Schloss Goldrain - Die Sozialdienste der Bezirksgemeinschaft Vinschgau organisierten am 21. März im Bildungshaus Schloss Goldrain eine Tagung zum Thema Migration & Integration. Im Mittelpunkt standen die Themen Arbeit und Wohnen, Gesundheit und Zugehörigkeit, Schule und Bildung.
von Heinrich Zoderer
Seit 2018 ist der SAI-Dienst (Servizio accoglienza integrazione) der Bezirksgemeinschaft Vinschgau aktiv. Dieses staatliche Aufnahme- und Integrationsprogramm unterstützt geflüchtete Personen darin, ihre Selbständigkeit (wieder) zu erlangen. Es geht um die materielle Grundversorgung (Unterkunft und Verpflegung), Begleitung und Unterstützung bei der sozialen Eingliederung, sowie um die Wohn- und Arbeitseingliederung. Barbara Wopfner ist die Koordinatorin dieses Dienstes. Zusammen mit Karin Tschurtschenthaler, der Direktorin der Sozialdienste und unterstützt von Urban Rinner, dem Generalsekretär der Bezirksgemeinschaft und Roselande Gunsch, der Präsidentin der Bezirksgemeinschaft, wurde diese Tagung organisiert. Rund 80 Personen aus dem ganzen Land, von verschiedenen Sozialdiensten, aus Politik und Verwaltung, der Industrie, Tourismus und Landwirtschaft, den Schulen und Bildungseinrichtungen trafen sich in Goldrain, um erstmals bereichsübergreifend Erfahrungen auszutauschen, Kooperationen zu fördern und gemeinsame Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Derzeit gibt es 8 % nicht italienischer Staatsbürger im Vinschgau, der Großteil davon stammt aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, so Sadbhavana Pfaffstaller, Forscherin an der Eurac in Bozen. Ohne Zuwanderer würden unser Betrieb nicht mehr funktionieren, so ein Unternehmer. Aber auch in der Landwirtschaft, im Tourismus und im Pflegebereich arbeiten viele Migranten. Ausgehend von diesen Fakten wurde in sechs Arbeitskreisen über Arbeit & Wohnen, Zugehörigkeit & Gesundheit und Bildung & Schule gesprochen. In der Schlussrunde wurde betont, dass von den Migranten und den Einheimischen Toleranz und Akzeptanz notwendig sind, um zu einer inklusiven Gesellschaft zu werden, die in der Migration nicht nur Probleme, sondern auch Chancen sieht. Das sind große Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Migranten brauchen Sicherheiten: vor allem eine Wohnung und Arbeit. Der Spracherwerb ist der Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe. Wichtig ist, dass nicht nur die Kinder in der Schule die Sprache erlernen, sondern auch die Erwachsenen, vor allem auch die Mütter. Sprachkurse in den Betrieben, von Freiwilligen und die Integration durch die Vereine sind wichtig. Es bräuchte mehr Sprach- und Kulturmediatoren. Einzelne Betriebe bemühen sich, für ihre Mitarbeiter auch Wohnungen zu finden. Notwendig wären auch ein Arbeiterwohnheim im Vinschgau, sowie eine stärkere Unterstützung der Integrationsbeauftragten in jeder Gemeinde und in den größeren Betrieben.
Mals-Landeck - Seit dem 10. Dezember 2023 verkehren zwischen Mals und Landeck die Busse der grenzübergreifenden Linie 273. An sieben Tagen pro Woche finden zwischen 6.40 Uhr und 21.17 Uhr je 14 Hin- und Rückfahrten statt. Betrieben wird die Linie vom Verkehrsverbund Tirol (VVT), in Zusammenarbeit und mit Finanzierung des Landes Südtirol und der STA – Südtiroler Transportstrukturen AG.
Am 25. März hat die Landesregierung nun die Fortführung der Direktbuslinie zwischen Mals und Landeck genehmigt und den Direktor der Landesabteilung Mobilität ermächtigt, die entsprechende Vereinbarung für grenzüberschreitende Verkehrsleistungen zwischen Land Südtirol, VVT und STA zu unterzeichnen. Insgesamt wird das Land Südtirol im Zeitraum von April 2026 bis April 2036 rund 22,7 Millionen Euro in die grenzüberschreitende Direktverbindung investieren. Aufgeteilt auf zehn Jahre wird jährlich an den Verkehrsverbund Tirol die Mitfinanzierung des Dienstes erstattet.
