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„…eine Last, die ich mit mir herumtrage“

  • Dachzeile: Portrait 3/2026

Gernots Gedanken hängen oft an jenem Tag, an dem er von der Pfarrhäuserin aufgefordert wurde, zum Beichten ins Pfarrhaus zu kommen. Aus der Beichte wurde ein sexueller Übergriff des Pfarrers mit der Begründung, Gernot habe eine schwarze Seele, sei von bösen Geistern besessen und müsse mit dem geistlichen Penis, den der Pfarrer „Reinigungsstab“ und „Zepter Gottes“ nannte, gereinigt werden. „Dem sexuellen Akt folgten ein Exorzismus und die Beschwörung niemandem etwas zu erzählen“, erinnert sich Gernot. „Ich fühlte mich schuldig, war ohnmächtig und blieb stumm, auch weil ich wusste, dass mein Vater keinen Widerspruch duldete, schon gar nicht, wenn es um einen Priester ging. Und meine Mutter war eine Schweigemutter“. Als er zaghaft versuchte, sich einer Tante anzuvertrauen, stoppte sie ihn mit einer Watsche. „Alle meine Tanten waren bigott und dem Pfarrer hörig“, sagt Gernot. Er blieb in der misslichen Situation gefangen und wurde immer wieder „zur Beichte“ geholt, an die 50ig Mal schätzt er. Und er war nicht der Einzige, der den Übergriffen des pädophilen Pfarrers ausgesetzt war. Hinter vorgehaltener Hand wurde gemunkelt, und in der Gemeindestube starteten Versuche, den Geistlichen loszuwerden. Erst nach langwierigen Interventionen bei der geistlichen Obrigkeit gelang es schließlich. Der Pfarrer wurde jedoch nicht zur Rechenschaft gezogen. Das Geschehene verschwand unter dem Mantel des Schweigens. Den Pfarrer traf Gernot Jahre später im Pustertal, wo er sich als Schüler der Handelsoberschule in Mals in den Sommerferien sein erstes Geld verdiente. „Der Pfarrer hat mich daraufhin gestalkt, aus Sorge, ich könnte vom Missbrauch erzählen“, vermutet Gernot. Nach der Matura trat er den Militärdienst bei den Fallschirmspringern in Pisa an. Als treffsicherer Schütze wurde er Mannschaftsführer einer zwölfköpfigen Gruppe. Eines Tages kam der Militärpfarrer in sein Zimmer und zeigte ihm einen Brief seines einstigen Peinigers, in dem dieser schrieb, Gernot sei eine ungute Seele und nicht autoritätswürdig. Der Brief musste wohl noch andere Botschaften enthalten haben. Denn der Militärgeistliche forderte ihn daraufhin auf, ihm gegen Bezahlung von 40.000 Lire einmal wöchentlich für sexuelle Dienste zur Verfügung zu stehen. Gernot lehnte entsetzt ab. Die Rache des Priesters folgte sofort. Er ließ Gernot samt seiner Gruppe auf die Freiwilligenliste für den Einsatz in Lybien setzen, wohl auch um zu verhindern, dass sein Ansinnen publik werden könnte. So vermutet Gernot. In Nordafrika galt es dann das von Rebellen besetzte Öllager von Gadaffi bei Tripolis zu befreien. An den Fallschirmen hängend und mit Valium gegen die Angst im Blut wurden die Fallschirmspringer von unten beschossen. Sie versuchten sich zu verteidigten. Zwei aus Gernots Gruppe verloren ihr Leben. „Dieser Verlust und die anschließenden Vorwürfe der Angehörigen, aber auch die Sorge, dass ich selbst jemanden erschossen haben könnte, ist auch eine Last, die ich mit mir herumtrage“, erklärt Gernot. Bitter war auch die Erkenntnis, dass er auch diesen Kummer einem Geistlichen zu verdanken hatte. Wieder daheim bemühte sich Gernot ein normales Leben zu führen. Er betrieb ein Souvenirgeschäft, bildete sich als Sportmasseur aus, heiratete und wurde Vater von drei Kindern. Um die Kirche machte er meist einen großen Bogen. Über die traumatischen Ereignisse schwieg er. „Eines Tages brach alles wie eine Lawine über mich herein“, erklärt er. Wut und Hass zerfraßen ihn. Er versank in Depressionen, hatte Selbstmordgedanken. Um zu vergessen, flüchtete er sich in den Alkohol. Er schaffte den Alltag nicht mehr. 2002 kam er zur Therapie nach Bad Bachgart. Den Missbrauch verschwieg er auch dort aus Rücksicht auf seinen Vater und seine Tanten. Seine Frau und die Kinder wussten ebenfalls nicht, was ihn belastete. Nach der Rückkehr übernahm er daheim den Haushalt, war liebevoller Vater und Ehemann und beschäftigte sich eingehend mit Philosophie. Er bemühte sich immer wieder die Erinnerungsbilder, die sogenannten Flashbacks, zu verdrängen. Doch es gelang nicht. Es folgten weitere Aufenthalte im Therapiezentrum in Rodeneck. Nach dem jüngsten Aufenthalt kam eine Wende. Sein Psychotherapeut Eduard Senoner konnte ihn ermutigen, sich zu öffnen. Gernots Frau und die Kinder wissen nun auch Bescheid, und das tut ihm gut. Von den Gesprächen mit den hohen Würdenträgern im Land ist Gernot enttäuscht „Die Kurie hat immer gewusst, dass der Pfarrer ein pädophiler Täter ist. Sie hat sich aber mit ihm solidarisiert und von mir Verzeihung verlangt“, bedauert er. Mit dem Schritt an die Öffentlichkeit will er das Leid der Betroffenen aufzeigen und der Kirche ihre schwarze Seele bewusst machen. Die Vertreter der kirchlichen Institutionen fordert er auf, die Scheinheiligkeiten abzulegen und endlich ehrliche Verantwortung zu übernehmen.

„Bitte, lasst die Kinder in Ruhe…“

  • Dachzeile: Portrait 14/2026

Wenn ich nur ein einziges Kind rette, lohnt es sich, meine Geschichte öffentlich zu machen“, betont Marta. Sie war als Fünfjährige zuerst von einem ihr unbekannten Besucher missbraucht und dann jahrelang von ihrem Vater vergewaltigt worden. Alles passierte auf einem Hof bei Kastelruth. Marta hatte drei Brüder. Sie war die Jüngste. „Meine Mutter wollte mich abtreiben lassen“, erklärt sie. „Die Schwester der Mutter, eine Nonne, hat das verhindert. Oft habe ich mir nachher gewünscht, sie hätte mich abgetrieben, dann wäre mir vieles erspart geblieben.“ Marta war zehn Jahre alt, als ihr Vater zum ersten Mal über sie herfiel. Verletzt, blutend und traumatisiert blieb sie stumm. Sie hatte Angst, die Mutter könnte ihr die Schuld zuweisen: „Wenn die Mutter das erfährt, erschlägt sie mich“, dachte sie. Ein langes Martyrium begann. „Fast täglich hat er mich vergewaltigt, oft auch mehrere Male am Tag, im Stall, in der Scheune, auf den Feldern, überall, wo er mich zu fassen bekam“, erzählt sie. „Er hat mir gesagt: Wenn du einmal blutest, musst du es mir sagen, damit ich dir kein Kind mache.“ Als 12-Jährige vertraute sie sich bei einer Beichte dem Pfarrer an. Dieser rief sie ins Widum. Dort redete er ihr ein, dass sie ihren Vater, der auch sein Mesner war, verhext habe, und dass er ihr nun den Teufel austreiben müsse. Eingeschüchtert ließ sie das Exorzismus-Ritual über sich ergehen. Kurz danach fasste sie doch den Mut, ihrer Mutter alles zu beichten. Ein fürchterliches Donnerwetter brach los. In ihrer Wut zeigte die Mutter ihren Mann an. Carabinieri kamen. Dem Vater wurde gedroht, dass er bei einer Wiederholungstat eingesperrt werden würde. Doch der Vater ließ nicht von Marta ab. „Meine Mutter hat es gewusst und nicht verhindert“, betont sie. „Ich wäre oft am liebsten aus dem Fenster in den Tod gesprungen. Nur die Angst hat mich zurückgehalten“, beschreibt sie. „Meiner Mutter muss es irgendwann doch zu viel geworden sein. Sie brachte mich zur Familie ihres Bruders.“ Doch Marta war auch dort nicht sicher. „Wenn der Onkel allein im Haus war, fiel auch er über mich her“, erzählt sie. „Ich sehe mich noch heute geschockt dastehen, wie eine Betonsäule.“ Marta nässte das Bett und wurde heimgeschickt. Dort wurde sie erneut von ihrem Vater vergewaltigt. „Ich konnte mich nicht wehren, war wie ohnmächtig und weinte, bis ich nicht mehr weinen konnte.“ Sie war 15 Jahre alt, als ihre Tante, die Nonne, sie endlich ins Kloster nach Mühlbach holte. Es war eine Befreiung. Dort kam Marta endlich zur Ruhe. Sie besuchte die Haushaltsschule in Sterzing und fand eine Anstellung im Liebeswerk in Meran. „Wenn ich früher gewusst hätte, dass es das Liebeswerk gibt, wäre ich von daheim weggelaufen“, meint sie. Beim „Hans Wirt“ in Meran lernte sie Sepp Mur kennen und lieben. Noch vor der Hochzeit 1975 erzählte sie ihm ihre tragische Geschichte. „Ich habe geglaubt, damit wäre alles überwunden, doch dem war nicht so“, sagt Marta. „Sepp war immer einfühlsam und liebevoll. Eigentlich hat er mein Leben gerettet. Aber er hat es schwer mit mir gehabt. Ich hätte mir gewünscht, er wäre nur mein Bruder und nicht mein Ehemann.“ Die intimen Berührungen waren für Marta immer schmerzhaft. Nachdem sie Mutter eines Sohnes geworden war, hatte sie Angst, den Kleinen beim Wickeln zu berühren. Sepp stand ihr zur Seite und brachte sie zu einer Selbsthilfegruppe. „Dort sind dann meine Tränen geflossen“, sagt sie. Sie nahm psychologische Hilfe in Anspruch. Um ihr Leid aufzuarbeiten, wurde ihr geraten, ihren Vater zu kontaktieren, der inzwischen in einem Altersheim lebte. Im Jahr 2000 hatte sie endlich die Kraft zu ihm hinzugehen. Sie hielt dem 87-Jährigen das Foto hin, das sie als sechsjähriges Mädchen zeigt. Und sie fragte ihn, ob ihm bewusst sei, was er diesem Kind angetan hatte. Er antwortete: „Ja und, … du hast ja kein Kind von mir“. In Tränen aufgelöst fuhr Marta zu ihrem Sepp nach Hause, der sie tröstend in die Arme nahm. Sepps plötzlicher Tod 2007 stürzte Marta in eine tiefe Krise, aus der sie sich nur langsam wieder erholte.
Eine neue Aufgabe fand sie mittlerweile als Freiwillige in einem Seniorenheim in Lana. Aus der bitteren Erfahrung heraus versucht sie nun zum Thema Missbrauch wachzurütteln. Den triebhaften Menschen rät sie, sich Hilfe in Anlaufstellen zu suchen. Und sie möchte am liebsten öffentlich protestieren und in die Welt hinausschreien: „Bitte, lasst die Kinder in Ruhe, denn ihr zerstört ihr Leben.“

