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Schlanders/Bibliothek

Der Erste Weltkrieg in Alltagserfahrungen

Wie war das Alltagsleben der Menschen während der Zeit des Ersten Weltkrieges? Mit dieser Frage beschäftigte sich Rafael Micheli aus Schlanders in seiner Masterarbeit, welche er an der Universität Innsbruck einreichte. Als zentrale Quelle diente die bislang unveröffentlichte Kriegschronik von Peter Gamper (1868-1956), Oberleutnant im Standschützenbataillon Schlanders, der von 1914 bis 1918 ein handschriftliches und schwer lesbares Tagebuch führte. Am 18. November stellte Micheli seine Arbeit in der Bibliothek Schlandersburg vor. Er begann mit einem historischen Überblick über den Kriegsausbruch 1914, den Kriegseintritt Italiens am 23. Mai 1915 bis zum Waffenstillstand am 3. November 1918 und den Friedensverträgen von Paris. Micheli betonte, dass es ihm nicht um das Leben an der Kriegsfront geht, sondern um den Alltag im Hinterland, das Leben der Kriegsgefangenen und der Frauen. Die Tagebuchaufzeichnungen sind immer persönliche Sichtweisen. Micheli berichtete über die Forschungsmethode und die Schwierigkeiten beim Transkribieren der Texte. Die Kriegschronik von Gamper besteht aus 150 Seiten. Peter Paul Gamper besuchte 8 Jahre die Volksschule, war Bäckermeister und später Sparkassenbeamter. Er war Mitglied der Feuerwehr und der Schützen und publizierte recht viel. Im Laufe der Tagebucheintragungen hat Micheli bei Gamper drei Perspektivenwechsel festgestellt. Am Anfang herrschte Kriegsbegeisterung, das schlug um in Frust und Kritik und endete schließlich bei Kriegsende in Zukunftsangst. In den Tagebuchaufzeichnungen schrieb Gamper über die schwierige Versorgungslage, die harte Arbeit der Frauen, die Entlausungsanstalt, den Einsatz der russischen Kriegsgefangenen in der Landwirtschaft und beim Bau der Straße ins Martelltal. Er schreibt von einer Meuterei, von Deserteuren, aber auch dass die Kriegsgefangenen Saiteninstrumente spielten und russische Nationaltänze zum Besten gaben. Zu Kriegsende gab es Unsicherheiten, Plünderungen, sowie Mangel an Lebensmitteln und Kleidung und einige uneheliche Kinder russischer Kriegsgefangener. (hzg)

Ausgabe 25/2025