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Leserbriefe

Leserbriefe 18-2026

veröfftl. am 02. September 2026

„Ein Appell für eine gemeinsame - Verkehrslösung im Oberen Vinschgau“

Leider hat die Gemeinde Glurns einen Weg eingeschlagen, welcher auf Kosten der Nachbargemeinde geht. Es kann und darf nicht sein, dass sich die Gemeinden im Oberen Vinschgau nicht auf eine Lösung einigen können, welche für alle Entlastung bringt. Wie kann es sein, dass im Unterland eine kostspielige Umfahrung mit Tunnel nach der anderen entsteht und wir im Vinschgau im Verkehr ersticken? Es wird Zeit dass unsere Politiker einen Weg suchen, welcher zur Entlastung aller führt. Eine Schließung eines Ortes ohne sich um die Folgen der Nachbarorte zu kümmern ist nicht der richtige Weg. Ich wohne am Anfang der Industriezone in Prad. Dieses Gebiet war und ist bereits durch ein hohes Verkehrsaufkommen unter der Woche gekennzeichnet. Jedoch bis heuer hatten wir wenigstens einigermaßen ruhige Wochenenden. Nun ist an Ruhe nicht mehr zu denken.
Leider habe ich wenig Einfluss auf die Entscheidungen unserer politischen Vertreter ersuche jedoch hiermit all jene welche etwas zu sagen haben, sich für alle verkehrsgeplagten Menschen einzusetzen.
Mein Protestmaßnahme wohl wissend, dass auch die Kaufleute nur Opfer ihres Bürgermeisters sind, ist dennoch die einzige welche ich aktiv tun kann. Ich werde erst dann wieder in Glurns konsumieren, wenn eine tragbare Lösung für Glurns u n d die Nachbargemeinden gefunden ist. Alle Bürgerinnen und Bürger aus den geplagten Nachbargemeinden rufe ich auf meinem Beispiel zu folgen. Denn nur die Glurnser können ihren Bürgermeister dazu bringen andere Lösungsmöglichkeiten zu beschreiten.

Borghi Manuela , Prad

 

Wenn die Sonne die Seele antreibt – heuer besonders.

Manie nimmt im Sommer zu – und zeigt, warum Psychopharmaka manchmal Schutz statt Bedrohung sind.
Glück kennt jeder. Auch Ärger, Wut und überschäumende Energie gehören zum Leben. Doch wenn jemand ohne ersichtlichen Grund eine Woche oder länger wie aufgedreht wirkt, kaum schläft, ständig lacht oder explodiert und für andere Gefühle kaum mehr erreichbar ist, kann mehr dahinterstecken: eine Manie.
Im Sommer treten manische Episoden häufiger auf – nachgewiesenermaßen auch, weil Licht und längere Tage den inneren Takt verändern. Betroffene sind dann oft überaktiv, ungewöhnlich selbstsicher, enthemmt, gereizt oder euphorisch. Sie brauchen wenig Schlaf, geben leichtfertig Geld aus, überschreiten Grenzen, konsumieren eher Alkohol oder Drogen und entwickeln nicht selten Größenideen. Das Tragische: Sie selbst fühlen sich meist kerngesund. Für Angehörige dagegen wird der Alltag oft unerträglich.
Psychiater sprechen von einer bipolaren affektiven Störung: Auf manische Höhen können depressive Tiefs folgen. Rund drei Prozent der Bevölkerung erleben im Lauf des Lebens mehr oder weniger ausgeprägte manische Zustände. Eine einzelne Episode klingt zwar früher oder später ab, doch Rückfälle sind häufig. Umso wichtiger ist frühe Hilfe – sie kann Partnerschaften, Arbeit, Finanzen und manchmal auch Leben schützen. Dieser heiße und lange Sommer hat seine Schatten vorausgeworfen. Die Abteilungen für Psychiatrie in Südtirol waren und sind heuer überbelegt mit Patienten, die an manischen Episoden leiden.
Hier kommen Psychopharmaka ins Spiel – ein Thema, das viele verunsichert. Einerseits haben wirksame Medikamente seit den 1950er-Jahren wesentlich dazu beigetragen, dass große psychiatrische Anstalten geschlossen werden konnten und Behandlung heute oft ambulant möglich ist. Andererseits bleibt der Gedanke unangenehm, dass Medikamente Stimmung, Antrieb und Erleben verändern können.
Deshalb gilt: Psychopharmaka gehören in fachkundige Hände – so wenig wie möglich, so viel wie nötig. Wo Gespräche, Struktur, Schlafregulierung und Unterstützung reichen, sind sie vorzuziehen. Wenn eine Manie aber Fahrt aufnimmt, können Medikamente beruhigen, schützen und helfen, wieder Boden unter die Füße zu bekommen.
Die größte Hürde bleibt: Manische Menschen fühlen sich selten krank. Sie pochen auf Freiheit, Ideen und Selbstverwirklichung – und erleben Hilfe rasch als Einmischung. Angehörige und Fachleute brauchen dann Geduld, Klarheit und manchmal auch den Mut zu unbequemen Entscheidungen. In schweren Fällen kann eine Behandlung gegen den aktuellen Willen nötig werden, um Betroffene vor den Folgen ihrer Erkrankung zu schützen. Nicht wenige danken später dafür.
Roger Pycha, Koordinator European Alliance Against Depression in Südtirol

