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„Im Vinschgau macht im Gemüseanbau der Karfiol knapp 90 Prozent aus“

  • Vorspann: Am Außensitz des Versuchszentrums Laimburg in Eyrs werden auf 5 Hektar verschiedenste Gemüsearten und -sorten zu Versuchszwecken angebaut. Der Vinschgerwind hat mit dem Leiter der Arbeitsgruppe Freilandgemüsebau des Versuchszentrums Laimburg Markus Hauser ein Gespräch über angebaute Arten, über Sorten, Herausforderungen und Empfehlungen geführt. Hauser ist seit über 30 Jahren im Versuchsfeld Eyrs tätig. Das Versuchszentrum Laimburg feierte im vergangenen Jahr 50 Jahre Forschungszentrum für die Südtiroler Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung.
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  • Redakteur: Angelika Ploner & Heinrich Zoderer (Interview I Transkription: Nadine Hofer
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Vinschgerwind: Das Versuchsfeld Eyrs ist zwar den meisten bekannt, aber die wenigsten wissen, was dort genau angebaut wird.
Markus Hauser: Wir machen die Versuchstätigkeit für Freilandgemüsebau für ganz Südtirol. Versuche werden zwar auch an anderen Standorten der Laimburg gemacht, aber der Sitz der Arbeitsgruppe Freilandgemüsebau ist hier in Eyrs. Unter praxisnahen Bedingungen werden Sortenvergleiche, bedarfsgerechte Düngung, Anbautechniken, Kulturführung und Pflegemaßnahmen, Pflanzenschutz sowie integrierte und biologische Anbauweise bei den für die Südtiroler Landwirtschaft interessanten Gemüsearten durchgeführt.

Vinschgerwind: Wieviele Gemüsesorten werden durchschnittlich hier am Versuchsfeld Eyrs angebaut?
Markus Hauser: Das müssen wir spezifizieren. Sie sprechen von Sorten und meinen wahrscheinlich Arten. Rohnen, Karotten usw. das sind Arten. Und von jeder Art haben wir verschiedene Sorten. Zum Beispiel beim Karfiol haben wir Sorten wie Seoul, Clapton u.v.a.

Vinschgerwind: Anders gefragt: Wieviele Arten wurden im vergangenen Jahr angebaut.
Markus Hauser: 2025 haben wir Versuche bei 15 Gemüsearten durchgeführt. Wir hatten aber auch schon Jahre mit knapp 40 Gemüsearten im Anbau. Das hängt immer vom jährlichen Versuchsprogramm ab. Dieses wird jedes Jahr neu erstellt. Vorschläge dafür reichen die sogenannten Steakholder, wie bäuerliche Verbände, Beratungsorganisationen usw., ein. Diese werden dann mit uns besprochen und wir entscheiden, ob die Thematik versuchsmäßig abzuklären ist und legen gegebenenfalls einen Vorschlag dem wissenschaftlichen Beirat der Laimburg vor, der dann abschließend darüber entscheidet.

Vinschgerwind: Sind die Arten von Jahr zu Jahr relativ gleich oder gibt es neue?
Markus Hauser: Beides, wir haben hier auch schon Versuche mit „Exoten“ wie Süßkartoffeln oder Artischocken gemacht. Das sind nicht typische Südtiroler Produkte. Im Fokus stehen aber hauptsächlich die für das Südtiroler Anbaugebiet relevanten Gemüsearten. Knapp 90 Prozent des im Vinschgau für den Verkauf produzierten Gemüse macht der Karfiol aus und das spiegelt sich natürlich auch in unserem Versuchsprogramm wieder.

Vinschgerwind: Knapp 90 Prozent? Also Steckenpferd hier ist der Karfiol.
Markus Hauser: Wir sind bei der Sortenprüfung von Karfiol gut aufgestellt. Denn der Gemüsebau im Vinschgau ist, wie gesagt, vorwiegend Karfiol. Wenn sich Sorten hier bei uns im Versuchsfeld über einen Zeitraum von drei Jahren gut zeigen, dann empfehlen wir sie an die landwirtschaftliche Praxis weiter.

Vinschgerwind: Aber was untersuchen Sie genau? Krankheitsanfälligkeit, Klimaeinfluss…?
Markus Hauser: Die zu untersuchenden Parameter sind quantitative, wie Ertragsleistung, mittleres Blumengewicht usw., und qualitative, wie Farbe, Grießigkeit, Kompaktheit, aber auch Resistenzen und Toleranzen usw. Der Hektarertrag ist entscheidend für den Anbauerfolg, genauso wie die Farbe, denn unser Karfiol muss schneeweiß sein.

Vinschgerwind: Das heißt Sie müssen auch die Verkaufsstrategie im Kopf haben?
Markus Hauser: Ja, die Parameter, die wir prüfen, sind auch jene, die für die Vermarktung wichtig sind.

Vinschgerwind: Welche Karfiolsorte wird im Vinschgau am meisten angepflanzt?
Markus Hauser: Momentan ist es die Sorte Seoul. Das ist eine israelische Züchtung, eine Hybridsorte. Es handelt sich – ganz nebenbei bemerkt – bei den Neuzüchtungen vorwiegend um Hybridsorten.

Vinschgerwind: Was sind Hybridsorten?
Markus Hauser: Hybridsorten sind, im Gegensatz zu den samenfesten Zuchtsorten, nicht fortpflanzungsfähig. Es handelt sich um eine Kreuzung, bei welcher alle Hybride, also Pflanzen, eine große Ähnlichkeit und Einheitlichkeit haben. Bei samenfesten Sorten hingegen ist das genetische Material unterschiedlich und jede Pflanze ist anders als die andere. Das ist der große Unterschied. Als ich hier vor 30 Jahren begonnen habe, wurden noch vorwiegend samenfeste Karfiolsorten in der landwirtschaftlichen Praxis angebaut. Die Hybride haben sich jedoch im ganzen Gemüsebau durchgesetzt, da das Wachstumsverhalten sehr gleichmäßig ist und die Bestände deshalb sehr einheitlich sind. So liegt auch das Erntefenster bei einem Satz Blumenkohl z.B. in der Regel bei 15 bis 20 Tagen, während vor 30 Jahren auch zwei Monate zum Durchernten benötigt wurden.

Vinschgerwind: Also die Pflanzen wurden vereinheitlicht?
Markus Hauser: Ja. Heute pflanzen bei uns zum Beispiel sehr viele zwei Sätze Karfiol im Jahr auf demselben Feld: den ersten Anfang April und den zweiten Anfang Juni.

Vinschgerwind: Und wie haben die Bauern das früher gemacht?
Markus Hauser: Früher ging sich zeitlich nur ein Satz pro Jahr aus. Die Samen haben die Bauern immer gekauft, aber früher haben sie die Pflanzen selbst gesät, pikiert und in den Folientunnel aufgezogen. Das tut heute kaum einer mehr. Die Jungpflanzen produzieren jetzt große Firmen in der Poebene, welche die Pflanzen dann liefern. Die Genossenschaften handeln den Preis aus und kaufen sie gemeinschaftlich ein.

Vinschgerwind: Blöde Frage: Wenn Sie schon wissen, welche die beste Blumenkohlsorte ist, was untersuchen sie dann noch?
Markus Hauser: Jetzt, momentan, ist sie die für unser Anbaugebiet geeignetste Sorte. Aber vor dieser Sorte hat es auch eine Beste gegeben und wenn wir es bei jener belassen hätten, hätten wir die Jetzige nie gefunden. Es kommen jedes Jahr viele Neuzüchtungen von unterschiedlichen Züchterfirmen auf den Markt und die schauen wir uns natürlich an. Wir pflanzen im Versuchsfeld normalerweise zwei, drei Sätze Karfiol pro Jahr: Frühpflanzung bis Mitte Mai, Sommerpflanzung bis Mitte Juni und Spätanbau bis Mitte Juli. Früher hatten wir für jeden Satz eine andere geeignete Sorte. Die Sorte Seoul ist jedoch für alle drei Sätze geeignet, das heißt für die ganze Anbauzeit im Vinschgau. Für die mit Kohlhernie verseuchten Felder schlagen wir Sorten vor, welche eine bestimmte Resistenz bzw. Toleranz gegen diese Krankheit haben.

