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Prad am Stlfserjoch/Taufers i. M.

„Wir haben Glück gehabt, dass es dich gibt“

veröfftl. am 18. März 2026

Elmar Rufinatscha, genannt Elli, Jg. 1988 aus Taufers i. M. hat am 28. Februar 2026 in Prad den ersten „Georg Paulmichl Preis“ überreicht bekommen. Die Bürger*Genossenschaft Obervinschgau hat die Trägerschaft für den Preis übernommen.

Es gib normal, obnormal und dia mit Down Syndrom. Dia mit Beeinträchtigung gibs a. Manche moanen sie sein normal, derweil fahlts groub“. So beginnt die Glosse „Normal sein olle gearn“ in der Publikation „Elmars Blick auf die Welt“. Die Texte hat Elmar Rufinatscha, genannt Elli, mit seinem Betreuer Dietmar Raffeiner in der Werkstatt mit Menschen für Behinderung in Prad im Laufe von fünf Jahren erarbeitet. Elmar wollte berühmt werden. „Wenn ma berühmt isch, norr kennt oan a jeder“, so Elmar. „Selm mecht jeder a Autogramm hobm. Wenn a viel int Zeitung drin bisch, norr bisch berühmt“. Und Elmar ist nun berühmt. Er ist der erste Preisträger des „Georg Paulmichl Preises“. Er gibt Autogramme, schaut aus den Zeitungen und sogar aus dem Fernseher heraus. Der Preis ist nach dem bekannten Prader Schriftsteller und Künstler Georg Paulmichl (1960 - 2020) benannt, der ebenfalls von Raffeiner gefördert worden ist. Elmar erhielt eine Marmor Medaille überreicht mit dem Aufdruck „Wir haben Glück gehabt, dass es dich gibt“ - eine Abwandlung des Paulmichl Zitates „Ich habe Glück gehabt, dass es mich gibt“. Elmar ist 38 Jahre alt. Er wuchs mit drei älteren Geschwistern in Taufers i. M. auf und lebt dort bei seinen Eltern. „I wohn iatz in Pradatsch“ erklärt er. Dort fand die Familie ein neues Zuhause, nachdem 2015 ein Brand ihren Hof zerstört hatte. Damals erlitt Elmar einen Schock, der bei ihm noch heute nachwirkt. Elmar besuchte die Grundschule in Taufers, die Mittelschule in Glurns und die Landesberufsschule in Schlanders. Stets erfuhr er spezielle Betreuungen. „I hon die Lehrer oft a bissl tratzt“, scherzt er. Nach der Pflichtschule fand er eine Beschäftigung als Gemeindearbeiter in Taufers i. M. „Selm hots miar gonz guat gfolln“ betont er. Doch leider machten ihm epileptische Anfälle einen Strich durch die Rechnung. Elmar kam in die Werkstatt in Prad. Dort traf er seiner Freundin Ladina und seinen Betreuer Raffeiner, der ihn unter seine Fittiche nahm. In seinem Heimatort ist Elli voll integriert. Er liebt die Musik der „Jungen Pseirer“, und er ist Fan der Tauferer Musikkapelle. Bereit von klein auf durfte er beim „Silvesterblasen“ die große Trommel ziehen. Er wurde dafür sogar mit dem „Trommelzieher Diplom“ geehrt. Elli liebt das Theater und schaut sich gerne bayrische Komödien an. Bei der Heimatbühne Taufers i. M. ist er eine feste Größe. Als „Zettelkontrolleur“ steht er am Eintritt, und zur Verneigung zieht er den Souffleur aus dem Kasten. Elmar war bereits öfters als Filmstatist im Einsatz, so bei den Dreharbeiten „Das finstere Tal“. Und er träumt davon, einmal im Trachtenkleid als Trommler auftreten zu können. Elli liebt die Geselligkeit und hie und da auch ein Bier. Am liebsten isst er Pizza, Cordon Blue und heiße Würste. „Als Londeshauptmann tat i in jedn Dorf a Würstlbude aufstellen“, meint er. Willkommene Abwechslung bietet ihm die Sonntagsbetreuung im Haus der Lebenshilfe in Schlanders. Sein größter Wunsch wäre es, in einer Wohngemeinschaft zu leben. Und er möchte weiterhin Literat sein. Elli schöpft aus Erfahrungen und Beobachtungen. Seine Texte halten den Menschen humorvoll den Spiegel vor, so auch mit dem treffenden Zitat: „Wenn die Leit bsoffn sein, norr sein sie olle nimmer normal.“ (mds)