Große Küche
Gault&Millau hat vor kurzem seine Auszeichnungen in Wien vergeben. Marc Bernhart vom Weißen Kreuz in Burgeis ist „Culinary Ambassador Südtirol 2027“ und Kevin Trafoier vom Kuppelrain in Kastelbell ist „Rising Star Südtirol 2027“
Wir zitieren, was Gault&Milau zu den beiden Köchen schreibt: „Manchmal versteckt sich Weltklasse im hintersten Winkel. Wer sie im konkreten Fall und in Sachen Kulinarik sucht, muss nach Burgeis fahren. In den Vinschgau, um genau zu sein, kurz vor die Schweizer Grenze. Dort, im Hotel Weisses Kreuz, bespielt Marc Bernhart mit gerade einmal sechs (großen runden) Tischen das Mamesa. Und hat sich von hier still und leise in die Champions League gekocht. Schon der Name ist Programm. „Ma“ für Marc, „Mesa“ ist rätoromanisch und steht für Tisch. Bernhart, aufgewachsen nahe Stuttgart, lernte sein Handwerk in der Schweizer Spitzengastronomie, unter anderem in der Brigade von Stefan Heilemann in Zürich. 2017 kam er ins Weisse Kreuz. Seit der Eröffnung des Restaurants im Jahr 2022 zählt er fix zur Südtiroler Kochelite. Sein Motto heißt „GLOCAL“. Lokale Spitzenprodukte, weltoffen gedacht. Alpines Terroir und kosmopolitische Technik.
Fantasievoll, handwerklich makellos, nie ohne Bodenhaftung. Sein Kalbstatar in knuspriger Panade, ein augenzwinkerndes „Schnitzel der anderen Art“, ist längst legendär. Bei der rohen Gamba blanca mit Apfel und Wasabi zeigt er seinen Sinn für Präzision. Gemeinsam mit Patissier Kay Baumgardt bildet er ein kongeniales Duo, das im Gault&Millau Südtirol zuletzt den Sprung auf 18 Punkte und vier Hauben schaffte. Mit der Auszeichnung würdigen wir einen, der beweist, dass große Küche keine große Bühne braucht.“
„Es gibt Talente, die reifen im Verborgenen. Kevin Trafoier hätte auch ein anderes Leben führen können: Er maturierte in Meran mit Schwerpunkt Grafik und Design, ehe ihn die Küche lockte. Oder der elterliche Betrieb, das Kuppelrain. Es folgten eine Lehre im Grödnerhof in St. Ulrich und ein prägendes Praktikum beim Schweizer Ausnahmekoch Andreas Caminada. Dann kehrte er heim in den Familienbetrieb nach Kastelbell. Dort, im Vinschgau, führt er heute die Küche mit einer Mischung aus Esprit und handwerklicher Präzision, die man selten so früh sieht. Sein Vater Jörg, jahrzehntelang der Chef am Herd, steht ihm nun im Service und als Ratgeber zur Seite; Schwester Nathalie sorgt mit ihrer Patisserie für den krönenden Abschluss, Mutter Sonya für die Weinbegleitung. Familiensache auf höchstem Niveau.
Kevin Trafoiers Küche ist produktfokussiert und geschmackstief, ohne Firlefanz. Vieles kommt aus dem eigenen Garten, Zitrus und Bitterkeit, Fermentation, selten genutzte Stücke, vergessene Sorten. Tiefe Vinschgauer Wurzeln, in eine ehrliche, moderne Sprache übersetzt. Das ganze Menü folgt einer spannenden Dramaturgie. Als „Rising Star“ zeichnen wir einen jungen Koch aus, der das Erbe seiner Familie nicht bloß bewahrt, sondern eigenständig weiterschreibt. Und der schon jetzt zu den prägenden Stimmen der Südtiroler Küche zählt.“