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Straßen für Menschen

  • Dachzeile: Kultur
  • Redakteur: Erich Kofler Fuchsberg
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Bernard Rudofsky, österreichisch-amerikanischer Architekt, Architekturtheoretiker, Kulturhistoriker, Autor mehrerer einflussreicher Publikationen über Bauen und Leben, wie das auf Englisch 1964 erschienene „Architecture without Architects“ oder 1969 „Streets for People“, Deutsch 1995 „Straßen für Menschen“, hat mir den Titel für diesen ­Artikel gegeben. Rudofsky hatte unsere Lebensrealität in einem Satz zusammengefasst: „Keine neue Bauweise, eine neue Lebensweise tut Not“. Diese enorm treffende Diagnose hatte großen Einfluss auf die Diskussionen und das Denken in Zusammenhang mit unseren Vorstellungen von Lebensgestaltung, den aktuellen und künftigen Aufgaben in Urbanistik und Architektur.
So gut wie immer gab es vor der Entstehung eines Dorfes oder einer Stadt ein Straßen- oder Wegenetz, an dessen Kreuzungen, Knotenpunkten, ­Brücken oder Übergängen sich die ersten ­Unterkünfte, ­Herbergen, Wirtshäuser, Hospize und andere Versorgungsstellen angesiedelt hatten. Neben der Erreichbarkeit von Trinkwasser ist ein funktionierendes Wegenetz die erste Vor­aussetzung für dauerhafte und erfolgreiche Ansiedlungen. Unsere Dörfer waren ehemals von etlichen Pfaden, Steigen und Gassen durchzogen, die meist den kürzesten Weg von den Wohnungen, Gehöften, Ställen auf die Felder und Wiesen und zu den wichtigsten Gebäuden im Ort, zu den Kirchen, Wirtshäusern und Brunnen gefunden hatten. Vor allem waren es die Kirchsteige, die im Dorf als auch von entfernten Gehöften ohne große Umwege zur jeweiligen Kapelle oder Kirche meist nur für Fußgänger angelegt ­waren.
Diese kleinteiligen Strukturen gehen zurück bis in die Anfänge der Siedlungen, sie sind entstanden während der Errichtung der Gebäude oder Hofstellen und nahm ihren Verlauf durch private Grundstücke, durch Anger oder Wiesen, entlang von Grundstücksgrenzen, zwischen oder unter Gebäuden hindurch, vorbei an Stall- und Haustüren, direkt hinein in den Hofraum und wieder hinaus. Alles kein Problem, Haupt­sache ohne Hindernisse und ohne Umwege ans Ziel zu kommen. Seit Ötzis Zeiten bis in die 1970er oder 1980er Jahre waren viele dieser Wege, Pfade oder Steige noch in Gebrauch als wichtiger Beitrag für die kleinräumige Erschließung, bevor der Autoverkehr vieles oder fast alles überrollt hat. Die Gemeindeverwaltungen hatten selten den Weitblick und die Kompetenz, die wertvollen Mikrostrukturen in die Bauleitpläne oder den Ensembleschutz aufzunehmen, bzw. auf deren Erhalt zu bestehen. Die kurzsichtige Idee der autogerechten Stadt oder des autogerechten Dorfes hat einige dieser alten Verbindungen ausgelöscht, und die neu errichteten haben nicht mehr die einladende Freundlichkeit der ehemaligen Steige und Gassen, die gut angelegt, schön anzusehen und fein zu begehen sind, deren Form und Führung allein durch das Benützen entstanden ist: Ohne große Planung, ohne Ingenieure, ohne ­Architekten, ohne Politik, ohne Verordnungen, und genau deshalb voller Anmut und Schönheit sind.