„Brücke zwischen Kulturen und Bergen“

  • Dachzeile: Portrait 10/2026

Vanessa wurde 1984 in Abancay, Peru, geboren. Die ersten 16 Jahre lebte sie in ihrer Heimatstadt und besuchte dort die Klosterschule der Dominikanerinnen „Santa Rosa“. In der reinen Mädchenschule lernte sie viele wesentliche Werte und Tugenden für das Leben. Sie erzählt von schönen täglichen Ritualen und stärkenden Mädchenfreundschaften die bis heute anhalten. Um Wissenschaft zu studieren zog sie in eine größere Stadt. Dort lernte sie ihren Mann, der aus dem Vinschgau stammt, kennen. Sie heirateten und lebten eine Zeit lang in Peru. Schließlich entschieden sie sich in den Vinschgau zu ziehen. Obwohl ihr Mann aus Laas stammt, ging die Initiative für diesen großen Schritt von Vanessa aus. Sie ist sehr glücklich, dass sie diese Herausforderung anging. Die kleinen Dörfer im Vinschgau vermitteln eine grundlegende Sicherheit für Familien. Sie bieten den Kindern und den Eltern viele Freizeit- und Weiterbildungsmöglichkeiten, ein breit gefächertes Bildungssystem. Hier können die Kinder im Freien spielen, in Vereinen und Gemeinschaften mitwirken und mitwachsen. Vanessa und ihr Mann haben zwei Kinder, beide besuchen die Schule und sind mehrsprachig aufgewachsen. Vanessa hätte verschiedene Arbeiten machen können, aber die Vereinbarkeit von Familie und Beruf war ihr wichtig. Sie suchte eine gute Balance zwischen Arbeit und Familie und entschied sich für eine Ausbildung zur Tagesmutter. So konnte sie zu Hause bei ihren Kindern sein und gleichzeitig als Tagesmutter arbeiten. „Das war eine schöne Zeit, in der ich mit vielen Kindern schöne emotionale Erlebnisse erlebte und viel Spaß hatte.“ lächelt Vanessa.
Sie begegnete in Südtirol vielen Menschen die ihr auf ihrem Weg weiterhalfen, dafür ist sie sehr dankbar. Heute arbeitet sie für die GWR Spondinig (Genossenschaft für Weiterbildung und Regionalentwicklung). Um ihre spanische Muttersprache unterrichten zu können, machte sie in Spanien, Salamanca, eine entsprechende Ausbildung. Vanessa bietet abends Kurse für Menschen an, die aus beruflichen Gründen, für Reisen usw. Spanisch lernen möchten. Spanisch ist für Vanessa ein Stück Heimat. Sie genießt es Spanisch zu sprechen und unterrichtet mit viel Freude. Sie sieht den Unterricht als einen Ort der Begegnung. „Ich glaube, Grammatik ist zwar das Fundament, aber der Mut, aus dem Herzen zu sprechen, ist das, was die Brücke baut.“ In ihren Kursen entstehen Verbindungen die wichtiger sind als Vokabeln. Sie vermittelt ihre Kultur mit viel Herzlichkeit und sieht die Sprachkurse als Treffpunk um sich auszutauschen. Vanessa arbeitet auch als „Interkulturelle Mediatorin“ für die GRW (Genossenschaft für Regionalentwicklung und Weiterbildung) - SARNTAL und für das Projekt „MeWo“ - Mehr als Wohnen im Vinschgau. Der Bildungsausschuss stellt Vanessa im Josefshaus von Laas, einen Raum für ihre Arbeit als Mediatorin zur Verfügung. Durch das Erlernen der Sprache kann man sich leichter in die Gesellschaft, in die Arbeitswelt einbringen und selbstbewusster bewegen, meint Vanessa. Sie sieht ihre Aufgabe als eine kulturelle Integration. Gerne hilft sie Müttern, die Sprache besser zu verstehen, damit sie ihre Kinder aktiv in der Schule unterstützen können und die Sprache kein Hindernis für deren Erfolg ist. Vanessa bietet fachliche und emotionale Unterstützung, um Zugewanderten auf den Test für die langfristige Aufenthaltserlaubnis vorzubereiten und den legalen Aufenthalt zu sicheren. Sie begleitet Frauen bei der Jobsuche und bestärkt sie, ihren eigenen Lohn zu verdienen. Das bedeutet Freiheit und wahre Integration. Vanessa ist fest davon überzeugt, dass dies der Schlüssel zu einem erfüllten Leben ist. Ihre Botschaft ist, die Sprache und die Bräuche des neuen Zuhauses kennen zu lernen. Ein neues Zuhause ist auch eine Chance für einen selbst. Nach fast zwei Jahrzehnten in Italien ist sie der lebende Beweis, dass es möglich ist, die peruanische Identität zu bewahren und gleichzeitig das Land, das nun die eigene Heimat ist, liebevoll anzunehmen. In einer Welt, die manchmal gespalten erscheint, erinnert uns Vanessas Geschichte daran, dass Freundlichkeit, Bildung und Empathie die stärksten Bausteine für Brücken der Hoffnung sind und keine Entfernung zu groß ist, um zu wachsen und anderen zu helfen. Sie zeigt, dass wir mit viel Anstrengung, viel erreichen können. Ihre Träume gingen mit viel Fleiß und Mühe in Erfüllung. Sie schätzt sich glücklich, Frau und Mutter von zwei wunderbaren Kindern zu sein. Des Weiteren schätzt sie es sehr, Dank der heutigen Kommunikationsmittel jederzeit mit ihrer Familie in Verbindung treten zu können. So hat sie trotz der Entfernung, selten Heimweh. Vanessa Cahuana ist sehr dankbar, in Laas, im Vinschgau ein schönes und gemütliches Zuhause gefunden zu haben.

„Der Reih noch sein si bodn kemman“

  • Vorspann: Die 91-jährige Josefa Rainalter Wwe. Bernhart, genannt Sefa, hat das Glück, ihren Lebensabend umsorgt von ihren drei Töchtern und deren Familien daheim in ihren vier Wänden in Burgeis verbringen zu können. Abwechslung und Freude erfährt sie durch das Angebot der einfachen Hauspflegedienstleistungen von Viso Plus und in der Tagestättes im Martinsheim in Mals.
  • Dachzeile: Portrait
  • Redakteur: Magdalena Dietl Sapelza
  • Redakteur Bild:

Freud und Leid lagen in Sefas Leben oft nah beieinander, ganz besonders im März 1988. Am 12. März starben ihr Bruder und ihr Vater. Sechs Tage später verbanden sich Trauer und Schmerz mit dem freudigen Ereignis, der Geburt ihres Enkels.
Sefa wuchs mit zwei Brüdern, einer älter, einer jünger, auf dem elterlichen Hof in Burgeis auf. Neben der kleinen Bauerschaft verdiente sich ihr Vater ein Zubrot als Rädermacher. Nachdem er und der ältere Bruder in den Krieg gezogen waren, half Sefa der Mutter soweit sie es imstande war. Und sie war später froh, als die Männer wieder daheim waren. Sefa trug gerne Milch in die Sennerei, weil es dort oft recht lustig zuging. „Oft hon i Schimpf kriag, weil i z’spat hoamkemman bin“, erinnert sie sich. Sobald die Kirchenglocken läuteten, hieß es zur hl. Messe oder auch nur zu einer Andacht zu gehen. „Wegn di Buabm sein miar oft hoamla Maiandocht in Kloster gongen“, verrät sie. An einen nächtlichen Kinobesuch in Mals hat sie eine schlechte Erinnerung. Auf dem Heimweg wurde sie von einem Mann verfolgt, dem sie nur knapp durch die Kornfelder entkam. „Deis isch nor mei leschter Kinobsuach gwesn“, betont sie. Sefa arbeitete einige Winter in Hotelküchen in Sulden, Trafoi und Davos. Die Arbeitstage waren lang und freie Tage gab es keine. Im Sommer wurde sie daheim gebraucht.
In der Nachbarschaft lebte ihr späterer Mann Heinrich Bernhart (Jg.1927). Der „Gerstl Heini“, wie er genannt wurde, war mit seiner Mutter vom „Gerstlhof“ ins Dorf gezogen. „I hon af Nummer 95 gwohnt unt er af 96“, erklärt sie. In den letzten Kriegstagen musste er einrücken. Heini kam mit schwer verletztem Bein und Splittern im Körper aus Oberitalien zurück. „Fan Kriag hot er nia viel drzählt“, sagt Sefa. Heini erholte sich, auch Dank Sefas Zuwendung. 1962 heiratete das Paar - wie früher üblich - um 4.00 Uhr in der Früh. Anschließend fuhren die Frischvermählten mit dem Zug nach Leifers, wanderten zu Fuß zum Wallfahrtort Weißenstein und kehrten dann wieder heim. Heini zog mit Sefa zu seiner Mutter. „Miar hobm boade nichts kopp“, betont sie. Regelmäßiges Geld kam erst ins Haus, als er beim Straßendienst ANAS Arbeit fand. Ein Jahr nach der Hochzeit kam Tochter Heidi zur Welt. Um sich von der „Sünde der Geburt“ zu befreien, musste Sefa das „Firisegnen“ durch den Pfarrer über sich ergehen lassen. Nach der Geburt der Töchter Walburga 1965 und Monika 1969 war dieses Ritual abgeschafft. Belastende Zeiten erlebte Sefa, nachdem die dreijährige Walburga vom Balkon gefallen und mit Schädelbasisbruch im Krankenhaus lag. Die Kleine hatte Glück.
Sefa und Heini setzten alles dran, ein eigenes Höfl zu bauen. Die Marienberger Klosterverwalter überließen ihnen einen Baugrund im Dorfkern als Tauschgeschäft mit einem Grundstück außerhalb des Dorfes. Sefa und Heini hoben den Grund eigenhändig aus, karrten Ziegel um Ziegel herbei und halfen den Maurern. Tagsüber arbeitete Heini im Straßendienst, abends beim Hausbau. „Deis isch a morts Gschint gwesn“, betont sie. Ihr Haus war Mitte der 1960er Jahre fertiggestellt und hatte als einziges in der Bruggergasse ein Badezimmer. Vor allem die Kinder aus der Nachbarschaft waren davon angetan. „Der Reih noch sein si bodn kemman“, erinnert sich Sefa: „Für‘n 100 Liter Boiler hon i oft an Haufn Holz braucht“.
Großer Unterstützer in all der Zeit war Adolf Zierheld. Er und Heini waren unzertrennliche Freunde und Jäger. Oft gingen sie gemeinsam auf die Pirsch. „In Zerza sein si amol mitn Jeep in Boch innigforhn“, lacht sie. Nach einem Krankenhausaufenthalt ging Heini einmal sogar mit Krücken auf die Jagd und erlegte einen Hirsch. Nächtelang pflegten die beiden Freunde das Jägerlatein und tauschten auch ihre Kriegserfahrungen aus. Als Mitglieder in der Frontkämpfer Vereinigung unternahmen sie mit ihren Frauen Ausflüge, so zu den bayrischen Königsschlössern und zum Bodensee. Sefa war öfters auch mit den Bäuerinnen unterwegs. Beim Schneetreiben auf der Malser Haide durchlebte Sefa oft bange Stunden. Bis tief in der Nacht musste sie auf seine Rückkehr warten. „Selm hon i drhoam mit die drei klone Kinder oft zittert“, meint sie.
Das Meer sah Sefa zum ersten Mal im Alter von 88 Jahren. Heidi hatte sie nach Jesolo mitgenommen. Oft denkt Sefa noch an die verspätete Hochzeitsreise an den Wörthersee - ein Geschenk ihrer Töchter. Es war kurz bevor Heini 2011 starb. Mit Hilfe ihrer Familie gelang es ihr den schmerzlichen Verlust zu überwinden. Sie ist dankbar dafür und froh, jeden Tag aufstehen zu können.



„Faszination und Leidenschaft“

  • Vorspann: Die Begeisterung für den Tourismus erweckte Isolde Christandl bereits in ihrer Jugend. Nach dem Tourismusstudiums in Innsbruck und Hall in Tirol arbeitete sie in verschiedenen touristischen Betrieben. Seit Mai 2025 leitet sie die „Chasa Chalavaina“ in Müstair und ihre Begeisterung ist ungebrochen. „Man kann die besondere Energie und Atmosphäre im Haus und rundherum spüren“.
  • Dachzeile: Portrait
  • Redakteur: Christine Weithaler
  • Redakteur Bild:

Isolde Christandl ist 1995 geboren und in Taufers im Münstertal mit ihren vier Schwestern aufgewachsen. Sie erzählt von einer schönen Kindheit, sie hatte immer Menschen um sich herum, mit denen sie gemeinsam viel unternahm, vor allem mit den Schwestern.
Sie besuchte die Fachoberschule für Touristik (FOS) in Meran und studierte anschließend in Innsbruck und Hall in Tirol. Schon damals machten ihr der Umgang und Austausch mit Menschen, speziell mit Gästen Spaß. Nach ihrer Studienzeit arbeitete Isolde in Hotels in Davos, Oberengadin, sowie auf dem Camping von Müstair. Hier war sie insgesamt 10 Jahre tätig, fünf davon als Geschäftsführerin. Nebenbei wirkt sie bei einer Tourismus- und Ferienwohnungsagentur im Unterengadin mit.
Isolde interessiert sich für Wirtschaft, Gesundheit und Sport. Außerdem klettert sie gern. Beim Mehrseilklettern schalten sich ihre Gedanken total aus, der Fels und sie sind eins. Sie konzentriert sich nur auf den nächsten Schritt. Im Gegensatz zum Joggen und Laufen, wo die Gedanken eher fließen. Dort kommen ihr die kreativsten Ideen für das Marketing, für Events und Dekorationen. Sie ist gerne in der Natur, macht Bergtouren auch allein und war mehrere Tage mit ihrem Rucksack beim Weitwandern in den Bergen oder am Meer unterwegs. Sie findet, allein erlebt man die Dinge nochmals intensiver, bewusster. In der Ruhe findet sie die Kraft für neue und tägliche Herausforderungen. Selten ist ihr eine Aufgabe zu groß. Sie geht an sie heran, setzt sich bewusst damit auseinander und durch das Probieren kann man Hindernisse bewältigen. Isolde kann aus Erfahrung sagen, dass Willenskraft im wahrsten Sinne des Wortes Berge versetzen kann.
Voriges Jahr startete sie mit ihrem Partner und ihrem Auto mit Dachzelt von hier nach Marokko, der Weg war ihr Ziel. Sie stellte fest, dass man nicht an seiner voreingenommenen Vorstellung festhalten solle, erst durch das Erkunden und Erleben neuer Lebensräume, Kultur und Landschaft lernt man die Realität kennen und wird oft positiv überrascht. Sie reiste nach China, Australien und den Nahen Osten. Isolde sammelt auf den Reisen viele Eindrücke und Ideen, sieht immer wieder die Schönheit unseres Landes und das Glück unseres privilegierten Standards. Sie kommt gerne wieder heim, sie hat sich nicht nur in das Tal Müstair verliebt, auch unwissend in den Großneffen von Joni Fasser, des ehemaligen Eigentümers des Hotels „Chasa Chalavaina“.
Anfangs 2025 kontaktierte Ulrich Veith (Geschäftsführer Stiftung pro Kloster St. Johann Müstair und Stiftung Chasa Chalavaina) Isolde und am 1. Mai startete sie als Hoteldirektorin. Ihre Begeisterung für „die Chasa“ ist groß. „Die Energie, die Atmosphäre in diesem Haus ist so besonders. Das können die Menschen hier wahrnehmen, ohne dass sie ausgesprochen wird“, erklärt die Gastgeberin mit Leidenschaft in den Augen. „Es scheint oft, als würde die Zeit stehen bleiben“
Fasziniert erzählt sie den Gästen in Führungen von der Geschichte und Atmosphäre des historischen Hotels. Es finden sich geschichtsinteressierte, Ruhe suchende Menschen in den getäfelten Stuben, den liebevoll gestalteten Zimmern und Garten. Neugierig auf Architektur und Design, Kunst und Kultur treffen diese hier in einer gelungenen Kombination von hochwertig und einfach. Das Haus hat seine eigenen Herausforderungen und verlangt individuelle Lösungen. Jedes Zimmer ist anders, es gibt jeweils nur einen Schlüssel als Unikat, keine digitale Zimmerkarte.
Isolde liebt die Nähe zu den Angestellten und den Gästen, sie erlebt immer wieder persönliche Begegnungen und Geschichten.
Nebenbei lernt sie Romanisch. Fasziniert von der alten Sprache, möchte sie diese durch das tägliche Sprechen am Leben halten. Die junge Frau genießt die Zeit im Haus. Die Arbeit im Büro ist ihr Gegenpol zum Kontakt mit den Menschen. Oft sieht sie auf die Uhr und ist über die fortgeschrittene Zeit überrascht. Isolde möchte das Hotel mit seiner Substanz erhalten, pflegen und seinen Gegebenheiten in die Zukunft bringen. Im kommenden Winter steht ein Umbau der Bäder bevor. Isolde freut sich auf die Durchführungen des Projektes mit Ressourcen vor Ort. In den Wintermonaten wird sie sich wieder vermehrt ihren privaten Projekten und Hobbys widmen. Zudem wartet heuer ein Urlaubsabenteuer auf sie, deren Ziel sie noch nicht kennt. So bleibt nicht nur ihr berufliches Leben spannend.