Vinschgerwind:Kohlhernie?
Markus Hauser: Kohlhernie ist eine Pilzkrankheit, die die Wurzeln befällt und die Pflanzen verwelken lässt. Das kann einen Totalausfall bewirken. Im ersten Jahr kann man die Pflanzen vielleicht noch zur Ernte bringen, aber dann bilden die Pilze Dauersporen und diese bleiben über Jahre, ja Jahrzehnte im Boden und da gibt es auch kein Mittel, das dagegen hilft. Das einzig Wirksame wäre eine Bodenentseuchung, und die ist, richtigerweise, bei uns hier verboten. Auf solchen, von Kohlhernie befallenen Feldern, kann man dann mit toleranten/resistenten Sorten wie Clapton oftmals noch einige Jahre Karfiol produzieren. Das Problem ist: Normalerweise sollte man Karfiol nur alle vier Jahre auf dem gleichen Feld anbauen und dazwischen andere Gemüsefamilien oder andere Kulturen, beispielsweise Korn anbauen. Das heißt, idealerweise eine bestimmte Fruchtfolge einhalten.

Vinschgerwind: Das heißt nach zehn, fünfzehn Jahren ist der Boden unfruchtbar?
Markus Hauser: Unfruchtbar nicht, es bestehen jedoch bestimmte Anbaurisiken. Wir haben das Glück, dass wir in der Talsohle, also auf den Mösern zwischen Gadria und Prad, Böden mit alkalischem pH-Wert, d.h. mit einem pH-Wert über sieben, haben. Unter sieben ist sauer, über sieben ist alkalisch. Pilze mögen saures Milieu. Wir haben also weniger Probleme mit Pilzen. Die Kohlhernie ist eine Pilzkrankheit, hervorgerufen durch einen Schleimpilz der die Wurzeln von Kohlgewächsen befällt. In Hanglagen hingegen, haben wir einen pH-Wert von unter 7 und dort haben wir nach wenigen Jahren Karfiolanbau das Problem mit Kohlhernie. Oft sogar schon nach dem ersten Jahr, wie es uns z. B. einmal in Schluderns passiert ist.

Vinschgerwind: Nochmals zurück zu den Mösern. Das Glück ist also, dass es sich um alkalische Böden handelt?
Markus Hauser: Genau. Und in Europa gibt es nur wenige solche Gebiete, z. B. noch in einer bestimmten Gegend in Belgien. Dort wurde schon 50 Jahre lang, zwei Mal im Jahr, auf den gleichen Feldern, Karfiol angebaut und es gab kaum Probleme mit der Kohlhernie. Der pH-Wert dieser Felder lag über 8. Die alkalischen Böden sind also der Grund, dass der Karfiol bei uns über so viele Jahre ohne Fruchtfolge angebaut werden konnte.

Vinschgerwind: Früher wurden aber auch Karotten und Rohnen gepflanzt.
Markus Hauser: Karotten und Rohnen wurden größer flächig angebaut, bevor Ende der 70er Jahre der Blumenkohlanbau Fahrt aufnahm. Mittlerweile spielen diese im Vinschgau eine untergeordnete Rolle, denn wie gesagt: knapp 90 Prozent vom Freilandgemüse ist Karfiol, der angebaut wird. Der Rest sind meist Kartoffeln, Speisekürbis, Salat, Fenchel, Rohnen usw. Aber der Karfiolanbau hält sich bei uns eigentlich, weil wir in einer Zeitnische produzieren, in der in den restlichen Anbaugebieten Italiens der Anbau aufgrund der heißen Witterung nicht möglich ist. Die Vinschger Produzenten liefern von Anfang Juni bis Anfang Oktober.

Vinschgerwind: Wie viel Blumenkohl wird im Vinschgau produziert?
Markus Hauser: Im Jahr 2025 waren es um die 320 Waggon, also 3.200 Tonnen.

Vinschgerwind: Welche Schädlinge und Krankheiten bereiten die größten Sorgen?
Markus Hauser: Die Regulierung der gängigen Schädlinge an Kohlgewächsen, wie Kohlfliege, Kohlschabe, Kohlweißling, Kohleule, Erdeulen, Erdflöhe sowie Verbiss durch Vögel oder Wildtiere beschäftigen uns auch in der Versuchstätigkeit.
Darüber hinaus sind im Pflanzenschutz auch Pilzkrankheiten wie eben die Kohlhernie, die Kohlschwärze (Alternaria) und andere, sowie Bakteriosen, wie Adernschwärze und Weichfäule Thema. Erheblichen Arbeitsaufwand bereiten uns letzthin auch EU-Entscheide zur Reduktion des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln im Anbau von landwirtschaftlichen Produkten. Wenn Wirkstoffe, oft recht kurzfristig, die Zulassung verlieren, gilt es möglichst schnell alternative Pflanzenschutzstrategien aufzuzeigen, um trotzdem ein marktfähiges Produkt wirtschaftlich zu produzieren.
Durch die derzeitigen weltweiten Kriege und Krisen scheint ein gewisses Umdenken zu erfolgen und die Versorgungssicherheit mit Nahrungsmitteln in Europa erhält dadurch wieder eine andere Gewichtung.

Vinschgerwind: Wird der Pestizid-Einsatz abgebaut?
Markus Hauser: Die zugelassenen Wirkstoffe werden kontinuierlich reduziert und auch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Dies kann jedoch unter Umständen zu Schwierigkeiten im Anbau führen, auch beim Karfiol. Vor wenigen Jahren hat z.B. ein Wirkstoff die Zulassung verloren, welcher bei uns standardmäßig zur Bekämpfung der Kleinen Kohlfliege eingesetzt wurde. Die Kohlfliege legt Eier an den Wurzelhals junger Pflanzen und die daraus schlüpfenden Maden fressen dann die Wurzeln und verursachen dadurch das Absterben der Pflanzen. Ohne wirksame Pflanzenschutzstrategie kann es zu Ausfällen von 50% und mehr kommen.

Vinschgerwind: Es wurde also etwas abgeschafft, wofür es keine Alternativen gab?
Markus Hauser: Für unser Anbaugebiet zu diesem Zeitpunkt nicht. Wir haben dann gesehen: die Holländer und die Deutschen z.B. haben schon einen alternativen zugelassenen Wirkstoff, dieser war in Italien jedoch nicht zugelassen, da die Zulassungen nicht EU-weit gelten.

Vinschgerwind: Die Zulassung erfolgt auf nationaler Ebene?
Markus Hauser: Ja, auf EU-Ebene und eben auch auf nationaler Ebene. In Italien ist das Überprüfen dem Sanitätsministerium unterstellt, in anderen Staaten wiederum dem Landwirtschaftsministerium. Die Regelung ist also ganz unterschiedlich. Da sind wir noch weit entfernt von einer europaweiten Einheitlichkeit.

Vinschgerwind: Nochmal zurück zur Kohlfliege. Das andere Mittel war nicht mehr zugelassen – was dann?
Markus Hauser: Unsere Nachbarn im Norden hatten ja einen Wirkstoff, der bei uns noch keine Zulassung hatte. Ein naher Verwandter dieses Wirkstoffes aus derselben Wirkstoffklasse hatte allerdings die Zulassung in Italien auf Blumenkohl. Diesen haben wir hier in Eyrs auf seine Wirksamkeit gegen die Kohlfliege geprüft und gesehen, dass eine gute Wirkung gegeben war. Die Handhabung dieses Mittels war für den Anwender auch einfach und schonend.

Vinschgerwind: Was ist anbautechnisch für Sie wichtig?
Markus Hauser: Das Ziel ist den Gemüsebauern möglichst viele Informationen zur Verfügung zu stellen, die es ihnen ermöglichen, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltig, marktfähiges Gemüse zu produzieren. Dabei geht es um Bodenbearbeitung, Sortenwahl, Düngung, Kulturführung, Pflanzenschutz usw. Die Pflanzenzahl pro Hektar und damit die Pflanzabstände haben z.B. entscheidenden Einfluß auf den Ertrag, aber auch auf mögliche Risiken in Bezug auf bestimmte Krankheiten. Bei der Düngung verhält es sich ähnlich. Es gibt immer ein Ideal und das muss man finden. Wir können und sollen nicht die Verantwortung für die Äcker der Bauern übernehmen, aber wir können sie beraten und ihnen sagen was ideal wäre bzw. was die Risiken sind.


