„I bin a Kämpfer“
Konrad Hofer, Jg. 1947, Prad am Stilfserjoch
Die bittersten Momente durchlebte Konrad am 2. März 2000, als er auf der Geraden von Spondinig nach Prad vor zwei Autowracks und vor seinem schwer verletzten Sohn Simon stand. Verzweifelt redete er ihm Mut zu und bat ihn durchzuhalten. Doch es war umsonst. „Deis isch s‘ Schlimmste in mein Lebem gwesn“, betont Konrad. Simon sollte die Mechaniker-Werkstatt übernehmen. 14 Tage später konnte Konrad dessen Meisterbrief in Bozen abholen.
Konrad kam 1947 in Zams zur Welt, wo seine Familie seit der Option lebte. Später kehrte sie nach Prad zurück. Der Vater eröffnete eine kleine Autowerkstatt im Ortskern. Später übersiedelte die Familie in den Neubau mit Werkstatt und Tankstelle am Ortseingang. Konrad bekam fünf Geschwister. Die Ausbildung der Kinder war den Eltern wichtig. Konrad besuchte die Mittel- und die Handelsschule in Meran, ehe er die Mechanikerlehre begann, die er mit der Meisterprüfung abschloss. Konrads große Leidenschaft war der Sport. Bereits als Bub überzeugte er als Skifahrer, als Langläufer und Fußballspieler. Während der Schulzeit in Meran entwickelte er sich zu einem erfolgreichen Leichtathleten. Für den SC Meran holte er Siege bei den Italienmeisterschaften im 1.500 und 800 Meterlauf. „Meine Zeitn hobm nou johrelong gholtn“, betont er. Seine Militärzeit verbrachte er in der Sportgruppe, wo er seine Sportleidenschaften ausleben konnte und mit Spitzenergebnissen glänzte. „I war gearn beim Militär bliebm“, sagt er. „Obr dr Voter hot eppas drgegn kopp.“ Denn Konrad war prädestiniert den Betrieb zu übernehmen. Und er fügte sich. Neben seinen sportlichen Aktivitäten spielte er in der Musikkapelle und war Mitglied der Volkstanzgruppe. „In oan Johr sein nor fünf Tänzerinnen schwonger gwortn“, scherzt er. „Und oane isch di Inge gwesn, dia i 1971 gheiratet hon.“ Die Familie wurde von Jahr zu Jahr größer, und schließlich war er Vater von vier Kindern, denen er seine Sportleidenschaften vermittelte und sie in den unterschiedlichsten Sportarten förderte. Konrad wurde auch unternehmerisch aktiv. 1977 gründete er die Firma HOWA OHG, heute Hofer Tiefbau. 1985 übernahm er die Werkstatt seines Vaters samt Tankstelle und Autohandel. Er hatte alle Hände voll zu tun. Doch er nahm sich immer auch die Zeit zum Skifahren, zum Tennis- und Fußballspielen. Er trainierte auch Jugend-Fußballmannschaften. Im Alter von 48 Jahren lernte er nach einer Wette mit seinen Söhnen sogar das Snowboardfahren. „I hon fescht trainiert unt hon si nor a oghängt“, lacht er. Regelmäßig verfolgte er die Fußballspiele im Tal als kritischer Zuschauer. Fest eingeplant waren immer auch regelmäßige Familienurlaube. „Gearn bin i mit olle noch Süditalien gfohrn“, verrät er. Konrad liebte auch das Kartenspiel, die Tauchgänge auf den Malediven und die Bergtouren in Nepal mit Christian Kuntner. Konrad genoss das Leben und fühlte sich auf der Sonnenseite. Doch Schatten zogen auf. Zuerst scheiterte seine Ehe, dann verunglückte sein Sohn Simon und schließlich wurde ihm 2002 ein Tumor an der Bauchspeicheldrüse diagnostiziert. Dieser konnte in Innsbruck erfolgreich entfernt werden. Halt gaben ihm seine Kinder und seine zweite Frau Andrea. Er ließ sich nicht unterkriegen und aktivierte all seine positiven Energien. „I bin a Kämpfer“, betont er. Doch 2004 kehrte der Tumor zurück. Auf dem Weg zur Uniklinik sagte er zu Andrea: „I glab, i kimm nimmer zruck“. Denn er wusste, was auf ihn zukam. Er stand vor der Whipple Operation, bei der Teile der inneren Organe entfernt werden mussten. Andrea wich nicht von seiner Seite und holte ihn aus so manchem Tief heraus. „S` Glück isch a gwesn, dass i konditionell guat drauf gwesn bin“, betont er. Konrad besiegte den Tumor erneut. „I kenn niamat, der deis überlebt hot“, sagt er. Mittlerweile muss er sich mit Diabetes und Parkinson auseinandersetzen, wobei er bei der Selbsthilfegruppe im Vinschgau dabei ist. „Selm hot mi di Vorsitzende Frau Evelin Peer betreut unt isch miar helfend zur Seite gstondn“. 2022 musste er sich auch noch mit der Nervenkrankheit Guillan Barré Syndrom auseinandersetzen, was ihn sehr viel Kraft kostete. Doch Konrad gibt nicht auf. Liebevoll umsorgt wird er von seiner Frau Andrea, der Tochter Jessica, den Söhnen Max und Michael. Es erfüllt ihn mit Freude, dass die Kinder seine Betriebe erfolgreich weiterführen. Heute genießt er die regelmäßigen Plauderstunden in Seniorenkreisen, und er wünscht sich noch viele Jahre an der Seite seiner Andrea. „Sie isch mein Engl“, sagt er. „Sie hot miar über di schwarn Zeitn gholfen unt hilft miar a iatz Tog für Tog beim Weiterkämpfn.“