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Portrait

Der Radiopionier Rudi Lösch ist 80

von Astrid Fleischmann
Rudolf Lösch wurde am 28.02.1946 in Eberhardzell in Deutschland geboren. Sein Vater, Martin Lösch aus Ulten, hat bei seinem Militäraufenthalt in Deutschland seine zukünftige Frau, Paula Natter, kennengelernt. In Morter im Vinschgau haben sich die beiden, Stein für Stein, ihr eigenes Zuhause aufgebaut. Dort wuchs der zukünftige Radio- und Fernsehpionier behütet auf.
veröfftl. am 29. April 2026

Rudi Lösch zu Hause vor seinen Funkapparaten: Weltweit vernetzt lange vor dem Internet. Der Amateurfunker und Radiopionier Rudolf Lösch ist 80.

Als Rudi drei Jahre alt war, zogen seine Eltern mit ihm und seiner zwei Jahre jüngeren Schwester Emilie nach Morter. Dort erlebte Rudi seine Kindheit. Als er seine erste elektrische Eisenbahn geschenkt bekam, hat es bei ihm gefunkt. Fasziniert von der Elektrik, bastelte er voller Leidenschaft an seiner Eisenbahn herum. Die Experimente seiner Kindheit waren facettenreich, wenn auch nicht immer ganz ungefährlich. Diese Experimentierfreude ließ ihn nicht mehr los. Fest entschlossen hat er seine Leidenschaft zum Beruf gemacht.
1960 absolvierte er im „Licht- und Radiohaus Hans Haasis“ in Ebingen, Deutschland, seine Ausbildung zum Radio- und Fernsehtechniker. „I bin in meine Eltern donkbor, dass i de Möglichkeit kop hon.“
Mit technischem Feingefühl und unternehmerischem Mut schrieb Rudolf Lösch mehr als nur Radiogeschichte.
1963, zurück in Morter, hat der frischgebackene Radio- und Fernsehtechniker Sendemasten für Sendemasten „…s’gonze Tol vernetzt.“, wie er mir schmunzelnd berichtet. Im Vinschgau war damals Funkstille. „Wenn i oungfongen hon, isch no kuan Fernsehn gwesen in Tol“, betont Rudolf Lösch. Es gab weder deutschsprachiges Fernsehen noch Radio. Für den jungen wissbegierigen Mann war dies eine Spielwiese, auf der er sich austoben konnte. Sein unaufhaltsamer Pioniergeist war geweckt.
Wer den Film „TVS Pioniere des Fernsehens“ gesehen hat, erinnert sich sicher an jenen Mann, der mit seinem Werkzeug in schwindelerregender Höhe am Sendemasten hing. Das war Rudi. „In TVS hon i a mit aufgebaut.“ erinnert er sich. Es war der Verdienst des begeisterten Antennenbauers, dass im Vinschgau die Funkverbindung für Radio und TV funktionierte. „In Longtaufers hon i vier Umsetzer gebraucht, und in Graun a wieder viere, damit der Empfong endlich passt hot.“ Mit unermüdlichem Einsatz hat Rudolf Lösch ein wichtiges Fundament für das Privatfernsehen im Tal geschaffen.
Mit 21 Jahren gründete er seinen eigenen Betrieb. In seiner Werkstatt in Schlanders hat er unzählige Röhrenfernsehgeräte und Röhrenradios zusammengebaut mit Einzelteilen, die er damals aus Deutschland importiert hat. Er führte Reparaturen durch, eröffnete Zweigstellen in Mals und Naturns und bildete viele Lehrlinge aus. Bald schon war der kompetente Radio- und Fernsehtechniker im ganzen Tal und darüber hinaus bekannt. Das hatte Folgen. Am Heiligabend kam er immer erst spät nach Hause, weil er noch Fernseher auslieferte. „Der Tata wor s‘Christkindl für’s gonze Tol.“ erinnern sich seine Kinder.
In den späten 70er Jahren startete Rudi mit Gleichgesinnten sein Radioprojekt. Das war die Geburtsstunde des Privatsenders Radio Vinschgau. Der Radiosender wurde bald zum wichtigen Begleiter der Vinschger, ein Sprachrohr für Private sowie für die Wirtschaftstreibenden im Tal. „Funksignale hon i gschickt bis noch Longtaufers.“, lacht mein Gegenüber spitzbübisch. Wenn Sender im Land ausfielen, startete Rudi los, um die Funkverbindung wiederherzustellen. „In schneareiche Winter bin i grod a poor Mol a mit die Ski zu die Sender ai.“ Rudolf Lösch war immer auf der Suche nach dem besten Empfang.
Es gab noch mehr in seinem Leben außer Technik und Elektrizität. Bei einer Schneeballschlacht lernte er die Schludernserin Rosa Kaserer kennen. 1968 wurde geheiratet. Ihre vier Kinder Roman, Elke, Harald und Daniela wuchsen mit Technik und Funkgeräten auf.
2017 war ein gesundheitlich einschneidendes Jahr für Rudi. Dank der liebevollen Unterstützung seiner Frau Rosa und seiner Kämpfernatur kam er wieder auf die Beine.
Teleradio Vinschgau war bis 2018 on air. Dann wurde der Sender verkauft und eine Radio-Ära ging aus Gesundheitsgründen zu Ende.
Am 28.02.2026 wurde Rudolf Lösch 80 Jahre alt. Sein größtes Hobby ist für ihn bis heute das Amateurfunken. Mit seinen selbstgebastelten Funkgeräten und Antennen war er schon lange vor der Internetzeit weltweit vernetzt. Heute ist das Wohnzimmer seine große technische Spielwiese. Dort holt sich „IN3LWR“, so Rudis Funkname, bis heute die Welt ins Haus. „Viele Amateurfunker gib‘s nimmer im Vinschgau,“ erzählt er. Wenn seine Funkkollegen Toni und Oskar ihn besuchen, sitzen die drei gemeinsam vor den Geräten. „Nocher werd ordentlich gfunkt.“ lacht Rudi.
Schaltpläne, Antennen, Sender und Empfänger, Umsetzer … für den talbekannten Pionier Rudolf Lösch die einfachste Materie der Welt. Seine größte Gabe aber ist es, zufrieden und geduldig zu sein.