Thermische Nutzung der Wasserkraft
Im Mittelpunkt der Fachvorträge stand der Einsatz zentraler Großwärmepumpen. Diese können thermische Energie aus geklärtem Abwasser, aus Fließgewässern, Seen oder auch aus geothermischen Quellen gewinnen und in bestehende Fernwärmenetze einspeisen.
Am Freitag, den 27. Februar, fand eine Fachveranstaltung zum Thema „Thermische Nutzung der Wasserkraft im alpinen Raum des oberen Vinschgau“ statt. Organisiert wurde sie vom Ingenieurbüro Patscheider & Partner in Zusammenarbeit mit dem E-Werk Prad sowie dem deutschen Ingenieurbüro Eproplan.
Den Anstoß für die Veranstaltung gab ein Vortrag der Firma Eproplan bei den Energietagen in Mals. Im Anschluss daran vertieften Michael Wunderer und Ronald Patscheider in einem weiterführenden Gespräch mögliche Potenziale im Vinschgau. Dabei wurde rasch deutlich, dass im gesamten Tal noch beträchtliche, bislang ungenutzte Energiequellen vorhanden sind. Aus dieser Erkenntnis entstand die Idee, bereits zu Beginn des Jahres 2026 eine gezielte Veranstaltung mit den lokalen Betreibern von Fernheizwerken und Kläranlagen zu organisieren.
Zur Vorbereitung wurden der Firma Eproplan umfangreiche Daten zu verschiedenen Fernheizwerken und Kläranlagen im Vinschgau übermittelt. Besonders eingehend analysiert wurden das Fernheizwerk Prad sowie die Kläranlage Prad, da dort aktuell die Erweiterung der Fernwärmezentrale geplant wird. Auf Basis dieser belastbaren Datengrundlage konnte Eproplan sehr praxisnahe Beispiele präsentieren. Mit einem konkreten Projektansatz für Prad und einer ersten Potenzialabschätzung für den gesamten Vinschgau gelang es, das Interesse der anwesenden Entscheidungsträger deutlich zu wecken.
Die Begrüßung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer erfolgte durch Bezirkspräsidentin Roselinde Gunsch sowie durch den Bürgermeister von Prad, der seit Kurzem auch als zuständiger Resortleiter für Abwasser- und Abfallbewirtschaftung in der Bezirksgemeinschaft tätig ist. Für ihn stellte die Veranstaltung zugleich einen fundierten Einstieg in die Thematik dar, insbesondere mit Blick auf die strategische Nutzung regionaler Energiepotenziale.
Im Mittelpunkt der Fachvorträge stand der Einsatz zentraler Großwärmepumpen. Diese können thermische Energie aus geklärtem Abwasser, aus Fließgewässern, Seen oder auch aus geothermischen Quellen gewinnen und in bestehende Fernwärmenetze einspeisen. Gerade im Vinschgau sind die Rahmenbedingungen dafür besonders günstig: Es bestehen zahlreiche Seen und Fließgewässer, es gibt nutzbares Potenzial aus geklärtem Abwasser, die Nähe zu bestehenden Heizwerken und Wärmenetzen ist gegeben, und zudem steht Strom aus erneuerbarer Wasserkraft für den Betrieb der Wärmepumpen zur Verfügung.
Am Beispiel von Prad wurde das Potenzial konkret dargestellt. Das Abwasser der Kläranlage bietet ganzjährig eine stabile und zuverlässige Wärmequelle. Auf dieser Grundlage wäre der Einsatz einer Wärmepumpe mit rund 800 kW Leistung technisch umsetzbar. Zusätzlich liefert die Etsch insbesondere in den Wintermonaten durch ihren hohen Volumenstrom weiteres energetisches Potenzial. Für eine abschließende Bewertung sind nun vertiefende technische und wirtschaftliche Analysen erforderlich.
In der Zusammenfassung wurde deutlich, dass im gesamten Vinschgau erhebliche Potenziale vorhanden sind. Der nächste Schritt besteht in der Ausarbeitung konkreter Machbarkeitsstudien, der Prüfung wirtschaftlicher Modelle sowie der detaillierten Analyse möglicher Förderinstrumente. Technisch sind entsprechende Lösungen durch professionelle Planung und Baubegleitung gut realisierbar.
Abschließend stellte Michael Wunderer die aktuellen Fördermöglichkeiten für Fernheizwerke und Kläranlagen vor. Mit den derzeitigen Landesförderungen sowie den staatlichen Programmen rund um den Conto Termico 3.0 eröffnen die Jahre 2026 bis 2028 ein besonders attraktives Investitionsfenster mit überdurchschnittlicher Förderintensität. Entscheidend sind dabei eine frühzeitige Antragstellung, die strategische GSE-Qualifizierung sowie die Durchführung eines fundierten Energieaudits. Die Kombination mehrerer Förderprogramme kann die Wirtschaftlichkeit solcher Projekte zusätzlich deutlich verbessern.