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Portrait

„S’ Spirituelle muaß oam gebm sein“

von Magdalena Dietl Sapelza
Oskar Asper ist seit 50 Jahre Mesner in Glurns. Er hat das Amt im März 1976 von seinem Vater Johann übernommen. Einen Urlaub hat er nie in Anspruch genommen. Nur sechs Wochen hat er gefehlt, als er wegen einer Thrombose im Krankenhaus lag.
veröfftl. am 17. Februar 2026

Oskar Asper, Jg. 1951, öffnet die Tür der Sakristei in der Frauenkirche in Glurns. Kürzlich erhielt er von der Mesnergemeinschaft die „Ehrenurkunde für 50 Jahre treuen Dienst im Hause des Herrn“.

Jeden Morgen um 8.00 Uhr sperrt Oskar das Tor der Frauenkirche in seiner Nachbarschaft auf. Kurz bevor er es abends wieder schließt, steigt er über die zwei steilen Stiegen rund 15 Meter in den Glockenturm hoch und zieht die mechanische Turmuhr auf. Das ist sein Ritual seit 50 Jahren. „Deis sein iatz über 18.000 Mol gewesn“, schmunzelt er und bemerkt: „Wenn ma do oifollt, isch ma toat.“ Manuell läutet er zu den unterschiedlichsten Anlässen auch die Glocken im Turm. In der Pfarrkirche läuft das Geläute elektrisch. Dort öffnet er die Tore nur zu den kirchlichen Feiern. Zu Oskars weiteren Aufgaben zählen die Vorbereitung der Gottesdienste und Festlichkeiten wie Taufen, Firmungen, Hochzeiten oder Beerdigungen. Er richtet den Altar her, kümmert sich um die Kerzen, um die Blumen, legt Bücher bereit, wählt die richtige Farbe des Messgewandes, hilft dem Priester beim Ankleiden und weist die Ministranten ein. Kurzum, er ist der gute Geist der Glurnser Kirchen.
Oskars Beziehung zur Kirche, seine Hinwendung zum Glauben und zur Spiritualität entwickelten sich bereits in seiner Kindheit durch die gottesfürchtige Erziehung im Elternhaus. Regelmäßig und gerne begleitete er seinen Vater zu den Mesner-Diensten. Mit Spannung beobachtete er die Vorbereitungen in der Sakristei. Er empfand es als besondere Ehre, den geistlichen Herren am Altar so nahe sein zu dürfen. In seinem Innersten schlummerte damals sogar der leise Wunsch, selbst einmal am Altar zu stehen. Doch die starke Verbundenheit zu Glurns stand dem Wunsch im Wege. „I hat nia fa do aweck geahn gwellt“, betont er. Die Zeit in der Kirche empfand Oskar auch als willkommene Abwechslung zur Arbeit in der Landwirtschaft daheim. Oskar und seine drei jüngeren Geschwister mussten von klein auf mithelfen.
Nach der Pflichtschule lernte Oskar in Laas Schlosser. Als Geselle fand er Arbeit in der Schlosserei der Firma HOPPE in Schluderns. Dort blieb er bis zu seiner Einberufung zur Militärausbildung in Cuneo. Dann kam er als „artigliere di montagna“ in die Huber Kaserne nach Bozen. „Miar hobm si zu di Muli zuitoun“, scherzt er. Nie hatte er das Bedürfnis abends auszugehen wie die anderen Soldaten. Er lernte lieber für den Italienischkurs, bei dem er abschließend das Zweisprachigkeitsdiplom bekam. Regelmäßig besuchte er die Gottesdienste in der Kapelle der Kaserne. Als der Militärkaplan einen Gehilfen suchte, meldete er sich. Er durfte die Aufgabe übernehmen. Oskar wusste, was zu tun war und fühlte sich voll in seinem Element. „I hon drfiir pan Kaplan olm Radio lousn kennt“, erinnert er sich. In der Kaserne verhielt er sich stets zurückhaltend und ließ sich nie etwas zu Schulden kommen. „I bin nia in Loch kemman“, lacht er. Nach dem Militärdienst kehrte er wieder in die Firma HOPPE zurück, wo er in Tagschicht arbeitete. Nach dem plötzlichen Tod seines Vaters 1976 übernahm er auf Wunsch des Pfarrers Norbert Wilhalm die Mesnerei.
„I hon a gwisse Berufung gspiirt“, verrät er. Jahrzehntelang stand er dem Pfarrer Wilhalm zur Seite, dann dem Pfarrer Paul Schwienbacher und jetzt dem Pfarrer Werner Mair.
Oskar ordnete sein Privatleben stets dem Dienst in der Kirche unter. „I hon noch dr Orbat nia kennt a Glasl trinken geahn, weil meischtns a Kirchn gwesn isch“, schmunzelt er. Die Gründung einer eigenen Familie kam für ihn nie in Frage. Bestens versorgt wurde er von seiner Mutter. Mittlerweile lebt Oskar mit seinem Bruder Eduard zusammen. Wichtige Stütze ist die Schwester Helene.
„Di Mesnerei isch für miar olm a spirituelle Soch gwesn.“ erklärt er. „S‘ Spirituelle muaß oam gebm sein.“ Als Schlosser ist Oskar längst pensioniert, als Mesner nicht. Im Laufe der 50 Jahre musste er miterleben, wie die Kirchen immer leerer wurden. Auch die Zahl der Gottesdienste schrumpfte ständig wegen des Priestermangels. Das alles bekümmert ihn, doch er macht unverdrossen weiter. „Iatz hat i drwail für a Glasl, weil miar unter dr Woch lai mea oamol Kirchn hobm“, sagt er.
Regelmäßig verbringt er Zeit im Stall bei den Schafen seines Neffen. „I stirg selm holt a bissl ummer“, meint er.
Solange es seine Gesundheit erlaubt, will er Mesner bleibenund weiterhin täglich die steile Stiege im Turm der Frauenkirche hochsteigen, um die Uhr aufzuziehen.