„Politisches Cocooning“

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s2 erwin 2854Kommentar von Chefredakteur Erwin Bernhart - Zur Demokratie, wie wir sie derzeit haben, gehören Wahlen einfach dazu. Wer nicht zur Wahl geht, überlässt anderen das demokratische Feld, überlässt jenen die Politik, mit der man unter Umständen wenig einverstanden ist. Bei der EU-Wahl am vergangenen Wochenende haben erstmals in der Demokratie-Geschichte in Südtirol weniger als 50 % vom Wahlrecht Gebrauch gemacht. Die Nicht-Wähler sind die stärkste Gruppe - aber eine stimmlose. Das kann man beklagen, das kann man aber auch nur zur Kenntnis nehmen und feststellen, dass eine abnehmende Wahlbeteiligung ein Trend ist, der sich möglicherweise fortsetzen wird. Die Ursachen für das Nicht-Wählen mögen vielfältig sein. Eine davon: Man ist mit dem privat Erreichten durchaus zufrieden - in Fragen des Gehaltes, in Fragen des Wohnens usw. Die Politik, so die konsequente Haltung daraus, soll sich aus dem Privatleben tunlichst heraushalten. Aber dieses „politische Cocooning“, dieses sich Abschotten, kann sich auch als Boomerang erweisen. Dann, wenn sich Politik ins Private hineindrängt. Und das ist die Natur von Politik: Steuern, Subventionen, Schutz, Straßen, Infrastrukturen, Ausbildung, Unterstützung, Gesetze im Zivil- und im Strafrecht, Kündigungsschutz, Kinderbetreuung, Regelungen, wie wir mit Natur und Umwelt umgehen, Straßenverkehrsordnung - also Politik zimmert im Wettstreit der Ideen insgesamt ein Regelwerk, das das Zusammenleben der Menschen in halbwegs friedlichen Bahnen lenken soll. Altroché privat.

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