Vinschgerwind: Ist Gemüseanbau wasserintensiv?
Markus Hauser: Würde ich so nicht sagen. Aber es braucht Wasser. Es braucht auf jeden Fall die Beregnung, das ist der Knackpunkt. Die Beregnung ist Voraussetzung für unseren Gemüsebau. Dass Tropfberegnung besser gegen Pilzkrankheiten usw. wäre, stimmt. Da es sich beim Gemüsebau um eine einjährige Kultur handelt, wäre der Aufwand des jährlichen Auf- und Abbaus viel zu groß und auch die nötigen Kulturführungsmaßnahmen würden eingeschränkt. Wir hier im Vinschgau haben das Glück, dass fast immer entweder der Oberwind oder der Unterwind weht. Der Wind trocknet die Bestände und ist mit ein Grund dafür, daß Behandlungen gegen Pilzkrankheiten im Blumenkohlanbau eher die Ausnahme sind.

Vinschgerwind: Was sind die größten Herausforderungen im Hinblick auf die nächsten Jahre?
Markus Hauser: Ich denke die Herausforderungen liegen zum einen auf der Vermarktungsseite, da der Gemüsebau im Vinschgau derzeit eben vorwiegend Karfiolanbau ist. Hier im Mittelvinschgau zwischen Laas und Prad, wo aufgrund der besonderen Bodeneigenschaften (alkalischer pH-Wert) mehrjähriger ununterbrochener Karfiolanbau möglich war, ist der Obstanbau auf dem Vormarsch. Der Gemüseanbau verlagerte sich in den letzten Jahren bereits Richtung Obervinschgau, seit dort Beregnungsprojekte realisiert wurden. Die Felder dort haben allerdings vorwiegend leicht saure PH-Werte, sodass vieljähriger Blumenkohlanbau in dem Maße nicht möglich sein wird. Der Ausweg kann einerseits ein kontinuierlicher und geplanter Feldtausch zwischen Gemüsebau- und Viehwirtschaftsbetrieben sein, oder anderseits die Einhaltung einer sinnvollen Fruchtfolge im Gemüseanbau, was allerdings ähnliche Erlöse bei anderen Gemüsearten, wie beim Karfiol, für die Produzenten erfordern würde.

Alles beginnt mit einer Idee: I-Klaub der elektronische Klaubkorb

  • Vorspann: I-Klaub, einen elektronischen Klaubkorb, hat der Landwirt David Pircher aus Tarsch entwickelt. Im vergangenen Herbst war der sensorgesteuerte und hochprofessionelle Klaubkorb erstmals im Einsatz und hat die Testphase gut bestanden.
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David Pircher ist ein Tüftler, „a Baschgler“ wie man im Dialekt so schön sagt. In erster Linie, sagt er, sei er ein ganz normaler Bauer. Jede Maschine, jeder Traktor, jeder Hänger, kurzum jedes landwirtschaftliche Gerät auf seinem Hof in Tarsch ist umgebaut oder angepasst worden. „Meine Leidenschoft isch oanfoch olls zu optimieren und weiterzuentwickeln. Wenn mir firkimmp, dass eppes ungschickt isch, richt i mir die Maschinen so, dass es leichter isch zun orbeiten“, erklärt David Pircher seine Philosophie. Oft sind es nur Kleinigkeiten, die letztendlich aber einen großen Unterschied machen können. Die Ideen, die Einfälle kommen spontan auf der Wiese beim Arbeiten. Er könne nicht anders als diese dann in seiner Werkstatt umzusetzen. Unterstützt wird er dabei auch immer wieder von der Firma Vimas mit Bruder Hansjörg Pircher.

Das jüngste Ergebnis seiner Tüftelei nennt sich I-Klaub und ist ein elektronischer Klaubkorb. Eine innovative Idee, die eigentlich aus der Not heraus geboren wurde, sagt er. Mühselig sei es oft bei der Ernte die Kisten an- und herumzuheben oder lange Wege mit wenigen Äpfeln zurücklegen zu müssen. Bei einer Ernte, die über Tage und Wochen geht, ist das sehr anstrengend. „Des gibs jo net, dass es nix gib, wo man in Äpfl inni tian konn, isch mir olm wieder durchn Kopf gongen“, sagt Pircher. Etwas, das die Ernte erleichtert und sich selber ausleert. Die Idee eines elektronischen Klaubkorbs kam nicht spontan, sondern entwickelte sich langsam und reifte mit der Zeit heran.

In der Werkstatt in Tarsch stehen mehrere Prototypen. Über Jahre hat David Pircher die Prototypen weiterentwickelt. Den ersten hat er noch aus Eisen gefertigt. Immer wenn ihm etwas eingefallen ist, hat er „weitergebaschglt“ und weiterprobiert. Dann kam ihm die Idee mit der halbrunden Schaufel. Das war letztendlich der entscheidende Durchbruch. Die zwei halbrunden Schaufeln oder Schalen öffnen und schließen sich mechanisch und ähneln einem Greifer. Innen staffierte er sie mit Gummimatten aus, die irgendwie an den guten, alten „Tschaggl“ erinnern und die Äpfel weich landen lassen. Der Klaubkorb hängt an vier Bändern und ist sensorgesteuert. Ist er voll, fährt er per Knopfdruck automatisch nach unten bis kurz oberhalb der Äpfel, die Schaufeln öffnen sich und der Inhalt entleert sich langsam und schonend in die Großkiste. Hat der Klaubkorb die Äpfel entleert, fährt er alleine wieder hoch. Herzstück des Systems sind die halbrunden Schaufeln und der spezielle Öffnungsmechanismus, der sensorgesteuert arbeitet und patentiert ist.

Der Klaubkorb selbst ist von einem Rahmen mit zwei Griffen eingefasst und dort praktisch befestigt. I-Klaub kann auf einer Hebebühne oder auch auf eine Erntemaschine aufgebaut werden. Oben wird einfach in das Klaubkörbchen geerntet und wenn es voll ist, entleert es sich in die darunter liegende Kiste. Es geht darum kurze Wege zu nehmen, schonend, effizient und flexibel zu ernten.
Es ist eine Hilfestellung, eine Zusatzhilfe beim Klauben und „isch kinderleicht zu bedienen“, sagt David Pircher zum Vinschgerwind. Kein schweres Tragen mehr, „i will, dass es in die Leit guat geaht ban Klauben.“ Und den Äpfeln, dem Produkt natürlich auch.

„Wir haben I-Klaub im vergangenen Jahr erstmals getestet und waren damit sehr zufrieden“, sagt Pircher. Die Teile professionell gefertigt hat die Firma Weico in Brixen und auch die letzten Details ausgefeilt, damit der elektronische Klaubkorb den Anforder-
ungen

an die Arbeitssicherheit und Zertifizierungen standhält. Im vergangenen Jahr zwischen Ferragosto und dem Klauben hat Weico die Teile an Pircher geliefert und dieser hat sie in kürzester Zeit zusammengebaut und einsatzbereit gemacht.
MyID steht auf dem Klaubkorb und i-Klaub. MyID steht für Mei Idee, i-Klaub einfach für „i klaub“. Das Design stammt von Studio Oberhauser aus Bozen. Unterstützung kam auch von der Abteilung für Innovation und Forschung. David Pircher geht es darum, „dass in die Bauern gholfn isch.“ Die Produktion schafft er nicht alleine. Soviel steht fest. Er ist in seiner landwirtschaftlichen Tätigkeit fest eingebunden. Pircher: „Es war flott, wenn jemand die Produktion übernemmen tat.“

MyID
i-Klaub – Pircher David
Tel. 333 1379389

 

Damit man sich ein umfassendes Bild über i-Klaub machen kann, hat David Pircher ein Video gedreht. Auf Youtube ist dieses abrufbar und zeigt wie der elektronische Klaubkorb in der Praxis funktioniert.
https://m.youtube.com/watch?si=Q6bnMBUzdVte4c3k&v=yYXbMnK-pME&feature=youtu.be

Der Bioapfel aus dem Vinschgau im Wandel

  • Vorspann: Der Vinschgau ist seit jeher ein Apfelland. Was hier wächst, findet seinen Weg auf Märkte in ganz Europa. Doch wie gelingt es, Bioäpfel aus dem Tal nicht nur regional zu produzieren, sondern europaweit eine führende Rolle einzunehmen? Eine Antwort darauf liegt in der BIO-Abpackstätte der Genossenschaft JUVAL, einem Herzstück der Bio-Strategie von VIP, dem Verband der Vinschger Produzenten für Obst und Gemüse.
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Ein starkes Zeichen für Bio
VIP zählt heute zu den wichtigsten Anbietern von Bioäpfeln in Europa. Dieser Erfolg kommt nicht von ungefähr, sondern ist das Ergebnis langfristiger Entscheidungen – für Qualität, Nachhaltigkeit und moderne Strukturen. In der JUVAL wurde gezielt in eine Infrastruktur investiert, die ausschließlich auf Bio ausgerichtet ist. Das ist in dieser Form europaweit etwas Besonderes.
Hier werden Bioäpfel gelagert, sortiert und verpackt – und das mit modernster Technik. Ziel ist es, den Handel und die Konsumentinnen und Konsumenten das ganze Jahr über zuverlässig mit hochwertigen Bioäpfeln aus dem Vinschgau zu versorgen.

