Wanderausstellung in Schlanders - Baukulturpreis 2025
Der Euregio Baukulturpreis 2025 – Premio dell’Euregio 2025 per la cultura del costruito. Der Baukulturpreis wurde vom Bildhauer Lois Anvidalfarei gestaltet und ist die letzte Studie von “Signum”.
Baukultur ist mehr als Architektur oder einzelne Gebäude. Sie prägt unsere Umwelt und unseren Alltag und bildet den Rahmen für unser Arbeiten, Wohnen und Zusammenleben. Sie ist Teil unserer Identität und fest mit den regionalen Besonderheiten verbunden. Um in der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino das Bewusstsein für Baukultur zu stärken und einen verantwortungsvollen Umgang zu fördern, wurde 2025 erstmals der von Dr. Wendelin Weingartner (Landeshauptmann von Tirol 1993-2002) gestiftete Euregio-Baukulturpreis vergeben. Die Initiative ist vom Kuratorium für Technische Kulturgüter unter der Direktorin Wittfrida Mitterer ausgegangen.
Bei der ersten Ausgabe zum Thema “Weiterbauen in Bestand und Umgebung” wurden 55 Projekte aus Tirol, Südtirol und dem Trentino eingereicht. Alle Projekte werden nun in der Euregio in einer Wanderausstellung gezeigt. Zu den “Vinschger Projekten”gehören: Abt Markus Spanier- Arch. Werner Tscholl: Revitalisierung Marienberg, Burgeis Burgusio, MMM Firmian, Bozen Bolzano, Hofer Zwischenraum Atelier, Laas Lasa und Arch. Lukas Wielander, Arch. Martin Trebo: Fiegele-Prieth Haus, Glurns Glorenza, Ideenwettbewerb Kortsch an der Lahn, Kortsch Corzes, Kita, Kortsch Corzes.
Am 21. Juli fand im Haus der Bezirksgemeinschaft in Schlanders die Eröffnung der ersten Wanderausstellung statt. Roselinde Gunsch Koch, die Präsidentin der Bezirksgemeinschaft Vinschgau, begrüßte alle recht herzlich und sagte: “Es ist eine Freude, wenn im Tal so eine Ausstellung zustande kommt. Baukultur ist ein Thema, das uns Bürgermeister und Bürgermeisterinnen im Tal heute alle beschäftigt. Im Zuge des neuen Gemeindeentwicklungsprogrammes für Raum und Landschaft ist es zu einem Hauptthema geworden. Gerade bei uns im Vinschgau, wo es fast in jedem Dorf noch viel alte Bausubstanz gibt, sollte man sich Gedanken darüber machen, wie diese bestmöglichst verbaut werden kann. Wenn ich mir die Ausstellung hier anschaue, was für schöne Projekte da entstanden und zu sehen sind, dann ist das schon eine Freude.” Arthur Scheidle, der in Vertretung von Dr. Wendelin Weingartner kam, sprach ebenfalls von der Bedeutung der Wanderausstellung und des Baukulturpreises. “In den letzten Jahren ist trotz unseres relativen Reichtums nicht oft schön und gut gebaut worden”, sagt er. “In diesem Sinne sind so eine Ausstellung und der Preis wichtig, weil damit die Sensibilität für die Baukultur gestärkt, gepflegt und gefördert wird.” Hannes Götsch sprach aus seiner Erfahrung von der Basis Vinschgau Venosta und Simon Laganda, freischaffender Architekt aus Mals, gab aus seiner Sicht einen Einblick, wie Weiterbauen am Bestand und in Umgebung erfolgen sollte.
Anschließend erklärte Witti Mitterer die Symbolik des Preises. “Die Idee war, den Preis nicht in Form von Geld zu verleihen, sondern in Form einer Skulptur, die sich als Geste versteht, bei der eine Hand am Boden, oder im freien Raum, ein Zeichen setzt. Sozusagen wird mit der kleinen Bronzeskulptur das ausgedrückt, was der Mensch im Kopf ersinnt, im Herzen spürt und mit der Hand ausführt.” Der Bildhauer Lois Anvidalfarei, der die Skulptur geschaffen hat, schreibt dazu folgendes: “Mit meinen Händen habe ich angefangen. Etwas was in mir ist, seit immer, in letzter Zeit präsenter und seit mehreren Jahren arbeite ich intensiv, voll absorbiert von dieser Thematik. “Ich mich selber zeichnend” habe ich meine Hand, mein Arm beobachtet: wie er sich bewegt und live meine Geschichte, meine Gedanken: mein Wesen von der ich nur manche Impulse spüre am Papier aufzeichnet. Mit Leere beginnt die Arbeit an der Skulptur – Luft … Eisen mit Eisen verbinden, Gips hinzufügen, abreiben und weiter hinzufügen … vom Herzschlag bis zur Oberfläche, die die äußerste Grenze erahnen lässt, … Haut spiegelt die Seele wider. In dieser meine Zeit bin ich da und hinterlasse ein Zeichen. Genau so lässt Architektur Zeichen: möge der Baukulturpreis beitragen ein starkes positives Zeichen zu setzen.”
Die Wanderausstellung in der Bezirksgemeinschaft Vinschgau in Schlanders ist von 21. Juli bis 12. August 2026 zu Bürozeiten zugänglich. Anschließend wird sie noch in Sterzing, Bruneck, Brixen, Salten Schlern, Kampill-Bozen und Neumarkt zu sehen sein. Die Ausstellung richtet sich an eine breite Öffentlichkeit und lädt ein, sich über Baukultur zu informieren und eventuell Inspiration für eigene Vorhaben zu holen. Die Besucher:innen sind eingeladen, über den eigenen Lebensraum und dessen Gestaltung nachzudenken.