„I bin a Kämpfer“

  • Dachzeile: Portrait 8/2026

Die bittersten Momente durchlebte Konrad am 2. März 2000, als er auf der Geraden von Spondinig nach Prad vor zwei Autowracks und vor seinem schwer verletzten Sohn Simon stand. Verzweifelt redete er ihm Mut zu und bat ihn durchzuhalten. Doch es war umsonst. „Deis isch s‘ Schlimmste in mein Lebem gwesn“, betont Konrad. Simon sollte die Mechaniker-Werkstatt übernehmen. 14 Tage später konnte Konrad dessen Meisterbrief in Bozen abholen.
Konrad kam 1947 in Zams zur Welt, wo seine Familie seit der Option lebte. Später kehrte sie nach Prad zurück. Der Vater eröffnete eine kleine Autowerkstatt im Ortskern. Später übersiedelte die Familie in den Neubau mit Werkstatt und Tankstelle am Ortseingang. Konrad bekam fünf Geschwister. Die Ausbildung der Kinder war den Eltern wichtig. Konrad besuchte die Mittel- und die Handelsschule in Meran, ehe er die Mechanikerlehre begann, die er mit der Meisterprüfung abschloss. Konrads große Leidenschaft war der Sport. Bereits als Bub überzeugte er als Skifahrer, als Langläufer und Fußballspieler. Während der Schulzeit in Meran entwickelte er sich zu einem erfolgreichen Leichtathleten. Für den SC Meran holte er Siege bei den Italienmeisterschaften im 1.500 und 800 Meterlauf. „Meine Zeitn hobm nou johrelong gholtn“, betont er. Seine Militärzeit verbrachte er in der Sportgruppe, wo er seine Sportleidenschaften ausleben konnte und mit Spitzenergebnissen glänzte. „I war gearn beim Militär bliebm“, sagt er. „Obr dr Voter hot eppas drgegn kopp.“ Denn Konrad war prädestiniert den Betrieb zu übernehmen. Und er fügte sich. Neben seinen sportlichen Aktivitäten spielte er in der Musikkapelle und war Mitglied der Volkstanzgruppe. „In oan Johr sein nor fünf Tänzerinnen schwonger gwortn“, scherzt er. „Und oane isch di Inge gwesn, dia i 1971 gheiratet hon.“ Die Familie wurde von Jahr zu Jahr größer, und schließlich war er Vater von vier Kindern, denen er seine Sportleidenschaften vermittelte und sie in den unterschiedlichsten Sportarten förderte. Konrad wurde auch unternehmerisch aktiv. 1977 gründete er die Firma HOWA OHG, heute Hofer Tiefbau. 1985 übernahm er die Werkstatt seines Vaters samt Tankstelle und Autohandel. Er hatte alle Hände voll zu tun. Doch er nahm sich immer auch die Zeit zum Skifahren, zum Tennis- und Fußballspielen. Er trainierte auch Jugend-Fußballmannschaften. Im Alter von 48 Jahren lernte er nach einer Wette mit seinen Söhnen sogar das Snowboardfahren. „I hon fescht trainiert unt hon si nor a oghängt“, lacht er. Regelmäßig verfolgte er die Fußballspiele im Tal als kritischer Zuschauer. Fest eingeplant waren immer auch regelmäßige Familienurlaube. „Gearn bin i mit olle noch Süditalien gfohrn“, verrät er. Konrad liebte auch das Kartenspiel, die Tauchgänge auf den Malediven und die Bergtouren in Nepal mit Christian Kuntner. Konrad genoss das Leben und fühlte sich auf der Sonnenseite. Doch Schatten zogen auf. Zuerst scheiterte seine Ehe, dann verunglückte sein Sohn Simon und schließlich wurde ihm 2002 ein Tumor an der Bauchspeicheldrüse diagnostiziert. Dieser konnte in Innsbruck erfolgreich entfernt werden. Halt gaben ihm seine Kinder und seine zweite Frau Andrea. Er ließ sich nicht unterkriegen und aktivierte all seine positiven Energien. „I bin a Kämpfer“, betont er. Doch 2004 kehrte der Tumor zurück. Auf dem Weg zur Uniklinik sagte er zu Andrea: „I glab, i kimm nimmer zruck“. Denn er wusste, was auf ihn zukam. Er stand vor der Whipple Operation, bei der Teile der inneren Organe entfernt werden mussten. Andrea wich nicht von seiner Seite und holte ihn aus so manchem Tief heraus. „S` Glück isch a gwesn, dass i konditionell guat drauf gwesn bin“, betont er. Konrad besiegte den Tumor erneut. „I kenn niamat, der deis überlebt hot“, sagt er. Mittlerweile muss er sich mit Diabetes und Parkinson auseinandersetzen, wobei er bei der Selbsthilfegruppe im Vinschgau dabei ist. „Selm hot mi di Vorsitzende Frau Evelin Peer betreut unt isch miar helfend zur Seite gstondn“. 2022 musste er sich auch noch mit der Nervenkrankheit Guillan Barré Syndrom auseinandersetzen, was ihn sehr viel Kraft kostete. Doch Konrad gibt nicht auf. Liebevoll umsorgt wird er von seiner Frau Andrea, der Tochter Jessica, den Söhnen Max und Michael. Es erfüllt ihn mit Freude, dass die Kinder seine Betriebe erfolgreich weiterführen. Heute genießt er die regelmäßigen Plauderstunden in Seniorenkreisen, und er wünscht sich noch viele Jahre an der Seite seiner Andrea. „Sie isch mein Engl“, sagt er. „Sie hot miar über di schwarn Zeitn gholfen unt hilft miar a iatz Tog für Tog beim Weiterkämpfn.“

„I hon nia na sogn kennt“

  • Dachzeile: Portrait 15/2026

Traumatisch verlief schon Hermines Geburt. Ihre Steißlage wäre für sie beinahe zur tödlichen Falle geworden. Hermine wuchs mit zwei Brüdern in Eyrs auf. Die Familie lebte von einer kleinen Landwirtschaft, bis der Vater bei der Bahn Arbeit bekam. Hermine besuchte die Latein-Mittelschule in Mals und anschließend die Lehrerbildungsanstalt LBA in Meran. Als 17-Jährige verliebte sie sich in den jungen Carabiniere Brigadier Toni Morri. Die Liebe blühte zuerst heimlich. Dann erfuhr es die Mutter und wehrte wütend dagegen. Denn sie wollte ihrer Tochter die Ausgrenzungen als „Walsche“ ersparen, die sie selbst als „lediges Kind“ mit einem sizilianischen Vater erfahren musste. Und in den 1960er Jahre war die Stimmung zwischen den Volksgruppen hasserfüllt. Doch Hermine ließ nicht von ihrem Toni. Dann kam der verhängnisvolle August 1965. Die Verliebten unternahmen mit Bekannten eine Spritzfahrt nach Spondinig. Plötzlich krachte es und Hermine wachte schwer verletzt im Krankenhaus auf. Nach Tagen erfuhr sie, dass Toni und ein Begleiter tot waren. Eine Welt brach für sie zusammen. In ihr Tagebuch schrieb sie: „Mama iatz brauchsch diar konae Sorgn mea mochn, dass i an Walschn heirat.“ Kopfschmerzen und Schwindelanfälle wurden zu ihren Begleitern. Hermine gab die LBA auf und wechselte in die Hauswirtschaftsschule Karolinum. Nach dem Abschluss fand sie Arbeit zuerst in einem Fabrikanten-Haushalt in Florenz, dann bei einer jüdischen Familie in Paris und schließlich bei einer Frau in Gröden. Dort schrieb sie sich in die Kunstschule ein. Kontakt pflegte sie mit Tonis Freund Vittorio Andretta, der bei der Lasa Marmor beschäftigt war. Aus der Freundschaft wurde Liebe. Nachdem Hermine die Kunstschule beendet hatte, wurde sie schwanger. Dass es wieder ein Italiener war, nahm ihre Mutter angesichts der Umstände zähneknirschend hin. 1970 heirateten Hermine und Vittorio. „Weil i an Walschen gheiratet hon, hobm sie inz koan Zaun gmocht“, bedauert sie. Das Paar bezog eine Wohnung in Laas. Hermine wurde Mutter eines Sohnes. Ein zweiter Sohn folgte. Mit der Unterrichtstätigkeit als Kunsterzieherin begann sie erst Jahre später. Nach Fernkursen wechselte sie zum Fach Religion und absolvierte auch die Fachberaterausbildung für angehende Religionslehrer. Nebenbei koordinierte sie den Bau des Eigenheimes in Eyrs, war aktiv im Pfarrgemeinderat und im KVW. Auch verschiedene anderer Tätigkeiten für die Allgemeinheit übernahm sie laufend. „I hon nia na sogn kennt“, erklärt sie. „Unt so hon i mi in di Depression inni manövriert.“ Im März 1992 fiel sie in ein tiefes seelisches Loch. „I hon nimmer denkn kennt unt bin zur Etschbrücke gongen“, erzählt sie. Sie stürzte sich ins kalte Wasser. Ein Mann rettete sie. Im Krankenhaus zermürbten sie die Schuldgefühle. Sie schämte sich vor den Ärzten, vor ihrem Mann, vor ihren Söhnen. „Dia hobm viel Geduld mit miar braucht“, bekennt sie. Als sie sich wieder stabil fühlte, kehrte sie in die Schule zurück. Doch der nächste Nervenzusammenbruch folgte. Erneut begannen psychiatrische Behandlungen. Depressive und manische Zeiten wechselten sich ab. In ihren manischen Phasen unternahm sie spontane Reisen. Die erste Reise führte sie allein nach Kanada. Es folgten Trips nach Marokko, Ägypten und oft nach Süditalien. Mit dem Gleitschirm schwang sie sich in die Lüfte und gab das Geld mit beiden Händen aus. „Für miar isches Lebensfreude pur gewesn, für ondere wor`s zuviel, speziell für meine Familie“, betont sie. In den depressiven Phasen fiel sie wieder in ein Tief und schämte sich. Erst nach weiteren gezielten Therapien in der Psychiatrie Meran, in einer Spezialklinik in Obersdorf, im Therapiezentrum Bad Bachgart fand sie schließlich in ein ausgeglichenes Leben zurück. Sie nahm die Frühpensionierung in Anspruch und übersiedelte 2010 nach Algund. Ihr Mann zog es vor in Eyrs zu bleiben. Als er an Krebs erkrankte, kam sich das Paar wieder näher. Vittorio zog zu ihr nach Algund. Sie umsorgte ihn bis zu seinem Tod 2017. Kurz darauf war auch sie mit einer Tumorerkrankung konfrontiert. Sie kämpfte und hatte Glück. Mittlerweilen fühlt sie sich seelisch stabil. „I bin a fröhlicher Mensch, obr i muaß fescht af miar aufpassen“, meint sie. Unterstützt von Therapeuten und in der Selbsthilfegruppe hat sie ihre Lebensfreude wiedergefunden. Sie liest viel, schreibt Sketsche, töpfert und singt gerne. Jüngst absolvierte sie die Ausbildung bei den „Roten Nasen“ in Brixen. Sie hat großen Spaß daran, die Menschen mit ihren heiteren Clown Auftritten zu erfreuen.

