Schlanders/Vinschgau
Musikalbum im Vinschger Dialekt
Der Liedermacher Robin’s Huat aus Schlanders hat sein erstes Album produziert: „Loss gian“. Im Interview spricht er über den Entstehungsprozess und die Zeit im Studio.
Vinschgerwind: Dein Debütalbum „Loss gian“ besticht mit lebensbejahenden Texten und Rhythmen. Würdest du dich als Gute-Laune-Liedermacher bezeichnen, um positive Botschaften auszusenden?
Robin’s Huat: Ja, das möchte ich schon, aber ohne mich darauf festzulegen. Ich fange einfach auf, was gerade aus mir herauskommt, und das kann je nach Stimmung ganz unterschiedlich sein. Ein gutes Gefühl möchte ich aber immer vermitteln. Das Leben zu genießen und im Kopf positiv zu bleiben: Das ist mein Vibe.
Vinschgerwind: Wie gehst du beim Texten und Komponieren vor?
Robin’s Huat: Sehr unterschiedlich. Oft beginnt es mit dem Jammen: Ich nehme die Gitarre, klimpere ein paar Akkorde, Augen zu und drauflossingen. Da kann schon eine Refrain-Idee oder ein Teil einer Strophe entstehen. Von diesem Puzzleteil aus arbeite ich weiter. Wenn zuerst ein Text da ist, überlege ich, wie ich das Thema weiterführe und ob es singbar ist.
Vinschgerwind: Wie ging es dann weiter, wie wurde aus deinen Liedern ein Album?
Robin’s Huat: Die Idee entstand bei einer Jamsession mit Dolev Nahoom in der BASIS. Er bat mich, drei Lieder zu spielen, und überraschte mich, als er den Musikern Partituren meiner Songs austeilte, die er selbst geschrieben hatte. Das Zusammenspiel kam super an, und ich merkte: Meine Dialektlieder funktionieren auch mit Band. Das war der Startschuss, vor eineinhalb Jahren eine eigene Band zu gründen. Mit ihr probte ich, entwickelte neue Arrangements, und schließlich gingen wir ins Studio meines Vaters Marco Diana. Da nicht alle gleichzeitig Platz hatten, spielten wir die Instrumente einzeln ein. Zwei, drei Tage nur Gitarre, dann Schlagzeug, Bass und so weiter.
Vinschgerwind: Das klingt nach Puzzle.
Robin’s Huat: Ja, es war ein riesiges Puzzle. Von jedem Song gibt es mehrere Aufnahmen, das Schlagzeug etwa hat viele Spuren. Alles musste geschnitten und neu zusammengesetzt werden. Dolev schrieb zusätzlich Bläsersätze, nahm sie in Israel auf und schickte sie mir. Parallel feilte ich weiter an den Texten, bei einem Song bis kurz vor dem Mixdown. Einerseits höre ich die Stücke im Studio so oft, dass ich jedes Detail kenne, andererseits kann man dabei auch das Gefühl für Details verlieren. Der letzte Schritt ist dann das Mastering, wenn ein abgemischter Song finalisiert wird, um eine optimale Klangqualität und Lautstärke für die Veröffentlichung zu erzielen. Erst dann kann das Lied auf den Tonträger.
Vinschgerwind: Ariel Trettel hat auf deinem Album zwei Gastauftritte. Wie kam es dazu?
Robin’s Huat: Ich habe Ariel kennengelernt, als er die Marmorschule in Laas besuchte. Ich kannte ihn schon als Gitarrist von Shanti Powa. Wir haben zusammen gejammt und ein paar Auftritte gespielt. Faszinierend fand ich, dass er kein einziges Cover spielt, nur eigene Songs. Das hat mir geholfen, einen Zugang zu finden, wie man locker Musik schreibt. Es muss nicht immer alles perfekt sein. Ein Lied kann so cool sein: wenig Worte, minimalistisch, einfache Botschaft, aber dafür auf den Punkt gebracht. Da war Ariel Inspiration für mich und deshalb sind die beiden Songs auf dem Album entstanden.
Vinschgerwind: Welche Tonträger spielen nun deine Songs ab?
Robin’s Huat: „Loss gian“ gibt es auf Vinyl und CD. Nur online zu veröffentlichen wäre schade, die Arbeit soll auch etwas Greifbares haben. Außerdem ist es einfach cool, eine Platte mit der eigenen Mucke in der Hand zu halten. Auch auf Streamingplattformen bin ich vertreten.
Vinschgerwind: Einer deiner älteren Titel heißt „Wos Willi“. Was willst du, Robin?
Robin’s Huat: Ich bin ein zufriedener Mensch. Im Moment passt alles so, wie es ist. Ich brauche kein großes Hab und Gut. Wenn ich von meiner Musik leben kann, bin ich glücklich. Und wenn ich mein ganzes Leben in einem WG-Zimmer wohne: Solange ich die Musik habe, ist alles gut.
Interview: Maria Raffeiner