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Leserbriefe 8-2026

veröfftl. am 15. April 2026

Naturns und die Fürsorge seiner Bürger


Die Marktgemeinde Naturns ist (oder war) weitum als überaus fortschrittlicher Ort im Untervinschgau bekannt. Wohl auch deshalb wurden in den vergangenen Jahrzehnten, beinahe überall, auch in als Gefahrenzonen bekannten Ortsbereichen, ein Wohnblock nach dem anderen errichtet, sogar direkt neben der Schutzmauer des Martscheingrabens. Nunmehr ist eine Erweiterungszone im Ortsteil Kompatsch angedacht. Angeblich muss dafür, das nunmehr zum Sündenbock gewordene Luambachl mit Schutzbauten abgesichert werden. Es gibt allerdings seit Jahrhunderten weder mündliche oder schriftliche Überlieferungen, dass jemals ein Murenabgang Schäden angerichtet hat. Uns wenigen Anrainern wurde kürzlich bei einem Informationstreffen das Bauvorhaben von verantwortlichen Vertretern der Wildbachverbauung vorgestellt. Ein überdimensionales Projekt, mit Verbauungen einschließlich Rückhaltebecken, nur mit Hilfe von Helikoptereinsatz möglich, zu allem Überfluss muss eine etwa 20 m hohe gesunde Fichte gefällt werden, eine Schande in Anbetracht eines ohnehin kargen Schutzwald am Naturnser Sonnenberg. Ein unabhängiger Geologe würde für ein Gutachten dieses Projekt ablehnen, eine Säuberung des Flusslaufs wäre ausreichend, davon bin ich überzeugt. Wir leben in einem Gebirgsland und, wie auch der Landeshauptmann mehrmals erklärt hat, „die Natur ist stärker“. Zu glauben wir Menschen könnten 100%ige Sicherheit durch Schutzbauten erreichen, ist an Inkompetenz sowie Überheblichkeit kaum überbietbar. Uns Anrainern wurde in der Einladung zu dieser Aussprache erklärt, dieses Bauvorhaben würde den Wert unserer Immobilien steigern, und das hat in mir sofort Misstrauen geweckt. Näherliegend ist die Vermutung an Spekulationen, welcher Art auch immer und weniger die private Werterhöhung einiger Gebäude.
Ein weiteres Beispiel großer Fürsorge für uns Naturnser und die vielen Touristen, ist die vor sechs Jahren errichtete Brücke „Axamer Steg“ am Bahnhof Naturns. Mit dem lobenswerten Vorwand, als Entlastung der alten Brücke, für mehr Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer. Leider aber wurde die ohnehin nicht üppig bemessene Fläche mit zwei Hindernissen als Architektenästhetik, um etwa 40% reduziert. Linksseitig mit einem Blumenbeet, eingerahmt mit höchst gefährlichen Metallplatten, rechtsseitig mit einem hölzernen Sitzsockel, dessen Holzverkleidung erst kürzlich erneuert wurde, vermutlich aus Sorge um die Sicherheit(?). Zudem hat man die Verwaltung schriftlich, mit E-Mails und auch mehrmals mündlich über die Gefahr dieser Metallplatten gewarnt, man schaltet jedoch auf Stur und ignoriert die Warnungen, obwohl ein Sturz mit Aufprall auf diese Metallumrahmung tödlich sein kann. Sind demokratisch gewählte Mandatare nicht verpflichtet Gefahren von der Bevölkerung fern zu halten? Wem sind unsere Volksvertreter verpflichtet, Architektenspielereien oder den von ihnen gewählten Bürgerinnen und Bürger? Zudem, in der Mitte der Brücke ergeben diese zwei Hindernisse zwangsweise vier Engstellen mit 1,5 m Breite, sind mehrere Fußgänger unterwegs, eventuell eine Person mit Kinderwagen, Rollator oder Rollstuhl, wo bleibt da noch Platz für Radfahrer? Für mich ist der Bahnhof Naturns genau 2 km entfernt und das überbrücke ich als Rentner ohne Auto mit dem Fahrrad. Mir ist inzwischen mit reichlich viel Erfahrung bekannt, wie unangenehm ein Fahren mit dem Fahrrad über diese Brücke sein kann, ohne sich selbst und Fußgänger zu gefährden. Überdies, die Bahnstrecke ist inzwischen fertig elektrifiziert und die neuen, am Jahresende in Betrieb gehenden Zuggarnituren, verfügen eine Kapazität von über 300 Personen, die Brücke „Axamer Steg“ ist bereits mit etwa 10 bis 20 Personen überlastet. Ein gesundes Größenverhältnis oder Heilmittel gegen die zunehmende Politikverdrossenheit?