„I moan, dr Heargott hot mi vergessn“

  • Dachzeile: Portrait 13/2026

Frau Martha liebt das Blind Watten. Wer zum Kartenspielen zu ihr kommt, kann immer mit einer köstlichen Marende rechnen, die sie zuvor hat vorbereiten lassen. „Es kemman olleweil weniger, weil foscht olle meine Bekonnte gstorbn sein“, bedauert sie. Martha wuchs als Jüngste von vier Kindern bis zu ihrem 11. Lebensjahr in Mals auf. Ihr Vater arbeitete im Elektrizitätswerk der Montecatini und die Mutter war Hausfrau. Im Kindergarten wurde nur italienisch gesprochen, genauso wie später in der Schule. Das änderte sich 1939 nachdem Marthas Vater 1939 für Hitlerdeutschland optiert hatte. Dann wurde sie in Deutsch unterrichtet. Der Vater verlor daraufhin die Arbeit, und Marthas zwei Brüder wurden zur Wehrmacht einberufen. 1940 konnte der Vater in der Fraktion Töll einen kleinen Hof übernehmen, auf dem die Familie mit einer kleinen Anzahl an Tieren, mit dem Anbau von Getreide und Obstanbau über die Runden kam. Der Vater litt sehr unter der Situation. Ein Schlaganfall riss ihn noch im selben Jahr aus dem Leben. Bis zur Rückkehr ihrer Brüder bewirtschaftete die Mutter den Hof allein, unterstützt von Martha und deren Schwester. Das Korn ließen sie in einer Mühle mahlen, von denen es sieben in der Gegend gab. Ihrem späteren Mann Franz Schönweger begegnete Martha zum ersten Mal in Soldatenuniform in der Scheune des Nachbarhofes, als er sich in den Krieg verabschiedete. Sie sah in erst wieder, nachdem er 1946 aus der Jugoslawischen Gefangenschaft zurückgekehrt war. „Ondere Buabm sein nia koane zu miar kemmen, wail i koa Partschinserin gwesn bin“, erklärt sie. „Unt i bin a nia oane gwortn.“ Martha und Franz gaben sich 1954 in der Barbarakapelle in Meran das Ja-Wort. Kurze Flitterwochen verbrachten sie in Bregenz. „Der Franz hot miar selm in Bodensee zoag“, lacht sie. Martha zog zu Franz auf den Hof und unterstützte ihn tatkräftig. Sie lebten bescheiden. Anstrengend war die Arbeit in der großen Birnen Anlage. 1955 brachte Martha den Sohn Wolfgang zur Welt. Als dieser aus dem Gröbsten war, suchte sie nach einem Zuerwerb und fand diesen im nahen Gasthof Edelweiß. „I bin Bügelfrau, Kuchamadl und Kindsdiarn gwesn“, sagt sie. Traumatisch verlief die Geburt ihres zweiten Sohnes im Jahre 1962. Der Kleine lebte nur eine Stunde lang. „Deis Poppele begrobm zu miaßn, hot fescht weah toun“, sagt sie. Martha stürzte sich in die Arbeit. Sie ließ sich als Köchin in den Ferienhäusern der Deutschen Bundeswehr auf Mitterplars verpflichten. Einst von den Nazis als Urlaubsdomizile gemietet, wurden diese Häuser auch noch nach dem Krieg von deutschen Gästen genutzt. Martha kochte für die wechselnde Kundschaft anfangs nur während der Sommersaison und bald schon das ganze Jahr über. Als Autodidaktin verstand sie es hervorragend, geschmackvolle Gerichte auf die Tische zu zaubern. Beim Kochen war sie voll in ihrem Element. Später stand sie jahrelang am Herd im „Hirschenwirt“ in Algund und dann in der „Garberstube“ in Partschins. Immer wenn es die Zeit erlaubte, spielte sie Karten. Gerne nahm sie an den Reisen teil, die der Verband der Gastwirte anbot. Sie genoss auch die Meeraufenthalte in Lignano, wo sie in einer Ferienwohnung für die Familie kochte. Während einer Wallfahrt in Maria Waldrast erlitt Martha eine Lungenembolie. Dass sie nach einem Krankenhausaufenthalt geheilt heimkehren konnte, schreibt sie dem Heilwasser zu, das sie regelmäßig getrunken hatte. Eine bedrückende Zeit brach an, als ihr Mann an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt war. Fürsorglich stand sie ihm zur Seite. „Er isch gonz geduldig gwesn und hot nia gjammert“, sagt sie. Franz starb im Jahre 1982 im Alter von 64 Jahren. Martha ist seit 44 Jahren Witwe. Sie pflegte Freundschaften, wanderte und lud Gäste ein. Mittlerweile hat sich vieles geändert. Martha ist gebrechlich geworden und irgendetwas tut immer weh. „Di Schmerztabletten helfen guat“, lacht sie. Traurig ist sie darüber, dass sie nur noch wenige Besuche bekommt, denen sie Karten austeilen und die sie mit einer Marende verwöhnen kann. Oft fühlt sie sich einsam. „I kear schun long aweck“, meint sie. „I moan, dr Heargott hot mi vergessn.“

„In Pankratius hon i als Felix kennenglearnt“

  • Dachzeile: Portrait 7/2026

Im vergangenen Sommer erfüllte sich Felix einen Wunsch: Er nahm eine Auszeit als Baggerfahrer bei der Firma Marx und hütete die 140 Schafe von Stilfs. Monatelang zog er täglich seine Runden in den Bergen, begleitet von seinem Hund Kaja. „Deis isch dr scheanschte Summer gwesn“, betont er. „Unt es tat miar ruien, wenn i deis nit toun hat“, betont er. Nach der Rückkehr überlegte er bereits, das Hirtendasein zu wiederholen. Doch er musste dieses Ansinnen auf Eis legen. Im November erhielt er die niederschmetternde Diagnose Kopftumor. Ihm und seiner Familie zog es sprichwörtlich den Boden unter den Füßen weg. Von einem Tag auf den anderen war nichts mehr, wie es war. Felix stand vor einer Operation und machte sich große Sorgen, dass etwas schief gehen könnte und er danach niemand mehr wiedererkennen könnte. Doch die Sorgen waren unbegründet, der Eingriff war erfolgreich. Der Tumor konnte zur Gänze entfernt werden. Allerdings, um eine Chemotherapie kam er nicht herum. Durch die Krankheit kamen auch die bereits begonnenen Vorbereitungen zur Jubiläumsproduktion „Linamaus“ ins Stocken. Doch das 25. Jubiläum vom „s‘ Lorggagassl“ sollte trotz allem gefeiert werden. Deshalb übertrug Felix die Regie an seine Frau Petra. Als Theaterspielerin brachte sie die nötige Erfahrung mit, und er konnte ihr daheim Tipps geben.
Pankratius wuchs in Pazin in Langtaufers auf. Bereits als Bub half er auf den Almen im Tal mit. Einen Sommer lang hütete er Kühe auf Prämajur. „Fir 40.000 Lire unt a Poor Housn“, erinnert er sich. Als 14-Jähriger nahm er eine Saisonsstelle in einem Hotel in Schenna an. Ein italienischer Arbeitskollege nannte ihn Felix, weil er sich den Namen Pankratius nicht merken konnte. Nachdem er daheim von seinem Spitznamen erzählt hatte, bürgerte sich der Name Felix auch dort ein. Nach der Zeit in Schenna fand er Arbeit zuerst in einem Sägewerk in Graun, dann beim Straßenbau in Langtaufers und beim Maseben Lift. Im Sommer 1983 begann er als Liftwart auf dem Stilfserjoch. Damals herrschte dort reger Sommerskilauf. Die Hotels waren mit Gästen voll belegt, und abends wurde Apres Ski gefeiert. Bei einem Tiroler Abend in der „Baita Ortler“ lernte er Petra Platzer aus Stilfs kennen. Die beiden verliebten sich. „In Pankratius hon i als Felix kennenglearnt“, lacht Petra. „I hon‘s zearsch gor it glabm gwellt, dass es ondersch isch.“ 1986 heiratete das Paar, und Sohn Andreas wurde geboren. Nach Jahren in einer Mietwohnung bezog die Familie ihr Eigenheim im Ortsteil Patzleida in Stilfs. Mittlerweile war Felix als Baggerfahrer bei einer Baufirma im Engadin beschäftigt und pendelte täglich über die Grenze. Petra kümmerte sich um den Haushalt und Kind. Später, nachdem sie den Kleinen in der Obhut seiner Großmutter gut aufgehoben wusste, nahm sie wieder Aufgaben im Gastgewerbe an. Sie kehrte auch wieder in die „Baita Ortler“ zur Familie Tschenett zurück, mit der sie sich bis heute eng verbunden fühlt. Eine Zeitlang arbeitet Petra auch in der Firma HOPPE. Nach der Geburt des Sohnes Jan 1997, nahm sie sich Zeit für ihren Nachzügler. 2005 verließ Felix die Schweiz und wurde Baggerfahrer bei der Firma Marx.
Felix und Petra lieben die Geselligkeit und die Stilfser Bräuche. Bei Fasnachtseinaktern entdeckten sie ihre Freude am Theaterspielen. 2001 gründeten sie mit anderen Interessierten die Theatergruppe „s`Lorggagassl“. Für das erste und zweite Lustspiel verpflichteten sie einen Regisseur von auswärts. Nachdem Felix mehrere Regiekurse besucht hatte, debütierte er 2004 mit dem Stück „Der Susi ihr Gspusi“. Dass er auch den Ortspfarrer Florian Öttl als Spieler einsetzte, erwies sich als Publikumsmagnet. Als der Pfarrer 2024 vor der Premiere krankheitsbedingt ausfiel, sprang Felix kurzfristig ein und rettete die Vorstellung. Laufend holt Felix Jugendliche ins Rampenlicht. Auch das erwies sich als sehr erfolgreich und sicherte den Fortbestand der Stilfser Bühne. „Wer amol mitn Theatrfiabr infiziert isch, spielt olm gearn“, meint er. Die diesjährige Jubiläumsaufführung begleitete Felix in Absprache mit Petra von zu Hause aus. Bei den Aufführungen möchte er jedoch dabei sein. Einige werden ihn auf Anhieb nicht erkennen. Denn er hat seinen geliebten Vollbart der Chemotherapie opfern müssen. Nun hofft er darauf, dass er die Krankheit schon bald hinter sich lassen kann. Und er möchte irgendwann wieder Schafe hüten, und das mit Vollbart.

„Mein Start in Mols isch schwierig gwesen“

  • Vorspann: Luis Weger aus Mals wurde am Hochunserfrauentag 2026 in Innsbruck mit der Verdienstmedaille des Landes Tirol ausgezeichnet, als Anerkennung für seinen ehrenamtlichen Einsatz in vielen Vereinen. Jahrelang lenkte er die Geschicke der Bergrettung Mals, war Hundeführer und Ausbildner. Als leidenschaftlicher Sammler rettete er unzählig Skier und andere Wintersportgeräte vor der Entsorgung.
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  • Redakteur: Magdalena Dietl Sapelza
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Sein kleines Skimuseum im Pardellesweg in Mals konnte Luis 2023 eröffnen. Zu vielen Ausstellungsstücken kann er interessante Geschichten erzählen. Unter den Exponaten befinden sich Skier vom Spitzenskirennläufer Gustav Thöni und sogar vom einstigen italienischen König Umberto II.
Luis kam am 1. Oktober 1944 als „Optantenkind“ in der Südtiroler Siedlung in Salfelden auf die Welt. Einige Wochen zuvor war sein Vater im Krieg gefallen. Allein mit vier Kindern entschied die Mutter 1945 nach Mals zurückzukehren. Da die Familie durch die Option staatenlos geworden war, ging der Weg zurück nur über die grüne Grenze. Bäuerinnen aus Reschen brachten die drei älteren Kinder im Heuwagen versteckt von Nauders auf die italienische Seite. Die Mutter mit dem kleinen Luis wurde entdeckt und zurückgeschickt. Die Rückkehr gelang ihr erst drei Jahre später, nachdem sie die Erlaubnis erhalten hatte, in Mals ein Dokument zu unterschreiben. Die „Schualmeister Lena“ aus Reschen schmuggelte Luis über die Grenze und nahm ihn als Pflegekind auf. Luis erinnert sich an die weinenden Frauen, als das Wasser des Reschen Stausees den Häusern immer näherkam.
Im Alter von sechs Jahren holte ihn die Mutter nach Mals. „I hon meine Gschwister nit kennt. Mein Start in Mols isch schwierig gwesn.“ Anstatt die Schulbank zu drücken, folgte er oft dem Schafhirten in die Berge. In den Sommerferien verdingte ihn die Mutter als Kleinhirte. Mit seinen Hunden hütete er in Montafon, Ardez, Samedan und Zernez. „Di Hundlan hot di Muatr nor in Herbst zu main Verdruss zun Kochn verkaft“, erzählt er. Denn damals sei es üblich gewesen Hundefleisch zu essen. Im Winter hielt sich Luis mit alten Skiern auf den Calven Wiesen auf oder im Fritz-Anger in Mals. Schon damals begann seine Sammlerleidenschaft. Skier samt Zubehör und andere bäuerliche Geräte, die der Entsorgung oder dem Feuer zugeführt werden sollten, nahm er mit nach Hause. „I hon a Freid, olts Zuig zu rettn“, betont er. Freude machte ihm auch das Trompete-Spielen in Musikkapelle Mals. Nach dem Volksschulbesuch lernte Luis in Mals Hydrauliker. Lohn gab es damals keinen. „Ma hot gmiaßt froah sein, dass ma a Lehrstelle gfundn hot“, meint er. Als Geselle suchte er neue Herausforderungen, zuerst in Vinschger Betrieben und dann in St. Moritz. Dort bekam er Einblick in die Villen der Schönen und Reichen. „Fürn Onassis hon i a Seifenschüssel montiert unt mitn Schah bin i sogor Ski gfohrn“, lacht er. Er kehrte wieder zu seinem Lehrmeister zurück. Nachdem er bei der Abendmittelschule das Diplom erworben hatte, bekam er 1972 eine Stelle im Energiekonzern ENEL. Dort arbeitete er bis zu seiner Pensionierung 1997.
Seine Frau Helga Zischg lernte Luis Ende der 1960er Jahre bei einem Ball in Trafoi kennen. 1969 heiratete er sie und wurde Vater zweier Töchter. „Nor hon i entla a Familie kopp“, betont Luis. Er war damals bereits Mitglied der Bergrettung Latsch. Als treibende Kraft setzte er sich für die Gründung der BRD-Stelle im AVS Mals 1972 ein. Als Chef lenkte er deren Geschicke über viele Jahre hinweg. Bekannt wurde Luis als Lawinenhundeführer und Ausbilder. Drei Hunde haben ihn im Laufe seiner BRD-Zeit bei der Suche nach Verschütteten begleitet und mit ihm einige Leben gerettet. Bedrückend war es, tote Menschen zu bergen, so wie die sieben Kinder auf Maseben oder die drei Tourengehen in Matsch. Bei den Einsätzen zähle immer der Teamgeist, betont er.
Luis war ein Vereinsmensch durch und durch. Er war nicht nur Sammler und Bergretter, sondern auch Feuerwehrmann, Musikant, Goaßlschnöller, Mitglied im Skiclub und in der Sektion Badminton, Kampfrichter bei Ski- und Langlaufrennen. Bei Filmproduktionen und Umzügen ließ er die „Korrner“ und die Schmuggler aufleben. Bei Festen zeigt er Kindern noch heute, wie man mit Hammer und Nagel umgeht.
Auf die Frage, was er heute tut, meint er lachend: „I wort iatz lei mea, bis dr nägschte Tog kimmt.“ Gelegentlich führt er Gäste durch sein Skimuseum. Wenn Luis den Standort auch als nicht ideal empfindet, so ist er doch froh, dass seine Sammlung gesichert ist.

