen.

Krautwochen vom 18. Oktober bis zum 2. November 2025 in Laas

  • Dachzeile: Spezial
  • Redakteur: Angelika Ploner
  • Redakteur Bild:

Die Kaufleute und Gastwirte bilden in Laas eine Aktionsgemeinschaft mit vielen kreativen Köpfen. Und weil Laas die Heimat vom Kobis ist, organisieren genau diese kreativen Köpfe jedes Jahr die Krautwochen. Zusammen mit der Marille ist das Kraut der kulinarische Schatz hier. „Es gibt viele Kräuter, aber nur ein Kraut, und das ist das Sauerkraut“, so lautet ein bäuerliches Sprichwort. Sauerkraut liefert viel Wertvolles. Es liefert viel Vitamin C, fördert die Bildung positiver Darmbakterien, ist reich am Vitamin B 12, versorgt uns mit Vitamin B 6, mit B 3, mit reichlich Folsäure, mit Zink und Magnesium. In Laas weiß man die kulinarischen Schätze hochleben
zu lassen und Flair in das Marmordorf zu zaubern. Während der Krautwochen sind das lustige und vor allem kreative Krautgestalten im ganzen Dorf.

1. Im Gasthaus Sonneck in Allitz geben die Sonne und die Saison den Ton an. Zu den Krautklassikern beim Hebs zählen etwa die Krautrahmsuppe oder die Krautschlutzer. Serviert werden beim Törggele-Krautmenü: Kürbiscremesuppe und Gerstsuppe, die Schlachtplatte mit Knedl und Kraut, Keschtn und Kropfn. Vorbestellung erwünscht

2.Im Gasthof Zur Sonne in Laas werden saftige Krautknödel, leckere Krauttaschen oder der beliebte Schlemmerteller mit Geräuchertem vom Schwein, Sauerkraut und Knödel serviert - besondere kulinarische Momente, die auf der Zunge zergehen.
Tischreservierung erwünscht.

3.In der Pizzeria Odler hat - neben den Klassikern und bewährten Pizzas - während der Krautwochen das Laaser Kraut in leckeren Krautpizzas seinen schmackhaften Auftritt. Alle schmackhaften Pizzas sind weitum bekannt und geschätzt.

 

Info

TIPP: Oktobermarkt am Marktplatz
am Donnerstag, 24. Oktober von 8 - 14 Uhr.
Der gesellige Treffpunkt nach eingebrachter Ernte!

 

Attraktive Herbstangebote gibt es bei
Cafè Greta - der Herbst steht ganz im Zeichen der Kastanie
Despar Kofler - Angebote auf Sauerkrautsorten im Glas
Hofladen Lechner - beim Kauf von drei Produkten gibt es ein kleines Überraschungsgeschenk
Insr Lodn - auf alle lagernden Einkauftrollys 10% Skonto
Konfektion Stecher - beim Kauf einer Winterjacke gibt es den passenden Schal als Geschenk
Konsum Laas - 20% Rabatt auf Kindermode und 15 % auf Ölmotivkerzen
Lottobar - Herbstgetränke
Metzgerei Muther - 10% Skonto auf Selchfleisch
Naturwerk - großes Thema Kränze
Schuh Spechtenhauser - bei einem Einkauf ab 100 Euro gibt es stylische Socken als Geschenk dazu
Salon Carmen - kostenlose Kopfhautanalyse nur mit Terminvereinbarung
Herbstzauber bei Venustis mit vielen Angeboten und Ideen

 

WORKSHOP
GEMÜSE FERMENTIEREN
mit Luzia Berger

am Montag, 20. Oktober von 19 - 21:30 Uhr
im Josefshaus Laas

Mitzubringen
1 Schneidebrett
1 Messer
2 Bügelgläser
Anmeldung bis Sonntag, 19.10.2025 unter 340 6728166
Unkostenbeitrag 10 Euro

Landflucht in Ligurien Ein Blick über den Zaun

  • Dachzeile: Natur & Landschaft
  • Redakteur: Wolfgang Platter, am Tag des Hlg. Benedikts, 21. März 2026
  • Weitere Fotos - 1: Enge Treppenstufen als Dorfgassen in Apricale
  • Weitere Fotos - 2: Das mondäne Menton an der Cote d‘Azur in Frankreich
  • Weitere Fotos - 3: Von Landflucht bedroht: Dolceacqua im ligurischen Nerviatal

