Sternenstaub für Schnals
Am Podium in Schnals zu „Mobilität in Schnals 2035“ v.l.: der Klimaforscher Georg Kaser, der Verkehrsplaner Helmuth Moroder, der COO der Athesiagruppe Peter Stürz, die Gurschlhof-Bäuerin Eva Götsch, der HGV-Obmann Benjamin Raffeiner und die Moderatorin Gabriele Crepaz
Über die Mobilität von der Steinzeit bis ins Mittelalter, über die Funde am Gurgler Eisjoch, am Langgrubenjoch und am Tisenjoch referierte der in Schnals bestens bekannte Hubert Steiner vom Amt für Archäologie. Im Gespräch mit der Moderatorin Gabriele Crepaz gab der Chronist und Architekt Siegfried Gurschler über den Bau der Schnalser Straße Auskunft, der vor gut 150 Jahren begonnen hatte.
Dann entwickelte auf Grundlage von Bevölkerungs- und Tourismusdaten, auf der Grundlage künftiger Zugfahrpläne, mit Einbeziehen der Klimaziele des Landes Südtirol der Verkehrsplaner Helmuth Moroder eine Vision für „Mobilität in Schnals 2035“. Die Schnalser, so hat es Moroder zum Bespiel vorgerechnet, geben für ihre 730 PKW (bei 1230 Einwohnern) bei 500 Euro im Monat insgesamt im Jahr 4,4 Millionen Euro aus. Oder: Der Verkehr im Tourismus habe in Schnals (wie im restlichen Südtirol) in den vergangenen Jahren um rund ein Viertel zugenommen, weil die Aufenthaltsdauer genau um diesen Dreh abgenommen habe. Moroder, in seinen Vorschlägen mutig wie immer, forderte die Schnalser auf, die Busse im Halbsttundentakt so fahren zu lassen, dass eine stündliche Anbindung nach Naturns und eine ebenso stündliche Anbindung nach Meran gewährleistet sei. Um die 10 Minuten Busfahrt nach Katharinaberg umzupolen, schlägt Mordoder eine Standseilbahn vor. Moroder geht soweit, dass er ein verkehrsfreies Schnals 2035 vorschlägt - ein autofreier Urlaub in Schnals wäre eine neue Qualität. Moroder verweist diesbezüglich darauf, dass viele Leute heute schon in Großstädten kein Auto mehr besitzen und dass mit der Eröffnung des BBT im Umkreis von 5 Stunden rund 100 Millionen Leute erreichbar sein werden.
An solchen Aussagen bissen sich dann in der Diskussionsrunde mit dem HGV-Chef von Schnals, Benjamin Raffeiner, mit Eva Götsch vom Gurschlhof und mit Peter Stürz, COO der Athesiagruppe, die Beteiligten die Zähne aus. Einig war man sich, dass man die Vision lobte, in der Realität de facto aber verwarf. Peter Stürz sagte nach Aufforderung durch Crepaz, dass Athesia mutig sein könnte, etwa, dass ein Weglassen von Garagenbauten nicht mutig sondern leichtsinnig sei. Lediglich der Klimaforscher Georg Kaser war in der Runde Busbenutzer. Allerdings treffe er im Bus die am wirtschaftlichen Leben Beteiligten nicht an. Bei den Busen sei die Gemeindeverwaltung allerdings sehr dahinter, betonte Raffeiner.
Der Vorsitzende des Kulturvereins Schnals, Dietmar Rainer, forderte am Ende der Diskussion dazu auf, die von Moroder vorgelegte Vision weiterzudenken.