„Miar hobm olm guat mitnond gschoffn“

  • Dachzeile: Portrait 5/2026

Loisa kam als uneheliches Kind bei den Klosterfrauen in Schlanders zur Welt. Ihre Mutter, eine mittellose Dienstmagd, durfte nur zwei Monate dort bleiben. Anschließend musste sie die Kleine in fremde Hände geben, um als „Diarn“ bei Bauern weiter ihren Lebensunterhalt verdienen zu können. „Di Muatr hot koa Hoamat kopp, unt Votr hots für miar koan gebm“, sagt Loisa. Ihr sieben Jahre älterer Bruder hatte mehr Glück. Er war auf dem Hof seines Vaters untergekommen. Ihr erstes Zuhause fand Loisa bei einer Ziehmutter in einer Schludernser Großfamilie. Ihre leibliche Mutter kam nur selten zu Besuch. Zwischen den beiden ließ sich keine Beziehung aufbauen. Nach dem Tod der Ziehmutter 1950 kümmerte sich eine Tante in Prad um Loisa. Eine andere Tante holte sie kurz darauf für ein Schuljahr nach Allitz, damit sie deren Tochter auf dem Schulweg begleiten konnte. Dann kehrte Loisa wieder zur Tante nach Prad zurück und hütete deren Kinder. Schließlich fand Loisa eine Bleibe auf dem Hof ihrer Firmpatin in Agums. Sie war dort Mädchen für alles. Obwohl sie einst herumgereicht worden war, hadert Loisa nicht mit ihrem Schicksal. „I bin nia ausgschoadat gwortn“, erklärt sie. Sie vermisst jedoch, dass sie als Kind nie in den Arm genommen worden war. „I moan, deswegn hon i deis selbr a nia kennt“, verrät sie.
Hans wuchs als jüngster von fünf Kindern auf dem kleinen Bauernhof in Agums auf, in dem er heute noch lebt. Sein Vater war Totengräber im nahen Friedhof. Als kleiner Bub schaute Hans ihm beim Graböffnen oft über die Schultern. So ganz wohl war ihm jedoch nie dabei. Immer wenn der Vater auf das Brett eines Holzsarges stieß, ergriff Hans die Flucht. Bittere Erinnerungen hat Hans an die Jahre 1943/44. Im November 1943 kam die Nachricht vom Tod seines ältesten Bruders an der Front. Drei Monate später starb seine Schwester an Thyphus. In den 1950er Jahren ging Hans auf Arbeitssuche und fand sie im Magnesit-Bergwerk „Zumpanell“ bei Stilfs. Ein offener Lastwagen brachte ihn und seine Kumpel am Montag zum Bergwerk. „Miar hobm in gonzn Tog Stoan klobm“, erklärt er. Am Samstag kehrten die Männer meist zu Fuß ins Tal zurück. Drei Jahre blieb Hans dort. Dann übernahm er den elterlichen Hof. Seine Mutter war inzwischen gestorben und die Geschwister waren ausgezogen. Beim täglichen „Milchschütten“ in der Sennerei traf er die 12 Jahre jüngere Loisa. Die beiden verliebten sich und heirateten im Dezember 1960 in Maria Trens. Loisa zog zu ihm in sein Elternhaus. Mit ihrem Schwiegervater verstand sie sich auf Anhieb. „I hon mit ihm olm guat redn kennt“, betont sie. Die Familie lebte von der kleinen Bauerschaft. Hans übernahm auch den Totengräber-Dienst von seinem Vater. Schwerstarbeit war das Graböffnen bei gefrorenem Boden. Oft war er bis zu zwei Tage mit Pickel und Schaufel am Werk. Der Lohn war bescheiden. „1970 hon i pro Grob 4.000 Lire kriag“, erinnert er sich. Der Platzmangel auf dem Friedhof sorgte für manch schaurigen Anblick. Deshalb regte Hans bei jeder Gelegenheit die Errichtung eines neuen Friedhofs an, der später auch gebaut wurde. Daheim waren inzwischen vier Kinder zu versorgen. Deshalb gab Hans den Totengräberdienst nach 12 Jahren auf und arbeitete als Handlanger bei einer Lichtenberger Baufirma, bis zu seinem Ruhestand.
Loisa kümmerte sich um die Kinder, um den Haushalt, um Stall- und Feldarbeit. Hans half mit, wo er konnte. „Miar hobm olm guat mitnond gschoffn“, betont sie. Ende der 1970er Jahre wurde ihr Schwiegervater pflegebedürftig. Loisa betreute ihn rund um die Uhr. Sie nahm auch ihre alte Mutter auf, obwohl es vorher kaum einen Kontakt gegeben hatte. Beide umsorgte sie bis zu deren Tod. Als schwersten Schicksalsschlag beschreiben Hans und Loisa den Verlust ihres ältesten Sohnes, der vor drei Jahren nach kurzer Krankheit gestorben ist. „Es gib für Eltern nichts Schlimmers, als a Kind zu verliern“, betont Loisa. Dem Hans setzen die Beschwerden seines hohen Alters immer mehr zu. Loisa ist seine liebvolle Stütze. „Miar tian olm nou viel mitnond diskutiern, sou wia friaher“, erklärt sie. „Lai iatz lott holt olz noch.“ Beim Lesen und beim Stricken lenkt sie sich ab. Sie kreiert kunstvolle Deckchen. Das ist ihre Freude. Mit viel Gottvertrauen nehmen die Eheleute jeder Tag hin wie er ist und sind dankbar, dass sie sich noch haben.

„Mir tuat net leis’Tonzn guat, die Leit tian mir guat.“

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Mit einem Lächeln erinnert sich Notburga an ihre lebhafte Kindheit. „Mir hobn viel Plotz zun Spielen kop und es wor olm viel lous.“ Die Landwirtschaft und die Gäste im Haus bedeuteten viel Arbeit, aber auch Kontakt zu vielen Menschen und die Sommer auf der Alm waren herrlich. Ihre Kindheit bot ihr den besten Boden für einen guten Start ins Leben.
Notburga war ein sehr kreatives Kind. Zu ihrer Freude schickte ihre Mutter sie nach der Mittelschule in die Schneiderlehre und anschließend in die Haushaltungsschule, was Burgi wenig begeisterte. Im Anschluss besuchte sie die Modeschule in München und schnupperte dort in verschiedene Mode-Unternehmen hinein. Am Wochenende fuhr sie immer nach Hause. „I hon Huamweah kop.“
Zurück in Südtirol folgten zwei Gesellenjahre in einer Schneiderei und hinterher besuchte sie die Trachtenschule in Salzburg, wo Notburga 1986 ihre Ausbildung mit dem Meisterbrief für Damenschneiderei abschloss. Bei einem Wochenendbesuch Daheim traf Notburga auf einem Faschingsball in Algund Bartl Erlacher, den sie schon länger kannte. „Ober desmol hot der Blitz ingschlogn. I wor narrisch verliab, vom erschtn Moment un.“, erzählt sie. Seit sie 16 Jahre war kannte sie die Familie Erlacher von der Töll. Schließlich gab es auf dem elterlichen Hof für die Zimmerleute immer etwas zu tun. „Wer in Bartl gekennt hot, hot gwisst, dass er gern lustig wor.“ Das imponierte der jungen Frau. Es dauerte nicht lange und Bartl besuchte Burgi in Salzburg. Die beiden haben sich dann nicht mehr aus den Augen verloren.
1987 wurde geheiratet. Bartl führte den Zimmereibetrieb, Familie und Haushalt waren Burgis Zuständigkeit. Zudem erledigte sie die Büroarbeiten des Betriebes und nutzte jede Gelegenheit um neue Stoffe zu kaufen. Die drei gemeinsamen Kinder Magdalena, Florian und Veronika trugen großteils Selbstgenähtes. „I hon an großzügign Monnkop. I hon olle Freiheiten kop, hon meine Zeit gestoltn gekennt, wia i gwellt hon. Wichtig wor lei, dass olls kloppet.“
Die Familie war glücklich, der Betrieb lief gut. „Des wor wohl die schianste Zeit in mein Leben.“
1999 passierte das Unglück. Die Kinder waren noch klein, Magdalena, die Älteste gerade mal elf und die Kleine drei Jahre alt. Bartl stürzte von einem Dach zehn Meter in die Tiefe. Wochenlang schwebte Bartl in Lebensgefahr. Dann fiel er ins Koma. Nach Intensivstation und einer Reha in Deutschland kam er zurück nach Südtirol. Es folgte eine 13-monatige stationäre Reha im Lorenz-Böhler-KH in Obermais. „Des wor seine beschte Zeit,“ erinnert sich Burgi. Durch den täglichen Kontakt zu seiner Frau und den Kindern hatte er gute, lichte Momente. Die meiste Zeit jedoch schlief er.
Durch den schweren Unfall brach der Familie die Lebensgrundlage weg. Zum Glück war das Firmenbüro Notburgas Bereich. Dadurch konnte sie den Betrieb managen. Unterstützt wurde sie dabei von Bartls und ihren Geschwistern und den Kindern. Bartl war im Landesausschuss der Zimmerleute und kannte viele Zimmerer, die Notburga ebenfalls unterstützen. „Des wor a wichtigs Netzwerk.“ Und Flor, ein langjähriger ehemaliger Mitarbeiter kam täglich vorbei um nach dem Rechten zu sehen. All diese Menschen haben die Familie durch diese schwere Zeit getragen.
Der Fuhrpark wurde abgebaut, die Räumlichkeiten vermietet. So konnte Notburga bei den Kindern sein und ihren kranken Mann betreuen. An den Wochenenden holte sie ihren Mann immer vom Pflegeheim nach Hause. Das genoss Bartl sichtlich. Nach vier Jahren starb er. Vier Jahre, für die Notburga dankbar ist:„So hon i mi verobschiedn gekennt.“
Notburga ist eine Frau, die in jeder Situation nach Lösungen und Wegen sucht. Als die Kinder größer waren, startete Notburga 2007 ihre Tanzleiterausbildung „Tanzen ab der Lebensmitte“ in Österreich. Seit 2008 gibt sie Tanzkurse für Gruppen und seit 2014 ist sie Tanzleiter-Referentin. Zudem arbeitet Notburga im Ausschuss der Südtiroler Tanzleiter „Tanzen ab der Lebensmitte“. Inzwischen hat sie in Deutschland auch die Ausbildung zur LineDance-Trainerin gemacht. Das Tanzen bringt Leichtigkeit in ihr Leben und hat sie immer wieder in Balance gebracht.
Heute lebt Notburga in Algund. Die Kinder sind erwachsen. Florian hat den Betrieb auf der Töll übernommen. Frei sein zieht sich durch ihr gesamtes Leben, ein Leben voller Freiheit und Verantwortung, Freude und Leid.
„Wenn zehn Frauen s’gleiche Schicksol kop hattn, hatt jede ondersch ghondelt. I bin den Weg so gongen, wia is gekennt hon mit meinen Fähigkeiten. I hon heints’Gefühl, i hon s’Möglichste getun.“

„Noch Martini moch i s’ Kirchl winterfescht“

  • Vorspann: Valentin Kuenrath aus Burgeis war Lehrer und passionierter Bergsteiger. Seit fast fünf Jahrzehnten kümmert er sich als Mesner um die Kirche „St. Martin in Zerz“. Er sorgt dafür, dass dort die Messtage „Jakobi“ am 25. Juli, „Laurenzi“ am 10. August und „Bartlmäh“ am 24. August festlich begangen werden. Die Mesnerei hat er einst von seinem Vater Kassian übernommen.
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  • Redakteur: Magdalena Dietl Sapelza
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Bereits als Kind hatte Valentin zur kleinen Kirche „St. Martin in Zerz“ eine besondere Beziehung. Er begleitete seinen Vater oft dorthin. Zu den dargestellten Heiligen dachte er sich Geschichten aus, so auch zu den Aposteln an den Seitenwänden. Von denen sind nur elf sichtbar. „Der Judas kannt versteckt hinter der Konzel sein“, lacht er.
Valentin wuchs mit vier Geschwistern auf einem kleinen Bauernhof in Burgeis auf. „I hon a scheane, ruhige Kindheit kopp“, sagt er. Nach der Volksschule sollte Valentin eigentlich Klosterschüler in Marienberg werden. Doch da dort umgebaut wurde, war das nicht möglich. Er besuchte die Mittelschule in Mals, was ihm nicht ungelegen kam. Denn so konnte er seine Freizeit frei gestalten und Gitarre spielen. Er organisierte mit Freunden sogar eine Party und sammelte Geld für „St. Martin in Zerz“. Sein bester Freund war Valentin Bernhart, mit dem er viel unterwegs war. Nach der Mittelschule trennten sich die Wege. Valentin Bernhart besuchte die LBA in Meran, Valentin Kuenrath das Wissenschaftliche Lyzeum in Schlanders. Im dortigen Gamperheim fühlte er sich eingeengt. „Miar sein oft über die Mauern oghaut unt hobm inz mit Madlen troffn“, verrät er. Das kam nicht gut an, und er musste sich ein Privatzimmer suchen. Er fühlte sich frei und genoss das Nachtleben. „I bin nia a Kind von Traurigkeit gwesn“, lacht er. Nach der Matura unterrichtete er literarische Fächer in der Mittelschule Prad. Sein Freund Valentin begann als Grundschullehrer in Reschen. Die beiden machten Musik, besuchten Discos und genossen die jugendliche Unbeschwertheit bis zum verhängnisvollen 17. Oktober 1980. Die Beiden wollten in Laas den Grabstein für das Grab von Valentin Bernharts Vater holen, der ein halbes Jahr zuvor gestorben war. In einer Kurve vor Mals kam der Wagen ins Schleudern und prallte gegen einen Baum. Valentin Bernhart war auf der Stelle tot. „I bin mit Schnittwundn im Kopf in Spitol zu miar kemmen“, erinnert sich Valentin. Er war am Boden zerstört und dachte sich: „Wenns inz lei boade derwuschen hat.“ Doch sein Leben ging weiter. Er unterrichtete, bis er zum Militärdienst bei den Fallschirmspringern in Pisa einberufen wurde. Er liebte das Fallschirmspringen und später auch das Paragleiten. „Ongscht hon i nia kopp“, betont er. Nach dem Militärdienst nahm er die Unterrichtstätigkeit als Supplent wieder auf. Um der Unsicherheit rund um die jährlichen Stellenzuweisungen zu entgehen, absolvierte er ein Pädagogikstudium an der Universität Innsbruck. Anschließend kehrte er wieder in die Schule zurück, wo er bis zu seiner Pensionierung 2023 tätig war.
Jahrelang lebte Valentin mit seiner Partnerin Elke Theiner und seinen zwei Töchtern Julia und Tabea im Eigenheim in Mals. Dann zog er aus. Valentin liebt das Wandern und Bergsteigen. Vor einer Trekkingtour mit Studienkollegen in Nepal wurde ihm bei einer Arztvisite eine Beeinträchtigung der Leber diagnostiziert. Er fiel aus allen Wolken. Verunsichert überlegte er, ob er die Tour absagen sollte. Doch dann fragte er sich: „Wenn i deis nit wissat, tat i selm fohrn?“ Und er kam zum Schluss das Abenteuer zu wagen. Er schaffte die Bergüberquerungen im Langtang Tal ohne Probleme. „Zur Desinfektion hobm miar olm an Schluck Whisky trunkn“, lacht er. Die Diagnose kümmerte ihn anschließend nicht sonderlich. Als Mitglied der „Seilschaft“ lernte er auch die Anden in Südamerika kennen. „Af 6.000 Meter hot mi Montezumas Rache pockt“, sagt er. „Hundsübel isch miar gwesn.“ Er führte ein unbeschwertes Leben, bis sich ein Tremor bemerkbar machte, der seine Feinmotorik beeinträchtigt. Valentin vermutet, dass dieses Übel mit seiner Aorta-Leber-Geschichte zusammenhängt. Doch er lässt sich nicht entmutigen. Er schluckt Medikamente, die seine Werte stabil halten und behält seinen Humor. „I leb nou, i bin in Rente, wos will i mea“, lacht er. In seiner Wohnung in Burgeis fühlt er sich wohl. Gerne trifft er sich mit Sieglinde Tschenett aus Mals. Mit ihr unternimmt er Wanderungen, besucht kulturelle Veranstaltungen, geht auf Reisen.
Regelmäßig schaut er in seinem Kirchlein nach dem Rechten. „Noch Martini moch i s’ Kirchl winterfescht“, sagt er. Mit einem Wortgottesdienst am 11. November schließt sich dort der Jahreskreis.