Walter Pöder, Naturns

 

Sonnenzeit


s12 3057Seit uralten Zeiten wusste der Hahn ohne das Schlagen der Kirchenuhr, wann Zeit zum Krähen war, in allen Kulturen richtete sich alles Leben rund um den Globus nach dem Lauf der Sonne. Und der Mensch gewann durch die Beobachtung von Licht und Schatten das Gefühl für die Zeit und entwickelte auf dieser Grundlage immer genauere Methoden der Zeitmessung. Der Stand der Sonne war das Maß für Jahreszeiten, Tage und Stunden. Und aus dem Bedürfnis nach genauer Zeitdarstellung entstanden weltweit in kunstvollen Varianten gestaltete Sonnenuhren, die vom unbestechlichen Ruf der Sonne künden. Die Kulturzeitschrift Arunda 25 „Die Spur der Sonne“ dokumentiert die beeindruckende Vielfalt an Sonnenuhren in Südtirol.
Nun aber, nach dem Eingreifen des Menschen mit der Einführung der sog. Sommerzeit, gehen all diese dem Universum verpflichteten Uhren „falsch“. Die biologische Uhr des Menschen wird gestört, die Kühe sollen auf Befehl eine Stunde früher Milch geben, der Hahn kennt sich überhaupt nimmer aus - welch eine Beleidigung der kosmischen Gesetze! Und das nennt sich „ora legale“ – welch arrogante „Legalität“!

Erich Daniel, Schlanders

 

Verkaufter Primizkelch

s14 primizMit Dank an Herrn Tappeiner für den Nachruf auf Vigil „Gilli“ Klammsteiner im Wind Nr. 7 vom 2. April 2026. Als ehemaliger Schüler vom Johanneum/Dorf Tirol und gläubiger Katholik möchte ich in diesem Zusammenhang eine Begebenheit erzählen, die mich regelrecht schockiert hat. Beim „Gilli“ ist nach seinem Tod einiges schiefgelaufen, nicht nur beim Partezettel. Der Priester Vigil Klammsteiner ist am Dienstag, den 17. Februar 2026 verstorben. Ich kannte ihn persönlich durch meine berufliche Tätigkeit, als er Pfarrer von Trafoi war. Schon circa ein Monat nach seinem Tod, am 21. März 2026, wurden auf einem öffentlichen Flohmarkt in Südtirol viele persönliche, ja sogar sehr persönliche Gegenstände von Vigil „Gilli“ Klammsteiner angeboten und auch verkauft. Der Verkäufer (aus Marokko) erkannte offensichtlich ihren materiellen und spirituellen Wert nicht. So wurde der Primizkelch von Vigil Klammsteiner unter anderem für ein paar lumpige Euro! verkauft. Der Kelch besteht aus massiven Silber, Gold und Emaille - handgefertigt damals vom Goldschmied Willi Wiemann/ Meran. Ein materieller Wert von mindestens 4000 € . Wie kann ein Primizkelch faktisch „im Müll“ landen? In meiner fast 35-jährigen Tätigkeit als Flohmarktler“ habe ich vieles gesehen und erlebt, aber so etwas ist für mich als religiösen Menschen sehr schwer zu verkraften.

Matthias Oberhofer, Schlanders

 

Beschämend...


Was sich vor kurzem ein Fußballtrainer einer Jugendmannschaft aus Prad an gemeinen Äußerungen gegenüber einem engagierten Schiedsrichter erlaubt hat, ist beschämend. Dass die Fairness im Sport einen hohen Stellenwert haben muss, scheint diesem Herrn unbekannt zu sein.

Siegmar Trojer, Schlanders

 

HAIKU – Gedicht

Iatz wo du bliahsch
du wildr Pfearschrbam,
guat merk is miar.

©Helga Maria Gorfer

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