Frische, die bleibt – das ganze Jahr
Äpfel sind ein Naturprodukt, das Zeit braucht. Damit sie auch Monate nach der Ernte noch frisch, knackig und aromatisch sind, spielt die Lagerung eine entscheidende Rolle. In der JUVAL kommen dafür große Hochregallager mit kontrollierter Atmosphäre zum Einsatz. Temperatur, Sauerstoff und Luftfeuchtigkeit werden exakt gesteuert – so bleiben die Äpfel in Topqualität.
Ein digitales Lagersystem sorgt dafür, dass immer jene Äpfel zuerst ausgeliefert werden, die am längsten lagern. Das klingt simpel, bringt aber große Vorteile: weniger Energieverbrauch, bessere Planbarkeit und gleichbleibende Qualität. „So können wir ganzjährig Bioäpfel auf höchstem Niveau liefern“, erklärt Gerhard Eberhöfer, Bio Product Manager bei VIP.

Geschwindigkeit trifft Sorgfalt
Neben der Lagerung ist auch die Verarbeitung ein wichtiger Faktor. In der JUVAL können pro Stunde große Mengen an Äpfeln sortiert und über zwölf Verpackungslinien für unterschiedliche Kunden vorbereitet werden – vom kleinen Bio-Fachhandel bis zum großen Lebensmittelmarkt. Trotz dieser Leistung steht eines immer im Vordergrund: Sorgfalt und Rückverfolgbarkeit.
„Jeder Apfel soll nachvollziehbar bleiben – vom Baum bis ins Regal“, sagt Stephan Gorfer, Betriebsleiter der Genossenschaft JUVAL. Möglich macht das eine weitgehend automatisierte Abwicklung, bei der alle Schritte dokumentiert werden.

Wer steckt hinter dem Apfel?
Besonders spannend – auch für Konsumentinnen und Konsumenten – ist das Projekt BioGraphy. Über einen QR-Code auf der Verpackung kann man nachverfolgen, von welchem Hof im Vinschgau die Bioäpfel stammen. Man lernt die Bäuerinnen und Bauern kennen, sieht ihre Höfe, die angebauten Sorten und bekommt einen Einblick in ihren Arbeitsalltag.
So wird der Bioapfel wieder greifbar – nicht als anonymes Produkt, sondern als Ergebnis täglicher Arbeit, Erfahrung und Verantwortung.

Nachhaltigkeit, die sichtbar ist
Zur Zukunft des Bioanbaus gehört auch der bewusste Umgang mit Ressourcen. Auf den Dächern der Genossenschaft JUVAL erzeugen Photovoltaikanlagen bis zu 65 Prozent des benötigten Stroms. Das spart Energie, reduziert Emissionen und macht den Standort unabhängiger.
Moderne Technik, erneuerbare Energie und regionale Wertschöpfung greifen hier ineinander – ein Modell, das zeigt, wie Landwirtschaft und Nachhaltigkeit zusammengehen können.

Die Menschen hinter dem Bioapfel
Im Zentrum dieser Entwicklung stehen jedoch nicht Maschinen oder Hallen, sondern die 261 Bio-Produzentinnen und Bio-Produzenten im Vinschgau. Ihr Know-how ist über Generationen gewachsen und bildet das Fundament der heutigen Bioqualität. Unterstützt werden sie durch eine spezialisierte Fachberatung, die sie bei allen Fragen rund um den Bioanbau begleitet – von der Pflege der Anlagen bis zur Ernte. Gleichzeitig bleiben die Betriebe nicht stehen: Produktion und Sortenwahl werden laufend an neue Erkenntnisse, Marktanforderungen und klimatische Bedingungen angepasst. Diese Mischung aus Erfahrung, Professionalität und Bereitschaft zur Weiterentwicklung macht den Vinschger Bioapfel zu dem, was er heute ist.

Ein Gewinn für den ganzen Vinschgau
Mit Investitionen wie jener in der JUVAL stärkt VIP nicht nur seine Marktposition, sondern auch den Vinschgau als Bio-Kompetenzregion. Die Verbindung aus bäuerlicher Arbeit, moderner Technik und transparenter Vermarktung schafft Vertrauen – bei Handelspartnern ebenso wie bei den Menschen, die Bioäpfel aus dem Tal genießen.
So bleibt der Apfel aus dem Vinschgau nicht nur ein Stück Tradition, sondern auch ein Blick in die Zukunft der Landwirtschaft.

Kitz-direkt - Neues Standbein für den „Egghof“

  • Vorspann: Taufers i. M. - Der 18-jährige Samuel Höchenberger vom „Egghof“ in Taufers i. M. besucht die 5- Klasse der Fachschule für Land- und Forstwirtschaft Fürstenburg. Mit dem Projekt „Kitz-direkt“ will er lange Transportwege für die Tiere vermeiden.
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  • Redakteur: Magdalena Dietl Sapelza
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  • Weitere Fotos - 2: Seine Mutter Esther Kyburz veredelt  dort seit Jahren Ziegenmilch
  • Weitere Fotos - 3: Samuel Höchenberger vom „Egghof“ will Kitzfleisch vermarkten

Beim „Tag der offenen Tür“ am 29. November 2025 in der Fachschule für Land- und Fortswirtschaft Fürstenburg bei Burgeis stellte Samuel den Besucherinnen und Besuchern sein Maturaprojekt „Kitz-direkt“ vor. Er bot ihnen schmackhaft gekochtes Kitzfleisch zur Verkostung an. Seine Schwester Eva-Maria, einst ebenfalls Schülerin in der Fürstenburg und jetzt Theologie-Studentin, unterstützte ihn dabei.
Beim Projekt geht es ihm um die Direktvermarktung von Kitzfleisch, das er auf seinem Heimathof umsetzen möchte, um den Tieren den Transportweg zu den Schlachtungen in Bozen oder anderswohin zu ersparen. Diese Transporte samt Vermarktung werden regelmäßig vom Kleintierzuchtverband organisiert. Was eigentlich eine gute Sache ist und den Kleintierzüchterinnen und Züchtern Jahr für Jahr ein Einkommen garantiert, ist für Samuel immer mit dem schmerzlichen Loslassen der Kitze verbunden, mit denen er eine innige Beziehung aufgebaut hat und die ihm ans Herz gewachsen sind. „Ich habe jedes Mal ein ungutes Gefühl und frage mich, was mit den Tieren nach dem Abtransport beim Herumkarren so alles passieren könnte und wo sie letztendlich landen“, sagt Samuel. „Deshalb versuche ich nun einen neuen Weg zu gehen.“
Der „Egghof“ auf 1730 Metern Meereshöhe auf „Tella“ bei Taufers i. M. ist ein Erbhof, der nachweislich 400 Jahre im Besitz der Familie ist. Der Hof umfasst eine Fläche von sieben Hektar (1 ½ Hektar Weideland, der Rest Grünland).
Vor zirka 20 Jahren gab Samuels Vater Gottfried Höchenberger die Milchviehhaltung auf und kaufte die ersten Ziegen. Samuels Mutter Esther begann mit der Produktion von Ziegenkäse, den sie seither im Hofladen, im Tauferer Dorfladen und auf Märkten verkauft. Ein Teil geht an die Gäste in den Ferienwohnungen des Hofes oder wird zusammen mit anderen hofeigenen Produkten im Hofschank serviert. Aus den anfangs zehn Ziegen sind inzwischen an die 50 Stück geworden. Und diese bringen jährlich Kitze zur Welt.
Samuel möchte schon in diesem Frühjahr mit der Direktvermarktung des Fleisches beginnen. Voraussetzung dabei ist allerdings die Nachfrage. Ist die Nachfrage gegeben, will er die drei bis vier Monate alten Tiere in den Schlachthof bei Mals bringen, wo die Schlachtung tiergerecht erfolgt. Diese stellt sicher, dass die Tiere vor der Tötung betäubt werden und kaum etwas mitbekommen. Die Kundinnen und Kunden können das von den Metzgern fachgerecht zerlegte Fleisch dann im Schlachthof abholen. Derzeit beschäftigt sich Samuel mit der Kostenrechnung und dem Finanzplan. Er erstellt eine Homepage und will die sozialen Medien nutzen, um das Vermarktungskonzept bekannt zu machen. Ein Kitz hat ein durchschnittliches Schlachtgewicht von sieben Kilogramm, Das Fleisch ist edel, zart und geschmacksneutral. Die Kitzfleischvermarktung soll zu einem zusätzlichen Standbein für den Hof werden.