„Diese umsteigefreie Anbindung an Landeck ist ein wichtiges Angebot für Pendelnde, Studierende und Reisende im Vinschgau“, sagt Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider, der den Beschluss eingebracht hat. Neben der Verbindung mit Müstair in der Schweiz bleibe auch die Verbindung mit Landeck in Tirol strategisch wichtig für einen zukunftsfähigen Nahverkehr, der Menschen über Grenzen hinweg verbindet und gleichzeitig die Umwelt schone, erklärt Alfreider.
Partschins - Mit mehr als 600 Angeboten im Jahr 2024 ist der Tourismusverein Partschins ein belebendes Element im Gemeindegeschehen. Gäste und Einheimische, so wurde es bei der Vollversammlung am 17. März konstatiert, nehmen die Angebote gerne wahr.
von Erwin Bernhart
Auf ein sehr gutes Tourismusjahr 2024 blickte der Tourismusvereinspräsident Philip Ganthaler bei der Vollversammlung am 17. März im Vereinshaus von Partschins zurück. Mit rund 333.000 Nächtigungen habe man die Zahlen gegenüber 2023 halten können und ein wenig übertroffen. Regen Zuspruch haben die vielen und vielfältigen Veranstaltungen erhalten, von den Konzerten der Musikkapelle Partschins über die Garden Beats bis hin zum Kinderfest mit der Spende an Comedicus. Bei aller Euphorie vergaß Präsident Ganthaler, so wie man es von ihm gewohnt ist, nicht, auch auf diverse Forderungen und Wünsche hinzuweisen. So in Richtung Amt für Mobilität: Es sei auch an den Wochenenden die Busverbindung zum Bahnhof Töll zu starten. Die Busverbindung in Rabland müsse verstärkt werden, denn es komme vor, dass Gäste und Einheimische wegen überfüllter Busse zurückgelassen werden müssen. Erfreulich sei der Abschluss des Gemeindentwicklungsprogrammes, bei dessen Entstehung die Touristiker rege teilgenommen haben. Eine gemeinsame und tragbare Lösung habe man mit den Gemeindeverwaltern bei der Ortstaxe gefunden. Diese Lösung müsse dann im Herbst wiederum verhandelt werden. Stark unterstützen wollen die Tourismusvereine Partschins und Algund eine Hängebrücke über den Zielbach - und, so Ganthaler - „wir träumen von einem direkten Zugang zum Wasserfall.“
Das gehe, wie auch anderes, nur gemeinsam, wies BM Luis Forcher in seinen Grußworten hin. Tourismusrefernt Ulrich Schweitzer gratulierte den Touristikern und erinnerte an die Gastfreundschaft, die die besondere menschliche Note in der Gemeinde Partschins ausmache. In ihrem Rückblick auf die Tätigkeiten des Tourismusvereines richtete die Geschäftsführerein Karin Thaler die Aufmerksamkeit auch auf die vom Tourismusverein beim Ingenieurbüro Bergmeister in Auftrag gegebene Verkehrszählung. Das fertige Verkehrskonzept liege für die Gemeindeverwalter abholbereit im Tourismusbüro. Auf unzählige Veranstaltungen und Tätigkeiten wies Tahler hin und nicht zuletzt auf die 40 Jahre Meraner Höhenweg. Ein Fest dazu werde es am 30. Juni geben. Bei der Vorausschau auf das laufende Jahr forderte Thaler die Mitglieder dazu auf, den Newsletter, in dem aktuelle Informationen und Tipps weitergegeben werden, verstärkt zu lösen. „Es könnte bei einer Öffnungsrate von 50 % mehr sein“, sagte Thaler.
Über Nachhaltigkeit im Betrieb, über die Wege zur Zertifizierung dahin, informierte Anna Atz von der hgv-Unternehmensberatung.
Wer durch Prad in Richtung Stilfserjoch fährt, der begegnet dem Freilichtmuseum von Lorenz Kuntner. Skulpturen, Totempfähle, bemalte Steine, Tierknochen sind in seinem Freilichtmuseum zu bestaunen. Lorenz Kuntner hat kürzlich im Eigenverlag ein neues Buch mit dem Titel „Die geheimen Kräfte“ herausgebracht. Es ist bereits das 14. Buch von Kuntner. Kuntner gießt seine kunterbunte Gedankenwelt in Gedichtformen. Etwa: „Was erschallt, gleichwohl verhallt, das nennt sich Zeitgeschehen im Vorübergehen.“ Erhältlich ist das Buch beim Autor in Prad.
