Johanna Albert: „Kunst bin ich“
Die Künstler des „United Arts Club Dublin“ sagten: Johanna Albert aus Laas zeichne wie eine Bildhauerin.
Die junge Künstlerin ist 2003 geboren und mit zwei älteren Geschwistern in Laas aufgewachsen. Sie war eigenständig, schlagfertig und wusste was sie wollte. Bereits im Kindergarten setzte sie sich in eine Ecke und malte. Die Menschen und das Geschehen um sie herum nahm sie wohl war, doch vertiefte sie sich ganz im Zeichnen. Anders als ihre Mitschüler:innen freute sie sich auf die schulischen Malwettbewerbe. Nach der Pflichtschule besuchte sie die FOS in Meran, wechselte in das Kunstgymnasium, denn dort wird der Schwerpunkt ab der dritten Klasse auf die Grafik gelegt. Neben dem Zeichnen auf Papier und am Computer war Kunstgeschichte eines der Hauptfächer. Zu lernen, welche Geschichten und Geschichte hinter den jeweiligen Kunstwerken steht, findet die Wissbegierige sehr spannend. Nach der Matura entschied sie sich für die Ausbildung zur Steinmetzin in der Marmorfachschule „Johannes Steinhäuser“ in Laas. So konnte sie zuhause studieren und mit heimischem Material arbeiten. Sie begann ihr Heimatdorf und das Vorhandene in einem anderen Licht zu sehen.
Gegen Ende ihrer Ausbildung, im Frühjahr 2024 packte sie das Fernweh. Zufällig entdeckte sie ein Inserat für ein Au-pair-Mädchen bei einer Irischen Familie. Direkt nach ihrem Abschluss zog Johanna nach Irland. Es war sehr aufregend, diese Reise, allein begleitet von ihrem Skizzenbuch, anzutreten. Johanna malte bis dahin vorwiegend Personen. In Irland entdeckt sie, das „Urbansketching“, alltägliche Momente zeichnerisch festzuhalten. Sie findet Gefallen an der Architekturperspektive und baut beides in ihren Stil ein. Neben ihrer Arbeit als Au-pair Mädchen nutzte sie das ein und andere verlängerte Wochenende um nach London, Oslo und Schottland zu reisen. Johanna lernte unterschiedlichste Orte und Menschen kennen, probierte Neues aus, schöpfte die ihr gebotene Zeit voll aus. Ihr Abenteuer endete im Juli 2025 mit Vorfreude auf das Zuhause, aber auch mit Fernweh im Gepäck. Viel Zeit blieb ihr dafür nicht. Bereits wenige Tage danach öffnete in der Marx Kirche in Laas die Austellung „Momente“ bei der Johanna zusammen mit weiteren Künstler:innen vertreten war. Organisiert wurde diese von der Plattform „ParaBel Artspace“, eine Vereinigung mehrerer Künstler:innen unterschiedlichsten Richtungen. Über diese stellte Johanna ebenfalls im November mit mehreren Vinschger Künstler drei Tage lang im „Schloss Siegmundsried, in Ried im Oberinntal aus. Ihre Eltern unterstützen Johanna in den Vorbereitungen ihrer Ausstellungen. Ihre Mutter ist selbst sehr kreativ und ihr Vater kann seine Kreativität darin ausleben, die Ideen der zwei Frauen umzusetzen. Im Jahr 2023 stellte sie erstmals eine ihrer Aktzeichnung beim Kulturfest Marmor&Marille im Sonnenwirtsstadel aus. Mit der Marmorfachschule war Johanna auf Ständen verschiedenster Kunstmessen vertreten. Sie zeigte ihre Werke auf dem Kultur- und Genussfest in Prad, sowie bei der 95-Jahr-Feier des Bildhauer- und Steinmetzmeisterbetriebes Josef Mayr in Laas.
Momentan ist Johanna in ihrer Arbeitsstelle sehr gefordert und sie lebt ihre Kreativität eher im Kochen und Backen aus, als im Zeichnen. Trotzdem ist es ihr wichtig, ihrer Kunst Raum zu geben. Im Keller ihres Elternhauses liegen auf der alten Werkbank ihres Opas, der dort als Elektrotechniker Motoren neu wickelte, die Werkutensilien seiner Enkelin. „Im Zeichnen spreche ich aus mir“. „Ich finde es schön zu merken wie man durch das viele Zeichnen, Werken und Üben genauer, präziser, schneller wird und das Auge schult, indem du etwas zeichnest was vor dir steht“. In der „Basis Schlanders“ trafen sich über einen längeren Zeitraum jede Woche die unterschiedlichsten Künstler:innen und Modelle. Johanna nutzte diese Möglichkeit zum Aktzeichnen. Sie malt mit Bleistift, Kohle und Aquarell auf Leinwänden und Papier. Sie liebt es, einfach darauf los zu zeichnen und wenn ihre Hände schmutzig werden. Sie verwendet keinen Radiergummi, jeder Strich den sie macht, hat seine Berechtigung. „Jedes Muttermal, jede Rundung macht die Zeichnung lebendig und individuell“, meint Johanna.“ In der Bildhauerei geht man nach den groben Arbeiten vorsichtig an den Stein heran, er verzeiht keine Fehler. „Stein ist endgültig!“ so die junge Frau, „Das ist für mich Reiz und Auftrag zugleich, lässt mich mit Respekt an ihn heran treten. Er scheint als kaltes Material, aber wenn du beginnst mit Stein zu arbeiten, wird er lebendig, warm. Es öffnen sich dir ganz neue Möglichkeiten. Beim Malen möchtest du den Moment, die Tiefen, zweidimensional auf Papier bringen, du spielst mit Schatten und Licht, versuchst darzustellen, was du bei einem dreidimensionalen Werk siehst“. Johanna kann sich vorstellen in Laas zu bleiben. Manchmal vermisst sie den künstlerischen Austausch und Irland, die Spontanität und das Hemmungslose von dort, jeder Tag war neu und spannend. Ihre Erlebnisse hielt sie in unzähligen Skizzen fest. Die neuen Eindrücke und Erfahrungen muss sie erst noch ordnen und weiterentwickeln.