Tradition trifft Leidenschaft
Auf Terrassen oberhalb von Vetzan liegen die Weingüter des Plauserhofes; Fotos: Max Wellenzohn
Die Wurzeln des Plauserhofs in Kortsch reichen Jahrhunderte zurück. Die Grundmauern sind auf das Jahr 1390 datiert, mit großer Wahrscheinlichkeit aber älter. „Der Name Plauserhof leitet sich vermutlich von Adelheid Plauserin ab. Sie war etwa im 16. Jahrhundert auf dem Betrieb tätig. Man vermutet, dass sich daraus im Laufe der Zeit der Name entwickelt hat“, erklärt Max Wellenzohn dem Vinschgerwind. Mit ihm ist am Plauserhof bereits die nächste Generation am Start. Er hat seine Ausbildung an der Fachschule Laimburg absolviert und dort seine Passion für Trauben und Wein keltern entdeckt. Diese Passion hat er mit der Ausbildung zum Diplom-Sommelier gekrönt.
Wein anbauen hat am Plauserhof eigentlich Tradition. Seit über drei Jahrzehnten baut Klaus Wellenzohn Eigenbauweine an. „Früher“, erzählt er, „sind die Arbeiter mit Wein bezahlt worden. Wein war ein wertvolles Gut.“ Eine Zeitlang - vor allem während des zweiten Weltkriegs - wurde in den Stehlen, dort, wo heute die Weinreben gedeihen, sogar Reis angebaut. Das hatte schlicht und einfach mit der Versorgungsnot zu tun. Dass seit 2023 Wein nun eine größere Rolle und vor allem zum Verkauf gekeltert und abgefüllt wird, ist Max zuzuschreiben. Der 22-Jährige stellt sich in die Reihe jener jungen, engagierten Vinschger Winzer, die die Tradition hoch halten und mit Begeisterung Neues ausprobieren.
Und apropos Neues: Heuer hat Max einen Passito, einen köstlichen Süßwein, „eigentlich einen Nachtisch-Wein“ produziert. „Beim Passito wird die Ernte bewusst etwas früher durchgeführt. Der Grund dafür ist, dass die Trauben bei einer späteren Ernte zu viel Säure verlieren würden. Es geht also darum, einen zu starken Säureabbau zu vermeiden und eine gute Säurestruktur im späteren Passito zu erhalten“, erklärt Max. Die handverlesenen Trauben werden in kleinen Kisten für einige Wochen zum Trocknen gelegt, bevor sie vinifiziert werden. Voraussetzung, um einen Passito zu vinifizieren: Die Trauben müssen von einwandfreier Qualität sein, makellos sozusagen.
Am Plauserhof versteht man es, Weine mit unverkennbarer Handschrift zu erzeugen. Das hat auch mit den Lagen zu tun. Die meisten Anbauflächen des Hofes liegen auf den Terrassen oberhalb von Vetzan, weitere direkt neben der Hofstelle, im sogenannten Wellenzohn-Anger. Insgesamt wird auf rund 1,2 Hektar Wein angebaut. Die Fläche wurde in den vergangenen Jahren sukzessive vergrößert, ursprünglich waren es 4.000 Quadratmeter. Dass einheimische gebietstypische Traubensorten anbauen werden, darauf wird Wert gelegt. Hier in den Steillagen am Vinschger Sonnenberg, bei viel Sonnenschein und der Wärme der Steinmauern, werden Kerner, Blau- und Weißburgunder und Zweigelt angebaut. „Die Hälfte unserer Reben sind auf Stehlen“, sagen Klaus und Max Wellenzohn. Das bedeutet viel Handarbeit. Als Belohnung für die ganzjährige mühevolle Handarbeit im Weinberg reifen später im Keller säurebetonte, mineralische, facettenreiche und qualitativ hochwertige Weine heran.
Der Zweigelt rosè ist der erste Wein, der am Plauserhof im Herbst gewimmt wird. Die Trauben werden zum perfekten Zeitpunkt von Hand gelesen, dann, wenn sie die technologische und phenolische Reife erlangt haben. Den Rosè zeichnet eine feine Säure aus. „Er ist saftig und lebendig“, sagt Max. Nur reinsortige Weine werden gekeltert. Kerner ist die Hauptsorte hier am Plauserhof, gefolgt vom Blauburgunder. Während der Weißburgunder im Stahltank ausgebaut und auf Feinhefe reift, entfalten der Blauburgunder im fünf Jahre alten Eichen-Holzfass und der Zweigelt im Barrique-Fass ihre Aromen. Dass die Holzfässer mehrere Jahre alt sind, hat einen guten Grund: Max und Klaus Wellenzohn wollen nicht den Holzgeschmack in ihren Weinen haben. Fein, elegant und harmonisch überzeugt der Blauburgunder, kraftvoll der Kerner und frisch und mineralisch der Weißburgunder.
Verarbeitung und Lager finden im beeindruckenden Keller des Plauserhofes statt. In den vergangenen fünf Jahren wurden in harter Arbeit die verschiedenen Kellergewölbe ausgebaut, ein Barriquekeller, ein Abfüllraum, ein Stahlfässer- und ein Verkostungsraum eingerichtet. Die Steinmauern wurden in liebevoller Kleinarbeit freigelegt und saniert. Unter Holzbalken und umgeben von eben jenen, urigen Steinmauern dürfen hier in einer einzigartigen Atmosphäre die fünf Weine des Plauserhofes verkostet werden. Im Lagerraum finden sich die 7.000 – 8.000 Flaschen, die jährlich gekeltert werden. Bilder und Werke vom Eyrser Künstler Thomas Biedermann zieren die Wände. Auch das Logo, das die Weinflaschen ziert, stammt aus der Feder von Biedermann. Es ist dies ein Rabe, ein „Ropp“, weil viele Stehlen des Plauserhofes am sogenannten „Roppm-Wool“ bei Vetzan liegen. Das Wasser für die Tropf-Bewässerung in den Stehlen wird genau aus diesem „Roppmwaal“ bezogen. Seinen Namen verdankt der Waal den Raben, die dort vielfach nach Futter suchen. Die Wellenlinie auf dem Logo deutet hingegen auf den Waal selbst hin.
„Heuer ist ein gutes Wein-Jahr“, sagt Max Wellenzohn. Klimatisch perfekt sei das trockene Jahr für die Traube gewesen. Seit 2025 ist Max allein für den Weinausbau im Keller verantwortlich. Auch dafür, die Charakteristik des Gebietes, die Facetten des Vinschaus, herauszuarbeiten. „Die Weine“, sagt er „sollen so sein wie unser Gebiet es ist, sollen Ausdruck und Spiegelbild des Vinschgaus sein.“ Aus einem Wein mehr zu machen, als es das Gebiet hergibt, sei falsch, sagt er. Für den Vinschgau heißt das: aromatische, frische, mineralische Weine. Die Mischung aus Kalk und Schieferböden bringt säurebetonte Weine hervor.
Größer wolle man nicht werden, betonen Max und Klaus Wellenzohn. Man hätte jetzt genau die richtige Größe als kleines Weingut erreicht. Die Weine werden ab Hof verkauft oder sind in der ausgewählten Gastronomie zu finden. Verkostungen gibt es mit Terminvereinbarung.
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Bei der Arbeit im Weinberg - alles ist mühevolle Handarbeit