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„I moan, dr Heargott hot mi vergessn“

  • Vorspann: Die 97-jährige Martha Zerzer übersiedelte im Jahr 1940 als Elfjährige von Mals nach Partschins. Ihre Familie hatte in der Fraktion Töll einen Hof übernommen. Später heiratete sie den neun Jahre älteren Franz Schönweger vom Nachbarshof. Jahrzehnte lang arbeitete sie im Gastgewerbe. Sie war als gute und resolute Köchin geschätzt und weitum bekannt.
  • Dachzeile: Portrait
  • Redakteur: Magdalena Dietl Sapelza
  • Redakteur Bild:

Frau Martha liebt das Blind Watten. Wer zum Kartenspielen zu ihr kommt, kann immer mit einer köstlichen Marende rechnen, die sie zuvor hat vorbereiten lassen. „Es kemman olleweil weniger, weil foscht olle meine Bekonnte gstorbn sein“, bedauert sie. Martha wuchs als Jüngste von vier Kindern bis zu ihrem 11. Lebensjahr in Mals auf. Ihr Vater arbeitete im Elektrizitätswerk der Montecatini und die Mutter war Hausfrau. Im Kindergarten wurde nur italienisch gesprochen, genauso wie später in der Schule. Das änderte sich 1939 nachdem Marthas Vater 1939 für Hitlerdeutschland optiert hatte. Dann wurde sie in Deutsch unterrichtet. Der Vater verlor daraufhin die Arbeit, und Marthas zwei Brüder wurden zur Wehrmacht einberufen. 1940 konnte der Vater in der Fraktion Töll einen kleinen Hof übernehmen, auf dem die Familie mit einer kleinen Anzahl an Tieren, mit dem Anbau von Getreide und Obstanbau über die Runden kam. Der Vater litt sehr unter der Situation. Ein Schlaganfall riss ihn noch im selben Jahr aus dem Leben. Bis zur Rückkehr ihrer Brüder bewirtschaftete die Mutter den Hof allein, unterstützt von Martha und deren Schwester. Das Korn ließen sie in einer Mühle mahlen, von denen es sieben in der Gegend gab. Ihrem späteren Mann Franz Schönweger begegnete Martha zum ersten Mal in Soldatenuniform in der Scheune des Nachbarhofes, als er sich in den Krieg verabschiedete. Sie sah in erst wieder, nachdem er 1946 aus der Jugoslawischen Gefangenschaft zurückgekehrt war. „Ondere Buabm sein nia koane zu miar kemmen, wail i koa Partschinserin gwesn bin“, erklärt sie. „Unt i bin a nia oane gwortn.“ Martha und Franz gaben sich 1954 in der Barbarakapelle in Meran das Ja-Wort. Kurze Flitterwochen verbrachten sie in Bregenz. „Der Franz hot miar selm in Bodensee zoag“, lacht sie. Martha zog zu Franz auf den Hof und unterstützte ihn tatkräftig. Sie lebten bescheiden. Anstrengend war die Arbeit in der großen Birnen Anlage. 1955 brachte Martha den Sohn Wolfgang zur Welt. Als dieser aus dem Gröbsten war, suchte sie nach einem Zuerwerb und fand diesen im nahen Gasthof Edelweiß. „I bin Bügelfrau, Kuchamadl und Kindsdiarn gwesn“, sagt sie. Traumatisch verlief die Geburt ihres zweiten Sohnes im Jahre 1962. Der Kleine lebte nur eine Stunde lang. „Deis Poppele begrobm zu miaßn, hot fescht weah toun“, sagt sie. Martha stürzte sich in die Arbeit. Sie ließ sich als Köchin in den Ferienhäusern der Deutschen Bundeswehr auf Mitterplars verpflichten. Einst von den Nazis als Urlaubsdomizile gemietet, wurden diese Häuser auch noch nach dem Krieg von deutschen Gästen genutzt. Martha kochte für die wechselnde Kundschaft anfangs nur während der Sommersaison und bald schon das ganze Jahr über. Als Autodidaktin verstand sie es hervorragend, geschmackvolle Gerichte auf die Tische zu zaubern. Beim Kochen war sie voll in ihrem Element. Später stand sie jahrelang am Herd im „Hirschenwirt“ in Algund und dann in der „Garberstube“ in Partschins. Immer wenn es die Zeit erlaubte, spielte sie Karten. Gerne nahm sie an den Reisen teil, die der Verband der Gastwirte anbot. Sie genoss auch die Meeraufenthalte in Lignano, wo sie in einer Ferienwohnung für die Familie kochte. Während einer Wallfahrt in Maria Waldrast erlitt Martha eine Lungenembolie. Dass sie nach einem Krankenhausaufenthalt geheilt heimkehren konnte, schreibt sie dem Heilwasser zu, das sie regelmäßig getrunken hatte. Eine bedrückende Zeit brach an, als ihr Mann an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt war. Fürsorglich stand sie ihm zur Seite. „Er isch gonz geduldig gwesn und hot nia gjammert“, sagt sie. Franz starb im Jahre 1982 im Alter von 64 Jahren. Martha ist seit 44 Jahren Witwe. Sie pflegte Freundschaften, wanderte und lud Gäste ein. Mittlerweile hat sich vieles geändert. Martha ist gebrechlich geworden und irgendetwas tut immer weh. „Di Schmerztabletten helfen guat“, lacht sie. Traurig ist sie darüber, dass sie nur noch wenige Besuche bekommt, denen sie Karten austeilen und die sie mit einer Marende verwöhnen kann. Oft fühlt sie sich einsam. „I kear schun long aweck“, meint sie. „I moan, dr Heargott hot mi vergessn.“

