Zwei E-Bikes auf Abwegen
Dieses gestohlene und aufgefundene Fahrradpaar ist wieder zuhause.
Sonntag, 17. Mai 2026: FCO Obermais spielt gegen Vigasio (bei Verona), ein spannendes Playout-Match steht an. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen. Wir reisen schon am Samstag an und unternehmen mit den E-Bikes eine Radtour im Hinterland vom Gardasee. Klappt unfallfrei, bleibt aber bis auf Weiteres die letzte Tour. Vor dem Fußballspiel treffen wir uns mit Obermais-Fans in einem vielbesuchten Restaurant in Bussolengo. Wir parken auf einem riesigen Parkplatz, werden sogar von einem Mann eingewiesen. Auf der Anhängerkupplung unseres Autos sind zu diesem Zeitpunkt ein Fahrradträger und zwei E-Bikes fixiert und abgesperrt. Nach dem Essen, das Adrenalin steigt, will sich die Gruppe auf dem Weg ins Stadion machen. Als mein Mann hinter das Auto geht, traut er seinen Augen nicht. Vom Fahrradträger samt Rädern keine Spur, nur ein abgeschnittenes Elektrokabel baumelt am Auto. Diebstahl. Was, hier? Wie kann das sein? Jemand muss doch etwas gesehen haben. Das war’s mit dem Plan vom Fußballspiel, es folgen Gespräche mit einem Geschäftsführer des Restaurants („schon mal vorgekommen“). Die entscheidende Wendung: Einem der E-Bikes hat mein Mann einen Tracker eingebaut, sodass er am Handy den Standort sieht. Das Diebesgut befindet sich in der Strada La Rizza in Verona. Kein gutes Zeichen, wie uns der Herr vom Restaurant zu verstehen gibt. Der Grund dafür bleibt unklar. Auf jeden Fall sollten wir nicht selbst dorthin gehen, könnte gefährlich sein. Aha. Dann eben zur nächstgelegenen Carabinieristation. Eine Anzeige wollen wir machen? Am Sonntag? Das werde aber dauern. Und ob das was bringe? In Verona seien die Räder? Das sei nicht seine Zone. Bevor uns der Geduldsfaden reißt, telefoniert der Beamte dann doch mit den Kollegen der Polizia di Stato in Verona. Hoffnungsvoll verschieben wir die Anzeige auf später und vereinbaren einen Treffpunkt. Drei Polizeiautos mit je zwei Mann warten auf uns. „Andiamo a vedere“, heißt es öfters. Kurzum: Man sieht und findet nichts. Die Behörden sind freundlich, verhelfen uns aber trotz Standortangabe nicht zu den E-Bikes. Es handle sich um ein Nomadenlager in besagter Straße, dort einzudringen sei nicht möglich. Wir kehren nach Bussolengo zurück, um Anzeige zu erstatten: Fahrradträger und zwei E-Bikes futsch. Parallel läuft ein Fußballkrimi, mit dem Handy auf den Knien schaue ich im Carabinierikammerle am Livestream mit. So eine Anzeige dauert. Inzwischen wissen wir, dass der FCO den Klassenerhalt in der Serie D geschafft hat, das bleibt an diesem Tag allerdings die einzige Erfolgsmeldung. Wir fahren wie die Abgestiegenen mit gesenkten Köpfen nach Hause.
Tags darauf sehen wir am Handy eine Standortveränderung, ein weiterer Anruf auf der Quästur in Verona bleibt wirkungslos. Dann beginnt der eigentliche Radlkrimi. Nach zwei Tagen lautet der neue Standort des Rads Ungarn! Das getrackte Rad befindet sich auf einer Autobahnraststätte. Der nächste Standort bringt dann Schwung in die Sache: In Recea in der Region Walachei im südwestlichen Rumänien bleiben die GPS-Angaben stehen. Wieso denn Rumänien? Wir wissen es nicht. Mein Mann handelt (ich habe zugegeben schon bei der Heimfahrt von Bussolengo aufgegeben und muss deshalb sämtliche Lorbeeren an Hartnäckigkeit und kriminalistischem Spürsinn weiterreichen, war eher der zweifelnde Klotz am Bein …) und sucht auf GoogleMaps die nächstgelegene Polizeistation, der er kurzerhand eine E-Mail mit der Kompaktversion des Sachverhalts und die Standortangabe schickt. Wir wissen zu diesem Zeitpunkt nur, dass eines der Fahrräder dort ist, denn das andere ist nicht getrackt. Mitgeschickt wurden das Protokoll der Anzeige und die Kontaktdaten. Kurz darauf meldet sich ein rumänischer Polizist über Whatsapp. Er kümmere sich um den Fall und bitte laufend um die Aktualisierung des Standorts. Wir zweifeln an der Vertrauenswürdigkeit. Handelt es sich tatsächlich um eine Polizeistation oder tappen wir gerade irgendwo rein? Nach Beratungen mit Carabinieri aus dem Vinschgau (danke!) schreiben wir an die italienische Botschaft in Bukarest. Bis heute keine Antwort. Dann heißt es eben zu vertrauen und den Unbekannten mit den Standortangaben und mit Fotomaterial zu versorgen, damit er auch das richtige Fahrrad findet. Wenig später dann der Paukenschlag als Whatsapp-Nachricht: „La informo che le vostre biciclette sono state identificate e si trovano attualmente sotto la custodia della polizia romena.“ Er konnte beide unsere E-Bikes (sie sind zusammengeblieben, was für ein Zufall!) in Gewahrsam nehmen. Wir können es kaum glauben, erhalten dann aber Fotos. Ja, das sind sie. Blankgeputzt und wohl für einen Verkauf vorbereitet. Näheres ist uns nicht bekannt. Zunächst kommen sie für einige Wochen in die Polizeistation von Drobeta-Turnu Severin, einer Kleinstadt an der serbischen Grenze. 1.200 km von Tschengls entfernt. Um sie wieder zu erhalten, müssen wir den Besitz nachweisen. Wir suchen Kassazettel, Seriennummern (Empfehlung: notieren!) und Fotos, erhalten von einem Radgeschäft eine schriftliche Bestätigung. Dann kommt grünes Licht: Wir dürfen nun die Fahrräder abholen lassen, dafür braucht es aber eine notariell beglaubigte Vollmacht. Eine Freundin kennt sich mit Speditionsfirmen bestens aus und stellt uns den Kontakt zu einem rumänischen Frächter her (danke!), dann unterschreibt uns ein Notar die Vollmacht. Am 7. August verändert sich der Standort und wir verfolgen am Handy, wie die E-Bikes über Wien nach Innsbruck kommen, wo wir sie in Empfang nehmen. Darüber freuen wir uns, denn der Schaden hält sich nun in Grenzen (Fahrradträger) und wir düsen wieder mit E-Bikes durch die Gegend. Sie haben zwar ein paar Schrammen davongetragen von den Erlebnissen der letzten Monate, doch lassen sie sich die weite Reise nicht anmerken.