„S’ Spirituelle muaß oam gebm sein“

  • Dachzeile: Portrait 4/2026

Jeden Morgen um 8.00 Uhr sperrt Oskar das Tor der Frauenkirche in seiner Nachbarschaft auf. Kurz bevor er es abends wieder schließt, steigt er über die zwei steilen Stiegen rund 15 Meter in den Glockenturm hoch und zieht die mechanische Turmuhr auf. Das ist sein Ritual seit 50 Jahren. „Deis sein iatz über 18.000 Mol gewesn“, schmunzelt er und bemerkt: „Wenn ma do oifollt, isch ma toat.“ Manuell läutet er zu den unterschiedlichsten Anlässen auch die Glocken im Turm. In der Pfarrkirche läuft das Geläute elektrisch. Dort öffnet er die Tore nur zu den kirchlichen Feiern. Zu Oskars weiteren Aufgaben zählen die Vorbereitung der Gottesdienste und Festlichkeiten wie Taufen, Firmungen, Hochzeiten oder Beerdigungen. Er richtet den Altar her, kümmert sich um die Kerzen, um die Blumen, legt Bücher bereit, wählt die richtige Farbe des Messgewandes, hilft dem Priester beim Ankleiden und weist die Ministranten ein. Kurzum, er ist der gute Geist der Glurnser Kirchen.
Oskars Beziehung zur Kirche, seine Hinwendung zum Glauben und zur Spiritualität entwickelten sich bereits in seiner Kindheit durch die gottesfürchtige Erziehung im Elternhaus. Regelmäßig und gerne begleitete er seinen Vater zu den Mesner-Diensten. Mit Spannung beobachtete er die Vorbereitungen in der Sakristei. Er empfand es als besondere Ehre, den geistlichen Herren am Altar so nahe sein zu dürfen. In seinem Innersten schlummerte damals sogar der leise Wunsch, selbst einmal am Altar zu stehen. Doch die starke Verbundenheit zu Glurns stand dem Wunsch im Wege. „I hat nia fa do aweck geahn gwellt“, betont er. Die Zeit in der Kirche empfand Oskar auch als willkommene Abwechslung zur Arbeit in der Landwirtschaft daheim. Oskar und seine drei jüngeren Geschwister mussten von klein auf mithelfen.
Nach der Pflichtschule lernte Oskar in Laas Schlosser. Als Geselle fand er Arbeit in der Schlosserei der Firma HOPPE in Schluderns. Dort blieb er bis zu seiner Einberufung zur Militärausbildung in Cuneo. Dann kam er als „artigliere di montagna“ in die Huber Kaserne nach Bozen. „Miar hobm si zu di Muli zuitoun“, scherzt er. Nie hatte er das Bedürfnis abends auszugehen wie die anderen Soldaten. Er lernte lieber für den Italienischkurs, bei dem er abschließend das Zweisprachigkeitsdiplom bekam. Regelmäßig besuchte er die Gottesdienste in der Kapelle der Kaserne. Als der Militärkaplan einen Gehilfen suchte, meldete er sich. Er durfte die Aufgabe übernehmen. Oskar wusste, was zu tun war und fühlte sich voll in seinem Element. „I hon drfiir pan Kaplan olm Radio lousn kennt“, erinnert er sich. In der Kaserne verhielt er sich stets zurückhaltend und ließ sich nie etwas zu Schulden kommen. „I bin nia in Loch kemman“, lacht er. Nach dem Militärdienst kehrte er wieder in die Firma HOPPE zurück, wo er in Tagschicht arbeitete. Nach dem plötzlichen Tod seines Vaters 1976 übernahm er auf Wunsch des Pfarrers Norbert Wilhalm die Mesnerei.
„I hon a gwisse Berufung gspiirt“, verrät er. Jahrzehntelang stand er dem Pfarrer Wilhalm zur Seite, dann dem Pfarrer Paul Schwienbacher und jetzt dem Pfarrer Werner Mair.
Oskar ordnete sein Privatleben stets dem Dienst in der Kirche unter. „I hon noch dr Orbat nia kennt a Glasl trinken geahn, weil meischtns a Kirchn gwesn isch“, schmunzelt er. Die Gründung einer eigenen Familie kam für ihn nie in Frage. Bestens versorgt wurde er von seiner Mutter. Mittlerweile lebt Oskar mit seinem Bruder Eduard zusammen. Wichtige Stütze ist die Schwester Helene.
„Di Mesnerei isch für miar olm a spirituelle Soch gwesn.“ erklärt er. „S‘ Spirituelle muaß oam gebm sein.“ Als Schlosser ist Oskar längst pensioniert, als Mesner nicht. Im Laufe der 50 Jahre musste er miterleben, wie die Kirchen immer leerer wurden. Auch die Zahl der Gottesdienste schrumpfte ständig wegen des Priestermangels. Das alles bekümmert ihn, doch er macht unverdrossen weiter. „Iatz hat i drwail für a Glasl, weil miar unter dr Woch lai mea oamol Kirchn hobm“, sagt er.
Regelmäßig verbringt er Zeit im Stall bei den Schafen seines Neffen. „I stirg selm holt a bissl ummer“, meint er.
Solange es seine Gesundheit erlaubt, will er Mesner bleibenund weiterhin täglich die steile Stiege im Turm der Frauenkirche hochsteigen, um die Uhr aufzuziehen.

„Wenn i Stress hon, gea i zu meine Vögelen“

  • Vorspann: Ida Lanbacher aus Kastelbell wirkte als engagierte Präsidentin der Plattform für Alleinerziehende. Sie war im Beirat für Chancengleichheit und im Dachverband für Soziales und Gesundheit tätig. Sie verteilte „Essen auf Rädern“, ist in der Vinzenz-Gemeinschaft aktiv und treibende Kraft in der Theatergruppe Kastelbell/Tschars. Sie ist Mitglied im Tierschutz- und im Vogelzuchtverein. Denn ihr Hobby sind rund 150 Wellensittiche. Sie zählt zu den bekanntesten Züchterinnen des Landes.
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  • Redakteur: Magdalena Dietl Sapelza
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Die Nymphensittiche sind Idas Lieblinge. Doch auch alle anderen Sittiche sind ihr ans Herz gewachsen. Angefangen hatte alles 2008 als ihr Enkel zwei Wellensittiche geschenkt bekam. Idas Partner Michele war von denen so angetan, dass er sich auch zwei kaufte. Kurz darauf übernahm Ida die Wellensittiche des Enkels. Dann kamen noch zwei von einem Nachbarn dazu. „Nor isch di Sucht ausbrochn“, lacht sie.
Ida wuchs auf einem Hof in Galsaun mit drei älteren Brüdern auf. Als 15-Jährige schickte sie die Mutter in eine Haushaltsschule zu Klosterfrauen nach Turin. Ihr Vater erkrankte, und sie kehrte zurück. Seinen Tod kurz darauf beschreibt sie als einschneidendes Ereignis. „In Turin hat i schun a Stell kopp, obr i hon di Mama nit alloan lossn gwellt“, sagt sie. Später begann sie als Bedienung am Ritten. Damit sie die Fahrschule machen konnte, wechselte sie ins Überetsch. Sie nutzte jede Gelegenheit zum Tanzen. „I tonz für mein Leben gearn“, betont sie. Als sie vor der Anschlagtafel in Latsch Ausschau nach einer Tanzgelegenheit hielt, traf sie auf ihren ersten Ehemann. Er lud sie zum Ball ein. Es entwickelte sich eine Beziehung und Ida wurde schwanger. Das Paar heiratete 1973. „A ledigs Kind war selm a Schond gwesn“, sagt sie. Ida wurde Mutter einer Tochter. Die Familie lebte zuerst in Schlanders und zog dann in Idas Elternhaus zu ihrem erkrankten Bruder. Die zweite Tochter kam 1976 zur Welt. Dann scheiterte die Ehe und Ida stand mit den Mädchen allein da. „I hon selm koa Kronkenversicherung mea kopp, wos i heint nou nit verstea“, sagt sie. Ihre Rettung war die Bauernkrankenkasse. Ida schlug sich als Vertreterin von AMC-Geschirr durch. 1985 begann sie mit dem Theaterspielen. Ida lebte sparsam und wagte den Bau ihres Reihenhauses. Finanzielle Sicherheit gab ihr schließlich die Anstellung als Kindergartenköchin zuerst in Kastelbell und dann in Tschars, wo sie bis zu ihrer Pensionierung 2020 tätig war.
Idas Einsatz galt stets dem Kampf um soziale Gerechtigkeit. Sie war als Präsidentin der Plattform für Alleinerziehende 20 Jahre lang treibende Kraft. Als ihre größte Errungenschaft wertet sie die Einrichtung der Landes-Unterhalts-Vorschussstelle 2003. 20 Jahre lang wirkte sie im Beirat für Chancengleichheit. Sie verteilte „Essen auf Rädern“, war aktiv im Dachverband für Soziales und ist im Vinzenzverein tätig. 30 Jahre lang war sie Kassiererin der Theaterbühne Kastelbell/Tschars. Heute ist sie deren Obfrau. Sie ist Mitglied im Vogelzuchtverein und im Tierschutzverein Vinschgau.
Ida knüpfte Netzwerke, so auch das europäische Netzwerk für Alleinerziehende „ENoS“, wo sie immer noch tätig ist. Auf der Heimfahrt von Sitzungen in Bozen machte sie öfters Halt im Tanzstadel „Nörder“. 1999 traf sie dort den Bauarbeiter Michele Lorusso (Jg 1949), der genauso gerne tanzte wie sie. Er wurde später ihr Ehemann. Beide teilten die Liebe zu den Wellensittichen. Sie bestückten Ausstellungen und erhielten viele Auszeichnungen. Eine schwere Zeit brach an, als Michele im November 2025 erkrankte und sechs Monate später starb. Ida bemüht sich nun den Verlust zu bewältigen. Ihr Hund Fido, ihre zwei Katzen und die Wellensittiche helfen ihr dabei. Wenn diese beim Käfigputzen im Freiflug um sie herumflattern und sich auf ihre Hand setzen, vergisst sie allen Schmerz. Dass die Sittiche gerne in ihre Käfige zurückfliegen, zeigt, dass sie sich dort geborgen fühlen. Die Größe der Käfige ist der Vogelart und der Zahl der Tiere angepasst. Ida sorgt für größte Sauberkeit. Regelmäßig kontrolliert sie die Brutnester. Oft päppelt sie Küken auf. Tierärzte hatten bisher nichts zu beanstanden. „Wenn i Stress hon, gea i zu meine Vögelen“, betont Ida. „Selm kimm i zur Rua, a wenn’s laut isch.“ Mittlerweile denkt sie darüber nach mit dem Nachzüchten aufzuhören und den Vogelbestand langsam abzubauen. Von ihren Nymphensittichen will sie sich erst zuletzt trennen.

