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Vinschgau

Fraktionswahlen

von Erwin Bernhart (Interview)
im Oktober und im November finden in den meisten Fraktionen (Eigenverwaltungen bürgerlicher Nutzungsrechte) die Wahlen der Verwaltungen statt. So auch im Vinschgau. Ein Aufruf vom Präsidenten des Landesverbandes der Eigenverwaltungen Südtirols, Oswald Angerer.
veröfftl. am 30. September 2026

Oswald Angerer ist Obmann der Fraktion Laas und Obmann des Landesverbandes der Eigenverwaltungen Südtirols

Vinschgerwind: Die Fraktionswahlen im Vinschgau werden im heurigen Herbst durchgeführt.
Oswald Angerer: Beim Großteil der Eigenverwaltungen landesweit gibt es im Herbst, im Oktober und im November, Neuwahlen. Es sind im Vinschgau mit Goldrain, mit Laas und Tschengls wenige Ausnahmen, die zu einem anderen Zeitpunkt wählen.

Vinschgerwind:Diese Fraktionswahlen sind in der Bevölkerung wenig bekannt.
Oswald Angerer: Das ist historisch bedingt. Bei der Gründung der Eigenverwaltungen in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts waren nur Familienoberhäupter wahlberechtigt. Zudem hat damals zu rund 90 % der Bevölkerung eine bäuerliche Gesellschaft vorgeherrscht.

Vinschgerwind: Sie sind Präsident des Landesverbandes der Fraktionen. Was rufen Sie den wahlberechtigten Bürger:innen zu?
Oswald Angerer: Alle, die seit mindestens 4 Jahren in einer Fraktion wohnen und in den Wählerlisten eingetragen sind, sind nutzungs- und damit wahlberechtigt. Das sind Miteigentümer.

Vinschgerwind: Machen Sie ein Beispiel.
Oswald Angerer: Weidegründe zum Beispiel sind Gemeinschaftsgüter oder auch Wälder. Die Nutzungsberechtigten sind dort Miteigentümer. Nehmen wir das Beispiel Laas, weil ich dort Obmann der Fraktion bin. Zur Fraktion Laas gehört neben dem Ort Laas auch die Weiler Parnetz und Tarnell. Auch ein Teil bei Allitz hinauf gehört der Fraktion Laas.

Vinschgerwind: Warum ist es wichtig, dass die Leute wählen gehen?
Oswald Angerer: Neben Wald, Weide und Almen gibt es in den Fraktionen auch genutzte Grundstücke. In Laas hat es früher ein gemeinsames Schlachthaus gegeben. Oder die Straßensituationen, die teilweise Allgemeingut und im Besitz der Fraktionen sind. Die Besitztümer auf der einen und der demografische Wandel auf der anderen Seite: Die Leute sollen wissen, dass sie Miteigentümer sind und deshalb Verantwortung tragen.

Vinschgerwind: Fraktionen generieren Einnahmen, die verteilt werden können.
Oswald Angerer: Zu den Almen, Weiden und Wald sind, je nach Fraktion, andere Güter hinzugekommen. Wasser zur Stromgewinnung etwa, oder Marmorbrüche, oder nutzbare Immobilien. Von den Einnahmen bzw. vom Überschuss können laut derzeitigem Gesetz 10% an die Vereine und 30% an die bäuerliche Bevölkerung abgegeben werden.