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Naturns - Die Perle im Vinschgau

  • Vorspann: Naturns steht für sich. In vielerlei Hinsicht. Touristisch, wirtschaftlich, auch architektonisch. Selbstredend nimmt der Tourismus hier die Hauptrolle ein – flankiert von der Apfelwirtschaft. Naturns hat sein Profil geschärft und tritt als Thermaldorf bei Meran auf. Man profitiert natürlich von der Nähe zu Meran und weiß diese als Gastgeber zu nutzen. Zugute kommt das natürlich der gesamten Wirtschaft in Naturns. Direkte Gewinner davon sind die Handwerksbetriebe, die Gastronomie und der Einzelhandel.
  • Dachzeile: Spezial
  • Redakteur: Angelika Ploner (Text & Fotos)
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Naturns ist eine Klasse für sich.
Jedes Jahr wird ein neuer Rekord erzielt. Die 600.000 Nächtigungen dürften im laufenden Tourismusjahr geknackt werden. Denn: 598.503 Nächtigungen wurden im vergangenen Jahr 2025 verzeichnet. Dasselbe Bild zeichnet sich bei den Ankünften: 127.640 Ankünfte waren es 2025. Die Aufenthaltsdauer lag bei 4,7 Tagen. Der wichtigste Gast ist und bleibt der deutsche Gast mit 61 Prozent, gefolgt von Gästen aus der Schweiz mit 21 Prozent, Italien mit 8 Prozent, Österreich mit 5 Prozentpunkten. Insgesamt 141 Betriebe, die zusammen auf 3.385 Betten und eine Auslastung von 175 Tagen kommen, machen Naturns zu s40 naturns2einem starken Tourismusort. Erstklassige Hotels reihen sich hier wie Perlen aneinander. Das Angebot – es lässt keine Wünsche offen. Naturns ist attraktiv, pulsierend, lebendig.

Das Thermalwasser von Naturns.
Bereits 1559 wird die Örtlichkeit Kuchinmoos, später Kochlmoos, wegen ihrer Badestätte besucht. Das belegt eine Urkunde aus dem Jahre 1695. Im Jahr 1860 wurde dort sogar ein Badehaus errichtet. Bad Kochenmoos entwickelte sich zu einem Kurort im Vinschgau, bis der Badebetrieb in den 1980er Jahren eingestellt wurde und fast 20 Jahre lang verwaiste. Im Jahr 2000 stieß man bei den Bauarbeiten des Stabener Umfahrungstunnels durch Zufall auf eine zweite Thermalquelle. Die Entdeckung war eine Sensation. Untersuchungen des Thermalwassers folgten. Das Ergebnis: Laut der medizinischen Hydrologie weist das „kalte Thermalwasser“ eine konstante Temperatur von 17°C auf. Zudem wird es als „leicht mineralisiertes Wasser“, „sulfathaltig“ und „fluoridhaltig“ klassifiziert. 2016 erhielt die Gemeinde das Dekret zur Anerkennung des Thermalwassers. Bestätigt sind medizinisch u. a. die Linderung von rheumatischen, orthopädischen oder traumatologischen Beschwerden des Bewegungsapparates. Nach sportlicher Aktivität wirkt das Naturnser Thermalwasser etwa muskelentspannend. Eine schnellere Erholung ist garantiert.

