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Titel

25 Jahre GWR Software für den Vinschgau

von Erwin Bernhart
Spondinig - Am 25. September 2001 war der Notartermin: Die „Genossenschaft für Weiterbildung und Regionalentwicklung“ ist vor 25 Jahren gegründet worden. Der Bahnhof in Spondinig wurde als Sitz auserkoren, lange bevor der Vinschgerzug seinen Betrieb aufgenommen hat. Von der Hauptstraße 1, Spondinig, in der Gemeinde Prad, gehen seither wesentliche Impulse für die Regionalentwicklung aus.
veröfftl. am 30. September 2026

Der Sitz der Genossenschaft für Weiterbildung und Regionalentwicklung befindet sich in Spondinig. Im Bild ein Teil der Angestellten v. l.: Caterina Agethle, Silvia Stieger, Katharina Eberhöfer, Stefanie Trafoier, Annerose Paulmichl und Friedl Sapelza

Wenn jemand das Gesicht der GWR, der Genossenschaft für Weiterbildung und Regionalentwicklung, ist, dann ist das Friedrich „Friedl“ Sapelza. Aber: Wenn es irgendwie möglich ist, scheut Sapelza das Licht der Öffentlichkeit. Das ist Charaktersache. Dafür steuert Sapelza die Genossenschaft seit 25 Jahren als Geschäftsführer durch dick und dünn, oft auch gegen den Bozner Wind, mit Chuzpe und mit viel Hausverstand, mit dem Blick für Wesentliches, immer mit dem Ziel, dass das Tun der GWR dem oberen Vinschgau etwas zu bringen hat und von Nutzen sein kann. Sapelza ist eigentlich in Pension, kommt aber täglich nach Spondinig. Ein Loslassen ist zwar vorgesehen, aber noch nicht in Sicht. Mit Peter Luis Thaler aus Schlanders steht sein Nachfolger bereits so gut wie fest.
Der Genossenschafts-Vorstand ist insgesamt genauso auf die Umsetzung der Tätigkeiten mit Nutzwert fokussiert und weniger auf den großen Auftritt. Mit dem Obmann Gustav Tschenett, dem Vizeobmann Markus Joos, sind neben Sapelza Andreas Tappeiner, Florian Eller, Dieter Pinggera, Christian Stecher, Peter Luis Thaler auch die Präsidentin der Bezirksgemeinschaft Vinschgau Roselinde Gunsch im aktuellen Vorstand.
Entstanden ist die GWR aus einem damaligen Verein „Zentrum für permanente Weiterbildung“, und die Richtung einer Genossenschaftsgründung wurde von neun Personen im Kloster Marienberg diskutiert und bestimmt. Allein, wie der Sitz der GWR in Sponding zustande gekommen und dann ausgebaut worden ist, ist abenteuerlich. Genossenschaftsmitglieder der ersten Stunde haben mit dem eigenen Vermögen Bürge für eine Vorauszahlung für eine Nutzungsleihe an die Gemeinde Prad getan. Mit der Vorauszahlung von 528 Millionen Lire wurde der Fehlbetrag bezüglich der Sanierungskosten im Voraus ausgeglichen. Oder: Mitten durch den heutigen kleinen Seminarraum verlief die Gemeindegrenze zwischen Schluderns und Prad. Ein Unding wäre es, wenn man für das Schlagen eines Nagels zwei Gemeinden um Erlaubnis hätte fragen müssen. Es gab beherzte Freunde, die durch geschickte Manöver die Gemeindegrenze aus dem Raum gebracht haben. Wenn Friedl Spelza Episoden zu erzählen beginnt, sprudelt es, oft begleitet von beseeltem Lächeln. Derzeit sind es 9 Mitarbeiterinnen, die die Geschicke der GWR gemeinsam stemmen. Der Jahresumsatz der GWR liegt bei 1,9 Millionen Euro. Das ist beachtlich für eine Genossenschaft, die als Dienstleister fungiert unter anderem mit dem dezidierten Ziel: „Förderung der beruflichen, fachlichen, sozialen und kulturellen Bildung in der Region des ländlichen und strukturschwachen Vinschgaus“.
„Eine nachhaltige und qualitative Entwicklung der Region“ ist der Überbegriff der Tätigkeiten, der seit 25 Jahren mit Inhalt gefüllt wird.