Mit 5.410 km² Fläche ist Ligurien kleiner als Südtirol (7.400 km²), hat aber 1,6 Millionen Einwohner (Stand 2024). Die Region Ligurien erstreckt sich entlang der Küste des Ligurischen Meeres. Nach Norden hin ist sie von zwei Gebirgskämmen geschützt, die bis ans Meer reichen: den Alpi Marittime mit der höchsten Erhebung bis auf 2201 Meter, sowie dem sich östlich anschließenden Ligurischen Apennin, der Ligurien von der Poebene trennt.
Das Territorium der Region ist von Westen nach Osten in die vier Provinzen Imperia, Savona, Genua und La Spezia unterteilt und zählt mit 235 weit mehr Gemeinden als Südtirol (116).
In Ligurien herrscht ein mediterranes Klima. Das mediterrane Klima ist von milden Wintern, kaum mit Frost, aber trockenen Sommern gekennzeichnet. Dieses mediterrane Klima wird in Ligurien von den starken morphologischen Unterschieden des Territoriums mitbestimmt. Das Hinterland wird seinerseits von den starken Gebirgserhebungen, der Küstenabschnitt hingegen vom verhältnismäßig warmen Meer dominiert.

Bevölkerungsentwicklung
Die ligurische Bevölkerung konzentriert sich größtenteils in den großen und mittleren Küstenstädten entlang der gesamten Riviera. Ein nicht unbeträchtlicher Anteil lebte zumindest früher hingegen in den kleinen bis mittleren Gemeinden im Binnenland. Dieses ist durch ein gebirgiges Territorium gekennzeichnet, welches in den engen Tälern wenig Siedlungsraum bietet. Durch Terrassierungen mit kilometerlangen Trockensteinmauern wurde dem mediterranen Macchien-Wald Jahrtausende lang mühsam Kulturland zur landwirtschaftlichen Nutzung abgerungen. Die Gemeinden im Hinterland sind an den Hügel- und Gebirgshängen angelegt, aber auch im Mündungsbereich von Bächen, wo es Süßwasser gibt. Mit der Häufung von Extremniederschlägen durch den Klimawandel sind diese Siedlungsplätze immer öfter überschwemmungsgefährdet.
Das Olivenöl aus den Ölbäumen an den Hängen und die Zucht von Zierblumen in Glashäusern, aber auch die Häfen und die Schifffahrt haben den Menschen in Vergangenheit Wohlstand gebracht. Ligurien zählt mit Venetien, Lombardei und Piemont zu den wohlhabenden Regionen Italiens.

Landflucht nicht nur im Nerviatal
Der ländliche Raum im Hinterland Liguriens ist seit Jahren aber massiv von Entsiedlung bedroht. Der Altersdurchschnitt der Bevölkerung ist der höchste in ganz Italien. Die Sterberate liegt deutlich über der Geburtenrate, was zu schwerwiegenden sozialen Problemen geführt hat. Selbst ein erhöhter Zuzug von Immigranten, der im Vergleich zu den anderen Regionen Norditaliens jedoch geringer ausfällt, konnte diese Entwicklung nicht abfedern.
Grund genug für den ABC, in der zweiten März-Dekade des heurigen Jahres eine Kultur- und Bildungsreise nach Ligurien zu unternehmen. ABC steht hier für den Alt-Bürgermeister-Club, der vom vormaligen Bürgermeister von Klausen Dr. Arthur Scheidle gegründet und heute noch geführt wird.
Apriacale und Dolceacqua sind zwei Gemeinden im Nerviatal in der Provinz Imperia im Westen Liguriens, hart an der Grenze zu Frankreich. Als engstens verbaute Siedlungen wie ein Schwalbennest auf eine Kuppe gebaut oder eng und verwinkelt in den Hang gesetzt, haben beide Gemeinden in den letzten Jahrzehnten massiv an Einwohnern verloren. Die Landwirtschaft mit der Pflege von Ölbäumen gibt kein Einkommen zum Überleben mehr her, seit Öl aus dem Mittelmeerraum von Portugal bis zur Türkei importiert wird. Wer zur Arbeit auspendeln muss, verlegt seinen Wohnort über kurz oder lang seinem Arbeitsplatz nach. So ist etwa die Einwohnerzahl von Apricale von 2.161 im Jahr 1901 auf 604 im Jahr 2025 gesunken. Anders ausgedrückt: In vier Generationen hat die Anzahl der sesshaften Bevölkerung um mehr als 70 % abgenommen. Landflucht ist die Kehrseite einer Medaille, die auf der Vorderseite mit Nobelorten wie Sanremo an der Rivera di Ponente prunkt. Dabei darf sich z.B. Apricale zu den „Borghi piú belli d´ Italia“ zählen. Aber museale Schönheit ist für viele junge Menschen zu wenig, um zu bleiben. Heute versuchen die wenigen Verbliebenen, mit der Sanierung von Wohnungen touristische Angebote als B&B Übernachtung mit Frühstück zu bieten und bringen einen bestimmten Kultur- und Wandertourismus in die engstens verwinkelten Gassen und Treppenstiegen dieses ländlichen Kleinodes. Der beherzte und energische Bürgermeister Silvano Pisano kämpft überzeugt und überzeugend für das Überleben seiner Gemeinschaft. Sagt aber auch, dass Ausländer zuziehen, weil die Mieten im Hinterland billiger sind als in den Küstenorten, aber sich mit der Gemeinschaft im Dorf nicht identifizieren, zum Gemeinwesen keinen Beitrag leisten und wieder fortziehen, sobald sie sich wirtschaftlich einigermaßen gefangen haben. Ein Bild, das mir geblieben ist: Der Beichtstuhl in der Kirche von Apricale ist im wörtlichen Sinn zum Mülleimer verkommen.

