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Naturns

Die Katakombenschule

von Anna Pfitscher
„Die Katakombenschule - Erinnerung und Vermächtnis“ wurde vom Südtiroler Schützenbund konzipiert, um an im Oktober 1923 erlassene „Lex Gentile“-Dekret, welches jeglichen deutschsprachigen Unterricht in Südtirol verbot, zu erinnern.
veröfftl. am 28. Oktober 2026

Ein Jahrhundert ist vergangen, seit durch das „Lex Gentile“ Dekret der faschistischen Regierung unter Benito Mussolini das gesprochene und geschriebene deutsche Wort aus Südtirols Schulen und somit aus dem Alltag verbannt werden sollte. Die Wanderausstellung „Die Katakombenschule – Erinnerung und Vermächtnis“ wurde vom Südtiroler Schützenbund konzipiert, um an dieses im Oktober 1923 erlassene Dekret, welches jeglichen deutschsprachigen Unterricht in Südtirol verbot, zu erinnern.
Um das Vorhaben durchzusetzen, schickte das Regime tausende Lehrkräfte aus den südlichen Provinzen Italiens nach Norden. Diese verstanden kein Wort Deutsch, während die Südtiroler Kinder kein Italienisch beherrschten. Wer im Unterricht oder auf dem Pausenhof ein deutsches Wort benutzte, riskierte Demütigungen und körperliche Bestrafung. Das staatliche Lehrpersonal fungierte oft als verlängerter Arm der faschistischen Geheimpolizei.
Um die deutsche Sprache in Südtirol dennoch zu bewahren, wurden im ganzen Land illegale Notschulen, die sogenannten „Katakombenschulen“, organisiert. Initiiert von Persönlichkeiten wie Kanonikus Michael Gamper und dem Arzt Dr. Josef Noldin, wurde der Unterricht heimlich in Stuben, Kellern oder Heustadeln, getarnt als harmlose Näh- oder Spinnkurse, abgehalten.
Durch die Initiative der Schützenkompanie Naturns konnte die Ausstellung vom 5. bis zum 18. Oktober im Rathaussaal von Naturns besucht werden. Neben sachlichen Informationen zu historischen Fakten und Originaldokumenten berührten vor allem ein Kurzfilm mit Erzählungen von Zeitzeugen sowie die Berichte über Schicksale der mutigen Lehrerinnen und Lehrer der Katakombenschulen. Dies waren vor allem junge Frauen ohne Kinder, die somit durch ihre Tätigkeit nicht weitere Familienangehörige gefährdeten. Eine der bekanntesten Katakombenlehrerinnen war Angela Nikoletti (1905 -1930). Sie wurde von der faschistischen Geheimpolizei inhaftiert, schwer misshandelt und starb mit nur 25 Jahren an den Folgen der Haft.
Zudem gelang es der Schützenkompanie Naturns, der Ausstellung auch spezifische Informationen zur Gemeinde Naturns bzw. über deren Bürgerinnen und Bürger, welche aktiv am Widerstand beteiligt waren, einzufügen. Unter anderem fand man eine schriftliche namentliche Nennung einer Lehrerin aus Naturns, welche in den Katakombenschulen lehrte, wie auch Vizebürgermeister Michael Ganthaler bei der Eröffnung durch Hauptmann Marcel Doliana den zahlreich erschienenen Besuchern erklärte.
Neben den interessierten Bürgerinnen und Bürgern nutzten vor allem Schulklassen die Ausstellung, um die Geschichte aufzuarbeiten und anhand der zahlreichen Fotos und Originaldokumente greifbarer zu machen. Zudem, so Dietmar Rainer, Hauptmann- Stellvertreter der Schützenkompanie Naturns, soll durch die Ausstellung erinnert und verdeutlicht werden, dass unsere heutige privilegierte Situation nicht selbstverständlich ist.