Seilbahn Unterstell.
s42 naturns3Erholung garantiert auch die Seilbahn Unterstell. In wenigen Minuten befördert sie die Gäste auf den Naturnser Sonnenberg. Die erste Materialseilbahn zum Unterstell-Hof wurde im Jahre 1968 von Alois und Jolanda Götsch erbaut. Im Jahre 1979, als der Tourismus zu erblühen begann, kam es zum Neubau einer Pendelbahn – der liebevoll genannen „Max & Moritzbahn“. Der hydraulische Antrieb erlaubte eine sanfte und ruckfreie Fahrt. Mit viel Einsatz von Konrad Götsch, dem Tourismusverein Naturns, der Gemeinde Naturns und Mithilfe der Landesregierung, konnte im Frühjahr 2004 mit dem Bau der heutigen Seilbahn begonnen werden, die nun mit großem Erfolg die Gäste nach oben befördert. Der Naturnser Sonnenberg - wie auch der Nörderberg - wartet mit unbegrenzten Wander- und Einkehrmöglichkeiten auf.

Naturns ist landwirtschaftlich geprägt.
Eine bedeutende Rolle kommt in Naturns auch der Obstwirtschaft zu. 309 Mitglieder zählt die Obstgenossenschaft TEXEL derzeit. Zum Großteil produzieren diese Äpfel. Vor genau 18 Jahren - im Juni 2008 - haben die Mitglieder einer Fusion der Obstgenossenschaft Naturns-Plaus und der POG, der ehemaligen Partschinser Obstgenossenschaft, zugestimmt. Entstanden ist daraus die TEXEL, deren Einzugsgebiet sich über den gesamten unteren Vinschgau erstreckt. Für die Lagerung der Äpfel dienen zwei Lagerhallen auf der Töll, eine weitere in Plaus sowie der Hauptsitz in Naturns. Die Verarbeitungsprozesse, sprich Sortierung und die Verpackung der Äpfel, erfolgen ausschließlich im Betriebssitz in Naturns. Die TEXEL zählt zu den wichtigsten Arbeitgebern in Naturns.

160 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. 6.544 Waggon Äpfel (65.442.158 kg) wurden 2025 als Ernte eingefahren, dazu kommen 27.854 kg Birnen und 27.449 kg Stein- und Beerenobst.
Bewirtschaftet wird insgesamt eine Fläche von 1.136 Hektar: 874 Hektar davon nach den Richtlinien der integrierten Produktion, 262 Hektar nach biologischen Richtlinien.
Auch Wein wird am Naturnser Sonnenberg und am Juvaler Hügel gekeltert. Das hat Tradition. Dank ausgezeichneter und innovativer Winzer genießen die Weine hier einen sehr guten Ruf. Die Rieslingtage in Naturns sind Ausdruck von eben dieser Tradition hier in Naturns und Beispiel für eine gelungene Zusammenarbeit zwischen der Landwirtschaft und dem Tourismus.

