Dienstag, 06 Februar 2018 00:00

Der Glückliche

Artikel bewerten
(0 Stimmen)

s17 9547Erstmals ist ein Langtauferer Olympionike. Edwin Coratti ist als Snowboarder in PyeongChang dabei. Sein Traum wird wahr. Ein einziges Rennen dort entscheidet allerdings.

von Karin Thöni

Edwin Coratti kommt gemütlich daher. Dunkle Augen, schwarzer Bart, gewinnendes Lächeln. Ein paar Tage ist er zu Hause im „Toul“ auf dem elterlichen Hof in Pleif. Ich hab’ kurzfristig zum Gespräch geladen. Er nimmt sich Zeit.


Den Stress der letzten Tage sieht man ihm nicht an, der Stress der vor ihm liegt vielleicht ein bisschen. Die immense Freude über die Olympiateilnahme schwingt in jedem seiner stets überlegten Sätze mit.
Der 27-jährige ist im Umgang mit den Medien geschult, seine Worte gut gewählt. Klar bin ich nicht die Erste, der er seine Erfolgsgeschichte erzählt.
Zuerst reden wir- sind wir doch beide Touler- von den immensen Lawinenabgängen. Edwin hat im bulgarischen Bansko zwischen den Rennen immer wieder sein Smartphone gecheckt, nach Hause telefoniert. Die zerstörerischste der Lawinen ging an seinem Heimathaus vorbei direkt über das Haus seiner Nachbarn. Nicht einfach sich da auf die wichtigen Rennen zu konzentrieren. Trotzdem: drei Podestplätze im Weltcup innerhalb von acht Tagen und damit das Olympiaticket in der Tasche! Beachtlich.
Edwin hat zwei Geschwister, die jüngere Schwester Jasmin ist ebenso wie er begeisterte Snowboarderin und will es dem Bruder gleich tun. Manchmal trainieren sie zusammen.
Die Leidenschaft für diesen Sport entwickelte Edwin in sehr jungen Jahren: tagein, tagaus, so erzählt er mir, sei er snowboarden gewesen im heimatlichen Skigebiet Maseben zusammen mit Freunden. Bis zur Dämmerung Wälder abgefahren, Spaß gehabt.
Bei einer Schulmeisterschaft in der Mittelschule entdeckt ihn dann ein Trainer der Sportoberschule und so landet der Langtauferer völlig unerwartet dort.
Er hätte gar nicht daran gedacht, sein Hobby zu professionalisieren, schmunzelt er bei einem Cappuccino in der Hand.
Vom Landeskader arbeitet er sich zur B-Mannschaft hinauf und dann kommen die ersten Siege im Europacup. Den Spaß an seinem Sport verliert Edwin nie. Im Gegenteil. Die Erfolge häufen sich, er kommt immer besser im Rennzirkus zurecht.
Doch ohne die Unterstützung seiner Familie, seiner Trainer und auch seiner langjährigen Sponsoren wäre es nicht möglich gewesen, seinen Traum zu leben und so weit zu kommen. Nun steht er vor der Teilnahme an Olympischen Spielen. Für jeden Athleten ist allein die Qualifikation jede Mühe, jeden Rückschlag, jedes Zurückkämpfen wert.
Immer wieder betont Edwin, dass er einige Zeit gebraucht hat, um das alles zu realisieren.
„Komma gour et schloufn“ vor Aufregung und Freude, sagt er mir in unverfälschtem Toulerisch. Aber bald geht es los. Einige Trainingseinheiten noch und dann steigt Edwin in den Flieger um dieses eine Parallelrennen am vorletzten Tag der Olympiade zu bestreiten.
„I fouhr schun ouni, um um a Medaille mitzfouhrn“. Er ist fest entschlossen und fokussiert. Das wichtigste Rennen seiner Sportlerkarriere steht ihm bevor. Die Chance auf eine olympische Medaille ist durchaus gegeben.
Ausgleich und Ruhe zu seinem stressigen Beruf, bei dem er es gewohnt ist, aus dem Koffer zu leben, findet er zu Hause bei seinen Eltern. Im Sommer hilft er bei der Heuernte und hat auch ab und zu Zeit sich mit seinen Kollegen zu treffen. Denn Entbehrungen kennt sein Sport viele: die Zeit für Muse, „Feschtlan“ oder Freunde ist rar. Die wenigen Tage, an denen er nicht trainiert, braucht der Körper zur Regeneration. Um die Häuser ziehen mit Kollegen liegt da nicht drinnen.
Aber der 27-Jährige nimmt diese Entbehrungen auf sich und der Erfolg gibt ihm schließlich Recht. Professionell Snowboarden möchte er noch für eine lange Zeit, solange es die körperliche Fitness zulässt.
Und auch danach, so sagt er heute, kann er sich vorstellen, bei diesem Wintersport zu bleiben. Als Trainer vielleicht.
Durch und durch Sportler ist er halt, der „Toulr“.