Kontakt:
Tel. +39 370 1399958
www.egghof-suedtirol.com

Latsch - die goldene Mitte

  • Vorspann: Latsch spielt eine zentrale Rolle im Vinschgau: Für die Landwirtschaft, den Tourismus und die Wirtschaft. Nicht nur die VIP, die zentrale Vermarktungsstruktur der Vinschger Produzenten, hat ihren Sitz im Apfeldorf, auch touristisch ist Latsch seit wenigen Monaten Mittelpunkt. Vinschgau Marketing, die Marketingorganisation der Region Vinschgau, ist von Glurns nach Latsch gezogen. Abseits davon ist Latsch wirtschaftlich stark aufgestellt und hat mit dem Bildungshaus Schloss Goldrain ein Alleinstellungsmerkmal.
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  • Redakteur: Angelika Ploner (Text & Fotos)
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Latsch ist ein beeindruckender Wirtschaftsraum. Das belegen allein schon die Zahlen. 660 Latscher Betriebe sind bei der Handelskammer Bozen mit Februar 2026 registriert und sorgen für wirtschaftliches Wohlergehen. Nimmt man allein die Zahl der Betriebe her, so ist Latsch - nach Schlanders und Naturns - der drittstärkste Wirtschaftsort im Vinschgau. Obwohl der Wirtschaftsstandort Latsch eng mit der Landwirtschaft verknüpft ist, ist die Vielfalt da. Betriebe aller Couleur sind hier Zuhause. Latsch ist zweifelsohne wirtschaftlich stark aufgestellt.

Arbeitsmarkt Latsch.
Die MIVOR ist mit 160 Mitarbeitern mittlerweile der größte Arbeitgeber in Latsch. Die Karl Pedross AG reiht sich an zweiter Stelle. „Aktuell zählt das Unternehmen 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Viele von ihnen begleiten den Betrieb seit Jahren – ein Zeichen für Kontinuität, Zusammenhalt und eine starke Verwurzelung in der Gemeinde Latsch“, sagt Stephanie Perkmann von Pedross Sockelleisten auf Nachfrage vom Vinschgerwind. Ein rundes Jubiläum feiert die Karl Pedross AG heuer. „Seit dem 15. Februar 2026 steht die Karl Pedross AG für 70 Jahre s36 latsch2Unternehmergeist, Innovationskraft und kontinuierliche Entwicklung. Was einst als kleiner Betrieb mit vier Mitarbeitern und der Produktion von Massivparkett begann, entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einer beeindruckenden Erfolgsgeschichte. Mit der Spezialisierung auf Sockelleisten im Jahr 1973 wurde ein entscheidender Grundstein für die weitere Ausrichtung des Unternehmens gelegt. Seither ist die Karl Pedross AG stetig gewachsen, hat sich technologisch weiterentwickelt und neue Märkte erschlossen. Heute ist Pedross als international anerkannter Hersteller von Sockelleisten und Bodenzubehör weltweit etabliert.“ Seit 2012 ist das Biomasseheizkraftwerk der Karl Pedross AG in Betrieb und der gesamte Restholzverschnitt aus der Produktion wird in Energie umgewandelt. Neben 3.500 MWh an Elektrizität pro Jahr entsteht zusätzlich Wärme, die in das Fernwärmenetz der Gemeinde Latsch eingespeist wird. Das in den Sommermonaten benötigte Warmwasser für die rund 5.000 Einwohner unserer Gemeinde wird vollständig durch unser BHKW aufgeheizt. Die Wärmeleistung beträgt 2,5 MW pro Stunde. Auch das dürfte einzigartig im Vinschgau sein. Einen Betrieb wie die Karl Pedross AG im s36 wirtschaftWirtschaftsgefüge der Gemeinde zu haben, macht zweifelsohne stolz.
Auch der Tourismus ist wichtiger (saisonaler) Arbeitgeber: „In der vergangenen Saison waren im Hotel das Paradies durchschnittlich rund 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt“, sagt Andreas Pernthaler vom 5-Sterne-Hotel Das Paradies auf Nachfrage zum Vinschgerwind.
Das Dolce Vita Hotel Jagdhof beschäftigte „mit allen Lehrlingen und Praktikanten, sowie den Aushilfen im Jahr 2026 insgesamt 68 Mitarbeiter“, sagt Julian Pirhofer auf Nachfrage dem Vinschgerwind.
Auch die VIP - das Herz der Genossenschaften - ist in Latsch beheimatet. 1990 wurde die VIP aus der Taufe gehoben.
VIP, der Verband der Vinschgauer Produzenten für Obst und Gemüse, ist „First Class Apple Partner“, wenn es um die Vermarktung der Vinschger Äpfel geht. Mit 66 Mitarbeitern reiht sich auch die VIP zu den größeren Arbeitgebern in der Gemeinde Latsch ein.
„In der vergangenen Saison waren bei uns 28 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt“, heißt es von der Familie Dietl vom Matill Retreat in Latsch auf Nachfrage.
Zu den weiteren größeren privaten Unternehmen zählt auch die Rizzi Group. „Unsere aktuelle Mitarbeiterzahl beträgt 25“, sagt Simone Rizzi auf Nachfrage vom Vinschgerwind.
Einer der traditionsreichsten Betriebe in Latsch ist die WMH. „Wir beschäftigen 22 Mitarbeiter“, erklärt Patricia Herion-Ropte, die Geschäftsführerin. Der Industriebetrieb bedient den hochspezialisierten Nischenmarkt, nämlich die Verzahnungstechnik. Klaus Rinner vom Hotel Vermoi erklärt auf Nachfrage: „Da wir viel familiär stemmen, haben wir im Verhältnis zur Größe des Betriebes, wenige Angestellte. Wir haben meist zwischen 16 und 18 Angestellte in der Hochsaison.“
s38 arbeitsmarktDie Unternehmen in Latsch bilden - abeits der Hotellerie- einen bunten Mix mit verschiedenen Bauunternehmen, Elektrobetrieben, Einrichtungsstudios, es gibt Maler, Spengler, Schlosser, Betriebe, die einen Nischenmarkt bedienen oder eine Vielzahl an Dienstleistern wie technische Büros. Apropos technische Büros: Auffallend in Latsch ist die geballte Fachkompetenz was den technischen Bereich anbelangt. Konkret: Es gibt im Vinschgau wohl kein Dorf mit einer vergleichbar hohen Anzahl an Technikern, Ingenieuren und Architekten. Der überwiegende Teil der Betriebe in Latsch sind aber Klein- und Mittelbetriebe, sie bilden das Rückgrat der Latscher Wirtschaft, sind produktiv und qualifiziert. Demnach ist Latsch nicht nur für die Landwirtschaft ein fruchtbarer Boden, sondern auch für verschiedene Unternehmen, vor allem Traditionsbetriebe oder Familienbetriebe. Vieles sind innovative und leistungsstarke Betriebe. Zusammen bilden diese ein beeindruckendes Arbeitsplatzangebot mit knapp 2.000 Arbeitsplätzen. Um genau zu sein hatten im vergangenen Jahr 1.869 Personen ihren Arbeitsplatz in Latsch. Von den 2.403 Arbeitnehmern in Latsch pendeln 1.476 aus, 927 arbeiten in Latsch.

