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Glurns

Milchwirtschaft - ein fataler Kreislauf

von Magdalena Dietl Sapelza
Unter dem Motto „Terra Culta“ wurde anlässlich der Palabir Tage in Glurns ein Filmfestival gestartet, das sich mit dem Thema Landwirtschaft beschäftigte. Organisatoren waren David Frank und Moritz Gamper. Unterstützung kam von der Stadtgemeinde Glurns, der Ferienregion Reschensee von EOCLEO Cultural Live und von OK Palabir.
veröfftl. am 16. September 2026

Kurze Diskussionsrunde: v. l. Moderator David Frank, Regisseur des Films „Das System Milch“ Andreas Pichler, Direktorin des Südtiroler Sennereiverbandes Annemarie Kaser, Betriebsleiter der Hofkäserei Englhorn Alexander Agethle, Milchviehbauer und Lehrer Christian Peer

Beim Filmfestival drehte sich alles um Schafwollproduktion, Transhurmanz in Süditalien, um die Palabirne als Frucht, um das Portrait eines Viehmenschen. Es ging um Bäuerinnen und Bauern und um Milchproduktion. Der 90ig-minütige Film aus dem Jahre 2017 „Das System Milch“ von Andreas Pichler wirkte beklemmend und zeigte die schonungslose Vergewaltigung der Hochleistungskühe in industriellen Betrieben auf, in denen die Tiere nur Produktionsmaschinen sind. Es geht nur darum, den durch Werbung befeuerten Milchmarkt zu befriedigen und Profit zu machen. Das Schlimme an der Sache ist, dass der Milchpreis durch Großkonzerne immer mehr gedrückt wird, was kleine Landwirte an den Rand ihrer Existenz bringt. Der Milchpreis in Deutschland bewegt sich um 27 Cent pro Liter. Es gibt angetrieben vom Futterzukauf und der umweltschädliche Güllemengen einen Milch-Überschuss, der dann zu Milchpulver verarbeitet die Märkte in Afrika überschwemmt und auch den dortigen Milchbauern die Lebensexistent nimmt. Die Folge sind Fluchtbewegungen nach Europa, weil junge Menschen dort keine Perspektive mehr haben. Alles ist ein fataler Kreislauf, der das globale System irgendwann zum Kollabieren bringen könnte. Südtirols Milchhöfe können sich dank gut funktionierenden Genossenschaften, guter Qualität und nicht zuletzt durch das Image einer heilen Berglandwirtschaft bislang auf dem Markt behaupten. Die Milchauszahlungspreise sind hierzulande mit 60 bis 90 Cent pro Liter Milch weit über dem europäischen Durchschnitt. Doch wenn der Glanz der heilen Bergbauern-Milchproduktion verblasst, könnte es ein böses Erwachen geben. Deshalb gilt es, nicht alles der Geldgier zu opfern. Es geht um ehrliche Authentizität, damit Konsumentinnen und Konsumenten auch weiterhin bereit sind, Südtiroler Milch zu kaufen. Südtirol hätte eine große Chance im Biobereich. Wie es gelingt als klein strukturierter Milchviehbauer erfolgreich zu wirtschaften, beschreibt im Film Alexander Agetle aus Schleis. „Ich habe mich als Selbstvermarkter vom System abgekoppelt und einen neuen Weg eingeschlagen“, so Agethle. Er produziert Käse mit der Milch seiner Kühe. Es gehe ihm nicht um Mengenoptimierung und Profit, sondern um Tierwohl, Nachhaltigkeit und Achtung von Natur und Umwelt. Bei der anschließenden Podiumsdiskussion wurde auf die zufriedenstellende Situation in Südtirol hingewiesen. Es wurde auch angeregt, die Politiker mehr zu fordern und ihnen Zukunftsvisionen abzuverlangen. Eine Vision zum Überleben der Südtiroler Landwirtschaft könnte langfristig gesehen die Schaffung einer Bioregion Südtirol sein. Doch da braucht es mutige und weitblickende EntscheidungsträgerInnen.