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Vom Wind gefunden

Der Matilda-Effekt

veröfftl. am 28. Oktober 2026

Wer in der Wissenschaftsgeschichte nach großen Entdeckern sucht, findet fast ausschließlich die Namen von Männern. Dabei gab es auch viele Frauen, die Großes in der Forschung geleistet haben. Jedoch blieben sie oft im Schatten ihrer männlichen Kollegen. Der Matilda-Effekt beschreibt dieses Phänomen. Gemeint ist damit die systematische Unterschätzung oder Nichtanerkennung wissenschaftlicher Leistungen von Frauen. Benannt ist dieses Phänomen nach der US-amerikanischen Frauenrechtlerin und Soziologin Matilda Joslyn Gage, die schon 1870 auf dieses Phänomen aufmerksam gemacht hat. Als wohl berühmtestes Beispiel gilt Lise Meitner, die österreichische Physikerin, die eine Schlüsselrolle bei der Entdeckung der Kernspaltung spielte. Obwohl ihr Kollege Otto Hahn 1903 den Nobelpreis für diese Entdeckung erhielt, wurde Lise Meitners Beitrag lange Zeit völlig übersehen oder minimiert. Auch die britische Biochemikerin Rosalind Franklin musste ähnliches erleben. Für die Entdeckung der DNA-Doppelhelix wurden allein die Molekularbiologen Francis Crick und James Watson mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. Dabei waren es weder Watson noch Crick, die die Theorie zur DNA-Struktur bestätigten, sondern Franklin. Ein weiteres Beispiel ist die Mathematikerin und Informatikerin Margaret Hamilton, die am 30. September 2026 verstarb. Als Mitarbeiterin am Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelte Hamilton den Computercode, der die Mondlandung 1969 erst möglich machte. Der Forscherin aber blieb die Anerkennung dafür jahrzehntelang verwehrt. (hzg)