Die Geschichte der heiligen drei Könige
Am 28. Dezember lud das Prokulus Museum in Naturns zu einem besinnlich-heiteren Stelldichein mit der Theologin und Leiterin der Caritas Hospizbewegung Renate Rottensteiner, um einen historisch-kritischen Blick auf die Geschichte der heiligen drei Könige zu werfen. Eine der vielen gotischen Fresken in der St. Prokulus Kirche zeigt die Huldigung der Sterndeuter aus dem Morgenland, welche dem Stern von Bethlehem folgten, um das neugeborene Jesuskind zu ehren und ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Geschenke zu bringen. So ist die Darstellung der heiligen drei Könige im Evangelium nach Matthäus.
Unter dem Titel „Magisch angezogen und hoffnungsvoll unterwegs“ zeigte die Theologin dabei auf, dass es über diese Könige wenig gesichertes Wissen gibt: Weder deren genaue Anzahl, deren Alter noch die Herkunft sind bekannt - tatsächlich wird im Evangelium nicht von Königen, sondern von „magoi“, also Magiern, gesprochen. Dennoch sind sie wesentlicher Bestandteil in der Erzählung über die Geburtsgeschichte von Jesus und beinhalten auch für die moderne Zeit aktuelle Themen, durch welche der heutige Zuhörer direkt angesprochen wird. Dies vor allem durch den politischen und sozialen Ansatz: Die heiligen drei Könige waren die ersten Nicht- Juden (Heiden) und zudem Fremde aus einem anderen Land (Ausländer), die Jesus huldigten und die Ankunft des Messias früher erkannten als die religiösen Führer in Jerusalem. Somit sind die heiligen drei Könige nicht nur ein traditioneller religiöser Brauch, sondern beinhalten eine sehr aktuelle und gesellschaftlich relevante Botschaft. Sie symbolisieren eine Welt, die gemeinsam auf das Licht, den Stern, schaut, ungeachtet von Hautfarbe, Kultur oder Religion. Damit liegt es an uns, die Geschichte als eine Einladung zu sehen, über die Grenzen hinauszublicken, Vorurteile abzulegen und die Vielfalt der Welt zu feiern.
Musikalisch umrahmt wurde der Vortrag vom Flötenensemble der Musikschule Naturns unter der Leitung von Sibylle Pichler.
Anna Pfitscher