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Portrait

„In Pankratius hon i als Felix kennenglearnt“

von Magdalena Dietl Sapelza
Pankratius Eller, genannt Felix, ist seit Jahren Regisseur der Bühne „s`Lorggagassl“ in Stilfs. Den Namen Felix verdankt er einem einstigen Arbeitskollegen, der sich Pankratius nicht merken konnte. Die Regie zum Mäuseprozess „Linamaus“ von Toni Bernhart zum diesjährigen 25. Jubiläum musste er krankheitsbedingt seiner Frau Petra anvertrauen.
veröfftl. am 01. April 2026

Pankratius alias Felix Eller (Jg. 1964) und seine Frau Petra Platzer (Jg. 1966) in Stilfs sind treibende Kräfte im „s‘ Lorggagassl“ Derzeit ist sie ihm eine wichtige Stütze daheim und bei der Theatervorbereitung.

Im vergangenen Sommer erfüllte sich Felix einen Wunsch: Er nahm eine Auszeit als Baggerfahrer bei der Firma Marx und hütete die 140 Schafe von Stilfs. Monatelang zog er täglich seine Runden in den Bergen, begleitet von seinem Hund Kaja. „Deis isch dr scheanschte Summer gwesn“, betont er. „Unt es tat miar ruien, wenn i deis nit toun hat“, betont er. Nach der Rückkehr überlegte er bereits, das Hirtendasein zu wiederholen. Doch er musste dieses Ansinnen auf Eis legen. Im November erhielt er die niederschmetternde Diagnose Kopftumor. Ihm und seiner Familie zog es sprichwörtlich den Boden unter den Füßen weg. Von einem Tag auf den anderen war nichts mehr, wie es war. Felix stand vor einer Operation und machte sich große Sorgen, dass etwas schief gehen könnte und er danach niemand mehr wiedererkennen könnte. Doch die Sorgen waren unbegründet, der Eingriff war erfolgreich. Der Tumor konnte zur Gänze entfernt werden. Allerdings, um eine Chemotherapie kam er nicht herum. Durch die Krankheit kamen auch die bereits begonnenen Vorbereitungen zur Jubiläumsproduktion „Linamaus“ ins Stocken. Doch das 25. Jubiläum vom „s‘ Lorggagassl“ sollte trotz allem gefeiert werden. Deshalb übertrug Felix die Regie an seine Frau Petra. Als Theaterspielerin brachte sie die nötige Erfahrung mit, und er konnte ihr daheim Tipps geben.
Pankratius wuchs in Pazin in Langtaufers auf. Bereits als Bub half er auf den Almen im Tal mit. Einen Sommer lang hütete er Kühe auf Prämajur. „Fir 40.000 Lire unt a Poor Housn“, erinnert er sich. Als 14-Jähriger nahm er eine Saisonsstelle in einem Hotel in Schenna an. Ein italienischer Arbeitskollege nannte ihn Felix, weil er sich den Namen Pankratius nicht merken konnte. Nachdem er daheim von seinem Spitznamen erzählt hatte, bürgerte sich der Name Felix auch dort ein. Nach der Zeit in Schenna fand er Arbeit zuerst in einem Sägewerk in Graun, dann beim Straßenbau in Langtaufers und beim Maseben Lift. Im Sommer 1983 begann er als Liftwart auf dem Stilfserjoch. Damals herrschte dort reger Sommerskilauf. Die Hotels waren mit Gästen voll belegt, und abends wurde Apres Ski gefeiert. Bei einem Tiroler Abend in der „Baita Ortler“ lernte er Petra Platzer aus Stilfs kennen. Die beiden verliebten sich. „In Pankratius hon i als Felix kennenglearnt“, lacht Petra. „I hon‘s zearsch gor it glabm gwellt, dass es ondersch isch.“ 1986 heiratete das Paar, und Sohn Andreas wurde geboren. Nach Jahren in einer Mietwohnung bezog die Familie ihr Eigenheim im Ortsteil Patzleida in Stilfs. Mittlerweile war Felix als Baggerfahrer bei einer Baufirma im Engadin beschäftigt und pendelte täglich über die Grenze. Petra kümmerte sich um den Haushalt und Kind. Später, nachdem sie den Kleinen in der Obhut seiner Großmutter gut aufgehoben wusste, nahm sie wieder Aufgaben im Gastgewerbe an. Sie kehrte auch wieder in die „Baita Ortler“ zur Familie Tschenett zurück, mit der sie sich bis heute eng verbunden fühlt. Eine Zeitlang arbeitet Petra auch in der Firma HOPPE. Nach der Geburt des Sohnes Jan 1997, nahm sie sich Zeit für ihren Nachzügler. 2005 verließ Felix die Schweiz und wurde Baggerfahrer bei der Firma Marx.
Felix und Petra lieben die Geselligkeit und die Stilfser Bräuche. Bei Fasnachtseinaktern entdeckten sie ihre Freude am Theaterspielen. 2001 gründeten sie mit anderen Interessierten die Theatergruppe „s`Lorggagassl“. Für das erste und zweite Lustspiel verpflichteten sie einen Regisseur von auswärts. Nachdem Felix mehrere Regiekurse besucht hatte, debütierte er 2004 mit dem Stück „Der Susi ihr Gspusi“. Dass er auch den Ortspfarrer Florian Öttl als Spieler einsetzte, erwies sich als Publikumsmagnet. Als der Pfarrer 2024 vor der Premiere krankheitsbedingt ausfiel, sprang Felix kurzfristig ein und rettete die Vorstellung. Laufend holt Felix Jugendliche ins Rampenlicht. Auch das erwies sich als sehr erfolgreich und sicherte den Fortbestand der Stilfser Bühne. „Wer amol mitn Theatrfiabr infiziert isch, spielt olm gearn“, meint er. Die diesjährige Jubiläumsaufführung begleitete Felix in Absprache mit Petra von zu Hause aus. Bei den Aufführungen möchte er jedoch dabei sein. Einige werden ihn auf Anhieb nicht erkennen. Denn er hat seinen geliebten Vollbart der Chemotherapie opfern müssen. Nun hofft er darauf, dass er die Krankheit schon bald hinter sich lassen kann. Und er möchte irgendwann wieder Schafe hüten, und das mit Vollbart.