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Vom Wind gefunden

Zeit für Chronos, Kairos und Äon

veröfftl. am 15. April 2026

In der Bibel, im Buch Kohelet, Kapitel 3 heißt es: Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen gibt es eine bestimmte Zeit: eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Abernten, eine Zeit zum Töten und eine Zeit zum Heilen, eine Zeit zum Niederreißen und eine Zeit zum Bauen, eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz. Wir unterscheiden heute oft zwischen Arbeitszeit und Freizeit, wir kennen die Zeit der Kindheit, die Lehrjahre oder Ausbildungszeit und eine Zeit im Ruhestand. Auch die alten Griechen hatten bestimmte Vorstellungen von der Zeit. Sie kannten drei verschiedene Zeitbegriffe: Chronos, Kairos und Äon. Unter Chronos verstanden die Griechen die chronologische, die fortlaufende Zeit, die permanent vergeht. Chronos repräsentiert das quantitative Zeitempfinden. Zeit, die in gleichbleibendem Tempo verrinnt und somit messbar ist. Es sind die Stunden, Tage, Monate und Jahre. Kairos hingegen ist ein günstiger Zeitpunkt, eine gute Gelegenheit. Kairos gibt der Zeit eine besondere Wichtigkeit, es ist ein qualitatives Zeitempfinden. Man muss die Gelegenheit, die Gunst der Stunde am Schopf packen, denn der richtige Augenblick ist flüchtig. Kairos ist die Zeit der Ernte, der Genüsse, der Freuden, der Veränderung oder der Sünden. Etwas unklar ist der Begriff Äon oder Aion. Er bezeichnet ein Zeitalter, die kosmische Zeit oder die Ewigkeit. Es ist die unendliche Zeit. Es können Momente sein, die sich zeitlos anfühlen oder Gefühle, die nicht vergehen. (hzg)