Der Abriss - und dann?
Der zweite Startschuss fiel am vergangenen 1. Juli 2026. Geordnet, ohne viel Aufsehens, angekündigt und mit Vorlaufzeit, ging der Abbruch der „Misurata“ los. Anders als bei der radikalen Nacht- und Nebelaktion vom damaligen Bürgermeister Dieter Pinggera und General-Sekretär Georg Sagmeister im Oktober 2022, die bis heute einen bitteren Beigeschmack und Unverständnis über die Tabula-rasa-Politik hinterlassen hat.
Mit dem Abriss drängt sich nun vor allem eine Frage auf: Was soll auf dem Kasernenareal entstehen? Leistbares Wohnen? Gedeckeltes Wohnen? Mietwohnungen? Gewerbeeinheiten? Architekt Georg Frisch stellte Mitte Mai 2026 in einer Klausurtagung dem amtierenden Gemeinderat den Gestaltungsvorschlag vor, der von der alten Gemeindeverwaltung abgesegnet wurde – und der immer noch steht.
Die alte Gemeindeverwaltung unter Pinggera beauftragte 2016 die internationale Bietergemeinschaft „Insula Architettura e Ingegneria s.r.l. – DeA società di ingegneria Srl – B+G Ingenieure Bollinger und Grohmann GmbH“ mit der Erstellung einer Machbarkeitsstudie. Der Gestaltungsvorschlag sieht ein nachhaltiges Stadtquartier in der Drususkaserne vor. Demnach sollen - neben der BASIS - 150 Wohnungen, Gewerbe- und Geschäftslokale entstehen, „ein neuer Dorfteil, ein städtisches Dorf bzw. eine dörfliche Stadt mit Wohnmöglichkeiten für rund 500 Personen“, sagten die Architekten Frisch und Eugenio Cipollone 2017. 120 Wohnungen mit 50 bzw. 80m² und 30 Wohnungen mit 110m² sieht das Wohnbau-Programm vor – 55 Prozent davon konventioniert.
Neben Wohnraum sollen Bildung, Forschung, Gewerbe und Nahversorgung Platz finden. Autofrei soll das ganze Gelände werden - mit insgesamt 6.000m² Fußgängerzone. Die Umsetzung dieses Mammutprojektes soll mit einem Public-Private-Partnership (PPP) gelingen - sprich: ein privater Investor in Zusammenarbeit mit der Gemeinde. Frisch und Cipllone wollen das Projekt in drei Bauphasen innerhalb von 15 Jahren umgesetzt wissen. Das Investitionsvolumen: 33,6 Millionen Euro Wohngebäude und Gewerbe. 9,1 Millionen Euro Erschließung und Kompensation.
Von 2017 bis Oktober 2022 wurde es dann ruhig um das Schlanderser Kasernenareal, bis in der besagten Nacht- und Nebelaktion die Bagger auffuhren. Die Abrissaktion, die großen moralischen Schaden an der Schlanderser Politik anrichtete, wurde gestoppt. Der Stillstand dauerte knapp drei Jahre.
Im heurigen Frühjahr flatterte dann eine Aufforderung vom Land in die Ratsstube. Auf jener Fläche, wo ein Teil der „Misurata“ steht und die das Land zurückbehalten hat, soll endlich die Tiefbauhalle gebaut werden. Die Gemeinde hatte sich mit dem Kaufvertrag damals, bei der Übernahme des Kasernenareals vom Land, verpflichtet, das Grundstück baureif zu machen. Mit großer Mehrheit stimmte man bei der Ratssitzung am 26. März 2026 nicht nur für den Abbruch der „Misurata“, sondern auch der „Palazzina commando“ und der Villa Ausserer.
Seit dem 1. Juli wird nun abgerissen. Die Abbrucharbeiten dürften zügig über die Bühne gehen und spätestens im Herbst alle drei Gebäude dem Erdboden gleich gemacht sein.
Vor diesem Hintergrund drängt sich deshalb vor allem eine Frage auf: Hält der amtierende Schlanderser Gemeinderat am abgesegneten Gestaltungsvorschlag (siehe unten) fest? Oder kommen neue Inhalte und Ideen?