„Brücke zwischen Kulturen und Bergen“
Vanessa Cahuana, in Peru geboren und in Laas zuhause, unterrichtet unter anderem am Dienstagabend in der Laaser Mittelschule Spanisch
Vanessa wurde 1984 in Abancay, Peru, geboren. Die ersten 16 Jahre lebte sie in ihrer Heimatstadt und besuchte dort die Klosterschule der Dominikanerinnen „Santa Rosa“. In der reinen Mädchenschule lernte sie viele wesentliche Werte und Tugenden für das Leben. Sie erzählt von schönen täglichen Ritualen und stärkenden Mädchenfreundschaften die bis heute anhalten. Um Wissenschaft zu studieren zog sie in eine größere Stadt. Dort lernte sie ihren Mann, der aus dem Vinschgau stammt, kennen. Sie heirateten und lebten eine Zeit lang in Peru. Schließlich entschieden sie sich in den Vinschgau zu ziehen. Obwohl ihr Mann aus Laas stammt, ging die Initiative für diesen großen Schritt von Vanessa aus. Sie ist sehr glücklich, dass sie diese Herausforderung anging. Die kleinen Dörfer im Vinschgau vermitteln eine grundlegende Sicherheit für Familien. Sie bieten den Kindern und den Eltern viele Freizeit- und Weiterbildungsmöglichkeiten, ein breit gefächertes Bildungssystem. Hier können die Kinder im Freien spielen, in Vereinen und Gemeinschaften mitwirken und mitwachsen. Vanessa und ihr Mann haben zwei Kinder, beide besuchen die Schule und sind mehrsprachig aufgewachsen. Vanessa hätte verschiedene Arbeiten machen können, aber die Vereinbarkeit von Familie und Beruf war ihr wichtig. Sie suchte eine gute Balance zwischen Arbeit und Familie und entschied sich für eine Ausbildung zur Tagesmutter. So konnte sie zu Hause bei ihren Kindern sein und gleichzeitig als Tagesmutter arbeiten. „Das war eine schöne Zeit, in der ich mit vielen Kindern schöne emotionale Erlebnisse erlebte und viel Spaß hatte.“ lächelt Vanessa.
Sie begegnete in Südtirol vielen Menschen die ihr auf ihrem Weg weiterhalfen, dafür ist sie sehr dankbar. Heute arbeitet sie für die GWR Spondinig (Genossenschaft für Weiterbildung und Regionalentwicklung). Um ihre spanische Muttersprache unterrichten zu können, machte sie in Spanien, Salamanca, eine entsprechende Ausbildung. Vanessa bietet abends Kurse für Menschen an, die aus beruflichen Gründen, für Reisen usw. Spanisch lernen möchten. Spanisch ist für Vanessa ein Stück Heimat. Sie genießt es Spanisch zu sprechen und unterrichtet mit viel Freude. Sie sieht den Unterricht als einen Ort der Begegnung. „Ich glaube, Grammatik ist zwar das Fundament, aber der Mut, aus dem Herzen zu sprechen, ist das, was die Brücke baut.“ In ihren Kursen entstehen Verbindungen die wichtiger sind als Vokabeln. Sie vermittelt ihre Kultur mit viel Herzlichkeit und sieht die Sprachkurse als Treffpunk um sich auszutauschen. Vanessa arbeitet auch als „Interkulturelle Mediatorin“ für die GRW (Genossenschaft für Regionalentwicklung und Weiterbildung) - SARNTAL und für das Projekt „MeWo“ - Mehr als Wohnen im Vinschgau. Der Bildungsausschuss stellt Vanessa im Josefshaus von Laas, einen Raum für ihre Arbeit als Mediatorin zur Verfügung. Durch das Erlernen der Sprache kann man sich leichter in die Gesellschaft, in die Arbeitswelt einbringen und selbstbewusster bewegen, meint Vanessa. Sie sieht ihre Aufgabe als eine kulturelle Integration. Gerne hilft sie Müttern, die Sprache besser zu verstehen, damit sie ihre Kinder aktiv in der Schule unterstützen können und die Sprache kein Hindernis für deren Erfolg ist. Vanessa bietet fachliche und emotionale Unterstützung, um Zugewanderten auf den Test für die langfristige Aufenthaltserlaubnis vorzubereiten und den legalen Aufenthalt zu sicheren. Sie begleitet Frauen bei der Jobsuche und bestärkt sie, ihren eigenen Lohn zu verdienen. Das bedeutet Freiheit und wahre Integration. Vanessa ist fest davon überzeugt, dass dies der Schlüssel zu einem erfüllten Leben ist. Ihre Botschaft ist, die Sprache und die Bräuche des neuen Zuhauses kennen zu lernen. Ein neues Zuhause ist auch eine Chance für einen selbst. Nach fast zwei Jahrzehnten in Italien ist sie der lebende Beweis, dass es möglich ist, die peruanische Identität zu bewahren und gleichzeitig das Land, das nun die eigene Heimat ist, liebevoll anzunehmen. In einer Welt, die manchmal gespalten erscheint, erinnert uns Vanessas Geschichte daran, dass Freundlichkeit, Bildung und Empathie die stärksten Bausteine für Brücken der Hoffnung sind und keine Entfernung zu groß ist, um zu wachsen und anderen zu helfen. Sie zeigt, dass wir mit viel Anstrengung, viel erreichen können. Ihre Träume gingen mit viel Fleiß und Mühe in Erfüllung. Sie schätzt sich glücklich, Frau und Mutter von zwei wunderbaren Kindern zu sein. Des Weiteren schätzt sie es sehr, Dank der heutigen Kommunikationsmittel jederzeit mit ihrer Familie in Verbindung treten zu können. So hat sie trotz der Entfernung, selten Heimweh. Vanessa Cahuana ist sehr dankbar, in Laas, im Vinschgau ein schönes und gemütliches Zuhause gefunden zu haben.