Die Weltmeisterschaften im Engadin werden für zwei heimische Sportler unvergessen bleiben: Snowboarderin Jasmin Coratti holte sich die Silbermedaille, während Skicrosser Yanick Gunsch mit Bronze belohnt wurde. Mit diesen sensationellen Erfolgen haben die zwei bodenständigen Sportler nicht nur die Herzen vieler Fans erobert, sondern auch den gesamten Vinschgau stolz gemacht.
Von Sarah Mitterer
Innerhalb von nur 24 Stunden wurde dank der WM-Medaillen von Jasmin Coratti und Yanick Gunsch die Vinschger Sportgeschichte um zwei Kapitel reicher. Den Anfang machte der 28-jährige Skicrosser Yanick Gunsch aus Matsch, der einen besonderen Meilenstein erreichte. Bereits im Januar hatte er an seinem Geburtstag erstmals das Weltcuppodest erklommen und sich damit für die Weltmeisterschaft empfohlen. Bei der Freestyle-Skiing-WM im Engadin feierte er nun seinen bisher größten Erfolg.
Im Mixed-Bewerb holte er sich zusammen mit seiner Teamkollegin Jole Galli die Bronzemedaille. Nach einem holprigen Start im Finale konnte Gunsch im unteren Abschnitt noch wertvolle Zeit gutmachen, was seiner Partnerin Galli ermöglichte, die Konkurrenz in ihrem Lauf zu überholen und letztlich den beiden Bronze zu sichern. Nur wenige Zentimeter trennten das Duo von Silber, doch am Ende jubelte Gunsch mit seiner Familie und seinem Fanclub über die verdiente Bronze-Medaille. „Es ist unglaublich. Im ersten Moment konnte ich es nicht glauben. Das realisiert man erst später!“, freut sich der Matscher.
Für Gunsch ist dieser Erfolg der Lohn für seine jahrelange harte Arbeit. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Spitzensportlern gehört er keiner Sportgruppe an. Doch sein Talent wird seit 2016 von der Südtiroler Sporthilfe gefördert, welche zusammen mit dem Amt für Sport der Autonomen Provinz Bozen talentierte Athletinnen und Athleten - vor allem solche, die nicht einer Sportgruppe angehören- finanziell unterstützt, damit sie sich gezielt auf die Olympischen und Paralympischen Spiele vorbereiten können. Dennoch reichen diese Beihilfen nicht aus, um sich vollständig auf den Sport konzentrieren zu können, weshalb Gunsch neben seiner Karriere als Weltklassesportler auch den Beruf des Maurers ausübt, um seinen sportlichen Traum zu verwirklichen. „Dies ist der Dank für die ganze harte Arbeit, die ich in den Sport hineingesteckt habe“, erklärt der Skicrosser stolz.
Nur einen Tag später setzte Jasmin Coratti in der Schweiz den nächsten Vinschger Glanzpunkt. Die Parallel-Snowboarderin aus Langtaufers gewann gemeinsam mit dem Villnößer Gabriel Messner die Silbermedaille im Mixed-Team-Event. Im Halbfinale profitierten die zwei von der Disqualifikation des Schweizer Duos, wodurch sie sich für das Rennen um Gold qualifizierten und damit bereits eine WM-Medaille sicher hatten. „Als der Lauf der Schweizer noch einmal kontrolliert wurde, waren Gabriel und ich extrem nervös. Doch als das offizielle Ergebnis da war und wir durch den Finaleinzug die Medaille nun sicher hatten, waren wir einfach nur noch mega glücklich“, beschreibt Coratti ihre emotionalen Momente. Im Finale mussten sie sich nur ihren Teamkollegen Maurizio Bormolini und Elisa Caffont geschlagen geben, doch am Ende ärgerte man sich nicht über den verpassten WM-Titel, sondern es überwog die Freude über die gewonnene Silbermedaille. Für Coratti geht damit eine intensive, aber äußerst erfolgreicher Winter zu Ende, in der sie unter anderem ihren ersten Weltcupsieg feierte. „Es war eine sehr lange und anstrengende Saison. Ich bin super gestartet, die zweite Hälfte war dann sehr mühsam, körperlich sowie mental“, blickt die 23-Jährige auf die vergangenen Monate zurück. „Doch mit einer WM-Silbermedaille die Saison abzuschließen, damit hätte ich niemals gerechnet!“
Nun gönnen sich Vinschgaus WM-Helden eine verdiente Pause, um mit neuer Energie in die Vorbereitungen auf die nächste Saison zu starten. Und vielleicht erfüllt sich für beide bald ein weiterer Traum – die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen. In ihrer aktuellen Form ist ihnen dieser Meilenstein auf jeden Fall zuzutrauen.