Kolumne - „Do hott er si wos inbrockt, der Tappeiner, mit seiner Schnolser-Gschicht! Prum muas er a glei in Ebner Michl ans Bein brunzn!“ „Sell ganget jo nou“, meinte dazu sein Tischnachbar, „obr mit sein leschtn Beitrog über den Gaismair hot er si glei mit viertausend Schüzen ounglegg, weil er in Hofer Ander oitoun hot!“ Dieser scherzhaft-dialektale Einstieg dürfte besonders bei jungen Lesern gut ankommen. Wer hingegen an der Geschichte der Bauernkriege 1525/26 und an Gaismairs Traum von einer Republik Tirol interessiert ist, dem empfehle ich das Büchlein von Ralf Höller, das dazu 2024 bei Raetia-Kohlhamer erschienen ist.
Nun ist es aber an der Zeit, dass wir uns von den Bauernkriegen der Gegenwart nähern. Und da möchte ich an einen Patrioten erinnern, für den das Wort „vergessen“ nur bedingt gilt und bezogen hauptsächlich auf die Partei, an deren Gründung und Aufbau nach 1945 er maßgeblich beteiligt war, nämlich der Südtiroler Volkspartei SVP: Friedl Volgger. Geboren wurde er im Jahr 1914 in Ridnaun als Kind einer Bauernfamilie. Nach Besuch der Volksschule in Ridnaun trat er 1925 ins bischöfliche Knabenseminar und Gymnasium Vinzentinum in Brixen ein. Im Juni 1939 promovierte er an der Universität Innsbruck zum Doktor der Philosophie. Anschließend war er bis 1943 Redakteur der Tageszeitung „Dolomiten“. Ende 1939 gründete er zusammen mit anderen jungen „Dableibern“ den Andreas-Hofer-Bund, eine Vereinigung, die sich um die
Anliegen jener Südtiroler kümmerte, die sich trotz der massiven Propaganda aus dem „Reich“ für den Verbleib in der Heimat entschieden hatten. Und dafür war Rückgrat vonnöten, wofür Volgger dann auch nach dem „Anschluss“ Südtirols am 8. September 1943 an Hitlerdeutschland ins Gefängnis und ab April 1944 ins Konzentrationslager Dachau „wanderte“. Nach seiner Rückkehr in die Heimat war er im Führungsstab der bereits am 08. Mai 1945, also unmittelbar nach dem Einmarsch der Alliierten Streitkräfte in Bozen und am Tag der bedingungslosen Kapitulation Hitlerdeutschlands, gegründeten SVP. Einer der drei Programmpunkte der neuen Partei war, auf die Ausübung des Selbstbestimmungsrechtes des Südtiroler Volkes zu bestehen.
Im August und September 1946 fand in Paris die Friedenskonferenz statt, bei der es auch um unser Schicksal ging. Die österreichische Delegation wurde vom Außenminister Karl Gruber angeführt, die italienische vom Ministerpräsidenten Alcide Degasperi. Es galt, dort auch unsere Stimme zu erheben. Die Partei wollte Friedl Volgger und Otto von Guggenberg als Beobachter zu den Verhandlungen schicken, doch die italienische Polizei verweigerte ihnen die Ausreisepapiere. Sie erreichten das österreichische Ötztal jedoch auf Schleichwegen über die Similaunhütte im Schnals-tal. Der Rest ist bekannt und kann auch in Friedl Volggers
Biografie „Mit Südtirol am Scheideweg“, Haymon Verlag, 1984, nachgelesen werden, auch welche politischen Ämter er bekleidete. Was ihn auszeichnete und noch heute unseren Respekt fordert, ist vor allem seine Courage. Friedl Volgger starb am 12. Mai 1997.
Peter Tappeiner Rechtsanwalt