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Natur&Landschaft

Klostergärten - Heilkräuter als Volksmedizin

von Wolfgang Platter am Tag des Hlg. Ulrich, 4. Juli 2026
veröfftl. am 08. Juli 2026

Pater Urs beim Jähten im terrassierten Garten von Kloster Marienberg; © Kloster Marienberg - Wolfgang Platter

Klöster sind seit jeher Orte des Wissens. Wissen wird in Büchern aufgeschrieben und konserviert. Zu Klöstern gehören von Anfang an Bücher und Bibliotheken. Deshalb verwahren Klöster mit ihren Büchern auch Schätze des Wissens und der Erfahrung. Das Wissen im medizinischen Bereich bezog sich im Altertum und im Mittelalter ganz wesentlich auf die Kenntnis von Heilkräutern und deren Wirkungsweisen. Klostergärten waren und sind deshalb auch Orte, in denen der Anbau und die Verwendung von Heilkräutern Tradition haben.

Die Gärten der Benediktiner-Klöster
Zu den maßgeblichen historischen Dokumenten, welche den Heilpflanzenanbau in den Klöstern der Benediktinerinnen und Benediktiner prägten, gehören der St. Galler-Klosterplan von 820 n. Chr. und das Gedicht „Hortulus“ von Walahfrid Strabo (um 840).
Der St. Galler-Klosterplan enthielt die folgenden 16 Heilpflanzen: Lilie, Rose, Salbei, Raute, Minze, Fenchel, Liebstöckl, Beifuß, Kerbel, noch einmal Salbei, Koriander, Dill, Schnittlauch, Quendel, Bohnenkraut und Polei-Minze.
Im „Hortulus“ von Walahfrid Strabo werden 24 Heilpflanzen aufgezählt. Diese wurden traditionell für die mittelalterliche Klostermedizin genutzt.

Die Landgutverordnung von Karl dem Großen
Unter Historikern ein Begriff ist die Landgutverordnung des Frankenkaisers Karl des Großen. Sie ist aus dem späten 8. oder frühen 9. Jahrhundert aufgeschrieben. Als Handschrift „Capitulare de villis vel curtis“ ist sie eine Dienstanweisung für die Betriebsführung der Königsgüter auf den reisenden Höfen (Pfalzen). Den Hintergrund bildete vielleicht eine Hungersnot in den Jahren 792/93. Beschrieben werden die Aufgaben der Verwalter sowie die Geräte, Tiere und Pflanzen, die auf den Gutshöfen gebraucht werden. Das rund 70 Kapitel umfassende Dokument sollte die Eigenversorgung sicherstellen und die landwirtschaftliche Produktion im Frankenreich optimieren. Das Kapitel 70 enthält verbindliche Aweisungen, welche Gewächse in den königlichen Gütern anzubauen waren. Die Liste enthält 73 Nutzpflanzen, sowie 16 verschiedene Arten von Obstbäumen und 23 Heilkräuter. Diese Gewächse sollten in allen kaiserlichen Landgütern und Königshöfen angepflanzt werden, um die Ernährung, die medizinische Grundversorgung und den Handel zu sichern. Bei den Obstbäumen wurden Kern- und Steinobst angeführt, aber auch Nüsse, Exoten und weitere Gewächse. Ein paar Beispiele: Apfel, Birne, Pflaume, Kirsche, Pfirsich, Walnuss, Haselnuss, Mandel, Edelkastanie, Feige, Quitte, Maulbeerbaum, Speierling, Mispel, Lorbeerbaum, Pinie.
Bei den Kräutern und Nutzpflanzen wurde unterteilt in Gemüse und Hülsenfrüchte, Küchen- und Heilkräuter, Blumen und Duftpflanzen, Färber- und Faserpflanzen. Beispiele für Gemüse und Hülsenfrüchte: Kürbis, Gurke, Melone, Salat, Mangold, Sellerie, Lauch, Zwiebel, Knoblauch, Kichererbse, Bohne. Zwei Beispiele für Färber- und Faserpflanzen sind Färberwaid (Isatis tinctoria) und Bockshornklee (Trigonella foenum graecum).

Der Garten von Kloster Marienberg
Der Garten von Kloster Marienberg ist terrassiert an der Außenseite der Klostermauern gegen die Morgensonne angelegt. Der derzeitige Gärtner im Kloster Marienberg ist P. Urs Stadelmann. Ich habe P. Urs in den letzten Juni-Tagen besucht und dabei u.a eine neue und interessante Methode des Anbaues von Speisekartoffeln im Garten kennengelernt. Pater Urs pflanzt die Kartoffeln nicht in Furchen und häufelt auch nicht. Er gräbt für jede einzelne Kartoffel ein einzelnes Loch von ca. 30 Zentimetern Tiefe, schüttet nach dem Aushub einen Kübel Wasser in das Pflanzloch, legt die Kartoffel ein, verfüllt das Loch plan mit Erdreich und rechnet den Gartenboden flach an. P. Urs sagt, er könne von seinem Fenster im Kloster, gleichsam aus der „Vogelperspektive“ die Bodenfeuchte auch nach Wochen ohne Bewässerung noch als runden Kreis im Erdreich erkennen. Er müsse nicht bewässern und er ernte im Herbst große und gesunde Kartoffeln. Dass Kartoffeln ja aus der Pflanzknolle wachsen und Reservestoffe mitbringen, auch auf trockenen Böden fruchten, ist an sich bekannt. Aber dass der Einsatz von Gießwasser auf einen Kübel beschränkt werden kann, war mir neu. Die Genügsamkeit an Wasser mag wohl auch mit der sandig-tonigen Konsistenz des Bodens im Marienberger Terrassengarten, seiner Körnung und Kapillarität zusammenhängen.

Kamille

Kamille

Johanniskraut

Johanniskraut

Schwarze Königskerze

Schwarze Königskerze

Purpur-Sonnenhut

Purpur-Sonnenhut

Krautkohl

Krautkohl

Mischkultur aus verschiedenen Salaten

Mischkultur aus verschiedenen Salaten

Frauenmantel

Frauenmantel

Färberdistel als Färberpflanze

Färberdistel als Färberpflanze

Lein als Faserpflanze

Lein als Faserpflanze