Verrottende Glashäuser
Auch die Zucht von Zierblumen trägt nicht mehr. Tausende Quadratmeter von Glashausdächern haben eingedrückte Scheiben, viele Glashäuser selbst werden als Rumpelkammern und Abstellplätze zweckentfremdet. Trotzdem bleibt Ligurien eine landschaftlich reizvolle Region mit vielen kulturellen Höhepunkten und architektonischen Sehenswürdigkeiten, welche die wechselvolle Geschichte dieses Landstriches dokumentieren.

Abwechslungsvolle Siedlungsgeschichte
Häfen sind Ausfahrtstore zur Welt über die Meere. Christophorus Kolumbus war Genueser. Häfen sind aber auch Einfallstore für Überfälle. Die Reste von Stadtmauern zeigen in vielen ligurischen Orten noch von dem Schutzbedürfnis vor erobernden Raubüberfällen und entsprechend wechselvoll ist die Geschichte Liguriens in der Abfolge der Siedler.
Ligurien leitet seinen Namen von seinen vorrömischen Bewohnern, den Ligurern ab. Diese Indoeuropäer siedelten ursprünglich zwischen Pyrenäen und Alpen, in Nord-italien und auf Korsika. Die lokale Kultur war bereits in vorneolithischer Zeit im Gebiet von ausgeprägter Weidewirtschaft und sehr starker Mobilität gekennzeichnet. Die Ligurer wurde im 4. Jahrhundert v. Chr. in die Seealpen und den nördlichen Apennin abgedrängt. Im 3. Jahrhundert v. Chr. kam die ligurische Küste unter römische Kontrolle. Ligurien wurde sehr früh christianisiert. Möglicherweise war Genua bereits im 3. Jahrhundert Sitz eines Bischofs. Im 5. Jahrhundert sind Bischöfe von Albenga und Luni belegt. Ab 493 n. Chr. beherrschten die Ostgoten auch Ligurien, ab 553 gehörte Ligurien zu Ostrom. Ab 641 war das Gebiet Teil des Langobarden-Reiches, ab 772/774 Teil des Franken-Reiches. Bis 1016 folgten die Sarazenen. Im Mittelalter gab es wechselnde Lehensherrschaften, der Einfluss der Kommunen stieg, aber ab dem 11. Jahrhundert auch die Vormachtstellung Genuas.

Landflucht vermeiden
Landflucht kennen wir auch aus unseren Südtiroler Berggebieten. Umso bedeutsamer sind alle unsere Bemühungen, das Berggebiet und den peripheren Raum unseres Landes vor Entsiedlung zu bewahren. Wo Gemeinschaft abbröckelt und zerfällt, wo die kultivierende Hand des Menschen zur Landschaftspflege fehlt, steigt in Zeiten des Klimawandels und der sich häufenden Elementarereignisse die Gefahr und Rote Zonen dehnen sich aus. In dieser Optik sind auch die zielgerichteten Förderungen z.B. für
Stilfs aus dem Nationalen Plan für Aufbau und Resilienz PNRR (Piano Nazionale di Ripresa e Resilienza) zu sehen und einzuordnen.

