Projekt Weltethos
Es war die große Vision des Theologen Hans Küng (1928-2021), der 1990 die Idee in seinem Buch Projekt Weltethos wie folgt beschrieb: Ohne einen minimalen Grundkonsens ist weder in einer kleineren noch in einer größeren Gemeinschaft ein menschenwürdiges Zusammenleben möglich. Um die Weltethos-Idee umzusetzen, braucht es den Dialog der Religionen und Kulturen, besonders das Wissen um Gemeinsamkeiten im Ethos und eine kulturübergreifende Werteerziehung. Küng meinte: Diese eine Welt braucht ein Ethos, keine Einheitsreligion und Einheitsideologie, wohl aber einige verbindende und verbindliche Normen, Werte, Ideale und Ziele. Ein wichtiges Beispiel für die Gemeinsamkeiten wäre das Prinzip der Goldenen Regel: Was du nicht willst, das man dir tu’, das füg’ auch keinem anderen zu. 1993 trafen sich in Chicago Vertreter verschiedener Religionen zum Weltparlament der Religionen. Sie einigten sich in der Erklärung zum Weltethos auf die beiden Prinzipien „Menschlichkeit“ und „Gegenseitigkeit“ (Goldene Regel), sowie auf die vier Weisungen bzw. Leitsätze: Verpflichtung auf eine Kultur der Gewaltlosigkeit und der Ehrfurcht vor allem Leben, Verpflichtung auf eine Kultur der Solidarität und eine gerechte Wirtschaftsordnung, Verpflichtung auf eine Kultur der Toleranz und ein Leben in Wahrhaftigkeit, Verpflichtung auf eine Kultur der Gleichberechtigung und der Partnerschaft von Mann und Frau. 2018 wurde eine fünfte Weisung hinzugefügt: die Verpflichtung auf eine Kultur der Nachhaltigkeit und der Sorge für die Erde. (hzg)