Weiterbildung

Ein großer Teil der Tätigkeiten fällt auf die Weiterbildung. Einen Ausschnitt der angebotenen Kurse, die die GWR koordiniert und auch in Teilen über Landesfinanzierungen bezahlt, finden aufmerksame Vinschgerwind-Leser:innen ganz oft am Schluss des Kleinanzeigers.
Die Weiterbildungen in allen möglichen Bereichen finden vor Ort statt, in Schulen, in öffentlichen Gebäuden, in Zivilschutzzentren, nahe an den Teilnehmer:innen. Das ist die Grundphilosophie der GWR. Mauern in Form von Sälen, Räumen, Klassen sind genügend vorhanden. Die Kunst ist es, sie klug zu nutzen. Die Ausstattung der Computerräume in den Schulen zum Beispiel ist hervorragend und die Nutzung außerhalb der Schulzeiten kommt der Bevölkerung zugute.
Die GWR war im Laufe der Jahre imstande, einen großen Kreis von einheimischen Referentinnen und Referenten aufzubauen, die ihr Know-How der Bevölkerung anbieten können und die dafür entsprechend bezahlt werden. Das Angebot ist unglaublich vielfältig und reicht von „Klangmeditation“ bis hin zu „Gabelstapler-Kursen“. Das Angebot spannt demnach einen großen Bogen von Entspannung bis hin zu notwendigen Kursen für Handwerks- und Industriebetriebe.
Einen Teil der Weiterbildungsstunden bezahlt das GWR mit der entsprechenden Bezuschussung durch das Land. Einen Teil bezahlen die Kursteilnehmer selber. Das Gesamtvolumen der Weiterbildung macht jährlich ca. 450.000 Euro aus und umfasst sämtliche Weiterbildungsschienen, so auch die Integrierte Volkshochschule Vinschgau und die Sprachkurse. Eine erkleckliche Summe, die ins Territorium investiert wird.
Ein gleichwertiger Fortbildungszweig ist die Integrierte Volkshochschule, der inklusiven Weiterbildung für alle. Die Weiterbildung, die Beschäftigung, das Inspirieren für Menschen mit Beeinträchtigung nimmt ebenfalls einen guten Teil der Koordination und der Finanzierung über die GWR ein und wird mit einer ähnlichen Summe wie die Weiterbildungen vom Land bezuschusst.
Neben der Vermittlung von Fachwissen, von technischen Neuerungen in den Fort- und Weiterbildungen geht es, so sagt es Sapelza, auch um die Psychohygiene, um soziale Werte, um das Knüpfen von Kontakten, also um all die Werte, die neben der fachlichen Weitergabe von Wissen stattfinden. Mit den Kursen, mit den Fortbildungen versorgt die GWR schwerpunktmäßig das Territorium von Schlanders bis Graun mit „gesellschaftlicher Software“. In anderen Orten des Vinschgaus gibt es auch dezentrale Bildungsangebote.