Logenplatz - Die neue Post am Ortler in Sulden

  • Vorspann: In Sulden, wo die Berge nicht nur das Urlaubs- sondern auch das Lebensgefühl bestimmen, ist mit der neuen Post am Ortler ein unvergleichliches Urlaubs-Refugium entstanden. Neu, besonders, gemütlich: So präsentiert sich das umgebaute und erweiterte 4-Sterne-Superior-Hotel von Verena und Andreas Wallnöfer nach zwei Jahren Planung und sieben Monaten Bauzeit. Die Auszeit-Oase inmitten von 3.000ern verspricht Urlaub mitten in der Natur.
  • Dachzeile: Bauplatz
  • Redakteur: Angelika Ploner | Foto: Helmut Rier
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Logenplatz am Ortler: Das umgebaute und erweiterte Hotel, Die Post am Ortler in Sulden, bietet eine spektakuläre Aussicht. An ihrer Geschichte buchstäblich weitergebaut und damit Neues gewagt hat die Gastgeberfamilie, die Familie Wallnöfer. „Die Geschichte“, sagt Andreas Wallnöfer, „die Wurzeln sind wichtig.“ Doch stehen bleiben dürfe man nicht.
Mit dem Neu- und Umbau ist eine großartige Wohlfühloase geschaffen worden. Hier kann man die Seele baumeln lassen. Tradition, Luxus und Spa vereinen sich seit Dezember zu einem neuen Ganzen.
„Die neue Post am Ortler in Sulden ist ein Haus, das alle Generationen willkommen heißt. Jede Generation soll sich hier wohlfühlen“, sagt Verena Wallnöfer zum Vinschgerwind. Seit dem 22. Dezember 2025 stehen die Türen hier offen. Die Gäste sind begeistert von der neuen Post, die Einheimischen ebenso.

Denn so einzigartig die Natur hier ist, so einzigartig ist auch die Gastgeberfamilie.
Jede Suldner Familie hat von Verena und Andreas Wallnöfer ein Schreiben mit einem Gutschein für ein Day Spa im neuen Ortles Spa erhalten. Als Dankeschön. „Wir haben so große Hilfsbereitschaft erfahren und so viel Verständnis, dass uns das einfach ein Bedürfnis und Anliegen war“, sagt Verena Wallnöfer. „Es gab Baulärm, Dreck, viele LKWs und trotz all der Störungen und Unannehmlichkeiten gab es für unser Tun sehr viel Verständnis, Interesse und Toleranz – dafür muss man Danke sagen.“ So sieht wahre Gastfreundschaft aus.

Die Architektur.
Der Baukörper des Neubaus - so scheint es - zeichnet die Suldner Bergsilhouetten nach. Die Volumetrie erinnert an Chalets und besticht mit alpiner Schlichtheit. Das denkmalgeschützte Haupthaus, dort wo alles seinen Anfang nahm, blieb unangetastet. Der Charakter des ursprünglichen Ensembles wurde mit einer neuen Fassadengestaltung aus Holz und Metall neu interpretiert. Inspiriert von der Natur, der Suldner Bergwelt, ist die Architektur einfach, zeitlos und nicht aufdringlich. Die Natur in Sulden ist einmalig und die Naturverbundenheit, hat im Hotel Die Post am Ortler nicht umsonst ihren großen Auftritt.

Innenleben.
Empfangen werden die Gäste von Hirsch, Steinbock und Requisiten vergangener Zeiten. Alte Koffer sind hier übereinandergestapelt und sind Zeugen der langen Hotel-Tradition der Post am Ortler in Sulden. Die Rezeption ist eine einzige Hommage an die sich erhebenden, umliegenden Dreitausender. Umgeben von drei Steinskulpturen – dem Ortler mit 3.905 m, dem Monte Zebrù mit 3.735 m und der Königsspitze mit 3.851 m – checken die Gäste ein.
Groß und offen zeigt sich das Entrée – mit Oberlicht. Herzstück hier ist die Bar. Eine Symbiose aus Alt und Neu ist mit dem Umbau und der Erweiterung gelungen. Das alte Jägerstübele etwa flankiert die neue Lobby oder die Raucherlounge. Der neue Buffetbereich ergänzt sich hervorragend mit dem traditionellen verbliebenen Teil und den alten Backsteinziegeln. Die holzvertäfelte Decke mit ihrem Kronleuchter im Speisesaal bietet eine harmonische Einheit mit dem neuen, verglasten und lichtdurchfluteten Saal, der mit seiner Sonnenterasse das spektakuläre Panorama auf die Suldner Gletscherwelt und die Kirche einfängt. Hier verbinden sich Tradition, Gemütlichkeit und Genuss in einer Atmosphäre, wo Verwöhnen und das Wohl der Gäste ganz oben stehen.
Holz und Stein vermitteln mit jedem Schritt Natürlichkeit. Zudem nimmt der Steinboden in seiner Optik Bezug auf die umliegende Bergwelt. Dem Verwöhnen und Wohlfühlen ist auch das Interieur gewidmet. Braun- und Grautöne sind aufeinander abgestimmt, haben in verschiedenen Nuancen ihren Auftritt und vermitteln Geborgenheit und Wärme. Textilien, taktile Oberflächen wie Strickmuster oder Naturfasern als Akustikdecken bestimmen das harmonische Interieurkonzept. Die Naturverbundenheit zeigt sich demnach in Materialien, in Farben, in Haptik und in Optik. Feine Ledersessel und bequeme Sitzmöbel laden zum Relaxen ein.

