Den Römern auf der Spur
Stephan Leitner erläutert kostbare Fundstücke aus der Römerzeit im Vintschger Museum
Stephan Leitner entführte am 24. April im Vintschger Museum ein erlesenes Publikum in die Zeit der Römer und präsentierte Ausgrabungsergebnisse der drei Grabungsorte auf der Malser Haide, bei Laatsch und vor allem beim Paulihof in Mals.
Tatsächlich kenne man aus dem Vinschgau keinen einzigen Namen einer römischen Siedlung und man kenne auch nicht den genauen Verlauf der Via Claudia Augusta. Die berühmte „Tabula Peutingeriana“ gebe zwar römische Namen entlang der Brennerroute wieder, der Vinschgau bleibe ein weißer Fleck.
Dennoch: Die Funde im Oberen Vinschgau sind bedeutend und weisen auf einen wohlfrequentierten Verkehrsknotenpunkt an der Via Claudia Augusta hin: die Abzweigung in Richtung Ofenpass und damit nach Chur, die Abzweigung ins Veltlin.
Auf der Malser Haide hat man im Zuge der Verlegung der Beregnungsleitung Mauerreste, Trockenmauern und Holzkohlereste freigelegt. Ein Magnetresonanzbild lässt mehrere Gebäude mit Gräberfeldern erkennen. „Ein Straßenvicus“, vermutet Leitner. Bei Laatsch hat man eine mögliche Umfassungsmauer mit darin liegenden Gebäuden und Hypokaustenziegel (für Fußbodenheizung) gefunden.
Beim Paulihof sind knapp unter der Oberfläche, was einemandauernden Ubermurungseffekt widerspricht, verschiedene Siedlungsphasen erkennbar, von den Rätern über den Römern bis um 1200. Über die C14 Methode bei Holzkohle lässt sich bei einem Gebäude ein Zeithorizont von 120 vor bis 20 nach Christus vermuten. Die gefundenen Scherben von „Terra sigillata“ (einer Art industrialisierte Keramikherstellung) lassen eine Datierung ins 1. Jahrhundert nach Chr. zu.
Stephan Leitner beschrieb einzelne Fundstücke, die nach dem Vortrag im Museum besichtigt worden sind.
Der Standort der „Paulihofsiedlung“, der 1260 aufgelassen worden ist, hat einige Logiken, interpretierte Stephan Leitner in freier Assoziation. Es sage schon etwas über die Lage aus, wenn in unmittelbarer Nähe mit St. Benedikt, St. Martin und St. Johannes eine karolingische Kirche und gleich zwei romanische Kirchengebäude entstanden sind. Der Verlauf des Bachbettes der Puni dürfte ebenfalls in unmittelbarer Nähe verlaufen und damit dürfte ein Brückenübergang von Bedeutung notwendig gewesen sein.
Es sei jedenfalls noch viel zu ergraben im Oberen Vinschgau, so Leitner. (eb)