Esther Stocker - Atlas im Bergfried
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- Redakteur: Peter Tscholl
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Die Laatscher Künstlerin Esther Stocker zählt zweifellos zu den erfolgreichsten Kunstschaffenden Südtirols. Ihre Werke werden weltweit ausgestellt und gehandelt. Auch in Südtirol ist ihre Präsenz deutlich wahrnehmbar. Nach Stationen in Bozen und Bruneck sowie einer Ausstellung auf Schloss Kastelbell im Jahr 2014 widmet ihr jetzt das Landesmuseum für Kultur- und Landesgeschichte Schloss Tirol ebenfalls eine Einzelausstellung. Unter dem Titel “Esther Stocker Atlas” ist die Schau vom 18. April bis zum 8. November 2026 im Bergfried zu sehen.
Esther Stocker wurde 1974 in Schlanders geboren und wuchs in Laatsch bei Mals auf. Nach dem Besuch der Volksschule in
Laatsch und der Mittelschule in Mals absolvierte sie die Matura an der Lehrerbildungsanstalt (LBA) in Meran. Dann ging sie an die Akademie der bildenden Künste nach Wien und studierte dort Malerei. „Sie hat schon immer gerne gezeichnet. Ihr Vater Lucius hat auch gerne gemalt. Wahrscheinlich hat sie dieses Talent von ihm geerbt“, so ihre Mutter Klara. Es folgten Studienaufenthalte am Art Center College of Design in Pasadena (Kalifornien) sowie in Chicago (Illinois). Heute lebt und arbeitet die Künstlerin in Wien.
Lange Zeit widmete sich Esther Stocker der abstrakten Malerei, bevor sie zu Wandarbeiten und Rauminstallationen überging. Bei ihren Reflexionen geht die Künstlerin konsequent von zwei Grundelementen aus: den Farben Schwarz und Weiß sowie dem geometrischen Motiv des Rasters – einem auf der Fläche verteilten, regelmäßigen Muster. “Eigentlich mag ich Farbe sehr. Es ist halt so, die Verwendung von Farben ist in geometrischen Kontexten nicht notwendig. Mit Licht und Schatten kann man auch sehr viel ausdrücken”, sagt sie. Sie gestaltet bewußt minimalistisch und reduziert. Charakteristisch sind Stockers „Knitterskulpturen“ für raumfüllende Konzepte. Hierbei versieht sie flaches Ausgangsmaterial mit Rasterstrukturen, die sie anschließend durch Zerknittern verzerrt und deformiert. Die Objekte verändern ihre Gestalt, bleiben in ihrem Kern jedoch konstant. Bekanntes kann neu betrachtet werden. Dem Betrachter präsentiert sich eine abstrakte Skulptur, die auf wissenschaftlichen Grundlagen basiert, aber dennoch vielfältige philosophische Reflexionen ermöglicht. Man kann hier von einer paradoxen Traumwelt sprechen, die auf einem rationalen System beruht, gleichzeitig aber auch Fantasie und Imagination zuläßt.
In der Ausstellung auf Schloss Tirol präsentiert Esther Stocker im Bergfried neben weiteren Arbeiten die eigens dafür konzipierte lebensgroße Installation „Atlas“. In der griechischen Mythologie ist Atlas der Titan, der den Göttern des Olymps ihre Macht streitig machte und zur Strafe von Zeus dazu verurteilt wurde, auf ewig das Himmelsgewölbe auf seinen Schultern zu tragen. Auch der Bergfried-”Atlas” ist mit einem Raster überzogen. In Stockers raumbezogenen Arbeiten hat das immer hervorragend funktioniert, flache Geometrie in begehbare Raumgebilde zu verwandeln. Funktioniert das jetzt auch mit dem Körper und figurativen Darstellungen? Können Mythen rational erschlossen und in eine kommunizierbare und menschlich erfahrbare Gestalt gebracht werden?
Bei der Ausstellungseröffnung am 17. April im Rittersaal auf Schloss Tirol warf Kurator Heinrich Schwazer die Frage auf, welche Bedeutung Atlas für Esther Stocker habe. Seine Analyse: „Mit der experimentierenden Hinwendung zum Mythos nimmt Stocker die Position einer Zurückblickenden ein, geprägt vom Wissen um die Krisen der Gegenwart und der Verantwortung für die Zukunft. Der Logos ist die Methode, der Mythos die Form. Atlas markiert einen weiteren Schritt in Esther Stockers Entwicklung hin zu einer existenziellen Geometrie.“
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