Naturns international.
Naturns ist mit den beiden Leitbetrieben Schweitzer Project und Ivoclar Vivadent international verflochten. Die Liechtensteiner Ivoclar Vivadent-Gruppe hat sich im Jahr 1962 hier angesiedelt und ist der größte Arbeitgeber in der Gemeinde Naturns. „Wir haben zur Zeit 299 Mitarbeitende“, sagt Günther Pföstl, von der Ivoclar Vivadent, auf Nachfrage zum Vinschgerwind. Eine stolze Zahl. Eine umfangreiche Produkt- und Systempalette für Zahnärzte und Zahntechniker bietet Ivoclar Vivadent. Neben der Herstellung von traditionellem Zahnersatz werden in Naturns seit einigen Jahren digitale Frästechnologien entwickelt und Strukturen, wie Kronen und Brücken aus diversen Materialien, auf den Patienten angepasst, digital hergestellt.
Schweitzer Projekt, der zweitgrößte Arbeitgeber in Naturns und international zweifelsohne eine Größe, hingegen denkt und entwickelt Handel, erfolgreich und weltweit. 1927 beginnt die Erfolgsgeschichte mit der Gründung der Mercantile durch Leo Schweitzer. „Die Anzahl der Mitarbeitenden in Naturns beträgt ca. 250 und weltweit ca. 800“, sagt Anna Oberhauser, PR-Managerin bei Schweitzer zum Vinschgerwind.
s44 naturns4Zu den weiteren großen Arbeitgebern in Naturns zählt etwa Moser Speck. „Wir haben aktuell ca. 130 Mitarbeiter“, sagt Matthias Philipp Moser auf Nachfrage. „Die Mitarbeiterzahl der Obibau beträgt 2026 ca. 31 Mitarbeiter, erklärt Edmund Luner, zusammen mit Dietmar Pircher Geschäftsführer der Firma Obibau. Auch Siwabau hat über 20 Beschäftigte: „Im Moment sind wir 22 Mitarbeiter zwischen Baufirma und Baustoffhandel. Zu den 22 Fixangestellten haben wir durchgehend 3-4 freie Handwerker, die für unsere Firma tätig sind. Das ergibt insg. ca. 25 Mitarbeiter.“

Die Hotellerie fügt sich nahtlos in die Reihe der größeren Arbeitgeber ein. „Wir haben ca. 100 Mitarbeiter, im Sommer ca.10-15 mehr“, sagt Kathrin Marmsoler vom Management des Hotel Lindenhof auf Nachfrage. „Wir beschäftigen 105 Mitarbeiter im Jahresschnitt“, erklärt hingegen Klaus Ladurner vom Dolce Vita Hotel Preidlhof. Im Hotel Prokulus sind aktuell „77 Mitarbeiter angestellt und drei Familienmitglieder arbeiten aktiv mit“, sagt Patrick Brunner auf Nachfrage vom Vinschgerwind.
Daniel Brunner vom Sonnenresort erklärt: „Von März 2025 bis zum November 2025 waren monatlich durchschnittlich 74 Mitarbeiter angestellt.

In den Wintermonaten ist das Hotel geschlossen. In jener Zeit sind natürlich viel weniger Mitarbeiter angestellt.“
Das Dolce Vita Hotel Feldhof hingegen „hat aktuell 65 Mitarbeiter“, erklärt Dominik Perathoner zum Vinschgerwind.

Naturns ist vielseitig.
Viele kleinere und mittlere Betriebe, zum Teil Familienbetriebe, sorgen für einen ausgewogenen Unternehmensmix. Sie bilden das Rückgrat der Wirtschaft hier. Laut WFO, dem Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen, haben 701 Betriebe (Stichdatum 31.12.2025) ihren festen Platz im Gemeindegebiet von Naturns.

Der öffentliche Sektor in Naturns.
Eine nicht unwesentliche Rolle in Naturns spielt der öffentliche Sektor und mit ihm der Schulsprengel Naturns. Dieser ist der größte im Vinschgau und umfasst acht Schulstellen in Naturns, Schnals und Plaus. Und auch das Seniorenwohnheim St. Zeno ist ein wichtiger Arbeitgeber (s. Bericht unten).


