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Natur & Landschaft

Im falschen Kleid - Wenn Tarnung nicht mehr tarnt

Mimese ist eine Form der Tarnung. Dabei passen sich Pflanzen oder Tiere durch Gestalt, Farbe oder Haltung so ihrer Umgebung an, dass sie von Fressfeinden nicht entdeckt zu werden. Ein Beispiel für Mimese bei Pflanzen wären etwa die lebende Steine (Lithops) aus der Familie der Mittagsblumengewächse (Aizoaceae).
Unter den Alpentieren sind der Schneehase (Lepus timidus), das Schneehuhn (Lagopus muta) und das Hermelin (Mustela erminea) drei Arten, die sich durch den Wechsel ihrer Farbe in Fell oder Federkleid perfekt an den Untergrund anpassen und so vor ihren Beutegreifern schützen. Schneehase und Schneehuhn leben in den Gebirgen oberhalb der Waldgrenze. Die alpinen Rasen bieten als Lebensraum zum Beispiel im Vergleich zum Wald kaum Deckung. Die Tarnfarbe des Körpers ist daher im Laufe der Evolution dieser genannten Arten zu einer Überlebensstrategie geworden: Tarnung statt Deckung. Im Sommer haben Schneehuhn, Schneehase und Hermelin eine erdbraune Farbe und sind dadurch saisonal gut an den Untergrund angepasst. Im Winter färbt sich das Fell oder das Federkleid durch den Wechsel von Haaren bzw. Federn weiß wie der Schnee. Aber „schneeweiß“ tarnt nicht mehr, wenn der Schnee nicht mehr oder viel seltener fällt und die Schneedecke viele weniger lang anhält. Dies ist derzeit und seit den letzten 20 warmen Jahren der Fall. Immer größere Mengen des Winterniederschlages fallen wegen der Erderwärmung und im Klimawandel in flüssiger Form als Regen und nicht mehr in fester Form als Schnee. Die drei genannten Arten von Alpentieren befinden sich im Winter immer öfter im falschen Gewand. Der saisonale Fell- und Haarwechsel ist ein hormonell gesteuerter Prozess. Es ist derzeit noch fraglich, ob die Körperhormone dieser Tiere so schnell und kurzfristig auf den Klimawandel reagieren, indem etwa das Sommerkleid länger getragen wird, weil es auch für den wärmeren Herbst und den kürzeren und weniger extremen Winter taugt. Wenn die hormonelle Anpassung langsam verläuft als der Klimawandel, werden diese Alpentiere zu Verlierern des Klimawandels.

Hermelin und Mauswiesel
Für heute noch eine kleine Präzisierung: Hermelin und Mauswiesel ist nicht dasselbe. Es sind zwei verschiedene Arten aus der Familie der Marder (Mustelidae). Das Hermelin (lateinisch Mustela erminea) ist größer als das Mauswiesel (Mustela nivalis). Das Mauswiesel ist das kleinste Raubtier und ist nur etwa so groß wie eine Feldmaus oder eine kleine Ratte. Der Schwanz des Mauswiesels ist deutlich kürzer als jener des Hermelins. Das Mauswiesel verfärbt sich im Winter nicht weiß. Nur das Hermelin hat den Wechsel der Fellfarbe von sommers erdbraun auf winters schneeweiß.

Ausgabe 25/2025