Die 23-jährige Natalie Sprenger aus Prad hat bereits mehr von der Welt gesehen als die meisten Gleichaltrigen. 2023 ist sie zum ersten Mal allein nach Südostasien aufgebrochen, wo sie sechseinhalb Monate lang mehrere Länder erkundete. Vom Fernweh getrieben stieg sie 2024 erneut in den Flieger. Derzeit lebt und arbeitet sie in Neuseeland.
von Magdalena Dietl Sapelza
Natalie wuchs mit einem Bruder in Prad auf. An die Pflichtschule hat sie schlechte Erinnerungen. „Die Mitschüler haben mich gemobbt“, erinnert sie sich. Nach der Pflichtschule erwarb sie in dreijähriger Ausbildung in der „Johannes Gutenbergschule“ in Bozen das Diplom als Grafikerin. Anschließend stieg sie in die vierte Klasse der WFO in Schlanders ein, weil ihre beste Freundin dort war. Nach der Matura 2021 wollte sie im Rahmen von Work&Travel“ Australien erkunden. Doch wegen Corona waren die Grenzen gesperrt. Daraufhin jobbte sie als Kellnerin und half bei der Apfelernte, bis sie in der Firma „Siebdruck“ in Glurns eine Arbeit als Grafikerin fand. Kurze Zeit später wechselte sie in die Firma LICO nach Müstair. Der Gedanke an eine Reise in die Ferne ließ sie nicht los. „Ich hatte das große Bedürfnis wegzugehen“, sagt sie. Diesmal nahm sie Südostasien ins Visier und begann mit den Vorbereitungen. Am 27. September 2023 saß sie mit dem Backpacking Rucksack, mit Handy und Kreditkarte im Flieger nach Thailand. Mit Hilfe von Apps, die sie sich vor der Reise heruntergeladen hatte, plante sie von Bangkok aus ihr Leben in der unbekannten Welt. Bei der Suche nach der ersten Unterkunft war ihr ein Einheimischer behilflich. „Die Leute sind alle sehr gastfreundlich und helfen dir weiter“, betont sie. Der erste Weg führte sie in einen buddhistischen Tempel, dessen Farbenmuster und Verzierungen sie faszinierten. Angetan war sie auch vom Essen. „Das war für mich als Vegetarierin ganz nach meinem Geschmack“ erklärt sie. Ihr nächstes Ziel war die Tempelstätte Ayutthaya. Dort traf sie auf andere Reisende, die sich wie sie in einer Jugendherberge eingemietet hatten. Eine Trekkingtour führte sie in den Dschungel und zu einem eingezäunten Elefantengehege. „Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass die Tiere frei sein sollten, doch cool war es schon, die Elefanten aus der Nähe zu sehen“, erklärt sie. In einem Bergdorf lebte sie für Tage in einer hippiemäßigen Gemeinschaft. Bei einer nächsten Tempeltour freundete sie sich mit einer Deutschen an, mit der sie eine zeitlang weiterzog. Plötzlich spürte Natalie Krämpfe im Bauch und bekam hohes Fieber. Der Besitzer eines Hostels brachte sie mit einer breiigen Suppe wieder auf die Beine. Während der Bootsfahrt auf dem Mekong nach Laos kehrten die Schmerzen zurück. Sie sorgte sich, dass es eine Blinddarmentzündung sein könnte. Doch man erklärte ihr, dass es wohl die Essensumstellung sei. In einem nächsten Hotel kurierte sie sich dann aus. Die Landschaft und die kulturellen Stätten bezauberte sie. „Ich bin ganz viel gewandert, habe aber auch Busverbindungen genutzt“, sagt sie. „Viele Fahrer sind gefahren, als hätten sie nur ein Leben“, schmunzelt sie. Auf einer Bootstour zur Insel Cat Ba erfuhr sie auf bittere Weise, was es heißt, seekrank zu sein. Vietnam bereiste sie 42 Tage lang teilweise als Sozius auf einem Motorrad. „Vietnam ist ein wunderschönes Land“, schwärmt sie. Silvester 2023 verbrachte sie im Süden Thailands, wo sie Feuerlaternen steigen ließ.
Dann zog sie weiter nach Indonesien. In George Town auf Malaysia erwarb sie den Tauchschein. Dort lernte sie auch ihren heutigen Freund, einen Musiker, kennen, von dem sie sich jedoch im September 2023 verabschieden musste, um heimzukehren. „Ich war traurig, aber froh meine Familie und meine Freunde wiederzusehen“, sagt sie. „Doch ich habe lange gebraucht, bis ich hier wieder richtig angekommen bin.“ In der Firma Siebdruck nahm sie erneut Arbeit an, jedoch nur für befristete Zeit, denn das Fernweh ließ sie nicht los. Im September 2024 landete sie erneut in Bangkok und zog dann mit ihrem Freund nach George Town. Sie suchte nach einer Arbeit und fand keine. Sie informierte sich über Arbeitsmöglichkeiten in Neuseeland. Sie traf auf einen Neuseeländer, der ihr und ihrem Freund eine kostenlose Unterkunft in seiner Heimat Auckland anbot. Natalie und ihr Freund nahmen das Angebot an. Sie nahmen eine sogenannte Freiwilligenarbeit an. Das heißt, sie arbeiteten einige Stunden am Tag in Hotels im Austausch für Verpflegung. Nebenbei erkundeten sie den Tongario Nationalpark mit seinen drei aktiven Vulkanen. Ein besonderes Erlebnis war die Teilnahme am 22 km langen „Tongariro Alpine Crossing“, bei dem eine Bergkette überquert werden musste. „Das war anstrengend, aber schön“, bekräftigt Natalie. Seit kurzem verpacken sie und ihr Freund in Te Puke auf der Nordinsel Neuseelands Kiwis für den Versand. Ihr Arbeitstag hat bis zu zehn Stunden. „Es ist sehr anstrengend, aber mittlerweile haben wir uns daran gewöhnt“, meint Natalie. „Im Juni endet der Vertrag. Dann sehen wir weiter“.
Ihr Working & Holiday-Visum für Neuseeland läuft noch bis Jänner 2026. „Irgendwann möchte ich schon wieder heimkommen“, bekennt sie. „Denn ein bisschen Heimweh habe ich schon.“