Frühjahrausstellung auf Schloss Kastelbell eröffnet
Heinrich Schwazer, seit 1996 Kulturjournalist der “Neuen Südtiroler Tageszeitung” führt in das Werk der Malerin ein
Schloss Kastelbell widmet seine diesjährige Frühjahrsausstellung der Malerin Ursula (Trull) Oberrauch. Gezeigt wird ein Querschnitt aus ihrem umfangreichen Werk. Die 1944 in Meran geborene Künstlerin studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München sowie an der Temple University Tyler School of Art in Rom. Nach ausgedehnten Auslandsaufenthalten ist sie heute in Bozen tätig.
Am 9. Mai fand die Eröffnung der Ausstellung im Schlosshof statt. Gerold Tappeiner, Obmann des Kuratoriums Schloss Kastelbell, begrüßte die zahlreich Erschienenen. Kurator Heinrich Schwazer führte in das Werk der Malerin ein. “Sie ist eine Künstlerin, die an die fundamentale Kraft der Farbe glaubt. Ihre künstlerischen Wurzeln liegen in der Aquarellmalerei. Heute widmet sie sich fast ausschließlich der Acrylmalerei. Sie ist eine Künstlerin, die mit abstrakten Formen arbeitet, doch wer sich damit auseinandersetzt, darf selbst nicht abstrakt bleiben, sondern muss präzise sein, differenziert argumentieren und Beliebigkeit vermeiden.“ Laut Kurator Schwazer ist die Einführung der Abstraktion in der Malerei die vielleicht größte Errungenschaft des vergangenen Jahrhunderts. Manche sagen, dass die Beschäftigung mit der Abstraktion im Grunde schon abgeschlossen sei, da sie nichts Neues hervorbringen kann, weil alles schon einmal da war. Ein weißes Bild kann man nur einmal malen. „Warum ist die Beschäftigung mit abstrakten Formen heute dennoch aktuell?“, fragt sich Schwazer. Seine Antwort: „Weil die entscheidende Frage unserer postmodernen Zeit nicht mehr lautet: Was ist neu?, sondern: Wie aufdringlich, wie existenziell ist der künstlerische Prozess dahinter?“ Um auf diese Frage in Oberrauchs Malerei eine Antwort zu finden, ist eine intensive Auseinandersetzung mit dem variierenden Farbspiel sowie dem Zusammenspiel von Farbe und Struktur erforderlich. “Ein Bild kann sich bei ihr bis zum allerletzten Pinselstrich verändern. Trull Oberrauch ist und bleibt eine Suchende“, so die abschließenden Worte des Kurators. Die Künstlerin selber sagte zu ihren Werken nichts. Sie hieß nur alle herzlich willkommen und freute sich. (pt)
Die Ausstellung auf Schloss Kastelbell ist bis einschließlich 28. Juni 2026 zugänglich.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag von 14:00 bis 18:00 Uhr; sonn-und feiertags von 11:00 bis 18:00 Uhr. Montag Ruhetag, ausgenommen Feiertage.