„Wir sind eine Brücke der Worte“
Zwölf Frauen aus zehn verschiedenen Kulturen erhielten ihr Diplom als Kulturvermittlerin
Vorab erklärt: Kulturvermittlerinnen oder Interkulturelle Mediatorinnen übernehmen eine Brückenfunktion bei sprachlichen oder kulturellen Problemen vor allem in der Schule oder im Kindergarten. Zwölf Absolventinnen aus zehn verschiedenen Kulturen erhielten am vergangenen 7. März 2026 ihr Diplom zur Kulturvermittlerin in der Bezirksgemeinschaft Vinschgau.
In 80 Stunden wurde ein umfassendes Bild von Südtirol vermittelt. Den Auftakt machte Martha Stocker, „die mit einem mitreißenden Vortag über den den Vertrag von Saint-Germain, den 1. und 2. Weltkrieg, das 1. und 2. Autonomiestatut u.v.m. die Tür in die sechs Monate dauernde Ausbildung geöffnet hat“, sagte Barbara Wopfner, die zusammen mit Karmen Höllrigl die Hauptorganisation inne hatte. Das Gesundheit-, und Sozialwesen, der Bildungsweg, die verschiedenen Behörden, der Aufbau von Staat und Gemeinde, Hilfe für Frauen in Gewaltsituationen oder systemische Kommunikation - es war viel an Wissen, das vermittelt wurde. Die Wortmeldungen im Rahmen der Diplomfeier gaben einen Einblick: „Die Geschichte von Südtirol hat mich an unsere Geschichte im Kosovo erinnert“, sagte etwa Selvete aus dem Kosovo. Hasna aus Marokko: „Wir haben hier einen Ort, wo wir unversehrt leben können. Das Zusammenleben funktioniert, wenn wir die Regeln vom Ort, wo wir leben, respektieren.“ Und Zhor aus Marokko meinte: „Ich dachte ich bin in einem 5-Sterne-Hotel, als ich im Krankenhaus Schlanders mein Kind geboren habe.“ Barbara Wopfner sagte nicht ohne Stolz über dieses gelungene Projekt: „12 Frauen aus der ganzen Welt sind mit uns einen Weg gegangen. Aber nicht nur. Sie sind nicht nur zur interkulturellen Mediatorin gewachsen, sondern auch persönlich.“ Große Dankbarkeit lag deshalb bei der Diplomfeier in jedem Wort. Dankbarkeit, dass man durchgehalten und die Ausbildung zur Kulturvermittlerin geschafft hat und Dankbarkeit dafür, dass man die Möglichkeit dazu erhalten hat.
2012 fand die letzte Ausbildung zur Interkulturellen Mediatorin statt. Das Dreierteam in der Organisation waren neben Wopfner und Höllrigl, Silvia Valentino von der Sovi und Daniela Di Pilla vom Sprachenzentrum. Finanziert wurde der Kurs über das Projekt MeWo 2.0. (ap)