Partschins - Heuer gelingt es dem Sprenger Seppl genau zum Frühlingsbeginn das Wasserwosser in den Partschinser Waal einzuleiten. Nach dem Ausputzen und Säubern des Waalbettes gemeinsam mit Sohn Daniel und anderen diversen Vorarbeiten ist es am 21. März um 14.00 Uhr soweit und Sepp Sprenger kurbelt die Wassersperre hoch, so dass sich der Waal rasch zu füllen beginnt. Der Partschinser Bauernbundobmann und gleichzeigi Obmann des Bodenverbesserungskonsortiums Partschins betreut den Waal seit 34 Jahren. Je nach Witterung sind auch zwei Inspektionsgänge entlang des Waalweges notwendig, um sicher zu sein, dass der Waal „hepp“ bzw. der Waal an den neuralgischen Stellen intakt ist und dass bei Wolkenbrüchen nicht zuviel Wasser im Waal ist. Die Konzession von 38 Sekundenlitern ist für die Vegetationsperiode vom 15. März bis zum 30. November vorgesehen und das Wasser dient der Beregnung von rund 72 Hektar. An der Nutzleistung und an der Pflege des naturbelassenen Waales und des beliebten, rund einen Kilometer langen Waalweges, erfreuen sich nicht nur die Bauern im Einzugsgebiet, sonder auch die Einheimischen und Gäste, die den Waalweg das ganze Jahr über als Spazierweg, heute sagt man Naherholungsraum, nutzen und genießen. (eb)
Die 23-jährige Natalie Sprenger aus Prad hat bereits mehr von der Welt gesehen als die meisten Gleichaltrigen. 2023 ist sie zum ersten Mal allein nach Südostasien aufgebrochen, wo sie sechseinhalb Monate lang mehrere Länder erkundete. Vom Fernweh getrieben stieg sie 2024 erneut in den Flieger. Derzeit lebt und arbeitet sie in Neuseeland.
von Magdalena Dietl Sapelza
Natalie wuchs mit einem Bruder in Prad auf. An die Pflichtschule hat sie schlechte Erinnerungen. „Die Mitschüler haben mich gemobbt“, erinnert sie sich. Nach der Pflichtschule erwarb sie in dreijähriger Ausbildung in der „Johannes Gutenbergschule“ in Bozen das Diplom als Grafikerin. Anschließend stieg sie in die vierte Klasse der WFO in Schlanders ein, weil ihre beste Freundin dort war. Nach der Matura 2021 wollte sie im Rahmen von Work&Travel“ Australien erkunden. Doch wegen Corona waren die Grenzen gesperrt. Daraufhin jobbte sie als Kellnerin und half bei der Apfelernte, bis sie in der Firma „Siebdruck“ in Glurns eine Arbeit als Grafikerin fand. Kurze Zeit später wechselte sie in die Firma LICO nach Müstair. Der Gedanke an eine Reise in die Ferne ließ sie nicht los. „Ich hatte das große Bedürfnis wegzugehen“, sagt sie. Diesmal nahm sie Südostasien ins Visier und begann mit den Vorbereitungen. Am 27. September 2023 saß sie mit dem Backpacking Rucksack, mit Handy und Kreditkarte im Flieger nach Thailand. Mit Hilfe von Apps, die sie sich vor der Reise heruntergeladen hatte, plante sie von Bangkok aus ihr Leben in der unbekannten Welt. Bei der Suche nach der ersten Unterkunft war ihr ein Einheimischer behilflich. „Die Leute sind alle sehr gastfreundlich und helfen dir weiter“, betont sie. Der erste Weg führte sie in einen buddhistischen Tempel, dessen Farbenmuster und Verzierungen sie faszinierten. Angetan war sie auch vom Essen. „Das war für mich als Vegetarierin ganz nach meinem Geschmack“ erklärt sie. Ihr nächstes Ziel war die Tempelstätte Ayutthaya. Dort traf sie auf andere Reisende, die sich wie sie in einer Jugendherberge eingemietet hatten. Eine Trekkingtour führte sie in den Dschungel und zu einem eingezäunten Elefantengehege. „Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass die Tiere frei sein sollten, doch cool war es schon, die Elefanten aus der Nähe zu sehen“, erklärt sie. In einem Bergdorf lebte sie für Tage in einer hippiemäßigen