 


 Die Industriezone Latsch
In der Industriezone Latsch zeigt sich die Vielfalt der Latscher Wirtschaft. 1973 beschloss die Gemeindeverwaltung unter Bürgermeister Sepp Rinner eine Handwerker- und Industriezone auszuweisen. Im Dorfkern war es zu eng geworden, der Tourismus boomte. Vor diesem Hintergrund wurden fünf Hektar ausgewiesen. Mit zehn Bauern musste verhandelt und kein Quadratmeter Grund enteignet werden. Die Gemeindeverwalter verhandelten geschickt und die interessierten Betriebe waren sehr kompromissbereit. Zwei Betriebe waren bereits in der heutigen Industriezone angesiedelt: Die Pedross AG, damals Euroform Sockelleistenherstellung und die Firma Sepp&Franz Rinner OHG. Bereits im Frühjahr 1974 konnte mit den Erschließungsarbeiten begonnen werden, mit Gemeinderatsbeschluss vom 19. August 1974 erfolgten die Grundzuweisungen und 1975 wurden die Kaufverträge abgewickelt. Die Zone 1, wie die Industriezone Latsch in ihren Anfängen getauft wurde, platzte schon bald aus allen Nähten. Für das Vorhaben die beiden Genossenschaften Mivo und Ortler in die Industriezone zu platzieren, hagelte es von den Bauern viel Kritik. Der damalige Bürgermeister Sepp Rinner sagte im Vinschgerwind-Interview 2022 dazu: „Ich konnte eine Zeit lang in kein Gasthaus gehen, weil ich nur auf den Deckel bekommen habe. Als dann die beiden Obmänner, der Karl Weiss und der Josef Holzner dieses Vorhaben unterstützt haben, ist das Ganze gut über die Bühne gegangen....Aber das war schon eine harte Zeit mit viel Streit.“ 402 Millionen Lire hat alles gekostet, Grund und Erschließung. 196 Millionen Lire hat die Gemeinde Latsch von der Landesregierung bekommen, die Unternehmer zahlten 206 Millionen Lire. In drei Phasen erlangte die Industriezone Latsch dann im Laufe der Jahre ihre heutige Größe.


 Die Landwirtschaft & MIVOR.
Die MIVOR ist unter den sieben Genossenschaften die mengen- und mitgliederstärkste Genossenschaft im Vinschgau. Seit 21 Jahren gibt es die MIVOR in ihrer heutigen Form, hervorgegangen ist sie aus der Fusion von Ortler und MIVO. Die MIVOR ist zweifelsohne eine wichtige Säule der Latscher Wirtschaft. „Die insgesamt 317 Mitglieder bewirtschaften eine Fläche von 1.050 Hektar und produzierten im vergangenen Jahr eine s40 latsch3Menge von 72.191 Tonnen Äpfel“, sagt Monika Ohrwalder, die Geschäftsführerein der MIVOR zum Vinschgerwind. 890 Hektar nimmt die Integrierte Produktion, kurz IP, ein, 160 Hektar werden biologisch bewirtschaftet. Das Ernteverzeichnis in der MIVOR geht aber über den Apfel hinaus. 22,5 Tonnen Birnen, 13,6 Tonnen Kirschen und über eine Tonne Quitten - und das ist neu an der MIVOR - wurden 2025 geerntet.
Beeindruckendes Zahlenmaterial. Nicht weniger beeindruckend ist die Anzahl der Mitarbeiter. In der MIVOR sind 160 Mitarbeiter beschäftigt“, sagt Monika Ohrwalder.
Abseits von den Äpfeln wird vor allem am Latscher Sonnenberg Milchviehhaltung betrieben.

9 Mitglieder zählt die Bergmilch Südtirol in der Gemeinde Latsch, sagt Reinhard Schuster, der Leiter Mitgliederwesen & Werkskoordination Bruneck auf Nachfrage dem Vinschgerwind. Zusammen haben diese 2024 insgesamt 599.372 kg Milch angeliefert, das entspricht s42 milchdurchschnittlich 66.597 kg pro Mitglied. Der Durchschnittspreis pro kg Milch betrug 2022 75,55 Cent. Der durchschnittliche Auszahlungspreis der Latscher Milchviehbauern ist der höchste im Vinschgau. Das zeugt von der hervorragenden Qualität der gelieferten Milch, was auch die Keimzahl belegt. Denn mit einer Keimzahl von 5.000 sind die Milchviehbauern hier besonders fleißige was die Hygiene betrifft. Zum Vergleich: In den anderen Vinschger Gemeinden beträgt diese zwischen 9.000 und 16.000. Hut ab!
Was die Bergbauern hier leisten, ist einzigartig. Die ebenen Flächen im Tal stehen im starken Kontrast zu steilen Wiesen am Berg mit unzähligen Stunden harter Arbeit. Der Ertrag kann niemals mit dem mithalten, was im Tal generiert wird.

Der öffentliche Sektor.
Die Autonome Provinz Bozen ist bei den Arbeitgebern unter den ersten in Latsch, das ist unter anderem auf den großen Schulsprengel zurückzuführen.

 


 Stellungnahme des Direktors Matthias Ladurner und des Präsidenten Hubert Mantinger
Das Annenbergheim beschäftigt zurzeit 69 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Bereichen Verwaltung, Reinigung & Wäscherei, Küche, Hauswirtschaft, Pflege & Betreuung und im Bereich der Tagesbetreuung/Tagespflegeheim. Da Pflege & Betreuung ein Frauenberuf ist, beschäftigen wir natürlich anteilig viele Frauen: derzeit haben wir 58 Frauen und 11 Männer aller Altersklassen zwischen 21 und 65 Jahren angestellt.
Herausforderungen, denen es sich zu stellen gilt, sind zum einen die Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf und der Wiedereinstieg in die Arbeitswelt sowie der europaweit schwierige Arbeitsmarkt im Bereich der Pflege und Betreuung. Aufgrund des demographischen Wandels gehen wertvolle MitarbeiterInnen verloren und das Suchen neuer MitarbeiterInnen gestaltet sich schwierig.
Gerade deshalb ist es uns wichtig, für PraktikantInnen einen Ort zu schaffen, wo sie erste Arbeitserfahrungen sammeln und in den Bereich Pflege und Betreuung hineinschnuppern können. Gleichzeitig ermöglichen wir aktuell zwei Mitarbeiterinnen die berufsbegleitende Ausbildung zur Pflegehelferin und einer Mitarbeiterin jene zur Sozialbetreuerin.
MitarbeiterInnen, die nicht bezahlt werden, aber unbezahlbar sind, sind unsere 110 freiwilligen HelferInnen, durch deren Mithilfe das Haus Zusatzangebote bieten kann, die ansonsten nicht möglich wären. Sie leisten einen unschätzbar großen Beitrag zum Gemeinwohl - ihr Lohn ist Dankbarkeit und Sinnerfahrung.


 

Der Schulsprengel Latsch umfasst die Grundschulen Latsch, Morter, Goldrain, Tarsch, Kastelbell, Tschars und die Mittelschule Latsch. Direktor Stefan Ganterer: „Wir haben 105 Lehrpersonen und 9 Mitarbeiterinnen für Integration für SchülerInnen mit besonderen Bedürfnissen. Im Sekretariat arbeiten 7 Personen, dazu kommen 15 Schulwarte und ich als Direktor.“ Macht in Summe 137 Beschäftigte im Schulsprengel Latsch. s44 bevoelkEine Zahl, die sich auf die effektive Anzahl an Personen bezieht und nicht Vollzeiteinheiten darstellt. 627 Schülerinnen und Schüler besuchen im heurigen Schuljahr eine der Schulstellen.
Ein wichtiger Arbeitgeber - um im öffentlichen Sektor zu bleiben - ist auch das Seniorenwohnheim Annenberg Latsch. Die Daten zum 25.02.2026 zeigen dies deutlich: 69 MitarbeiterInnen, davon 58 Frauen und 11 Männer im Alter zwischen 21 und 65 Jahren, arbeiten im Annenbergheim in Latsch.
55 HeimbewohnerInnen, davon 44 Frauen und 11 Männer haben ihr Zuhause im Seniorenwohnheim gefunden. Dazu kommen 23 TagespflegeheimbesucherInnen, davon 17 Frauen und 6 Männer (siehe Stellungnahme vorne Seite 43).
Und auch die Gemeinde stellt sich in die Reihe der größeren Arbeitgeber in Latsch: 54 Personen zählen zum Gemeindepersonal.

