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Landtag

U-Ausschuss Corona: Anhörungen von Medienvertretern (1/2)

Der Untersuchungsausschuss zur Aufarbeitung der Corona-Maßnahmen befasst sich am heutigen 2. September mit dem Mediensektor. Am Vormittag wurden mit Franceschini, Faustini und Mayr drei ehemals in leitenden Positionen lokaler Medien tätige Personen über die Situation während der Pandemie angehört. Die Anhörungen werden am Nachmittag fortgesetzt.

Der Untersuchungsausschuss zur Aufarbeitung der Corona-Maßnahmen der Jahre 2020–2023 und Feststellung der Verantwortlichkeiten ist am Mittwoch (2. September 2026) unter dem Vorsitz Brigitte Foppa zusammengetreten. Auf der Tagesordnung standen eine Reihe von Anhörungen im Bereich „Medien und Gesellschaft“, zu denen ehemalige Chefredakteure von verschiedenen Südtiroler Medien eingeladen waren.

„Es geht heute darum, wie während der Pandemie öffentliche Meinung kreiert wurde und auch darum, wie mit Meinungsunterschieden umgegangen wurde“, erklärte Vorsitzende Foppa nach der Vormittagssitzung, in welcher drei namhafte Vertreter des Südtiroler Journalismus Auskunft gegeben hatten: Christoph Franceschini, damaliger leitender Redakteur bei „Salto.bz“, Alberto Faustini, damaliger Direktor der Tageszeitungen „Alto Adige“ und „l’Adige“, sowie Wolfgang Mayr, ehemaliger Chefredakteur von Rai Südtirol.

Christoph Franceschini habe seine eigene Rolle während der Pandemie „sehr kritisch hinterfragt. Er sagte wörtlich, dass kritischer Journalismus sich in dieser Zeit nicht mit Ruhm bekleckert habe, dass Fehler passiert seien, dass der kritische Journalismus versagt habe“, berichtete Foppa. Franceschini habe auch von Konformismus innerhalb der Journalisten gesprochen, viele hätten Angst gehabt und nicht gegen den Strom schwimmen wollen. „Da gelte es – auch das sagte er wörtlich“, so Foppa, „Wiedergutmachung zu leisten. Er sagte das auch als einen Vorwurf, den er sich selbst mache – doch ihm habe damals die Kraft zum Widerspruch gefehlt.“ Es hätten sich einige Rollen verschoben; es sei eine Zeit gewesen, in der sich etwa der Dissens von den politisch Linken plötzlich auf die eher Rechten verlagert habe. „Franceschini stellte aber auch klar – und das ist etwas, was bei den heutigen Anhörungen mehrmals betont wurde –, dass es keine Anweisungen ‚von Oben’ gegeben habe, das hätte er sich auch nicht gefallen lassen“, informierte Foppa weiter.

Ähnliches sei von Wolfgang Mayr gesagt worden, bei dem man heute explizit nachgefragt habe, weil es immer wieder heiße, dass es Vorgaben vom Staat, vom Land oder der zentralen Rai-Redaktion in Rom gegeben habe. „Mayr hat das strikt verneint. Er hat sich darauf berufen, dass sich journalistische Freiheit nicht zu leiten lassen hat“, führte Ausschussvorsitzende Foppa aus. Mayr sei während der Pandemie nicht Teil der Nachrichtenredaktion von Rai Südtirol gewesen, sondern der Programmredaktion. „Dabei hat er versucht, auch Stimmen zu Wort kommen zu lassen, die nicht mit der vorherrschenden Meinung übereinstimmten; allerdings – so sagte Mayr – sei es nicht so einfach gewesen, Leute zu finden, die Kritik sachlich vorbringen können“, so Foppa. „Und er sagte auch, dass sich Südtirol grundsätzlich mit Meinungsäußerung und Gegenmeinung schwer tue.“ Es sei in der Anhörung mit Wolfgang Mayr auch um einzelne Kommentare gegangen, die er auf Onlineportalen veröffentlicht hatte. Zu diesen pochte er auch auf die Freiheit seiner eigenen Meinung. Er habe aber auch gesagt, „dass man die Sowohls ebenso wie die Auchs zu Wort kommen lassen muss. Den verbreiteten Konformismus unter Medienleuten hat auch er bestätigt.“

Alberto Faustini habe ebenfalls die Unabhängigkeit von politischen Leitfiguren und Auftraggebern bestätigt. „Auch er sagte, dass man sich auf keinen Fall habe beeinflussen lassen, und hatte eine sehr klare und eindeutige Position, gerade in der Impffrage, die er auch immer klar zum Ausdruck gebracht hat“, berichtete Foppa. „Er sagte wörtlich, er lasse sich nie von Werbeinserenten beeinflussen, weder was Impfungen anbelange noch ein Restaurant, das eine Anzeige in ‚seiner‘ Zeitung schaltet. Es war ihm sehr wichtig zu sagen, dass er immer auch Platz für sehr kritische Stimmen gelassen habe.“ So habe er alle Leserbriefe von impfkritischen Personen veröffentlicht, auf die er dann im Rahmen seiner eigenen Meinung geantwortet habe. Faustini habe auf seiner Seriosität bestanden und habe wörtlich gesagt: „Ich bin seriös – auch dann, wenn ich einen Fehler mache.“ Mit Faustini habe man auch noch einmal mögliche Unterschiede in der italienischen und deutschen Sprachgruppe Südtirols erörtert. „Eine Schlussfolgerung ist“, so Foppa, „dass die Unterschiede in der damaligen Zeit auch auf das Lebensumfeld zurückzuführen sind. Faustini zum Beispiel sieht Unterschiede zwischen einem urbanen Umgang mit der Pandemie und einem ländlichen Umgang. Er sagt, der ‚Alto Adige‘ ist eine Stadtzeitung und hat entsprechend diese Stimmen wiedergegeben.“

Und auch das sei Teil der Pandemie gewesen, unterstrich Ausschussvorsitzende Foppa abschließend, „dass das eigene Umfeld nicht nur die Erfahrungen, sondern sehr stark auch die Meinung geprägt hat“. 

Die Anhörungen von Medienvertretern werden am Nachmittag fortgesetzt. Es folgt dazu eine weitere Pressemitteilung.

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