Gemeinschaft. Bei einer nächsten Tempeltour freundete sie sich mit einer Deutschen an, mit der sie eine zeitlang weiterzog. Plötzlich spürte Natalie Krämpfe im Bauch und bekam hohes Fieber. Der Besitzer eines Hostels brachte sie mit einer breiigen Suppe wieder auf die Beine. Während der Bootsfahrt auf dem Mekong nach Laos kehrten die Schmerzen zurück. Sie sorgte sich, dass es eine Blinddarmentzündung sein könnte. Doch man erklärte ihr, dass es wohl die Essensumstellung sei. In einem nächsten Hotel kurierte sie sich dann aus. Die Landschaft und die kulturellen Stätten bezauberte sie. „Ich bin ganz viel gewandert, habe aber auch Busverbindungen genutzt“, sagt sie. „Viele Fahrer sind gefahren, als hätten sie nur ein Leben“, schmunzelt sie. Auf einer Bootstour zur Insel Cat Ba erfuhr sie auf bittere Weise, was es heißt, seekrank zu sein. Vietnam bereiste sie 42 Tage lang teilweise als Sozius auf einem Motorrad. „Vietnam ist ein wunderschönes Land“, schwärmt sie. Silvester 2023 verbrachte sie im Süden Thailands, wo sie Feuerlaternen steigen ließ.
Dann zog sie weiter nach Indonesien. In George Town auf Malaysia erwarb sie den Tauchschein. Dort lernte sie auch ihren heutigen Freund, einen Musiker, kennen, von dem sie sich jedoch im September 2023 verabschieden musste, um heimzukehren. „Ich war traurig, aber froh meine Familie und meine Freunde wiederzusehen“, sagt sie. „Doch ich habe lange gebraucht, bis ich hier wieder richtig angekommen bin.“ In der Firma Siebdruck nahm sie erneut Arbeit an, jedoch nur für befristete Zeit, denn das Fernweh ließ sie nicht los. Im September 2024 landete sie erneut in Bangkok und zog dann mit ihrem Freund nach George Town. Sie suchte nach einer Arbeit und fand keine. Sie informierte sich über Arbeitsmöglichkeiten in Neuseeland. Sie traf auf einen Neuseeländer, der ihr und ihrem Freund eine kostenlose Unterkunft in seiner Heimat Auckland anbot. Natalie und ihr Freund nahmen das Angebot an. Sie nahmen eine sogenannte Freiwilligenarbeit an. Das heißt, sie arbeiteten einige Stunden am Tag in Hotels im Austausch für Verpflegung. Nebenbei erkundeten sie den Tongario Nationalpark mit seinen drei aktiven Vulkanen. Ein besonderes Erlebnis war die Teilnahme am 22 km langen „Tongariro Alpine Crossing“, bei dem eine Bergkette überquert werden musste. „Das war anstrengend, aber schön“, bekräftigt Natalie. Seit kurzem verpacken sie und ihr Freund in Te Puke auf der Nordinsel Neuseelands Kiwis für den Versand. Ihr Arbeitstag hat bis zu zehn Stunden. „Es ist sehr anstrengend, aber mittlerweile haben wir uns daran gewöhnt“, meint Natalie. „Im Juni endet der Vertrag. Dann sehen wir weiter“.
Ihr Working & Holiday-Visum für Neuseeland läuft noch bis Jänner 2026. „Irgendwann möchte ich schon wieder heimkommen“, bekennt sie. „Denn ein bisschen Heimweh habe ich schon.“
Dorftheater Schleis
Auch in diesem Jahr soll es wieder lustig werden auf der Schleiser Bühne: die Regisseure Peter Abarth und Max Eller inszenieren den Schwank „Der Wunder Doktor aus Afrika“ mit einer Mischung aus altbekannten Gesichtern und jungen Nachwuchstalenten aus Schleis.
Im Schwank aus drei Akten dreht sich alles um Opa Albert und seine unangenehme Krankheit. Weil ihm kein Doktor aus der Umgebung helfen kann, bringt sein Kolleg Heinz den „Wunderdoktor“ Owanga mit nach Schleis. Das sorgt für jede Menge Aufregung: die Pfarrköchin ist strikt dagegen, dass außerhalb der Kirche „Wunder“ vollbracht werden und Reporterin Luise will die Wunder in die Schlagzeilen bringen. Als ein paar Wundergläubige es dann (trotz Owangas Warnung) übertreiben, ist das Chaos perfekt!
