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Kommentar von Chefredakteur Erwin Bernhart

Die Demokratie verteidigen?

veröfftl. am 20. Januar 2026

Diese Kraut- und Ruabm-Diskussion rund um den Overtourism in Südtirol werde ich wohl nicht verstehen. Vielleicht gibt es das wirklich, dieses Zuviel an Tourismus, dieses Zuviel an Gästen in Südtirol. Aber wo? In Gröden, in Alta Badia, in Schenna, in Meran, im Pustertal? Wenn dem so ist, warum benennt man das nicht. Sicher ist, im Vinschgau hab’ ich von diesem Overtourism noch nichts gehört. Die hiesigen Bürgermeister und die hiesigen Tourismustreibenden sagen mir unisono, wir können schon noch einiges an Touristen vertragen. Nun verstehe ich eines nicht: Wenn in Südtirol ganz unterschiedliche Zustände und Zahlen, den Tourismus betreffend, zirkulieren, warum muss die Politik dann immer alles über einen Kamm scheren? Weil das einfacher zu kommunizieren ist? Weil man da weniger differenzieren und also weniger denken muss?
Nun gibt es wieder einen Aufschrei (in Südtirol wird gerne aufgeschrieen). Weil ein Verfallstermin ansteht und der verräumt werden soll. Ein Verfallstermin für Tourismuszonen nämlich. Wenn nicht bis September 2026 ein Baugesuch für einen Beherbergungsbetrieb da ist, soll die Tourismuszone verfallen. Eine Mehrheit für dieses Dekret hat 2022 Arnold Schuler als Landesrat für Tourismus gefunden. Auch deshalb ist er heute nicht mehr Landesrat. Luis Walcher will noch lange Landesrat bleiben. Deshalb gibt er rasch dem Druck aus den Tourismuskreisen nach. Aber: Auch der Walcher differenziert nicht.