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Südtirol/Vinschgau

Lebensgeschichten von Flucht und Rücksiedlung

Das Hitler-Mussolini Abkommen 1939 führte zur Option. Südtirolerinnen und Südtiroler waren vor die Entscheidung gestellt, ins Reich auszuwandern oder im italienisch besetzten Südtirol zu bleiben. Die überwiegende Mehrheit optierte für Deutschland. Die ersten Familien, vor allem die besitzlosen, wanderten als erste aus und wurden zu Flüchtlingen. Der Kriegsausbruch im September 1939 stoppte diese Bewegungen.
Viele der Ausgewanderten mussten erfahren, dass sie in der Fremde nicht willkommen waren und wurden enttäuscht. Nach dem Krieg kehrten sie wieder nach Südtirol zurück auf der Suche nach einer Bleibe. Viele waren staatenlos und trugen schmerzliche Erfahrungen mit sich. In ihrer Heimat Südtirol fühlten sie sich teilweise wie Dahergelaufene, wie Bettler. Ein Neustart war mit großen Schwierigkeiten verbunden und oft von Hunger und Not geprägt.
Die Journalistin, Filmemacherin und Autorin Astrid Kofler gibt einigen dieser Menschen in ihrem Buch „Von Rückkehr, Flucht und Suche nach Heimat - Erinnerungen an die Nachkriegszeit“, erschienen im Athesiaverlag, eine Stimme, authentisch, schlicht und berührend.
Im Buch sind 21 Lebensgeschichten abgedruckt, darunter beispielsweise auch die Erinnerungen der Vinschgerin Martha Pohl Kofler (Jg. 1938) aus Tarsch, die im Salzburger Land und in Tschechien die ersten Jahre ihres Lebens verbracht hat. Kofler erzählt auch die Geschichte von Robert Ruepp aus Schluderns, der in Kärnten geboren worden war (der Vinschgerwind hatte ihm im April 2025 ein Portrait gewidmet.) Ein bewegendes Detail dazu: Roberts Mutter war bereit 2024 als Achtjährige mit ihrer Familie von Kortsch nach Brasilien ausgewandert und bei der Option ein zweites Mal entwurzelt worden. Beeindruckend dokumentiert Kofler anhand der lebendiger Menschenbilder eine traumatische Zeit in der Südtiroler Geschichte. (mds)

Ausgabe 25/2025