{jcomments on}


Warning: count(): Parameter must be an array or an object that implements Countable in /www/htdocs/w00fb819/vinschgerwind.it/templates/purity_iii/html/com_k2/templates/default/item.php on line 248
Gelesen 4034 mal
Mehr in dieser Kategorie: « Der Bauer Sepp Der rote Knopf »

Schreibe einen Kommentar

Make sure you enter all the required information, indicated by an asterisk (*). HTML code is not allowed.

Ausgaben zum Blättern

titel 7-25

titel Vinschgerwind 6-25

titel vinschgerwind 5-25

 winterwind 2024

WINDMAGAZINE

  • Warm und trotzdem atmungsaktiv. Funktionsbekleidung ermöglicht es uns, selbst bei klirrenden Temperaturen den Schnee und die traumhafte Winterlandschaft zu genießen, ohne ins Frösteln zu kommen. Baumwolle, Fleece oder Daunen? Was…
    weiterlesen...
  • Die tierischen Protagonisten aus der Weihnachtsgeschichte an den Futterkrippen anzutreffen, war einigermaßen überraschend. Weniger unerwartet war, dass ihre Landwirte auch im Winter tüchtig sind. Ein bisschen Zeit für die Ofenbank…
    weiterlesen...
  • Der junge Vinschger Martin Fahrner ist seit 2018 Chef der World Racing  Academy WRA. In der Skisaison 2024/2025 ist er mit 12 Athleten im  internationalen Skizirkus unterwegs. Sein Vater Hans…
    weiterlesen...
  • Promenaden verfügen standesgemäß über besondere Flanierqualitäten, bieten interessante Blickbeziehungen und dienen in der Regel dem Lustwandeln.  Der fünf Kilometer lange Rundweg um den Haider See im Vinschger Oberland vereinigt diese…
    weiterlesen...
  • Ein paar winterliche Überlebensstrategien von Alpentieren und -pflanzen stelle in diesem Beitrag vor. Vereinfacht und in einer systematisierenden Übersicht kann man aktive und passive Überwinterer unterscheiden. Von Wolfgang Platter, dem…
    weiterlesen...
  • Un racconto per immagini di Gianni Bodini   La Val Venosta offre agli amanti degli sport invernali diversi centri ben attrezzati, ma anche per chi si “accontenta” della natura non…
    weiterlesen...
  • Die magische Geschichte der „VALANGA AZZURRA“ („blaue Lawine“),  dem damals erfolgreichsten Ski-Team der Welt rund um Gustav Thöni wurde  verfilmt. Vorgestellt wurde der Kino-Film jüngst am Filmfestival in Rom. von…
    weiterlesen...
  • Unvergessliche Pistenerlebnisse Atemberaubendes Panorama und 44 bestens präparierte Pistenkilometer: In Sulden sind Wintersportträume Wirklichkeit.   Das Skigebiet in Sulden ist kein Geheimtipp, Sulden ist höchstes Niveau, Sulden ist „First Class“:…
    weiterlesen...
  • Schließen Sie die Augen und träumen Sie vom perfekten Winterurlaub mit der Familie … Text: Stephan GanderFotos: Lucas Pitsch / Sebastian Stip In Trafoi, mitten im Nationalpark Stilfserjoch erlebt man…
    weiterlesen...
  • Eine Oase der Ruhe, ein Ziel für Wanderungen, ein beliebter Treffpunkt für Genießer, auch zum Feiern, Ausgangspunkt für Skitouren, eingebettet in einer wunderbaren Bergkulisse: das ist die Berghütte Maseben. Die…
    weiterlesen...
  • Wusstest du, dass die Nährstoffe in Äpfeln die gesundheitliche Wirkung von anderen Lebensmitteln verstärken? VIP hat spezielle Kombinationen mit Vinschger Apfelsorten entwickelt, die überraschend gut schmecken und die Gesundheit fördern.…
    weiterlesen...
  • Die Tage werden kürzer, die Luft frischer, und die Landschaft erstrahlt in reinem Weiß – der Winter in der Ferienregion Reschensee ist da! Eingebettet im malerischen DreiländereckItalien-Österreich-Schweiz erwartet euch ein…
    weiterlesen...
  • Wo die heimischen Alpen in ein winterliches Wunderland verwandelt werden! Dieses Gebiet bietet nicht nur erstklassige Skimöglichkeiten, sondern ist auch ein Ort, der Tradition und Gemeinschaft inmitten der atemberaubenden Natur…
    weiterlesen...
  • Latsch-Martelltal Zwischen kristallklaren Bergseen, dem ursprünglichen Martelltal, dem kargen Sonnenberg und dem sattgrünen Nörderberg liegt das Feriengebiet Latsch-Martell - unterschiedlicher könnte es nicht sein. Als wahres Skitouren Eldorado ist das…
    weiterlesen...

Winterwind 2024

zum Blättern

Winter Magazin - Winterwind 2024 - Bezirk Vinschgau Südtirol - Skigebiete Skifahren Rodeln Langlaufen Winterwandern Schneeschuhwandern Eislaufen Schöneben Haideralm Sulden Trafoi Watles Ferienregion