Seniorenwohnheim St. Zeno - Direktor Stephan Rinner
„Ein wichtiger Arbeitgeber für Naturns und Umgebung ist das Seniorenwohnheim St. Zeno. Die rund 70 Mitarbeiter/innen in den verschiedenen Bereichen sind tagtäglich darum bemüht, den 50 Heimbewohnern sowie den 8-10 Gästen des Tagespflegeheimes und den neun Senioren/innen des begleitet/betreuten Wohnens einen angenehmen, abwechslungsreichen Alltag zu ermöglichen. Die vorwiegend von Frauen besetzten Stellen sind zu einem nicht unbeträchtlichen Anteil Teilzeitstellen und gewährleisten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Einen anderen wichtigen Aspekt stellt die Arbeitsintegration von Menschen mit Beeinträchtigung dar. Zwischen den Vereinen des Dorfes und den freiwilligen Helfern findet stets ein reger und wertvoller Austausch statt. Die Seniorenmensa, sowie die Kitas sind im selben Gebäude untergebracht. Dieses generationenübergreifende Miteinander und Nebeneinander eröffnet allen Beteiligten neue Erfahrungen und erweiterte Horizonte. Der neue Generationenpark ist zudem ein gelungener Treffpunkt geworden. Demnächst ist die Verlegung der hausinternen Bar vorgesehen, damit diese vom Generationenpark aus erreichbar ist. In Planung ist auch eine Erweiterung des Bettenangebotes und eine Umgestaltung der Terrasse im zweiten Stock.“


 Einkaufsmeile Naturns.
s46 naturns5Bei den Naturnsern dürfte die kürzliche Eröffnung des Kastelbeller Tunnels Erinnerungen hervorgerufen haben. Vor 23 Jahren, im Jahr 2003, wurde der Naturnser Tunnel und damit die Umfahrungsstraße fertig gestellt. Es war ein Quantensprung in vielerlei Hinsicht: die Wohn- und Lebensqualität stieg enorm. Naturns hat sich zu einem breit gefächerten Wohn- und Einkaufsort entwickelt mit zahlreichen, attraktiven Boutiquen und Geschäften und qualitativ hochstehenden Produkten und Markenwaren. Es gibt kaum etwas, das es nicht gibt in Naturns: etwa Mode - namhafter Marken mit einem Hauch Exklusivität, Schmuck, Schuhe, Taschen, Accessoires, Brillen, Sportmode, dazu natürlich ein qualitätsvolles Lebensmittelangebot. Die Geschäfte sind Perlen einer Kette gleich, die es aufzufädeln gilt. Perlen mit Lokalkolorit. Tag für Tag erfüllen jene, die hinter dem Tresen stehen, die Wünsche der Kundinnen und Kunden. Die Geschäfte sind zusammen mit den Bars und Restaurants das pulsierende Herz des Dorfkerns.
Naturns wartet aber nicht nur mit einer Einkaufs- und kulinarischen Vielfalt, sondern auch mit kultureller Vielfalt auf. Der Naturnser Humorsommer sei hier nur stellvertretend für viele Veranstaltungen genannt: Im heurigen Sommer wird dieser zum 27. Mal internationale Größen nach Naturns locken. Zum 21. Mal findet das Naturnser Kinderlachen statt. (https://www.naturnslacht.com/de/programm-naturns-lacht/)
Man ist rührig hier in Naturns, erfindet sich immer wieder neu und ist nicht zuletzt deshalb: Eine Klasse für sich im Vinschgau

 

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Das Liebesleben der Vögel - Verschiedene Strategien zum Erhalt der Art

  • Dachzeile: Natur&Landschaft
  • Redakteur: Wolfgang Platter am Tag des Heiligen Veit, 15. Juni 2026
  • Weitere Fotos - 1: Haussperling (Passer domesticus)
  • Weitere Fotos - 2: Rauchschwalben (Hirundo rustica)
  • Weitere Fotos - 3: Kohlmeisen (Parus major)

Beziehungsfragen gehören für uns Menschen zu den wichtigsten Themen unseres Daseins. In meinem heutigen Beitrag möchte ich einen kleinen Ausflug in die Verhaltensforschung machen und ein paar Beziehungsfragen bei unseren nächsten Verwandten, den Säugetieren, und bei den Vögeln erörtern.

