Hühnervögel - Faszinierend und nützlich
Das Steinhuhn ist ein Bewohner der Felsenlandschaft an der Wald- und Baumgrenze und auch im Vinschgau heimisch. Von der Südtiroler Arbeitsgemeinschaft für Vogelkunde und Vogelschutz wurde es wegen seines Gefährdungsgrades zum Vogel des Jahres 2026 gewählt. Foto: Andrea Roverselli
Die Hühnervögel (Galliformes) haben mit 70% der Biomasse oder des Gewichtes einen überwältigenden Anteil an der gesamten Vogelpopulation auf der Erde. Wir unterscheiden zwischen Wildhühnern und Haushühnern als Nutztiere. Kein Nutztier der Welt trägt derart viel zur Ernährung der Menschheit bei wie das Haushuhn. Auf der Erde leben geschätzt 26-27 Milliarden Haushühner, das sind 3 Hühner auf einen Menschen.
Haustierzähmung
Das domestizierte Haushuhn ist aus dem südostasiatischen Bankivahuhn hervorgegangen, schätzungsweise in einem Zeitraum von 8000 bis 3000 vor heute. Damit ist das Haushuhn in der Evolutions- und Kulturgeschichte eines der jüngeren Haustiere. Der Hund gilt als das älteste domestizierte Tier. Dessen Beziehung zum Menschen wird auf 30.000 - 15.000 Jahre zurückdatiert. Neue Forschungen und C-14-Kohlenstoffdatierungen gehen davon aus, dass Hühner auch relativ spät weit verbreitet wurden und erst um ca. 800 vor Christi Geburt in Europa ankamen. Vor dem Huhn wurden andere Tiere wie Schafe, Ziegen und Schweine domestiziert, die bereits vor rund 10.000 Jahren (zu Beginn der neolithischen Revolution mit der beginnenden Sesshaftigkeit) eine Rolle spielten.
Huhn im Bild
Die ersten kunsthandwerklichen Abbildungen von Hühnern sind aus den frühen Hochkulturen Ostasiens, Ägyptens und Griechenlands überliefert: Es sind Wandmosaike und Trinkhörner, Abbildungen auf Vasen oder hühnerförmige Kannendeckel. Manches verweist auf Rituale, Kulte und Huhn-Orakel.
Haushühner aus Kunstbrut
Haushühner und Wildhühner sind Nestflüchter. Nestflüchter schlüpfen im Unterschied zu den Nesthockern mit offenen Augen und einem Dunenkleid als Kälteschutz aus dem Ei und können gleich nach dem Schlupf selbstständig fressen. Zu den Nestflüchtern gehören neben den Hühnern etwa auch die Gänse- und Entenvögel. Nesthocker dagegen sind blind und nackt und müssen von den Vogeleltern gefüttert werden. Bei den Nestflüchtern ist die Brutpflege reduziert: Die Glucke sorgt „nur“ für die Verteidigung vor Fraßfeinden, führt die Küken zum Futter und wärmt sie unter ihren Federn durch Hudern.
Es gibt noch einen zweiten Grund, warum man überhaupt Hühnervögel in Kunstbruten erfolgreich züchten kann: Die extrauterine Embryonalentwicklung der Vögel. Vögel entwickeln sich so wie die Fische, Amphibien und Reptilien als weitere drei der insgesamt fünf Klassen von Wirbeltieren außerhalb des Mutterleibes. Nur Säuger entwickeln sich intrauterin.
In der Naturbrut wärmt die brütende Henne die Eier mit ihrer stark durchbluteten Brustmuskulatur auf 37,5-38,5° C auf. Im Brutapparat wird diese Bruttemperatur mit einer Heizspirale nachsimuliert. Hühnereier haben außen eine feine Fettschicht, die das Ei vor dem Austrocknen schützt. Man kann nur nicht gewaschene Eier erfolgreich bebrüten. Mit dem Waschen reibt man die Fettschicht ab, die Eier würden Flüssigkeit durch Verdunstung abgeben und die Embryonen dadurch vertrocknen.
Beim Haushuhn dauert die Brut 21 Tage. Nach ca. 7 Tagen Wärmens hat sich in den befruchteten Eiern der Embryo so weit entwickelt, dass man das Herz als dunklen Fleck und die sogenannte Blutspinne erkennen kann, wenn man eine Punktlampe an das stumpfe Ende des Eies hält, um es zu durchleuchten. Dieses Durchleuchten nennt man Schieren.
