Kalter weißer Mann – eine Gesellschaftskomödie
Das Renaissance-Theater Berlin präsentierte im Kulturhaus Schlanders die Komödie „Kalter weißer Mann“ von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob
Bei der fünften und letzten Aufführung der Theatersaison 2025/26 des Südtiroler Kulturinstituts präsentierte das Renaissance-Theaters Berlin im Kulturhaus Schlanders die Komödie „Kalter weißer Mann“ von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob. Im Mittelpunkt des Theaterstücks steht eine Trauerfeier des Firmenpatriarchen Gernot Steinfels, der mit 94 Jahren kinderlos entschlafen ist. Sein designierter Nachfolger organisiert die Trauerfeier und hält die Trauerrede. Anwesend ist eine kleine Trauergemeinde, neben dem gutmeinenden, aber unbeholfenen Geschäftsführer in spe, die sprachsensible Marketingchefin, der junge Social-Media-Experte, die langjährige Sekretärin, die selbstbewusste Praktikantin und der genervte Pfarrer. Die Sekretärin will unbedingt singen, der Pfarrer und der zukünftige Geschäftsführer wollen alles schnell über die Bühne bringen. Doch die Trauerschleife mit der Aufschrift „In tiefer Trauer. Deine Mitarbeiter“ löst Irritationen und Diskussionen aus. Wo bleiben die Mitarbeiterinnen? Eine Auseinandersetzung über das Gendern, die männlich dominierte Sprache, Identität und Macht, gesellschaftliche Sensibilität und politische Korrektheit, über Rassismus und was man überhaupt noch sagen darf, um nicht falsch verstanden zu werden, verzögern die Trauerfeier und bringen alles durcheinander. Durch intelligente und witzige Dialoge wird gezeigt, wie schnell Diskussionen über Formulierungen zu Identitäts- und Machtfragen werden. Es ist eine unterhaltsame Genderdebatte zwischen Generationen und Geschlechtern, dem innerlich kalten, starrsinnigen, unflexiblen weißen Mann einerseits und der sprachsensiblen, selbstbewussten und machtbewussten jungen Frau andererseits. In der Komödie wird aber auch aufgezeigt, wohin politische Korrektheit führen kann, wo Sensibilität aufhört und Absurdität beginnt. Am Ende stellt die Sekretärin die Frage: Warum sind eigentlich alle davon überzeugt, dass nur sie recht haben? Die Komödie zeigt, wie dünnhäutig wir geworden sind und wie befreiend es sein kann, darüber zu lachen. Und zum Glück gab es bei diesem Theaterabend sehr viel zu lachen. (hzg)