Das Stück wird im Sparkassensaal Schleis ab dem 05. April aufgeführt.
Platzreservierung unter: 347 845 88 32
Kolumne - Von den Aktivisten der Südtiroler Feuernacht vom 12. Juni 1961 sind nur mehr wenige am Leben. Einer von ihnen ist Josef Fontana. Er wurde 1937 in Neumarkt geboren, besuchte dort die Volksschule und erlernte das Malerhandwerk. Politisiert wurde er sozusagen „vor Ort“, auch indem er im November 1957 zusammen mit 35.000 Südtirolern an der Großkundgebung in Sigmundskron teilnahm. Deren Protest richtete sich unter anderem gegen die Nichterfüllung des Pariser Vertrages durch Italien. Hier die Vorgeschichte: 1946 verlangen über 150.000 Südtiroler ihre „Heimkehr“ zu Österreich; im September 1946 sichert Italien im sog. Pariser Abkommen die Gewährung einer Selbstverwaltung für Südtirol zu; durch einen „Etikettenschwindel“ wird diese Autonomie auch auf das Trentino ausgeweitet, auch die staatlich forcierte Zuwanderung geht weiter. Manchem Südtiroler, unter ihnen Josef Fontana, „platzt der Kragen“, sie sind für eine „schärfere“ Vorgangsweise. In der Folge kommt es zu Anschlägen, die in der sog. Feuernacht vom Herz-Jesu-Sonntag 1961 gipfelt, bei der in der Umgebung von Bozen an die 40 Hochspannungsmasten in die Luft fliegen. Josef Fontana war schon vorher „in Aktion getreten“, indem er einen Sprengstoffanschlag auf den Ansitz Ettore Tolomeis, des Trentiner Irredentisten und „Erfinders“ tausender Orts- und Flurnamen in Südtirol, in Glen bei Montan und auf zwei im Rohbau befindlichen Volkswohnhäuser in der Sassaristraße n Bozen verübte. Im Mai 1961 wurde er verhaftet, die Feuernacht erlebte er hinter Gittern im Gefängnis von Bozen. Dort bekam er dann bald Gesellschaft, denn nach und nach wurde ein Großteil der Attentäter und auch deren Anführer Sepp Kerschbaumer in Haft genommen. Im Dezember 1963 wurde den 68 Angeklagten vor dem Schwurgericht in Mailand der Prozess gemacht. Für Fontana endete er mit der Verurteilung zu einer Gefängnisstrafe von 10 Jahren und 4 Monaten.
Ab da beginnt für ihn ein neuer Lebensabschnitt. Nachdem ihm eine Einzelzelle im Gefängnis bewilligt wurde, macht er sich ans Studieren: Er holt die Mittelschule nach und bereitet sich in einem Fernstudium auf die Reifeprüfung vor. In Latein bekommt er Nachhilfeunterricht vom Franziskanerpater Leopold, in Englisch bringt ihn der Mithäftling Prof. Andergassen auf Vordermann. Wegen guter Führung wird er nach acht Jahren vorzeitig aus der Haft entlassen. Er legt 1970 in Salzburg die Matura ab und inskribiert anschließend an der Universität Innsbruck Geschichte, Germanistik und Philosophie. Er schließt sein Studium ab mit einer Dissertation über ein nicht sehr ruhmreiches Kapitel in unserer neueren Geschichte, nämlich über den Kulturkampf in Tirol von 1861 bis 1892 und der damit verbundenen Abschottung und geistigen Isolierung des Landes. Josef Fontana arbeitete nach seiner Promotion von 1977 bis 1999 als Sekretär beim Südtiroler Kulturinstitut. Während dieser Zeit verfasste er viele Arbeiten zur Geschichte Tirols, des Südtiroler Unterlandes und eine Biografie von Sepp Kerschbaumer. Er war mit Leib und Seele Historiker, mit ausgeprägter Liebe zum Detail, Bienenfleiß und eisernem Willen. Am meisten aber beeindruckt mich an Fontana, neben seiner aufrechten patriotischen Gesinnung, was er aus seinem Leben gemacht hat!