Eine Art Wohnzimmeratmosphäre – gemütlich und einladend – ist entstanden, um das atemberaubende Panorama in vollen Zügen zu genießen. Alles - jeder Stuhl, jeder Stoffbezug, jede Lampe, jedes noch so kleine Detail - wurde von Verena und Andreas Wallnöfer selbst ausgewählt und kombiniert. Nichts wurde dem Zufall überlassen. Chapeau.

Wellness.
Garten mit Bergsee: Das ist einzigartig in Sulden und wohl nur im neuen Hotel Die Post am Ortler zu finden. Der neue Wellnessbereich liegt auf Etage -1 und nennt sich Ortles Spa hoch 3. Der Name ist Programm, denn auf insgesamt 4.200 Quadratmeter verbinden sich hier Wellness, der Naturbadeteich und die erwähnte einmalige Gartenlandschaft als Liegewiese. Immer mit dabei: König Ortler.
Ortles Spa hoch3 beherbergt Fitness- und Yogaräume, Ruheräume, Kinderwasserrutsche, Schwimmbecken für Erwachsene und einen 20-m-langen Sportpool, der nahtlos in den Naturbadeteich überzugehen scheint. Privatsphäre und Ruhe werden hier großgeschrieben.
2.000 m² groß ist die Saunalandschaft mit separatem Adults-Only-Bereich und Familiy-Spa. Höhepunkt hier ist zweifelsohne die Finnische Panoramasauna mit einer atemberaubenden Aussicht auf die Suldner Bergwelt. Eine Bio-Sauna, ein Dampfbad und ein Solebad ergänzen das Wellness-Angebot und machen auch einen Day Spa zu einem einmaligen Erlebnis.

Zimmer& Suiten.
23 neue Zimmer ergänzen das Raumangebot der 50 bestehenden Zimmer und Suiten. Holz dominiert auch hier und zieht sich wie ein roter Faden durch das Interieurkonzept. Es ist ein wiederkehrendes Element mit Traditionsbezug. Der Einsatz der verschiedenen Holzarten steht im Einklang mit dem Interieur und dessen Farbton. Gemütlichkeit hat hier ihren großen Auftritt und ist in jeder Ecke und jedem Winkel spürbar. Panoramafenster bieten einen atemberaubenden Ausblick.
Ob in den neuen Luxus-Suiten etwa mit privater Sauna, Whirlpool und mit privatem Balkon oder den gemütlichen Zimmer mit Panoramafenstern – alle vereinen zeitgemäßes Design mit alpinem Charme und bieten höchsten Komfort. Indirektes Licht wechselt sich mit eleganten Leuchtkörpern an den Decken ab. Und eines ist sicher: Hier bleibt kein Wunsch offen.

Schöne Größe.
Eine einzige Hommage an die Natur ist die neue Post in Sulden, wo mit dem Um- und Erweiterungsbau Gastlichkeit und Wohlbefinden in den Mittelpunkt gerückt wurden. „Wir haben mit der Erweiterung eine schöne Größe erreicht“, sagen Verena und Andreas Wallnöfer zufrieden. „Sulden ist ein kleines Dorf und in kleinen Dörfern liegt eine große Kraft. Hier braucht jeder jeden.“ Diese Kraft spüren auch die Gäste. Die neue Post am Ortler erzählt eine Geschichte: über genau jene Kraft, über Ursprünge und den Mut Neues zu wagen.

 

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