Partnerschaft bei Säugern
Schauen wir zunächst auf die Säugetiere, mit denen wir die meisten unserer Gene teilen. Aus der Sicht der Verhaltensforschung können wir feststellen, dass die meisten Arten nicht auf lebenslange und monogame Beziehungen ausgerichtet sind. Ganz unabhängig, ob Schimpanse, Hirsch, Hase oder Maus – die Bindung zwischen den Partnern beiderlei Geschlechts hält nur für den kurzen Moment der Begattung, oder anders gesagt, für die Zeit der Befruchtung oder Zeugung. Im menschlichen Jargon charakterisiert: Säugetiere haben meist Mutter-Kind-Familien. Der Vater macht sich bei den meisten Arten aus dem Staub. Es sind seltene Ausnahmen wie bei Wolf, Biber oder Murmeltier, wo die Bande zwischen den beiden Geschlechtern nicht rasch zerbricht, und eine Partnerschaft im Rudel, in der Sippe oder im Familienverband gelebt wird zum beiderseitigen Vorteil und zum Nutzen der familiären Nachkommenschaft. Die Rothirsche beispielsweise tragen in der Herbstbrunft ihre spektakulären Schiebekämpfe um die Rangordnung im Rudel aus. Der stärkste Hirsch erwirbt sich das Recht, die weiblichen Tiere des Rudels zu bespringen. Nach der erschöpfenden Aufgabe geht der Hirsch wieder seine Wege. Die Sorge um die Nachkommenschaft bleibt ganz und gar den Müttern. Der Nachwuchs muss rasch auf eigenen Beinen stehen.

Paarverhalten bei den Vögeln
Anders als bei den Säugetieren sieht es bei den Vögeln aus. Schon seit über 150 Millionen Jahren bewohnen sie unseren Planeten. Menschen treiben sich erst seit gut einer Million Jahren auf der Erde herum, unsere Art Homo sapiens erst seit 200.000 Jahren. Die Vögel haben also einen gewaltigen evolutionären Vorsprung. Seit Jahrmillionen praktizieren sie mit Erfolg ein ehe- und familienähnliches Zusammenleben in unendlichen Spielarten. Um Moral und Anstand ihres Benehmens kümmern sich die Vögel nicht.

Nest als extrauterine Lösung
Für die Flugfähigkeit der Vögel ist ein leichtes Gewicht Voraussetzung. Um sich diese Flugfähigkeit im Laufe der Evolution zu erwerben und zu bewahren, haben die Vögel im Gegensatz zu den Säugern ihre Fortpflanzung körperextern in ein Nest ausgelagert. Hierbei hat sich ein paarweiser Zusammenschluss als nützlich erwiesen. Der Nestbau, das Brüten, das Verteidigen und das Versorgen der bei den Nesthockern völlig hilflosen Jungvögel lassen ein partnerschaftliches Zweierteam die Aufgaben leichter bewältigen als allein. Die meisten Vogelarten bevorzugen eine Zweierbeziehung zwischen Weibchen und Männchen. Sind mehr als zwei Partner an einer Partnerschaft beteiligt, steigt das Konfliktpotential. Jeder dritte Beteiligte kann zum Störfaktor werden. Als Naturwissenschaftler erlaube ich mir schelmisch und augenzwinkernd den Vergleich mit uns Menschen. Dreieckskonflikte füllen ja nicht umsonst unendlich viele Romane und Filme.

Partnersuche
Auch wenn man den Vögeln Gefühle wie etwa Liebe nicht oder nur unter großen Vorbehalten zugesteht, sind doch sie es, die sich so eindeutig, wie keine zweite Tierklasse, zum Nutzen für die ganze Familie und damit für den Erhalt der jeweiligen Art entschieden haben.
Bei uns Menschen ist bei der Partnersuche der Freundeskreis die wahrscheinlichste Möglichkeit, eine Partnerin oder einen Partner zu finden. Heute folgt gleich danach das Internet.
Vögel finden meist dort zueinander, wo die ihnen bekannten Lieder von Artgenossen erklingen. In diesen Gefilden klingt es für die Vögel nach Heimat: Dort, wo sie es geschafft haben, selbst erwachsen zu werden, sollten die Bedingungen auch für ihren Nachwuchs stimmen. Für die Vögel ist die Verortung von Heimat unstrittig: Sie ist und bleibt der Geburtsort. Dorthin kehren Zugvögel nach jeder Flugreise zurück, und die sesshaften Standvögel verlassen ihre Heimat gar nicht erst, sie streifen bestenfalls herum.