Der Tourismus.
Wie eingangs erwähnt ist der Sitz von Vinschgau Marketing seit wenigen Monaten nicht mehr Glurns, sondern Latsch. Vinschgau Marketing ist die zentrale Marketingorganisation der Region Vinschgau, die in enger Zusammenarbeit mit den sechs Tourismusorganisationen Ortlergebiet, Prad am Stilfserjoch, Schlanders-Laas, Latsch-Martell, Kastelbell-Tschars und Schnalstal für die touristische Entwicklung, Vermarktung und Kommunikation der Region verantwortlich ist. Von Latsch aus werden also in Zukunft die Fäden gespannt. Mit 2.214 Betten allein in Latsch hat s44 seilbahnman etwa fast doppelt so viele wie Schlanders.
92 Tourismusbetriebe zählt Latsch. Auch die Nächtigungszahlen sind beeindruckend: 276.628 Nächtigungen – allein in Latsch wohlgemerkt – verzeichnete man im Tourismusjahr 2025.
Das bunte Hotel- und Pensionsangebot in Latsch kann sich sehen lassen. Der deutsche Gast führt mit 61,87 Prozent die Gästestatistik an. An zweiter Stelle reiht sich der italienische Gast mit 13,85, gefolgt von der Schweiz mit 11,81 Prozent.

Latsch ist Vereins- und Bildungsort.
Latsch zeichnet sich durch ein starkes Vereinsleben und ein starkes Gemeinschaftsgefühl in den Fraktionen aus. In Goldrain etwa, jener Fraktion, die auf beeindruckende 1.104 Einwohnerinnen und Einwohner angewachsen ist hat man das Vereinshaus mit vereinten Kräften realisiert und einen starken Sinn für Gemeinschaft gezeigt und gelebt. Hier steht auch Vinschgaus einziges Bildungshaus, das Schloss Goldrain.

Das Bildungshaus Schloss Goldrain.
Seit fast 40 Jahren ist die Genossenschaft Bildungshaus Schloss Goldrain eine verlässliche Anlaufstelle für Menschen und Organisationen, die Weiterbildung suchen und das vielfältige Raumangebot schätzen. In der besonderen Atmosphäre historischer Architektur, verbunden mit zeitgemäßer Infrastruktur und guter Küche, entsteht ein inspirierender Rahmen für Lernen, Austausch und kulturelle Begegnung. Schloss Goldrain ist geprägt von Geschichte und besonderem Flair – ein Ort, der zum Wiederkommen einlädt.
s46 schloss gWas Schloss Goldrain bietet?
Als gepflegte Schlossanlage ist Schloss Goldrain ein Ort der Begegnung und des Austauschs, wo rund 250 Weiterbildungsveranstaltungen pro Jahr in unterschiedlichen Formaten und in fünf Themenbereichen stattfinden: Ernährung & Genuss, Beruf & Kompetenzen, Gesundheit & Wohlbefinden, Persönlichkeit & Entwicklung, Natur & Kreativität.

Rund 30 Themenwochen für Kinder und Jugendliche finden während der Sommerferien statt. Einmal im Monat steht eine kulturelle Veranstaltung (Lesung, Theater, Konzert) auf dem Programm.
Schloss Goldrain bietet einen stimmungsvollen Rahmen für private Feiern im Restaurant, Keller, Rittersaal oder im Freien. Der Restaurantbetrieb bietet Platz für 120 Gäste auf zwei Ebenen. Das Gästehaus steht mit 30 Einzel- und 9 Doppelzimmern für Übernachtungen bereit.
Einige Höhepunkte 2026:
• Vortrag „Perspektiven für den Wald von morgen “ am 12. März 2026, 18 Uhr, Eurac Research
• Improtheater Carambolage am 27. März 2026, 20 Uhr
• Ö3-Wettermoderator Sigi Fink liest aus seinen Werken und spricht u.a. über die Wettervorhersage: 17. April 2026, 20 Uhr
• Konzert: Moritz Gamper & Friends am 29. Mai 2026, 20 Uhr
• OU Jodelfest vom 3.-6. September 2026

More than Honey

  • Vorspann: Vor einigen Jahren machte der Dokumentarfilm „More than Honey“ das weltweite Bienensterben zum Thema. Doch darum soll es hier nicht gehen. Der Titel dient vielmehr als Einladung, den Blick auf die vielfältigen, auch flüssigen Formen zu richten, in die sich Honig verwandeln kann. Eine davon ist der HoneyGourMet von Bert Innerhofer aus Partschins.
  • Dachzeile: Spezial-Landwirtschaft
  • Redakteur: Maria Raffeiner
  • Weitere Fotos - 1: Prüfender Blick bei der Bienenkontrolle. Foto © Karin Thaler
  • Weitere Fotos - 2: Wöchentlich füllt Bert nach, was sich im Fass verflüchtigt hat
  • Weitere Fotos - 3: Heuer sind es tausend Flaschen, bald schon sollen es mehr sein
  • Weitere Fotos - 4: Über den Erfolg freut sich die gesamte Familie

Ende Jänner taut es in den Gassen von Partschins, die Dachrinnen gluckern. Noch reicht die Wintersonne nicht aus, um die Bienen zum Ausflug zu locken, doch lange wird es nicht mehr dauern. In einem Einfamilienhaus im Sonnenbergweg führt Bert Innerhofer durch seine Kellerräumlichkeiten, in denen Honig verarbeitet und zum Honigfruchtschaumwein HoneyGourMet weiterentwickelt wird. Dieses Projekt betreibt Innerhofer im Nebenerwerb. Noch reicht der Platz im Keller, doch sollte sich die Produktion vergrößern, müssten externe Räumlichkeiten her. Seine Beschäftigung mit der Imkerei begann vor rund 15 Jahren. Der gebürtige Passeirer, Sportlehrer von Beruf, kam über einen Imker-Schnupperkurs erstmals mit der Welt der Bienen in Berührung. „Ich wollte einfach ausprobieren, ob mir das gefallen könnte“, erzählt er. Schnell jedoch faszinierte ihn nicht nur die Arbeit mit den Bienen, sondern vor allem die Frage, was sich aus Honig noch alles machen ließe. In der Fachliteratur stieß Innerhofer auf Met, den klassischen Honigwein aus Wasser und Honig. Einige selbst hergestellte Flaschen lagerte er im Keller, noch nicht perfekt gefiltert. Was dann geschah, bezeichnet er auf seiner Webseite als „Urknall“: Beim Entkorken knallte es, der Inhalt schäumte über. Eine unerwartete Nachgärung, die ihm und seiner Frau noch besser schmeckte als der ursprüngliche Met. Die Idee war geboren, dieses Getränk gezielt weiterzuentwickeln.