Peter Tappeiner, Rechtsanwalt
Vinschgau - Die anstehenden Gemeinderatswahlen standen im Vordergrund bei der diesjährigen hds-Bezirksversammlung. Doch nicht nur. Bezirkspräsident Dietmar Spechtenhauser fand einmal mehr klare Worte zur Handelspolitik im Vinschgau.
von Angelika Ploner
Für eine kurzweilige und lebendige Bezirksversammlung sorgte Bezirkspräsident Dietmar Spechtenhauser am 27. März 2025 in der BASIS Vinschgau. Zum einen mit seinem Impulsreferat. Zum anderen mit einer 2-Minuten-Rede-Runde, zu der alle BM-Kandidatinnen und Kandidaten im Vorfeld eingeladen worden waren. Thema: Die Handelspolitik in der eigenen Gemeinde - Positives, Negatives und Visionen. Der Einladung gefolgt sind einige, aber nicht alle.
„Schlechte Handelspolitik hat dermaßen schlechte Auswirkungen, dass wir es zum Thema gemacht haben“, sagte Spechtenhauser. „Der kommunalen Handelspolitik ist wesentlich mehr Bedeutung zuzumessen. Ich betone wesentlich“, so Spechtenhauser wörtlich. Der Handel solle in den Ortzentren stattfinden und nicht außerhalb. „Im Ortskern finden authentische Begegnungen statt, dazu braucht es die Geschäfte und die Gastronomie. Zu glauben an der Staatsstraße Großhandel zu errichten, der wird eines Besseren belehrt. Realitäten außerhalb fehlen dem Ortskern, saugen Kaufkraft ab, sorgen für eine Frequenzabnahme und fördern das Ladensterben im Ortszentrum. Die Dörfer sterben. Ich muss da als Negativbeispiele das geplante Eurospin Kortsch oder das M-Preis Eyrs nennen. Entscheidungen der Gemeindepolitik sind im Interesse der Gemeinschaft zu treffen und nicht für das Profitdenken und den Vorteil Einzelner. Die Zulassung neuer Handelsfläche ist also nur für diejenigen wenigen Warengruppen zu genehmigen, für die es erlaubt ist: Möbel, Getränke, Autohandel usw. Augenmerk und Unterstützung sind auf eine Nachbesetzung und Verdichtung der Einzelhandelsflächen in den Ortskernen zu legen.“
Kommunale Handelspolitik sollte Herzensangelegenheit einer jeden Gemeinde sein. Vor diesem Hintergrund war die 2-Minuten-Rede-Runde der BM-Kanidatinnen und Kandidaten eine interessante: Manche blieben vage, einige waren konkreter. Zwei Beispiele: Heiko Hauser, BM von Schluderns, etwa hat mittels Wirtschaftsförderung für Neuansiedelungen von 10.000 Euro immerhin fünf Betriebe neu oder wieder eröffnen können. Diese müssen drei Jahre bleiben.
Verena Tröger, BMin von Laas: „Ich fühle mich bei den Ohren genommen. Wir haben in Eyrs etwas zugelassen, was uns Bauchweh bereitet.“ Die Ehrung der hds-Mitglieder ist immer ein besonderer Moment: Heuer wurde Ortler Gel Kg der Andrea Weissenegger mit Mutter Rosa und Vater Anton aus Prad für 30 Jahre hds-Mitgliedschaft geehrt.
Philipp Moser, der Präsident, sagte seinen Mitgliedern: „Die Monni Card hat 18,3 Millionen generiert, 57.000 Gutscheine wurden gekauft - ein neuer Rekord.“ Aus hds Servicegenossenschaft wird InService. Und: Eine neue „Miar“-App wird auf den Weg gebracht.
Kürzlich organisierte die Ortsgruppe Rabland des Hoteliers- und Gastwirteverbandes (HGV) für alle Wattbegeisterten im Restaurant „Cutraun“ in Rabland ein Vorausscheidungsturnier des landesweiten Wattturniers „Südtiroler Wattkönig“. Die Sieger der Vorausscheidung, Karl Kainz aus Marling und Manfred Kainz aus St. Gertraud, sicherten sich die begehrten Finalkarten. Das Finale des „Südtiroler Wattkönigs“ findet am 10. Mai 2025 im Sixtussaal der Spezialbier-Brauerei FORST statt.