 

Vinschger Nahverkehr am Limit – Schluss mit Vertröstungen, wir wollen Klarheit!

Die Zustände im öffentlichen Nahverkehr im Vinschgau werden untragbar. Busse und Züge fallen aus, kommen massiv zu spät oder erscheinen überhaupt nicht, Verbindungen ändern sich laufend, Informationen fehlen. Die Süd-Tiroler Freiheit im Bezirk Vinschgau fordert von Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider deshalb endlich klare Informationen und einen verbindlichen Zeitplan – besonders vor dem bevorstehenden Schulbeginn.
„Immer wieder hören wir, wie gut nach Abschluss der Elektrifizierung alles werden soll. Aber die wichtigste Frage bleibt unbeantwortet: Wann funktioniert die Vinschger Bahn endlich vollständig, durchgehend und verlässlich? Die Geduld der Vinschger geht langsam, aber sicher zu Ende“, erklärt Bezirkssprecher Benjamin Pixner.
Besonders dringend ist die Klärung der Situation vor Schulbeginn. Am 7. September startet das neue Schuljahr. Eltern und Schüler müssen rechtzeitig wissen, welche Verbindungen tatsächlich gelten, welche Busse und Züge fahren und wo umgestiegen werden muss.
„Als Mutter möchte ich wissen, wann meine Kinder morgens losfahren müssen, welchen Bus oder Zug sie nehmen können und wann sie wieder nach Hause kommen. Eltern und Kinder können sich auf Änderungen einstellen, aber nur, wenn man sie rechtzeitig und klar informiert. Wenige Tage vor Schulbeginn darf es diesbezüglich keine Unsicherheiten geben!“, betont Bezirksrätin Karin Meister. Hinzu kommen zahlreiche Erfahrungsberichte über überfüllte oder verspätete Busse, vorzeitige Abfahrten, nicht bediente Haltestellen sowie mangelnde Orts- und Sprachkenntnisse einzelner Fahrer. Auch von Telefonaten der Fahrer während der Fahrt und anderen sicherheitsrelevanten Vorfällen wird berichtet.
Die Süd-Tiroler Freiheit fordert deshalb konkrete Antworten: Wie sieht der öffentliche Nahverkehr ab dem ersten Schultag aus? Welche Verbindungen gelten? Wie lange dauert der derzeitige Ausnahmezustand noch? Wann kommt der Halbstundentakt? Wann fahren die neuen Züge regulär auf der gesamten Strecke? Und wann kommen die angekündigten Direktverbindungen nach Innsbruck und Lienz?
Die Vinschger haben lange genug gewartet. Was jetzt gebraucht wird, sind keine weiteren Vertröstungen, sondern klare Informationen, konkrete Daten und ein verbindlicher Zeitplan.