Abstammung der Vögel
Spätestens seit dem Fund des fossilen Urvogels Archaeopterix 1861 im Altmühltal in Bayern wissen wir, dass die Vögel von den Kriechtieren oder Reptilien abstammen. Alle bisherigen Funde des Archaeopterix stammen aus den feinkörnigen Plattenkalken der Fränkischen Alm, insbesondere aus der Region um Solnhofen und Eichstätt. Hier bot der sogenannte Solnhofer Archipel einst ideale Bedingungen zur Fossilisation. Man geht davon aus, dass sich die Vögel aus der Familie der Theropoden entwickelt haben. Theropoden sind eine Familie der Dinosaurier. Auch wenn viele Saurier als fleischfressende Räuber verschrien sind, hatten sie viele Eigenschaften von Vögeln, die sich seit dem Auftreten dieser Familie vor rund 200 Millionen Jahren entwickelt haben. Zu diesen Eigenschaften gehörten das Eierlegen, leichte und hohle Knochen bewegliche Fußgelenke, der zweifüßige Gang und in einigen Fällen bereits Federn. Die meisten Paläontologen und Paläontologinnen sind inzwischen überzeugt, dass die ersten Federn anfangs weniger mit dem Fliegen zu tun hatten, sondern eher mit dem Aufrechterhalten der Körpertemperatur.
Der gigantische Meteoriteneinschlag
Vor 66 Millionen Jahren kam die Welt plötzlich zum Stillstand. Ein Asteroid von der Größe einer ganzen Stadt raste mit vierfacher Schallgeschwindigkeit durch die Atmosphäre und schlug auf der Erde ein. Direkt vor der mexikanischen Küste verursachte er eine Explosion, die sieben Milliarden Mal heftiger war als jene von Hiroshima, und riss ein Loch von 180 Kilometern Durchmesser in die Erdkruste. Diese Kollision, heute als Chicxulub-Impaktor bezeichnet, löste auf der gesamten Erdoberfläche Schockwellen aus. Erdbeben und Vulkanausbrüche rissen die Böden auf, Brände vernichteten Wälder, riesige Tsunamis überschwemmten die Küsten. Die erste gewaltige Erschütterung war jedoch nichts gegen das, was folgte. Die Explosion setzte Milliarden Tonnen Ablagerungen und giftige Gase frei, auch Schwefel und Kohlendioxid, verpestete die Atmosphäre und ließ das Klima verrücktspielen. Drei Viertel aller Lebewesen kamen um. Die 170 Millionen Jahre dauernde Herrschaft der Dinosaurier auf unserem Planeten endete abrupt mit einer Katastrophe. Jedenfalls fast. Eine Dinosaurier-Form überlebte das Massensterben. Und diese Tiere waren die Vorfahren sämtlicher Vögel, die heute auf der Erde flattern, scharren, watscheln.
Einheimische Wildhühner
In den Alpen gibt es einige Arten von Wildhühnern. Sie werden in der zoologischen Systematik den zwei Familien der Raufußhühner (Tetraonidae) und der Glattfußhühner (Phasianidae) zugeordnet. Raufußhühner haben befiederte Läufe und Hornschuppen an den Zehen. Glattfußhühner haben nackte Läufe. Zu den einheimischen Raufußhühnern gehören die vier Arten Schneehuhn, Birkhuhn, Auerhuhn und Haselhuhn. Zu den einheimischen Glattfußhühnern gehören das Steinhuhn, die Wachtel, der Wachtelkönig und, wo die Arten noch vorkommen, der Fasan und das Rebhuhn. Das Rebhuhn ist in Südtirol ausgestorben. In Deutschland wurde es vom Deutschen Naturschutzbund wegen seiner großen Gefährdung zum Vogel des Jahres auserkoren. Für Südtirol hat die Südtiroler Arbeitsgemeinschaft für Vogelkunde und Vogelschutz das Steinhuhn zum Vogel des Jahres 2026 gewählt.
Avimundus Schlanders
Wer sich für die Vogelwelt interessiert, dem sei ein Besuch von Avimundus, dem Besucherzentrum des Nationalparks Stilfserjoch und der Gemeinde Schlanders in der Fußgängerzone Schlanders empfohlen. Das Besucherzentrum ist im Winterhalbjahr vom 2. Januar bis 31. März geöffnet, im Sommerhalbjahr vom 2. Mai bis 31. Oktober. Die täglichen Öffnungszeiten sind folgende: 09.30-12.30 und 14.30-17.30 Uhr. Sonntag und Montag bleibt das Zentrum geschlossen.
Hahn der Rasse Apenzeller Haubenhuhn, im Farbschlag Goldbronze
Naturbrut einer Glucke des Federfüßigen Zwerghuhnes
Henne der Rasse Hamburger mit rotem Kamm, roten Kehllappen und weißen Ohrflecken
Zwei Hennen der Rasse Vorwerk und Lakenvelder
Bei der Kunstbrut im Inkubator werden die Bedingungen der Naturbrut nachsimuliert
An den verschiedenen Schalenfarben der Eier kann man die Biodiversität erkennen
- Hahn der Rasse Apenzeller Haubenhuhn, im Farbschlag Goldbronze
- Naturbrut einer Glucke des Federfüßigen Zwerghuhnes
- Henne der Rasse Hamburger mit rotem Kamm, roten Kehllappen und weißen Ohrflecken
- Zwei Hennen der Rasse Vorwerk und Lakenvelder
- Bei der Kunstbrut im Inkubator werden die Bedingungen der Naturbrut nachsimuliert
- An den verschiedenen Schalenfarben der Eier kann man die Biodiversität erkennen