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Kultur

Dunkle Szenen liebevoll ausgeführt im Bunker 23

von Peter Tscholl
veröfftl. am 27. Mai 2026

Portrait Philip Silvestro Geier (Foto Othmar Prenner)

Nicht alle Wege führen nach Rom. Manche führen auch nach Tartsch. Oder zumindest machen sie dort einen Halt. Sechs Monate lang war der Bunker 23 in Tartsch das temporäre Atelier des Künstlers Philip Silvestro Geier. Schon bei meinem ersten Besuch war ich fasziniert von seinen Bildern, kindlich auf der einen Seite, düster und körperlich auf der anderen. Und wie von selbst stellten sich Fragen: Was führt so einen jungen Künstler nach Tartsch? Wie kann ein Betonbunker einen Maler inspirieren, Kreativität fördern und Visionen vermitteln? Wer ist er und was steckt hinter seiner Malerei? Ein weiterer Besuch folgte, um besser zu verstehen, was er da oben eigentlich macht.

Leben und Werdegang

Philip Silvestro Geier ist in einer Künstlerfamilie aufgewachsen, in der Musik, Literatur und Malerei immer noch allgegenwärtig sind. Im Alter von 11 Jahren ist die Familie von Leifers nach Hamburg gezogen. Nach drei Jahren ist sie wieder zurück nach Südtirol, nach Neumarkt, dem Geburtsort des Vaters. Philip besuchte das Kunstlyzeum in Bozen. Nach der Matura hat er sich in mehreren Jobs versucht, die Malerei war dabei aber stets sein Begleiter. Als Atelier musste alles herhalten, was vier Wände und ein Dach zu bieten hatte. Ein erster Durchbruch kam durch die Teilnahme an der Ausstellung “+/-FOLK” im Sommer 2025 im Bunker 23 in Tartsch. Dort trifft er den Bunkerbesitzer und Bildhauer Othmar Prenner. Dieser erkannte das Potential des jungen Malers, nahm sich seiner an, und bot ihm die Möglichkeit im Herbst 2025 und Winter 2026 die Bunkerräumlichkeiten als zeitweiliges Atelier zu nutzen. Silvestro Geier wird auch heuer im Bunker 23 an der Sommerausstellung “Das Hotel – Der Traum vom Paradies” teilnehmen, die vom 7. Juni bis 25. Oktober zugänglich sein wird.

Dem jungen Künstler wird von so einigen Kollegen eine große Zukunft prophezeit. Angesprochen auf seine Zukunftspläne, Wünsche und Ängste antwortet er: “Das Einzige, was ich sagen kann, ist, dass es mit dem Malen weitergeht. Konkrete Pläne habe ich keine, und auch wohin es geht, weiß ich nicht. Ängste gibt es genug. Aber da hilft mir die Kunst, mich zu beruhigen. Manche Wege geht man eben ohne Karte und ohne Kompass. Sicherlich steht eine spannende Zeit bevor.”

Der Bunker 23 als Arbeitsort

Der Bunker 23 ist für Philip Silvestro Geier der ideale Arbeitsort, sagt er. “Hier brauche ich mich nur mit der Kunst beschäftigen. Ich kann intensiv arbeiten ohne abgelenkt zu werden. Man ist im Bunker von der Außenwelt praktisch abgeschottet. Man merkt nicht, was draußen vor sich geht.” Auf die Frage, wie es ihm im Vinschgau gefällt, antwortet er: “Ich bin ehrlich gesagt sehr beeindruckt. Mir gefällt der Vinschgau. Das weite Tal mit seinen verstreuten Dörfern hier und dort, und die beeindruckenden Berge. Beeindruckend und inspirierend! Ja, der Vinschgau hat Charakter und ich glaube, das hat sicherlich auch zum Wesen der Vinschger beigetragen.”

Sein Künstlerisches Gestalten

Als ich den Bunker 23 betrat, malte Philip gerade an einer Schwimmbadszene. Im Hintergrund war angenehme Musik von Leonard Cohen zu hören. Mein Blick blieb an der großformatigen Leinwand hängen, an der Philip gerade malte. “Bilder erzählen Geschichten. Auch wenn es lediglich eine Momentaufnahme einer Geschichte ist”, sagt er zu mir. Sein Blick wandert wieder zur Schwimmbadszene, die gerade auf der Leinwand am Entstehen ist. “Ob es die Nostalgie nach Sommer ist?”, fragt er sich lächelnd und gibt gleich selbst eine Antwort darauf, wie so ein Bild entsteht: “In diesem Falle war eine Idee der Ausgangspunkt, andere Male kommt die Idee erst nach den ersten Strichen. Und wieder andere Male entwickelt sich das Bild ganz von alleine in eine Richtung, die mit der Anfangsidee nur mehr wenig gemeinsam hat. Eine gewisse Eigendynamik gehört immer dazu. Der Zufall ist in gewisser Weise Co-Autor”. Auf meine Frage, was ihm in seiner Malerei wichtig bzw. wesentlich sei, antwortet er: “Der Aufbau und die Komposition sind mir sehr wichtig. Was mir auch wesentlich erscheint, ist der starke Kontrast dunkler Figuren auf hellem Hintergrund.”

