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Kultur

Der Maler Erwin Dariz: Original - Kopie vom Original

von Peter Tscholl
veröfftl. am 22. Juli 2026

Erwin Dariz vor dem Original und der Kopie von “Der Kuss” von Gustav Klimt (1989)

Der Maler Erwin Dariz, geboren 1957 in Brixen, Ausbildung in Gröden und Florenz, beschäftigt sich seit 1980 mit Techniken alter Meister und mit Portraits. Da es zu diesem Thema wenig Klarheit und viel Unwissenheit gibt, “sogar in Fachkreisen”, war er immer bemüht seine Werke offen zu deklarieren. Dariz hatte das Glück, sich mit bedeutenden Malern der Kunstgeschichte in verschiedenen Museen auseinanderzusetzen. In seiner Studienzeit in Florenz konnte er in den Uffizien fast täglich Originale aus 800 Jahren Malerei studieren. Dazu sagt er: “Es war immer eine starke Emotion zu wissen, dass an einem Werk dieser oder jener Maler direkt zu erleben war. Bilder sind für mich stumme Meister, die ohne Worte alle zeigen.”

Diese Neugierde führte Erwin Dariz in Studienreisen von St. Petersburg bis Madrid zu den großen Museen. In einigen hat er dann als Kopist gearbeitet. “Die Genehmigung zum Kopieren am Original wurde vom Museum erteilt und erfolgte unter bestimmten Auflagen. Dafür gibt es keine international gültigen Regeln. Sie werden vom Museum je nach Werk und Raum vorgegeben und die Kopien werden dann immer im Archiv dokumentiert”, erzählt Dariz. An einem Original zu stehen und sich über Stunden und Monate damit zu befassen, war für ihn ein großes Glück in seinem Leben, sagt er. Die Originale waren oft noch ohne Sicherheitsverglasung und mit Tageslicht zu sehen, was für ihn als Kopisten von Vorteil war. In langwährenden Recherchen tauchte er tief in das Werk und in die Lebenswelt des Künstlers ein und untersuchte Aufbau sowie Materialität der Kunstwerke bis ins kleinste Detail. Die Arbeitsweise von Erwin Dariz zeichnet sich durch einen großen Respekt gegenüber dem Original aus.

Belvedere Wien und Musèe du Louvre Paris

In Wien Belvedere durfte Erwin Dariz zwei Bilder von Gustav Klimt kopieren: “Der Kuss”, eines der wohl bedeutendsten Werke von Gustav Klimt und “Wasserschlangen II”. Dazu sagt er: “Der Kuss war für mich ein sehr gewagtes Unternehmen, einerseits wegen der Größe des Bildes und der Technik, andererseits auch wegen des großen Besucherandranges. An diesen zwei Kopien arbeitete ich ein Jahr, da ich auch deren Rahmen originalgetreu ausführte. Das Museum erlaubte mir sogar außerhalb der Besucherzeiten am Original zu arbeiten, was ich als einen großen Beweis an Vertrauen zu schätzen wusste, da die Originale einen immensen Wert darstellen.” Nach Wien erhielt Dariz über die italienische Botschaft in Paris die Genehmigung im Musèe du Louvre zu arbeiten. Hier waren es drei Werke, die für ihn von Interesse waren: ein Gemälde von Leonardo da Vinci (nicht die Mona Lisa), ein Vermeer und ein Rembrandt. Dariz hatte schon Jahre zuvor in Innsbruck/Ferdinandeum Rembrandt kopiert. Im Louvre war es ein Selbstportrait.

Erwin Dariz arbeitete als Kopist auch in München Freising (spätgotische Madonna), sowie im Alpenvereinsmuseum von Innsbruck (E.T. Compton). Er kopierte unter anderen auch “Das Mittagessen” des Tiroler Malers Egger-Lienz oder auch Stolz (Portrait).

Das Portrait – Landschaft einer Seele

“Das Portrait ist ein Teil meiner Tätigkeiten, wie das Kopieren und Restaurieren von Gemälden”, sagt Erwin Dariz. Das Porträtieren begann in seiner Studienzeit in Florenz, wo er Anfragen für Portraits erhielt, aber damals noch wenig Interesse dafür zeigte. Als er dann die Malerei zu seinem Beruf machte, wurde das Portrait zu einem wichtigen Teil seiner Arbeit. “Die Aufträge für Kinderportraits kamen von Privaten, meist Mütter oder Großeltern. Da ich damit vielen eine Freunde machen konnte, die teils über Generationen erhalten blieb, ist das für mich heute noch eine Genugtuung meiner Arbeit”, sagt er. Andererseits wollte Dariz auch in Gesichtszügen von Menschen lesen, die er sehr schätzt. So zum Beispiel Mutter Theresa von Kalkutta, Sylvius Magnago, Yves Saint Laurent oder Frida Kahlo. 2025 porträtierte Dariz die aktuelle Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen für die Menschenrechtslage, Francesca Albanese. “Bei der Arbeit fallen manchmal Gedanken, die ich dann direkt auf das Bild niederschreibe. Ich liebe diese stille Spuren, die durch die Persönlichkeit führen”, sagt er.

Erwin Dariz wohnt und arbeitet seit 2017 in Taufers im Münstertal, in einem geschichtsträchtigen Haus, da dieses von Jakob Tischler in den 30er Jahren für seine Familie gebaut wurde. Jakob war der Vater von Peppi Tischler, der mit seinen Karikaturen den typischen Südtiroler gezeichnet hat.

Bei der Arbeit an der Kopie der Aiguille d’ Argentiere von E.T. Compton

Bei der Arbeit an der Kopie der Aiguille d’ Argentiere von E.T. Compton

Kinderportrait Livia

Kinderportrait Livia

Portrait von Francesca Albanese, UNO Sonderbeauftragte für Palestina (2025)

Portrait von Francesca Albanese, UNO Sonderbeauftragte für Palestina (2025)

Portrait von Josef Pius Gritsch

Portrait von Josef Pius Gritsch

Selbstportrait von Erwin Dariz

Selbstportrait von Erwin Dariz