Der „Wasser Max“

  • Dachzeile: Portrait 1/2026

Max Pohl ist 1959 in Tarsch geboren worden und hat 8 Geschwister. Seine Familie erfuhr erst vor kurzem von der Halbschwester, einer unehelichen Tochter seines Vaters, die in Dietenheim lebt. Groß war die Verblüffung und doch herzlich das Kennenlernen. Bei einem Besuch im Tarsch verabschiedete sich seine Halbschwester am Grab ihres Vaters. Das machte sie und Max sehr dankbar und glücklich.
Max wuchs in Tarsch auf und machte nach der Pflichtschule die Lehre als Maurer. Er wurde jung Vater und heiratete 1981 nach Tschengls. Er arbeitete in der Schweiz über 20 Jahre als Maurer und verlegte 15 Jahre lang Gipsplatten und dergleichen. Acht Winter fuhr er in Samnaun mit einem Schilift, welcher 180 Personen transportieren konnte. Er erinnert sich an einen Stillstand der Bahn. Max musste die Nerven bewahren, die Gäste beruhigen, obwohl er selbst nicht wusste, warum es zu dem Zwischenfall gekommen war und wann es wieder weitergehen würde. Gott sei Dank löste sich das Problem, und die Fahrt konnte fortgesetzt werden. Alle kamen wohlbehalten an. Max und zwei Kollegen pendelten täglich bei jedem Wetter mit dem Auto nach Samnaun. Sie überstanden manchen Schneesturm und blieben all die Jahre unfallfrei.
1992 entdeckte er zufällig seine Fähigkeit zum Gang mit der Wünschelrute. Er hielt einen Haselnusszweig in seinen Händen und vernahm eine Bewegung. Ein alter Wünschelrutengänger bekräftigte ihn in seinem Gespür, und so besuchte er Kurse auf dem Gebiet der atmosphärischen Strahlungen, der Wasseradern und Stromstrahlungen. Früher kannten die Menschen den Einfluss dieser Strahlungen. Heute wird dieses Wissen wieder entdeckt. Bei einem Besuch eines weltweit bekannten und geschätzten Wünschelrutengängers in Tschengls, bestätigte dieser, die Präzision der Gabe von Max. Die vielen Baustellen waren für den gelernten Maurer Übungsplatz. Immer wieder ging er Pläne mit der Wünschelrute ab, errechnete Tiefen der Wasseradern und erhielt beim Aushub der Baustellen die Bestätigung für die Richtigkeit seiner Angaben. Er wollte sich selbst von seiner Gabe überzeugen. Er übte und nahm Schwingungen bewusst wahr. Er untersucht mit verschiedenen Wünschelruten in Zusammenarbeit mit Naturheilpraxen oder Bio-Architekten unzählige Häuser in Südtirol, Österreich, Deutschland und der Schweiz auf Wasseradern. Auch unterirdische Gänge, versunkene Gräber, überschüttete Häuser macht Max ausfindig. Durch jegliche Bearbeitung des Bodens, der festen Erde entstehen Risse, die er mit der Rute erspürt. Besonders Kleinkinder und Tiere nehmen diese Risse, Strahlen war. Auch Bäume und Pflanzen können darauf ansprechen und verkrüppeln. Wasseradern oder Stromstrahlungen können auf das Nervensystem und den gesamten Körper des Menschen wirken. „Miar ärgert der Frevel und die Augenauswischerei dia mit dia gonzen Entstörgeräte gmocht wearn. Die Strohlungen und Wosserodern sein wou sie sein, mindern konn ma sie nit, man konnen ihnen lei ausstellen!“ Er erinnert sich an ein Kleinkind, das im „Bettstattl“ immer wieder den Kopf gegen das Gitter stieß, um den Strahlungen zu entkommen. Durch verschiedene Bewegungen, die die Rute beim Gang macht, kann Max sagen, in welche Richtung die Ader verläuft. Durch die Anzahl der Umdrehungen kann er die genaue Tiefe des Wassers bestimmen. Schaut man ihm dabei zu, sieht man seinen Respekt und seine Ehrfurcht vor seiner Gabe und vor der Natur. Er begibt sich so zu sagen in das Spannungsfeld, jede Messung zehrt an ihm. Früher hat er oft mehrere Gänge hintereinander gemacht, heute beschränkt er sie, seiner Gesundheit zuliebe auf zwei. „Es mocht mi ollm wieder glücklich, wenn i Leit helfen konn und sich ihre Lebensqualität durch mein Rot bessert!“ Immer wieder erreichen ihn Dankesnachrichten, dass sich Schlaf und Wohlbefinden nach dem Umstellen der Einrichtung, des Bettes, oder des Schreibtisches usw. in kurzer Zeit verbessert haben.
Seine Tochter und sein Sohn machten Max zum dreifachen Opa. Er genießt seinen Ruhestand, hilft seinem Sohn auf dem landwirtschaftlichen Betrieb in Tschengls. Im Winter drechselt er verschiedenste Hölzer zu Tellern, und im Sommer widmet er sich seinen Bienen. Der passionierte Imker bedauert, dass immer neue Bestimmungen und die Bürokratie das Hobby erschweren. Er möchte „nou a bissl gsund bleiben und so sein terfen wie er isch“, meint er, „Man soll sich im Leben nicht aus der Ruhe bringen lassen und s` Wichtigste und s` Beste für die eigene Gesundheit isch zufrieden zu sein“.

Der Radiopionier Rudi Lösch ist 80

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Als Rudi drei Jahre alt war, zogen seine Eltern mit ihm und seiner zwei Jahre jüngeren Schwester Emilie nach Morter. Dort erlebte Rudi seine Kindheit. Als er seine erste elektrische Eisenbahn geschenkt bekam, hat es bei ihm gefunkt. Fasziniert von der Elektrik, bastelte er voller Leidenschaft an seiner Eisenbahn herum. Die Experimente seiner Kindheit waren facettenreich, wenn auch nicht immer ganz ungefährlich. Diese Experimentierfreude ließ ihn nicht mehr los. Fest entschlossen hat er seine Leidenschaft zum Beruf gemacht.
1960 absolvierte er im „Licht- und Radiohaus Hans Haasis“ in Ebingen, Deutschland, seine Ausbildung zum Radio- und Fernsehtechniker. „I bin in meine Eltern donkbor, dass i de Möglichkeit kop hon.“
Mit technischem Feingefühl und unternehmerischem Mut schrieb Rudolf Lösch mehr als nur Radiogeschichte.
1963, zurück in Morter, hat der frischgebackene Radio- und Fernsehtechniker Sendemasten für Sendemasten „…s’gonze Tol vernetzt.“, wie er mir schmunzelnd berichtet. Im Vinschgau war damals Funkstille. „Wenn i oungfongen hon, isch no kuan Fernsehn gwesen in Tol“, betont Rudolf Lösch. Es gab weder deutschsprachiges Fernsehen noch Radio. Für den jungen wissbegierigen Mann war dies eine Spielwiese, auf der er sich austoben konnte. Sein unaufhaltsamer Pioniergeist war geweckt.
Wer den Film „TVS Pioniere des Fernsehens“ gesehen hat, erinnert sich sicher an jenen Mann, der mit seinem Werkzeug in schwindelerregender Höhe am Sendemasten hing. Das war Rudi. „In TVS hon i a mit aufgebaut.“ erinnert er sich. Es war der Verdienst des begeisterten Antennenbauers, dass im Vinschgau die Funkverbindung für Radio und TV funktionierte. „In Longtaufers hon i vier Umsetzer gebraucht, und in Graun a wieder viere, damit der Empfong endlich passt hot.“ Mit unermüdlichem Einsatz hat Rudolf Lösch ein wichtiges Fundament für das Privatfernsehen im Tal geschaffen.
Mit 21 Jahren gründete er seinen eigenen Betrieb. In seiner Werkstatt in Schlanders hat er unzählige Röhrenfernsehgeräte und Röhrenradios zusammengebaut mit Einzelteilen, die er damals aus Deutschland importiert hat. Er führte Reparaturen durch, eröffnete Zweigstellen in Mals und Naturns und bildete viele Lehrlinge aus. Bald schon war der kompetente Radio- und Fernsehtechniker im ganzen Tal und darüber hinaus bekannt. Das hatte Folgen. Am Heiligabend kam er immer erst spät nach Hause, weil er noch Fernseher auslieferte. „Der Tata wor s‘Christkindl für’s gonze Tol.“ erinnern sich seine Kinder.
In den späten 70er Jahren startete Rudi mit Gleichgesinnten sein Radioprojekt. Das war die Geburtsstunde des Privatsenders Radio Vinschgau. Der Radiosender wurde bald zum wichtigen Begleiter der Vinschger, ein Sprachrohr für Private sowie für die Wirtschaftstreibenden im Tal. „Funksignale hon i gschickt bis noch Longtaufers.“, lacht mein Gegenüber spitzbübisch. Wenn Sender im Land ausfielen, startete Rudi los, um die Funkverbindung wiederherzustellen. „In schneareiche Winter bin i grod a poor Mol a mit die Ski zu die Sender ai.“ Rudolf Lösch war immer auf der Suche nach dem besten Empfang.
Es gab noch mehr in seinem Leben außer Technik und Elektrizität. Bei einer Schneeballschlacht lernte er die Schludernserin Rosa Kaserer kennen. 1968 wurde geheiratet. Ihre vier Kinder Roman, Elke, Harald und Daniela wuchsen mit Technik und Funkgeräten auf.
2017 war ein gesundheitlich einschneidendes Jahr für Rudi. Dank der liebevollen Unterstützung seiner Frau Rosa und seiner Kämpfernatur kam er wieder auf die Beine.
Teleradio Vinschgau war bis 2018 on air. Dann wurde der Sender verkauft und eine Radio-Ära ging aus Gesundheitsgründen zu Ende.
Am 28.02.2026 wurde Rudolf Lösch 80 Jahre alt. Sein größtes Hobby ist für ihn bis heute das Amateurfunken. Mit seinen selbstgebastelten Funkgeräten und Antennen war er schon lange vor der Internetzeit weltweit vernetzt. Heute ist das Wohnzimmer seine große technische Spielwiese. Dort holt sich „IN3LWR“, so Rudis Funkname, bis heute die Welt ins Haus. „Viele Amateurfunker gib‘s nimmer im Vinschgau,“ erzählt er. Wenn seine Funkkollegen Toni und Oskar ihn besuchen, sitzen die drei gemeinsam vor den Geräten. „Nocher werd ordentlich gfunkt.“ lacht Rudi.
Schaltpläne, Antennen, Sender und Empfänger, Umsetzer … für den talbekannten Pionier Rudolf Lösch die einfachste Materie der Welt. Seine größte Gabe aber ist es, zufrieden und geduldig zu sein.

Hüter eines romantischen Mittelalters

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Geboren wurde Martin Gluderer in Meran. Seine Schulzeit verbrachte er ebenfalls dort, bis zu seinem 20. Lebensjahr lebte er in Obermais. Zunächst erlernte er den Beruf des Verkäufers im Lebensmittelbereich, dann folgten die Jahre als Sanitäter beim Weißen Kreuz in Bozen und im Vinschger Oberland. Auch als Privatchauffeur war er tätig, bevor ihn ein Facebook-Eintrag im Jahr 2018 aufhorchen ließ. Die Haderburg suchte jemanden, der bereit war, Verantwortung zu übernehmen und Leben in die alten Mauern zu bringen. Gluderers Cousin Roman Perfler war als Pächter abgetreten, nun sah er seine Zeit gekommen. Er präsentierte der venezianischen Besitzerfamilie ein Konzept, das bis heute trägt. Mittelalterliche Gewandung, Burgbelebung und authentische Speisen sollten Geschichte nicht erklären, sondern vielmehr mit allen Sinnen erfahrbar machen.
Die Faszination für das Rittertum begleitet ihn seit Kindertagen, seine Mutter Hermine Thöni und sein Großvater Matthias Thöni aus Eyrs erzählten und lasen ihm vor. Als Jugendlicher wurde Martin Mitglied bei den Rittern von Andrian, einem Mittelalterverein, in dem er Schwertkämpfe trainierte und sich intensiv mit Geschichte beschäftigte. Dazu gehörten nicht nur Kleidung und Ausrüstung, sondern auch das Wissen um Getränke und Speisen, handwerkliche Fertigkeiten und ein respektvoller Umgang miteinander.
Als Lehnsherr der Haderburg gründete Martin dann seinen eigenen Verein. Gemeinsam mit Martin Zöschg aus Naturns hob er die Ritterliche Gesellschaft zur Haderburg aus der Taufe. Mehrere Jahre blieb Gluderer ihr Präsident, heute stehen die 35 Mitglieder unter der Leitung von Martin Zöschg. Historische Detailtreue sei ihnen wichtig, doch mit Augenmaß.
Den Ritterschlag erhielt Martin Gluderer vom Hochmeister des Bündnisses der abendländischen Ritterschaft. Auch wenn manche darüber lächeln, ist dieser Schritt für ihn von großer Bedeutung. Zuvor wurden Haltung, Benehmen und innere Einstellung geprüft. Politik, Religion oder gesellschaftlicher Status spielen dabei keine Rolle. Entscheidend ist vielmehr das Einhalten der staatlichen Gesetze ebenso wie des ritterlichen Wertekodex. Der Ritterschlag erfolgte im Rahmen eines Kapitels (Zusammenkunft) mit feierlicher Zeremonie und Schwur.
Heute zeigen sich die Ritter der Haderburg bewusst in der Öffentlichkeit. Sie tragen Schwertkämpfe aus, betreiben Bogenschießen und nehmen in Schluderns und andernorts an Ritterspielen teil. Zweimal jährlich findet auf ihrer Heimburg ein Kapitel statt. Wird dabei vom Großmeister das Gaudium ausgerufen, darf auch die Unbeschwertheit nicht fehlen, „sem isch die Hetz erlab!“
Der Name Martinus von Scheck zu Goldrain ist geprüft, rechtlich gesichert und bewusst gewählt, denn zu Goldrain bestehen persönliche Verbindungen. Seine Mutter wohnt im Schloss Goldrain, das vor dem Ausbau der Hendl den Scheck gehört hatte. Zudem stammte Martins Vater aus Goldrain. An Martins Seite steht die Burgfrau Alexia von Scheck. Die Eppanerin nimmt als gleichwertiges Pendant zum Ritter eine eigene Rolle ein, ebenfalls durch eine Zeremonie erhoben. Auf der Haderburg ist sie die Köchin. Ihre Gäste kommen aus der ganzen Welt und zeigen großes Interesse an Geschichte. Gekocht wird nach historischen Rezepten, darunter Rippen nach einer Anleitung aus dem 11. Jahrhundert.
Seit einem halben Jahr ist Martin auch im Gewölbe der Alten Post in der Schlanderser Fußgängerzone anzutreffen, da er dort mit Thomas und Wolfgang Fuchs aus Morter ein weiteres Lokal eröffnet hat. In der Taverne bieten die Postlords, wie sie sich nennen, mittelalterliche Menüs und Mittelaltergelage mit passender Musik. Da man sich in der Alten Post thematische Freiheit erlaubt und abseits vom Mittelalter dem folgt, was Spaß macht, finden diverse Themenabende statt. Wolfgang Fuchs hat sich inzwischen zurückgezogen, Martin und Thomas setzen die Zusammenarbeit fort. Den Freunden liegt noch ein weiteres Projekt am Herzen. Ihr Förderverein zur Rettung der Burg Obermontani möchte die Ruine, sobald sie gesichert ist, beleben. Noch ist Geduld gefragt, der gastronomische Plan würde sich an der Haderburg orientieren, thematisch möchte man an die Nibelungensage anknüpfen.
Was den 40-Jährigen antreibt, ist mehr als historisches Interesse. Das romantische Mittelalter steht für ihn für Werte wie Stolz, Ehre, Disziplin und das Einhalten des gegebenen Wortes. Werte, die seiner Ansicht nach heute oft verloren gingen. Die Epoche werde häufig als dunkel, schmutzig und grausam dargestellt. Martin sieht das differenzierter. Wie informiert er sich über das Mittelalter? Lesen gehört weniger zu seinen Gewohnheiten, dafür besucht er Museen und recherchiert im Internet. Besonders gerne reist er nach Irland und Schottland, zu Burgen, historischen Orten und Whiskey Destillerien. Die Menschen dort schätzt er wegen ihrer Offenheit und Gastfreundschaft.
Wenn der Hof der Haderburg voller Gäste ist, wird gewartet, die Stimmung genossen und Gelassenheit geübt. Stress, davon ist er überzeugt, habe es im Mittelalter so nicht gegeben. Seiner Mittelalternostalgie entspringt auch Gesellschaftskritik. Vielleicht ein bewusster Rückzug in eine Welt, die ihm mehr gibt als die heutige Zeit? Ritter Martinus von Scheck zu Goldrain nickt.