Benjamin Pixner, Bezirkssprecher Vinschgau
Karin Meister, Bezirksrätin Vinschgau

 

Blick zurück in Planeil – von Matthias Paulmichl

Im fernen Jahr 1981/82 wurde in Planeil mit dem Bau des Hauses der Dorfgemeinschaft begonnen, in dem sich heute die Grundschule, der Kindergarten, der Dorfsaal, die Feuerwehrhalle und der Widum befinden. Der damalige Projektant war der Architekt Toni Noggler aus St. Valentin, „Zeichen-Toni“ genannt. Der Toni hat viele Zeichnungen vom Vinschgau und von Planeil gemacht, die er verkauft und den Erlös der Gemeinde und an Bedürftige gegeben hat. In dieser Zeit wurden im ganzen Dorf die Infrastrukturen erneuert. Der Projektant war Ingenieur Wolfgang Perwanger aus Bozen, der auch als „Wasser-Ingenieur“ in der gesamten Gemeinde Mals tätig war.
Der begonnene Aufschwung wurde im Jahr 1983 mit den Unwettern zu Pfingsten jäh unterbrochen. In den Äckern gingen viele Muren ab, so das die Zufahrt zu Planeil komplett gesperrt werden musste. Der Strom ist im ganzen Dorf ausgefallen. Einer Hangrutschung fiel ein Bauernhof zum Opfer und bei der großen Rutschung oberhalb des Dorfes wären beinahe zwei Bauernhöfe zu Schaden gekommen. Ich erinnere mich daran, dass die alten Leute zu weinen begonnen haben.
In den Jahren 1986 und 1987 wurde Planeil von zwei vernichtenden Bränden heimgesucht. Der erste Brand 1986 ereignete sich am 16. Oktober, am Tag des Gollimarktes. Ein Teil der Kirche wurde ein Raub der Flammen. Beim 2. Brand 1987 brannte in der unteren Gasse fast alles aus. Die Dorfbrände waren eine Katastrophe. Einige Familien mussten evakuiert werden. Es grenzt an ein Wunder, dass niemand verletzt worden ist. Beim Wiederaufbau kam es zu verschiedenen Schwierigkeiten, weil die Besitzverhältnisse derart ineinander verschachtelt waren. Die Baufirmen mussten den Aufbau der Häuser ohne Bauvertrag durchführen, denn einige Bauherren bzw. Besitzer wollten nicht bezahlen. Es kam zu großen Zahlungsschwierigkeiten. Projektanten waren damals der Josef Gritsch und die Sabina Valtingojer aus Meran und Architekt Toni Torggler. Das Gericht von Bozen bzw. der Richter dort musste nach Planeil kommen, um einiges zu klären, denn es wurde Anzeige erstattet, weil ohne Bauvertrag der Auftrag der Bauten erteilt bzw. ausgeführt worden sind. Die Bauarbeiten gestalteten sich als schwierig und sehr gefährlich, weil die Böschungen fast senkrecht waren. Beim Dorfzentrum und bei den beiden Bränden wurde Ingenieur Siegfried Pol aus Latsch als Statiker beauftragt.
Die Eintragung in das Gebäudekataster wurde nach Fertigstellung der Häuser vorgenommen. Wäre die Durchführung der Arbeiten nicht ein bisschen diktatorisch passiert, hätte durch Brände und dann durch die Bagger das ganze Dorf alles dem Erdboden gleichgemacht werden können und das halbe Dorf wäre heute noch eine Ruine.
Das Ganze ist dem damaligen Bürgermeister von Mals Albert Flora zu verdanken, dass er alles kategorisch und diktatorisch angegangen ist. Ihm gilt ein großes Vergelt’s Gott. Sonst wären sich die Besitzer bis heute nicht einig geworden. Albert Flora hat sich mit voller Kraft und Mut für die Planeiler eingesetzt und hat keinen Dank dafür bekommen. Schade. Nicht unerwähnt möchte ich den Manfred Zangerle lassen, der damals als SVP-Bezirksobmann mitgeholfen hat.
Zu Geschichte von Planeil möchte ich auch erwähnen, dass vor rund 400 Jahren drei Brüder in Planeil eingewandert sind, die den Familiennamen Winkler trugen bzw. schrieben. Sie gründeten die drei Mühlen in Planeil, die untere Mühle, die obere Mühle und die Michl-Müller-Mühle. In der oberen Mühle waren zuletzt 11 Winkler-Geschwister, darunter ein Pater und eine Klosterfrau. Zwischen 1897 und 1917 wurden die Geschwister geboren. Meine Mutter war eine dieser Winkler und wurde 1909 geboren.