Im Bunker waren noch weitere Bilder zu sehen. Auch unfertige Arbeiten hingen an der Wand. Ausgangspunkt seiner Malereien scheinen stets blaue Skizzen zu sein. Dazu sagt er: “Ich starte immer mit einer blauen Skizze. Ich kann es zwar nicht erklären, woher das genau kommt, aber es ist schon so, dass jede Farbe bei mir eine gewisse Bedeutung hat, und gewisse Farben wichtiger sind als andere. Auf der Skizze zeichne ich zuerst mit Holzkohle die dunklen Schatten und gehe dann mit einer ganz flüssigen Acrylfarbe darüber. Ich mische die Acrylfarbe direkt mit der Holzkohle auf der Leinwand. Dabei entstehen dann diese besonderen Texturen, die dem Bild eine gewisse greifbare Tiefe geben.”
Philip Silvestro Geier malt nicht nach den üblichen Regeln der Malerei. “Manche Sachen sind schon drin. Aber ich denke, wichtig ist nicht, ob man richtig oder falsch malt, sondern, ob das Bild beim Betrachter etwas auslöst und mit ihm in einen Dialog kommt. Es soll Charakter haben und aussagekräftig sein”, sagt er. Auch Perfektion hat für den jungen Künstler nicht den Stellenwert, den sie vielleicht bei anderen Künstlern hat. “Perfektion wird überbewertet und spielt in einem Kunstwerk keine funktionelle Rolle. Man kann ein Werk auch zu Tode perfektionieren, wodurch es am Ende starr und leblos wirkt.” Ich sprach ihn auf seine dunklen Bilder, mit den eigenartigen Gestalten an. Ich sagte zu ihm, dass der eine oder andere darin etwas Depressives sehen könnte. Er überlegte kurz, dann antwortete er: “Ich sage, man sollte da zweimal hinschauen. Heutzutage ist alles überstark mit den Farben, Werbeplakate zum Beispiel haben alle möglichen Farben. Ich glaube, man muss da wirklich besser hinschauen, was da los ist. Es gibt bei mir sicherlich Szenen, die dramatisch sind und auch eine gewisse Schwere haben. Es gibt aber auch fröhliche Szenen bei meinen Bildern. Für mich funktioniert einfach, was authentisch ist und Seele hat.”

Künstler, die ihm als Vorbilder gelten, hat Philip Silvestro Geier eigentlich keine. Er sagt: “Es sind eher Inspirationen, die von manchen Leuten kommen. Vorbilder habe ich mehr in der Musik als in der Kunst. Mich inspiriert beispielsweise die Musik des Ludwig Hirsch. Wunderschöne, ruhige Melodien zu schrecklichen Geschichten. Ich sehe das oft auch in meinen Bildern, so dunkle Szenen, aber doch liebevoll ausgeführt.”

Am Ende unseres Gesprächs verließ ich gedankenverloren den Bunker und machte mich auf den Heimweg. Und plötzlich fiel mir wieder die grundlegenste aller Fragen ein: Was macht er eigentlich da oben? Jetzt glaubte ich es besser zu verstehen. Er erzählt Geschichten. Mit Pinsel auf Leinwand.

Philip Silvestro Geier arbeitet an der Schwimmbadszene

Philip Silvestro Geier arbeitet an der Schwimmbadszene

Philip Silvestro Geier arbeitet an der Schwimmbadszene

Philip Silvestro Geier arbeitet an der Schwimmbadszene

Am Boden liegend der Boxer und an der Wand “ohne Titel”

Am Boden liegend der Boxer und an der Wand “ohne Titel”

Die (hier im Bild noch unfertige) Tischszene, die bei der bevorstehenden Sommerausstellung im Bunker 23 zu sehen sein wird;

Die (hier im Bild noch unfertige) Tischszene, die bei der bevorstehenden Sommerausstellung im Bunker 23 zu sehen sein wird;