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Mals

Ohne Gleichstellung keine Zukunft

veröfftl. am 18. März 2026

Diskutierten darüber, was Familien brauchen: v. l. Valentina Burger, Tanja Einsiedler, Christa Ladurner, Lukas Gerstl, Klaus Wallnöfer, LR Rosmarie Pamer und Moderator David Frank

Sommerbetreuung und die Vereinbarung von Beruf und Familie sind nach wie vor die zwei wichtigsten Themen, die Südtiroler Familien beschäftigen. Wie groß der Handlungsdruck in diesen Bereichen ist, zeigte sich bei der Podiumsdiskussion der zweiten Vinschger Familientagung im Oberschulzentrum Mals am 7. März 2026, organisiert vom Eltern-Kind-Zentrum Obervinschgau.
Der Moderator David Frank führte durch die Diskussion. Am Podium saßen die Präsidentin des ELKI Obervinschgau Valentina Burger, Tanja Einsiedler, der Hotelier Lukas Gerstl, Klaus Wallnöfer, Direktor des Schulsprengels Graun und Landesrätin Rosmarie Pamer an Stelle von Landesrat Philipp Achammer, der kurzfristig absagte. Den inhaltlichen Einstieg übernahm die Soziologin und Pädagogin Christa Ladurner. Sie zeigte aktuelle Studienergebnisse einer Umfrage, die das Stimmungsbild der Südtiroler Familien erfasste. „Für 64 Prozent der Befragten sind Großeltern sehr wichtig in der Betreuung ihrer Kinder“, so Ladurner. Vor allem für Eltern, die nicht auf diese Ressourcen zurückgreifen können, stellen die langen Sommerferien eine finanzielle als auch mentale Belastung dar. Bei der Sommerbetreuung gäbe es „vor allem im Kindergarten Probleme“ – zu betonten sei jedoch, dass sich die Ergebnisse primär auf die Städte beziehen und die Situation in den Gemeinden anders sein kann.
Die hohe Beteiligung von Frauen an der Befragung zeigt, dass sich diese immer noch vorwiegend zuständig für Familienthemen fühlen. Aber: Der Wunsch nach einer ausgewogenen Rollenverteilung ist da. Wallnöfer betonte: „Männer müssen Verantwortung übernehmen” und “Kampagnen und Sensibilisierung sind sehr wichtig”, sagte David Frank.
Erreicht werden könnte mehr Gleichstellung durch neue Arbeitszeitmodelle, wie sie der Hotelier Lukas Gerstl in seinen Betrieben bereits umsetzt. 54 Prozent seiner Mitarbeitenden sind Mütter. Da braucht es „flexible Arbeitszeiten“. Zusätzlich besteht für die Kinder der Angestellten die Möglichkeit zum Mittag- oder Abendessen im neuen Family Resort in Graun. Ergänzend dazu ist die neue Kita im Hotel auch samstags geöffnet. Lukas Gerstl betonte: „Je mehr Betriebe das machen, desto mehr Anklang hat es und wir sind auf einem guten Weg, dass sich andere diesem Modell anschließen“. Gerstl wünscht sich allerdings mehr staatliche Unterstützung, da die „Mitarbeiterkosten sehr hoch sind für solche neuen Arbeitsmodelle.“
Mehr Unterstützung vom Staat wünschte sich auch Tanja Einsiedler, die bei der Podiumsdiskussion über ihren Alltag als Mutter eines beeinträchtigten Kindes berichtete. Es brauche noch einmal mehr Management und „die meisten Mütter sind gezwungen, ihren Arbeitsplatz zu kündigen.“ Generell würde vielen Frauen „aktiv empfohlen“ werden, ihren Job zu kündigen, sagten Frank und Valentina Burger. Das Kündigen und das jahrelange Arbeiten in Teilzeit hat enorme Auswirkungen auf die Rente und führt, wie die Statistiken zeigen, zu „Altersarmut vor allem bei Frauen“, so Ladurner. Chancengleichheit in der Berufswelt und eine gerechte Arbeitsteilung in der Familie scheinen unter diesen Aspekten nur gerechtfertigt.
Die zahlreichen Wortmeldungen aus dem Publikum unterstrichen nicht nur die Relevanz dieser Themen für junge Südtiroler Familien, sondern machten auch deutlich, dass die Politik gefordert ist, bedürfnisorientierte Lösungsansätze für die neuen Lebensrealitäten zu entwickeln.