Matthias Paulmichl, Tartsch

 

Fernpass-Paket bringt negative Auswirkungen

Umweltschutzgruppe Vinschgau fordert grenzüberschreitende Verkehrsprognose – Fernpass und Reschenpass müssen gemeinsam betrachtet werden
Die geplanten Maßnahmen am Fernpass werden von der Umweltschutzgruppe Vinschgau mit großer Sorge betrachtet. Eine leistungsfähigere Fernpassverbindung endet nicht am Fernpass. Sie schafft eine durchgängige Verkehrsachse vom deutschen Raum über den Fernpass und das Inntal bis in den Vinschgau und weiter durch Südtirol bis in den Süden. Die Umweltschutzgruppe Vinschgau hat sich an der Protestaktion im August am Fernpass beteiligt und unterstützt die lokalen Bürgerinitiativen. Die große Beteiligung und die Argumente gegen das geplante Fernpass-Paket zeigen auf, dass die Tiroler Landespolitik die betroffene Bevölkerung nicht in die Entscheidungsphase eingebunden hat. Viele wichtige Fragen sind offen und beinhalten große Risiken für die Bevölkerung, die um ihren Lebensraum fürchten. Die Auswirkungen des Fernpass-Pakets dürfen nicht für Tirol isoliert betrachtet werden. Stattdessen müssen Fernpass, Inntal, Landeck und Reschenpass als zusammenhängendes Verkehrssystem untersucht werden. Die Region um den Fernpass leidet heute schon mit durchschnittlich fast 15.000 Fahrzeugen pro Tag massiv am Verkehr. Mit der Umsetzung des Fernpass-Pakets ist eine weitere Kapazitätssteigerung vorprogrammiert. Zudem werden auf Nordtiroler Seite zwischen Landeck und dem Reschenpass immer wieder Abschnitte ausgebaut und die Strecke damit insgesamt attraktiver für den Transitverkehr, u.a. auch für den Güterverkehr, gemacht. Der Vinschgau könnte damit die Folgen einer Verkehrspolitik zu spüren bekommen, über die in Tirol entschieden wird. Der Vinschgau darf bei der Verkehrsplanung nicht ausgeblendet werden.
Die Umweltschutzgruppe Vinschgau fordert deshalb eine grenzüberschreitende Verkehrsmodellierung, die die Auswirkungen möglicher Infrastruktur-Maßnahmen auf den gesamten Korridor bis zum Reschenpass und in den Vinschgau untersucht. Wenn eine stark belastete Route attraktiver wird, muss untersucht werden, welche Auswirkungen dies auch auf die nachgelagerten Verbindungen hat. Die Umweltschutzgruppe Vinschgau fordert daher von den zuständigen Behörden in Tirol und Südtirol einen offenen Dialog und eine gemeinsame Verkehrsplanung. Dieser Forderung schließt sich der Dachverband für Natur- und Umweltschutz auch als Mitglied der CIPRA an: „Wir fordern bereits seit Jahren eine alpenweit abgestimmte, gemeinsame Mobilitätspolitik. Projekte wie das Fernpass-Paket zeigen deutlich, warum dies notwendig ist. Nur gemeinsam werden wir den überbordenden Verkehr in unseren Alpen in nachhaltige Bahnen lenken können“, so Elisabeth Ladinser, Vorsitzende des Dachverbands, und fügt hinzu: „Der heurige Sommer hat uns den Klimanotstand geoffenbart. Es ist mehr als höchste Zeit, dem CO2-Anstieg Gegenmaßnahmen zu setzen. Eine davon ist die Beschränkung des Verkehrs!“
„Der Vinschgau ist bereits heute durch Verkehr und Lärm in einer sensiblen alpinen Landschaft stark belastet. Eine Zunahme dieser Belastungen müsse daher verhindert werden. Stattdessen müssen die Entscheidungsträger alles daransetzen, attraktive Alternativen für den Individual- und Güterverkehr zu schaffen und diese sehen wir eindeutig auf der Schiene,“ schließt die Umweltschutzgruppe Vinschgau.
Umweltschutzgruppe Vinschgau
Dachverband für Natur- und Umweltschutz in Südtirol