„Es wäre cool, irgendwann im Geschäft oder im Lokal das eigene Produkt zu kaufen“, beschreibt Innerhofer seine damalige Vision. Heute kann man sagen: Sein Plan ist aufgegangen.
Es folgten Monate des Tüftelns, Lesens und Zweifelns. Entscheidend war die Beratung durch Josef Reiterer, den Südtiroler Sektpapst aus Mölten. Zunächst skeptisch gegenüber dem Vorhaben und der Hauptzutat Honig, zeigte sich Reiterer bei der Verkostung überrascht und erteilte bereitwillig wertvolle Ratschläge. Was in seiner Sektkellerei der Traubenzucker ist, ist bei Innerhofer der Honigzucker. Seither geht der Hobbyimker und Honigsekthersteller diesen Weg: Aus dem Honig seiner ca. 35 Bienenvölker an fünf Standorten rund um Partschins mischt er einen Honig-Cuvée, um Geschmack, Aroma und Qualität gleichmäßig zu gestalten. Dem Partschinser Quellwasser-Honig-Gemisch setzt er biologischen Apfelsaft zu, was den Gärprozess aktiviert. In Stahlfässern treffen diese Komponenten auf Champagnerhefe aus Reinzucht. Drei bis vier Wochen gärt das Gemisch, die Trübstoffe setzen sich ab. Nach Abschluss der Gärung wird der Met in Barriquefässern als Stillwein ausgebaut. Dann erst folgt der entscheidende Schritt: Durch erneute Zugabe von Honig und Hefe beginnt die zweite Gärung. Die Flüssigkeit wird in Flaschen gefüllt und verschlossen. Mindestens anderthalb Jahre durchläuft sie die Flaschengärung, ganz nach dem Vorbild der klassischen Sektherstellung. Für das Rütteln und Enthefen gehen die Flaschen auf Reisen: Rund 1.000 Stück bringt Innerhofer heuer in eine Kellerei nach Brescia, ein Unterfangen mit beträchtlicher Spannung, nicht zuletzt wegen der sechs Bar Druck in den Flaschen. Nach dem Enthefen folgt ein letzter, geheimer Schritt: die Zugabe eines Expeditionslikörs. Wie in großen Sektkellereien bleibt die genaue Rezeptur von Bert Innerhofer unter Verschluss. Sie dient der Geschmackslenkung und der Feinabstimmung des Süßegrads. Der HoneyGourMet ist BRUT, also herb, der Zucker aus dem Honig nahezu vollständig vergoren. Messungen ergaben eine Restsüße von ca. 10 g/Liter.
Seit 2022 ist der Honigfruchtschaumwein in der edlen Sektflasche verkaufsfertig. Die Abnehmer reichen von Privatkunden bis zur gehobenen Gastronomie, etwa in der Luisl Stube in Algund, im Kuppelrain in Kastelbell, im flurin in Glurns oder in einigen Hotels können Sie mit dem feinperligen, alkoholischen Getränk (11,5% vol.) anstoßen. Auch einige Geschäfte wie der Vinschger Bauernladen in Naturns führen es. 2023 wurde der HoneyGourMet bei der „Goldenen Honigwabe“ im österreichischen Wieselburg als Sieger in der Kategorie „Spezialitäten mit Honig“ ausgezeichnet.
Im Glas zeigt sich der HoneyGourMet gelb und klar, mit feiner Perlage. Er duftet eindeutig nach Honig, dezent fruchtig nach Walderdbeeren und – wie Falstaff-Weinexperte Simon Staffler schreibt – „nach Sommerferien und blühenden Linden“. Als Aperitif oder zu Desserts, Kaiserschmarrn und gereiftem Käse überzeugt er mit feiner Säure. Bert serviert dazu Cantuccini, die das Geschmackserlebnis abrunden. Kastanien könnten gut dazu passen? „Ja, daher konnte ich den Eishof im Pfossental und einige Törggelelokale rund um Partschins als Kunden gewinnen. Manchmal muss ich Überzeugungsarbeit leisten, aber bei einem Hof, der Törggeleabende anbietet, war schon nach einem Abend Nachschub gefragt“, erzählt er von Geschmackskombinationen und Marketing.

HoneyGourMet. Hinter diesem einzigartigen Produkt steht sein Erfinder selbst: Bert Innerhofer, Jahrgang 1971, stammt aus St. Leonhard und absolvierte sein Probejahr als Lehrer an der Mittelschule Partschins. „Dann bin ich hier hängen geblieben“, schmunzelt er zufrieden.
Bienen und Sport sind seine großen Leidenschaften, die sich gut verbinden lassen. Oft kontrolliert er seine Völker mit dem Fahrrad und sammelt dabei gleich Höhenmeter, sei es auf dem Weg zum Steinbruch in Richtung Quadrathöfe am Nörderberg oder nach Vertigen oberhalb von Partschins. Um einen Gleichgesinnten zu besuchen, der Schaumwein auf Honigbasis herstellt, muss Innerhofer noch etwas weiter reisen, gar bis nach Slowenien. In Südtirol gibt es zwar einzelne Met-Erzeuger, doch den darauf aufbauenden zweiten Gärungs- und Reifeprozess begleitet nur Bert Innerhofer. Mit HoneyGourMet hat er sein Ziel erreicht, mehr als Honig zu produzieren und ein intensives Geschmackserlebnis auf den Markt zu bringen.

Zufriedenstellendes Honigjahr

  • Vorspann: Imkerinnen und Imker im Bezirk Obervinschgau treffen sich am 7. Februar zur Jahreshauptversammlung im Vereinshaus von Tartsch.
  • Dachzeile: Spezial-Landwirtschaft
  • Redakteur: Magdalena Dietl Sapelza
  • Redakteur Bild:
  • Weitere Fotos - 1: Patscheider und Schriftführer Christoph Prader
  • Weitere Fotos - 2: v. l. Bundesobmann Christian Trafoier mit den geehrten Vorstandsmitgliedern Othmar Patscheider, Sabine Prieth und Herbert Theiner

Die rund 230 Imkerinnen und Imker im Bezirks Obervinschgau blicken auf ein zufriedenstellendes Honigjahr 2025 zurück. Das erklärte Bezirksobmann Othmar Patscheider bei der Jahresvollversammlung am 7. Februar in Tartsch. Die hervorragende Honigqualität sei durch die Gold-Auszeichnungen bei der Interregio-Honigbewertung unterstrichen worden. Einige Imker hatten allerdings mit Melezitosehonig, bekannt als Lärchenhonig, zu kämpfen. Dieser klebt in den Waben wie Zement. Probleme bereiteten auch mehrere Faulbrutfälle im Bezirk. In diesem Zusammenhang dankte der Seuchenwart Christian Hörtnagl den betroffenen Imkerinnen und Imkern, dass sie sich gemeldet haben. Denn manches Mal wird auf eine Meldung verzichtet. Nur wenn die Fälle bekannt werden, könne man reagieren und die Bekämpfungsmaßnahmen ergreifen. Amtstierarzt Maurizio Giusti meinte dazu. „Wir haben gut zusammen gearbeitet.“
Der Verantwortliche der Belegstelle Trafoi, Hubert Stillebacher, bezifferte die Zahl der Königinnenbegattungen mit 800. Er rief dazu auf, die Einrichtung auch weiterhin zu nutzen. Die Belegstelle war eingerichtet worden, um die Reinzucht der Carnica Bienen sicher zu stellen. Obmann Patscheider lobte die gute Zusammenarbeit mit dem Verband der Vinschgauer Produzenten für Obst und Gemüse VIP. Man sei in ständigem Dialog miteinander und versuche alles zu tun, um Bienenschäden durch Pflanzenschutzmittel zu vermeiden. Denn es sei mittlerweile allen Beteiligten bewusst, dass man sich gegenseitig braucht. Auch mit den Verantwortlichen im Südtiroler Bauernbund pflege man eine gute Zusammenarbeit. „Wir bekommen die Unterstützung in den unterschiedlichsten Anliegen.“ so Patscheider. Jenen Imkerinnen und Imkern die mit ihren Bienenstöcken wandern, rief er dazu auf, die Grundbesitzer und eventuell auch die jeweiligen Ortsobmänner zu informieren, um Probleme zu vermeiden. Einen besonderen Dank richtete Patscheider an die Informatik Fachkräften aus Schluderns, die den Imkerinnen und Imkern kürzlich ehrenamtlich bei der recht komplizierten digitalen SUAP-Anmeldung behilflich waren. Diese Anmeldung braucht es, um Honig verkaufen zu können. Die Ehrengäste Bundesobmann Christian Trafoier und Bauernbund-Bezirksobmann Joachim Weiss, sowie die Malser Vize Vizebürgermeisterin Marion Januth drückte den Imkerinnen und Imkern ihre Wertschätzung aus.
Bei den Neuwahlen wurde Othmar Patscheider per Akklamation einstimmig zum Obmann wiederbestätigt, genauso wie sein Vorstand. Er kündigte allerdings an, nur noch in diese Periode vorne stehen zu wollen. Im Vorstand unterstützen ihn Christoph Prader, Sabine Prieth, Hubert Stillebacher, Herbert Theiner, Andreas Stecher, Hansjörg Bernhart, David Blaas, Martin Kofler, Reinhard Patscheider, Christian Hörtnagl und Ludwig Thoma. Im Bezirksausschuss vertreten sind auch die Obmänner der zehn Ortsgruppen im Bezirk Obervinschgau. Ein Höhepunkt der Vollversammlung war die Ehrung verdienter Mitglieder. Zum Abschluss referierte Andreas Platzer von der Bildungsstätte für Bienenkunde in der Fachschule Laimburg über die Veredelung der Bienenprodukte.