Johanna Albert: „Kunst bin ich“

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Die junge Künstlerin ist 2003 geboren und mit zwei älteren Geschwistern in Laas aufgewachsen. Sie war eigenständig, schlagfertig und wusste was sie wollte. Bereits im Kindergarten setzte sie sich in eine Ecke und malte. Die Menschen und das Geschehen um sie herum nahm sie wohl war, doch vertiefte sie sich ganz im Zeichnen. Anders als ihre Mitschüler:innen freute sie sich auf die schulischen Malwettbewerbe. Nach der Pflichtschule besuchte sie die FOS in Meran, wechselte in das Kunstgymnasium, denn dort wird der Schwerpunkt ab der dritten Klasse auf die Grafik gelegt. Neben dem Zeichnen auf Papier und am Computer war Kunstgeschichte eines der Hauptfächer. Zu lernen, welche Geschichten und Geschichte hinter den jeweiligen Kunstwerken steht, findet die Wissbegierige sehr spannend. Nach der Matura entschied sie sich für die Ausbildung zur Steinmetzin in der Marmorfachschule „Johannes Steinhäuser“ in Laas. So konnte sie zuhause studieren und mit heimischem Material arbeiten. Sie begann ihr Heimatdorf und das Vorhandene in einem anderen Licht zu sehen.
Gegen Ende ihrer Ausbildung, im Frühjahr 2024 packte sie das Fernweh. Zufällig entdeckte sie ein Inserat für ein Au-pair-Mädchen bei einer Irischen Familie. Direkt nach ihrem Abschluss zog Johanna nach Irland. Es war sehr aufregend, diese Reise, allein begleitet von ihrem Skizzenbuch, anzutreten. Johanna malte bis dahin vorwiegend Personen. In Irland entdeckt sie, das „Urbansketching“, alltägliche Momente zeichnerisch festzuhalten. Sie findet Gefallen an der Architekturperspektive und baut beides in ihren Stil ein. Neben ihrer Arbeit als Au-pair Mädchen nutzte sie das ein und andere verlängerte Wochenende um nach London, Oslo und Schottland zu reisen. Johanna lernte unterschiedlichste Orte und Menschen kennen, probierte Neues aus, schöpfte die ihr gebotene Zeit voll aus. Ihr Abenteuer endete im Juli 2025 mit Vorfreude auf das Zuhause, aber auch mit Fernweh im Gepäck. Viel Zeit blieb ihr dafür nicht. Bereits wenige Tage danach öffnete in der Marx Kirche in Laas die Austellung „Momente“ bei der Johanna zusammen mit weiteren Künstler:innen vertreten war. Organisiert wurde diese von der Plattform „ParaBel Artspace“, eine Vereinigung mehrerer Künstler:innen unterschiedlichsten Richtungen. Über diese stellte Johanna ebenfalls im November mit mehreren Vinschger Künstler drei Tage lang im „Schloss Siegmundsried, in Ried im Oberinntal aus. Ihre Eltern unterstützen Johanna in den Vorbereitungen ihrer Ausstellungen. Ihre Mutter ist selbst sehr kreativ und ihr Vater kann seine Kreativität darin ausleben, die Ideen der zwei Frauen umzusetzen. Im Jahr 2023 stellte sie erstmals eine ihrer Aktzeichnung beim Kulturfest Marmor&Marille im Sonnenwirtsstadel aus. Mit der Marmorfachschule war Johanna auf Ständen verschiedenster Kunstmessen vertreten. Sie zeigte ihre Werke auf dem Kultur- und Genussfest in Prad, sowie bei der 95-Jahr-Feier des Bildhauer- und Steinmetzmeisterbetriebes Josef Mayr in Laas.
Momentan ist Johanna in ihrer Arbeitsstelle sehr gefordert und sie lebt ihre Kreativität eher im Kochen und Backen aus, als im Zeichnen. Trotzdem ist es ihr wichtig, ihrer Kunst Raum zu geben. Im Keller ihres Elternhauses liegen auf der alten Werkbank ihres Opas, der dort als Elektrotechniker Motoren neu wickelte, die Werkutensilien seiner Enkelin. „Im Zeichnen spreche ich aus mir“. „Ich finde es schön zu merken wie man durch das viele Zeichnen, Werken und Üben genauer, präziser, schneller wird und das Auge schult, indem du etwas zeichnest was vor dir steht“. In der „Basis Schlanders“ trafen sich über einen längeren Zeitraum jede Woche die unterschiedlichsten Künstler:innen und Modelle. Johanna nutzte diese Möglichkeit zum Aktzeichnen. Sie malt mit Bleistift, Kohle und Aquarell auf Leinwänden und Papier. Sie liebt es, einfach darauf los zu zeichnen und wenn ihre Hände schmutzig werden. Sie verwendet keinen Radiergummi, jeder Strich den sie macht, hat seine Berechtigung. „Jedes Muttermal, jede Rundung macht die Zeichnung lebendig und individuell“, meint Johanna.“ In der Bildhauerei geht man nach den groben Arbeiten vorsichtig an den Stein heran, er verzeiht keine Fehler. „Stein ist endgültig!“ so die junge Frau, „Das ist für mich Reiz und Auftrag zugleich, lässt mich mit Respekt an ihn heran treten. Er scheint als kaltes Material, aber wenn du beginnst mit Stein zu arbeiten, wird er lebendig, warm. Es öffnen sich dir ganz neue Möglichkeiten. Beim Malen möchtest du den Moment, die Tiefen, zweidimensional auf Papier bringen, du spielst mit Schatten und Licht, versuchst darzustellen, was du bei einem dreidimensionalen Werk siehst“. Johanna kann sich vorstellen in Laas zu bleiben. Manchmal vermisst sie den künstlerischen Austausch und Irland, die Spontanität und das Hemmungslose von dort, jeder Tag war neu und spannend. Ihre Erlebnisse hielt sie in unzähligen Skizzen fest. Die neuen Eindrücke und Erfahrungen muss sie erst noch ordnen und weiterentwickeln.

Von Schlinig nach Zernez

  • Dachzeile: Portrait 12/2026

Spielzeug gab es für Fritz und seine 10 Geschwister keines. Sie hatten die Natur, die Tiere und ihre Freiheit, die sie lebhaft auslebten. Mit sieben Jahren hütete Fritz die Ziegen des Hofes und die von anderen Bauern. Gern begleitete er seinen Vater auf die Jagd. Er mochte ihn trotz seiner Strenge und Disziplin. Seine Mutter führte als Bäuerin und Köchin den Gasthof, der zum Anigglhof gehörte. Durch Hof und Gasthof waren sie gut versorgt. Als Ziegenhirte war Fritz ein sogenannter Kostgänger, dabei sah er, dass viele der ärmeren Familien trotz ihrem Wenigen sehr zufrieden lebten. Sein letztes Schuljahr verbrachte er in Cesenatico in einer Kolonie mit weiteren Südtirolern. Mittwochs wurde in italienischer Sprache unterrichtet, an den restlichen Tagen in Deutsch, genauso wie in Schlinig. Mit 15 Jahren begann er die Lehre als Koch im Marlinger Hof, eine strenge und harte Zeit. Täglich arbeitete er von sieben Uhr morgens bis mitternachts. Danach brachte er noch die Kochabfälle zur Etsch, wo die dort lebenden Zigeuner auf das noch Verwendbare warteten. Fritz entdeckte in Marling ein Motoradgeschäft. Er verdiente damals umgerechnet etwa 50 € und, da der Lohn nicht reichte, bat er seine Tante um Hilfe. Sie lieh ihm das fehlende Geld. Am nächsten freien Tag fuhr er mit seinem neuen Motorrad stolz von Marling nach Schlinig.
Der gelernte Koch trat 1961 seine erste Arbeitsstelle im Hotel La Margna in St. Moritz an. Die Arbeit im bzw. mit dem multikulturellen Küchenteam war spannend und bereichernd. Doch er wollte nie lange an einem Ort bleiben. Gemeinsam mit dem dortigen Küchenchef wechselte er zum Hotel Post, auch in St. Moritz. Dort lernte er das Zubereiten Schweizer und Französischer Spezialitäten. Da Fritz zweisprachig aufwuchs lernte er schnell Rätoromanisch. Es zog ihn nach Scoul, Zürich bis in die französische Schweiz. In Martigny arbeitete er im Hotel Kluser. Der dortige Portier vermittelte ihm einen Aufenthalt in England. In London half Umberto Casa, ein Freund des Portiers, dem Schliniger mit der damals strengen Fremdenpolizei und einer nicht ganz legalen Arbeitsstelle. Täglich besuchte Fritz die Sprachschule in Oxford, um den Schein als Student zu wahren.
Unfreiwillig kehrte er 1967 zurück. Er wollte seine Staatsbürgerschaft nicht verlieren und kam zum Militärdienst nach Cuneo. Durch Oberst Stocker „Fuchs“ aus Mals erhielt Fritz eine Stelle in der Militärküche. Dadurch kam er zur Ehre, in der Küche des Capitano auf Wunsch dessen Frau eine Schwarzwälderkirschtorte zuzubereiten. Ein geliehenes Rezept half ihm zum Gelingen seines ersten Backversuches. Die Mutter des Capitano besaß ein Bergrestaurant auf dem Matterhorn in Cervinia. Fritz verbrachte dort seinen restlichen Dienst. Hier hatte er keine Gelegenheit, das gut verdiente Geld auszugeben. Im August endete sein Militärdienst. Er fuhr mit dem Zug nach Mals, holte seinen „Concedo“, kaufte sich einen Fiat 1300 und fuhr direkt wieder nach Cervinia, um die Saison zu beenden. Danach half Fritz seiner Schwester im Hotel Watles. Sie hatte die Zeitschrift „Engadiner Post” abonniert, in der er eine Stelle im Hotel Aurora in S-chanf fand.
Am Wochenende wurde natürlich mit Kollegen gefeiert. Nach einer durchfeierten Nacht traten sie morgens in das Hotel Baer und Post in Zernez. Mit strahlenden Augen erzählt Fritz: „Da kam ein junges Mädchen mit Schulranzen die Treppe herunter…“. 1972 wurde geheiratet. Ihre drei Töchter und der Sohn sind alle in der Gastronomie tätig. „In der Gastronomie gibt es keinen Stillstand“ meint Fritz „man muss immer wieder investieren“. Was er auch tat. Zudem erwarb er nicht weit vom Hotel eine 9 ha große Wiese. Nach dem nicht einfachen Kauf und Landabtausch begann Fritz 1984 dort mit dem Stallbau. 2005 folgte das Haus, wo sie seither leben. Sie errichteten ein eigenes Wasserkraftwerk, und der Hof wurde einer der ersten Bio Landwirtschaftsbetriebe im Engadin. Das Fleisch aus der eigenen Black Angus Mutterkuhherde kommt im Hotel auf den Tisch. 2017 übernahm der Sohn Christian das Hotel und den Bauernhof, führt alles mit seiner Frau Andrea und großer Leidenschaft weiter.
Fritz genießt die Abgeschiedenheit und die Natur des Hofes. Er ist Jäger, sammelt Antiquitäten, ist von Oldtimern und Motorrädern fasziniert. Er restauriert gerne Traktoren, macht gerne „Geschäfte“ und gönnt sich ein gutes Glas Wein. Der etwas Querköpfige mit großem Herz liebt seine Familie, verfolgt seine Ziele und bestärkt andere, ihren eigenen Weg zu gehen. „Im Leben braucht es ein Ziel“, meint der sympathische Engadiner mit Vinschger Wurzeln.

 

Ergänzung zum Portrait von Fritz

Irgendwie kam der Nachnahme Patscheider im Portrait schriftlich abhanden. Christine Weithaler bittet Fritz und die Familie Patscheider, von Schlinig bis nach Zernez, höflichst um Entschuldigung und hofft, dass die Freude über das Portrait überwiegt. Sie erinnert sich gern an die herzliche Gastfreundschaft der Familie Patscheider, das unkomplizierte, persönliche Kennenlernen von Herrn Patscheider, von Fritz.