Monogamie und Arterhalt
Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war in der Wissenschaft die Auffassung verbreitet, dass 90 Prozent aller Vogelarten in einer festen und völlig eindeutigen, also monogamen Paarbeziehung lebten. Die Zeiten und das Wissen sind aber fortgeschritten. Heute erlaubt die Genanalyse von Jungvögeln eindeutig die Zuordnung, wer Vater und Mutter der Vogelküken im Nest ist. Ob alle Eier in einem Nest vom selben Vater befruchtet wurden, oder ob es etwa Seitensprünge des Weibchens gegeben hat, darüber geben inzwischen akribische DNA-Analysen eindeutige Auskunft. Die Vaterschaftsanalysen im Vogelnest haben völlig neue Einsichten in das Intimleben der Vögel ermöglicht. Inzwischen wurden weiter über 150 Vogelarten vom menschlichen Forschergeist ausspioniert. Und bei mehreren Arten zeigt sich: Die Monogamie der meisten untersuchten Arten ist keine sexuelle Monogamie. Sie ist eine soziale Monogamie, um die erfolgreiche Aufzucht und die genetische Breite zum Erhalt der Art zu gewährleisten.

Verschiedene Strategien
Der gemeine Spatz oder Haus-sperling (Passer domesticus) ist der häuslichste unter allen unseren heimischen, freilebenden Vögeln. Er ist ein Kulturfolger des Menschen. Wir leben mit dem Spatz Tür an Tür – und das seit mindestens 10.000 Jahren. Fossilienfunde in einer Höhle bei Bethlehem lassen darauf schließen, dass selbst die Vorfahren unserer Spatzen sich schon in der Altsteinzeit den Vormenschen, damals noch Jäger und Sammler, angeschlossen haben. Spatzen halten viel von einer Beziehung mit einer festen Partnerin, auch wenn ihre Lebenserwartung mit durchschnittlich drei Jahren knapp bemessen ist. Diese Monogamie überrascht einigermaßen, weil Spatzen meist mehr oder weniger truppweise und nicht paarweise in Erscheinung treten.
Bei den Rauchschwalben (Hirundo rustica) ist die Gleichberechtigung schon lange vollzogen: Beide Geschlechter sind völlig gleich gefärbt und es singen auch die Weibchen gleich gut und kräftig und ausdauernd wie die Männchen. Auch bei der Bebrütung und Brutpflege gibt es eine Halbe-halbe-Lösung. Schwalben sind Zugvögel und die Wahl eines Partners stellt sich den Schwalbenweibchen jedes Jahr nach der Rückkehr in das Brutgebiet. Weil die Männchen und Weibchen gleich gut singen und zudem noch völlig gleich prächtig gefärbt sind, können die Gesangsqualität und das prächtige Federkleid nicht die Auswahlkriterien für den Brutpartner sein. In einer breit angelegten Studie auf Bauernhöfen in Oberitalien konnten Ornithologen nachweisen, dass es der Schwanz ist, der den Ausschlag gibt zu Auswahl des Partners: Die Schwalbenmännchen mit den längsten äußeren Schwanzfedern, den Schwanzspießen, werden von den Weibchen bevorzugt. Wie Blutproben und Untersuchungen auf Zecken und Milben ergeben haben, haben die Männchen mit den längsten Schwanzfedern das beste Immunsystem und damit die stärksten Abwehrkräfte.
Bei den Kohlmeisen (Parus major) gibt es einen engen Zusammenhalt der Paare. Als Höhlenbrüter schlafen sie in getrennten Gemächern, aber das Männchen erweist sich als Kavalier und holt am frühen Morgen das Weibchen von dessen Schlafhöhle ab. Warum tut es das? Einerseits strebt es selbst Kopulationen an, die bevorzugt in den frühen Morgenstunden stattfinden. Andererseits versucht es durch sein frühzeitiges Erscheinen, Fremdkopulationen zu unterbinden. Diese enge Betreuung setzt sich mit dem „Balzfüttern“ über viele Tage fort.

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