Green Communities
- Vorspann: Martell - Bei der Abschlussveranstaltung zu den PNRR-Projekten im Rahmen der „Green Comunities“ wurde in Martell Bilanz gezogen und dem Zuständigen aus dem Ministerium für Regionen, Luca Colombatto die Ergebnisse präsentiert und gedankt.
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- Redakteur: Erwin Bernhart
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Mit ehrgeizigen Projekten hatte sich vor Jahren die Bezirksgemeinschaft Vinschgau um PNRR-Gelder beworben. Im Wesentlichen hat den vierteiligen Projektvorschlag Michael Wunderer vom E-Werk Prad gemeinsam mit BASIS Schlanders formuliert. Vor genau vier Jahren ist der Vorschlag der Bezirksgemeinschaft im Rahmen der „Green Communities“ zur Finanzierung mit etwas mehr als 4 Millionen Euro aufgenommen worden. Nun fand kürzlich die Abschlussveranstaltung mit Rückblicken auf verwirklichte Projekte und mit Vorausschau auf noch zu Gestaltendes statt.
Im Nationalparkhaus culturamartell konnte die Präsidentin der Bezirksgemeinschaft Vinschgau, Roselinde Gunsch, neben den Bürgermeisterkollegen aus Martell, Latsch, Schlanders und Prad auch an den Projekten Beteiligte begrüßen. Sie lobte das Engagement des Generalsekretärs der Bezirksgemeinschaft, Urban Rinner, und hieß im Besonderen einen Ehrengast willkommen, der eigens aus Rom angereist war. Gunsch betonte, dass es eine große Ehre sei und seine Anwesenheit von der Nähe zum Territorium in Form der PNRR-Gelder zeuge. Mit Luca Colombatto, dem Koordinator der Einheit PNRR Staat – Regionen, kam ein Hauch italienischer Regierung nach Martell. Denn Colombatto überbrachte auch die Grüße von Regionenminister Roberto Calderoli. Mit Geduld und größter Aufmerksamkeit hörte sich Colombatto die Ausführungen an, die einen Einblick in die Projekte der 13 Gemeinden des Vinschgau gaben.
Das Projekt der „Green Communities“ fußt im Wesentlichen auf vier Säulen, die jeweils mehrere Maßnahmen enthalten. Drei dieser Säulen wurden bei der Abschlussveranstaltung exemplarisch von den jeweiligen Fachreferenten beleuchtet.
Eine erste Säule beinhaltet Holz als regenerativen und regionalen Baustoff. In Martell wurde mit der „Parkhütte Martelltal“ ein Haus gebaut, das genau diesen regenerativen Ideen entspricht. Geplant wurde die „Parkhütte“ vom Architekten Stefan Gamper aus Klausen, ausgeführt wurde es in einem Verbund verschiedener Firmen unter der Federführung von holzius aus Eyrs. Die Baumaßnahmen und die Bauschritte erläuterte die Marketing-Leiterin von holzius, Maria Unterfrauner. Als Projekt mit Beispielcharakter bezeichnete Unterfrauner den Bau auf 2000 Metern und bezog sich dabei auf die ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit, die die Baumaterialien und der Bauablauf aufzuweisen haben. Denn das Holz, die Fichten, Lärchen und Zirben für den Bau, wurde in Martell geschlagen und dort von einem heimischen Sägewerk geschnitten. In der Firmenzentrale von holzius wurde das Holz nach der Trocknungsphase zu Vollholzmodulen verbaut, und zwar, wie es holzius nach der Idee des Gründers Herbert Niederfriniger seit jeher praktiziert, ohne Leim und Metall. Das System mit der Verbundleiste in Form eines Schwalbenschwanzes ist preisgekrönt und mehrfach ausgezeichnet. Internationale Auszeichnungen hat holzius auch für die Nachhaltigkeit erhalten. In Martell ist so ein 0-km-Holzhaus entstanden. Auch bei den Stein- und Fußböden wurden mit Marmor aus dem Vinschgau und Porphyr aus Martell einheimische Steine verwendet.
Das Nutzungskonzept für die 6 Zimmer mit einer Belegungsmöglichkeit von 6 bis 18 Personen und für die großzügigen Gemeinschaftsräume hat Annalisa Mair von der BASIS Vinschgau entworfen und vorgetragen. Das „Parkhaus“ eigne sich für Seminare, für Firmenklausuren und als Rückzugsort für Führungskräfte. Bis 2029 erhoffe man sich eine Auslastung von 40 %. Sehr zufrieden zeigte sich der Marteller BM Georg Altstätter, der auf die langwierige bürokratische Vorbereitung vor der kurzen Bauzeit hinwies.
Als eine Maßnahme der zweiten Säule der „Green Communities“ stellte der Latscher BM Mauro Dalla Barba die Energiegemeinschaft Vinschgau EVI vor. Die EVI habe mittlerweile 205 Mitglieder, davon 170 aktive. Die 94 Photovoltaikanlagen der Mitglieder hätten eine installierte Leistung von 1,2 Megawattpeak (MWp), weitere 4,2 MWp seien im Kommen.
Michael Wunderer stellte die Materie eines „virtuellen Kraftwerkes“ vor. Dabei sollen mit entsprechend geeigneter Software (Anschubfinanzierung über PNRR: 136.000 Euro) parallel zur Energiegemeinschaft EVI sämtliche Stromflüsse erfasst und rückgerechnet werden. Auf „Smart Grid“ sollen sämtliche Sekundärkabinen in den 16 Gemeinden umgerüstet und die Stromflüsse bzw. das Stromsystem effizienter gesteuert werden (Anschubfinanzierung über PNRR: 765.000 Euro).
Der Geschäftsführer der Marteller Erzeugergenossenschaft MEG, Philipp Brunner, stellte die Genossenschaft vor (45 Mitgliedsbetriebe, 900 bis 1000 Tonnen Erdbeeren und Gemüse pro Jahr, 5 fixe Mitarbeiter und bis zu 25 Saisonangestellte in der Erntezeit). Über die PNRR-Finanzierung von 48.000 Euro wurden in 8 Mitgliedsbetrieben Sensoren installiert, die eine intelligente Bewässerungs- und Düngersteuerung anzeigen. Damit sei eine permanente technische Überwachung diverser Parameter möglich. Stündlich würden durch diese Messungen um die 11.000 Datensätze anfallen. Um diese auszuwerten, werde man sich der Künstlichen Intelligenz bedienen müssen. „Die Arbeit beginnt jetzt“, sagte Brunner.
Die Landesrätin Rosmarie Pamer überbrachte die Grußworte der Landesregierung und sagte, dass man stolz auf die zukunftsweisenden Projekte sei. Dann kam ein dickes Lob von Luca Colombatto: Die besten Projekte in ganz Italien gebe es in Südtirol. Diese Projekte stimmten alle bestens mit den EU-Zielen überein. Bis zum Stichdatum 30. Juni hätten in Italien 97 % aller Projekte abgeschlossen werden können. Colombatto kündigte an, dass demnächst die EU mit Kontrollen anrücken werde.
Im Anschluss an die Schlussveranstaltung wurden die Erdbeerwelt in Trattla, die MEG und dann das „Parkhütte“ auf 2000 Metern besichtigt.
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