Sommerbetreuung

Die GWR ist von den Gemeinden mit der Sommerbetreuung beauftragt. Was im Lande im Vorfeld des Sommers immer wieder für Aufschrei und Besorgnis sorgt, die Betreuung der Kleinkinder und der Schulkinder im Sommer, geht im oberen Vinschgau unprätenziös und ohne großes Aufheben über die Bühne.
Im heurigen Jahr etwa hat die GWR 124 Arbeitsverträge mit Betreuungspersonal, überwiegend mit Stundentinnen und Studenten abschließen können. So konnten die Angebote von Sommerschule und Sommerkindergarten abgedeckt werden. Bei den Aktionswochen in der Sommerschule gab es 1140 Anmeldungen plus 7 Kinder mit Einzelbetreuung und beim Sommerkindergarten haben sich rund 880 Kinder gemeldet und davon 12 Kinder mit Einzelbetreuung.
Obwohl der Fördersatz niedriger ist, wird ein Teil der Sommerangebote über die Weiterbildungsschiene aus inhaltlichen Gründen abgewickelt. Das ist inhaltlich sinnvoll, sagt Sapelza. Wichtig sei die Konstanz in den Partnerschaften. Mit den Sozialdiensten in der Bezirksgemeinschaft Vinschgau bestehe eine langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit, ebenfalls mit den Gemeinden im Vinschgau, mit den Oberschulzentren Mals und Schlanders, mit dem Berufsbildungszentrum Schlanders und mit den Schulsprengeln.
Ein sogenannten „Klick-Day“, wie er landesweit in Mode gekommen ist, gibt es bei der GWR nicht. Ein „Klick-Day“ ist fast wie eine Lotterie: Wer zuerst „klickt“, wer sich also zuerst anmeldet, bekommt einem Platz in der Sommerbetreuung. Pech für jene, die keinen Platz für ihr Kind mehr erhalten. Eben, einen solchen „Klick-Day“ gibt es im Obervinschgau nicht.

Terra Raetica

Auf einen mit Engagement gepflegten Austausch blickt Friedl Sapelza mit besonderer Genugtuung: Auf die „Terra Raetica“. Als Terra Raetica (rätisches Land) bezeichnete man zur Zeit der Römer die kulturelle Gemeinschaft mehrer Völker des Alpenraumes. Hinter der „Terra Raetica“ verbirgt sich ein politisch gewolltes Zusammenschauen und ein Aufeinanderzugehen der Bevölkerungen aus dem Vinschgau, aus dem Bezirk Landeck und aus dem Unterengadin. Es ist dieses Dreiländereck, bestehend aus drei Nationen, die bis vor 28 Jahren durch Grenzbalken schmerzlich spürbar getrennt waren, das mit gezielten und sinnvollen Programmen nicht mehr als trennender Grenzraum empfunden werden soll.
2027 wird die „Terra Raetica“ 20 Jahre jung. „Am 19.12.2007 haben die Landeshauptleute von Tirol und Südtirol und der Graubünder Regierungsrat in einem feierlichen Akt die Gründung des Interreg Rates Terra Raetica beschlossen. Die Zielsetzung sei eine verstärkte grenzüberschreitende Kooperation mit einem einzigen gemeinsamen Management durch den Interreg-Rat und mit einer stärkeren Verzahnung der Interreg-Projekte zwischen den beteiligten Regionen bzw. Ländern“, ist auf der Webseite terraraetica.eu zu lesen. Die Terra Raetica ist politisch für die Umsetzung der EU-Förderprogramm, der Interreg-Programme Italien-Österreich, Italien-Schweiz und Österreich-Schweiz zuständig.
Projektideen werden über den Interreg-Rat Terra Raetica ausgewählt. Die GWR ist gemeinsam mit der Bezirksgemeinschaft Vinschgau für die Südtiroler Seite Ansprechpartner, RegioL ist dies in Landeck und für Graubünden ist es die Region Engiadina Bassa Val Müstair.
Die Gründer bzw. die politischen Befürworter dieser „Terra Raetica“ haben allesamt noch die unangenehmen und vor allem trennenden Grenzkontrollen miterlebt und aus diesem Erlebten die Kraft und Energie für eine enge Zusammenarbeit geschöpft. 2027 wird ein großes Fest zum 20-jährigen der Terra Raetica gefeiert und damit wohl eine Stabübergabe stattfinden. Geht es nach den Gründervätern der Terra Raetica, soll die regionalpolitische Bedeutung bzw. Aufgabe der Terra Raetica beibehalten werden und es soll kein Abdriften in eine rein administrative Förderabwicklung geben.